Ausgabe 
14.10.1905 Viertes Blatt
 
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Hisenbaljn-Ieitung.

Die Bewohner des östlichen Vogelsbergs beschäftigen sich seit etwa Aivci Jahren mit dem Projekt einer normalsvurigen Bahn von Fulda über Freiensteinau nach B i e r st e i n. Tie 93er- messtmgsarbeiten finden z. Zt. statt. Tie Strecke soll die Fort- setzung der Bahn Wächlersbach-Bierstein bilden und von Bierstcin über Fischborn, Radmühl, Fleschenbach, Freiensteinau, Reichlos, Hauswurz, Hohenfeld, Giesel und Bronzetl nach Fulda führen. Tie Bahn wird' größtenteils preußisches Gebiet berühren. Gleichzeitig bemüht sich die hessische Gemeinde Freiensteinau um das Projekt Freiensteinau-Nieder-Moos-Grebenbain zum Anschluß an die Vogelsbergbahn Lauterbach-Gedern-Stockheim.

8 Ein brutaler Ehegatte. Wegen Mißhandlung feiner Ehefrau stand am 10. d. M. der 61 jährige Landwirt Georg R e s ch aon Altheim vor der D a r m st ä d t e r S t r a f k a m m e r. Ter Vorfall, der der Anklage zrigrunde lag, hat sich ohne Zeugen ab- aeioielt. Wie die Frmi anqibt, hat sie ihr Mann eines Tages au? den Heuboden gelockt und dort längere Zeit am Haste gewürgt. Ei>i Nachbar sand die Frau blutüberströmt an der Treppe zum Heuboden liegen. Ter Angeklagte lief weg, als der Nachbar kam. Neben der bewußtlosen Frau lag ein großer eiserner Haken, mit dem ihr der Mann mehrere schwere Kopfwunden beigebracht hatte. Resch lebt mit seiner Familie in Unfrieden und steht auf ber eaiüer» liste. Das Gericht verurteilte ihn wegen der schweren Mißhandlung sein er 62 jähriaen Frau zu einem Jahr G e f ä n a n i ß.

am 12.-13. Oktober +

12.-13. u +

Literarisches.

Der Kunstwort, Herausgeber: F.Avenarius, Verleger: Georg d. W. Callwey in München, Bestellgeld vierteljährlich (b. h. für sechs Hefte) 3 Mk. 50 Psg., eröffnet seinen 19. Jahrgang! Ein Rückblick aus alle feine Bände wird einst für den Geschichtsschreiber der deutschen Zeitschristenliteratur schon durch die eine Tatsache von Jntereffe sein: daß es kaum eine zweite Zeitschrift gibt, die in alcher Weise sich immer weiter entwickelt hat. Er war fern Unternehmen des Großkapitals, ganz bescheiden und klein begann fer, was aber von Geld ihm zufloß, das wird immer wieder zu seiner Erweiterung, zu seiner Verbesserung benutzt. Zunächst kamen zu dem ursprünglich rem kritischen Inhalte einzelne Proben aus neuen Büchern, dann zu jedem Hefte ein bescheidenes Bild in schlichtester Technik, dann Notenbeilagen, und jetzt zeigt em jedes Heft, wie all diese Keime sich ausgebildet haben. Dor dem neuesten die vortreffliche farbige Reproduktion eines Türerbildes, das er­greifend schön ist, bann ein vornehmer Kupferdruck, abermals eine farbige Kunstbeilage, noch eine einfarbige, alle nach den sorgsältigst gewählten Originalen in den besten Techniken, die wir für solche »wecke haben. Ferner acht Seiten Noten, mit denen der Kimstwart wieder ein neues starkes Talent in die Oeffentlichkeit führt. Im Texte höchst anregende AussätzeLose Blätter" mit Vers- und Prosa- Dichtungen dreier bedeutender Autoren, und schließlich die eigentliche

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

9,4° C.

4,7°

vermischte».

Tergewichtigste" König Europas ist nach seiner eigenen Aussage König Leopold bon Belgien. Er besuchte vor einigen Tagen in Begleitung des fran­zösischen Ministers des Innern M. Etienne die französische Abteilung der Lütticher Ausstellung. 2lls er fiu der Ab­teilung kam, wo elektrische Wagen ausgestellt sind, bat em Fabrikant ehrerbietig den König, sich auf einer der Wagen niederzulassen Ter König folgte mit seiner bekannte Liebenswürdigkeit der Einladung, und sogleich zeigte es sich, daß sich genau 98 Kilo 700 Gramm auf dem Sessel nieder - aelassen hatten.Sehen Sie", sagte der König lachend zu Ltienne,Mitglied in dem Pariser Klub derHundert- kiloleute" könnte ich noch nimt werden. Indessen bleibt -ntr die Tatsache, daß ich der schwerste Herrscher Europas »in; König Eduard von England, der gleich nach mir kommt, viegt drei Kilo weniger; aber das geht auch schon an . . ."

Ein Anti-Zigarett en-Gesetz. In der gesetz­gebenden Versammlung des Staates Südpustralien ist so­eben ein drastisches Anti-Zigaretten-Gesetz eingebracht mor­sen, das vom 1. Juli 1906 an die Erzeugung oder den Ver­kauf von Zigaretten, Zigarettentabak und Zigarettenpapier »erbietet. Jeder Polizcimann darf, wenn mit einem von nnem Friedensrichter ausgestellten Hausdurchsuchunys- ^efehl ausgerüstet in jedes Haus oder jedes Geschäft em- »ringen, die im Verdacht stehen, daß sie für die Erzeugung rder den Verkauf von Zigaretten oder Zigarettenpapier senützt werden, und alle Vorgefundenen Zigaretten, Ziga- ^ttentabak und Zigarettenpapier konfiszieren. Ein der lebertretung dieses Gesetzes Angeklagter muß seine Un- jchuld erweisen. Tie Uebertretung wird mit Geldstrafen bis zu 100 Lstrl. geahndet. Wenn es auch nicht wahrscheinlich ist, daß dieser drastische Vorschlag Gesetz wird, so ist es doch unleugbar, daß sich in Südaustralien und anderen Staaten Australiens eine immer stärkere Strömung gegen das Ziga­rettenrauchen fühlbar macht. Tas Zigarettenraucheri ganz kleiner Jungen ist es namentlich, was vielfach zu der An­ficht geführt hat, daß die Gesetzgebung einschreiten sollte.

! Rundschau, welche die Gebiete der Literatur, des Theaters, der ! Musik, der bilbenbtn und dar angewandten Künste und noch allerlei sonst mit scharfen Lichlerm gleichsam .ableuchtet". Kräfte, die durchaus zu den ersten des '.deutschen Geisteslebens gehören, arbeiten zu solchem Ergebnis zusammen, in diesem einen Hefte z. B. sind allein in der Abteilung Musik Humperdinck und Weingartner, sowie Batka und Goehler mit Oirchnalauffätzen vertreten. Der Kimstwart hat jetzt einen so großen Emfluß und einen so ausgedehnten Leser- kreis, es erscheint in der füv ein derartiges Blatt bis jetzt unerhörten Auflage von 22 000 Abzügen, .daß eine weitere Empfehlung uber- flüssig ist. Inhalt des ersten Oktoberhestes: Woraus kommt's an ? Vom Herausgeber. Walt Whitmcm. Von Leopold Weber. Die erste Ouvertüre zu Cornelius'Barbier von Bagdad". Von Felix Weingartner. Kunst im Krankenhaufe. Lcüe Blatter: Gedichte von Alfred Vogel; Carl HauptmannsTer Landstreicher"; Eine Erzählimg:Wie das Jesuskind verlaufen ist". Rundschau: Nochmals vomPopularisieren". Bücherschau. DerBlütenkranz des Heilgen Franz von Assisi". Neue Stile. Regie-Pudel. Berliner Theater. Münchner Theater.Theaterbücher". Zu Dräsekes 70. Geburtstag. Mechanische Musik. Eine Frage. Wiederholung als Ausdriick im Volkslied, lieberIntime Musik". Der deutsche Mozart. Musikalisches. Lebende Worte. Umschau. Künstler als Ehrendoktoren? Robert VischersRubens". Automobile. Zur Drahtkultur.Schwungvolle Poesie". Bilderbeilagen: Albrecht Dürer, Selbstbildnis; Hans Beatus Wieland, Matterhorn; Max Liebermann, Allee: Zur ästhetischen Kultur: Tas Denkmal für Walther von der Vogeliveide in Würzburg. Notenbeilagen: Rudolf Schüller, Säerspruch;Wir können auch die Trompete blasen"; Fiedellieber.

Ätofjcr Reinheit im hygienischen Sinne und als gut geeignet I zur Speisung einer öffentlichen Wasserleitungsanlage bezeichnet weichen. Die Resultate der bakteriologischen Untersuchung sind bei dem von dem neuen Stollen bei Großen-Buseck gefordertem Wasser bei der letzten Untersuchung wesentlich günstigere, als im Vorjahre. Im übrigen sind sie abgesehen von dem Waszer aus dem Niederdruckbehälter, in welchem wegen Zerflonenfems der Platten im Vorjahre eine Feststellung der Keimzahl über­haupt nicht möglich war, höher als dort, was.mit der letzt- Täbrigen geringen Ergiebigkeit der Quellen Zusammenhängen dürfte. Namentlich ist die Keimzahl aus dem Wafier der Diwertusguelle ziemlich hoch. Tie von dieser Quelle geforderte Wassermenge war z. Zt. der Probeentnahme zehr gering In­folgedessen fand ein längerer Aufenthalt des geforderten Walters trt dem Sammelbehälter der Sammelstube statt, womit eine stärkere Vermehrung der in dem geförderten Wasser enthaltenen ent» wlcklungsfcihrigen Keime verbunden zu sein pflegt. Veranlassung zu Bedenken sanitärer Art sind nicht vorhanden

Men, die hinsichtlich der Verwendung von Nahrungs- und Femißmittcln. sowie Gebrauchsgeaenständen Bedcnkm irgendwelcher Art haben, sei empfohlen, die Sachen durch das Unterzuchungs- amt auf ihre Unschädlichkeit prüfen zu lassen.

Havanna-Schu ß". S-ür Raucher durfte eine < entscheidung von Interesse sein, die Rechtsanwalt ^r. -ubszhnsn mitteilt. Dem Inhaber einer Partiewarenhandlung war vom Amtsgericht verboten worden, in öffentlichen Anpreisungen lerne Zigarren 100 Stück für 2.50 Mk.: alsHavanna-Lchuß' zu bezeichnen. Das Berufungsgericht hat indes entschieden, baß jene Anpreisung nicht geeignet sei, den Anschein eines besonders günstigen Angebots hervorzurufen und demzufolge die Klage des Schutzverbandes gegen unlauteren Wettbewerb abgewiesen. Der Sachverständige hatte erklärt, daß es in vielen Geschäften üblich sei, 3-Pfennig-Zigarren als Havanna-Schuß zu ver­kaufen! In der Urteilsbearündung heißt es u a. :Ein Raucher, der Zigarren zu 2.50 Mark oder 3 Mk. das Hundert kaust, weiß ganz genau, daß in diesen Zigarren kein. Havannatabak, überhaupt kein besserer, überseeischer Tabak, andern rn der Hauptsache inländischer Tabak enthalten ist; derselbe (?) wird auch, wenn er solche Zigarren nicht in entern Zigarrengeschast, sondern in einer Partiewarenhalle kauft, keine bessere Qualität erwarten. Es komme ihm nur darauf an, eine preiswerte Zi- aarrc zu erhalten, und das fei die vorliegende; daß der Käufer durch die Anpreisung in einen falschen Glauben versetzt werden konnte sei nicht nachweisbar usw." 2r. Lubszynski bemerkt hierzu'Wollte man diese Sätze verallgemeinern, so müßte man zu der Konsequenz gelangen, daß gerade die gröbsten Unwahrheiten der Verfolgung entzogen bleiben, weil sie vom verständigen Publikum am wenigsten geglaubt werden. Dann könnte man auch Talmi" als Gold be­zeichnen, denn auch hierbei müße ]id) w das verständige Publi­kum sogen, daß echte Sachen für einen so geringen Preis Nicht

Oktober 1905.

Barometer auf 0° rebuziert

Temperatur der Lust

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

c

'i

X "1

c i

Wetter

13.

2

741,4

9,5

8,1

92

SW.

4

Regen

13.

9"

742,9

4,8

5,9

92

NW.

2

Beb. Himmel

14.

7*5

745,4

3,7

5,3

88

W

2

Sonnenschein

Das Kaiserliche Gesundheitsamt hat gesprochen.

In einer vom kaiserlichen Gesundheitsamt herausgegebenen Broschüre, betiteltDer Kaffee", finden sich Seite 120 u. ff. folgende bemerkens­werte Sätze:

(Es hat gar nichts Ueberraschendes, daß ein Getränk, welches das arzneilich wirksame Koffein in solchen Mengen enthält, in allen Fällen nicht als harmlos bezeichnet werden kann. Fehlt auch bis jetzt jeder tiefere Einblick in das 3u- ftandekommen und das eigentliche Wesen der Koffeinwirkung, fo kann die tag- tägliche Anreizung des Nervensystems keineswegs ohne alle Folgen für dasselbe verlaufend gedacht werden......"

Die Wirkungen übermäßigen Kaffeegen'.sses sind hinreichend bekannt. Auch die in den Fachschriften niedergelegten Selbstbeobachtungen nach Aufnahme größerer Mengen Kaffee und absichtliche Vergiftungen zeigen die hohe Wirksamkeit und; Giftigkeit."

(Ein Getränk, welches bei Verwendung kleiner Mengen doch schon die An- fänge der geschilderten Vergiftungswirkungen des Koffeins in sich trägt, eignet sich nicht zum Genuß für Kinder, nervöse und herzkranke Personen. (Es ist des- halb ziemlich allgemein üblich, Kindern, die überdies eines nervenanregenden Genußmittels nicht bedürfen, Kaffee vorzuenthalten......"

Trotzdem könnte aber eine Aufklärung in dem Sinne nur zum Nutzen des Publikums ausschlagen, daß auch der Kaffeeaufguß nur als ein Anregungsmittel beurteilt werden darf und daher auch nur als ein Anregungsmittel genommen werden sollte und daß ihm jeder Nährwert abgeht." D"/i°

Wer Dhren hat zu hören, der höre! Aus diesen unzweideutigen Aeußerungen unserer höchsten Gesundheits-Behörde geht Gins mit absoluter Bestimmtheit hervor, nämlich:

daß der Bohnenkaffee wegen gewisser gesundheitsschädlicher Eigenschaften sich nicht zum regelmäßigen täglichen Genuffe für nervöse Personen, Kinder und Kranke eignet und deshalb das folgt mit logischer Notwendigkeit daraus durch ein anderes, voll- kommcn unschädliches, gesundheildienliches Getränk ersetzt werden muß. Dieses Getränk ist nach dem übereinstimmenden Urteile erster Autoritäten und Aerzte Kathreiners Walzkaffee, weil er die hygienischen Vorzüge eines in jeder Hinsicht unschädlichen und zuträglichen Gesundheilsgetränkes mit dem anregenden würzigen Wohlgeschmäcke des Bohnenkaffees, der ihm durch ein eigenartiges, patentiertes Verfahren mitgeteilt wird, aufs glücklichste in sich vereinigt. Das ist jedoch nur bei dem echtenKathreiner" der Fall, der ausschließlich in verschlossenen pafeten verkauft wird, die das Bild und den Namenszug des Pfarrer Kneipp als Schutzmarke tragen. Wan beherzige diese wichtigen Tatsachen und mache gleich, lieber heute als morgen, einen Versuch.

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