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18.1.1905 Erstes Blatt
 
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155* Jahrgang

Erstes Blatt

Mittwoch 18. Jamrar IMSL'

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Nr. 15

rföelnt täglich außer Sonntags.

Dem Gießener 2lnzeiqer werden im Wecknel mit dem Krsfischen Landwirt die Gießener Kamilien- hlüttrr viermal in der Woche beigelegt.

-Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'tchen Unwers.-Buch-u.Steirr- bruderei. 8t Lange.

Redaktion, Erveditton und Druckerei:

Schul st ratze 7.

Adresse für Deveichen:

Anzeiger Gießen.

AeNilvrkchanichliißNr 51

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Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen MW

Januar 1905

Abonnenten.

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Gie ß en, am 16. Januar 1905.

Betr.: Rechtshilfe bei Schlacktviebversicherung.

Das Großflrwgliche Kreisamt Gitlien an die OrLspolizeibehördeir und Fleifchbeschauer des Kreises.

Wir weisen Sie hiermit an, den Organen der öffent­lichen Schlachtvieh-Versicherungsanstalten im Königreich Sachsen, in Schwarzburg-Sondershausen, Neuß älterer Linie unb Reuß jüngerer Linie auf Anfordern jede zur Beurteilttng von Schadenfällen erforderliche Auskunft zu erteilen. Für die Erteilung der Auskunft kann eine Gebühr erhoben werden. Für deren Höhe ist die Bekanntmachung, die Ge­bühren der Bürgermeister re. betreffend, vom 21. Dezember 1874 (Reg.-Bl. S. 785) maßgebend, da es sich wohl durch­weg um einfache Auskünfte der Bürgermeistereien als Orts- Polizeibehörden handeln wird. Ist eine Mitwirkung der Fleischbeschauer erforderlich, so steht diesen eine Gebühr nach Maßgabe der §§ 23 u. ff. der Fleischbeschauordnung vom 9. April 1903 (Reg.-Bl. S. 230) zu. Die Gebühren und etwaigen Auslagen sind der ansragenden Stelle bei Erteilung der Auskunft anzufordern.

I. V: H eckler

Gießen, den 17. Januar 1905.

Betr.: Vorzeitige Entlassung von Schülern aus der Volks­schule.

Die Grosch.KrkiMmlkommission Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Gesuche um vorzeitige Entlassung von Volksschütern sind alsbald bei Ihnen vorzubringen und spätestens bis 15. Februar l. Js. bei uns einzttreichen.

Ihrem Bericht, in welchem Sie sich eingehend über die Verhältnisse der Familie des Gesuchstellers aussprechen wollen, sind beizufügen:

1. eine Bescheinigung der Großh. Bürgermeisterei über die Vermögensverhältniffe des Gesuchstellers,

2. ein Schulzeugnis, worin namentlich auch die sittliche Haltung des in Frage kommenden Kindes genügend hervorgehoben ist.

Dr. B r e i d e r t.

Mmhrnidjung.

Betreffend: Vorträge über Obstbau.

Ter Obstbautechniker des Oberheff. Obstbauvereins, Herr H. Wiesner aus Friedberg, beabsichtigt im Monat Januar die nachbenannten Orte des Kreises Gießen zu besuchen, um Vorträge über Obstbau zu halten und an Obstbäumen praktische Unterweisungen zu erteilen.

Die Vorträge beginnen an Wochentagen abends 8 Uhr, an Sonntagen nachmittags 3 Uhr, die praktischen Unter­weisungen Samstags, nachmittags 3 Uhr, sonst stets am folgenden Tage vormittags 9 Uhr.

Samstag

den 21.

Januar in Langsdorf.

Sonntag

,, 22.

u Hausen.

Montag

, 23.

, Steinbach.

Dienstag

i> 24.

ii , Albach.

Mittwoch

</ 25.

Annerod.

Donnerstag

,/ 26.

, Rödgen.

Freitag

, 27.

Daubringen.

Samstag

28.

Climbach.

Sonntag

, 29.

Allendorfa. d. Lda.

Den Herren

Bürgermeistern und Obmännern werden

noch besondere Mitteilungen zugehen. Zahlreiche Beteiligung ist erwünscht. Gießen, den 16. Januar 1905.

Der Vorsitzende dcL Vereinsbezirks Gießen des Oberheffischcn Obstbauvercins.

Hechler.

Kelranntmilchttilg.

Durch Beschluß des Kreisausschusses vom 17. Dezember 1904 ist der Friedrich Schäfer Ehefrau dahier die Erlaubnis zur Ausübung des Gewerbes als Gesindevermieterin erteilt iworden.

Den Gebührentarif derselben bringen lüif nachstehend zur öffentlichen Kenntnis:

a. für Vermittelung eines Dienstboten an eine Herrschaft in Gießen 5 Mark.

b. für Vermittelung eines Dienstboten an eine Herrschaft nach auswärts 7 Mk., wovon der Dienstbote jeweils 2 Mk. zu entrichten hat.

Gießen, den 17. Januar 1905.

Großbcrzvg!' amt Gießen.

Herberg.

Gescllenp^üsmig.

Die diesjährigen Gesellenprüfungen finden in den Monaten März und 91 prf( statt.

An derselben können alle jungen Handwerker aus (Heuchelheim, Wieseck, Altenbuseck, Beuern, Großenbuseck, Burkhardsfelden, Hausen, Watzenborn-Steinberg, Leihgestern, Langgöns, Großen-Lmden, Klein-Linden, Garbenteich, Anne­rod, Rödgen, Trohe teilnehmen, deren Lehrzeit spätestens am Schluß der Prüfungen beendet ist.

Anmeldtmgen zur Prüfung sind unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars (bei dem Unterzeichneten erhält­lich) bis zum 20. Februar an den unterzeichneten Ausschuß zu richten Die Prüfungsgebühr beträgt 3 Mark und ist mit der Anmeldung an den Unterzeichneten einzusenden.

Wirmacheninsbesonderedaraufaufmerksam, daß die Ablegung der Gesellenprüfung u. A als Vorbedingung für die Anleitung von Lehr­lingen und die Führung des Meistertitels er­forderlich ist, ihre Versäumnis daher später empftndliche Nachteile im Gefolge hat.

Gießen, den 18. Januar 1905.

Der Prüfungsausschuß des Ortsgewerbevereins zu Gießen. Traber, Vorsitzender.

Zum Tode der Hroßkerzogin von Weimar.

lieber die letzten Stunden der entschlafenen Groß-1 Herzogin wird gemeldet: Nach der am Montag abend ein­getretenen kleinen Besserung trat Bewußtlosigkeit ein. Tie junge Fürstin ist morgens, ohne .das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, um' 6 Uhr 10 Minuten sanft entschlafen. Um 8 Uhr läuteten die Glocken sämtlicher Kirchen Weimars. Alle öffentlichen und sehr viele Privatgebäude haben halb­mast geflaggt. Tie Schulen haben den Unterricht ausgesetzt. Tie Theater sind bis auf weiteres geschlossen. Tie Hof­trauer wurde auf sechs Monate ungeordnet. Bis morgen abend wird die Leiche im Weißen Saale des Großherzog­lichen Schlosses im offenen Sarge aufgebahrt. Mittwoch abend erfolgt die Ueberführung der Leiche nach der Hof­kirche, wo sie in geschlossenem Sarge bis zu der Samstag mittag stattfindenden Beisetzung verbleibt. Donnerstag und Freitag wird das Publikum zur Kirche zugelassen, Freitage nachmittag erhalten Abordnungen und angemeldete Per­sonen Zutritt.- Die Beisetzung erfolgt Samstag mittag 12i/2 Uhr in der Fiirstengruft.

Ter amtliche Bericht über den Tod der Groß­herzogin Karoline lautet: Montag nacht 11 Uhr begann der Todeskampf der hohen Patientin. Schon während der ganzen Krankheit stattete der Großherzog der hohen Ge­mahlin häufig Besuche ab, worüber die Großherzogin wieder­holt ihre Freude ausdrückte. Am Sterbebett weilten außer den beiden behandelnden Aerztcn Tr. Pfeiffer und Dr. Stinzig, drei Schwestern des Sofienhauses und die Kammer­flau. Um 3 Uhr morgens von der bedrohlichen Wendung benachrichtigt, erschienen auch der Großherzog und die Prin­zessinnen Hermine und Ida von Reuß, die beiden jüngsten Schwestern der Entschlafenen, am Sterbebette. Trotz der fortschreitenden Benommenheit hat die sterbende Groß­herzogin die Anverwandten bei ihrem Eintritt mit sicht­barer Freude erkannt und begrüßt.

Ter Großherzog, jetzt 29 Jahre alt, hat sich am 30. April 1903 mit der Prinzessin Karoline vermählt.

Ter preußische Hof legt für die Großherzogin von Sachsen-Weimar Trauer auf 14 Tage an bis ein- schließlich den 30. d. M. Die Hoftrauer wird für die (Sour, für das Ordensfest und den Geburtstag des Kaisers <xb» gelegt.

Ausli-nrd der B-rfiaröeiter im gtutirflcbiet.

In der gestrigen Morgenschicht so wird aus Essen, 17. d. M. gemeldet fehlen insgesamt unter und über Tag 12 2 612 Mann, gegen 83 338 in der gestrigen Morgenschicht. Der Ausstand erstreckt sich auf 1 8 7 Zechen, bezw. Schachtanlagen. Neu in den Aus» stand getreten sind die Zechen Lucas, Karoline, Julia, Reck­linghausen 2, Recklinghausen, Graf Moltke 1 und 2, Zentrum, Court und PürtingSsiepen.

Gestern nachniittag fand auf dein Oberberganlt in Dortmund eine mehrstündige Konferenz zwischen Ober­berghauptmann v. Velsen, dem Delegierten der prellßischcn Regierung und den sieben Delegierten der organisierten Bergarbeiterschaft statt. Diese Konferenz hatte das Resultat, daß für Donnerstag nachmittag eine neue Kon­ferenz angesetzt wurde, welcher außer den gestern erschienenen Personen noch zwei weitere RegierungSvertreter beiwohnen werden und zu welcher der Verein für bergbauliche Interessen eingeladen ist, ebenfalls Delegierte zu schicken.

DerKobl. Ztg." zufolge ist Oberpräsident Nasse gestern nach Essen abgereist.

Auch einige gefährliche Elemente scheinen sich aus den Streikplatz'begeben zu wollen. Mit dem O-Zuge, der

um 11 Uhr 35 Min. Gelsenkirchen passiert, kamen zwei Anarchisten an, die aber bereits von Dortmund aus durch zwei Kriminalbeamte verfolgt wurden. Auf dem Bahnhofe in Gelsenkirchen wurden sie durch den Bürgermeister Antonie als Chef der Polizei und den Polizeiinspektor Rohrmann in Ernpfang genommen; während sich m der Bahnhofshalle un­auffällig vier bis fünf Krinunalbeamte plaziert hatten, wurden die beiden Anarchisten in den bereitstehenden Wagen gebracht und nach dem Polizeibureau gefahren. Das Ganze spielte sich so unauffällig ab, daß kaum jemand hiervon etwas- erfuhr.

Die Streikleitung erläßt einen Ausruf an di» Arbeiterschaft, aus der folgende Sätze hervorzuheben sind:

Kameraden! Wir sind nunmehr in einen sckuveren wirt- chastlicben Kampf um die Rechte der gesamten Beraarbeiterschast eingetreten. Mit beispielloser Einigkeit forbern die Kameraden aller Verbände die Anerkennung der Arbeiterrechte! Nur Gerechtig­keit wollen wir, wir wollen keine Vorrechte, wir verlangen nicht Unerfüllbares! Kameraden, nun der organisierte Kampf von den Organisationen geführt wtrd, beißt es strenge Disziplin halten, fede, auch bte geringste Ausschreitung zu verhindern. Be» läftigt keine Arbeitswilligen, haltet streng die öffentliche Ordnung austecht! Keinerlei Ansammlung vor den Zechen und auf den Straßen '. M e i d e t st r e n q e d e n A l k o H o l, denn er ist unser schlimmster Feind. Bildet selbst Eure Polizei^ sorgt überall für Ordmmgsmannschaften zur Unterstützung der Be» borden. Je ruhiger wir den uns aufgenvimgenen Kampf fuhren, desto mehr sympathisiert die Oeffentlichkeit mit uns. Die Zechen­presse ruft nach Militär. Zeigen wir d u r ch m n st e r H a f t e Ordnung, daß die Ruhrbergleute gesittete Staats­bürger sind, die aber gewillt stnd, einmütig und geschlossen den Kampf für ihre Besserstellung durchzuführen. Unsere Parole lautet darum: Unbedingte Einigkeit und entschlossene Ruhe! Unser Kampf ist eine rein bergmännische Angelegenheit unb muß von rein gewerkschaftlichem Gesichtspunkte geführt werden. Wir weisen die Einmischung irgend welcher anderen Faktoren zurück., Nur Einiakeit führt uns zum Ziele, wir wollen fein ein einig Volt von Brüdern, in keiner Not uns trennen noch Gefahr \a

Aus Bochum wird vom 17. Januar gemeldet: Auf allen Zechen wurde durch Anschlag bekannt gegeben, daß sämtliche Streikenden, die ab heute innerhalb drei Tagen nicht ansahren, entlassen und damit des Betrages von sechs Schichten bei dem noch ausstehenden Lohne verlustig sind. Die Eisenbahnbehörden haben sich,mit großen Kohlen Vorräten versehen. Der Reservebestand allein reicht aus, den vollen Betrieb sechs Wochen aufrechtzuerhalten. Dazu kommt der Kriegsbestand, der die vierwöchentliche Auf-i rechterhaltung des vollen Betriebes garantiert.

In Berlin befinden sich, wie un§ unser dortiger Mit^ arbeitet schreibt, ziemlich allgemein die Sympathien bet| Bevölkerung aufSeiten der streikenden Bergarbeiter. Ebenso verhält es sich mit der Preffe. Die Berichte aus bemi Ruhrrevier, die Schilderungen von dem Bild, das die ent-- scheidenden Versammlungen gewährten, sind voll Anerkennung der ernsten und würdigen Haltung der Arbeitervertreter. Daß die Antwort der Zechenbesitzer eher an die Zeitungen gelangte,) als an die mit höchster Spannung des Bescheides harrenden Vorstände der Organisationen, als an den Adreffaten des Briefes selbst, mußte die Wirkung der Verweigerung noch! verschärfen. Selbst der Korrespondent des ^Lokalanz.^ rügt, daß auch die Form der Antwort des üblichen Dtaßes von. Höflichkeit entbehrt habe. Die Arbeiterdelegierten hatten von ihr Gebrauch gemacht, sie konnten mit Fug erwarten, in der, gleichen Weise behandelt zu werden. Man kann hier mtt: dem König Ottokar Hebbel's sagen: ,Cin Tröpflein Milde' hätte wohl getan!' Ein Tröpflein Entgegenkommen und' mitfühlenden VerständnisieL für die Lage der Bergarbeiters Graf Bülow's Mahnung an die Arbeitgeber hat nicht bert wünschenswerten Erfolg gezeitigt. Der Handelsministep Möller hielt im preußischen Abgeordnetenhaus eine Rede, die in mehreren wichtigen Punkten mehr gu, Gunsten der Arbeitgeber, als der Arbeitnehmer war. Der, Zentrumsabgeordnete Brust, der zwanzig Jahre hindurch inr. Bergbau praktisch tätig gewesen ist, legte dar, daß von ben Arbeiterforderungen speziell diejenige auf Beseitigung deS Wagennullens" eine durchaus berechtigte sei. Herr Möller entgegnete, über dies Nullen bestünden in der Oeffentlichkeit^ vielfach falsche Vorstellungen: die genullten Betrüge flößen in die Unterstützungskasse. Wer bat denn daS nicht bereits- gewußt? Jeder weiß e§, der auch nur oberflächlich die Be­wegung verfolgt bat. Es ist unbestreitbar, daß bei dem Nullen nicht vorschriftsmäßig gefüllter Wagen persönliches Wohlwollen des Aufsichtsbeamten leicht eine Rolle spielt und schon au§ diesem Grunde läßt es sich verstehen, daß die Ar­beiter das System abgeschafft oder durch ein zweckmäßigeres ersetzt wiffen wollen. Beruhigend ist bei der im Ruhrrevier zumal unter den fremdländtschen Streikenden herrschenden Erregtheit, daß nach der Erklärung deS Ministers deS Innern nicht durch Truppen, sondern durch die Polizei die Ordnung aufrecht erhalten werden soll. Sonderbar klingt angesichts der zahlreichen, höchst bedauerlichen Betriebsein­stellungen von Stahlwerken, Textilwerken die Behauptung brr Köln. Volksztg.", daß noch am Montag Ruhrkobleu nach Holland gesandt worden seien. Wir hoffen, baß in dieser großen wirtschaftlichen Kalamität die verfügbare Kohle int Lande bleibt. Ein anderes Verfahren wäre auf da§ ent* schiedenste zu mißbilligen.

Als die ersten Nachrichten über die Arbeiterdew^giing war die BörsenstiekullUion, wie säwn wiederholt mitgeteitt wnrv^ kühl biS anS Herz hinan. Jetzt fängt man docb a.lmahstw an» tic Verhältnisse in etwa aWmn Lickte zu eben, stlvst wenn b;e8 in den Kursen noch nicht "in Alckdrnck kommt. Der G-.neraMcch