Ausgabe 
17.5.1905 Zweites Blatt
 
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hielt schwer, auch nach der Beendigung der Serenade durch die Massen sich hindurchzuwinden.

Heute nachmittaig' 5 Uhr findet mit dem SchiffeR h e i n- gold" die von der Stadt veranstaltete Rhein fahrt bis nach Aßmannshausen und zurück statt. Das SchiffLohen- grin" folgt dem Festschiff.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 17. Mai 1905.

Unsere Metzger waren vor einigen Tagen zu- fammengekommen, um über einen Fleischaufschlag zu be­raten. Man war sich einig darin, daß zwar die hohen Fett­viehpreise eine Erhöhung der Fleischpreise um ein geringes rechtfertigen würden, doch vertrat die Mehrheit der ver­sammelten Metzger den Standpunkt, daß die Bevölkerung, nachdem die Oktroivorlage von den Stadtverordneten ab­gelehnt worden sei, es nicht verstehen würde, wenn nun trotzdem die Fleischpreise in Gießen steigen würden. Man sprach die Hoffnung aus, daß für das Metzgergewerbe wohl in der nächsten Zeit wieder besiere Einkaufsbedingungen ein­treten würden, so daß man von einem Preisausjchlag Ab­stand nehmen könne.

* Die Generalaussperrung im Schneider- gewerbe steht unmittelbar bevor. Der Beratungsausschuß des allgemeinen deutschen Arbeitgeberverbandes für das Schneidergewerbe hatte in Leipzig beschlossen, die Gießener Arbeitnehmer am 16. Mai auffordern zu lassen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Nachdem dieser letzte Versuch, eine Beendigung der Schneiderbewegung herbeizuführen, mißlungen ist, tritt die allgemeine Aussperrung im Bereich des Arbeit­geberverbandes ein. Diese Generalaussperrung ist insofern unumgänglich geworden, da zahlreiche Städte wegen der Uebernahme von Streikarbeiten in Differenzen verwickelt worden sind und der Arbeitgeberverband nur in dieser Weise seine Ortsgruppe schützen konnte. Die ganze Angelegenheit war schließlich lediglich zu einer Machtfrage geworden. Es kommen bei der Aussperrung ca. 70 Städte in Frage mit einer Gehilfenzahl von 1214 000. Die hiesigen Gehilfen haben demnach durch ihren ablehnenden Beschluß die Aus- lverrung Tausender ihrer Kollegen heraufbeschworen.

"Ein Lebensmüder? Am User der Lahn am Hamm fand man am 14. l. Mts. die Arbeitsklcider eines Mannes, aus denen aber über die Person des Eigentümers nichts sestzustellen war. Man vermutet, daß ein Lebens­müder sich auskleidete und in die Lahn ging.

" Eine Zigeunerhochzeit. Am Sonntag abend gab es für die Jugend von Bergen und Umgegend (Kreis Hanau) ein hocherbauliches Schauspiel, so ein StückPre- ziosa", das Tausende von Zuschauern aus Enkheim, Seck­bach usw. herbeilockte. Im Laufe des Tages hatten sich dort vierzehn Zigeunerwagen ein Stelldichein gegeben, um eine Hochzeit zu begehen. Die Bande, die von Bonames anrückte, bestand aus etwa vierzig Köpfen, Männern, Frauen und zur Hälfte Kindern, die Kinder alle in fast adamitischem Kostüm. Dazu dreißig sehr verhungerte Pferde. Die Gesell­schaft hatte einen förmlichen Einmarsch veranstaltet. Die Kriegskosten" trug die Umgegend. Die Felder der Bauern waren völlig ausgeplündert: Erdfrüchte, Kohl, Kartoffeln, namentlich Spargel, waren in Körben massenhaft alsge­fundenes Fressen" behandelt worden. Aus Verlangen der Bonameser Bevölkerung wurde die Bande, die sich in Bergen häuslich um ein Wachtfeuer gelagert hatte, von der Gendarmerie angehalten. Man war gerade beim Hoch­zeitsmahl. Die Braut, ein nicht unschönes Mädchen von

zwölf oder dreizehn Jahren, saß zur Seite des braunen Bräutigams. Die berittenen Gendarmen kamen der Gesell-

griffen sein. Einschließlich der Hörer waren eS hn letzten Winter 1341 und im Sommer 1501 Studenten.

schäft sehr ungelegen. Aber ihr Wachtmeister zeigte sich als ein humaner Mann. Nachdem der Zigeuner-Hauptmann" eine Kaution von 5 00 0 Mk. (!) für den Felddiebstahl geleistet hatte, nahm er sich des WandervolkeS in praktischer Weise an, was bei der Abneigung der ländlichen Bevölkerung keine geringe Arbeit war. So verlief das Hochzeitsfest ohne weitere Störung. Die Insassen der Wagen, sowie alles was darin und darum war, starrte übrigens in einer Uebersülle von Schmutz und Ungeziefer. Am schmutzigsten aber war das Brautpaar; es hatte sich offenbar zur Feier des Tages nicht gewaschen. (Kl. Pr.)

t. Reiskirchen, 15. Mai. Das vierjährige Söhnchen eines hiesigen Bauern spielte an einem Wagen, welcher an einem Abhang stand. Der Junge drehte das Hemmwerk auf, sodaß der Wagen ins Nollen kam und dem Jungen über Brust und Arme ging. Der Arzt stellte Brüche beider Arme und Quetschung der Brust fest.

Ulrich stei n, 16. Mai. Vom 20. Mai hat die Personenpost nach Ulrichstein Anschluß an den Zug ab Gießen 5.50 Uhr. Seither hatte die Post Anschluß an den letzten Zug und kam um 12.45 Uhr nachts an. Die Früher­legung der Post hat für die hiesigen Geschäftsleute manchen Vorteil und wird mit Freuden begrüßt. Sehr bequeme Ge­legenheit, in den oberen Vogelsberg zu kommen, wo jetzt die Buchenwälder im herrlichsten Grün stehen und die prächtigen Fernsichten locken, bietet sich den Städtern durch die Früher­legung der Post.

Offenbach, 16. Mai. Mit 3000 Mark durch­gebrannt ist am Samstag abend ein in einem hiesigen Bankgeschäft angestellter jungerMensch von 16 Jahren, dem man bisher im Geschäft volles Vertrauen geschenkt hatte. Er ist etwa 1.55 Meter groß, von schmaler Statur-, schielt etwas, blondes Haar, bartlos, hat eine Narbe an der rechten unteren Wange und sogenannte 0-Beine. Er befindet sich höchstwahrscheinlich in Gesellschaft eines gleichalterigen Freundes, der ebenfalls seit Samstag abend verschwunden ist. Man

H Kirchhain, 16. Mai. Gestern nachmittag wütete in Momberg ein Groß feuer, das bei dem herrschenden Winde rasch um sich griff und vier Wohnhäuser sowie sechs Oekonomiegebäudc in Schutt und Asche legte. Außer der Momberger waren noch die Feuerwehren von Neustadt, Wiera, Speckswinkel und MengSberg anwesend. Ein Feuer­wehrmann wurde schwer verletzt.

Landwirtschaft.

r. Al.lendorf a. d. Lumda. 15. Mai. Gestern nachmittag tagte in der Wirtschaft zum Bahnhoi hier der Zweigverein Lumdatm des Oberhessischen B i e n e n z i'i ch t e r v e r e i n s. Die zahlreich besuchte Versammlung folgte mit sichtlichem Interesse dem Laupt- gegenstand der Sitzung, dem Vortrage des Lehrers Wolf- Bersrod überNatur- und Kunsthonig". Redner verarbeitete sich in ein­gehender, den ersghrenen Sachverständigem verratenden, Weise über den hohen gesundheitlichen Wert des echten Bienenhonigs, der übrigens n i e ein Jahr ums audere dieselbe Farbe hat, sondern diese wechselt je nach dem Blütenllor, den die Bienen befliegen, vom reinen Weiß bis zum dunklen Braun. Sodann sprach der Redner über die weite Verbreitung des gefälschten, d. h. Kunsthonigs, der in Deutschland allein von 23 Fabriken herqestellt und als feinste Taselhonig" zu billigen Preisen abgesetzt wird. Dieses Geschmier" verdient den NamenHonig" nicht, ebenso wie der von norddeutschen Firmen zu billigein Preis angeboteneBlüten"- oderHeidehonig". Echter Bienenhonig kann vom Imker im Einzelverkauf ohne Schaden nicht unter 1 Mark per Pfund ab­gegeben werden.

Kisenöahn-Zeitung.

Nochmals die vierte Wagenklasse. DieNk> W. Ztg." macht darauf aufmerksam, wie sich im Jahre 1903, dem letzten Jahre, über das die Berechnungen zum Abschluß gelangt sind, die Einnahme aus der Personenbeförderung in den ver­schiedenen Wagenklasscn in Preußen stellte. Die 1. Wagen­tlasse hatte 16 550 354 Mk. Einnahme (601 461 Mk. mehr als in 1902), die zweite Wagenklasse 87 161 454 (3 779 726 Mk. mehr als in 1902), die dritte Wagenklasse 155350365 (7 780 781 Mk. mehr als in 1902) und die vierte Wagenklasse 137662056 (d. i. 13 990 129 Mk. mehr als in 1902.) Hoffentlich würdigt Bayern diese Ziffern!

glaubt, daß sich die beiden noch in der Umgegend auf­halten; am Sonntag sollen sie in Frankfurt a. M. gesehen worden sein. Der Diebstahl wurde erst Montag früh ent­deckt. (O. Ztg.)

fc. Frankfurt a. M., 16. Mai. Seit einigen T gen ist der Inhaber der Bankfirma Meier Schwarzschild, Alexander Schwarzschild, von hier verschwunden. Die Firma befindet sich in Zahlungsschwierigkeiten. Die Passiven sollen sich auf 2 Millionen Mk. belaufen. Schwarz­schild hat große Verluste durch Terrain- und Baumwoll- spekulationen sowie durch Beteiligung am Akkumulatorenwerk Behrend erlitten.

Wiesbaden, 16. Mai. Der praktische Arzt Dr. R oser hier, Oberarzt des Krankenhauses vom Noten Kreuz, der kürzlich in selbstmörderischer Absicht sich Schnittwunden an beiden Armen beibrachte, hat sich heute vormittag die Puls­adern am linken Bein durchschnitten und dadurch ge­tötet. Er hatte sich in sein Zimmer eingeschloffen und ver­blutete^ ehe Hilfe zur Stelle war.

fc. Aus Nassau, 16. Mai. Der Regierungspräsident in Wiesbaden hat für die Kreise Oberlahn, Limburg, Unterlahn und Westerburg die Hundesperre an­geordnet.

sl Marburg, 16. Mai. Nachdem mit dem heutigen Tage die Immatrikulationen zum Sommersemester zu Ende gegangen sind, stellt sich die Zahl der Studierenden auf rund 15 50. Dazu kommen nun noch die zum Hören der Vorlesungen Berechtigten und die Nachzügler, eine Gesanck- zisfer von 16 00 Studenten dürfte also nicht zu hoch ge-

TelephoEiischer Kursbericht.

Frankfurt a. M.,

16. Mai. Offizielle Schlusskurse.

3l/fl% Reiohsanleihe . . 101 55 3Vo do. ... 90.30 3V,% Konsole . . . . 101.35 io/o do.....90.30

3'/?% Hessen .... 100.05 31/, % Oberhessen . . . 99. 4 % Oesterr. Goldrente . . 10180 4/0% Oesterr. Silberrente . 101.05 4% Ungar. Goldrento . . 99.95

4°/ Italien. Rente , . ..

4 % Portugieser I . . . 66.65

3°/ Portugiesen. III . . 66.90

1 % Unif. Türken . . . 87.95

Türkenlose......134.30

3u/(, Mexikaner 4<V1/n Chinesen . Electric. Sohuckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien Diskonto-Kommandii Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsgeg Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gotthardbahn . » Lanrahütte . . Bochum « . .

4% Grieoh. Monopol.-Anl. 52.20 Harpener . . .

41 /,®/0 äussere Argentiner. Staatschatzscheine

Tendenz: schwächer.

66.90

96.00 138 40 123.80 209 60 186 60 141.25 154 50 169 50 143.90

16.10

267*50 244.00 213 70 100.55

Für die Gesamt-Red"ktwn verantwortliche i. V. August Goetz.

Icr Hinml ist heiter, das Wetter ist schön

H Herr Lehrer, wir wollen spazieren gehn.

H Ei, sachte nur Kinder! Und gehen wir fort,

M A So merkt euch vor allem ein ernstes Wort:

Itf ja Nehmt mit nicht nur Butterbrote allein, Packt anch ein paar Sodener Pastillen mit ein. Denn die sind gut für den Hals und den Magen, flfce Die werden den Lungen auch sehr behagen.

zL E Und lutscht ihr fie langsam, so kehrt ihr voll Glück Und ohne Erkältung nach Hause zurück.

Fays ächte Sodener Mineral'-Pastillen sind ä 85 Pfg. per Schachtel überall erhältlich. hv16/8

alle zeitgenössischen Bildnisse geben nur Unterlagen dafür. Die lang verschüttete Fertigkeit des Medailleurs ist in Deutschland wieder aufgelebt. Karl Ludwig Seffners Plakette spricht modernes Empfinden knapp und innig aus. Hier sind noch Entdeckungen möglich, die P'astik der großen Maße wird auf diesem Felde über Dannecker und Rietschel so bald nicht hinauskommen.

Illustrationen zu Schillers Werken." Wir wollen von Anfang an bescheiden sein. Die Kunst zumal der ersten zwei Drittel des neunzehnten Jahrhunderts kann da keine Offenbarungen bringen. Wir sind eben wenig aufgelegt für Wilhelm Kaulbachs Illustrationen zum Tell: das Auge gleitet daran ab; aber sie haben unfern Vätern mehr gesagt, weil die hineinzutragen wußten, was Kaulbach sich vornahm; so mögen uns Rambergische Kupfer da§ Behagen der Groß­eltern heraufrufen, ihren Dichter so säuberlich geziert zu sehen. Wir vergleichendas Walten der Hausfrau" von Christophine Reinwald und von Friedrich August Moritz Netzsch, sie be­mühen sich beide, sie möchten das bürgerliche Leben so zeichnen, wie es in derGlocke" gedichtet ist. Erst Ludwig Richter weiß das Trauliche frei auszufassen.

All das rankt sich um die Dichtung als Text, fordert -eine Selbständigkeit; nur Bonaventura Genelli scheint mit Schillers idealischem Pathos zu wetteifern, sein dem Joche entfliegender Pegasus bezeugt den Drang, das Erhabene in den Schwung der Linie zu zwingen. Genelli hat zur Feier

Staaten. Diese Abteilung könnteSchiller und Gießen" über­schrieben sein.

Für Goethe ist die örtliche Anknüpfung gegeben durch den Verkehr, den er von Wetzlar au§ mit Höpfner unterhielt. Zwei Briefe Höpsners kennzeichnen, zwei Bildnisse bestätigen die weiche, zaghafte Art des Mannes. Wir erinnern uns weiter, daß GoethesProlog zu den neuesten Offenbarungen Gottes" gegen den Gießener Karl Friedrich Bahrdt ge­richtet ist. Diese Beziehungen konnten durch Drucke und Bilder veranschaulicht werden. VonGoethe in Wetzlar" berichten erwählte Stücke. Ein Originalporträt von Lotte Buff in Pastell und eine Ansicht von Wetzlar von ihrer Hand seien nur genannt, nicht beschrieben.

Schließlich wurden Werke von Künstlern auS Goethes Kreise duach die Güte ihres Besitzers uns zur Versi'igung ge­stellt. Dem Darmstädter Seekatz hat Goethe als Knabe im Elternhaus zugeschaut, bei Oeser hat er in Leipzig zeichnen gelernt, H. W. Tischbein malte ihn in Nom. Eine Hand­zeichnung Goethes erläutert eine Stelle in den Briefen an Frau v. Stein. Hierfür wie für die gesamte Ausstellung sei auf die den einzelnen Gegenständen beigesügten Notizen ver­wiesen. Dort liest man auch Namen der Aussteller. Die Direktion der Universitätsbibliothek hat nach ihrem Aufruf williges Entgegenkommen gefunden. Wir wollten hier keinen Katalog schreiben, sondern nur den Zusammenhang andeuten, in den die Gegenstände geordnet sind. Die ideelle Einheit

des Jahres 1859 Schillers Apotheose gezeichnet. Auf dem freilich muß jeder Besucher sich selbst erwerben.

Adler des Zeus schwebt Schiller empor. DieGeschichte" bringt ein Opfer dar. Andere Allegorien stehen ringsum. Ich weiß nicht, ob dasSchillerjahr" sonst nennenswerte Bilder gezeitigt hat. Was uns zugeführt wurde, erweist mehr gute Gesinnung als künstlerisches Vermögen. Schillers Porträt von Genre-Szenen umgebenaus seinem Leben" oderaus seinen Werken" das ist das Typische. Es war eine Zeit, deren Bildkrast schlummerte. Spotten wir nicht über diese harmlosen Lithographien welch eine Anhänglichkeit an den Dichter, der solche Symbole genugtun.

Die vorwaltende Stimmung von 1859 war politisch, und

Wisset, ein erhabner Sinn Legt das Große in das Leben Und er s u ch t es nicht darin".

Die Aussteller werden vielleicht ihres Besitzes doppelt froh sein, nun sie ihn gleichsam gesellig Wiedersehen. Eine Auslese der neuesten Schillerlitteratur haben die drei Uni­versitätsbuchhandlungen vorgelegt. Nach vielen Seiten und für jeden Bildungsgrad ist Schiller in diesem Frühjahre behandelt worden. Die Erscheinung der Gegenwart, in Schiller gespiegelt, kann erst nach einem Menschenalter beur­teilt werden. Fr.

politisch sind die ersten Wirkungen Schillers im 19. Jahr­hundert. Die Stammbuchblätter aus der studentischen Be­wegung in Gießen, die den Befreiungskriegen voranging und folgte, zeigen wiederkehrend Schillercitate. DasLied an die Freude" erscheint in Kommersbüchern. Das Reiterlied aus demWallenstein" begleitet die hessischen Jäger nach Frank­reich, 'und .Karl Fallen, der Gründer der Gießener Burschen-

Eine Adolf Menzel-Sammlung in Berlin. Der Oiedanke der Gründung einer Adolf Menz"l-Sammlung hat eine Versammlung von Künstlern in Berlin bescbäftiat, zu der die Kgl. Akademie der Künste, der Verein Berliner Künifler, d-e Vereinigung Berliner Architekten und der Verband Deutscher Illustratoren Wertr^cr entsandt hatten. Es wurde eine Eingabe an beide .Hauser-des Landtages beschlossen, die nach v , demKunst-H"re*d" s-Uaenden Worstant hät:Adolf Menz-el,

scb-tt trägt die Begeisterung für Schiller in die Vereinigten dessen Tod ein K^nsuerichaffen ohne gleichen beendigte, um es

mit unvergänglichem Ruhme zu krönen, hat der Welt, zunächst aber feinem Baterlande, ein unermeßlich reiches Lebenswerk bin- terlassen. Im höchsten Grade schemt erwünscht, die mächtige Wirkung dieses Geistesriesen auf die Dauer frit erhalten, und zwar dadurch, daß, soweit es möglich ist. seine Werke gesam­melt und Ku Genuß und Stirdium dem ganzenVolkedar- geboten werden. Die Gründung einer möglichst umfassenden Adolf Menzel-Sammlung in Berlin, die im Anschluß an die Schätze der königl. Nationalgalerie den Nachlaß des Meisters, und alles sonst Err-üchb^re von seln-n Arbeiten beherbergen würde, ist deshalb in Wahrheit eine nationale Forderung. Ihre Erfüllung liegt zunächst in her Hand des hoben Hauses der Mgeordneten, an das wir uns hiermit bittend wenden. Möge, die Erkenntnis, daß Preußen seinem Erzmeister ein Ehrendenkmal schuldet, und daß kein Denkmal ihm ehrenvoller sein kann, als das von ihm selbst gestiftete, möge die Ueberz-eugung, daß die deutsche Kunst keine kräftigere Förderung erfahren könnte als diese, das Hobe Haus dazu bewegen, das, große herrliche Unter- nebm"n einer Mensel-Sammlung gerade jetzt, da der Augenblick günstig scheint, zu dem sehnigen zu machen und die nötigen Mittel zum Besten des Vaterlandes zu bewilligen."

Gustav Freytag-Denkmal in Wiesbaden. Am 28 Mai ß'ndet in Wiesbaden die Enthüllung des Denkmals für Gustav Fresttag statt. Das Denkmal ist ein Werk von Fritz Schaper und stellt den Dichter überlebensgroß in weißem Marmor dar. Es dürste aui eine zahlreiche Beteiligung, na­mentlich aus literarischen Kreisen, zu rechnen sein.

Berlin, 16. Mai. Ferdinand Hellmesberger, der bekannt? Wiener K'avellmeiü^r und Komtzonift, w"rde vom Ge­neralintendanten tion Hüllen für das Königliche Opernhaus in Berlin verpflichtet.

Mas cag nis OperAm i c o" erzielte bei der Erst­aufführung am Tcatro Costanzr in Rom einen halben Erfolg. Nach beut ersten Akt wurde Mascagni ftinfmal gerufen. Cbor, Tanz und Finale mußten wiederholt werden. Im zwecken 21Q war der Erfolg sehr geteilt. t

Amalie Schönchen, die komische ?llte des Wiener Hofbu, g-Th-wters, wurde, wie schon kurz berichtet wurde, wab- reub einer Probe zum Anzeugrub r Zvklus Jm Theater

in Berlin von einer schweren FndisPosition befallen.^ die sich! zunächst in plötzlirb-er Gedächtnisstörung änderte. Die Künst­lerin war am Sanistag von Wien in Berlin eingetroffcn, um auf Einlad'"ng von Direktor Siegmund Lautcnbnrg in dem unter seiner Leitung im Deutschen Theater stattsindenden Auzengruber- Zstllus gastieren. Sie begab sich, obwohl sie bereits an einer leichten Indisposition litt, zur Probe und stellte thce Partie dar, bis sie plötzlich don einer Gedächtnisstörung befallen wurde, so daß sie mitten in der Szene ihre Rolle nteilt weiter spielen kannte. D^r Theaterarzt untersuchte d'e Künstlerin sofort. Er führte daÄ Versagen der Geisteskräfte einersccks auf das h 0 h e A l t e r der Patientin sie ist 69 Jahre alt andererseits auf die Gefäßverkalkung, an der sie seit längerer Zeit leidet, zurück. Auf seine Anordnung wurde Frl. Schönchen in ihr Liotel gebracht, wo fie sich gegenwärtig in ärztlicher Be- Handlung befindet. Eine Besserung ihres Zustandes konnte brsye» nicht konstatiert werden.