oen Anschein, daß schon das Urvolk der Arier, von dem die meisten europäischen Völker, ebenso wie die Inder, abstammen, die wichtigsten Zubereitungen der Milch gekannt hat. Die Anwendung der Butter bei den Opfern scheint sich aber nach dem Westen nicht verbreitet zu haben, denn Homer, Euripides, Theokrit und die anderen griechischen Dichter sprechen zwar oft von Milch und Käse, aber nie von Butter, und auch bei Aristoteles, der in seiner Geschichte der Tiere noch verschiedene mit Milch und Käse in Zusammenhang stehende Dinge erwähnt, sagt kein Wort über die Butter. Auch die Römer scheinen die Butter erst von den Germanen kennen gelernt zu haben. Plinius sagt von ihr, daß sie eine der köstlichsten Speisen bei den Barbaren sei. Merkwürdig genug diente die Butter bei Römern und Spaniern auch dann nicht als Nahrungsmittel, sondern als örtliches Heilmittel in der Wundbehandlung. Ter Gebrauch der Butter, wie er von den Ariern eingeführt worden war, scheint sich bei den Germanen, Slawen und Retten fortgeerbt zu haben, in deren Sprache sich auch Ausdrücke dafür finden, die mit denen des indischen Sanskrit verwandt sind. In den ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche wurde, wie Clemens von Alexandria berichtet, Butter an Stelle von Oel in den Altarlampen gebrannt, eine Sitte, die sich in Abessinien noch lange erhalten hat. Die gründlichste Abhandlung über die Butter schrieb ein holländischer Gelehrter, Martin Schookius, im Jahre 1641. Sein Werk beginnt mit einer sprachlichen Untersuchung, in der ec alle griechischen, lateinischen und deutschen Namen der Butter zusammenstellt und ihre Entstehung sorgsam erörtert. Dann erzählt er von den Scythen und der bei ihnen üblichen Art der Butterbereitung. Weiterhin beschreibt er andere Arten der Herstellung, die zur Färbung der Butter angewandten Mittel usw. Er bestätigt den Gebrauch der Bntter zur Heilung von Wunden und Geschwüren in Spanien und empfiehlt sie außerdem als Zahnputzmittel. Er schließt mit der sonderbaren Behauptung, daß es ohne die Industrie der Holländer, die er als „Butterbauern" bezeichnet, selbst in Indien keine Butter geben würde. Längere Zeit beherrschte französische Butter den Markt, ist aber jetzt von dem Erzeugnis anderer Länder, vor allem von dänischer -Butter, sehr verdrängt worden.
* KleineTageSchronik. Die „Augsburger Abendzeitung" meldet: In Leschhausen kamen etwa 6 Fälle von G e n i ck - starre vor. Jnsolgedessen erhielten die auf den 18. Mai einberufenen Landwehrleute mit dem Hinweis auf die Erkrankungsfälle Gegenordre. — In einer Lackieranstalt in der Oranienstraßc in Berlin ereignete sich am 13. d. M. abends eine Gasexplosion. Die herausgeschleuderten Eisenlüren des Trockenofens löteten den -Werkführer Skibbe. — In Flensburg wurde unter dem Verdacht
der Erkrankung an G e n i ck st a r r c ein Matrose von dem vor Glücksburg ankernden Schulschiff „Charlotte" in das Garnisonlazarett eingelieiert. — Zwei in das städtische Krankenhaus in Leipzig eingelieferte Dienstmädchen aus der Umgebung Leipzigs, sind an Genickstarre gestorben.
K-richtslaal.
EnlscheidungdesOberlandesgerichtszuD arm- stad t. Im verstossenen Jahre ging, so wird uns berichtet, dem Gastwirt Georg G u n d r u m IV. von Alsfeld ein Strafbefehl zu, weil er an einem Sonntagnachmittag, zu einer Zeit, in welcher nach kreisamtlicher Bekanntmachung der Geschäftsbetrieb in offenen Verkaufsstellen für das Handelsgewerbe verboten ist, F l a s ch e n - b i e r über die Straße verkaiist hat. Auf den von ihm erhobenen Einspruch kam das Schöffengericht zur Freisprechung. Der Amtsanwalt focht das Urteil an, und die Straskammer zu Gießen kam zur Verurteilung und zwar wegen der Uebertretung der kreis- amtlichen Verordnung sowohl, als auch wegen Zuwiderhandlung gegen die §§ 41 a und 146 a der Gewerbeordnung. Sie erachtete, daß die Handlung des Angeklagten nicht zum Betriebe der Schank- wirtschaft gehöre, sondern unter den Betrieb des Handelsgewerbes falle, für ivelche die Ausnahmebestimmung des tz 105 i der Gewerbe- ordntmg nicht in Aiiwendting komme. Sie fügte den Erwägungen über Inhalt und Umfang des Schankgewerbes, ohne auf eine nähere Feststellung einzugehen, von tvelchem Raume aus der Verkauf vorgenommeii wurde, zum Schlüsse die Betrachtung bei, daß es keiner Ausführung bedürfe, daß em Gewerbebetrieb in offener Verkaufsstelle vorliege, wenn auch das Flaschenbier aus dem Keller geholt und ohne in den Wirtschaftsraum gebracht worden zu jem, etwa im Hausgang verabreicht worden sem sollte. Tie oon dem Verurteilten eingelegte Revision behauptete unter anderem, daß die Strafkammer den Begriff des Handelsgewerbes verkannt hat. und daß das Urteil mit Unrecht angenommen habe, daß die betreffende Handlung im Betriebe eines Handelsgewerbes vorgenommen sei. Tas Oberlandesgericht befaßte sich nicht nur mit den Revisionsanträgen, sondern prüfte auch die »iicht erwähnte Verjährungsfrage, die es bejahte und entschied, trotz der streitigen Frage, ob Freisprechung einzutreten habe, oder ob das Verfahren wegen Verjährung einzustellen sei, auf Freisprechung des Angeklagten unter Belastung der Staatskasse mit den Kosten der drei Instanzen.
AröUlerbewcgung.
Klein-Steinheim, 14. Mai. Gestern nachmittag wurde in den Steinbrüchen von 120 Arbeitern die Arbeit niedergelegt. Die Löhne der Einreißer sollten nach der gestellten Forderung aus 42, der Wagenlader auf 40, der Schläger und Räumer auf 50 Pfg. die Stunde erhöht werden.
Straßburg, 15. Mai. Ein allgemeiner Streik der Schneider ist hier ausgebrochen. Der Ausstand ist darauf zurückzuführen, daß seitens einiger hiesiger Firmen auswärtige Streik arbeit augefertigt wurde. Eine Versammlung des Schneiderverbandes beschloß einstimmig, die Arbeit so lange nre- derzulegen, bis die hiesigen Unternehmer die ehrenwörtliche Er- tlärung abgegeben, von organisierten Arbeitern keine Streikarbeit aus Leipzig oder Gießen anfertigeu zu lassen.
Zürich, 15. Mai. In einer stark besuchten General-Ver
sammlung des schweizerischen Baumeister-Verbandes wurde beschlossen, für den Fall, daß die schwebenden Streiks in Zürich, Basel und Bern nicht in kurzer Zeit unter befriedigenden Bedingungen beendet sind, die Schließung aller Bauplätze bei den Verbandsmitgliedern in der ganzen Schweiz in Aussicht zu nehmen. Der Zentralvorstand erhielt Auftrag, seine Bemühungen dahin zu richten, daß es nicht nötig werde, dieses äußerste Ver- teidigungsmittel zu ergreifen.
Die Marktpreise für Bieh und Frucht und Die Gießener Fleisch- und Brotpreise
am 15. Bim 1905.
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Ochsen
50 Kg. Schlachtgewicht 71-73 Mk.
Kälber
7, Kg. Schlachtgew. 87—90 Pf
Schweine
7.^______, 67-68 „
Getreidepreise in Mannheim
7. Kg. 70-80 Pfg.
7. , 70-74 „
7, „ 66 76 , Brotpreise in Gießen
Weizen 100 Kg. 18,50 Mk. Weißbrot 2 Kg. 52 Pia.
Roggen 100 „ 16,00—16.25 Mk. Schwarzbrot 2 Kg. 48 Pfg.
TeSepbosnischer Kursbericht.
Frankfurt a. HI.,
3l/g°/o Reiohuauleiüti . . 101.50 3-Vo do. ... 90.85 3V,o/o Konsole . . . . 101.30 i"/0 do 90.40
372% Hessen .... 100.20 3l/,% Oberhessen . . . 99.— 4% Oesterr. Goldrente . . 101.75 4*/6% Oesterr. Silberrento . 101.10 4% Ungar. Goldrente . . 99.95
4u/o Italien. Rente , . . 106.60
4% Portugieser I , . , 67.00
3°/ Portugiesen. III . . . 67.00
1% ünif. Türken . . . 88.15
Türkenlose 134.00
4% Unech. Monopol.-Anl. 52.10 472% äussere Argentiner 46.15
15. Mai. Offizielle Schlusskurse.
3u/o Mexikaner .... 67.26 4,/29/o Chinesen .... 96.00 Electric, bobuckert . . . 139 20 Nordd. Lloyd . . . . 122.80
Kreditaktien 209 00 Diskonto-Kommandit. . . 186.50 Darmstädter Bank . . . 141.30 Dresdener Bank .... 154.50 Berliner Hundelsges. . . 168 50 Oesterr. Staatsbahu . . . 143.50 Lombarden 16.20 Gotthardbahn , . . . , —.— Laurahütte . , » . . 267.50 Bochum 245.00 Harpener 214 00 Staatschatzscheine . . . 100.55
Tendenz: fest.
Für die Gejamt-Redüttion verantwortlich: i. V. August Goetz.
wird allen NevVöfktt abgespannten, leicht erregbaren, geistig und körperlich geschwächten Staturen anstatt Tee oder Kahee empiotzlen. Alan lcje die interessanten Berichte der Professoren, Aerzte und medezm. Zeitungen. Bioson, fertig zum Gebrauch, schmeckt angenehm und ist in seiner Zusammensetzung ohne jede Konkurrenz und in Apotheken, Drogerien usw. das % Kilo zu Mk. 3.— erhältlich. b7/4
daß die Verdauung vom Magen allein besorgt wird; der Magen arbeitet nur vor und anschließend daran wird der Speisebrei vom Darrn aufgebraucht. Deshalb sollen Magen-, an Verdauungsbeschwerden Leidende rc. nur eine leichtverdauliche, aber nahrhafte Diät erhalten; diese finden sie in Knorrs vortrefflichen Haferpräparaten: Hafermehl, Haferflocken und Grütze, welche aus dem vorzüglichsten Rohmaterial hergestellt werden. Sie besitzen alle Eigenschaften, welche für solche Krankenkost erforderlich sind. Um eine angenehme Abwechslung in der Diät für Kranke herbeizuführen, verwende man neben Knorrs
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