Ausgabe 
11.12.1905 Drittes Blatt
 
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Reichskanzler Fürst von Bülow:

abtcilung in ein Reictfskolonialamt ist im vorliegenden Etat ic vorgesehen und dem Hause ist darüber eine Denkschrift zugegangen.. Die besonders wichtige Trennung von Militär- und Zivilvcrwaltung, die sowohl für die Schlagfertigkeit der Truppen Ivie für die Ein­heitlichkeit der Verwaltung sich als notwendig erwiesen hat, ist durchgeführt und endlich ist der nach meiner Ansicht dringend wünschenswerte Ausbau der Selbstverwaltung der Kolonien und die Verbesserung der RechnungSkontrollc durch eine Acnderung der zur Zeit gültigen Vorschriften über das Etats- rind Rechnungs­wesen in Aussicht genommen. Ich erkenne sehr wohl die Schwierigkeiten, die nur dem Gebiete der organisatorischen Reform ?w überwinden sind. Ich hoffe und vertraue aber, das; über die Mittel zur Erreichung dieses Ziels eine Einigung mit dem Reichs­tage sich wird herbeiführen lassen. Ter Abg. Fritzen änderte Be­denken darüber, ob durch die Errichtung eines Reichs-Kolo­ni a l a m t s an dem Kolonialamt etwas geändert werden würde. Er verlangt eine Reorganisierung von unten herauf, die von Der Verwaltung der verschiedenen Schutzgebiete auszugehcn hat. Ich erwidere darauf, man sollte das eine tun und das andere nicht lassen. Aus dem. was ich schon vor einem Jahre ausgeführt habe, wissen Sie, daß ich die Umwandlung der Kolonialabteilung in ein. Reichskolonialamt nur als ein Glied in der Kolonialrcform be­trachte, aber allerdings als ein wichtiges. Tie Verwaltung der Schutzgebiete hängt doch wesentlich davon ab, Daß der Mechanismus der Zentralinstanz richtig klappt. (Sehr richtig I) Zweifellos in es mir, daß die Kolonialverwaltung ihren vielgestaltigen Auf­gaben bei der jetzigen Organisation nicht mehr gerecht werden kann.

Auch ist es für den Reichskanzler sehr erwünscht, für die kolonialen Angelegenheiten einen verantwortlichen Stellvertreter zu haben, wie er sie in den übrigen Ressortchcfs besitzt. Das wird aber nach dem S:el1verrre:ergesetze nur dadurch ermöglicht, daß an die Spitze der .Kolonien eine oberste Reichsbehörde tritt, wie es das Koloniaiamt sein soll. Tic jetzige Kolonialabteilung ist cs nicht. Run har der Vorredner den Wunsch nach einer Verbesserung des Deamteiiinaterials für die Kolonien ausgesprochen. Ich gebe voll­kommen zu, daß die Kolonialverwaliung nicht immer die richtigen Leute auf Den richtigen Platz gestellt har. Ich bitte aber doch, fofdjc Fälle nicht zu verallgemeinern. Ich bin überzeugt, daß die große Mehrheit unserer foloiüalen Beamten ihre Schuldigkeit iui. In jeder Verwaltung werden Fehler Vorkommen und sie sind angesichts der besonders schwierigen Verhältnisse in den Kolonien um so schwerer zu vermeiden. Ich möchte auch daran erinnern, daß sich eine allen Anforderungen genügende koloniale Beamtenschaft nicht aus der Erde stampfen läßt, sondern nur allmählich herangczogen werden kann. Freilich, alle kolonialen Organisationen sind nichts, wenn nicht ui der ganzen Verwaltung der richtige Geist herrscht. Ich hoffe aber, daß cs nach und nach gelingen wird, einen kolonialen Bcamtenstand zu erhalten, der den speziellen Anforderungeii der Kolonien entspricht und der auf der Höhe des alten guten Rufes der deutschen Beamtenschaft steht.

Der Vorredner Hai dann auch den Wechsel in der K o ! o n i a l v c r w a l: u n g berührt. Ich würde Unrecht tun, wenn ich nicht volle Anerlcnnuug ausspräche dem bisherigen Herrn Kclonialdirektor für Die Pflichttreue und, ich kann wohl sagen, für die Selbstlosigkeit, mir Der er seines Amtes gewaltet hat. (Beifall.) Ich hoffe, daß sein Nachfolger der richtige Mann ist, um die Ge- sichtspunkte durchzuführen. Die ich als die Vorbedingung für eine gl..'lichcrc Gestaltung unserer kolonialen Verhältnisse hingestellt habe; ich erwarte insbesondere, daß er von unserer Kolomalver- walkung scrnhaltcn wird die Krebsschaden jeder Verwaltung:

leit tu tun und ausgleichend zu tottien. Die wenigen Fälle, in .-rrf. c;n Ausgleich gelingt, werden schon em reiches Maß bringen 6 AngÄün/gt ist uns ein G-I-tz ub-° d« Rechtsfähigkeit Der B e r u f s v e r e r n e Es hatte trüber kommen sollen. Hoffentlich fällt es letzt so aus, datz es auch du guw^Gesetz wird. Mit Befriedigung haben verkommen dab das Gesetz über die Bau Handwerker nunmehr fertig und wohl noch in dieser Session zur Verabschiedung kommen wird.

Die Ereignisse in Rutzland zeigen.uns eindring­lich. wie schwer ein Volk gestraft werden kann durch den Urwerftam seiner Bureaukratie, die der Volksbewegung immer noch ve^tandnis- los gegenübersteht. (Sehr richtig!) Nichts vermEe ste zu be­lehren: Unruhen und Massenstreiks, Revolten und AufstcmDe. So nt der Brand in unserem Nachbarreiche immer großer und großer geworden, und er kann auch schließlich dem Nachbar gefährlich werden. Nun liegen zwar die Dinge bei uns ganzuch anders. Be. uns in Deutschland steht der Monarch fest. Aber es ist an d.r ,eit, zu sagen, daß die Monarchie Fehler vermeiden muß. Wir haben ein Voll, da? alles was oben geschieht, mit Lebendigkeit auffaßt und unter die kritische Lupe nimmt. E^ wird Beute nicht mehr alles deshalb akzeptiert weil es dem Alten nm Ererbten entspricht. Das Volk bat vielfach nicht Die klare Er­kenntnis. aber die richtigen Instinkte, und gerade letzt wllte man sie wohl beachten. Manche Institutionen in den Emie staaten werden geändert, freiheitlicher ausgestaltet werden munr stimmung.) Man sollte nicht warten, bis unter Dem £i bnn Straßendemonstrationen viel weitergehenDe Zuaestandniste .'-mach werden müssen, als jetzt notwendig wären. (Lebhafte Bewegung, i Gibt man jetzt freiwillig das allgemeine und gl et die Wahlrecht, so ist ein Ventil vorhanden, durch das das Volk 11® Luft machen kann. . ......

In solchen schwierigen Zeiten muß auch Der Q u a I i r a . der Menschen, die in der Verwaltung sind, eine viel größere Dichtigkeit bcigclegt werden. Wir Horen ictzr manche Klage über unsere diplomatische Vertretung, wir barer, manche Klage über die Auswahl, die vielfach nach einem veralteten System vor sich geht, die Ausgewählten lassen vielfach die Fahigieit Dei Beurteilung vitaler wirtschaftlicher Interessen Der Nation rer- missen. Es gibt eine Menge wohlmeinender Leute, die Da meinen : eine Durchsicht unserer Divlomat'.e tut uns not! (^ebr tid,.y3.) Namentlich auch für Die SanDelsvertragsverhandlungen nur Den Vereinigten Staaten von Amerika ist das von Bedeutung, -tie Regelung unserer handelspolitischen Beziehungen zu Amerika it von hoher Wichtigkeit. Angesichts der Weltlage und der großen Interessen, Die un§ mit Der Union verbinden, wäre em Zollrriea mit ihr sehr beklagenswert. T . . . .

In unserer ganzen Politik wird über S v it c m l o 1 i g I e . t nnd eine gewisse Plötzlichkeit der Entschlüsse geMagr. (5ef)r wahr!) Eine wirkliche Stetigkeit und eine großzügige Politik ist nur bet der Behan dlung Der deutschen Landwirt, cka r t beobachtet worden (Sehr richtig! bei Den Soz.), und dadurch ist das Vertrauen der Landwirtstbaft zur Regierung zuruckerooerl worden. Dieselbe Stetigkeit sollte man jetzt auch m Der M'uA- standspolitik und in Der Sozialreform zeigen.

Noch etwas habe ich auf Dem Herzen: auch mit unserer Justiz hapert es etwas. (Hört, hört!) Wir Dürren bei all un­serer Gesetzesmacherei nie vergessen: neben Den Gesetzen steht Uwe Handhabung! UnD Da ist nickst alles, wie es sein wllte. Man wundert sich über Den immer intensiveren Ruf nach ^w"D.'-.-- qcrichten. Woher kommt dieser? Man verlangt eben em billigere» und schnelleres Verfahren. Es wäre an Der Zeit, an eine groß­zügige Prozeßreform zu Denken. Meines Erachtens muß die Zuständigkeit DeS Einzelrichters erweitert werden; aber Der Richter soll auch finanziell besser g e )t e ! I t Ir-crDen (Sehr richtig!). Damit er sich nicht immer nach anderen ^stellen umzusehen'braucht. Das wird ebenso zum Segen Der Nation aiw-

schlagen, wie die Durchführung Der Berufung in LtrasfEn. In der ersten Instanz ist Die Rechtsprechung vielfach eine oberfläch­lichere; es ist unbedingt die Schaffung einer Korrckturmstanz

fährdcn. r

Der Finanzminister hat in feiner au5gc3cirimcun -c einen großen französischen Patrioten erinnert. Der mit jcttcner schlossenhcit die WicDergeburt seines Vaterlandes tu Du. - 3 . leitet liai. Ich erinnere Sie an Das Wort eines anderen . Als Ende Der 60er Jahre einer Der radikalen Führer Dein - - fischen Kriegsminister vorwarf, Daß er mit seinen Vorlagen - reich in eine Kaserne verwandeln wollte, da ernnberte der' , , Minister: Sehen Sic sich vor, daß Sie mit Der Vcr,vc'g""''ü Vorlagen Frankreich nicht in einen Kirchhof verwandeln! bei den Soz.) . n d

Herr Bebel hat gestern die Reise des Ka Marokko als eine Provokationsreise bezeichnet unö mw. Abg. Basser mann war mit diesem Besuch nicht ganz cinv Um allen möglichen Mitzverständnissen vorziibcugcn, will a Drücklich betonen. Daß ich Diesen Besuch, der schon 'm tv- f Erwägung gezogen war und zu dessen Ausführung «J. ohne unsere Schuld die Marokkofrage eineli akuteren Ehara - - genommen hatte, angcraten habe (Hört, hört! bei otn s.ji ich Diesen Besuch mit meiner vollen politischen Verantwor - ,ß Dieser Besuch hat Dadurch, daß er den internationalen .£

Marokkofragc zum allgemeinen Bewußtsein brachte, > " gewirkt und Der Kaiser hat sich Dadurch, Daß er h . y (C, und sein Ansehen hierbei einsctzte, nur u ni D a s p

Dient gemacht. (Beifall.) Der Abg. Bcbcl hat m ]cnt«

Gegenüber den Versuchen, unseren Truppen und imfcru .Kriegführung in Südwestafrika einen Makel anzuhefteu, au« Parteisuckst un-5 im Auslände herabzusetzen, erkläre ich nach mewkr innersten Ucberzeugung, Daß noch niemals cm Kolonialkrieg nut solcher Geduld und Menschlichkeit geführt worden ist, wie öce unseren Soldaten. (Lebh. Beifall.)

Zu meiner Freude haben sich die Vertreter Dreier groret Parteien über die F l o t t e n v o r l a g e so ailSgciprocken. eS mich hoffen läßt: das Haus wird Die notwendige.Verstarkr ° unserer Wehrkraft uns nicht verweigern. Ich kann untere rttottm, I Vorlage nicht besser begründen, als mit Den Erwägungen, .it Der italienische Ministerpräsident während Des vergangm« Sommers Der italienischen Flottenvorlagc vorausgeschickt « Mein verehrter Freund, Herr Fortis, hat Damals ausgesutrhttz die Vorlage heroorgche aus der Notwendigkeit der SonD«J£ reidigung, daß die Negierung sich dabei Darauf beichrankt et. nur Das unabweislich Notwendige zu fordern, lind Daß Die lcidigung des Landes für alle Parteien DaS höchste Ziel |cm mmt. Ich erinnere ferner an die Worte, Die Der Präsident Roofcoelt nc Die amerikanische Flottenvorlage sprach. Er führte aus. Dal; .u Flotte vom Standpunkte Der Wohlfahrt und des Aniehenv -« Nation unentbehrlich wäre, daß die Flotte Die sicherste sei für Die Aufrechterhaltung Des Friedens und Die sicherste Bu:» schäft gegen den Kwieg. Nichts fei unvorsichtiger, als wohlbaw'D und unbewaffnet zu sein. Die amerikanische Flotte habe )icu ciw ivickelt unter verschiedeneii Präsidenten und verschiedenen ^taa» fefretären der Marine, Die verschiedenen Parteien angchörten, « sei erbaut worden, weil alle einig waren, weil sie rnr die Uc 1 und Die Wohlfahrt des Landes notwendig war. So wollen Ä es auch machen. In den letzten Zeiten bat fick' am Deut« gezeigt, waS eine Flotte für das Schicksal eines Krieges uni><s* Landes ausmacht. Die Japaner haben nicht aut Die ^cutcgajj. die ihnen auseinandersetztci, Japan sei,vermöge lemcr geW» i schen und finanziellen Lage gar nicht imstande, neben cmcni W» Heere auch eine starke Flotte zu halten. Tie Japaner babtoj/r beides geschaffen, Heer und Flotte, und mit Der flotte Da» des Krieges und des Landes entschieden.

Tie Ausgaben für Die Flotte sind nicht volksfeindlich, mc d' Sozialdemokraten vehaupten, sondern volksfeindlich ist cd DiclmW l dem Volke einzureden, daß sich der Friede aufrecht crbaltcn IM auch ohne Die nötige Wehrkraft. Gin franzostickfcr Rcpuolikanc hat mit Recht gesagt: Die starken Völker sind die einzigen No ma respektiert. Es ist eine einfache Forderung des gqunDcn Verstandes, daß Derjenige, Der viel erworben hat, auch parain iinj, daß er Die Güter schützt, und er mutz sie umsomehr schützen, pne» Der Wohlstand gestiegen ist. Die reichsten Kloster Haven im'mt u dicksten Manern. (Große Heiterkeit.) Der tZinanzminuier Ihnen nachgewiesen, wie sehr sich unser Wohlstand m Den tej 1 30, 40 Jahren gehoben hat, beständig gehoben bat '" allen nm leren und oberen Schichten. Dieser wirtschaftliche .lustchwuist - nicht trotz Des Militarismus entstanden, sondern, tarismuS nennt, war Die Vorbedingung für D.tCjeii Uufichlvun. Rur vermöge unserer Wehrkraft konnte sich Die roirlicbaTtim. - Deutschlands so entfalten, wie eS geschehen ist. -ric Unterlage unserer Wehrkraft sind geordnete und gciunde ktnianze-- Obne geordnete Finanzen keine Wehrkraft, ohne Wchrkiait Friede, ohne Frieden lein Wohlstand! Von Den ^onmDem --a , wird immer hingewiesen auf das Steigen der milunrthi' . gaben, aber diese Ausgaben steigen Doch nicht nur bei uns. auch rn allen anderen Ländern, und zwar in gröberem 1h als bei uns. Bei uns werden 1220 Millionen fahrl'ch Rcichsheer und 2 Milliarden für Zwecke der Zivilverwoltung m gegeben; m Frankreich aber betragen die Ausgaben sur d- . ^ Verwaltung 1220 Millionen und die Au^gaoeii fui m' st wecke 1270 Millionen. Würden wir nichts für das .ycer jo würden wir die Sicherheit und den Frieden dcS -anD-s .

Aus Den Vorgängen in SüDwcstasrika sollen wir aber auch eine Nutzanwc'.idiing ziehen für Die Organisation unserer kolonialen Verwaltung. Es ist geraDe ein Jahr her, Datz ich von Dieser Stelle au2 Dem Hause ein kolonialpolitisches Programm entwickelt habe. Damals bcfanDcn wir uns noch mitten in Den Erwägungen nnD was ich sagte, war naturgemäß mit inan- chem Vorbebalt unD Fragezeichen versehen.

Heute kann ich sagen. Daß Die einzelnen Punkte eine festere Gcsi"lt angenommen haben unD datz ich entschlossen bin, dieses Programm, Das ich Damals skizziert habe, voll Durchzuführen. Die Ernennung cineS Zivilgouoerncurs in Südwestafrika ist heute bereits vollendete Tatsache. Tie Umwandlung Der Kvloinal-

Der Vorredner hat mit Recht darauf hingewiesen, daß wir in unserer s ü d >v e st a f r i k a n i s ck e n Kolonie eine Zeit schwerer Prüfung durchgemacht haben. Seit zlvei Jahren stehen unsere tapferen Truppen in Südwestafrika. Es ist ihrer Bravour gelungen. Die WiDerstandskraft der Herero zu brechen und auch die Witvois nach Verlust ihrer namhaftesten Führer zur Unterwerfung zu bringen. Aber biö in die letzten Wochen hinein haben Gefechte ftattacfunDcu, die uns schwere Verluste gebracht haben. In dem Wiederaufbau unserer südwestafrikanischen Kolonie steht uns eine überaus schwere Aufgabe bevor. Ich hoffe,aber zuversichtlich, daß der neue Gouverneur, Herr von LinDcquist, der vom Vertrauen aller Ansiedler empfangen in das Schutzgebiet eingetreten ist, sich dieser Aufgabe gewachsen zeigen wird. Ich hoffe. D.i>- unsere Landsleute Draußen in Der FriedenSaröcu, Die sic jetzt luicDcr aufs nehmen, ihre Pflicht mit ebenso viel AusDauer unD Tüchtigkeit ei

«ottvenDig. .

Es ist hier schon von einigen Seiten BeschwerDe geführt wor» den über Die BchanDlung Des Reichstags Durch Die Regierung. Ich kann mich ihr nur anschließen. Welcb eine Arbeit ist in voriger Session Durch Die plötzliche Schließung nub» los verfchwenDet worden! .Ich möchte Dem Reichskanzler nicht wünfcben, daß er alle die Kritik härt, die Damals von den Avge- orDneten aller Parteien an Der Regierung hier geübt wurDc. UnD dann noch eins: wir werden jetzt mit Vorlagen geradezu über­schüttet (Sehr gut!), wir können sie ja in Der kurzen Zeit kaum lesen. (Sehr richtig!) Wenn so viel gesetzgeberischer Stoff neben der Finanzreform auf einmal kommen muß. Dann wäre c5 c-och gut, tunlichst früh die fertigen Entwürfe in Die Presse zu gcoen und dann auch Den Reichstag früher einzuberufen. (Lebh. Zu, stimmung.) Endlich noch ein Wort über die Diäten! Icb will nicht alle die Gründe für Einführung Dorf eiben hier zum Über­druß wiederholen. Tatfache ist ja. Daß sehr viele AbgeorDi-.elc pekuniär einfach nicht in der Lage sind, solange rhrcni Hame, ihrem Beruf fernzubleiben. Was fall nun geschehen? Wir haoeu große, wichtige Aufgaben in dieser Session zu erledigen. Ich wm-g iricht, wie wir damit fertig werden sollen, wenn wir bet Der- Er­ledigung jeder Frage von dem Wohlivollen Des Kollegen Ringer abhängig fein sollen. (Sehr gut!)

Es sinD ernste Zeiten, Denen un)cr Volk enigcgcn- - geht, unD es ist ein richtiges Wort, Daß es nottut,, Das Pnwer trocken unD DaS Schwert geschliffen zu halten. Wir sehen, wie im AuslanD Das Fortschreiten Des Deutschen Geistes mit Mißbehagen betrachtet wird Im Innern sehen wir ivachscnDe Kampfe zwischen Arbeitgebern unD Arbeitern, wir sehen Das Wachstum Der sozial­demokratischen Ideen über Deutschland herernbrechen, wie cinst Die Heuschrecken über Aegypten. Von dem kräftigen Luftzug, der sic aus Dem Geist Der Arbeiter hinausbläst (Lachen bei Den Sozial­demokraten) bemerken wir nichts. ^Allerdings! bei den Sozial­demokraten.) Aber wir sehen, wie die Phantasie der Deutschen Ar­beiter erregt wirD Durch Die Vorgänge in Rußland, wie sie fich den Ostwind kräftig um die Nase blasen lassen. Der Sturm aus Rußland rüttelt an den Pforten des Deutschen Reiches. Nun, dic,e Pforten luerben sich der Revolution nicht öffnen. Der gesunde Sinn unseres Volkes, das Gerechtigkeitsgefühl, Das schließlich alle Klassen beseelt, wird sie von uns fernhalten. Was Das AuslanD anlangt, so mag cs, soweit es uns feindlich gesinnt ist, sich sagen lassen: Eine Nation von 60 Millionen läßt sich nicht beiseite schieben! Dem Reich und dem Reichstag ist cs eine heilige Sache um die Erhaltung des Friedens. Wenn uns aber ein Krieg aufgebrängt wirb. Dann werden wieder große Tage für Deutschland kommen, m denen das gesamte Volk hinter seinem Kaiser steht. (Lebhafter, anhaltender Beifall.)

Ick) beantrage die Ueberweisung des Etats und der Flotten- Vorlage an Die Bubgetkommission, der Finanzreform und der Stcuervorlagen an eine besondere Kommission von 28 Mitgliedern.

Bur eaukratiSmus und perfSnltcye e t Tm na?, i e I e i c n. sBeifall.) Ich bin überzeugt, daß er tüchtige Leute m Wasserstiefeln nie zurücksetzen wirb hinter weniger tüchtigen Leute: in Lackstiefeln, und ich hoffe, baß mit Unterstützung DeS Reichstages unserer sübwestafrikanisckieii Kolonie, unserem SchmerzenSündr, wieder bessere Tage bevorstehen werden. Ich kann aber diesen Gegenstand nicht verlassen, ohne mit der größten Emickiiedenle.: ziirückzuwcisen die Angriffe, die heute vor ackst-ragen in einer Sitzung des Hauses, der ich wegen dringender Amtsgcschäfte nich: beiwohnen konnte, gegen den General von L r o t !i a gerietet worden sind. sBcifall.) Genera! von Trotha Kat in Dem langwieri­gen, schwierigen Feldzüge persönliche Bravour, Ausdnuei. Unvitf't. Tapferkeit, kurz, alle Eigenschaften eines tüchtigen, cme? ausge zeichneten und hervorragenden Führers an den -tag gelegt (er­neuter Beifall) und mit vollem Recht ist ihm al-5 ehrende Auszeich­nung der Orden pour 1e merite verliehen worden. Isturm von den Sozialdemokraten: Stöyel bekam ihn auch! Unruhe rechts.) Diese Angriffe gegen den General von Trotha sind nur geeignet, sein Ansehen zu erhöhen bei allen Dcutsckicn, die sich als ,olche fühlen. sBcifall) Bei feiner Proklamation hat sich General von_Trotba m eritcr Linie von militärischen Gesichtspunkten letten Innen. Diese ließen ihm die äußerste Strenge gegen die Herero als notwenKg er scheinen Sie wissen übrigens. Daß General von Trotha D-C'e Pro- klamotion, die für die Herero bestimmt war. durch emen gleich,ewg erlassenen Truppenbefchl wesentlich gemildert hat. -rrotzdem ist er, sobald Diese Proklamation mir bekannt geworDen war telegravhtsch sofort angewiesen worden, mit Ausnahme ber unmittelbar Schul Dinen bie übrigen Herero, bic sich stellten, ohne weitere? an,.: nehmen unb bcn Dienst ber Missionen für ihre Unterbringung tn Anspruch zu nehmen.

Nach diesen Grundsätzen ist im ganzen Schutzgebiet, iottoll im «dererolanbe wie auch auf dem übrigen Kriegsschauplatz. Ot> handelt worden. Wenn Sic sich in die Lage der Leute in euS westafrika versetzen, so werden Sic, glaube ich. zugeoen. Nir weitgehende Schonung bei unseren Truppen^eincn hohen Er- von Selbstbeherrschung voraussetzte, baß die -ruck«, un-. Grai!>a.>' feit bes Feindes sowie die unerhörten Anstrengungen unb etrafravn Die Langmut unserer Leute auf eine harte Probe gellten glaube, daß wer fern vom Schuß sich über die angebliche Grcv. samkeit unserer Leute entrüstet, sich keinen rechten Begriff Nivon macht, was für ungeheure Anstrengungen und Entbcliruiigen n: erdulden waren, was es bedeutet, Männer, Weiber und KwNr zu hunderten aufzunehmen, wenn c§ sich Darum naiwelt, mit ihnen den letzten Schluck Wasser und Das letzte Stück Brot zu teilen, -c? ist eine Selbstverleugnung, von Der ich nicht weiß, ob iie £on .:r Seilten ausgeübt werben würde, die jetzt nach unseren -tmpp:n mit Steinen werfen. (Beifall.)

füllen werden, wie unsere Truppen in den harten Kämpfen c= getan haben. (Beifall.) Noch ehe Der Friede in Subwestafrika her­gestellt war, ist auch in O st a f r i k a eine Aufruhrbewegung ab­gebrochen, bie weitere Kreise erfaßt hat. Zu unterem tiefen Ge­bauern sind ihr eine Anzahl Weißer, barunter Mi,,wnare unb Schwestern, die frieblich ihre? Weges zogen, zum Opfer O^llen. Erfreulicherweise ist es jedoch unserer Truppe gelungen- ohne^cr hebliche Verluste der Bewegung Herr zu werden. Auch h er ^or, sicht geboten. Es hat die Entsendung von Kreuzern und Mar,ne- Mannschaften dorthin sich als notwendig crroic|cn, und es werden die Mittel dazu in einem Nachtragsetat bet Ihnen ^nachgcfucht. EZ sind schwere Opfer, die dem dcutfchen Volke durch den luDwest- afrikanischen Feldzug auferlegt wurden Defonders schmerzlich ist der Verlust so vieler wertvoller Mcnichenleben Mancher brave Soldat hat in afrikanischer Erbe ein kühles Grab gefunden, nnd me Familien, die Verluste zu beklagen haben, zahlen nach Hunderten. Es darf unZ aber bei diesem schmerzlichen Gedanken ein ^rost sein die Tatsache, daß wir gesehen haben, wie in unserem -,olk und in unserer waffenfähigen Jugend noch der alle | o I D a 111 d.) c Geist lebt. (Lebhafter Beifall.)

Unsere Leute haben in Verhältnissen, die schwieriger kaum ge­dacht werden können, in Verhältnissen, die an die Manneszucht, an die Tapferkeit, an Die Ausdauer Die höchsten Ansord^un^en stellt-n sich des deutschen Namens itnd des alten Dcuttckfcn Ruginc^ würdig' gezeigt. iBeifall.) Sie baben nicht nur zu sterben, son­dern, was manchmal noch schwieriger ist, auchdie grAstcn -ctden zit ertragen gewußt. Tas deutsche Volk wird das Andenken an diese seine Söhne ebenso treu bewahren, wie Die Erinnerung an die Kämpfer, Die in Dem Kriege um Die "".twimle Einigkeit icn HelDciitoD gcfunDen haben. (Lebhafter Beifall.)

Für ein Ziel, Das solche Verluste an Menschenleben gcforDert hat. Dürfen uns Cofer an GclD unD Gut nickst zul hoch sein. Gew.tz ist bic finanzielle Belastung, bic uns Durch Den süDweftafrikamschen Krieg auferlegt WirD, ungemein groß. Tiefe Belastung wird Dop­pelt schwer cnwfunDcn in einer Zeit, wo w wele anDcre dringemc Aufgaben Der Lösung harren, aber wir muiicn durchhaUcn, wenn anders wir Die Kolonie nicht preisgeben wollen. lBeifast.l ^cy glaube mit Dem VorreDner, Daß Durch Das Blut, das in Suoweft- äfrifn geflossen ist. Die Schutzgebiete nur noch fester nut dem Mutter- lanDc vcrbunDcii sind. (Sehr richtig!) Ick glaube nickst an Ko- lonialmüdigkeir, ich glaube. Daß Das DcuNcke Vol. heute lveniger als ic geneigt ist, seine Kolonien aufzugeben. (Sehr rmingi rechts und bei Den Nat.-Lib. WiDcrspruch bei Den Soz.) Wenn wir aber unsere Kolonien nicht preisgeben wollen. Dann musten wir uns auch Der Pflicht bewußt tocrDcn, unsere Kolonien in einem rascheren Tempo vorivärts zu bringen unD ihnen cme Enttvia.nng zu sichern, Die nickt mehr Den Rcichssäckel belastet, so."dcrn zu einer Stütze für unsere internationale Stellung unD für umern Wvb! am wird. In Dieser Beziehung gilt c§, aus Den Vorgängen in SuD- lucitafrifa ernste Lehre:' unb Kouseaueiizen zu ziehen. Ick gebe zu. Daß auf kolonialpolitifchem Gebiete Fehler gemacht um, groge Fehler intra muros et extra. Es gilt, sie künftig zu vermeiden. Tie Voraänge in Sübwcstafrika seinen uns, wie teuer übertriebene Sparsamkeit zu stehen kommt. (Sehr wahr! rechts. Lacken unb Widerspruch b.'i Den Svz.l Wenn wir unseren Kolonien Die not- wenbigen Voraiisfetzuiigcn für ihr Gedchen nickt geivähren. Dann Dürfen wir unS auch nickt winiDcrn, Daß. wie cs der Fall gewefer. ist, sich solcke Uiitcrlanungci' Dopvelt unb dreifach rächen. (Sehr i-icfiti? reckstSK Wo bas Betriebskapital nicht aitsrcickt, ba kann ein Unternehmen nickt rentieren. Ick will auf bic einzelnen nr*e<i Fo'derunacn für bic Kolmiicn b er nicht eingchen. Ich welle Sie aber hin auf die besondere Dringlichkeit des Eisenbahnbaus von L ü b e r i tz b u di r n a ctj K n b n b. Wenn bas Hans Diese Vor­lage schic::most erlcDigt, Dann erwirbt cs sich nicht nur bcn Tank unserer braven Trupvcn i'"b unserer Kolonisten, sonbern cs wirb daburch auch vorschauende Sparsamkeit üben. (Sehr wahr!)