genügende Berücksichtigung der .landwirLschastlichen Interessen in Hessen w-ies neben Herrn Staats Minister Rothe auch der Dezernent, Herr Geh. Rat Braun mit zahlreichen Belegen und gutem Humor zurück. Für die Angriffe auf die Amtsblätter ist charakteristisch, daß sich g ererbe ztveiZeit- un g sv er leger, die Herren Hirsche:! und Ulrich, so sehr dagegen ereiferten. Diese Herren sind der sorrderbaren Meinung, daß die Verleger der Amtsverkündiger aus der Zuwendung der amtlichen Anzeigen goldene Berge schöpften und sie haben jetzt in Gemeinschaft mit Herrn Pennrich, dem früheren Verleger des Binger Zentrumsblattes, jenen Plan ausgeheckt, nach welchem in Zukunft nur noch „reine Annoncenblätter"" den Abdruck der amtlichen Bekanntmachungen bewerkstelligen sollen. Wie die Herren das Kunststück fertig bringen wollen, diesen Blättern auch nur annähernd einen entsprechenden Leserkreis zu verschaffen, ist zunächst noch ihr Gel-eimnis, und die Regierung tut recht daran, sich dem kühnen Plan gegenüber völlig reserviert zu verhalten. Wir haben als intimere Kenner der Verhältnisse über das Phantasiegebilde der drei Zeitungsmänner bisher nur lächeln können, werden aber nicht verfehlen, mit zahlenmäßigen Beweisen die Halt-! losigkeit des ganzen Projektes näher barzutun, sobald es dem Brutkessel des Ausschusses entschlüpft sein wird.
Iie Kuld.gung der Kriegervereme des Kasfia- WezilKs Alsjeld vor dem Kroßyerzogl. 'Maare.
(L) Romrod, 12. Februar.
Heute abend um W Uhr fand im hiesigen Jagdschloß die imposante Huldigung des Hassiabezirkes Alsfeld vor Ihren Königlichen Hoheiten statt. 32 Vereine des Bezirkes mit ihren Fahnen waren anwesend, im Ganzen über 1200 Mann. Präzis V27 Uhr bewegte sich der große Fackel- und Lcrrnpronzug unter dem Vorantritt einer Musiktapelle und geführt von dem Bezirkspräsideir- ten Kurtz-Alsfeld nach dem Schloßhofe. Hier angekommen, sang der Gesangverein Liedertranz-Romrod das prächtige Lied: „Ein Mann, ein Wort"", worauf das Präsidial- mrtglied des tzajsiabezirks Alsfeld, Lehrer Rudolph, folgende Huldigungsansprache an das hohe Paar richtete: Allerdurcylauchrigster Großherzog, Gnädigster Fürst und Herr!
Hoher Protektor der Krregerkamcradschaft Hassia! Durchlauchtigste Großherzogin, Allergnädigste Fürstin und Frau!
Mehr als lOOü Mitglieder des Hassiabezirks Alsfeld sind heute von nah und fern begeisterungsvollen Herzens hierher geeilt, um Etv. Königlichen Hoheiten, unserem Fürstenpaare, in ehrfurchtsvoller Treue zu huldigen.
Freude und Juvel durchdrang vor wenig Monden die stillen Täler und umbrausten die waldigen Höhen unseres friedlichen Heimatlenses, als uns die Kunde wurde, daß sich Ew. Königliche Hoheit in der edlen Svrossin eines hessischen, eines ober- hessischen Fürstenhauses, in deutscher Liebe eine Lebensgefährtin erkoren habe.
Und wie in den Tagen herben Geschickes Ew. Königlichen Hoheit das üöetzeugungsvolle Bewußtsein der teilnehmenden, hingebenden Liebe und Verehrung des Hefsenvolkes lindernder Balsam war, so möge nun in den Monden prächtigen Sonnenblicks eben dieses erhebende Bewußtsein Ew. Königlichen Hoheiten sein ein gutes £m.n auf der Bahn in die Tage der, Zukunft.
Wenn in dem reichen Kranke deutscher Fürsten einst der Lichter Justinus Kerner den Grafen Eberhard von Württemberg im Hinblick auf die Treue seiner Schwaben sprechen lassen konnte: „Wohl, mein Land hat keine Städte, trägt nicht Berge silberschwer; doch ein Kleinod hält's verborgen: Daß in Wäldern noch so groß ich mein Haupt kann kühnlich legen jedem Untertan in Schoß"" — so hat dieses schöne Wort heute voll und ganz Berechtigung zur Anwendung auf Hessens Fürst und Volk.
Und einerlei drum, wo Ew. Königlichen Hoheiten weilen -mögen, sei crs dort u.nten, wo der herrliche, sagenumwobene Rheinstrom seine gewaltigen Fluten majestätisch zu Tale wälzt, oder dort, wo in dem dunklen Grün der Odenwälder Tannen freundliche Dörfer und schmucke Städtchen versteckt liegen, oder hier oben in den alten treubewährten Hessengauen, umschirmt von den waldesduftigen Höhen des Vogelsberges: allüberall schlägt Ew. Königlichen Hoheiten entgegen die gleiche treue Liebe eines dankbaren Volkes.
Voll freudigen Vertrauens blickt dieses Volk heute auf zu /l ein Throne, den ein so reich geliebtes, gütiges Fürstenpaar ziert, und voll tiefer Dankbarkeit schaut cs auf zu dein höchsten Lenker aller Geschicke des Einzelnen wie der Völker und erfleht von ihm reichen Segen auf sein erhabenes Fürstenpaar, auf daß es mit seinem treuen Volke entgegengehen möge Tagen und Jahren reichlick>en Glückes in stillem Frieden und in schöner Eintracht. Dies ist des Hessenvolkes Wunsch! Und von diesem Wunsche getragen sind auch wir, sind diese mehr als 1000 Männer, treue Glieder unserer großen Kriegerkameradschaft „Hassia"", hierher gekommen, um int Angesichte der heiligen Wahrzeichen ihrer Vereine diesen mahnenden Fahnen ihrem hohen Protektor und seiner hohen Gemahlin das Gelöbnis unwandelbarer Treue vereint mit den besten Se g e n s w ün scheu zu Füßen zu legen.
Und so wollest Ew. Königlichen Hoheiten gestatten, daß wir diesen Segenswünschen und diesem Gelübde vereint Ausdruck verleihen, indem wir rufen: Unser hoher Protektor Se. Königliche Hoheit Großherzog Ernst Ludwig und seine hohe Gemahlin, Ihre Königliche Hoheit Großherzogin Eleonore, sie leben hoch, hoch, hoch!
Begeistert stimmte die dichtgedrängte Menge, nachdem das brausende .hoch verklungen war, „Heil Dir im Siegerkranz"" an. Das Groß herzogliche Paar hatte an den Parterre fenstern des Speisesaals Die Huldigung entgegengenommen und war sichtlich tief bewegt von der herz- Lichen Kundgebung. Se. Königl. Hoheit der G r 0 ß h e r z 0 g -dankte dafür, indem er etwa ausführte:
"Empfangt für die herzlichen Glückwünsche und daö Gelöbnis der Treue meiner Gemahlin und meinen besten Tank! Was uns besonders gefreut hat, das i)t, daß Ihr hierher gefommeit seid in der alten bewährten Hessentreue. Ich. weiß es, wie Ihr in dieser Treue zu mir gestanden habt in den. Tagen des Schmerzes und freue mich mit meiner Gemahlin, Euch jetzt um uns vereint zu sehen. Seid überzeugt, daß wir diese Treue vergelten werden, und soUten jemals wieder schwere Tage kommen, dann wollen wir erst recht zusammenstehen. Nochmals besten Tank.
Ein dreifaches Hoch durchhallte hierauf mächtig den Schloßhof. Nach einem weiteren Liede des Gesangvereins wurde der Bezirksvorstand und der Dirigent des Gesangvereins, die Herren Kurtz , und Rud 0 lph - Alsfeld, Herbst - Altenburg, Völzing - Groß--.Felda und Schmidt und Hammen- Romrod, zur Audienz befohlen. Hier richtete sowohl der Großharzog wie seine hohe Gemahlin nochmals Worte persönlichen Dankes an die Sterten, insbesondere an den Bezirkspräsidenten Kurtz und Lehrer Rudolph,, und unterhielten sich einige Augenblicke über die Zahl und die Beteiligung der Vereine, der Verwunderung Ausdruck gebend, daß selbst die Vereine mit 3 und 4-stündiger Entfernung in jo stattlicher Beteiligunc^zahl sogar auf geschmückten Wagen erschienen seien. Ihnen allen möge der Bezirksvorstand nocysinals den Dank Ihrer Königl. Hoheiten übermitteln.
Unter den mächtigen Klängen des Liedes „Es braust ein Rus wie Donner hall"' zog dann nach beendigter Audienz Ser H.uidigungszug wieder ab. Geführt von dem Vorsitzen
den des Romroder Krie gerv er eins Böcking nahm der Znq nun seinen Weg um das Schloß herum durch die Hauptstraßen Romrods. Auch hier sahen Ihre Königl. Hoheiten dem Zuge nochmals von der hohen Mauer aus zu, "der mit seinen Hunderten von Fackeln und Lampions und den etwa 30 Vereinsfahnen einen wahrhaft großartigen Eindruck machte.
Der neue Entwurf der Hess. Landgemeindeordnung.
Die Revision der Verwaltungsgesetze überhaupt wie besonders die der Städteordnung mujjte auch eine Revision der Landgemeindeordnung zur Folge haben, vor allem, um Eh auf ^diesem Gebiete eine einheitliche Kodifikation zu schaffen. Daß dabei eine möglichst nahe Uebereinstimmnng der Städteordnung und Landgemeindeordnung erstrebt wurde, liegt bei der Gleichartigkeit der Materien auf der Hand. Daher ist die Gruppierung des Stoffes in beiden Gesetzen fast gleich. So sind denn die Neuerungen bei der Städteordnung fast durchweg in diesen Entwurf herübergenommen worden. In kurzen Zügen haben wir bereits über die geschaffenen Neuerungen berichtet; die wichtigste ist entschieden die Nenregeulng der Stellung und Anus- dauer des Bürgermeisters, wie überhaupt der Gemeindebeamten, die mm den städtischen Beamten im wesentlichen gleichgestellt sind.
Bei den Bestimmungen über die Z u s anrin e n s e tz u n g und Wahl des Gcmemderates ist durch die inzwischen geändert Gemeindesteuergesetzgebung eine Aendernng bedingt worden. Außer d-en gewählten Mitgliedern hat auch Derjenige Höchslbesteuerte Sitz und Stimme im Gemeinderat, welcher wenigstens ein Viertel der in der Gemeinde vom Grundbesitz aufzubringenden Steuern entrichtet. Ist ein solcher Berechtigter nicht vorhanden, so geht Sitz und Stimme auf denjenigen Hochstbefteuerten über, dessen zur Gemeindesteuer herangezogener Grundbesitz einen steuerbaren Wert von wenigstens 250 000 Mk. hat. Es mnß also Höchstbesteuerung und der geforderte Grundbesitz in einer Hand zusammentreffen. Bezüglich der näheren Bestimmungen beim Wahl verfahren soll von dem Ministerium des Innern eine neue W ah l an le itu n g erlassen werden, da die zurzeit bestehende Wahlanleitung von 1874 den geänderten Verhältnissen nicht mehr gerecht wird. Sehr bemerkenswert ist bezüglich der Wahl des Bürgermeisters die neue Bestimmung, daß auch eine erfolgte Bestätigung wieder zu rück genommen werden kann, wenn sich dafür Gründe ans erfolgten Wahlbeeinflussungen ergeben. Das Proto koII buch, dessen Inhalt seither von allen in der Sitzung anwesenden Gemeinderatsmitgliedern zu unterschreiben war, ist' analog den Bestimmungen der Städteordnung nun nur von dem Bürgermeister und dem Kontrolleur zu unterschreiben. Auch Ordnungsstrafen können jetzt gegen die Gemeinderatsmitglieder bei Ungehörigkeit in der Sitzung verhängt werden; zuständig hierfür ist der Kreisausschuß, bezw. in zweiter Instanz der Provinzialausschuß. Eine derartige Vorschrift war erforderlich, um einen ordnungsgemäßen Verlauf der Gemeinderatssitzungen zu gewährleisten. Für die Vertretung des Bürgermeisters und der Beijgeorrd- neten sind ebenfalls neue Bestimmungen getroffen worden, denn in dieser Beziehung erweist'sich das seitherige Recht als lückenhaft. Es kann nunmehr von dem Kreisrat für die vorgesehenen Fälle ein Gemeinderatsmitglied als Vertreter ernannt werden nach Anhörung des Gemeinderats. Tie Vertretung erlischt in dem Augenblick, in welchem die Verhinderung des Vertretenen gehoben wird. Bei den Bestimmungen über die unwiderrufliche und Pension s b e r e ch ti g t e Anstellung bestimmter Beamtenklassen ging die Regierung, wie es in der Begründung heißt, von der Erwägung aus, -aß xs sich im Interesse der Rechtssicherheit empfiehlt, die ans solchen Anstellungen wechselseitig entstehenden Rechte und Pflichten ortsstatn- tarisch festzulegen. Wichtig ist sonst nur noch der 8., in der Städteorduung nicht enthaltene Titel, welcher die Bestimmungen über die Ge in ein d e v e r b än d e sestsetzt. Seither ist die Bildung von Zweckverbänden der Gemeinden nur in einzelnen gesetzlich bestimmten Fällen gestattet. Gleich wohl war die Verbandsbildung auch, in anderen Fällen möglich, aber sie ermangelte der Rechtsfähigkeit, und das mußte auf die Verbandstätigkeit hindernd und lähmend einwirren, ja bei Erwerbung von Grundeigentum seitens des Verbandes ist zurzeit keine Ueberschreibnng auf den Namen desselben möglich, weil dafür ein geeigneter Nechtstitel fehlt. Dadurch war aber auch eine umfassende gesetzliche Regelung der Materie .unter Verleihung Der Rechtsfähigkeit an die Verbände erforderlich. Nun sollen nach dem Entwurf für die Zukunft Gemeinden oder selbständige Gemarkungen zur Erreichung bestimmter kommunaler Zwecke vereinigt werden können. Die Vereinigung kann ans Grund freiwilliger Vereinbarung zwischen den Beteiligten erfolgen, sie kann, sofern dies das öffentliche Interesse erfordert, auch gegen den Willen eines Beteiligten, sei es auf Antrag Dar übrigen Beteiligten, sei es von Amts wegen her beiges uhr^ werden. Tie letzterwähnte Möglichkeit soll übrigens nach keiner Richtung hin einen Eingriff in das Selbstverwaltungsrecht und die Selbständigkeit der Einzelgemeinden bedeuten. Tie Landgemeindeordnung sieht ja gerade ihr Hauptziel in der Stärkung der Gemeindeeinheiten. Dies schließt aber keineswegs ein Zusammenwirken nachbarlich gelegener Gemeinden oder selbständiger Gemarkungen zur gemeinsamen Wahrnehmung kommunaler Angelegenheiten und zur Erfüllung solcher Aufgaben ans, welche über die Kräfte einer Einzelgemeinde hinausgehen.
Bezüglich dec Feststellung des Statutes ist dem ^-elbst- bestimmungsrecht der Beteiligten ein möglichst weiter Spiel- raam aelassen, nur einzelne Punkte sind erwähnt, welche in dem Statut enthalten sein müssen, mit Rücksicht aufr die Rechtsverhältnisse, welche zwischen dem Verbände uns dritten entstehen. Die Nonnen des 9. Titels über die staatliche Oberaufsicht schließen sich denen der Städteordnung fast vollständig an.
Gräfin cSuife Montignoso.
neueste. Affäre der Gräfin Montignoso hat zu den ver- scknedeusteu Gerüchten Anlaß seaebeu, die sunt Teil einen recht abenteuerlichen Anstrich haben. ES ist deshalb vorläufig auch reckt schwer, ic/uö altcii den ZeSarten dm Kern der Tatsachen b-rauSäilsckülni. Ter von Dresden abgereiste Kommissar Jigtizrat Tr Körner wurde, wie die „Lpz. N. Nachr.""' melden, vom i'äckUschen König nach Florenz gesandt, da die Gräfin Luise die Bonne der kleinen Monica entfernt wissen wollte. Tie Bonne hatte dem König über cme neue Liebessache mit hem aeickiiedenen Grafen Carlo Guiccardini geschrieben. Tie Bonne Madame von Neoreno, Tochter cmes argentinischen AUni- stcrialbeamten in Rom, erhielt Weisung vom König, über die Gräfin dem Könige zu berichten. Als Gräfin Luise die Bonne entlassen wollte, kam der Kommissar an, welchem Die Kammer- fanicn und das sonstige Personal die Liebesaffäre der Gräfin mit dem Grasen Guiccordini <ils tatsäMch bestätigten. Tcr
Kommissar 9ab darauf dem deutschen Konsul Ordre, die Bonne' mit der kleinen Prinzessin zu überwachen und, wenn nötig, die' Prinzessin sortzunehmen in Erwartung weiterer Befehle vonr König. Prinzessin V^onica ist noch bei ihrer Mutter, welche keine Kenntnis Don den Verfügungen des Kommissars hat.
soweit die Meldung des Leipziger Blattes.
T^anach hat der Versuch der Gräfin, eine Bonne aus ihrer, Umgebung zu entfernen, bereu Verschwiegenheit sie nicht sicher war, diese veranlaßt, über die Beziehungen der Gräfin zu bem' Grafen Guiccarbiin nach Tresden Mitteilungen gelangen zu lassen,, und diese Mitteilungen haben den Tresdener Hof veranlaßt,» einen Kommissar nach Florenz zu entsenden, um die Sachlage an Ort und Stelle zu untersuchen.
Zedenfaüs spielt die Persönlichkeit des Grafen Guiccardini. bei Der Angelegenheit eine bedeutende Rolle. Ter Gras ist der kaum 30iährige Sohn des Besitzers der Villa Papiano, die die Gräfin Montignoso in Florenz zu ihrem Gebrauch mietete und die sie seit längerer Zeit bewohnt. Graf Guiccardini ist verheiratet gewesen, von seiner Gattin aber seit längerer Zeit geschieden. Wie weit die Beziehungen der Gräfin Montignoso jil, dem Grafen gehen, läßt sich nicht beurteilen. Jedenfalls darf manj einer ^Meldung wohl sehr skeptisch gegenübertreten, die von einer| bevorstehenden H e i r a t d e r G r ä f i n M 0 n t i gn 0 s 0 m i t d emi Grafen zu berichten weiß. Da wird erzählt, die Gräfin Montignoso beabsichtige, sich schon im Frühjahr mit dem Grasen zu vermählen. Die Beziehungen des Grafen zu ihr werden, den konser- Dativen „Tr. Nachr.'" zufolge, die auch ausführlich darüber berichten, Don Den Nahestehenden bitter getadelt; „in der Gesellschaft sprich- man Don ihnen, mit Kichern und srivolen Scherzen. Ueber die Geheimnisse der Villa Papiano schüttelt man jedoch ärgerlich den Kopf., Geheimnisse? Tie Sperlinge pfeifen sie Don Den Tüchern. Seitdem Die unbequeme Ehr en wacht Der Fürstin-Tante Jsenburg-Bir- stein abgescyüttelt ist, hören die Wände Der Villa Papiano Tinge —. Wenn der neugierige Fremde an einem Nachmittag unseres schönest Winters die sonnige Straße nach Fiesole wauDelt, begegnet er wohl Der Gräfin Nkontignoso in munterem Gespräch mit ihrem' gegenwärtigen Gesellschafter, unb die Blicke Der Tarne werden, auch Den mildesten Beurteiler über ihre Dermutete Seelenquad beruhigen. Zuweilen folgt im Wäglein, unter Der Hut der Wär-! ter in, ein bildhübsches Kind: die liebliche, nun bald zweijährige' Prinzessin. Kaum traut man seinen Ohren, wenn man die kleine Unschuld beit fremden Mann „. . rufen hört.""--
Tiese, den „Tresd. Nachr." Don einer angeblich einwandfreiem Persönlichkeit ohne Voreingenommenheit herrührenden Angaben bringen also die traurige Bestätigung der Gerüchte.
Die römische „Tribuna"" meldet nun aus Florenz: Justizrap Körner bewog die Gräfin, sich nach dem Konsulat zu begeben,-' wo ihr das Dekret des Königs von Sachsen, das Kind Körner aitszuliefern, vorgelesen wurde. Tie Gräfin erklärte, sie werde es nie ans l i efern, man müsse es ihren Armen, entreißen. Körner erwiderte: Machen wir der Komödie ein Ende! Körner Drohte, mit zwei sächsischen Polizisten nach- ihrer Villa zu kommen und nötigenfalls die Tür zu zertrümmern, z-ic Advokaten der Gräfin erklärten, daß die Auslieferung Des Kindes jedenfalls nur auf legalem diplomatischen Wege erfolgen, könne. Die AdDolaten wandten sich wegen der Trohungen Körners an die italienischen BehörDen, die die Unverletzlichkeit des T-o- mizils und Person der Gräfin garantierten. Ein hoher Polizei- beamtcr erklärte, er werde Die Schuldigen eventuell verhaften lassen.
Der Rechtsbeistand der Gräfin, der Genfer Advokat Lachenal, ist in Florenz am Samstag angekommen.
Am Ätontag touroe im deutschen Konsulat zu Florenz eine Besprechung zwischen Körner und den Advokaten Lachenal und Rosadi abgehalten. Körner will jetzt, wie cs heißt, den gerichtlichen Weg Betreten und soll bereits den Beistand eines Florentiner Advokaten laingerufen haben. Tie Gräfin ist infolge ber Aufregung der letzten Tage leidend. Sie bewacht fortwährend ihre Tochter Prinzessin Monika und will niemanden sprechen.
Fast alle Blätter Roms nehmen für die Gräfin Montignoso ofteiüatiD Partei, sie behaupten, Justizrat Körner fei' der Gräfin mit unerhörter Schroffheit entgegengetreten. Es handle sich um Repressalien DeS Königs nsw. Dasselbe sagt der wiederholt mterviewte Graf Gnieciardini, der die Gräfin niemals anders als in Gegenwart dritter Personen gesehen haben will. Tie Verleumdung der Gräfin fei von einem Mitglied der Florentiner Aristokratie ausgegangen, das in Luise sterblich verliebt, aber abgewiesen worden war.
Ter römische Korrespondent des „B. T/" meldet: Nach der- Entfernung der deutschen Kammerfrau und des übrigen Personals/ hat die Gräfin kürzlich den Kammerdiener und den Koch dcA Grafen Guiceiardini in ihre Dienste übernommen. Letzterer' hatte die Gräfin unter dem Namen „Rentier Tini aus Mailand"" nach Leipzig begleüet.
Tie Wiener „9t. Fr. Pr."" veröffentlicht ein Interview mit] der Gräfin. Tiese erklärte, alles, was man von ihr erzähle, sei erlogen. Hätte fie. eine vor 10 Tagen verlangte Erklärung unterschrieben, daß sie für den Fall des Wiedererscheinens in- Sachsen eine Konventionalstrafe von 300 000 Mk. zu zahlen habe Unb daß sie auf daS Staatsbürgerrecht in/ Sachsen verzichte, so wäre ihr die Erregung der letzten' Tage erspart geblieben, oie wolle nicht Verzicht leisten,, da sie nicht zu bereuen habe. Sie wolle nur in Ruhe gelassen! werden und wünsche nichts sehnlich>er, als ihre Kinder zu sehen?
Gräfin Montignoso soll in einem Privatgespräch geäußert: haben, König Friedrich August sei zwar der gesetzliche,, aber nicht der wirkliche Vater der kleinen Prin< ä eif in!!!
Tie bereits angekündigten Gedichte der ehemaligen sächsischen K r 0 n p r i 11 z e s s i u sind soeben im Deutschem Volksverlag, Schkeuditz-Leipzig, unter dem Titel: „Luise, Gräfiw boii Montignoso, ehemalige Kronprinzessin von Sachsen, alÄ Dichterin"" erschienen (Preis 1,50 Mk.). Diese Gedichte — für bereu? Echtheit J)ie Veröffentlichung in Faksimiles zeugt — sprechen eine beredte Sprache. Von her geistigen Veranlagung Der ehemaligem Kronprinzessin, ihren Wünschen und ihrcur Sehnen legen sie Zeugnis ab. Als ein bocumcnt Huma in werden sie wohl vielseitige Beack)tung finden.
Ansons üüs dkl! ZtMLkssiuIsrWsttta Scr Stoi Eirßkü.
Aufgebote.
Febr. 2. Karl Ferdinand Kobel, Restaurateur dahier, mit! Anna Maria Theresia Schäfer in Heldenbergen. — 7. Adam' Töbus, Schuhmacher dahier, mit Luise Katharine Münker hier- selbst. — 8. Gustav Müller, Metzger dahier, mit Elisabethe Schön- Hals Hierselbst. — Karl Göbel, Gärtner dahwr, mit Elisabethe Stühler Hierselbst.
Ehefchlreßuttgeu.
Febr. 4. Karl Konrad Rau, Maler und Lackierer dahier, mit Bertha Ida Otto Hierselbst. — Franz Josef Praun, Monteur Da hier, mit Emilie Zuber hierselbst.
Geborene.
Jan. 28. Dem Dachdecker Heinrich Prang ein Sohn Hans.
30. Dem Lehrer Heinrich Schwöbel eine Tochter. — Febr. 2. Dem Hauptmann unb Kompagniechei Georg Großmann cm Sohn. — Dem Weißbinder und Tekormionsmaler Karl Hollmann eine Tochter Katharine Eleonore. — Dem Rcichsbanktassediener Wilhelm Maisch eine Tochter Üotte Paula. — 3. Dem Maschinisten Augusv Deib eine Tochter Katharine. — Dem Weißbindermeister August: Wilhelm Seipp ein Sohn. — Dem Sergeanten Adam Becker eine Tochter. —- Tcm Taglöhner Peter Schombcr ein Sohn Heinrich.! — ö. Dem Taglöhner Friedrich Karl Kornmann eine Tochter. — 8. Dem Kunst." und Handelsgartner Gustav Wittmanu ein Sohn Gustav.
Gestorbene.
Febr. 6. Ernst August Albert Chrisiophersen, I Jahr alt, S-H'n de§ Kansmanns August Peter Ehnslophersen dahier. — Johann! Rvseiibecker, 6 Monate alt, Sohn Des TaglöhuerS Johaiin Peter Roseubecker Dahier. 7. Auguste Elise Waller, 7 Monate alt, Tochter Des Schreiners Wilhelm Walter Dahier. — *J. Arthur Scharmanu, At Jahre alt, Kaufmann dahier. — Margarete Erle,' 71 Jahre alt, Rentnerin dahier.


