Nr. 115
Mittwoch 17. MailSOS
Zweites Matt
155. Fahrgang
Zlatt. 155. Jahrgang A
GieUKer Anzeiger
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Kaiser und Kardinal.
Beim Empfang im Generalkommando in Metz hielt Fürstbischof Kardinal Kopp folgende Ansprache an den Kaiser:
Zum zweiten Male geruhten Ew. Majestät, mich in dieser alten Reichsveste zu empfangen. Zum ersten Male sandte mich der verewigte Papst Leo XIII. als seinen Vertreter zu der hohen Feier, in der Ew. Majestät der Kirche Lothringen das prachtvolle Portal ihrer Kathedrale Übergaben, das allerhöchst deren kunstsinnige Munifizenz geschaffen hat. Heute ist es die Kirche zu Jerusalem, die nti 0? zu Ew. Majestät schickte. Seit dem Tage, wo Ew. Majenät sie an den heiligsten Stätten der Christenheit grüßte, hat ein starkes Band Ew. Majestät und jene Kirche umschlungen. Unvergeßlich bleiben die erhabenen Aenßer- ungen und Kundgebungen religiöser Gesinnung, durch die Ew. Majestät die orientalische Christenheit erbauten und begeisterten. Tief in das Herz des greisen Oberhirten der Kirche zu Jeruw- lem gruben sich die Huldigungsbeweise ein, die Ew. Maiestat ihm und seiner Kirche widmeten. Den Höhepunkt seiner Freude bildete aber die hochherzige Schenkung der Dormitro Sanctae Mariae Virginis, durch die Ew. Majestät den deutfchen Katholiken eine Heimstätte an den heiligen Orten erwarben. Voll tiefster Ehrfurcht und innigstem Dankgefühl suchte der Patriarch Piavi ein neues Band, ' ein neues Glied an der Kette, die Ew. Majestät mit den ljeiligen Stätten verband. Das Höchste, was zu seiner Verfügung stand, Ivar der Orden der Ritter vom h. Grabe. Darum gina sein Sinnen und Trachten beständig dahin, durch die höchste Würde dieses Ordens jene ^age der kaiserlichen Pilgerfahrt unvergeßlich zu machen., Unter freudiger Zustimmung des jetzigen Pavstes, Sr. Heiligkeit Prus X., und von diesem ermuntert, traf Patriarch Piavi alle Vorbereitungen, um den Gedanken, den lautere Pietät und Dankbarkeit ihm erweckt hatte, zur Ausführung zu bringen. Dann schrieb , er mir am 5. Januar d. I. und bittet mich in rührenden und emdrmgltchen Worten, der Dolmetsch seiner Gesinnungen und Gefühle für Ew. Majestät zu sein und im Beisein zweier Delegierten des Ordens diese Insignien Ew. Majestät 'zu überreichen. Es war das letzte Werk des treuherzigen Mannes; denn nach 20 Tagen schlossen sich seine Augen auf immer. Ew. Majestät wissen und haben es nicht mrr einmal erfahren, mit welcher Anhänglichkeit an Ew. Majestät erhabene Person die treue Seele erftillt war, die sich am 25. Januar d. I. ihrer sterblichen Hülle entwand. So stehe ich nun heute vor Ew. Majestät, um das Testament des verewigten Patriarchen zu vollziehen. Zu ihrem größten Bedauern ist es den von ihm bestimmten Delegierten unmöglich gewesen, dieser hehren Feier beizuwvhnen. Sie bitten Ew. Ma- lestät um Nachsicht und legen ihre ehrfurchtsvollste Huldigung Ew. Majestät zu Füßen. Wollen denn Ew. Majestät das Diplom und die Insignien des Großkreuzes des Ordens vom Heiligen Grabe, die der Ordenscourier Gras Agliardi überbracht hat, huldvollst annehmen als eine neue Erinnerung an jene herrliche Jerusalem-Pilgerfahrt, als die Krönung der hohen Idee, die- Ew. Majestät in .der hohen Schenkung der Dormitio Sanctae Mariae Virginis niedergeleqt haben, und als düe letzte Huldigung des sterbenden Patriarchen Piavi, für den ich Ew. Majestät um ein stilles Gedenken bitte.
Ter Kaiser erwiderte mit folgenden Worten:
Die schönen Worte Ew. Eminenz haben meine Gedanken <11 der Zeit zurückgesührt, in der ich vor nunmehr bald sieben Jahren gemeinsam mit Ihrer Majestät der Kaiserin an den heiligen Stätten verweilen durste, die mit eigenen Augen zu schauen durch alle Jahrhunderte die Sehnsucht frommer Christen war. Es hat mich mit hoher Genugtuung erfüllt, daß es mir damals gelungen ist, dank dem Entgegenkommen Seiner Majestät des Sultans für die deutschen Katholiken ein Grundstück auf geweihtem Boden in Jerusalem zu erwerben und dasselbe den deutschen Benediktinern zuzuweisen, von deren trefflicher Wirksamkeit ich mich vor zwei Jahren bei meinem Besuch in Montc- cässino auch wieder aufs neue überzeugt habe. Ich hege den Wunsch, daß aus der damals gelegten Saat zum Segen und Frommen der deutschen Katholiken reiche Frucht reifen möge. Es war in M e tz, vor zwei Jahren gleichfalls an einem Maientage, da erschienen Eure Eminenz bei der Einweihung des von mir
Z>ie Schiller-Auskcllunq der Nniverstiäts- Mbliotyek.
Das Wesen eines Dichters kann durch eine Ausstellung nicht in dem Sinne deutlich werden wie die Eigenart eines Malers. Der Besucher soll durch stilles Lesen und andächtiges Hören zum voraus gestimmt sein, dann mögen sich innere Bilder an äußeren Ansichten kräftigen und färben.
Wer eine neuere Gesamtausgabe von Schillers Werken nutzen lernte in regem Verkehr, dem sind die alten Drucke mehr als Kuriositäten. Hier haben wir vor Augen, in welcher Gestalt „Don Carlos" zuerst herauskam, bruchstückweise 1785 in der „Rheinischen Thalia". Der Verfasser wollte „Wahrheit über die Tragödie hären, ehe er sie wirklich vollendet" — darauf erscheint der Einzeldruck von 1787, ein Band von über 500 Seiten, verbessert gegen die Fassung in der Thalia — seit 1801 werden die Ausgaben schmächtiger, „Don Carlos" hat die gekürzte Form angenommen, die endgiltig sein soll. Gerade um dieses Stückes Prägung war Schiller immer von neuem bemüht — es leitet ja über aus der stürmischen Jugendperiode zur Weimarischen Zeit; das ist es auch, was den Vergleich der Texte so reizvoll macht.
Die Literaturgeschichten erzählen von Wielands „wohlwollender Rezension" des „Don Carlos". Hier liegt sie aufgeschlagen im „deutschen Merkur". Es war noch weit von solchem Wohlwollen zum tiefen Verständnis; die alte Generation kann die Richtung der neuen nicht ermessen, Schiller wird als „hervorstechendes Talent" erkannt, aber an die Gesetze des Aristoteles mit leiser Rüge gewiesen. Schiller hat sich Wieland genähert, die „Briefe über Don Carlos" und die „Götter Griechenlands" erscheinen im „Deutschen Merkur". Die Thalia tritt zurück. — „Schiller der Journalist" versucht noch einmal, das Publikum zu sich heraufzuziehen — den modernen Zug seines Charakters betätigt die Gründung der „Horen". „Indem man bemüht sein wird, die Wissenschaft selbst durch den inneren Gehalt zu bereichern, hofft man zugleich, den Kreis der Leser durch die Form zu erweitern." Dies Programm einer vornehmen Popularität ist auch im neunzehnten Jahrhundert noch nicht verwirklicht worden. Kein Wunder, wenn sich das hochstrcbende Organ trotz oder wegen der Mitarbeit der besten Geister nicht durchsetzt in jener Zeit. Links regierte die philiströs erstarrte Aufklärung, rechts lockten die Nebel der Romantik. Die „Xenien",
gestifteten Domportals vor mir als Legat Seiner Heiligkeit des Papstes Leo XIII., des ehrwürdigen Greises, der mir in seiner langen Regievungs^eit auch persönlich nahegetreten ist. Heute führt Sie zu mir ei t Auftrag seines Nachfolgers, des gegenwärtigen Papstes, für den ich schon nach seiner bisherigen Wirksamkeit hohe Achtung empfinde. Sie überbringen mir in Erfüllung eines Wunsches des verstorbenen Patriarchen Piavi, dessen edle Gestalt von den Jerusalemer Tagen her noch lebbast vor meinem Geiste steht, dieJn- signim des Ordens vom Heiligen Grabe. Ich nehme diesen Orden gern entgegen und erblicke in dieser Ehrung ein neues Band, welches mich mit der religiösen Betätigung der Christenheit im Heiligen Lande verbindet.
Der Orden vom heiligen Grabe, zu dessen Ueberreichung der Kardinal Fürst-Erzbischof Kopp sich von Breslau nach. Metz begab, ist eins jener wenigen Ehrenzeichen, die nicht durch einen regierenden Souverän erteilt werden. Man pflegt den Orden zwar als einen päpstlichen zu bezeichnen, doch ist dies nur insoweit richtig, als jede einzelne Auszeichnung mit ihm der Genehmigung des Papstes bedarf, während die Verleihung selbst durch den Patriarchen von Jerusalem erfolgt. Der Orden wurde gleichzeitig und aus derselben Veranlassung gestiftet, wie der des heiligen Johannes von Jerusalem, der als Johanniter- und Malteser- Orden noch heute unter allerdings sehr veränderten umständen fortbesteht. Auch er verdankt seinen Ursprung der in den Kreuzzügen entstandenen Sitte, den Ritterschlag am heiligen Grabe zu erteilen. Das Recht zu dieser Erteilung erwarben allmählich die Franziskaner, denen es mehrfach durch die Päpste bestätigt wurde, so von Mexander VI. um 1496 und von Benedikt XIV. 1746. Papst Pius IX. übertrug dann am 10. Dezember 1847 dem lateinischen Patriarchen von Jerusalem das ausschließliche Recht, dieR itter des Ordens zu ernennen, und am 24. Jamrar 1868 erneute Pius IX. dieses Recht, indem er zugleich den Orden den weltlichen dadurch gleichstellte, daß er ihn in drei Klassen einteilte, in die der Großkreuze, Komture und Ritter. Dabei behielt der Papst sich aber ausdrücklich das Privileg vor, in jedem einzelnen Falle die Erteilung des Ordens vorher zu genehmigen, und in Wirklichkeit gelangt er daher auch nicht anders zur Verleihung, als wäre er ein Ehrenzeichen des Papstes selbst. Daher ist auch die Zahl der Deutschen, die ihn besitzen, eine verhältnismäßig große, und namentlich viele Parlamentarier und sonstige Anhänger der Zentrumspartei nennen ihn ihr eigen. So trägt z. B. der Reichstagsprüsident Graf Ballestrem das Großkreuz, ebenso wie Fürst Ferdinand Radziwill und das Herrenhausmitglied Graf Hoeusbroech, wäb- rend der Freiherr v. Hertling und der Mgeordnete v. Chlapowski Inhaber des Komturkreuzes, sowie ihre Kollegen Dr. Rin t ei en, Tr. Bachem und Roer en Inhaber des Ritterkreuzes sind. Die Ordensdekoration besteht aus einem rot emaillierten sogenannten „Krücken- kreuze", in dessen vier Ecken sich vier kleinere Kreuze gleicher Art befinden, und wird, wie der Johanniter- und der Malteser-O)rden, an einem schwarzen Seidenbande getragen. Hierzu legen die Großkreuze, zu denen jetzt auch Kaiser Wilhelm II., wohl als der erste Protestant, sich gesellt, auf der linken Brust einen achtspitzigen Stern an, auf dem oas rote K*reuz von einem Palmenzweige umgeben erscheint.
Aas Großherzogspaar in Mainz.
(Original-Bericht des „Gießener Anzeigers".) d. Mainz, 17. Mai.
Lange bevor gestern abend der Großherzog mit Gemahlin eingetroffen war, war der Bahnhofsplatz, die Bahn-
bofstraße und die Große Bleiche von Tausenden und aber Tausenden von Menschen dicht beseht. Vom Großherzoglichen Palais bis zum Bahnhof bildeten die Schulkinder sämtlicher hiesigen Schulen, mit Fähnchen versehen, Spalier. Punkt 7 Uhr traf der Gros,Herzog mit Gemahlin und Gefolge mittels Sonderzugs im Hauptbahnhof ein. Die hohen Herrschaften wurden im. Fürstenzimmer von Provinzialdirektor Geheimrat v. G a g e r n empfangen und begrüßt. Der Großherzogin wurde dabei ein Strauß Maiglöckchen überreicht. Voraus ritten Gendarmen, während Polizeirat Dr. Obstfelder im Wagen fuhr. Den Großherzoglichen Equipagen fuhren zwei Adjutanten voraus. Vor der mächtigen Ehrenpforte in der Bahnlwfsstraße, die die Widmung trägt: „Heil Ernst Ludwig und Eleonore", wurde der Großherzog und seine Gemahlin von den städtischen Behörden empfangen. Bürgermeister Dr. Göttelmann hielt in Vertretung des erkrankten Herrn Oberbürgermeisters Dr. Gaßner folgende Ansprache:
Atlcrdnrchlancbtigster Groß Herzog! Allerdurchlau ck>tigste Großherzogin!
Die Vertretung der Stadt Mainz hat sich hier versammelt, um Ew. Königs. Hoheiten den Willkommgruß der Stadt zu entbieten. Gehobenen Herzens harrt die alte Moguntia, ihren! geliebten Landesherrn zu empfangen und streckt Ihm in alter Treue, aber heute um so freudiger bewegt die Hand entgegen, weil sie zugleich zum erstenmale Seine hohe Gemahlin, Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin, empfangen und In Ehrerbietung grüßen darf. Mögen Ew. Königlichen Hoheiten Sich heimisch fühlen in Mainz, wo Ihnen alle Herzen m warmer Liebe und aufrichtiger Treue entgegen schlagen und möge die milde Sonne, die unsere Zinnen vergoldet und die Rebenhügel des Rheines bestrahlt, allezeit leuchten über dem Glücke unseres Fürstenhauses! Wir geben dm Gefühlen, die uns beseelen, Ausdruck, indem wir rufen: Jbrc Königlichen Hoheiten der Groß-. Herzog und die Großherzogin Hoch! Hoch! Hoch!"
Ein vieltausendstimmiges Hoch des umstehenden. Pu- blikums ertönte und sämtliche Glocken der Stadt ließet ihr feierliches Geläute ertönen!
Der Groß Herzog erwiderte mit folgendem. Worten:
„Ich freue mich immer nach Mainz zu kommen, Ich weiß, daß die Mainzer mich lieben, wie ich sie liebe. Seien Sie überzeugt, daß ich stets gerne hierher komme und sagen Sie allm Mainzern si'ir den herzlichen Empfang unfern besten Dank!"
Hierauf traten 12 Ehrenjungfrauen an die Groß- herzogliche Equipage heran, wobei Frl. Jenny Gaßuep der Großherzogin mit einigen Worten ein prachtvolles Blumen arran gement überreichte.
Tie Großherzogin dankte in huldvoller Weise, worauf die Fahrt zum Großherzoglichen Palais fortgesetzt wurde.
Fräulein Elisabeth Ger st er überreichte der Prinzessin Luise von Battenberg namens der Frauen und Mätzchen von Mainz ein hübsches Blumenbouquett.
Auf dem Wege zum Palais brachte das die Straßes dichtbesetzte Publikum dem Großherzogspaar begeisterte Ovationen dar, die von dem Großherzog und seiner Gemahlin! dankend erwidert wurden.
Um 9 Uhr abends brachten im Schloßhofe 564 Sänger dem Großherzoglichen Paare eine Serenade, dar. Drei Lieder wurden unter Leitung des Hofrats Steinbach wirkungsvoll zum Vortrag gebracht. Zum Schlussel der Serenade brachte Hofrat Steinbach auf den Großherzogj und seine Gemahlin ein dreifaches Hoch aus. Steinbach wurde hierauf zu den hohen Herrschaften beschieden, die fün die dargebrachte Serenade ihren Dank sagten. Das Publikum hatte sich wieder zu Tausenden eingefunden, und eA
die wir im Wiegendruck sehen (Musenalmanach von 1797) sind die Antwort auf die Ablehnung der „Horen". Zuni Kampfton dieser Epigrammatik bildet die Zierlichkeit des „Musenalmanachs" einen eigenen Kontrast. Wie hat das herüber- und hinübergespielt in Liebe und Haß, Johann Friedrich Reichardt steuert noch Noten bei zur „Würde der Frauen" im „Musenalmanach" für 1796 und dann verhöhnen ihn die Xenien als den ärgsten der Sansculotten. — Betrachten mir nun den ersten Sammeldruck der „Gedichte", Leipzig bei Lebrecht Crusius 1800 und 1803 — Löschpapier und wohlfeiler Satz und ein nachlässiges Kupfer wir schmählten wohl auf den Verleger — aber die Nachdrucke daneben belehren uns, daß unter rechtlosen Zuständen der Verleger ein Werk verloren hatte, sobald es gedruckt war.
Die Freude an Autogrammen kann auch dem ernsthaften Manne nicht versagt werden, sofern die Aenßerungen eines Schriftstellers in ihrem ersten Niederschlag auf dem Papier das Geistige gleichsam sinnlich wahrnehmbar machen. Unter der Glasscheibe liegen echte Briefe Schillers aus dem Morbacher Museum. Man braucht keinen Aberglauben für die Graphologie zu hegen, um den „kühnen Machtschritt" einer unaufhaltsam vordringenden Natur zu gewahren; eine Kraft, die immer aufs neue um Klarheit ringt. Briefe von Schillers Mutter und Schwestern und das Faesimile der Handschrift des Vaters stellen den Dichter in den Kreis der Familie. Wir dürfen sein Dasein schon einen Moment ins Enge ziehen, da hernach alle Weite sich auftut und wir dürfen uns in seine Zeit versetzen, um sein Zeitloses lichter herauszuheben. Der Reichtum eines hiesigen Sammlers, dessen Ahnen in die klassischen Umgebungen hinaufreichen, bat sich uns erschlossen. Zeitgenossen Schillers werden vorgeführt in Briesen von ihrer Hand.
Wir grüßen Christian Gottfried Körner, der mit sicherer Bildung den Genius treulich beriet, wir erfahren etwas von Herders zehrender Unrast, Wieland plaudert mit Boie, Johann Heinrich Voß ruft Lessings Schatten auf wider die modische Mystik, Maximilian Klinger verrät alles Ungestüm anmaßlicher Jugend. Wir folgen auch Wilhelm von Hum- boldt's fliehender Feder — er gehörte hierher, denn wie er hat keiner Schillers adelige Seele geschildert. — Zwei Biographen schließen die Reihe, der emsige Ordner Heinrich Düntzer und Emil Palleske, der das' Geschlecht von 1859 und auch uns in jungen Jahren begeisterte.
Das Haus- und Staatsarchiv in Darmstadt hat Briese der „großen Landgräfin" ausgelegt und die Korrespondenz zwischen Weimar und Hessen, die der Vermählung Karl Augusts mit Luisen vorausging. Man weiß, was in jener Zeit des niedergebeugten Bürgertums die Kultur einiger kleinen Höfe für unser nationales Leben bedeutet hat. Karoline ist an ihrem Platze neben Karl August.
Es folgen Bildnisse Schillers und derSeinigen. Die neueste Veröffentlichung Könneckes*) kann jedermann billig erwerben; wir geben nach dem verfügbaren Bestand nur eine Auswahl des Bezeichnenden. Anton Graff hat über die Unruhe seines Modells geklagt; sie ist dem Porträt zu gute gekommen. Die Energie und die Zartheit eines rastlos sich verfeinernden Geistes werden beredt. Die Phototypie vermittelt viel vom individuellen Leben des Originals, G. M. Müllers Kupferstich nach Graff akzentuiert schärfer und erläutert das Wesentliche.
Graff malte die Männer und Frauen seiner Zeit mh geschichtlichem Bewußtsein, von Gellert an bis in die Anfänge der Romantik „repräsentiert" er die helläugigen Menschen des achtzehnten Jahrhunderts. Solche Ansprüche erhebt nicht das Gemälde der Ludovike Simanowitz, dafür ist es intimer — Schiller selbst hat dieses Bild sehr geschätzt, es erneuerte ihm die Erinnerung an die Reise in die Heimat 1794. Auch die Nächststehenden haben hier ihren Freund und Hausgenossen wieder gefunden, und wir verstehen, daß es gerade ein Stich nach der Simanowitz war, in dessen Rahmen Heinrich Voß eine Locke vom Haupte des Dichters eingelegt hat. Tischbeins Bild von 1805. (Stich von F. A. Ludy) ii't von dieser sinnigen Auffassung beeinflußt und allerlei spätere Wiederholungen reden dieselbe Sprache. Das war der Schiller vieler gläubigen Seelen. Aber auch Graff wurde ins Beschauliche übertragen. Wer könnte die Empiretaffe mit dem Schillerbild ohne Rührung betrachten. Ein Gemälde von W. Schmidt (um 1800; hier im Stich von Schwerd- geburth) zeigt „Schiller im Walde sitzend, Kniestück mit landschaftlicher Umgebung". Der Blick ist frei hinausgerichtet, als schaue der Dichter — doch ohne Träumerei — unendliche Fernen.
Hundert Jahre nach Schillers Tode bleibt die Darstellung seiner Persönlichkeit durch die Kunst eine Ausgabe —•
Schiller, eine Biographie in Bildern. Marburg b. Elwert


