Ausgabe 
16.10.1905 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

So zeigt dieser Minis! .-wechsel, welchen außerordentlü>.'n Einfluß die Großindustrie heute in volittschcn _^ngen b^t Und gerade von diesem Gesichtsvunkte aus dürste die Wahl des Nachfolgers Moellers ganz besonders allgemeines Interest e ^^Ueber H ben Lebens gang und die Familienverhältnisse des Oberpräsidenten Telbrück macht uns ein Berliner Mitarbeiter folgende Mitteilungen: . 3 .ooo

Clemens Gottlieb Ernst Telbrück wurde als So Hundes 1892 verstorbenen Areisphvsikus und Geh. Sanitatsrates Ernst Del­brück, 1856 zu Dalle a. S. geboren. 1885 bis 1891 war er Landrat in Tuchel, 1892 wurde er zum Danziger Oberprasldmm versetzt, 1896 ivurbc er zum Oberbürgermeister von ranzig gewählt und vertrat die Stadt Danzig auch im Herrenhaus. Während seiner sechsjährigen Wirksamkeit als Oberbürgermeister erwies er sich als ein Mann von weitem Bleck, außergewöhn­licher Arbeitskraft und den angenehmsten Umgangsformen. Tem damaligen Oberpräsidenten Dr. von Goßler war er ber helfen Bemühen, eine ostdeutsche Industrie zu schaffen, eine verständnis­volle und energische Stütze und die Provinz begrüßte daher seine Ernennung zum Nachfolger Goßlers 19CL mit warmen Sympathien. Delbrück, dessen Baler ein Vetter des verstorbenen Staatsministers Rudolph von Delbrück war, ist seit 1883 mit Meta Magdalena Liedtke verheiratet, einer Tochter des Ritter- gutsbesitzers Liedtke auf Lowinneck, und Vater von drei Söhnen und einer Tochter. ~ .

Nun aber kommt noch eine Meldung, die einen anderen Mmin als Nachfolger Möllers nennt. TieDort^ munder Arbeitcrztg.", das .Hauptorgan der rheinisch-west­fälischen Sozialdemokratie, tritt mit der Behauptung hervor, der Tortmunder Oberbürgermeister Geh. Oberregierungs- rat Schmieding wäre von den rheinischen Großindu­striellen als ihr Vertrauensmann für den Handelsminister präsentiert. Tas Blatt erinnert daran, daß sich Schmieding vor kurzem in Berlin aufgehalten und dort mit den hohen Regicrungspersönlichkeitcn konferiert habe. Tie Meldung wird in Jndustriekreisen durchaus für möglich gehalten, zumal seine Nennung zum Vertrauensmann der einfluß­reichen Vertreter der rhemisw-westfälischen Großindustrie erfolgt sein soll. TieWests. Ällg. Ztg." aber ist ermächtigt, die Meldung zu dementieren.

Afrikanisches.

Aus Deutsch-Ostafrika liegen heute folgende Meldungen vor:

Die Unruhen im Bezirk von Dar-eL-Salaam sind nicht be- denklich und bleiben auf den südlichen Teil des Bezirks beschränkt. Hauptmann von Kleist kehrte mit der 8. Kompagnie am ll. d. M. nach Dar-es-Salaam zurück. Nachdem er einige Hausen von Ausständischen zersprengt hatte, fand er den Küstenplah Kifidju zerstört und die dortigen Akida vertrieben. Bezirkshauptmann Boeder bleibt vorläufig noch mit einer Polizeitruppe südlich von Tar-es-Salaam. Es scheint, daß religiöser Fanatismus die Ursache der Unruhen ist. Die Eingeborenen kämpfen unter schwarzen Fahnen mit dem Ruf:Wasser! Wasser!" (d. h. Zauberwassec). Im Norden der Bahnlinie ist alles ruhig. Für die Ausbreitung des Aufstandes ist der wesentlichste Grund die Berbreitung falscher Nachrichten gewesen, wie die der Zer­störung Kilwas und der Ermordung des Gouverneurs, sowie die Vernichtung der Schntztruppe, die ihre Wirkung auf die Neger nicht verfehlten. Mahengc wurde am 20. September durch Hauptmann Nigwann von Iring entsetzt. Im Hinterlande von Kilwa ist der Gegner schwer zu fassen, da er im Busch überall ausweicht. Das Aufstands- gebiet ist bei seinem großen Umfang völlig unwegsam, wodurch sich die Langsamkeit der Niederwerfung erklärt. Die Nord- und Westbezirke sind Nlhig, jedoch empfiehlt eS sich nicht, sie von den Truppen zu entblößen.

Die anitlichen Nachrichten von Unruhen bei Bueini und Kondutschi beruhten auf Irrtum. Zwischen Dar-es-Salaam imb Bagamoyo ist alles ruhig. Hauptmann Merker schätzt die Aufständigen in den Matumbi- bergen und Kitschibergen auf 5000 mit Vorderladern ausgerüstete Leute, die mit Speer und Bogen Bewaffneten nicht mitgerechnet. Die Aus­ständigen vermeiden natürlich alle Gefechte, führen aber geschickt ben Busch- und Guerillakrieg. Leutnant Spiegel hat auf dem Marsch von Kilwa nach Lindi am Mbekurn den Ausständigen mehrfach schwere Ver­luste beigebracht.

In Britisch- und Portugiesisch-Ostafrika gährt /s gleichfalls. Eni Hamburger Privattelegramm der National- zeitung meldet:

Laut einer Mitteilung aus Zanzibar in Britisch-Ostafrika ist ein Aufstand deS Stammes der Nondi ausgebrochen, der die Uganda­bahn bedroht. Ein größeres Gefecht mit den Aufständischen hat be­reits stattgefunden. Die Eisenbahn ermöglicht aber den Engländern die sofortige Konzentration größerer Truppenmassen im Aufstandsgebiete. Mit ben Unruhen im deutschen Schutzgebiete soll die Bewegung nicht im Zusammenhänge stehen. Aus indischer Quelle stammende Nachrichten besagen, daß auch im Hinterlande Portugiesisch-Ostafrikas Unruhen aus- gebrochen seien. Die Bestätigung dieser letzteren Nachricht steht noch aus.

In Südwestafrika ist ein deutscher Posten von Morenga und Morris überrumpelt worden. Sechs Deutsche fielen, einer wurde verwundet, zwei gefangen genommen.

Zur Fleischteuerung.

Wir lesen in derNordd. Allg. Ztg.":

Auf das telegraphische Gesuch der Abordnung des Städtetages um einen Empfang in Sachen der Fleischteuerung ist vom Reichskanzler Fürsten v. Bülow an den Ober­bürge rm ei st er von Berlin, Kirschner, das nachstehende Antwortschreiben ergangen:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister.

Euer Hochwohlgeboren erwidere ich auf das gefällige telegraphische Ersuchen sehr ergebenst, daß ich gern bereit bin, eine Abordnung des Vorstandes des deutschen StädtetageS, bestehend aus den Ersten Bürgermeistern von Berlin, Dresden, Frankfurt o. M., Karlsruhe, München, Straßburg und Stuttgart, in Sachen der Fleischteuerung zu empfangen. Zur Klarstellung der Rechtslage glaube ich aber schon jetzt auf folgendes Hinweisen zu sollen:

Die Anordnung oder Aufhebung von Maßnahmen zur Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen liegt gesetzmäßig den Landes­regierungen ob.

Als Reichskanzler habe ich nur die Berechtigung und Verpflichtung, die Ausführung der erlaffenen Abmehranordnung zu überwachen, nötigen­falls die Regierungen der beteiligten Bundesstaaten zur Anordnung und einheitlichen Durchführung der erforderlichen Maßregeln zu veranlassen EL unterliegt für mich keinem Zweifel, daß ebenso wie Preußen auch die anderen Bundesstaaten pflichtgemäß geprüft haben werden, auf welche Gründe die vorhandene Fleischteuerung zurückzusühren ist, und welche Maßnahmen etwa hiergegen zu ergreifen sind.

WaL insbesondere die Erweiterung der Einfuhr lebender Schweine anlangt, so sichern die jetzt gültigen Vertragsabmachungen mit Rußland diesem daS Recht, ein bestimmte- Kontingent lebender Schweine nach Oberschlesien einzuführen. Durch die neuen Handels- vertrage, die erst im nächsten Jahre in Kraft treten sollen, ist das Kon­tingent erweitert und ein neues Kontingent für Oesterreich-Ungarn zugestanden worden. Anträge auf vorzeitiges Jnkrastsetzen dieser er­weiterten Kontingente sind bisher von keiner Landesregierung bei mir oder dem Bundesrat gestellt worden.

Ich glaube deshalb anheimgeben zu müssen, Vorschläge zur Ab- Wendung der in den einzelnen Landesteilen vorhandenen Fleischteuerung an die Regierungen der einzelnen Staaten zu richten. Für Preußen kann ich als Ministerpräsident nur versichern, daß außer den Ermittlungen, welche der LandwirtschaflSmintster seinen Entschließungen in allen Stadien der Frage zu Grunde gelegt hat sorgsältigüe Erhebungen über daS Vorhandensein und die Gründe einer Fleisch, teuerung eingekitet und ihrem Abschlüsse nahe sind Deren Er­gebnisse werden für die weiteren Entschlüsse der preußischen Staats­regierung maßgebend sein.

Unter diesen Umständen glaube ich den Vertretern deS Vorstandes des deutschen Städtetages anheimstellen zu sollen, ob der Wunsch auf eine mündliche Verhandlung der Sache aufrecht erhalten wird.

In besonderer Hochschätzung verbleibe ich, sehr geehrter Herr Ober­

bürgermeister,

Ihr sehr ergebener

(gez.) Bülow.

Russische Yeuigkeileu.

Prinz Friedrich Leopold von Preußen ist am gestrigen Sonntag vormittag in Petersburg angekommen. Zur Begrüßung auf dem Bahnhof erschienen 5 Großfürsten u. a. Die Leibgarde-Kosaken stellten eine Ehrcn-Eskadron mit Standarte und MusikkorpS, sämtliche direkte Vorgesetzte der­selben von» kommandierenden General des GardekorpS standen abwärts vom rechten Flügel. Vom Bahnhöfe begab sich der Prinz nach dem Winterpalais, wo er als Gast deS Kaisers vom Hofminister Baron Fredericks empfangen wurde. Um 11 Uhr fuhr der Prinz nach Peterhof, um dem Kaiser und der Kaiserin einen Besuch abzustatten und an dem Familien­frühstück teilzunehmen. Der Zar hat dem Prinzen das Ge- orgskreuz verliehen.

Das Turiner klerikale BlattMomento" veröffentlicht eine Unterredung mit dem in Warschau lebenden polnischen Dichter Sienkiewicz. Auf die Frage, ob Rußland den Polen die Autonomie geben werde, erwiderte Sienkiewicz, dies sei schwierig, da die deutsche Negierung ihren ganzen Einfluß gegen eine solche Konzession aufbiete. (?) Speziell erkenne Kaiser Wilhelm die ganze Ge­fahr, die der Polenpolitik aus der Gewährung der Autonomie drohen würde. Deshalb tue der Kaiser alles, um Peters­burg die Wünsche der Polen zu Hintertreiben. Das Ideal der Polen wäre übrigens eine Autonomie nach dem Modell der vom Wiener Kongreß im Jahre 1815 gewährten.

Die Leiche des Moskauer Uuiv.-Rektors Fürsten Tru- b etz ko i wurde am Sonntag von Petersburg mittels Son­derzuges nach Moskau überfuhrt. Unter den vielen Kränzen befand sich auch ein vom Kaiser gespendeter. Als sich die nach Tausenden zählende Menge auf dem Platze vor dem Petersburger Bahnhofsgebäude befand, sprengte plötzlich eine Eskadron Gendarmen mit gezogenen Säbeln gegen die Volksmenge. Es entstand eine momen­tane Panik, die Menge drängte nach dem Newski-Prospekt zurück; aus der Menge fiel "ein Revolverschuß. Ein­zelne Gruppen sangen die Marseillaise. Als die Leute am Newski-Prospekt entlang am Admiralität-Boulevard ange­langt waren, wurden rote Fahnen entfaltet.

Dem General Stössel wurde, wie eine russische Korre­spondenz meldet, von oben empfohlen, sich auf einige Zeit ins Ausland zu begeben, wie dies der Statthalter a. D. Alexejew seinerzeit getan hat. Letzterer ist bis jetzt noch nicht nach Rußland zurückgekehrt.

In Paris verbreitet sich das Gerücht, Prinz Louis Napoleon sei im Kaukasus ermordet worden.

In Lodz streiken teilweise die Arbeiter der großen Fabriken von Scheibler, Geier und Tesurmont, sowie auch die der Ginsbergschen Manufaktur in Zawierce.

Am 14. Oktober wurde in dem Fabrikstädtchen Markt bei Warschau, wo die große Spinnerei der englischen Gesell­schaft Briggs-Posselt sich befindet, ein Ueberfall a u f das Palais Briggs verübt, woran sich etiwi 12 Leute beteiligten. Es wurde eine Bombe geschleudert, wodurch ein Teil des Palais stark beschädigt wurde. Die Köchin und ein Gärtner wurden getötet. Tie Attentäter, von der Polizei verfolgt, gaben Revolverschüsse ab und erschossen drei Polizisten. Kosaken halten jetzt Markt besetzt, wo unlängst ein wocbenlanger Streik von 10 000 Arbeitern durch geführt wurde.

K onstantinop el, 14. Okt. Am vergangenen Sonntag hat eine bulgarische Bande in Aitos, südwestlich von Florina, vier Manner und zwei Frauen getütet. *

Marine-Bestellungen an Frankreich verteilen sich folgendermaßen: Vier Zerstörer zu 290 000, zwei Avisos zu 40 000, zwei Kanonenboote zu 250 000 und das Material zur Erneuerung der Brücke über daS Goldene Horn zu 120 000 Pfund. Die gesamte Bestellung wurde Schneider- Creuzot übertragen.

Newyork, 14. Okt. Der Zentraloerband der deutschen Krieger- und Veteranenvereine von Nord-Amerika beschloß, Kaiser Wilhelm als Geschenk zur silberne n Hochzeit eine silberne Punsch bowle nebst einem Begleitschreiben zu übersenden.________________________

Aie ßstotera

Nach dem preuß.StaatSanz/ sind vom 13. bis 14. Oktober mittags im preußischen Staate zwei cholera­verdächtige Erkrankungen, ein Todesfall an Cholera, und zwar bei einem Zimmerlehrling im Kreise Elbing und bei ungarischen Feldarbeitern im Choleralazarett bei Oranienburg, sowie drei Bazillenträger auf dem Rittergute Stolpe, Kreis Niederbarnim, amtlich neu gemeldet. Die drei letzteren Per­sonen sind eine Frau, zwei Kinder aus zwei einheimischen Arbeiterfamilien, die mit den ungarischen Feldarbeitern in einem Hause zusammengewohnt hatten. Von den früher ge­meldeten Erkrankungen stellte sich eine in Schwedenhöhe, Landkreis Bromberg, nicht als Cholera heraus. Die Gesamt­zahl der Cholerafälle beträgt bis jetzt 275 Erkrankungen, wo­von 91 tätlich waren.

In der poln. großen Industriestadt Lodz sind in den letzten zwei Wochen infolge von verschiedenen Krankheiten, einschließlich epidemischen, auch Cholera und Typhus, ins­gesamt 427 Personen, gestorben.

Der Gouverneur der Philippinen telegraphierte aus Manilla, daß die Cholera dort jetzt endlich so gut wie er­loschen sei. Seit dem 23. August seien 713 Krankheitsfälle und 553 Todesfälle eingetreten._____________________________

Der Ausstand in der Berliner Elcktrizitätsindustrie ist beendet. Nachdem Arbeiterversammlungen am Freitag und Samstag sich für die Wiederaufnahme der Arbeit er­klärten, fand am SamStag eine Schlußbesprechung zwischen den Vertretern der Elektrizitätssirmen und den Obmännern der Arbeiterausschüsse statt. Die Obmänner teilten mit, daß die Schraubendreher und Lagerarbeiter bereit seien, die Arbeit zu den vor dem Streik angebotenen Bedingungen aufzu­nehmen. Darauf wurde über die Wiederaufnahme folgendes festgestellt:

1. Die männlichen Schraubendreher des Wernerwerkes er­halten die im Protokoll des Arbeiterrates vom 16. Sept, nieder­gelegten, erhöhten Akkordsätze. 2. Tie Lagerarbeiter des Habel- wertes an der Oberspree und der Automobilfabrik erhalten vom Tage des Wiederautrittes ab gleichfalls die vor dem Ausbruch des Streiks bewilligten Lohnsätze. 3. Die drei Firmen beginnen am 16. Oktober morgens (also heute) mit der Wieder­eröffnung ihrer Betriebe und der Annahme der Arbeiter. 4. Die bisher beschäftigt gewesenen Arbeiter werden nach Maßgabe der Betriebsverhältnisse wieder angenommen, so daß eine Ein­stellung fremder Arbeiter tunlichst erst erfolgt, nachdem die bisher beschäftigten wieder uiücrgcbracht sind. Die Arbeitsniederlegung und Arbeitsverweigerung sollen einer Wiedercnünahme nicht eni'- gegenstehcn. Eine B e l ä st i g u n g der während des Ausstandes in Arbeit verbliebenen oder neu cingetretenen Arbeiter ist unzulässig und gilt als Eutlassungsgrund. 5. Die erschienenen Vertreter der Arbeiterausschüsse erklärten, daß die Arbeiter unter den vorbezeichneten Bedingungen die Arbeit wieder aufnehmen.

Der russisch-japanische Ariedensschtuß.

Washington, 14. Okt. Heute ist hier ein Telegramm eingegangen, das anzeigt, daß die Kaiser von Ruß­land und Japan die ihnen zugestellten Friedens- vertragSurkunden unterzeichneten und damit den Krieg offiziell beendet haben. Diese Nachricht wurde dem Staatssekretariat durch den russischen Botschafter und den japanischen Gesandten mitgeteilt. Unmittelbar darauf beauf­tragte das Staatssekretariat telegraphisch den amerikanischen Geschäftsträger in Petersburg, das russische Ministerium des Aeußeren davon in Kenntnis zu setzen, daß der Kaiser von Japan den Vertrag unterzeichnet habe. Wahrscheinlich werden noch ein oder zwei Monate vergehen, bevor die Vertreter Rußlands und Japans die unterzeichneten Urkunden hier austauschen._________________

Ausland.

Stockholm 14. Okt. Da die Antragsfrist im Reichs­tage abgelaufen ist, ohne daß der König zur Einwilligung in die Kandidatur eines schwedischen Prinzen für den norwegischen Thron aufgesordert worden, so ist diese Frage erst jetzt erledigt worden, d. h. die Kandidatur ist definitiv abgelehnt.

London, 15. Okt. DemObseroer" zufolge ist der norwegische Thron dem Prinzen Karl von Däne­mark noch nicht formell angeboten worden, aber alle Par­teien haben seine Kandidatur so gut wie angenommen. England wird jene Klausel des sogenannten November-Ver­trages von 1855, worin England und Frankreich die In­tegrität der skandinavischen Halbinsel garantieren, bezüglich Norwegens aufrecht halten, unter gewissen Bedingungen, von denen eine die ist, daß Norwegen eine Monarchie wird.

Nach dem .Observer* wurde am 1. Februar zwischen Rußland einerseits, Deutschland und Oesterreich andererseits ein Vertrag unterzeichnet, wonach im Falle einer Revolution in Russisch-Polen Deutschland und Oesterreich zusammen nicht weniger als zwei Divisionen ins Feld schicken. Der Vertrag soll auf Veranlagung Deutschlands geschloffen worden fein.

Wien, 15. Okt. Nach den neuesten Versicherungen soll sich die Zolltrennung nicht int Programm Fejervarys befinden, dagegen das allgemeineWahlrecht, Ernennung der Beamten an Stelle ihrer Erwählung, Magyasierung aller Volksschulen und Parzellierung des klerikalenGroß- grundbesitzeS.

Belgrad, 15. Okt. Aus Mazedonien treffen hier Nach­richten über Metzeleien zwischen Griechen, Serben -und Bulgaren ein. Eine bulgarische Bande verbrannte ein serbisches Torf Korbunitza, eine andere das griechische Dorf Aitos, und eine griechische Bande zwei bulgarische Dörfer, wobei zahlreiche Manner, Frauen und Kinder um kam en.

Aus Stadl lmd Sund.

Gießen, 16. Oktober 1905.

** Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Groß Herzog haben den Revisionskontrolleur bei dem Haiiptsteueramt Offen­bach Albert Dexheimer in gleicher Diensteigenschaft an das Hauptsteueramt Darmstadt versetzt. In den Ruhestand ver­setzt wurde der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Eber­stadt, Kreis Darmstadt, Wilhelm Schaffner, auf sein Nach­suchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. November 1905.

" Ordensverleihungen. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung Sr. Kgl. Hoh. des Groß Herzogs den Mit­gliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Friedberg: Ferdinand Hohmann, Gerhard Steinbeck und Philipp Klein. Se. Kgl. Hoh. der Großberzog haben dem Kommunal- forstwart Wilhelm Diehl II. zu Södel aus Anlaß seiner Versetzung in eben Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür freue Dienste* verliehen.

*' Wichtig für Vermieter. Das Polizeiamt weist in seiner heutigen Bekanntmachung darauf hin, daß zur Anmeldung des am 1. Oktober zahlreich stattgehabten Wohnungswechsels sowie der Ab- und Zuzüge die vorgeschriebenen Formulare, welche auf dem Polizeiamt, so­wie bei den Oktroierhebern zu erhalten sind, zu benutzen sind. Weiter wird darauf hingewiesen, daß insbesondere die Schlafstellen, welche an Arbeiter abgegeben werden, als­bald anzumelden sind. Wer seiner Meldepflicht noch nicht nachgekommen ist, möge dies bald tun, um einer Strafanzeige zu entgehen.

** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Als erste Volksvorstellug geht am Mittwoch, den 18. Oktober,Der Kaufmann von Venedig" in Szene. Diese Aufführung des Werkes ist unbedingt die letzte. Da Ausstattung und Darstellung des Stückes gleichermaßen an- gesprochen haben, dürfte auf starken Zuspruch zu rechnen sein und Interessenten werden gut tun, zeitig sich Plätze zu sichern. Die 2. Dienstag-Abonncinentoorstellung morgen, 17. Oktober, bringt eine Wiederholung von Maeterlincks Monna Vanna*. Die Hauptrollen liegen bekanntlich in ben Händen der neuen Helden, Otto Steinmann, der Frl. Lia Maurice, ^des Herrn Lüttjohann und Wittrnann.

Die Temperatur ließ sich heute morgen recht winterlich an, nachdem c5 um Mitternacht recht stark ge­regnet hatte. Heute früh waren es nur zivei Grad Wärme und die Itarke Reisbildung erinnerte daran, daß wir unS mitten im Herbst befinden.

(Sine Schutzmannsschule für das Groß Her­zog f u m ist kürzlich in Darmstadt ins Leben getreten. Die Anregung dazu ging von dem Großh. Polizeiamt Darm-