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16/09/1905 Zweites Blatt
 
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Samstag 16. September 1905

Nr. 218

Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger

«S"4 mit Ausnahme M TomuagS,

Die ^Siehrnei HamMenblStter" werden dem ,Nnzetger viermal wöchentlich beigeiegt. Der ^istlch« Laad vlrt" erscheint monatlich einmal.

155. Jahrgang

IRotahonSbrud und 93erlag der Vrü hl 'schai Untoerfitäiet»ruderet 5t Lange. Dietz«,

Redaktion, Expedition a.Druckerei! Schulftr.1, Lei. vir. E>L ielegu-SUu i Ln-eiger Dietz«.

General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.

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Kleines Ileuisseton

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Büfme, wie d-r Znschauerraum fmb uon Hrm'd mis mg altet BreyersSieb-chnjährlge" und mehrere

vvrdcn. Die Bühne, eine bet größten Deutschlands, hat bis Tramen fo'gen, sodaß dem neuen S

jum Dache vollständig Giienfoiinntaion erba![Ull!5 lich auch ber künstlerische Erfolg nicht fehlen wirb,

nateimtlen (Ktmctomgen mtl dcS eifernen Sotban««, werben nm > Satfacte, bnü i>ie S c r pa tl) t.

M» .che?«7^ P-L-Dir-kloren -n be.r

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The ater an Pächter-Direktoren zu dem Unfug des

Sl u 8 g a b c n Finanzperiode Zahlenmäßige

und

der eine

Wohnungen".

Daß Abg. Eugen Richter beabsichtigt, mit Beginn der neuen parlamentarischen Saison seine parlamentarischen Mandate niederzulegen, ist nach decFr. Deutsch. Pr." die Erfindung eines Zeitungsreporters, Richter hält auch jetzt noch an der Hoffnung fest, das; es ihm demnächst möglich sein werde, seine parlamentarische Tätigkeit, wenn auch in einem gegen bisher beschränkten Umfange, wiederauf, zunehmen.

Büdingen, 14. Sept. Der Revolverheld Karl Gottlob Bauer wurde gestern nachmittag von Staatsanwalt Reust im Amtsgericht vernommen. Hierbei, sowie bei dem darauffolgenden Verhör am Tatort, wo Bauer dieselben Stellungen wie bei dem Mord einnehmen mußte, bestritt der Täter die Belastungen der Zeugen und beharrte auf seinen Aussagen. Das Publikum blieb ruhig. Die Nachforschungen der Polizei dauern fort. Der ermordete Bieber wurde heute nachmittag unter großer Beteiligung der Bevölkerung beerdigt. Wie verlautet, wird die Bluttat schon bei der nächsten Schwurgerichtsperiode verhandelt. (B. A. Anz.)

zu einem Zwischenfall. Der Abg. Horvath eilte dem Mi­nister des Innern Krislofft) nach, packte ihn am Arm und rief:Bleiben Die!"Was wünschen Sie?" fragte der Minister. Darauf antwortete Horvath drolxnd:Wird einem Abgeordneten von den Sozialisten ein Haar ge­krümmt, dann ohrfeige ich Sie!"

Uebersicht der Einnahmen der Großh. Landeskreditkasse in

1897/1900 nebst 9 Anlagen,

Uebersicht der in dem gedachten Zeitraum bewilligten, abgelehnten und zurückgezogenen Darlehnsgesuche", sowie einen Erläuterungsbericht der Grostherzogl. Staatsschulden­kasse mit dem Anfügen übersandt, daß seitens der Obercech- nungskammer die erforderliche Bescheinigung erteilt worden ist. Zu den von der Staatsschuldenkasse gegebenen Erläute­rungen hat die Oberrechnungskammer nichts zu erinnern ge­funden, auch hat die Revision der einschlägigen Rechnungen zu Bemerkungen, welche den Landständen mitzuteilen wären, Anlaß nicht gegeben. Der Verein Großh. Hess. Damm- märter bittet in einer an die II. Kammer gerichteten Vor- umeine angemessene Erhöhung der Gehalte, sowie eine zeitgemäße Regelung des Wohnungsentschädi­gung sw es ens resp. die Gewährung geeigneter Dienst-

^arfamentarifdM.

Das Ministerium hat den Ständen die »Summarische

R B Darmstadt, 16. Sept. Das Darmstädter Hof- LH e a t c r eröffnet am Sonntag seine neue Spielzeit lieber in dem großen alten Hause, bas innerhalb eines Jahres den modernen Anforderungen entsprechend voWanbig umgebaut wor­den ist Die Wicbercröffmml! der Hofbiihne erfolgt unter gün­stigen Äuspicien, sie ist zugleich die Fesworstellung zur ^cicr des Geburtstags ber Großherzogin Eleonore. Es batte bekannt­lich viele Schwierigkeiten gemacht, bem schon wegen der großen F-euersgcfahr brinnenb notwendig gewordenen Umbau die yu» limmung ber zweiten Kammer zu verschaffen. Mnnabci: bic- lenigen meist oberhessischen Abgeorbneten, btc tro^ aller Otfer oe§ Grostherzogs und der Stabtvcrwaltung den -Ltaatszuschuß verweigern zu müssen glaubten demnächst bas neue prächtige Haus betreten, so sinb wir überzeugt, baß ailck) sw ihre Hel e iZreube baran haben werden. Auf Einlabung des Herrn Gene caldirektors Werner waren heut nachmittag die Stadtverordneten md die Vertreter der Presse zu einer Besichtigung eingeladen vorden und es herrschte nur eine stimme.des Lobes über das, vas in der kurzen Zeit und mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln aus dem alten Hanse gemacht worden ist. sowohl d e

gen Wasserstrahlen zu überschütten. Noch gründlicher aber m man im Zuschauerraum vorgegangen, wo außer den vier Maueru alles umgestaltet wurde. Statt ber früheren vier Ränge mit ben Galerien hat man jetzt ein sog. Mezzanin geschaffen, das die Großherzoglichen und die Hoflogen bezw. Frcrnbenlogcn, irn Ganzen 80 Plätze, enthält. Darüber erheben sich nur noch zwei Ränge, dessen oberen sich direkt die großen, schönen Galerien anschließen. Durch Beseitigung der Parkettlogen und der Garde­roben ist ber Zuschauerraurn unten um 45 Meter großer ge­worden und dadurch die Zahl der Plätze von 1210 auf 1490 gesteigert worden; auch die Zahl der Ausgänge wurde so ver­mehrt und die Gänge und Treppen so verbreitert, daß Publikum im Notfälle sofort ins Jreie gelangen kann ^.as Orchester ist versenkt und ganz nach Bai)reuther Muster.ein­gerichtet und durch Tieferlegung b'£mit zahlreichen elektnichen Lampen besetzten Plafonds um 4 Meter auch eine üicl beiferc Akustik erzielt worden. Natürlich werden im neuen Haufe auch die größten Anstrengungen bezüglich her künstlerischen Darbiet­ungen gemacht werden. Am Eröffnungstage gelangtDer flie, gcitbe Holländer" zur Aufführung; dann werden Menerbeers Prophet", WagnersTristan und Isolde" WebersTretschütz , Mozarts ,,Eosi sau tutte", GounodsFaust und >in LwampicI zuerst(sfcgcS und sein Ning" von HebbelHedda, Gabln von Jbs-u. DrehersSicb-chniahrige" und mehrere Neucinstudier ungen klassischer Dramen folgen, sodaß dem neuen Hause hosfent

Der Schluß des ungarischen Abgeordueteuhauscs.

Budapest, 15. Sept.

Im Hause herrscht große Spannung. Ministerpräsident Fejervary verliest bei Beginn der Sitzung folgende Er­klärung: Da es der Regierung unter dem zwingenden Druck der Verhältnisse nicht gelang, die ihr von Sr. Mas. ge­stellte Aufgabe zu lösen, überreichte sie ihre Demission, die der König angenommen hat. Die Minister sind mit der prob. Führung der Geschäfte betraut. So. Majestät hat mich zu der Erklärung ermächtigt, daß er den Wunsch hegt, ans den Reihen der Majorität auf Grundlage eines annehmbaren Programms eine Negierung zu bilden, damit die koalierten Parteien ihre eventuellen Vorschläge Sr. Mai. unterbreiten können. Das Abgeordnetenhaus nnrd mittels königlichen Handschreibens bis zum 10. Oktober vertagt. (Zurufe links:Mtes Spiel") Franz Kossuth wiederholt den Protest gegen die Vertagung Fejervary verwahrt sich gegen den Protest und sagt, dies fei mit der Ehrfurcht, die man dem Könige schulde, unvereinbar. Apponyi be­ruft sich darauf, daß bei früheren Gelegenheiten nach der Verlesung des königl. Handschreibens eine Diskussion über dessen Inhalt stattgefunden habe. Er führt aus, er biete alles auf, daß in dieser schweren Zeit der Prüfungen die Loyalität gegen die Krone unerschütterlich bewahrt werde. Er protestiere jedoch dagegen, daß er eine Art Loyalität entwickle, die verbietet, daß gegen den Mißbrauch könig­licher Rechte, für die der Minister verantwortlich sei, Protest erhoben werde. Uebrigens beweise die Anwesenheit des Ministerpräsidenten, daß er eine Diskussion für zulässig halte. Baron Fejervary sagt, er müsse dem ent­schieden widersprechen, daß seine Anwesenheit dafür ge­deutet werde, er sei vielmehr im Eitzungssaale geblieben, um den Protest K'ossuths zurückzuweisen. Die Minister verlassen hierauf den Saal. Nach längerer Debatte wird der Beschlutzantraa Kossuths, in welchem dieser gegen die Vertagung Einspruch erhebt, ange­nommen. Hierauf wird die Sitzung unter großer Be­wegung geschlossen. Die Deputation der sozialistischen Parte: teilte der draußen harrenden Menae die Antwort des Präsidenten Iusth mit und forderte die Anwesenden auf, ruhig auseinanderzugehen. Dies geschieht.

Von sonst verläßlicher Seite wird m'tgeteilt, daß der frühere Präsident der klerikalen Volkspartei und Ver­trauensmann des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand, Graf Johann Zichy, zum künftigen Ministerpräsi­denten ausersehen und nach Wien berufen worden sei. Graf Zichy werde eine Verständigung mit den Parteien an- zubohnen suchen und im Falle des Mißlingens dieser Be­mühungen das Haus auflösen.

Als die Minister den Sitzungssaal verließen, kam es

Geschäfts"-Theaters führt, veranlaßt Dr. Rudolf Blümner im neuesten Hefte desCitcrarifdjen Echos", die e>täbtc auf eigene Leitung und Verwaltung ihrer Theater bin» zuweisen.Warum lassen sich", fragt er,Die städtischen xx* hörben diese Einnahmen aus ihren Theatern entgehen? Es ist fast unbegreiflich. Allmählich wirb bas ja besser. Man fängt da unb dort an, zum sogenannten Regiesystem überzuge^n, unb legt ben Direktoren, die man mit einem Fixum bezahlt, Fünftlerifdtf unb humanitäre Pflichten auf. Was für Kräfte könnten sich selbst kleine St In ater leisten, wenn man ben Direk­toren ihre Pfründen entrisse. Es ist hier wie mit manchem so lächerlich einfach: die städtischen Behörden brauchten sich nur endlich darauf zu besinnen, daß sie auf dem Gebiete der tl)?.'tralifdycn Kunst ähnliche Verpflichtungen haben, wie auf dem Gebiete der Wissenschaft, ja sogar anderer Künste. Staatliche Theater waren freilich bas Ideale. Wenn endlich die Behörden die Theater in eigenem Betrieb haben, wird die Aus­wahl unter den zur Direktion zu Berufenden weit größer sein. Bis jetzt mußten von den Pächtern bedeutende Barmittel nach­gewiesen werden, der sogenamitt Fmidils und die Kaution. Beides fällt bei dem mit Fixum angestellten Direktor fort, sodaß nicht nur Vermögende, sondern auch lediglich Befähigte Letter von Th-atern werden können. Daß es alsdann nut einem Schlage um uns r gesmites theatralisches Leben besser gestellt sein wirb, liegt auf ber Hand. Das Gescküiftstheater hat dann aufgehört, zu s-e' .'.-n, unb Schauspieler, Töchter unb hoffentlich auch daS Publikum werben aufatmen." '

Industrie sind die Brennerei- und Seiden-In­dustrien auf das schwerste geschädigt; es droht die Lahmlegung der Fischerei und der Kupferiudustrie. Ans Dagestan sind Nachrichten von einer bedrohlichen Bewegung unter der Bevölkerung angelangt.

Telegraphische Nachrichten aus Wank melden weiter, daß die Tataren die nächstgelegenen Dörfer nieder­brennen u n d p l ü n d e r n Das armenische Dorf Gadrut ist nebst dem Dorf Ehankendy zerstört worden. In der Nähe von Wank selbst sind gleichfalls Tatarenhausen erschienen. Es ist bemerkt worden, daß Seids mit grünen Abzeichen die tatarischen Dörfer bereisen, was darauf hinweist, daß der Aufruhr organisiert ist.

General Schiriukin in Tiflis erhielt dem W. T.-B., zu­folge am Freitag folgende Depesche aus Baku: An einigen Stellen wird geschossen. Es sanden kleine Zusammenstöße statt, wobeli, eS Tote gab. Die Situation ist drohend, da die Erregung unter den Tataren groß ist. Fünf Ba­taillone, einige Batterien und Kosaken wurden nach KutaiS geschickt. Nach einem Telegramm aus Schulawery ist dort angesichts der Möglichkeit von Zusammenstößen zwischen Armeniern und Tataren eine halbe Sotnie Kosaken an­genommen . Es wird noch eine halbe Sotnie erwartet. Der Mitarbeiter einer Zeitung aus Baku wurde durch Tataren ermordet.

Ferner liegt heute noch folgende Privatnachricht vor: Eine Tatarenbande wollte vorgestern das HanS des Naphtaindustriellen Agics in Baku anzünden. Der Besitzer des Hauses feuerte aus einem Revolver mehrere Schüsse auf die Brandstifter ab. Die Bande verschwand, doch kehrte sie bald mit einer Kosakenpatrouille zurück und erklärte dem Anführer der Patrouille, daß man aus dem Hause auf friedliche Bürger geschossen habe. Oberst Walter befahl nun den Kosaken, das Haus zu demolieren und zu plündern. Mit seiner Er­laubnis zündeten die Tataren nun das Haus an. In den Flammen sind viele Perfonen umgekommen.

Skandinavische Kriegsdrohungen?

Stockholm, 16. Sept. Von durchaus zuverlässiger Seite wird mitgeteilt, daß Norwegen eine allmählich steigende Mobilisierung vornehme, die damit begann, daß das IägerkorpS anfang dieses Monats auf volle Kriegs­stärke gebracht wurde. In den letzten Tagen seien die noch fehlenden Mannschaften und Ausrüstungsteile der Flotte, der Festungsartillerie, sowie ber Feldartillerie in Südnorwegen, sowie für den Landsturm eines Teiles der Grenzbezirke ein« getroffen. Bei verschiedenen Infanterie-Regimentern scheine die Mobilmachung entweder auch im Gange ober bereits be­endigt zu sein. Diesen Maßregeln könne jedoch der Charakter einer allgemeinen Mobilisierung noch nicht zugesprochen werden.

Ehriftiania, 15. Sept. Der ZeitungAftonposten* wird aus Karlstad gemeldet, zwei schwedische Regi­menter, 4000 Mann, seien vorgestern von Asvala ab- marschiert und befanden sich gegenwärtig bei Aamaal in der Räbe deS Wenernsees. Eine schwedische Telegraphenabteilung sei von Stockholm nach Charlottenberg abgesandt.

Ueber den Abschluß des Waffenstillstandes wird berPetersb. Tcl.-Ag.* aus Godsadan vom 14. d. M. gemeldet: Gestern abend 7 Uhr unterzeichneten der russische und der japanische Bevollmächtigte, die Generäle Oranowski und Fukushima das Protokoll über den Waffenstillstand, der am 15. September mittags beginnt. In Wirklichkeit sind die Feindseligkeiten bereits ein­gestellt. Die Bevollmächtigten verhandelten mit Hilfe von Dolmetschern, jeder in seiner Sprache. Im Gefolge beS japanischen Bevollmächtigten Fukushima befanden sich ber Völkerrcchtslehrer Ariga, sowie Professor Scotsi und ein Adjutant. In dem Protokolle wird eine etwa 8Kilometer

Die Ermordung der Missionare in Ostasrita.

Der Draht hat schon die Nachricht von dem traurigen ! Ende des Bischofs Eassian Spiß und seiner Begleiter ge- ' bracht. Jetzt bringt dieKöln. Volksztg." einiges Näheres darüber.

Spiß verließ Dar es Salam am 31. Juli in Begleitung , von zwei Laienbrüdern, Andreas Scholzen (aus Schleiden, ! Eifel) und Gabriel Sonntag (aus Legau, Bayern), und zwei Schwestern, Felietias unb Kordula, um zunächst mit dem Dampfer nach Kilwa $u fahren. Dort wurden etwa 40 Träger angeworben, und dann trat die Karawane den Weg nach Sonaea bezw. Peramiho an. Am Tage nach der Mfahrt der Karawane von Dar eS Salam langte dort beim Gouvernement die Nachricht an von der Erhebung der Watumbi (Matumbi), eines unruhigen Bergvölkleins im Bezirke Kilwa. Es wurde eine ^Abteilung Mskari dorthin geschickt, um die Ruhe wieder berzustellen, doch wurde der Sache keine allzu große Beoeutung beigelegt. Der Bischof wurde in Kilwa von der dortigen Behörde über die Sachlage unterrichtet. Da jedoch dringende Geschäfte es nicht angängig machten, die Reise aufzuschieben, und andererseits die Karawanenstraße KilwaSongea sich ziem­lich weit südlich des Aufstandsgebietes hinzog, marschierte die Karawane am 5. August von Kilwa ab. Unbehelligt gelangte sie in sieben Tagereisen bis etwa eine halbe Tagereise vor Liwale, einem mit einem Feldwebel und einer 'Abteilung Askari besetzten Militärposten. Hier er­fuhren die Reisenden, daß ber dort ansässige Stamm der Wagindo sich ebenfalls erhoben habe und zahl­reiche Krieger oie völlig cingeschlossene Militärstation be­lagerten. Auf diese Nachricht hin warfen alle Träger die Lasten von sich und entflohen. Bischof Spiß unb feine vier europäischen Begleiter kehrten sofort um (in Begleitung von zwei christlichen aus Dar es Salam mitgebrachten Boys, die treu geblieben waren), um wieder nach Kilwa zu gelangen. Nur die Feldflaschen unb eine Proviantkiste wurden mitgeführt. 'Mer die Aufrührer hatten erfahren, daß eine europäische Karawane im An­züge sei. Am Morgen des 14. August, etwa um 7Vs Uhr, sahen die Reisenden Eingeborene, die ihnen den Weg ab- schnitten, herankommen. Biscyof Spiß schickte ihnen einen Boy entgegen, um zu unterhandeln. Dieser wurde gar nicht angehört. Er rief bann selbst den näherkommenden Feinden zu, sie seien Missionare, sie kämen in friedlichster Absicht seine Worte erstarben in einem Wehlaut; von zwei Speeren durchbohrt, sank er zu Boden. Die beiden Schwestern hatten sich auf die Kiste gesetzt und erwarteten, das Gesicht mit dem Schleier verhüllt, ben Tod. Sie waren die nächsten Opfer: von un­zähligen Lanzenstichen durchbohrt, hatten auch sie bald ausgelitten. Dann fiel der eine Bruder und halb darauf der zweite. Jetzt . alles war das Werk einiger Augenblicke flohen die beiden Boys. Sie brachten die Kunde von dem grausigen Morde am 17. August nach Kilwa, von wo aus die Nachricht telegraphisch weiter verbreitet wurde. Von mehreren Seiten werden Unruhen gemeldet. Mehrere Europäer wurden ermordet. Der oben erwähnte Militärposten Liwale ist voll­ständig aufgerieben. Sogar un we i t d e r H au p t- stadt gart es. Es ging sofort eine Expedition (Matrosen vom KreuzerBussard" und Askari) zur Bestrafung der Schuldigen ab. __________________

Neue Hiobsposten aus dem Kaukasus.

Ans Petersburg wird geschrieben:

Nach authentischen, in Tiflis eingelaufenen Depeschen aus den Kreisen Zangezur und Dschebrail habenchie Tataren dort Banden gebildet, die an manchen Orten sich der Mit- wirkuna der tatarischen Polizeibeamten erfreuen. Sie haben den heiligen Krieg,Gasawat", erklärt und metzeln unter Vorantragung von heiligen Fahnen die gesamte armenische Bevölkerung nieder. Eine Reiterei von mehreren tausend Tataren hat die persische Grenze überschritten und will sich mit den tatarischen Horden jenseits der Grenze bereinigen. Jin Dorfe Minkend sind über dreihundert Armenier niederge­macht. Das Eingeweide von Kindern wurde Hunden zum Fraß vorgeworfen; die wenigen Ar­menier, die am Leben geblieben sind, mußten zum Islam übergehen. In den vom Tatarenaufstand ergriffenen RahonS ist das Militär absolut nicht ausreichend, in vielen Gegen­den gibt es überhaupt keines. 'Skus den kleinen Orten der Gouvern. .Ielisawetpol, Eriwan und Baku kommen gleich­falls die beunruhigendsten Nachrichten. Der armenischen Bevölkerung droht in diesen Provinzen der Untergang. Zahlreiche Petitionen werden eingereicht, in denen flehentlich gebeten wird, wirksame Maßregeln zur Unterdrückung des Tatarenaufstandes zu ergreifen. Außer ber N a p h t a -