Ausgabe 
14.10.1905 Viertes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Viertes Blatt.

Nr. 242

Samstag 14. Oktober 190&

Eichener Anzeiger

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.

Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieße»

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

155. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Scamtags.

DieSiehener Zamlllenblätter" werd em dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hesfische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Seneral-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.

Ueber die Lanvtagswahün in Starkenburg

wird uns geschrieben:

Der 3 2. Landtag geht aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem Eklat zu Ende. Nicht weniger als zwei große, wichtigeReformen unseres inneren Staatswesens scheitern. Nicht etwa an einem Gegensatz zwischen Re­gierung und Volksvertretung, sondern an der Kammer der StandeSherren. Dadurch, daß die Erste Kammer, auf Be­treiben des Frhrn. v. Heyl, die Erweiterung ihrer Budget­rechte als Aequivalent für das direkte Wahlrecht forderte, hat sie den leisen Schimmer einer Hoffnung auf Verständigung beseitigt. Und es muß wohl auch leider damit gerechnet werden, daß die Erste Kammer daS ablehnende Votum ihres Finanzausschusses hinsichtlich der Gemeindesteuerreform bestätigt.

Zwischen dem Landtagsschluß rmd dem Termin für die Wahlmännerwahlen bleibt keine allzu große Frist. Und eS werden darum auch diejenigen Parteien im taktischen Vorteil bei dem Wahlfeldzuge sein, deren Aufmarsch vollständig fertig ist. Am rührigsten sind natürlich wie immer die Sozial­demokraten. In nicht weniger als sechs von zehn Wahl­kreisen haben sie eigene Kandidaten aufgestellt, zwei Mandate haben sie zu verteidigen: Groß-Gerau (bisher Abg. Berthold) und Langen (bisher Abg. Cramer). In Groß-Gerau, wo Berthold wieder kandidiert, wird der von freisinniger Seite aufgestellte (früher nationalsoziale) Pfarrer Korell- illlnigstetten sich um daS Mandat bewerben, und da er die Unterstützung der Nationalliberalen zweifellos finden dürfte, so sind die Chancen dieser Kandidatur nicht die schlechtesten.

In Langen hätte mit Cramer die Sozialdemokratie den Bezirk vielleicht halten können, aber er ist als Revisionist-* zurückgetreten. An seiner Stelle wurde sozial- demokratischerseits der Darmstädter Rechtsanwalt Dr. Ful d a nominiert, während als Kandidat der Nationalliberalen und deS Zentrums der bekannte und überaus rührige Offenbacher Reichstagsabg. Dr. Becker-Sprendlingen mit guten Aussichten auftritt.

Dagegen wird befürchtet, daß der Bezirk Pfungstadt eine Beute für die Sozialdemokratie werden wird. Der bis­herige Vertreter des Kreises ist der Kammerpräsident Haas. Schon vor Monaten verlautete, daß für ihn ein anderer Wahlkreis gesucht werde. Der sozialdemokratische Kandidat Raab- Pfungstadt dürfte leider leichtes Spiel haben, zumal ihm schon bei der vorigen Wahl nicht viel an einem Siege fehlte.

Im Westkreise Bessungen haben die©enoffen' dem bisherigen Vertreter Abg. Noack (fteis.) Herrn Friedrich- Darmstadt entgegengestellt. Noack wird hier wieder wie früher von sämtlichen bürgerlichen Parteien unterstützt. Uieber den Ausgang der Wahl läßt sich schwer etwas voraus- so gen.

Mehr Versuchsobjekte bilden für die Sozialdemokratie wohl die Kreise Höchst und Seligenstadt. In dem !t ersteren tritt gegen den bisherigen nationalliberalen Mandats- in.haber Häus el, Herr Z ahn-Mülheim auf, in dem anderen M-reife, den der Zentrumsmann Horn vertritt, ist Rink- .. U cberach aufgestellt.

In den anderen vier Starkenburger Wahlkreisen ist die , Situation noch wenig geklärt. Am meisten trifft dies zu auf den Bezirk Reichelsheim-Fürth, obwohl er genug von sich reden macht. Der bisherige Vertreter Ripp er, dem Bauernbund angehörend, der eines der ältesten Kammer­mitglieder war, hat auf eine Wiederwahl verzichtet. Anfangs hieß es, daß man hier dem Kammerpräsidenten Haas eine Zufluchtsstätte bieten wolle, doch sind inzwischen nicht weniger als drei andere Kandidaten genannt worden: ohne besondere Parteifirma der Rechtskonsulent Keil aus Fürth, vom fBund der Landwirte Mühlenbesitzer Bauer-Schmahlmühle bei Fränkisch-Crumbach und seitens der Nationalliberalen der Schönberger Kammerdirektor Bauer. Voraussichtlich ver­bleibt das Mandat dem Bauernbund.

Den Bezirk Heppenheim-Lorsch vertritt Professor Schlenger-Mainz (Ztr.) Wenn es sich bestätigt, daß dieser Senior der Zentrumsfraktion mandatsmüde sei, so wird ß sein Nachfolger im Landtage, wie die Dinge in Heppenheim- Lorsch liegen, doch nur ein Zentrumsmann sein können. Als Kandidat wird Postmeister Wiegand genannt.

In Bensheim-Zwingenberg hat der seitherige Abg. Euler (fraktionslos) auf eine Wiederwahl verzichtet. Die Nationalliberalen haben nun den Fabrikanten Auler-Bensheim nominiert, dessen Wahl, da ein weiterer I Kandidat nicht in Frage steht, gesichert ist.

Auch in Beerfelden-Wimpfen wird der National- liberale B reim er das Mandat ohne Kampf behalten, ob- ivohl er ein Gegner des direkten Wahlrechts ist. Hier zeigt sich drastisch der Mangel an Entschlossenheit und agitatorischer Tätigkeit, der den entschiedenen Liberalismus leider heute so sehr auSzeichnet.

AüsHläöt und Land.

Gießen, 14. Oktober 1905.

** Personalien. Uebertragen wurde dem Schullehrer Adam Knies zu Herrnsheim, KreiS Worms, eine Lehrer- stille an der Gemeindeschule zu Gonsenheim, Kreis Mainz. S. K. H. der Großherzog haben den Vorstand der Eisenbahn- UetriebSinspektion Darmstadt 3, RegierungS- und Baurat Friedrich St eg may e r, auf sein Nachsuchen, unter An­erkennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. Oktober 1905 ab in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß den Charakter als Geheimer Baurat ver- i liehen. In den Ruhestand versetzt wurden die Bahnwärter der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, Ernst

Bischoff zu LiebloS und Anton Wilhelm Jäger zu Trais- Horloff, mit Wirkung vom 1. Januar 1906 bezw. 1. De­zember 1905.

Po stalisch eS. Im Winterhalbjahr 1905/6 werden folgende Eisenbahnzüge zur Postbeförderung be­nutzt. (Es bedeuten: G nur Beförderung von Briefen, e© nur Beförderung von Packeten, + Beförderung von | Briefen in geschlossenen Beuteln, () Benutzung nur an Werk- tagen; alle nicht mit + und9 bezeichneten Züge führen Bahnposten mit Briefkasten.)

a) Richtung nach Frankfurt (Main):

2« C501 >5« 4-655, es02,825, 1012, 4-(1205), 1210, 27,40 5<M, 555, 732, 8>9, 922, 922;

b) Richtung nach Kassel:

122L ®®114,IM, 422,71», 822, 106, 1205 130 Q32, 3*2, 505, +(624.) 822, 922, 1122;

c) Richtung nach Koblenz:

422, +522, 80, 12io, -h (504), +536, 822;

d) Richtung nach Köln:

+ 427, 647, 817, 4- 1010, (1239), + (326), 4-607, 622, 4-1022;

e) Richtung nach Fulda:

+522, 820, (1207), 4-(2i5), 4. (550), g?o;

i) Richtung nach Gelnhausen:

5 + 819, (1234), 504, +(812);

g) Richtung noch LollarGrünberg:

538, (2&2), 4-(624);

h) Richtung nach Rod heim (Bieber) sBiebertal-Bahulj:

(600), 800, (1055), +(625) ;

Landp osten:

1. nach Steinberg (85),

2. Wieseck und Altcn-Buseck 6», (®8*>), (320),

3. , Lützellinden 756, (420),

4. Krosdori 7'5, (550).

Beim Postamt 1 treten die Schlußz eiten im all­gemeinen ein: Für gewöhnliche Briefsendungen 1020 Min., für Einschreibbriefe 2530 Min., für Wertbriefe und Pakete 3060 Min. vor Abgang der Züge.

Die Stadtbriefkasten werden Werktag? geleert zwischen 530640 93., 830940 93., 10201125 V., 11401250 Mitt., 300410 N., 540645 N., 720805 N., 9271030 N.; Sonntags zwischen 530645 93., 10201125 93., 70082097.; genaueres ergeben die Leerungstafeln an den Briefkasten. Die eingesammelten Briefe gelangen mit der nächsten Beförderungs­gelegenheit zur Absendung.

Vom Postamt 2, Schulstraße, gehen Werktags Ver­sandte nach dem Postamt 1 und dem Bahnhof ab: 915*) 93., 1115, 1255, 200*), 415, 522), 555, 655, 735*), 8£5 und 850; an Sonn- und Feiertagen: 915, 1255*), 145. Die Schlußzeiten treten ein für gewöhnliche Briefe 5 Min., für Einschreibbriefe 15 Min., für Wertbriefe und Pakete 30 bis 40 Min. vor Abgang der Versandte.

* ) Nur Briefpost.

* * Erledigte Lehrer stellen. Drei Lehrerstcllen an der evangelischen Schule zu Vilbel, Kreis Friedberg.

** Elternliebe bei Tieren. Ein schönes Bild sorglicher Elternliebe beobachtete ein Tierfreund, wie er uns schreibt, in einem hessischen Dorfe. Er sah, daß 2 Schwalben­paare unausgesetzt die Ställe, in denen sie nisteten, nach Insekten absuchten. Der Hauptzug der Schwalben hatte schon Mitte September stattgefunden. Jetzt, am 9. Okt., war die Anwesenheit der flinken Tierchen befremdend. Da sie immer wieder nach den Nestern zurückkchrten, untersuchte der Tier­freund diese, während die Besitzer ausgeflogen waren, und fand 5 junge, aber ausgewachsene Schwalben tot. Diese wurden rasch entfernt. Bei Rückkehr der Alten entstand ein lebhaftes, sonst nie gehörtes Gezwitscher und rasches Ein- uud Ausfliegen im Stalle. Am folgenden Tage, 10. Okt., waren die alten Schwalben bereits auf ihrem Zuge nach dem Süden; sie wurden nicht mehr gesehen. Als die anderen Schwalben sich vor einem Monate zu der großen Reise an­schickten, blieben die treuen Elternpaare bei ihren toten Jungen, flogen und saßen traurig umher, und erst nachdem die tote Nachkommenschaft aus ihren Augen war, zogen auch sie nach dem Lande ihrer Sehnsucht.

-i- Bad-Salzhausen, 14. Okt. Die diesjährige Badesaison ist zu Ende; am Sonntag reisten die letzten Kur­gäste ab. Die Saison war recht gut, die Zahl der Kurgäste betrug rund 700, die der verabreichten Bäder ca. 9000. Fortgesetzt wird an Verbesserungen und Erweiterungen ge­arbeitet. Gegenwärtig baut die Firma Mörschel-Friedberg an der Kanalisation, in die die Abflüsse der Schwefel-, Stahl- und Lithiumquellen geführt werden. Gutem Vernehmen nach sollen im nächsten Frühjahr Bohrungen na#- einer weiteren Quelle vorgenommen werden; auch soll pro­jektiert sein, das Badehaus Nr. 3, das in Bad-Nauheim ab­gerissen wird, hier wieder aufzubauea, da die vorhandenen Badezellen nicht mehr genügen.

p. Erda (Kreis Wetzlar), 14. Okt. Der Typhus, welcher lange Zeit hier geherrscht und manches Opfer da­hingerafft hat, ist nun gottlob völlig gewichen. »

p. Daubhausen (Dill), 14. Okt. Im Verein Wit dem Nachbarorte Dillhcim wird unsere Gemeind/ -He Wasserleitung anlegen. Da Quellen in beiden ',» markungen unschwer zu erschließen sind, steht das Geü . in des Unternehmens in sicherer Aussicht. Wann der AMt näher getreten wird, ist noch nicht genau festgesetzt.

Frankfurt a. M., 11. Okt. Den verschiedenen hiesigen Heimstätten wird von Dezember ab auch noch ein Witwer­heim hinzutreten. E§ sind 35 von der Aktiengesellschaft für kleine Wohnungen errichtete Häuser mit Wohnungen zu em und zwei Zimmern an verwitwete Männer aus dem Arbeiter­stande zu vermieten. Dieses Witwerheim ist dazu bestimmt, Ehemännern, deren Frauen gestorben oder für längere Zett ferngeho^-7n sind, Wohnung und Fürsorge für ihre Kinder zu gewähren und zwar in der Art, daß Knaben über vier Jahre

mit dem Mieter in dessen Wohnung schlafen, während die Knaben unter vier Jahren und die Mädchen nachts in be* sonderen Cchlafsälcn untergebracht werden. Die Kinder werden tagsüber, insbesondere in der schulfreien Zeit, sowie nachts unentgeltlich überwacht. Gegen billige Vergütung wird für Verköstigung der Kinder und Instandhaltung der Kleider gesorat.

Die Tätigkeit des chemischen Untersuchungsamtes für die Provinz Oberhcssen.

Ter Bericht über die Tätigkeit des Untersuchungsamtes für die Zeit vom 1. 9lpril 1904 bis 1. April 1905 ist im Druck erschienen und uns zugegangen. In dieser Zeit umrdcn int Unter« uchungs.imt im Auftrag von Behörden 797, und im Auftrag Privater 2555, zusammen 3352 Untersuchungen ausgeführt.

Die Zahl der Untersuchungen betrug bei Bier 16, Bleiweih 3,' Butter 67, Brot 6, Dörrobst 32, Düngemittel 3, Erbsen 2, Erze 1, Essig 53, Farbkreiden 14, Firnisse 6, Fleisch (Hack* leisch) 11, Flicgenpavier 1, Fruchtsäfte, Fruchtgelees und ein« gemachte Früchte 15, Gewürze 39, Glasstücke 1, Glyzerinwasser 3, Gummin'undslückc für Saugflaschen 8, Gummispielwaren 2, Gran« pen 2, Harn 3, Hart Petroleum 1, Hefe 5, Honig 1, Kakao 1, Kartoffeln 3, Kleie und Schrot 3, flüssige Kohlensäure 1, Kvpal« lack, Küchengeschirre 24, menschliche Leichenteile 1, tierische Leichen« teile 2, Lötw^sser 1, Lötzinn 2, Margarine 3, Material von Mühl« einen 3, Mehl 11, Milch 2466 (Vollmilch 31, Stallproben 5, für Molkereien: Vollmilch 2422, Buttermilch 2, Magermilch 6), Mine­ralien 1, nat. Mineralwasser 2, Nierenstein 1, Petroleum 44, Pflan^ zenfette 3, Rahm 1, Reis 2, Nosmarinöl 2, Rübenkraut 1, Salz« mässe 1, Salzwasser 1, Schmieröl 1, Schokolade 7, Schweineschmal- 44, Seifen 10, Seifenpulver 10, Scifenunterlaugen 26, Senfmehl 1, Speiseöle 1, Tapeten und Buntpapiere, Bilderbogen und Bilder« bücher 27, Teigwaren 31. Terpentinöl 2, Tropclin (Waschmittel) 1, Wasser 108, Wein 47, Wurstwaren 113, Zement 1, Ziegelsteine 1- Zinnfolien und Zinngeräte 1, Zuckerwaren 34.

Aus dem Kreis Alsfeld wurden 91 Gegenstände von Be­hörden und 5 von Privaten zur Untersuchung geschickt, and dem Kreis Büdingen 79 bezw. 0, Kreis Friedberg 168 bezw. 13, Kreis Gießen 298 bezw. 55, Kreis Lauterbach 64 bezw. 12, Kreis Schotten 95 bezw. 2428, aus Orten außerhalb der Proq vinz 2 bezw. 42. .

Zu Beanstandungen gaben wre im Voriahr 63 Proben Vev^ anlassung, darunter 15 Wasser-, 11 Wurst-, 9 Milch- und 8 Teigwarenproben. 24 der Beanstandungen entfielen auf den KreL Gießen, 15 auf Friedberg, 8 aus Alsfeld, 6 auf Schotters 5 auf Lauterbach, 2 auf Büdingen und 3 auf außerhalb der Provinz.

Die Einnahmen aus den Untersuchungsgebühren beliefen [t® auf 4433,32 Mk. gegen 5211,24 Mk. int Vorjahre. Sett der, Gründung des Untersuchungsamts im Jahre 1891 wurden 50 294,94 Mark an Gebühren vereinnahmt und 56 950 Gegend stände untersucht.

Tie Anzahl der im Auftrage von Behörden untersuchtes Proben ist nicht unwesentlich 'niedriger, als int Vorjahr, was« daraus zurückzuführen ist, daß int letzteren Jahre eine etwas- größere Anzahl von Objekten (z. B. Teigwarcn) untersucht wurden, für welche die Untersuchungsgebühren hohe sind. Die Anzahl »er im Auftrage von Privaten untersuchten Proben ist beträchtlich niedriger als int vorhergehenden, ein Umstand, P^^r sich dadurch erllärt, daß eine der vertragsmäßig angeschlossenen Mol­kereien den Vertrag für das Jahr 1904 nicht erneuerte, sondern! von Ende 1903 ab ihre Milchprobett durch ein inzwischen am Orte der Molkerei ansässig gemachtes chemisches Laboratorium, welches gleicheitig als Abnehmer größerer Mengen von im Betriebe abfallender Magermilch, behufs Herstellung von Milch­zucker daraus, auftrat, untersuchen ließ. Ende 1904 teilte dann die letzte angeschlossene, am gleichen Orte wie die vorher genannte befindliche Molkerei mit, daß sie beabsichtige, von da anihre Proben in einer am dortigen Platze jetzt vorhandenen chemt- schen Versuchsstation untersuchen zu lassen, da ihr dadurch Trans­portkosten in sw. erspart blieben.". Durch den hierdurch ver­ursachten Ausfall an Aufträgen die zuerst erwähnte Molkeret ließ etwa 600 Proben monatlich, die zuletzt erwähnte etwa 2c>0 Proben pro Monat untersuchen erllärt sich sowohl der Rück- gang in der Anzahl der Aufträge für Private, wie auch tw' der Jähreseinnahme.

Die regelmäßige Kontrolle von Nahrungsmitteln, Genuß­mitteln und (Hebrauchsgegenständen sand in der mit den ver­schiedenen Behörden vereinbarten Weise gleich wie in früheren Jahren statt. Für den Kreis Gießen trat indessen insofern eine Aenderung ein, daß gemäß einem mit dem Großh. Kreisamte Gießen vereinbarten Vertrage die Entnahme der Proben vom 1. November 1904 ab nicht wie bis dahin durch die Großh. Bürgermeistereien, sondern durch die Großh. Gendarmeriestationen, des Kreises erfolgte. Ein gleicher Vertrag wurde mit dem Großh. Kreisamte Schotten mit Wirkung vom 1. April 1905 ab vcr-, einbart. ,

Wie in früheren Jähren fandeine chemische und bat» terivllogische Untersuchung des Wassers aus der neueren und älteren Wasserversorgungsanlage der Stadt Gießen statt. Die chemische Untersuchung einer am Saugbrunnen zu Queckborn (neue Leilungi ergab, daß die chemische, Zusammensetzung und die physikalische Beschaffenheit des Wassers gegen das Vorjahr fast genau gleich ist. Das Wasser konnte daher auch auf Grund der diessährigen Uutersuchungsresultate wieder­um als von großer Reinheit im hygienischen Sinne und daher als vortrefflich geeignet zur Speisung einer öffentlichen« Wasserleitungsanlage bezeichnet werden. Die bakteriologische Un­tersuchung des Wassers entnommen an Öen vem'chiedenen zugäng­lichen Stellen der Leitung von Queckborn bis zum Hochdruck­behälter im Dezember 1904 ergab, daß die Anzahl der bei der lektjährigen Untersuchung in dem Wasser aus dem Saugbrunnen gefundenen entwicklungsfähigen Keime wesentlich höher ist, als sie in den letzten Jahren festgestellt wurde. Es erschien hiernach nicht unwahrscheinlich, daß der Saugbrunnen bezw. dessen Quellengebiet irgend welche Zuflüsse von stärker bakterien­haltigem Wasser bekäme. Möglicherweise stand. die erhöhte .Keimzahl in Verbindung mit den Bohrarbeiten, die in der Nahe des Saugbrunnens zwecks Erschließung weiterer Quellen vor-, genommen wurden, oder es fand eine unterirdische Kommunikation' des Saugbrunneninhalts mit benachbarten offenen Ortsbrnnnen statt. Um festzustellen, ob die Erscheinung von Tauer oder nur vorübergehend sei, wurde im Juni 1905 nochmals einet bakteriologische Untersuchung des Wassers aus dem Saugbrunnen zu Queckbomr vorgenommen. Sie ergab einen Gehalt von 68 entwicklungsfähigen Keimen pro 1 ccm., eine Zahl, welche sich innerhalb der Grenzen hält, die für ein gutes Trink- und Hausgebrauchswasser als maßgebend angesehen werden. Hiernach scheint die bei der Untersuchung im Dezember 1904 ftstgestellte höhere Keimzahl nur eine vorübergehende Erscheinung gewesen zu fein.

Tie chemische und bakteriologische Unterfucknmg der Daffer­proben aus der älteren Anlage (Quellen bei Großeu-Buseck und im Licher Wald) ergab, daß die chemische Zusammensetzung des Wassers im wesentlichen die gleiche wie im Vorjahre ist.

Das Wasser kann daher auch dieses Mal wieder als pW