Ausgabe 
15.11.1905 Erstes Blatt
 
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Eisen feliil dem B!ut der Blutarmen und Bleichsüchtigen. Am wirksamsten wird das Eisen dem Körper durch das wohlschmeckende Perdynamln (1 Flasche 2,50 M.) oder durch den nährenden PerdyHamill-KakaO 1 Büchse 2.7)0 M. zugeführt. Letzterer ist an Stelle des Morgenkaffees zn trinken.

'mit Grazie zwischen Sein und Nichtsein schwankt, durchaus »natürlich und charakteristisch, ohne durch platte Realismen zu istören, und der Verb glitt meist so glatt und leicht über die Lippen, als ob er der unwillkürliche Ausdruck der darzu-- siellenden Wesen wäre. Daß dabei daS Recht deS Reim- INangeS etwa zu kurz kam, kann kaum gesagt werden. Mit lehr viel Glück war trotz unseres verhältnismäßig doch nicht .großen Personals daS harmonische Lustsvielquartett auf vier raufd beste passende Darsteller verteilt, die melodiesührenden .und seelenvoll duettierenden Oberstimmen auf Frl. D on ecker sund Herrn Lüttj oha nu, die obligate neckische Begleitung in jder verminderten Tonart auf Frl. Schellen berg und Herrn Reimer.

Im MaSkenspiel deS 1. Aktes wird einmal gesagt, daß itnon später die Mädchen nur an der Stimme erkennen und -üon einander würde unterscheiden können. Sind also die Rollen der beiden Schwestern durch zwei Damen von ver­schiedener Figur besetzt, dann fällt ein Teil der Intrigue in sich zusammen. Da will e§ ein hübscher Zufall, daß die genannten beiden jungen Damen fast gleich an Größe, und in der Figur nicht gerade durchaus unähnlich sind. Frl. Schellenberg hat gestern abend den Vogel abgeschossen. Sie war von bestrickendster Anmut und Schalkhaftigkeit. Ihre muntere kleine Seele hatte sie in die köstlichste Lustspiel- Imme, in den Uebermut rheinischen Karnevals getaucht, und ganz reizend war ihre heitere Beredsamkeit, waren ihre schnippischen Knickse ivie ihr sprudelndes Flackerzörnchen. Und wie ein silbernes Glöcklein klang ihre holde Stimme. Zu allemdem sah sie wunderlieblich au5 sowohl im Puder- Haar des RokkokodärnchenS ivie im lichtblauen Schmucke der eleganten Modedame. Ta? frisch Zilgreifende stand ihrer Froh- natur so vortrefflich, daß man ihr gleich ihrem Partner von Herzen gilt sein mußte. Dieser Partner. Herr Re im er, brachte seinen .ganzen kernigen, hier vortrefflich vassenden Shakespeareschen Graziano-Humor für die Rolle deS Advokaten und praktischen Weltmannes mit, und gab an Geschmack und künstlerischem ^Schliff so viel, als i()in eigen ist, und das ist b -nllich ! -rcht respektabel. Was immer wieder besonders an ihm er-

Bei der Borstandswahl wurden Pfarrer Röschen-Freien­den und Weber-Laug-Göns wieder, und anstelle des aus- iqeschiedenen Pfarrers Mickel Pfarrer K'ö hle r-Rohrlnw) neu ^^Msdami wnckde in die Beratung der Frage über dieFür­sorge für entlassene Gefangene" eingetreten. Den ,-Anlaß dazu hatte ein Ausschreiben Großh. Oberkonsistoriums gegeben, in dem den Erziehungsvereinen die Aufgabe, die ent­lassenen Gefangenen in Stellungen unterynbringeii, zugeichoben war. .Herr Oberstaatsanwalt Theobald führte dazu aus, daß die Arbeit zu tun sei im Anschluß an den hessischen Schutzverem für entlassene Gefangene, der im verflossenen Geschäftsiahre 30b Entlassene in seiner Fürsorge gehabt und dafür ca. 10 000 Mk aufgewendet habe. Es sei besonders sein Wunsch gewesen, daß die Ersahrimg der Erziehungsvereine auch für die entlaßenen -Gefangenen nutzbar gemacht werde. Die Erziehiingsvereme feien dazu besonders geeignet, da ihre Tätigkeit sich schon in in andrer Beziehung mit der der Schuhvereine berühre. Die Mehrarbeit «Werde auch nicht allzugroß sein. Es handele sich im wesent­lichen um solche, die zu ländlicher Arbeit verwendet werden sollen. Deren seien doch inrmerhin höchstens die Halst? aller Entlassenen. Jedenfalls werde die Uebernahme dieses Liebes­dienstes die Teilnahme an den Erziehungsvereinen nur erhöhen. Rach eingehender Besprechung wurde beschlossen, daß der Verband 'jid) dem Schutzverein für diese Hilfs"rbeit mr Verfügung stelle.

Märkte.

fc Rrnnff urt a. M., 14. Nov. Heu- und Stroh, markt.' Man notierte: Heu Mll 3.70 bis Mk. 400 Stroh Mk. 2.60 bis Mk. 3 00. ?llles r > Qilo. senden;: lebt kit.

Fiahrcsfeft des Oberheffischcn Vereins für innere Mission.

Gießen, den 14. Nov. 1905.

Um lOVi Uhr versanrmelten sich im Matchaussaal die Ve r- ttveter und Freunde des Verbandes der O b erhe, i i s ck e n Erziehungsvereine. Von feiten der Behörden tr'rci; Oberkonsistorialrat D. Petersen, Regiemngsrat Dr W a g ' und Kreisamtmann Bernbeck aus ^wiedberg erzch-.en? dem interessanten Jahresbericht des Vorsitzenden. Roschen ans Freienseen, heben wir folgendes Heriw Gesetze über die staatlich geordnete Fürsorgeerzichur. i , billigen Ansprüchen gegenüber bcttwbrt. Angesichts i r tiefen Verwahrlosung, in der viele Kinder der Fürsorgeerziehung über­geben werden, darf die Erwartung nickst zu hoch gespannt werden. Aber die Erfahrungen der Erziehungsvereine und nicht schlecht. Rach den letzten Veröffentlichungen hat die Kriminalität der Jugendlichen um 3 Prozent abgenommen. Das Kreisamt Worms stellt fest, daß bei 80 Prozent der Pfleglinge die Fürsorge­erziehung von Erfolg gewesen sei. Die Erziehungsanstalt Arns­burg rechnet mit 74 Prozent. Die Arbeit der Vereine ist wieder gewacksten. Jrn Jahre 1904iuarcn 508 Pfleglinge in der Pflege der Verbandsvereine, gegen 492 in 1903. (Friedberg 239, Grim­berg 106, Lauterbach 61, Büdingen 38, Schotten 34, Alcheld nnd Nidda je 9, Gießen 7, Hungen 51, dar "r 282 Kvufirmierte ,(167 Knaben und 115 Mädchen). Auch l -in Hessen hat sich

.ein Verband der Erziehungsvereine gebitb.. i.o der Zusammen- ckchluß der 3 Provinzialverbände zu einem andesverbaud ist im Gang. Das Verhältnis der Erziehungsvereine zu den Nettuugs- anstalten ist noch nicht völlig gellärt. Der Vorsitzende des Dessi- fchen Rettungshausverbandes, Herr Konsistorialrat Jäger m Berstadt, bat sich freudig zur gemeinsamen Arbeit mit den Erziehungsvereinen bereit erllärt. Begrüßt wurde die Begründ­ung des Vereins für geschichtliche Psychologie und Pspcknattie und dessen Eintritt in die Erörterung der Fürsorgeerziehungs-

freut, ist, daß er stets mit ganzer Seele bei der Sache ist, daß er ganz in ihr ausgebt, daß er innerlich lebt, was er, ob redend oder hörend, spielt. Und diesmal ist noch aus- drücklich zu betonen, daß er kaum eine der zahllosen, sich jagenden Pointen von epigramatischer Schärfe zu Boden allen ließ, was den Mitspielern doch bisweilen passierte.

Frl. Donecker sprach ihren besonders schönen Part mit vollster Wärme und hingebungsstarker Innigkeit in der Tongebung und feinem, eindringlichen Verständnis. Sie hatte den Geist der ßochgestimmten Dichtung voll in sich ausgenommen und durchgesüh t. Es lag eine frartc, tief empfindende Seele auf ihrer Zunge. Eins aber wirkt immer noch störend an ihr, die Unausgeglichenheit ihrer Beweg­ungen, ihre etwas schleppende, der Anmut entbeh^nde Gangart. Sollte sich dieser rein äußerliche, aber doch nicht zu unterschätzende Mangel bei einiger Energie nicht überwinden lassen? Bei ihrem schönen Talent und ihrem offensichtlichen künstlerischen Ernst wäre auf die Dauer dieser Mangel ihrem Fortkommen zweifellos hinderlich. Ten lachenden Erben mit der Zweiflermiene, auf die ein erwachendes Herzens- geheimnis seine süßen Schatten wirft, spielte Herr L ü 11» j o b a ii n gleichfalls mit edler Warme und Innigkeit und in der Verstellungskomödie nrit Humor, nnt dem leichten und gefälligen Ton, den Haiidlung und Stinnnung deS Stückes erfordern. Freilich hätte namentlich im ersten Akt eine liefere seelische Anteilnahme, das Vibrieren des von heißer Liebe entzündeten schwärmenden Herzens dem Ganzen zu noch größer ent Vorteil gereicht. Man fühlte, daß Rolle und Darsteller einander noch manches mitzuteilen gehabt hätten bei gründlicherer Bckannlsclxift. Dafür zeigte er maß­volle Besonnenheit und gute Haltung. Hierin hat er gegen das Vorjahr wesentliche Fortschritte gemacht. Er ist über­haupt männlicher, reifer, auch hübscher geworden und ver­spricht ein recht tüchtiger jugendlicher Held zu werden.

So 'erwiesen sich die vier Mitwirkenden als trefflich begabte Künstler, die dem llassischeu Werke Genüge taten und durch eigene künstlens-ck)c Gestaltung in den anmuts­reichen Liebcsgesprächen - ch selbst zur Ehre mitwirkten. Nnd was der Darstellung ihren besonderen leuchtenden Reiz re'- ->a§ war die blühende, gtül/enbe Jugend des vier­ten Künstlerkleeblatts.

Eine Million. Im Oktober bat dieV i k t o r i a' zum ersten Male in einem Monat in ihrer Volks-Versichei-ung an die Versicherten für Sterbefälle und abaelaistene Versicherungen mehr als eine Million Mark gezahlt. Hierin stecken die Gewinnanteile,^die rund vi der gezahlten Versicherungssummen ausnia. -n. -i tc uus- zahlungeii wach'en von Monat zu Monat, von ahv zu Jahr, wen mit dem wachsenden Alter und der wachsenden Grone des Per- sicherungsbestandes die Sterbeiälle zunehmen in-.d immer mehr Versicherungen ablaicken. TieV i k t o r i an nahm die Volksver- sicherung im Jahre 1892 aus und hatte schon in wenigen Jahren die anderen deutschen Gesellschailen überflügelt. $£r lediger -jer« sicherungs-Bestand beträgt über eine halbe Milliaide Mack und mehr als bei allen anderen deutschen Gesellschaften zusammeu- genommen. Tie Zahl ist noch klein im Vergleich mit den Zahlen in Amerika und England. Hat doch dieRtetropolitan m New- Bork einen Bestand von 6 Milliarden und die .Prudential in London enienBestand von STliUiarben Mark. Aber die deutschen Gesellschasteu, dieViktoria' voran, leisteii ihren Versicherten in jeder Hinsicht mehr als die eiiglischen und amerikanischen. ~er volkswirtschaftliche Wert der Volks-Versicherung ist garnicht hoch genug z»i veranschlagen. Sie bietet siir Erwachsene wie sur Kinder aus 'der Grundlage zuverlässiger mathematischer Rechnungen und einer erprobten geschäftlichen Organisation Lebensversicherung ohne ärztliche Untersuchung gegen Wochenbeilräge. -tie Versichonings- funune wird fällig, bei Ablaui der Versicherungsdaner oder- b. vorzeitigem Tode. Das regelmäßige Abholen der geringen Wochen- b ei träge übt einen heilsamen Sparzwang aus, dem man sich gern unterwirft. Was hätten wohl die Versicherten oder chreHmer- bitebenen von der im Oktober ausgezahlten Million ohne die Volks- Versicherung? Wahrscheinlich nichts oder verschwindend weniq.' Was an Beitrügen gezahlt werden mußte, wäre sonst unmerklch nut ausgegeben worden, ohne irgend eine Epiir zu hinter lassen.

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Landtags einer feiner Führer ganz offen gesagt bat. Warum sollte es also denn durchaus das ihm vorteilhaftere indirekte Wahlrecht beseitigen! Aber selbst darf es dem direkten keine Hmdernisse in den Weg legen, um s^^ lerven Be­teuerungen nicht selbst Lügen zu strafen,, daher fcßt man lieber einen anderen dieses Odium auf sich nchrnen, und dieser andere sollte eben der Reichsrat sein Tas ist der wahre Grund, weswegen das Zentrinn so bartnackig an feinen Abänderungen des Entwurfes festhalt: Inder

Kammer ist es ihm von den Gegnern ziemlich ^luverblumt gesagt worden, wogegen es natürlich mit schöner Entrüstung yr°t Im Verlauf der Verhandlungen Über den Wahlaesetz- enttourf war noch als weitere interessante Beobachtn g festzustellen, daß das Zentrum in semer MiNister- stürzerei, die sie nach den großsprecherischen ungen gar nicht schnell genug beim verhaßten ©rafett Feilitzsch dem Minister des Innern, beginnen konnte auf­fällig innegehalten hat. Ein Kennzeichen brerfur ist, daß der als Totengräber des Genannten ausersehene Tr. Heun die Berichterstattung über dessen Etat niedergelegt hat.^Man sagt wegen Nervenüberreizung, kann aber nicht verhindern daß Dr.' Heim als sehr wohlaussehend befunden wird, und daß man'sich erinnert, daß der Reg höchst cr bitt er ist Über das demagogische C*Mren des t rflchen Zentrums Was liegt da näher, als anzunehmen, uap tue ^wlomaten und Konservativen des Zentrums, die nc!ch dem Hofe hm sehr gute Fühlung haben, ihren Emfluß aufboten, um hrer zeitweilig zu bremsen.

der Krcisamter. . .... ,

Ter gut besuchte Festgottesdienst m der Stadtkirche, der, wie üblich, von Gesängen des Kttchngesgngvercins sckwn geschmückt wer. brachte einen sehr wohltuendenRuf zur Stille aus oem Munde oes FcüprediaerS, Pfarrer Palmer aus Offen­bach, auf C'tanib von Psalm 46, 11. Sehr anregende Vorttage bot auch die A b e n d v e r s a m m l u n g in Steins r t en. Rach einer einleitenden Ansprache W Vorsitzenden, Drofessor D. (Stamm, in der er auf den Emsi der Lage und die Gefahren, die darin auch für den sittlichen Charakter liegen, binwies und oufforderte, gerade deshalb fortzufahren in der Arbeit, die dem Volksleben die Kräfte des Evangeliums Zufuhren solle, und nach einem Gesang des Kirchengefanavereins irrach Dr. Klum- cker aus Franksiirt n. M. in sehr fesselnder Weise "bcr -Mo­de r n e Wohltätigkeit". Nickck die modernen Auswüchse der Wohltätigkeit meine er, daß man für die Armen tanze. Lotterie­sviele u. dgl., sondern den großartigen Betrieb der ernsten <borA= tätigkettsübung in unseren Tagen wolle er charaktermeren tm Unterschied von früheren Weisen wohlzutun. Das Wesen v:t moderne:: Wohltätigkeit werde vor allem dadurch befhmmt, daß sie im we".testen Umfang Recht und Pflick't des Staates nnb der bürgerlichen O^meinbc geworden sei. Als solche lei fie aber nicht mehr llcbiing der persönlichen Barmherzigkeit, sondern eine Mafrmel zur Abwehr schwerer swialer Schädigungen des Bolls- icbens. Weil aus öffentlichen Mitteln gespeist, werde sie sorg- 'ältiger, nach festen Grundsätzen, mit statistischer Registrier- img betrieben. Der Kampf gegen die Armut fuhrt zu vorbeugen­den Maßrmeln. In der Konkurrenz mit der staatlichen Armen- fursorge ' erstarkt und vertieft sich aber auch die private Wohl­tätigkeit. Sie lernt sorgfältiger individucllisieren, entdeckt und sondert auS neue Gruppen von Hilfsbedürttigen -Z. B. die matt völlig zurechwIna.?fäh!gen anormal angelegten Menschen sie bildet die Wohltätigkeit zu einer Wissenschaft und Knust aus die studiert und erlernt werden muh, wenn tie mit Erfolg geübt worden soll, sie schafft dafür neue Organisationen, m denen es zn jenem fruchtbaren Zusammenwirken der fteien und pcr-

Svdann erstattete Prvmior xr. Tc ittcrmaier Referat . über die Frage:Welche Anforderungen stellt: die strafrechtliche Theorie an die Prar,is der Für­sorgeerziehung". Nachdem er die seck'H verichiedenen ^rten, unter denen nach unseren Gesetzen die Fanckorgecrziehung ein- treten kann, aufgeführt hatte, betonte er, daß sie m ^Uen .fallen, rt bie Erzi-Hu^ mit ober gegen Wellen bet ®tern ob 1ft tat* Sttastaten nötig geworden, oder nur von:begehend ^^?rdn t worden ist, niemals als Sttate, londem als imforge für ixi5 Kind anzuseben ist. Aber unter di ei er Vorausetzwngsei die Fürsorgeerziehung für den Staat Recht und Pflicht, nickt au Wohltätigkeit, sondern um seiner lelbst willen, um l-ch' vor Schaden zu bewaliren. Das natürlich« R^ckt dagegen nickst in Dettacht, wenn 1ie ihre Mrcht gegen ihre Kinder versäumen, oder sie nicht zu eysiillen imstande sind Denn der natürlich« Nährboden der Familie verseucht^ist, mutz d^s Kind vervflantt werden, damit der Staat nicht untauglicke Männer und Mutter bekomme. Aus diesem Gesichtspunkt m die Arbeit nicht nur als Wohltätigkeit, sondern als souale HNfv . rtbeit zu treiben. Wenn die Erziehungsvereme rik^ig warlcn sollen, müssen sie gut organisiert fern lw w auch Frauen zu riittehm! . reiche Mittel und einheitliche ^Hcistsfubrung^h. ben. Bei der Behandlung der Kinder sind auch die wnchologtfiren und psvchiatrischen Gesichtspunkte zu beachten. Richt nurge­fährdete" und sckwnverwahrloste" Kinder zu unterscheide, fan_ hemnormale" undanormale", xic Frage, ob ^"'tal^ oder Familstner'iehung, ist ebenfalls nicht nur uach dcm 0!rad der Verwahrlosung zu entscheiden. Unter Umstanden gehört em Sw Stinb. -->i 03 mit gefäWt ist, Auch ist die Ges. l,"' -ng der Juaend durch die modernen Ver­hältnisse nickst zu überschätzen. Dir leben m Uebcrgnng5tntcn, in denen die Lebensformen sich wandeln und barum manckmial eine sehr unangenehme Gestalt annehmen, ohne daß bie dahmter liegende Gesinnung schleckst oder gar elstlos siin mutz- Roch b^r Regelung wartet in Hessen die rtrage der Behandmng der Entwichenen. Redner bittet, sich durch Mißerfolg nickt ent­mutigen zu lassen. Mlcrdings ist in unseren ^ttafanstalten der Pro'-mtsatz derer, die früher in Zwangsernehung geweien, lich hock, z- V. 1904 in Butzbacy 26, in MarienMoß 14. dar­unter sind solche mit 16 Vofttrefen. sind eben formale, Ae feiner Erstehung zugänglich sind, und dauernd in .lnstalten Chören. Vielfach ist auch die Zwangserziehung viel zu \ibat ngcorbnet worden. Das Gesetz, das nur die drohende völlige sittliche Verwahrlosung das Reckst zur Anordnung der Zwanas- 'rstehung gebe, ist doch nicht so auS-ulegen, bau die V.r- wchrlosi-ng sckon in tatsächll^n Erscheinungen zutaae getreten fei/ Schließlich bittet der Vortragende die Theoretiker di.'.vch die Erf-Hrungen der Praxis zu unterteil In der ^.lssistnon weist Pf'rrer All wohn, Gefängnis' stch.w aus Marienschlotz. auf den starken Prozentsatz der Uneh.sti m vntcr den Zuchthans- 'stäflingen hin und fordert, daß sich d.e F'-rsorgeer'-iebung be­sonders der uneheliche Kinder cmiiebme. Unter leb vaster Zu­stimmung zu den Aussiihr'.ingen b's Vrr^' wurde der Erlag einer neuen Instruktion für Handbobum-n-^-riepung unter Berücksichtigung der neueren GesichlSwinkte gewünscht.

Schließlich wurde die B i l d u n g eiueSLandesver Han­des der Erziehungsvereine unter Wahrung der Sstb- sländigkeit der Provinstalverbände beschlossen, ebenso d e Bildung Hncr Verbandskasse aus Beiträgen der Tekanatskasien und

sönlichm Liebesübung mit berufsmäßig

das ein Hauptkennzeichen der modernen Wotztatigleit ist Als- dann führte Dr. Kahn aus ^anksiirt a. M m .

beutung der Wohnungsfrage für das sittliche Leben" ein. Er schilderte und kmnzcichnete d'-s Wohnung», elend in den Städten, wie es aus den teuren .. t.n erwach,c. Der Aufwand für die Miete steigere nck von dem normalen Ver- pzltnis wnt ein Sechstel des Einkommens bei Leuten nut einem Einkommen bis zu 1500 Mark auf ein Anstel, ,a bis m em Drittel des Einkommens. Darum wohnen bis zu - 0 Vrozent aller Einwohner in Einzimuierwohn'.ingen, meist auch mit ganz ungenügenden Nebenräumen. Dazu kommen die ^chlafganger, di'rck die man die teure Miete erleichtern will. In .lltona b- Lni 19 Prozent der F"-milien solck^ Schlafleute, m t.iuncken sogar 30 Prozent In Berlin wurden 7 Prozent der Wohnui^gen als völlig überfüllt bezeichnet, in KömgÄerg sogar 10 Prozent. Bist schlimmer wird es noch durch den Mangel an > losae egm- e beiten. 3 bis 4 Personen in einem Bett 'F nichts lettenes.

Reben allen gesundheitlichen Schädigungen ^rt das b^nk- liche mor-lisch)« Folgernchemnngen mit sich- 1- wichen Wost- nugen ist nur schwer der Unordnung zu wehren, und die äußerliche Unorbnuna zieht leicht innerlich "^ordaiete.' ^estn nach sich. 2. Das Wohnungselend treibt die Mensckwn aus dem Haus ins Wirtshaus, und ist so die mittelbare Unache von viel Trunksucht, und allem sittlichen und häuslichen Eckend, b4 sie im Gefolge hat: es wird 3. zur Quelle von allerlei Unsittlichkeit: 4. es fördert Zank und Streit, a. 2üe Neuerung der Miete bringt Rot und damit Dennchung zu allerlei Vev brechen 6 All^ diese Verhältt'isse üben emen nachteiligen Em, fluß auf die Kindesseele, die sich ohne Freiheit der Bewegung ohne eine Heimat, die die Seele mit frohen ^Erinnerungen siillt in äußerer und innerer Unordnung nicht gesund entfallen kann. Der Vorttagende schlo i mit einem warmen gTufruf jur Mitarbeit an die Wohnuugsreform, vor allem _ an Den Bau- a^nossensch-rften und zur eifrigen Förderung unserer heimncken Baugenossenschaft des Evang. Arbeitervereins, deren Verdienste er anerlannte. Solckw Wohnungsrstorm treiben sei ein eminent patriotisches Werk. Denn ohne die GrunÄage einer Wohnung, in der man sich wohl fühlen könne, könne das Heimatgefthl, auf dem die Vaterlandsliebe mbe, s-ck nickst ciitmltcu.

«TJCTMLAMJ11 ! ! 1! IC?3MZ-. -.- »-«.

Ter sehr animierte Theaterabend, der das Publikitm ichtlich herzlich erfreute, toar ungewöhnlich kurz. Bald nach VolO Uhr fand er sein Ende. Tas war ja an lieh reckt erfreulich, aber es fehlte doch der rechte Ausgleich zu den bis Mitternacht sich ausdehnenden Vorstellungen. In tfram- urt pflegt aufDurchs Ohr" noch eine fünfakllge Mo- liöresche Komödie zu folgen. Tas wäre für uns freilich vrelzu viel. Ein Einakter aber, etwa von Jordans Landsmann Wichert ober von feinem Nachahmer Fulda, wäre ganz aw nehmbar gewesen und hätte gleichzeitig aufs deutlichsn' die Kluft gezeigt, die den Schüler von dem Meister Iweiott Verhalten sich doch die Heinenbramatifdfen Gedichte Fuldas, z. B.Lästige Schönheit" oderFrühling un Winter", zur Jordanschen Dichtung wie erste Skizzen zn ausgereiftem Werke. * P- W-

Prof. August Noack i. Im Alter von 83 Jalrrcn iP wie wir schon meldeten, der Nestor der Darmstädter Maler, 4>rv: August Noack, sanft entschlafen. Schon in früstr Jugend rcg sich in ihm der Drang zum Zeichnen. 1839 bis 1842 studiert er in Düsseldorf. Später ging er nach München, dann nov Belgien, Holland, Frankreich und Italien, bis er 18o4, voi Großherzog Ludwig III. zum Hofmaler ernannt, sick dauern in Tarmstadl niederliest 1864 vollendete Noack sein erstes groll^ .HistoriengemäldeDas Religionsgespräch zu Marbiirg", bi» in der Darmstädter Gemäldegalerie befindet: da.S Bild entn-r später zum zweiten Male siir die Stadt Marburg. Em ^i-

Luther in Worms von Philipp dem Grosmiütigen betzicht , v findet sich in der Rostocker Gemäldegalerie. 18,0 wurde Noa- Professor an der Hochschule zu Darmstadt. Auch als Portra maler war Noack bekannt, hat er doch über 1000 Porträte- ck'wall

Frankfurt a. M., 14. Nov. Im R e s i d e n z- -i. h e a tc setzte gestern Adalbert Mat kowski; sein Gastspiel als Petruea)^ in ,D e r Widerspenstigen Zähmung" iorl. * te .ui^ llihrung war auf den derben Zug der Shakespeareschen Zen ä stimmt und bot dem Gast Gelegenheit zur herrlichen Einwuinz seiner bedeutenden Kunst. Fräulein R o s n ers Kätchen war eo falls eine glänzende Leistung und das übrige Personal gab I Bestes. Tatz Publikum dankte durch reichsten Bestall und heiter, Stimmung.

Emil Vanderstetten's EinakterD er HerrReg imcn> l Medien s" hatte, wie mar. uns schreibt, bei lewer ura führung im Mannheimer Hofthea! einen unbestrüttnen -