Ausgabe 
2.9.1905 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

,ui Ertorang, dau

.It in Berl» ...h

6B»g

,ttb»i9 S»eitl6 M ^Ä-ch-r V

4. Zcfitttnicr- infest ,. . 4511

Uftet i . '*» '***»-.

9 °iejet _____ v1 L

i den 4. September

M

. . 05760

Helnrlch Lapper.

, findet in

i Giessen chmW rtfcdmtr Pfarrer Sperber- lle.

rber noch im Lokale der einen Vortrag fallen, wopr it eingeladen wird.

a. M-»

^ersic«;'

rhöbang, niiitärtfit1'5*'

-nnff det n-D jgueldow »>f»übeÄ>"eCit «ch 5 vaerl""^

^aiser^L^

jtie und Sönnerntrihlto innen; er behllt durch uernd seine EltstliitlU nderea Reifonsystcmea offen

Nr. 206

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem GießenerAnzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Umvers.-Buch-u.Stein- druckerei. R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei:

Schulstratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Fernsprechanschluß 9k. 51.

Erstes Blatt.

155. Jahrgang

Samstag 2. September 1905

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis.

monatlich 7dPs.. viertel« jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bte Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf* auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich für den poltt. und allgem. Teil: P. Wittko: für »Stadt und Land* und Gerichtsiaal^: August Goetz; für den An- zeiqentell: HanS Beck.

Iie yeutige Dummer umfaßt 12 Seiten.

Znduftricarveit und Kemütsöildung.

Wir erhalten folgende bemerkenswerte Zuschrift, die leider Aut zu viel Wahres enthält, obwobl sie von Uebcrtreibungen und Verallgemeinerungen nicht ganz frei ist:

Seit einigen Jahrzehnten entwickelt sich Deutschland mehr und mehr vom Agrar st aat zum Industrie­staat. Die unmittelbare Folge davon ist der Zug von dem Lande nach der Stadt, das Anwachsen der Be- völkerungSziffern in den Städten und namentlich in den Jndustriegegenden, auf der anderen Seite dagegen der Rückgang in der Zahl der bäuerlichen Bevölkerung. Die Erwerbsbedingungen haben sich dadurch für die Ar­beiterschaft bedeutend günstiger gestaltet, das National­vermögen hat sich sehr vermehrt, und von dem Stand­punkte der Wirtschaftspolitik wird diese ganze Entwicklung als segensreich bezeichnet.

Aber in idealer Beziehung sind damit auch viele Schäden verbunden. Durch das Aufgehen eines großen Teils unseres Volkes in die industrielle Tätigkeit erleide: es eine Einbuße, die man nicht hoch genug anschlagen kann, nämlich eine Einbuße an den Kräften des Gemütes. Das Beste, das unser deutsches Volk seither gehabt hat, ist sein Gemüts leb en gewesen. Das muß jedoch in den Städten und in den Jndustriebezirken mehr und mehr verflachen und veröden. Das deutsche Volks­lied aus alter Zeit zeigt uns, wie reich die Gemütskräfte unseres Volkes sind. Wer hält es jedoch für möglich, daß etwa in einer Weberei oder Brennerei oder einem Eisen­werk Lieder erdacht werden vom Scheiden und Meiden, vom schwarzbraunen Mädchen, von der Amsel, die im Walde singt, von dem Jäger, der über die Heide reitet, von dem Soldaten, der in die Feldschlacht zieht und dabei an das ferne Lieb denkt, von treuer Liebe über das Grab hinaus? Wo die Esse raucht, wo der Kessel glüht, wo das Schwungrad rollt, wo der Hammer dröhnt, kann man keine Töne finden, wie sie in dem Volksliede ange­schlagen sind:Dort droben an jener Linden, da liegt ein breiter Stein, darauf da steht geschrieben: Du sollst keine andere lieben, als nur wie mich allein".

In der Auflösung der alten Lebensformen liegt sicher. ein großer Schaden für das Leben des Gemütes Das Nationalvermögen an den Kräften des Gemütes erleidet in unseren Tagen eine Verringerung, die durch keinen noch so schwungvollen Exporthandel, durch keine noch so hoch gesteigerte industrielle Tätigkeit wieder gut gemacht wer­ben kann.

Der berühmte Münchener Prof. Riehl hat einmal gesagt:Solange ein Volk noch viel Wald hat, fließt ihm immer wieder neue Kraft ^u". Der Wald wird heute von unseren Forstbehörden eifrig gepflegt, aber die indu­striellen Anlagen kommen auch in die Waldgegenden, führen fremde Arbeiter, Polen, Italiener und Kroaten, hinter sich einher und vernichten das frische, ursprüngliche Leben, an dem andere hätten genesen können.

Insbesondere scheinen uns die Industrie arbeit selbst und die Wohnungsverhältnisse in den Jndustriebezirken ungünstig auf das Gemütsleben einzu­wirken. Welcher Arbeiter möchte, ohne daß er dazu durch die Verhältnisse gezwungen wird, anstatt im Felde zu ar­beiten, tagaus tageiil und die Hälfte seiner Nächte im Dunste einer chemischen Fabrik stehen? Gras mähen oder Holz fällen, auch wenn der Körper bis zum äußersten an­gestrengt wird, ist immer noch ein vorzügliches Geschäft, wenn man eS mit der Arbeit des Mannes vergleicht, der am Schmirgelsteine steht oder von morgens bis abends Kohlen trägt. Ganz abgesehen davon, daß die Fabrik­arbeit ganz des idealen Hintergrundes entbehrt. Einen Wald roden, Bäume pflanzen, einen Weinberg anlegen ge­währt unstreitig auch dem ganz stumpfen Menschen mehr Befriedigung, als wenn er Kautabak macht ob-r Häute zu Leder verarbeitet. Der Waldarbeiter ist stolz auf die jungen Eichen, die er gepflanzt hat. Man wird aber noch nicht gehört haben, daß ein Fabrikarbeiter auf den Essig, den er destilliert, oder auf das Leder, daS er gegerbt hat, stolz gewesen ist. Es ist der Fluch der Fabrik­arbeit, daß sie die Arbeit des Menschen nicht adelt!

Auch die Wohnungsverhältnisse wirken in dieser Hin­sicht ungünstig. Der Vater und Großvater des Industrie­arbeiters von heute hatte in seinem Dorfe fast immer ein Haus. Und wenn eS auch nur eine Stube und eine Küche hatte und so klein war, daß man von der Straße her durch den Schornstein herunterlangen und so von innen die Haus­tür auf Hülfen konnte, es war doch sein Eigentum,sein Gebiet, wie der Mann stolz sagte. Hinter dem Hause lag wohl noch Stallung, Hof and Garten, in dem die Haus- ftau Tulpen und Nelken pflanzte und in dem der .Haus­vater am Abend und an Sonntagnachmittagen seine Pfeife rauchte. In den Jndustriegemeinden und in den großen Städten wohnen die Leute in Mietskasernen, kon- ttolliert von dem HausbesiHer, der die Hausordnung an­heften läßt und mit dem Kündigen bei der Hand ist. Nicht einmal zwischen den eigenen vier Wänden ist so der grotz- städttsche Industriearbeiter der Gebieter, das Heimatgefühl geht ihm verloren. An gewerblicher Intelligenz und poli­tischer Einsicht mag er den Dorfbewohner übertreffen; denn er besucht Volksversammlungen und liest Zeitungen, wäh- reno feine Vorfahren kaum Gedrucktes zu sehen bekamen.

Er verfi'igt über eine gewisse Redegewandtheit, während der Bauer, der bei einem Sänger- oder Kriegerfeste zu reden hat, wiewohl er nichts weniger als dumm ist, oft nach dem ersten Satze stecken bleibt.

AbermitdiesemFortschreitenderJntelli- aenz schreitet das Gemütsleben nicht fort!

Und zwar ganz ohne die Schuld der Leute, die uns deshalb bedauernswert erscheinen, weil sie durch die äußeren Um- stände innerlich verarmen._________________

tzin j,uxa$l

Die Ruhe, mit der die Tabakinterestenten bisher die An­kündigung einer Tabak st euervorlage aufgenommen haben, wird nun bewegteren Empfindungen Platz machen. Selbst Fachblätter der Tabakbranche standen demAlarm^ ziemlich ungläubig gegenüber. Gestern nun bestätigte ein offiziöses Telegramm, daß die Reichsfinanzreform den Tabaksoerbrauch schärfer heranziehen* wird.Hauptsächlich den Luxusver­brauch *, versicherte der Offiziöse.

WaS ist LuxuSverbrauch? Ein äußerst dehnbarer Be­griff. Als Luxus kann beispielsweise aufgefaßt werden, wenn Jemand vier Zigarren täglich raucht. Die väterliche Weis­heit der Regierung gibt zu bedenken: ,(£tne Zigarre zuviel! Morgens, mittags und abends je eine genügt den Ansprüchen, bewahrt vor Nervosität und Nikotinvergistung. Um der Mäßigkeit einen Sporn zu geben, erhöhen wir den Preis der drei Zigarren berart, daß die vierte der Raucher, wofern er wirtschaftlich denkt, sich versagt". So ungefähr nimmt sich die Besteuerung deSLuxusverbrauchs" aus. Daran glaub doch wohl Keiner im Ernst, daß etwa die Zigarren in feuern Preislagen, von 12, 15 Pfg. aufwärts mit einem hohen Aufschlag belegt werden sollen? Die Raucher dieser mit prätentiösen Ringen gezierten Zigarren, das sind in Wahr­heit die LuxuS Treibenden. Aber denen ist es gleichgültig, ob sie künftig ein paar Pfennig auf die Zigarre zuzulegen haben; sie schränken darum ihren Verbrauch nicht um eine einzige Zigarre ein.

Die Masse muß eS bringen. Das gewaltige Heer der Raucher von bescheidenen Bedürfnissen und be­scheidenen Mitteln wird genötigt, auf dem Altar des Vater­landes zu opfern. Und ferner die große Zahl der Zi­garrenfabrikanten und Zigarrenarbeiter. Nun heißt es: insbesondere auf den Zigarettentabak ist es abgesehen. Früher war die Zigarette das Requisit flotter Lebemänner. Heute sieht man auch Arbeiter, kleine Ge­werbetreibende Zigaretten Zauchen. AuS einem einfachen Grunde: Die Ausgabe selöst für allccwohlfeilste Zigarren, deren Kraut auf heimischem Boden gewachsen, ist manchem zu teuer. Als billigerer Ersatz wird die Zigarette gekauft. Also, man soll nicht etwa damit kommen, daß die Zigarette ein Gegenstand des Luxus ist, und daß die Minderbemittelten von der Mehrbesteuerung Feinen Nachteil hatten. Vielmehr gestaltet sich die voraussichtliche Entwicklung bei einer Tabak­steuer-Erhöhung so: Durch die Vetteuerung auch der billigen Zigarrensorten, etwa von der 6 Pfg.-Zigarre aufwärts, wird sich der Zigaretfenverbrauch außerordentlich steigern, sodaß der Raucher, der verteuerten Zigarre ent­ronnen, notwendig bei der verteuerten Zigarette seinen Tribu an die Reichskaste zu entrichten hat. Und das Nachsehen haben Zigarrenfabrikant und Zigarrenarbeiter. Für den Konsumenten aber heißt es auf jeden Fallr mehr zahlen ober das Rauchen sich abgewöhnen.

Man gewöhnt sich ja so vieles ab, beispielsweise in breiten Schichten der Bevölkerung zurzeit den Fleisch- genuß, daß die neue Entsagung in einem hingeht. Aber ob die Entsagung ein Mittel ist, glücklich zu machen, das steht doch nicht fest, obwohl es eine stoische Schule der Philo­sophie behauptet. Indessen hat diese Philosophie nicht viele Anhänger im deutschen Volk. Es ist mit der Entbehrung ähnlich wie mit der Hoffnung, von der Dickens einmal be­merkt, sie sei ein köstlicher Besitz für diejenigen, die stark genug sind, sich damit herumzutragen.

In derNordd. Allg. 3tg/ wird die Meldung von der Tabaksteuer-Erhöhung nicht dementiert. UebrigenS würde ein Dementi auch nicht viel bedeuten. Im Jahre 1893 er­klärte sogar derReichsanz.,,, eine Erhöhung der Tabak­besteuerung sei nicht beabsichtigt. Gleichwohl erschien bald darauf die Fabrikatsteuer. Bekanntlich wurde der Plan vom Reichstag wiederholt abgelehnt. Doch darf keineswegs damit gerechnet werden, daß es einer neuen Vorlage ebenso ergeht. Schatzsekretär Frhr. v. Stengel weiß das Zentrum zu nehmen, und das Zentrum tut dem Mann seines Vertrauens manches zu Gefallen. DieTageSztg.", daS Organ deSBundes der ßanbro.* glaubt zur Beruhigung sagen zu können, von einer gesalzenen" Tabak st euer könne nicht di» Rede sein, sollte nämlich der BundeSrat sich für eine Steuer ent- chließen, die tatsächlich nur den Luxusverbrauch trifft. Hier ist gleich das Rezept, nach dem vermutlich die Vorlage ge­arbeitet ist, um dem Zentrum die Sache annehmbar zu machen: keinegesalzene" Steuer, sondern eine Steuer mit mäßigen" Sätzen. Eine mäßige Erhöhung wird kaum empfunden werden". Vom Standpunkte des K'onsumenten stimmt das vielleicht, aber das wäre eben nur der Anfang. Die Sätze lassen sich allmählich erhöhen; wenn erst der Reichstag einmal nachgegeben hat, ist es kein großes Kunststück, auch hierfür die Bewilligung durchzusetzen, wenn nicht die hauptsächlich betroffenen Produzenten, Fabrikanten und Arbeiter energisch Front machen.

Inedensnuchlcse.

Die Stimmung in Japan.

Tokio, 1. Sept. Die Bevölkerung hat die Mitteilung über den Friedensschluß ruhig hingenommen. In den

Sttaßen sah man weder Faihnen noch die üblichen Lampions.

Tokio, 1. Sept. (Reuter.) Graf Katsura und Marquis' Ito erhalten zahlreiche Denkschreiben zngcsandf, in denen gegen die Friedensbedingungen, wie sie durch die Zeittmgen veröffentlicht werden, Widerspruch er­hoben wird. DaS Fehlen jeder Freu debezeugungj ist das hervorragendste Merkmal für die Aufnahme der FnedenSnachricht durch das japanische Volk Die Mehrheit desselben hatte gehofft, daß die Friedensvcrhandlrmbcn an­gesichts der Weigerung Rußlands, eine Kriegsentschädigung zu bezahlen, abgebrochen würden. Auch die Zeitungen er­hoben energisch Widerspruch gegen die Friedensbedingungen. Dschidschi Schinbun" erklärt, daß solche Friedensbeding­ungen niemals das Volk zuftiedenstellen könnten.Mai­nitschi Schinbun" sagt: Die einzige Hoffnung Japans lag in der Aufhebung der Konferenz. Japan, so siegreich auf dem Schlachtfelds erlitt bei den Verhandlungen eine Nie­derlage.Nitschi Nitschi Schinbun" drückt seine Verwun­derung darüber aus, wie der Friede geschlossen werden konnte, wo alles darauf hindeutete, daß es unmöglich sein würde, Rußland zur Annahme der für Japan notwendigsten Forderungen zu bewegen. Das unabhängige BlattJorozu Schinbun" ruft dasVolk zum energischen Vorgehen gegen die Portsmouther Beschlüsse auf und er­klärt, daß nur eine schleunige Intervention dieses nationale; Unglück abwenden könnte.

London, 1. Sept. Einer Drahtmeldung aus Tokio zufolge hißte bei dem Bekanntwerden des Friedens die unter dem TitelHochi" erscheinende Zeitung die Flagge auf ihrem Gebäude halbmast. In einer Versammlung, in der alle Zeitungen außer demKokumin" vertreten waren, wurde der Beschluß gefaßt, bei der offiziellen Be­kanntmachung des Friedens die Flaggen auf den einzelnen Zeitungsgebäuden ebenfalls auf halbmast zu hissen. Der Standard" veröffentlicht einen Artikel von Schizukondo, dem Präsidenten des internationalen Jndustrieverbandes in Tokio, in dem es heißt, daß die großen von Japan gemachten Zugeständnisse von dem Wunsche herrührten, sich lieber die Freundschaft als den Haß der russ. Nachbarn zu sichern. Es wird dabei auf die Animosität hingewiesen, die der deutsch-französische Krieg zur Folge gehabt habe. Der Verfasser spricht die Ueberzeugung aus, daß ein ge­waltiger Aufschwung der Handelsbeziehun­gen der beiden Länder einsetzen werde.

Petersburg, 1. Sept. Hiesige Kreise, die mii den Vorgängen in Tokio vertraut sind, halten es für möglich, daß in Japan eine feindliche Stimmung gegen den Frieden ausbrechen wird und zwar mit solcher Macht, daß sie imstande ist, das Werk des Friedens zu zerstören.

Die Verluste der Japaner.

Nachdem wir die Kriegsvcrluste der Russen in aus» führlicher Darstellung behandelt haben, wenden wir intS nunmehr den japanischen zu, welche, dank der javanischen Schweigsamkeit, bei weitem nicht in der Vollständigkeit be­kannt geworden sind, wie die ihrer Gegner.

An Menschen Verlust en sind zu verzeichnen: 'Am Yalu, 1. Mai, 1101, bei Nanschan, 27. Mai, 4304, bei Wa- sanku, 14. Juni, 1163, bei Motiengling, 27. Juni, 800, und 17. Juli, 290, bei Taschekiao, 25. Juli, 1043, bei Tomuscheng, 30. Juli, 1806, bei Anschanschan, 25. und 26. 'August, 2000. Nun kommen die großen Verluste: Bei Liaovang, 1.5. September, 17 529, am Sch aho, 5.17. Oktober, 15879, am Hunho, 26. Januar 1905, fielen 7000, bei Mukden, vom 26. Februar bis 12, März, 50000, in Scharmützeln 10 000, bei den Ftottenengagements 4500. (Die Kiuschimaru mit 6000 Mann Verlust ist hier verschwiegen.) Der Gesamt­verlust an Menschenleben beziffert sich somit auf 167 424 Mann. AuS dem Umstand der eben erwähnten Kiuschimarn darf man annehmen, daß mindestens 50 000 Mann ber« schwiegen sind.

Dazu kommen die Verluste von Port Arthur, wo 35 000 Russen volle 50 000 Japaner gegenüber skhen.

Die Flottenverluste der Japaner sind ebenso sorg­fältig geheim gehalten worden. Sie verloren 2 Schlacht­schiffe, die Y a s ch i m a und die erst nach der zweiten Korea-» Schlacht zugestandene Milasa, das Admiralschiff Togos, zusammen 27 300 Tons und 32 schwere Geschütze. Zwei Küstenverteidigungspanzer mit 3437 Tons und sechs schweren Geschützen, 4 geschützte Kreuzer mit 12600 TonS md 2 schweren Geschützen, wozu noch Kanonen und Torpedo­boote in Anzahl von 12 kommen. Somit stellt sich der Gesamtverlust auf 20 Fahrzeuge mit 43 550 TonS und 59 chweren Geschützen.

Witte hat die Absicht ausgesprochen, sich nach seiner Rückkehr gänzlich vom politisch enLebenzurückzuziehen. (?) DerMatin"-Korrespondent meldet auS Portsmouth, Witte zeigte sich keineswegs so zufrieden, als man an- nehinen sollte. Der Grund ist folgender: Bei feiner Abreise au3 Petersburg hatte er u. a. die Weisung erhalten, falls es fein müßte, Sachalin abzutreten. Bei seiner Ankunft in Newhort fand er dort Gegenordre vor. In Petersburg war man zu der Ansicht gekommen, jeden Landverlust vermeiden zu können. Man wollte dort die Fortsetzung deS Krieges, und nur auf Drängen Roosevelts änderte man neuerdings die Dispositionen und gab Erlaubnis zur Abtretung der Hälfte Sachalins. Aber diese Konzession wurde Witte nicht direkt mitgeteilt, er erhielt sie erst durch Vermittelung Roosevelts. Man hatte in Petersburg den Hintergedanken ^apau werde ohne Kriegsentschädigung sich nie zufrieden geben, und der Friede, den man nicht wollte, würde so unmöglich. 1

Zuverlässig verlautet anlererscits in Petersburg, der Zar werde Herrn v. Witte den Grafen titel verleihen Herr v. Witte wird am 12. September an Bord des Schnell dampfersKaiser Wilhelm" sich einschiffen.