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17.10.1905 Erstes Blatt
 
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«rfchetut täglich anher Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Gießener Kamilien- bläller viermal in der

Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Stein­druckerei. R. Lange. Redaktion, Ervedition und Druckerei:

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Verlag u.Exped.e^K51 Adresie für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Erstes Blatt.

Dienstag 17. Oktober 1905

155. Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger y '**'

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis: monatlich^ Pi., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2. viertel- lährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ihr die Tagesnummer lis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokallLPs, ruSwärts 20 Pfg.

>era..twortltch für den polit. und allgem. Teil: P. Wittko; für Stadt und ßantr und Gerichtssaal*: Ernst Heß; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

3>te heutige Dummer umfaßt 8 Seiten.

Kine Kaiserrede zu ßhren des Jürsten v. Monaco.

Lindenberg (Kreis Bceskow-Storkow), 16. Oft.

Heute mittag fand die Einweihung des neu errichteten preuß. Aeronautischen Observatoriums statt. Ter Kaiser traf mittels Sondcrzuges dazu hier ein. Kul­tusminister Tr. Studt dankte dem Kaiser für sein Erscheinen, hob das Lege Interesse und die Förderung hervor, die der Kaiser der jungen Wissenschaft entgegen ^"bracht habe, und übergab dann das Observatorium dem Direktor des Instituts Prof. Dr. med. et phil- Aßmann. Hierauf hielt der Kaiser folgende Ansprache:

Ich möchte Ihnen meine vollste Freude aussprcchen, daß wir nun endlich zur Weihe dieses Institutes schreiten Tonnen. Was Se. Exz. der Herr Kultusminister eben erwähnt hat bezüglich meiner Verdienste, kann ich mir nicht zurechnen. Es wäre nicht möglich gewesen, verständnisvolle Unterstützung Ihren Bestreb­ungen leisten zu können, wenn ich nicht von hoher Seite in ganz hervorragendem Maße belehrt und an- geleitet worden wäre. Es liegt mir daran, vor diesem ge­lehrten Publikum Sr. Durch!, dem Fürsten von Monaco iHeiner Dankbarkeit Ausdruck zu geben für die nnregenben (Gedanken, die er mir in bezug aus die Erforschung des Luftmeeres bat zuteil werden lassen, und für die rührige Arbeit, die er selbst dazu geleistet hat. Ihnen allen ist bekannt, wie der Fürst sein ganzes Leben lang fein Wissen und Können in den Dienst der Wissenschaft gestellt hat, und ich glaube darum in Ihrer Aller Sinne zu handeln, wenn ich diese Gelegenheit ergreife, um dem Fürsten als ein Zeichen besonderer Anerkennung die große goldene Medaille für Wissenschaft zu vev- leihen. Ich freue mich, dies in Gegenwart so großer Gelehrter hin zu können."

Professor Dr. Aßmann gab dann in seiner Festrede einen Rückblick auf die Entwrcklungder Aeronautik. Er besprach den Stand der Forschung und schilderte die wissenschaftlichen Hilfsmittel des Observatoriums. Den Schluß der Feier bildete eine Besichtigung der Anlage, wobei Drachenaufftiege vorgeführt wurden. Ter Feier wohnten außer dem Fürsten von Monaco u. a, bei Kriegs- winister v. Einem, der Ches des Geheimen Zivilkabinetts Dr. v. Lucanus, die Offiziere der Luftschifferabteilung, zahl- iceiche Gelehrte, unter ihnen die Professoren Slaby, Berson und HergeseN, mehrere höhere Offiziere.

Ter französische Gelehrte Theisserence de Bort erhielt den Roten Adlerorden 2. Kl. und der amerik. Gelehrte R o t ch den Roten Adlerorden -stKH

Votitische Tagesschau.

Großfürst Cyrill, won dem wir gestern meldeten, daß er dieser Tage im romantijch gelegenen oberba-er. Orte Tegernsee den Besuch sseines jüngeren Bruders Andrej erhielt und dann alsbald in dessen Begleitung nach Verabschiedung von der Groß- 'herzogin Viktoria Melitta abreiste, bisher Flügeladjutant des Zaren, ist, wie ein Telegramm aus Petersburg meldet, durch Tagesbefehl vom 15. d. M.aus dem Dienst ge- schlosse n", was gleichbedeutend ist mit der S t r e i ch u n g aus den Armeeli sten. Es ist das ein Zeichen der äußersten Ungnade des Zaren.

Großfürst Cyrill der älteste Sohn des Großfürsten Wladimir und der Großfürstin Maria Paulowna, einer geb. Herzogin von Mecklenburg-Schwerin, ist ein Vetter des Zaren Nikolaus II. Im Beginn des russisch-japanischen Krieges wurde er mit seinem Bruder Boris auf den Kriegs­schauplatz geschickt, wo er dem Stabe des Vizeadmirals Ma­karow in Port Arthur zugeteilt wurde. Bei der Katastrophe desPetropawlowsk", der, wie bekannt, auf eine Mine lief und in die Luft flog, kam er mit leichten Verletzungen davon, kehrte jedoch bald nach Europa zurück.

Ter Fall des Großfürsten Cyrill ist im russischen Kaiser­hause nicht vereinzelt. Erst vor wenigen I.. ren verlor Großfürst Paul, der, gegen den Willen des Zaren, die ge­schiedene Gattin des Obersten Pistohlkoes geheiratet hatte, seine Würden in der russischen Armee und lebt seitdem mit seiner durch den Prinzregenten von Bayern zur Gräfin von Hohenfelsen erhobenen Gemahlin in Paris.

Großfürst Cyrill gedenkt fick' bei Goldberg in der Nähe von Neuseß ber Koburg anzukaufen. Er steht bereits in Unterhandlungen mit dem Rittergutsbesitzer Rückert, einem Enkel des Dichters Friedrich Rückert.

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EineProtestimtenpartei?"

-tt- Berlin, 16. Oktober.

Der angeblich nicht mehr lebensfähige Liberalismus ist für feine Gegner andauernd Gegenstand der Beun­ruhigung. Jetzt sagt man ihm Pläne nach, die gewisser­maßen auf eine Verzweiflungsaktion hinauslaufen. Da die Werbekraft deS politischen Liberalismus gebrochen fei, gehe das Bestreben dahin, eineProtestantische Partei" als Gegengewicht gegen die konservative Partei zu sammeln. So konstatiert wenigstens dieKreuzztg.", indem sie ausdrücklich heroorhebt, daß Nationalliberale und Freisinnige hier gemeinsame Sache machen. DieKreuzztg." ist bekanntlich dasjenige Preßorgan der Rechten, das für ein Zusammengehen zwischen Konservativen und Zentrum und für Zurückstellung der konfessionellen Gegensätze eintritt, eine Haltung, die sich dec konservativen Sache in den Kreisen der evangelischen Geistlichkeit als nicht förderlich erwiesen hat. Deshalb warnt jetzt dieKreuzztg." diese Mißvergnügten, sich von den Liberalen umgarnen zu lassen, die die Macht des Zentrums übertrieben und sich als einzige Vertreter nationalen Geisteslebens hinstellten, um ihren stark gelichteten Reihen neue Mitglieder zuzuführen und mit dem Programm:

Kampf gegen Rom!" wieder politische Bedeutung zu er­langen.

DieKreuzztg." gibt da ein durchaus verzeichnetes Bild der Sachlage. Tatsächlich ist der Gedanke der Bildung einer Protestantischen Partei" schon in der Zeit der letzten Reichs- tagSwahlen aufgetaucht. Er wurde aber grade von den Liberalen abgelehnt, aus der Erwägung heraus, daß es der Parteien genug in Deutschland gebe. Der Gedanke wurde dann wieder aufgenommen im Evangelischen Bunde. Aber auch die Mehrheit dieser Organisation konnte sich bisher nicht befreunden mit dem Entschluß, in die politische Arena einzuziehen und als besondere politische Partei die Sache des Protestantismus zu vertreten. DieKreuzztg." bekämpft ein Phantom, wenn sie gegen die Bildung einer liberalenPro­testantischen Partei" eifert. Sie täte gut, ihre eigene Haltung an dem Maßstab der Tatsache zu messen, daß das Zentrum die Wahlhilfe der Sozialdemokratie in Bayern nicht ver­schmähte, um den Liberalismus, der doch seine unbestreitbaren nationalen Verdienste hat, an die Wand zu drücken.

*

Zur Beendigung des Berliner Lohnkampfes.

Nachdem derVorwärts" mit allen Mitteln die Kampfeslust der Arbeiter der Elektrizitätsindustrie angefacht hat, muß er darauf bedacht sein, die unbestreitbare Nieder­lage der Arbeiter seinen betörten Lesern mundgerecht zu machen. Ties geschieht in der Weise, das; derVorwärts" gleichzeitig für eine mittelbare Rechtfertigung des soeben in Berlin arg bloßgestellten Jenaer Massen streik-Be­schlusses Sorge trägt. Tas sozialdemokratische Zentral­organ redet nämlich den Arbeitern ein: sie seien nicht den Unternehmern, sondern den Behörden unterlegen.

Feuerwehrleute und Lokomotivheizer", so fcfyreibt derVor­wärts",wurden in die Werke entsendet und ebenso sollen Sol­daten in Zivil statt im Dienste des Vaterlandes im Dienste des Kapitalismus tätig gewesen sein . . . Wenn die Mhördcn nicht . . . das Eingreifen der Maschinisten und Heizer illusorisch gemacht hätten, so war der Sieg auf der Seite der Arbeiterschaft." In Ueb er ernstimmun a mit solchen Phantasien steht die weitere Behauptung, daß es zu einerwirklichen Macht­probe" zwischen den Unternehmern und derunvorbereiteten" Arbeiterschaft gar nicht gekommen sei und daß derab­gebrochene" Kampf schwerlich als ein Schulbeispiel für die Wirkung der Aussperrungstaktik angesehen werden könne.

Zum Unglück für denVorwärts" steht das Zentral- organ de r^ sozialdemokratischen Gewerkschaf­ten in seiner neuesten Nummer keineswegs auf einem auch nur entfernt ähnlichen Standpunkt. Tie Rolle, die derVorwärts" den Behörden zuschreibt, schmilzt für das gewerkschaftliche Zentralorgan zu der nüchternen Feststell­ung zusammen:Es gelang der Betriebsleitung, durch In­genieure, Feuerwehrleute und Streikbrecher den Betrieb einigermaßen aufrecht zu erhalten."

Ebensowenig stellt das Gewerkschaftsblatt die Tatsache einer wirklichen Machtprobe in Abrede, und was die an­geblichunvorbereitete" Arbeiterschaft anbelangt, so be­tont das Organ der Generalkommission ausdrücklich: beim Bergarbeiterstreik hätten ungerüstete Organisationen mit unzureichenden Mitteln gekämpft,hier aber find", heißt es dann wörtlich,die bedeutendsten Arbeiter ver­bände angegriffen worden, die den Kampf mit gewohnter Schulung und mit erheblichen Mitteln führen".

Tie vorstehenden Ausführungen des Gewerkschafts­organs genügen für die Widerlegung des Parteiblattes, welches durch seine haltlose Tarstetlung den Jenaer Massenstreik-Beschluß stützen und den Groll der Arbeiter­schaft über die selbstverschuldete Niederlage gegen die Be­hörden ablenken wollte.

Zur Tabakstenerflage

erfährt dieSudd. Tabakztg.", daß bisher zwischen den verbündeten Regierungen nur eine Einigkeit in» betreff einer Besteuerung der Zigaretten in der Form der Zigarettenpapiersteuer erzielt worden sei. Auch in- betreff einer Erhöhung des Zolles auf Fabri­kate durfte wohl eine Verftändigung erzielt werden. Tas Blatt bemerkt dazu:

Wie wir schon früher mitteiften, ist außer in einzelnen Regiestaaten nur in Griechenland, Bulgarien und Rumänien eine Zigarettenpapiersteuer eingefiihrt, deren Erhebung zwar nicht lästig ist, aber eine fortgesetzte Kontrolle erfordert. In Bulgarien müssen sogar die Köpierbücher der Kaufleute durchlocht werden, damit die Seidenblättcr nicht als Zigarettenpapier Verwendung finden. Rußland und die Bereinigten Staaten von Nordamerika haben eine Fabrikatsteuer, die in Deutschland auf den aller­größten Widerspruch stößt. Wie man sich erzählt, soll Handels­minister Möller, der bekanntlich ein erprobter Freund der westfälischen Zigarrenindustrie ist, zu den entschiedensten Gegnern einer Tabaffteuer sowie jeder Zollerhohun-' auf Tobak gehören." Sollte etwa gar der Widerstand Möllers gegen die Erhöhung der Tabaksteuer dazu beigetragen haben, Herrn v. Lneanns in Bewegung zu seven?

Bon, russisch-japanischen Friedensschluß.

Petersburg, 16. Oft. Nachdem der Friedensvertrag von beiden Seiten ratifiziert worden ist, werden nunmehr die Einzelheiten des Friedensvertrages veröffentlicht. Tie Artikel weichen in verschiedenen Punkten von den bereits veröffentlichten Versionen ab.

Tokio, 16 Okt. Baron Komura wurde heute vom Kaiser in mehrstündiger Audienz empfangen. Ter Kaiser überreichte Komura die selbstgeschriebene Botschaft, in der er seine Freude über den zufriedenstellenden Abschluß des Friedens ausspricht, und welche die t r e f f l i ch e n T i e n st e Kvmuras bei der Friedenskonferenz in Portsmouth her­vorhebt Es heißt, es sei der Befehl nach dem mandschri- rischeu Hauptquartier gesandt, die Räumun g am 16. Okt. zu beginnen. Man erwartet in Japan, daß die vollständige

Räumung in sechs Monaten beendet ist. Der Kriegs- m in ist er erließ einen Befehl an sämtliche Armeen, in welchem er Kritil an den Friedensbedingungen ver­bietet, da Friede und Krieg gänzlich von dem Herrscher abhängen.

Newyork, 16. Oft. DemSun" zufolge wird jetzt die erste Handlung Rußlands in Ostasien dahin gehen,, Wladiwostok zu verproviantieren.

London, 16. Okt. Rußland ruft et sich bereits! zu neuen Unternehmungen in Asien. Eine russ. Expedition ist jetzt unterwegs nach der Knste des persi­schen Meerbusens, wo fie demnächst eintrifft. Die Expedition verfolgt politische sowie wirtschaftliche Zwecke. Rußland verschickt auch große Quantitäten Eisenbahn­material nach Zentralasien. DieTimes" melden aus Tokio, daß die Japaner den amerikanischen DampferCenternial" in der Soya-Meerenge, unterwegs nach Wladiwostok, fest hielten.

Wusstlche Meuigketteu.

In Petersburg wurden bei den Zusammenstößen mit dem Militär vor dem Rikolaibahnhose bei der Leichenfeier für den Fürsten Trubetzkoi infolge der auSgebrochenen Panik 6 Menschen erdrückt. 16 Personen erlitten Arm- und Beinbrüche. Die Zahl der Verwundeten ist nicht festgestellt. Späterhin erfolgte vor der Universität ein nochmaliger Zu­sammenstoß zwischen Studenten, Arbeitern und Militär, bei welchem an 20 Verwundete aus der Straße liegen blieben.

In Petersburg wurde ferner während einer Feier: im 5. Gymnasium, als die Nationalhymne gespielt wurde, gepsiffen und eine Knallbombe geworfen. Dadurch ent­stand eine Panik. Alles drängte nach den AuSgängerr, wobei mehrere Damen ohnmächtig wurden. Verletzt wurde niemand.

Großes Aufsehen erregt in Schuscha im Kaukasus ein von armenischen Realschülern begangene? Verbrechen., Die jungen Herrchen schlichen sich an den auf einem Felsen postierten Wachtposten heran und stürzten den nichts ahnenden Soldaten von dem Felsen herab in den Abgrund, wo er zerschmettert tot liegen blieb. Sie nahmen; sodann das Gewehr des Soldaten mit. Die Waffe wurd» zum Verräter und die Burschen von der Polizei verhaftet.

Veutsches Kcidfre

Berlin, 16. Okt. Dec Kaiser empfing gestern im Neuen Palais Profeffor Schütte, Rektor der Technischem Hochschule in Danzig. Zur Abendtafel war der Fürst von Monaco geladen.

Ein Wechsel soll auch im preußischen Justiz­mini st eri um bevocstehen, und eS verlautet, der Kammer- gerichtspcäsident v. Schmidt sei zum Nachfolger Schönstedts auSersehen. Schon bei der Berufung v. Schmidts an das Kammergericht, die auf die persönliche Initiative des Kaisers zurückgeführt wurde, hieß es, daß der Posten nur als Durch- gangSstadium für das Justizministerium gedacht sei.

Die Abhaltung deS Deutschen St ädt eta geS soll: nach einem letzthin gefaßten Befchluffe eine dauernde Ein­richtung werden. Zu diesem Zwecke wird jetzt beabsichtigt, in einer noch zu bestimmenden Stadt eine Zentralstelle zu errichten, mit dec eine Bücherei verbunden werden wird. Diese Zentralstelle soll über alle städtischen Einrichtungen^ Auskunft geben. Studien über deutsches StadtoerwaltungS- und Stadtoerfassungsrecht, ferner über Städtewesen, Städte­entwickelung und Stadtgeschäste werden hier an der Hand eines vollständig gesichteten Stoffes betrieben werden können. An die Spitze dieser Zentralstelle wird ein juristisch ober volkswirtschaftlich gebildeter Direktor gestellt werden. Die 152 Städte bis herab zu solchen mit 25000 Ein» wohnern vertreten zur Zeit eine Bevölkerung von rund 13 520 000 Köpfen; die Städteverbände sind hierbei nicht mitgezählt. Die Unterhaltung der Zentralstelle wird pro Jahr 20 000 Mark beanspruchen.

Ausland.

Stockholm, 16. Okt. Beide Kammern nahmen heute den Regierungsvorschlag, betreffend die Aufhebung der Unionsakte von 1814 und die Anerkennung Nor- aiegens als eines von der Union mit Schweden gelöste» Staates, an. Sie stimmten dem Gesetzentwurf betreffs Ent­fernung des UnionSzeichenZ auS der schwedischen Flagge und Ersetzung desselben durch ein blaues Feld zu.

Christiansa, 16. Okt.Astenposten" schreibt: Die Antwort des Königs Oskar auf die Auflage deS norweg. Storthing bezüglich der Kandidatur eines Prinzen au8 dem Haufe Bern adotte wird wahrscheinlich morgen em» laufen und abschlägig lauten. Unmittelbar daraus wird die norwegische Regierung den Störung um die Ermäch­tigung angehen, sich an den Prinzen Karl von Däne­mark wegen Annahme einer Wahl zum König von Norwegen zu wenden. Nach Eingang der Antwort, welche voraus­sichtlich zusagend sein wird, wird der Storthing gleich zur KönigSwahl schreiten.

London, 16. Okt. Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß die Mächte energische Schritte gegen die Türkei zu unter­nehmen gedenken. Infolge der dritten Ablehnung der Pforte, die finanzielle Kontrolle über Mazedonien an­zunehmen, dürfte eine gemeinsame Flotten-Demon- stration gegen die Türkei, und zwar voraussichtlich vor Saloniki, veranstaltet werden.