Erstes Blatt.
\U. 291
>»«>>* —.—■ -X a «r e
iprx Sonntag». V fW V
W Lietzener Anzeiger
II|j xhx " General-Anzeiger
SA WM Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Gießen
ttnjelflcr «icfecn.
3>ie heutige Kummer umfaßt 12 Seiten.
0, 19.75,
plion 439.
50, 4.20, t
decken
155. Jahrgang
eger ,«
1.39, 90, v0 >
ten «
55, 80, W '
Montag 1L. Dezember 1905
V,,«g»prel»r
monathd)7633f.,otrrtel*
— Dir Erstaufführung von Richard Strauß' neuer Over hat in Dresden am Samstag fbattqefimbm. Dor einer europäischen Elite künstlerisch interessierter Zusckmuer, rmter atem- loser Spannung ging Strauß-Wildes „S a l o m e" über die Bühne und endigte mit einem unbeschreiblichen Erfolg, der an vierzig Mal oder mehr, alle Beteiligten danken ließ. De wunderbare Leistung des Orchesters kam in dem vollen Hause noch bedeutender zur Geltung: eine revolutionäre, geistsvrühende Muisk in einer selbstverständlichen Schönheit. Wildes literam'sckr'r Text verlangte nach diesen Tönen, die dem artifiziellen Wesen von Strauß ganz besonders liegen. Die Johannes-Partien dringen durch die Größe ihres Stils, die von unmittelbarer Wirkung ift. tief in unser Herz. Der Tanz ist ein koloristisches D'ld, das keine Palette eines modernen Musikers bisher erreichte. Wie weit das Publikum mit dieser Kübnlxnt mitgohon wird, wird sehr interessant zu beobachten sein. De Over, so wird dem „B. B. C." gemeldet, wird sich in den Geistern mannigfach widerspiegeln, wird uns noch lange intensiv beschäftigen, wie wenige Werke unserer Zeit. e
__ Abermals eine neue Serie der Hendelbändcken (Verlag von Otto Hendel in Halle a. S.). Da ist zunächst Henrik L ch a r l i n q s .Meine Frau und ich* (drosch. 75 Pl.). Anheimelnde Schilderungen aus dem Familienleben, in benen bei aller Realistik der Darstellung
uerbrat Oie» en und aine*, löten und b in grosser Aos«- “eis am W* [. Man*' T°rM'J' ’S
stets das Gute, Heitere die Oberhand behält. — Es folgen: Daniel DefoeS „Sehen und Abenteuer des Robinson 6ntfoe* von Dr. Hermann Ullrich (brofch. 1 Mk.l. Diese neue Uebertragung ist eine billige, wortgetreue und unverfälschte Wiedergabe des Original?. I. P. Iacoblen? „RielsLyhne' (brofch. 75 Pf.). Der Roman deS modernen Hamlet, so wie ihn Shakespeare einst schon vor unS hingestellt. Die Zeit hat wenig an diesem TyvuS geändert. Ewiges, grübelnde? Suchen und stetes Regieren, ewige? Tasten an Fragen und 9lirqflben, die zu lösen die sträste zii schwach. Zugleich daS Buch des mnstischen Romantizismus. Niels Lybne ist der vollendeste TnpiiS höchster, verfeinerter Nerventätigkeit, der Trost für seinen taienlofen Skeptizismus in einem gesteigerten Innenleben sucht. Diele billige, die weicheii Feinheiten der dänischen imb ben fremdartig (eifen wiindervotlen Klang der Zacobfenfchen Svracbe wieder» lebende UeherseMing wird großeii Beifall Finben. Als Schluß der Reibe: Friedrich Hebbels .Her ob es n n b M a r i a ui n e* (drosch. 25 Pf. , eine Tragödie, die so recht die sich in ben fünfziger Jahren volluehenbe Wandlung in der Kunst- und Weltanschauung des Dichters zeigt. Dm Pessimismus, der seine Juaendwerke beherrscht, tritt mrück. Se ne Wrftolten verlieren mehr un^ mehr bas Eck . S ''>k^uio'', bas Ucbermenschüche. Tie Umnittclb.irfeit, bic Glut der L* •>’ r^ert ro-rb gebämvst durch zartere, innigere Regungen und die Neigung ziim Absonderlichen macht sich nicht mehr in dem Maße bemerkbar, wie in ben Iugenbschöpsungen.
jährlich Mk. 2-20; durch Abhole- u. ^rocigfteLen monatlich Go Pf.; durch die Post Mk.L.— oiertel- jährl. mMchl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für bie Tagesnmnme» bi6 vormittag? 10 LUyc. ZeilenpreiS: lokal 12ÜU auswärt» 20 Pfg.
Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Witt ko: für .Stadl und Land' und .Gerichtssaal': Ernst Heß; für den Anzeigenteil: HanS Beck.
wrzüg. ' 1 prima j 9.
Stück J.tM: seinem
aus mit 4 a.
Stück Lud
4 f*. ouSgebogt IJt)
KteinkS Jeuillelon.
Den dteSjShrigcu'NobclpretS
Cl::en: Ju der Medizin Pcwfeffor Robert K'o ck fKr seine i ien und Entdeckungen ans dem Gebiet der Tuberkulose, in i!rrpfjhRf Professor L cnard-fiir seine Arbeiten über die !h)Wrahlen, in der Chemie Professor v. B a e t.e r-München V- f:ine Untersuckmngen über d.s Indigo und das s^henpl- Wfcm, in der Literatur Henrp S i en k i e wie ^als Dertrettrder ü^trtur und der geistigen Kultur seines ldeS polnischen) Volkes D: Friedenspreis wurde der D^rn Berta v Sutt- »tt zugesvrock)en. Die Zuteilung des FwicdensvrriseS fand 'M virile des neuerbauteu Robelmstituts ?n Cb rast i an i «statt in 'genwert des KSnigspaares. Der ^tz-nde des Robel- frite?e5, der Minister des Mußern Loevland hielt eme Ansprache. it^iTte Nobels Anschauungen und verdienstvolles Wirken, und ?: r? te des aus den Mitteln der Nobesittftung errichteten neuen ^mdes des Nobelinstituts, das als Drnkmal des großen Oihcn Alfred Nobel hier stehe, mck das Stvrthmg und das Ä! gemahne, Nobels Ideen hockzzuhalten, dem Daterlande zur äiibte und der Menschheit zum Nutzen. Loevland gab sodann
Abteilung des Friedenspreises an die Baronm von Suttner Bfebu-H.
Beweis seiner vollständigen politischen Impotenz. Er ist so gänzlich in seiner Proletarier-Phraseologie auf- oder vielmehr untergegangen, daß er für die denkende Menschheit nicht mehr m Betracht kommt. Seine oft ans Kindische grenzenden senilen Wutausbrüche konnte man kaum ernst nehmen. Sie er« regten öfters peinliche Heiterkeit- Rur die sranzös. Presse heulte ihm Beifall zu. Der „TemvS" besprach mit hoher Aw erkennung die Rede DebelS und erklärte die Kritik, welche dieser an der marokkanischen Politik des Reichskanzlers geübt habe, für ebenso maßvoll al- zuttefsend!
Fürst Bülow hielt es für richtig, die von vollendeter Unbelehrbarkeit und proletarischem Fanatismus zeugenden Trompetenstöße des sozialistischen Diktators ins Land hineinflingen zu lassen, ohne sofortige Widerlegung, wohl um sie so noch mehr der Läck^ttichkeit preiSzugeben und ihre Vaterlandslosigkeit der schärfsten Kritik deS deutschen DolkeS auSzusetzen. Erst die SamslagS-Sitzung brachte Bebel bie Abfuhr, und zwar aus dem Lager der bürgerlichen Parteien. Einer der angesehensten liberalen Polittker, der längere Zeit aus Gesundheitsrücksichten sich im Hintergrund holten mußte, der Führer der Nationallibe- raten, Abg Dassermann, kennzeichnete in scharfen Strichen die Kritik Bebels, die den deutschfeiudlickum Elementen im Aus- lande Waffen liefere. Eine unpatriotische und selbstmörderische Politik Auch Bassermann billigt nicht in Bausch und Bogen die auswärtige Politik der Regierung, aber wo er Einwendungen zu madxm hatte, tat er es mit der im Hinblick aus das Ausland gebotenen Besonnenheit. Denn mit Recht bezeichnete es Baffer- mann als die Aufgabe des Parlaments, auf die Beseitigung, nicht auf die Verschärfung der gegen Deutschland unleugbar vorhandenen Mißstimmung hinzuarbeiten.
Nach Baffermann erst hielt es der Kanzler an der Zeit, daS Wort zu ergreifen, nachdem der Nationalliberale seine zweistündige Rede in eine patriotische Kuntmebuna hatte auSklmgen laffen. Fürst Bülow sprach mit auffallend gereiztem Ton. und das berührte um so seltsamer, alS er sich geraume Zeit hindurch lediglich mit kolonialen Angelegenheiten beschäftigte, und zwar mit der Tendenz, den Reickistag efn r großzügigen Kolonial- reform geneigt zu machen. Ungleich größeren Beifall wird Fürst Bülow im Lande ffuden mit der schneidigen Abfertigung Bebels. Der Kanzler nannte daS Kind beim richtigen Namen, indem er die Drohung Bebels mit dem Wehrstreik der Arbeiter als „2 a n - deSverrat unter dem Schutz der Immunität" kennzeichnete. Wenn eine Prämie ausgesetzt wäre darauf, die Widersacher Deutschlands in ihrer stkhässigkeit und Hinterlist zu ermutigen, so habe Bebel Anspruch auf diese Prämie. Aber er irre sich. Tie auswärtige Politik werde niemals, solange er, Fürst Bülow, an leitender Stelle stehe, sich unter ben Willen den Sozialdemokratie beugen, und ebensowenig werde die Entscheidung über Stieg und Frieden sozialdemokratischen Agitatoren in der Hasen Heide überlassen werden. Schlag auf Schlag, von donnerndem Beifall der bürgerlichen Parteien begleitet saust" auf Bebel hernieder: mit schneidender Ironie streifte Fürst Bülow die neuesten Zwiste hn fvzialdeiM,kretischen Lager: mit überzeugtem Ernst sprach er davon, daß der Versuch eines Generalstreiks an dem gesunden Sinn des Volkes zerschellen werde, ganz abgesehen von dem Eingreifen der Staatsgewalt, denn noch sei ein Unterschied zwischen den Zuständen in Deutschland und Rußland. Bebel nahm biefe Zurechtweisung schweigend hin. Er gab zwar beim Schriftführer feine erneute Wortmeldung ab, doch er wird mit der Gegenrede keinen Schaden anrichten. Die „Kompetenzen", die die Regierung ihm zugestebt, liegen jetzt für jedermann klar zutage, auch für das von Bebel so gepriesene Ausland.
Don Bedeutung war in einer früheren ReickstagSsitzung die Erklärung des Abg. Fritzen vom Zentrum, wonach die Aussichten der St eng el'schen Reform auf ent rechtgeringes Maß reduziert werden. Das Zentrum will keine Begrenzung der Matrikularbeiträge, sondern deren Erhöhung ohne Festsetzung einer Grenze. Auch die Verkehrs- steuern und die Bier-undTabaksteuererhöhung wird eS nicht annehmen. Dagegen empfiehlt es die Erhöhung und Erweiterung der Erbsrfyiftssteuer, bie auch die Sozialdemokraten befürworten. Man muß gespannt Jein, waS bei einer solchen Situation schließlich aus dem Steuerbukett werden wird. Freilich brachte das Zentrum auch seinen Toleranzantrag wieder em, den indes Dassermann am Samstag auch bekämpfte.
Im preuß. Abgeordnetenhanse kam, nachdem der Berliner Landtag mit einer nüchternen Thronrede eröffnet worden war, das Spremberger Eisenbahnunglück zur Verhandlung. Die Einaleisigkeit der Unalücksstrecke wurde allgemein als Grund zu der Katastrophe bezeichnet: der Eisenbahnminister erklärte demgegenüber, daß ein.' unerhörte BetriebSbummelei an dem Unglück schuld sei. Ob daS Alkoholverbot viel nützen wird'' Hoffentlich wird dos Eisenbahnministerium zu einem möglichst vollständigen Ausb u deS VahnnetzeS mit zweigleisigen Bahnen immer mehr übergeben und dem Svstem der Fiskalität und Ueber- schußwirtschast nicht allzu weit reichende Kdnzessionen machen. In der Jnterevellation wegen deSWagenmangels. die nach der Antwort des Ministers abgebrochen wurde, ist wohl noch nicht das letzte Wort gesprochen. Es wird unabweislich, mehr Wagen in Dau zu geben, bamit eine Benachteiligung der Industrie oder der Anschein der Bevorzugung einer Industrie vor einer anderen vermieden wird. Die Einkommensteuer- Vorlage sowie das Kreis- und Provinzialabgaben- Gesetz werden einer Kommission überwiesen.
Wie töricht die Sorj-rld-^wkra^st urr Zeit operiert, bewes
^Äit einem großen Tage begann die Beratung deS Etats, -rit her diejenige der Flottenvorlage und der Reichs- Hina niteform verbunden war. Fürst Bülow trat mit ihi großen Reden auf den Plan. Die eine gab eine Da^egung > r ngünstigen Entwicklung der Finanzwirtschift deS Reicks und
(5 inielstaaten und gipfelte in einer Empfehlimg der Stengel- ikn Reform. In der zweiten wandte sich der Reick-Skanzler der e-o'rt'gen Politik zu. Er gab einen bedeutsamen Kommentar ebem bezüglichen Passus der Thronrede imb deckte mit großem frtirmit die Gefahren auf, denen daS Deutsche Neich trotz seiner ■'*» friedlichen Politik infolge deS Neides und der. Mißgimst Ih c'bartcr Völker ausgesetzt ist Er wies nachdrückl^ attedie üffem zurück, mit denen die ausländische Presse die deutsche Wit« seit Jahr und Tag in der Welt ru diskrcditteren suck< hat dabei natürlich in ein Wespennest gestochen mie sich -- ben Wutausbrückieu der getroffenen Preßorgane des Aus- •'.-M ergibt. Bemerkenswert aber waren «"^^ußerungen ■yt iefreunbeten Auslands presse, namentlich ^Italiens, ^cr tti'che „Mattino" meinte, der leise Ton des M6 tx:a u < • fq r n Italien sei berechtigt durch bie Geschickte der letzten rr, wo ein großer Teil der italienischen Pol'ttker von einem 'irefbunb En gland-Fr a n kr e 1 ch-I tati e n trennte.
Artikel schloß mit der Mahnung an ine Italiener, daß Vrr- fta- geschrieben und signiert werden, und der Vertrag Jtalwn- X-: md Frankreich noch nicht geschn.eben sei. Und der italie »■f-c Minimer des Aeußeren, Tittvni, hat den Fürsten Dülow x f-incr Rede über die auswarttge Politik telegraphisch bc-
1 y»_M.
Sm einer solchen Zeit des -Einites dm au^värtigen Lage irff es für jeden Dcutscl'en patriotische Pfflckt stm- mit einer Mit hintanzi'balteni und die Einmütigkeit des Deutschtums gegen K- dem Auslande zu betonen. Bebel aber backte sich Lor- SVrt anderer Art zu pflücken. Er lieferte fn einem o«6ctn: beWj- 8-an Anariff auf die a".^" —- am-u tant.n
Ausfübrungen
v#*
mW*
biHi«9te"
kksi"'5
die Deranüaltinig vonMaiienkundgebungen in Sachsen die sich allerdings am letzten Sonntag nicht wiederholt haben, und der Versuch der Rosa Luxemburg, die russische Bewegung alS vorbildlich für die beutftic Arbeiters^st hinzustellen. ES ist durchaus 'u billigen, daß in ben sächs. Großstädten bad ruZuilflr an den arbeitslosen Sonntagen in den Kasernen konsignint bleibt, zur Begcanung etnmiger Unruhen. Der sozialdemokratische Ram- kalismus ist wohl das allerungecignetste Mittel, um der Arbeitev- sckift neue Rechte zu verscl'afsen. Er ist ein Spiel mit dem Feuer und dient nur dazu, das Bürgertum in einen immer stärkeren Gegensatz zu der EmanzipationAbewegung des vierten StandeS zu bringen. Man kann es begreifen, wenn angesichts emer solckien Entwicklung Leute wie Schippel mürbe werden und bte Tinge laufen lasten wie sie wollen.
Ter französische Senat nahm die Trennung 1- Vorlage von Kirche und Staat an. Was der Papst als Gegenwehr plant, ist noch unbekannt. Der Vatikan wist offenbar die Drucklegung be5 AusführungSreglementS abwarten, waS noch Monate dauern kann, ehe er sich mit einer bäpstlichen Enzyklika an bie stanzösiscken Bischöfe wendet. Nach der tnl jetzt befolgten Politik deS PnpsteS zu urteilen, dürft« er alt- geneigt sein, zum Widerstand aufzufordern, der einen Kultus- kampf zur Folge haben müßte.
England erlebte die lange erwartete KabinettD- krisis. Campbell Bannerman hat die Neubildung deS Kabinetts und die Leitung des Schatzamtes übernommen. Der bisherige Ministerpräsident Balfour erklärte in einer Rede, er hoffe, die Liberalen werden die auswärtige Politik der unionistischen Regierung fort setzen. Wenn die uuionistiscke Regierung ht der auswärtigen Politik erfolareich gewesen sei, so sei der Grund dafür der, daß d s unionistische Kabinett diese großen Fragen von einem einzigen Gesichtspunkt ans und mit einem einzigen Ideal betrachtete. Er gab gleichzeitig kund, daß er die Absicht hohe, die Führung der konservativen Partei fortzusetzen, die mm die Oppositionspartei fein werde.
Die Flottendemonstration gegen die Pfvrtel hat nach der Besetzung von Mytilene und LemnoS zur Nach- giebigkeit der Türkei in Sachen der mazedoniscknm FinaiizkontroNv geführt und die Botschafter haben bereits die letzten Vorschläge der Pforte beantwortet. Die Dauer der Finanzkommistion wird auf zwei Jahre beschränkt, und außer dem Generalinspekwr wird raxf) ein weiteres türkisches Mitglied zugelassen. Die Delegierten der Mächte erhalten den Titel „Conseillers". Die von! der Kommission zu ernennenden Finanz in spektoren sollen türkisch« Untertanen sein. Falls der Generallnspektor die Ausführung eines KvmmistionSbescklusseS verweigert, sost er darüber an biei Pforte berichten, während die fremden Mitglieder die Sache zurj Kenntnis der Botschafter bringen. Außerdem werden an einzelnen Stellen des Reglements die türfifrfvn Hoheitsrechte ausdrücksichi gewahrt. ,
Rußland steht immer noch unter dem Zeichen der Wirren. beren 1 merm ndliche Schürer wohl außerhalb des rustiscken Reichen bei Feinden Rußlands und Deutschland zu suchen sind DurnowoS Verbot des Post- und T e l e g r a p h en - V e r b a n de s gab den Anlaß zu dem neuen R i e se n stre i k. Gerüchte über eine geplante Gegenrevolution durckschwirren seit einigen Tagen besonders hartnäckig die russ. Residenz. Die militärischen Behörden' sind energisch bemüht, die Truppen durch die Militärgeistlichkeit an ihre Pflichten erinnern zulasten. Tas Wort „Militärdiktatur^ wird immer häufiger vernommen. Die Lage Wittes tffl anscheinend bis jetzt unverändert. Die Sttinde seines Rücktritte» hat trotz gegenteiliger Dersickerungen noch nickt geschlagen. Den . Ruß" meldete sogar, zwischen Witte und dem Minister deS sinnern, Diirnowo, seien Meinungsverschiedenheiten wegen des Post- und Telegraphenbeamten-AusstaTides entstanden. Witte beabsichtige, beim Zaren, der nach engt Meldungen (!) von fast allen Großfürsten verlasten und nichts weiter als ein Gefangener im Schlosse zu Zarskoje Sselo, nach anderen verläßlicheren Nachrichten gesund und vertrauensvost sein soll, die Entlaffungj Durnowos anzuregen. Der AuSstand flaut sichtlich ab: der tZEegraphische Dienst, auck im Innern, versagt noch In der Provinz scheinen sich unterdessen wichtige Ereigniste abzuspielen. Die Nachrichten darüber sind spärlich und unzuverlässig; klar ist nut, daß die Meuter ei der Truppen in Kronstadt, Kiew u. a. O., selbst in Petersburg fortschreitet. Nene GeneraV- streikdroHungen scheinen die Regierung zu großer Milde bestinnnt zu haben ES wurde auS Sewastopol gemeldet, daß der Heraus- geber eines dortigen Blattes unter Androhung der Hinrichtung gezwungen worden sei, einen Äkrtikel zu veröffentlichen, in dem! die Juden und Revolutionäre als Urheber der letzten Aufstände bezeichnet werden. — Nach Meldemgen aus Tokio besteht all- ge meine Verwirrung in Eharbin. 10 000 Mann russischer Truppen sind im Aufruhr und nicht zu bändigen. Die^ chinesischen Geschäfte in Eharbin wurden ausgeplündert und niedergebrannt. ?buck eine staatliche Fabrik wurde von den Meuterern zerstört. Man hat eine neue Verschwörung in Eharbin "ntdeckt und zwar sind die Rädelsflihrer Offiziere, welche eine all-' gemeine Erhebung der Armee gegen den Oberbefehlshaber zustande bringen wollen Die Truppen werden durch aufhetzende Bro-, schüren und Droflamationen, welche aus Moskau und Eharbin gesandt wurden, mit revolutionären Gedanken erfüllt. Nach MeNningen aus Petersburg euffandte die Zentrasteitting der sozial- revchlntionären Pnrtei besondere Emissäre nack Sibirien, nw eine Gäbrnng unter den Truppen im fernen Osten herbeizuführen Sv^t-r liest h^e Iewr^si-itung Mitteffung nack Eharbin fonrrnen.
I Volitische Wochenschau.
Ter Reichstag begann seine Verhandlungen mit einer ! -Zmi pellation wegen der Fleischteuerung, deren Besprech- ! zwei Sitzungen ht Anspruck nahm, und die bann, ohne zu W< geführt zu werden, auf unbestimmte Zeit vertagt wurde, las Zentrum trat bedingungslos für die agrarische Wirtsckmfts- i k ein Der Ausgang der im Sande verlaufenen Debatte I jibrt ro-'5 Wiffenden längst kein Geheimnis war, daß auf eine I f$i'fe der Teuerung durch diesen Reichstag nid)t zu rechnen ist. tit rwn der Linken geübte Kritik blieb fruchtlos. Das einzige ?|il tat war eine Polemik, die an eine brr üblichen Stuft- hf-r ungen PodbielSkiS anfetzte. Er hatte eine ihm vorgelegte : foh Rechnung als „A p 01 h e ke rr e ch n u n g" bczeidynet, woraus H s orsincndc des preußischen DpothekerkammerausschuffeS, Dr. , Zcbn alS gegen eine deplazierte Redewendung und einen Sckerz cif Stiften eines „schwer um seine Existenz ringenden und arbeiten- brn G tandes'^ einen geharnischten Protest gegen den preuß. Land' vmÜhaftSminister veröffentlichte. Im Lande regen sich nun
Metzger und Hof:besitzer, und erhöhen die Preise. Teuer- irgs, ulagen an Arbei er un >> Beamte werden vielfach ausgesetzt, 1 a auch in Darmstadt für die dortigen Eisenbahnunter-
. harren Aber die Grenzen bleiben geschloffen. ...
$n einem zweiten NachtragSetat für den Haushaltsetat der j Mchmgebiete verlangt die Regierung 5 Miffionen zum Dau der knLüderitzbuckt-Kubub. Die Materie kam im Reichs, tzg znr Verhandlung und bot dem neuen Verweser des Kvlonial- Iri,? Erbprinz v. Hohenlohe-Langenburg, Gelegenheit, seine ora- ylUlv pnsche Befähigung auf dem parlamentarischen Parkett zum ersten I Fall zu zeigen Der Abg. Erzberger wurde vom Zentrum als fi'hrrr gegen die Forderung vor geschickt- Er erhob ferne An- k ge gegen die Mißwirtschaft in der Kolonialverwaltung von niirm und erklärte scl»ließlich, daß Untersckleife vor^kom- rr seien. Auch der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes ! j s-h hch genötigt, gegen den zähen Ankläger aufzutteten. Er ver- I |:ixrtr eine offene Darlegung der Enthüllungen. Erzberger be- II VV. sich indes für später seine Mitteilimgen vor. Man muß 5 trauten, ob seine „Enthüllungen^ von Belang sein werden Die Pupige ging an die Dudgetkommiffion, die sich unter Gamps lusltz am Donnerstag konstituierte imb ihre erste Sitzung nwrgen, Tifn^tag, abhalten wird, so daß das Plenum des ^^'ck^tags sch •-tvr" Weihnachten wohl nizt mehr mit der genanten Bahn v.' MtWftigen hoben wird. Fürst Bülow nahm am letzten eam^tna nockmals Gelegenheit, auf die Dichtigkeit diese- Bahn- 5-u'L hinzuweisen. Nachdem inzwischen Herr v. Lmdeguist bie fol! ständige Unterwerfung der Hottentotten untz niirr übriger aufrMrerifticr Häuptlinge gemeldet hat, ichemt ddk- der Bahubau nickt mehr gar so sehr dringlich. ^1X4 ist r-tz außer achck zu laffen eine «cklerdingS reckt gehässige ■vi) tendenziöse englische Nachricht aus Kapstadt, daß die •Elbingen über die Erfolge in D e u t s ch-S Ü d we st a f r 1 k a .»imiüber den Hottentotten übertrieben seien. Es sei un- ■rrf:ig, daß Wittboi gefallen fei. (?) Er sei angeb- Hih rock am 15. November gesehen worden, während er nach den ■ hritfifben Berichten bereits am 3. November gestorben fern soll. ±1 Süden der .Kolonie seien Morenga und Moritz noch immer ihrem der Lage. Mehrere deuffche Proviantkolonnen seien von •flirr''toten en angegriffen und die Begleitmannschaften getötet


