Erstes Blatt.
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Anzeiger Gtetzen.
gernsprrchonschlußNr.81.
155. Jahrgang
Nr. 179
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außer Sonntag*.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechiel mit dem Vesfischen Landwirt hie «iehener Zamtiren. -giMer viermal in der
Woche betgelegt
AotottonSbrud tu Der- Ißfl der Vrühl'ichen Unwerl^Buch'U. btein» fcmdetei. St. Sang«.
Ausland.
London, 1. Aug. (Unterhaus.) Thomas (lib.) stellt die Anfrage, ob man die Einbringung eines Gesetzentwurfs für wünschenswert erachte, der die Negierung ermächtige, in gewissen Fällen die Ausfuhr von wallisischer Dampf- ko h le zu verhindern. Balfour erwidert, er halte c5 nicht für nötig, daß der Regierung besondere Ermächtigungen erteilt werden, weil ihr genügend Befugnisse yt Gebote ständen, um die Ausfuhr von Dampfkohle zu verhindern. Lukas (kons.) fragt an, ob der Premierminister beabsichtige, eine Kommission einzusetzen, die die Umstände zu prüfen habe, unter denen sich der Ankauf der Kohlenfelder in Südwales durch ein deutsches Syndikat vollziehen solle. Balfour erwiderte: Keine der uns zur Verfügung stehenden Informationen gibt uns Grund zu der Annahme, daß ein deutsches Syndikat Verhandlungen pflegt,
die auf den Ankauf eines wichtigen oder überhaupt eines Gebietes hinzielen, in dem Dampfkohle gefördert wird, wie! sie von der britischen Flotte gebraucht wird. Im Fall wir! Grund zu der Annahme haben, daß ein ausländisches Syn» dikat im Begriff ist, die Kontrolle zu gewinnen, die wir> zurückweiscn müssen, würde ich es nicht für schwer halten, dem dadurch zu begegnen, daß wir das Gesetz abändern, um die Ausländer an dem Erwerb besten zu verhindern, was für die Verteidigung Großbritanniens oder für die Interessen von Heer und Marine unumgänglich notwendig ist. Ich glaube nicht, daß diese Notwendigkeit sich bereits ergeben haft aber dies wäre die Linie, auf der wir vorgehen müßten, wenn sie sich herausstellt.
— Die „Times" meldet aus Tanger: ES heißt, daß die marokkanischen Truppen eine schwere Niederlage bei Ujda erlitten haben. Die Armee des Prätendenten soll sie in wilder Flucht vor sich her jagen.
Paris, 1. Äug. Gegenüber Auslastungen El em en« ceaus und Deroulödes, welche sich einst wütend be- fehdeten, nunmehr aber in gemeinsamer antideutscher! Gesinnung sich wiedergefunden haben, erklärt JauröS ins der Humanitär Die einzig kluge Politik Frankreichs- bestehe darin, an die Möglichkeit der Erhaltung deS Frie« dens zwischen England und Deutschland zu glauben! und daran in diskreter, aber ehrlicher Weise zu arbeiten.
Wien, 1. Aug. Einem Bericht des „N. W. T." aus! Konstantinopel ist zu entnehmen, daß gegenwärtig nicht! weniger als 3000 Personen aus Anlaß des Bomben»! attentates auf den Sultan verhaftet sind, darunter! Leute aller möglichen Nationalität und Konfession. Türkische! Untertanen, die nicht Muselmanen sind, erleiden im Gefängnis grausame Mißhandlungen.
Konstantinopel, 31. Juli. (Wien. Korr.-Bur.) In Zusammenhang mit dem Bombenanschlag wurde eine Reihe weiterer Verhaftungen vorgenommen. Am Samstags wurde ein Franzose verhaftet; da eine Haussuchung bei ihm erfolglos war, verlangt das französische Konsulatseine Freilassung.
Konstantinopel, 1. Aug. Verläßlichen Berichten, aus dem Pildis zufolge wurde gestern abend ein Hof-! funkt ionär unter dem Verdacht des Attentats ver-> haftet.
Tanger, 1. Aug. Der Sultan unterzeichnete gestern! den Vertrag betreffend die Hafen bauten mit der deutschen Firma. Es handelt sich um eine Summe von anderthalb! Millionen Francs. (Vgl. „Deutsches Reich".)
Sidney, 1. Aug. Indem der „Telegr." die Mitteilung des deutschen Generalkonsuls, daß der Streit wegen der Marschallsinseln beigelegt sei, einer Besprechung unterzieht, bemerkt er, die „Times" habe, anstatt eine einwandsfreie Darstellung zu geben, Retorsionszölle empfohlen und damit nur Reklame machen wollen. Das Blatt greift auch den Premierminister Deakins an, der Deutschland mit Repressalien gedroht habe; diese seien vergeblich und würden kommerziell Australiens Selbstmord bedeuten. Aehnlich spricht sich der „Herald" aus.
Kaiser Wilhelm in Kopenhagen.
Kopenhagen, 1. August.
Kaiser Wilhelm, König Christian, der Kronprinz und die Kronprinzessin von Dänemark, sowie andere Mitglieder der königlichen Familie machten eine Spazierfahrt nach der Eremitage, wo das Frühstück eingenommen wurde. Nach dem Frühstück fuhren der Kaiser und König Christian mit einigen Mitgliedern der königlichen Familie über SkodSborg nach Schloß Bernstorff zurück.
Heute abend fand puf Schloß B-ernstorff Festtafel beim
Mittwoch 2. August 1905
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KVnlg statt, an welcher der Kaiser, sämtliche Mitglieder der königlichen Familie, das kaiserliche Yiefolge und der deutsche Gesandte teilnahmen. Nach der Taftl fuhren die Herrschaften nach Schloß Charlottenlund, wo beim kronprinzlichen Paare Abendgesellschaft stattfand, zu der der Minister des Aeußern, die deutsckmr Schiffskommandanten und die Mitglieder der deutschen (Ziesandtschast einqeladen waren.
Deutsches Resch.
Berlin^ 1. Ang. Der Kaiser wird beut' .Vernehmen nach gelegentlich der Manöver bei Homburg v. d. H. im September muh Wiesbaden einen kurzen Besuch abstatten. Da um die genannte Zeit auch der Generalintendant v Hülsen dort eintrifft, glaubt man annehmen zu dürfen, daß der Monarch das kbnigl. Theater besuchen wird in Bereitung seiner fürstlichen Gäste, die "ber Kaiserparabe am 8. September beiwohnen. .,
— Fürstin Emma zu Solms-Hohensolms- Lich ist von Schloß Lich hier eingetroffen.
— Der Direktor des ka t ho l i s ch-b ent sche n Hospizes in Jerusalem!, S ch m i b t, hatte an bett Reichskanzler Fürsten Bülow anläßlich seiner Erhebung in bett Fürstenstcmd in Erinnerung an sein bem Jerusalemwerk stets bewiesenes warmes Interesse einen Glückwunsch gerichtet. Daraus ist ihm vom Reichskanzler solgenbe Antwort
zugegangen: . .
„Hochwürdigster Pater! Unter den Glückwünschen, bre mir auv Anlaß des Gnadenbeweises Sr. M. des Kaisers und Königs zugegangen sind, hat mir Jbr gütiges Schreiben eine besondere Freude bereitet. Indem ich Ihnen ftir Ihr fteundltches Gedenken aufrichtig danke, g-?be ich Ihnen die Versicherung., daß die von echtem Patriotismus getragene Gesinnung, die sie zum Ausdruck brachten, meinem Herzen wohlgetan hat. Den bedeuttings- vollen Jerusalemwerken widme ich lebhaftes Jntereße, und mit dankbarer Genugtuung begrüße ich die Fortschritte, die dabei unter Ihrer vpserftcudigen und sachkundigen Leitung zum Wohle der Menschheit erzielt werden. Mein inniger Wunsch geht dahin, daß Sie noch lange Zeit in Gesundheit und Kraft ^hrem segensreichen Wirkungskreise erhalten bleiben mögen."
— In einer Zuschrift an bett „Vorwärts" erklärt ber Abg. v. 93 o tim ar, er habe ber Tagl. Runbschau lediglich mitgeteilt, baß er in ber Münch. Tagespost feinen Artikel veröffentlicht habe. Von einer materiellen Stellungnahme seinerseits sei keine Rebe. Demgegenüber bleibt ber „Vorwärts" dabei, daß es die Pflicht Bollmars gewesen sei, sich eines Parteiblattes zu bedienen und nicht ber Tagt. Runb- schau. (Das ist bie berühmte sozialdemokratische „Freiheit des Einzelindividuums". D. Reb.)
— Der preuß. „Staatsanz." veröffentlicht das Gesetz voM 14. Juli betreffend die Erhebung von Kirchensteuern in Kirchengemeinden, Parocyialverbänben ber evangelischen Landeskirche ber älteren Provinzen ber Monarchie, ferner einen Erlaß des preuß. Finanzministers betr. die Entschädigung ber früheren Hänbler mit Süßstoff, welche beim Inkrafttreten des Süßstoffgesetzes die ihnen verbliebenen Süßstofsvorräte freiwillig unter amtliche "Aufsicht gestellt hatten, biefe Vorräte aber vor den Süßstoffcmkäufeu durch bas Reich haben vernichten lassen.
— Der neue Handelsvertrag mit Bulgarte n mürbe heute unterzeichnet.
— Tie Rat.-Ztg. schreibt anscheinend offiziös:
Die heute in Pariser Blättern vorliegenden Ausstreuungen, wonach der deutsche Votschafter in Madrid Herr von Radowitz entgegen dem Wunsche Frankreichs die spanische Hauptstadt als Ort der m arokkanischen Konferenz vorgeschlagen haben soll oder überhaupt die spanische Regierung zu einer Haltung zu bestimmen suche, die mit der deutsch-französischen Verständigung nicht im Einklang stehe, lind durchaus grundlos. Diese Aus- fhxmmgen widersprechen ebenso den tatsächlichen Verhältnissen wie die anderen in den letzten Tagen in auswärtigen Blättern gegen das Verhalten der deutschen Diplomatie erhobenen Vor- lvürse. Was die viel genannten wirtschaftlichen Konzessionen in Marokko betrifft, so hat nur bie hinsichtlich gewisser Hafenbau t e n in Tanger eine tatsächliche Grundlage. Diese Angelegenheit wurde indes bereits vor dem deutsch-ftanzösischen Abkommen in freier Konkurrenz von mehreren Staaten betrieben. Niemals figurierte die Angelegenheit unter den Forderringen der deutschen Politik. Das Gerücht, daß der Präsident der Bereinigten Staaten Roosevelt zwischen Frankreich und Deutschland interveniert habe, um eine «futc Krise zu beschwören, i|t schon deshalb falsch, weil es in den diesbezüglichen Verhandlungen überhaupt keine Krise gegeben hat, geschweige denn eine akute.
— Wie bereits gemeldet wurde, foll sich der Reichstag in der nächsten Session mit einem Gesetzentwurf betr. bie Verleihung der Rechtsfähigkeit an bie Berufs- frer eine zu beschäftigen haben. Jedoch ist es zu einer enbgiltigen Vereinbarem über ben dem Bundesrat zunächst vorxulegendcn Entwiwf bisher noch nicht gekommen. Die Hauptschwierigkeit bürste wohl bestehen in ber Abfassung von Bestimmungen, die einen Mißbrauch ber Korporationsrechte verhindern sollen, ohne jedoch die Bewegungsfreiheit
druck:
„Und wenn schließlich infolge der Verteuerung ber Zigarren ein Raucher, der bei seiner guten Sorte bleiben will, fernen Zftmsum etwas tzinschränkt, er braucht täglich, noch rricht mal eine Zigarre weniger zu rauchen, dann tut er damit seiner Gesund- hett in keiner Weise Abbruch, wird im Gegenteil oft davon Vorteil haben."
Ist sie nicht wahrhaft rührend, diese zarte Sorge nm die Volksgesundheit? Kann ein wohlwollenderes Argument für eine Steuer gefunden werden? Und wie einfach ist der gute Rat, der dem Raucher erteilt wird, wenn er durchaus die väterlichen Bemühungen, sein Wohl durch Beschränkung des Rouchgenusses zu fördern, nicht würdigen will: Gut, bann kaufe ber Raucher in Zukunft für basselbe Gelb bie gleiche Quantität Tabak unb Zigarren, wenn er sich Mit einer etwas geringeren Qualität begnügen will. Salomonische Worte aus der „Krenzztg." ober aus bem Reichsschatzamt. ....
Warum aber h ' man sich nicht auf eine !Autorität wie Miquel, bem verstorbenen großen Finanzkünstler, berufen? Herr v. Miquel, ein trotz seines Reichtums recht sparsamer Mann, ließ, so erzählt bie Historie, eines Tages oen Inhaber eines ersten Zigarrengeschäfts Unter ben Linden ins Minister Hotel entbieten. Freudestrahlend, in Erwartunc allerfeinster 'Aufträge, eilt ber Kaufmann hin. Herr von Miquel aber hat keinen Blick für bie vor ihm ausgebreiteten teuren Importen, sondern verlangt Zigarren in einer Preislage, bie mit Grausen erfüllt, wenn man nur davon sprechen hört. Herr v. Miquel aber belehrt bei di.'"r Gelegenheit Den Besucher durch den markanten 'Ausspruch: „üluf die Güte kommt es nicht an. Die Hauptsache ist, das die Zigarre zieht!" — Wir hoffen, daß bas überlegene Urteil Miquels gebührenden Platz in ber Begründung ber Tabaksteuer Vorlage findet. Es gibt nichts Tröstlicheres als bie Sentenz eines großen Mannes.
„Kaum fühlbar!" Das wirb in elfen Tonarten von ber neuen Steuer bewiesen werden. Man wirb Rechnungen auf* machen, wie bies heitte in ber „KreuFztg." geschieht, baß die Detailverkäufer, bet einer Erhöhung! des Tabakzolles von 85 auf 115 MI. per Doppelzentner, nur zwei Zehntel Pfennig mehr für jede Zigarre billigster Sorte nehmen bürfen. Die Gegenrechnuug ber Fabrikanten unb Verkäufer wirb wohl etwas anbert? lauten.
Zum verteuerten Tabak gesellt sich bas teuerere Gier, Wenn es nadj Frhrn v. Sien^l gebt, unb ber Bunbesrat ben Segen dazu gibt. Zwar hat auf Betreiben bes Zentrums ber gieichstag die Resolution angenommen, baß neue Steuern nicht auf bie schwachen Schultern gelegt werben dürfen. Mer bas Zentrirm weiß seine Beschlüsse den Umständen entsprechend geschickt zu „erläutern". Es wäre nicht bas erstemal, b'aß das Zentrum sein Nein in ein Ja verwandelt. Frhr. v. Stengel erfreut sich der Protektion ber bayerischen Zentrnmsleufe, sie kann ihm manchen Stein aus dem Wege räumen. _______
Aer Krieg.
Sachalin.
Tokio, 2. Aug. (Amtlich.) Generalleutnant Hara^ guchi hat am 30. Juli bie Militärverwaltung für! Sachalin proklamiert.
Petersburg, 1. 'Aug. Wie verlautet, telegraphierte ber Zar, als er von bem Verlust ber Insel Sachalin erfuhr, an General Linewitsch, um ihm sein Erstaunen auszubrücken über bie ungenügenbe Verteibigung ber Insel. Linewitsch antwortete, er habe seine Streite kräste in ber Mandschurei konzentriert unb hoffe, dem Zaren balb mitteilen zu können, baß feine Mrmey siegreich sei.
General Linewitsch
meldet dem Zaren unter bem 25. Juli: In der letzten Zeit behaupteten ausländische Zeitungen sehr häufig, daß unsere Armee vollständig eingeschloffen unb ihre Lage nicht nur gefährlich, fonbern sogar kritisch wäre. Die rchsischen Zeitungen wieberholen diese Gerüchte, unb das ist ber Grunds warum in ber Gesellschaft eine ganz salscheVorstell- ung bezüglich ber Lage unserer Armee herrscht. .Infolgedessen berichte ich (Surer Majestät, daß die Armee sich nie* ma ls in gefährlicher Lage befunden hat. Unsere Flügel sind niemals umgangen worden. Die Japaner haben vielleicht versucht, unsere Flügel zu umfassen, aber stets ohne Erfolg. WirstehendeMGegner gegenüber. Dio Japaner befinden sich noch in einer gewissen Entfernung von unserer Hauptstellung, obgleich sie mehrfach ben Versuch gemacht haben, näher hercmzu- zukommen, finb diese Versuche stets ohne Erfolg geblieben. Ich berichte Ew. Mas ferner, daß der Geist der Truppen mir volles Vertrauen einflößt unb baß oie Armeen zur Ausführung jeder Aufgabe bereit sind.
Linewitsch telegraphiert ferner vom 31. Juli: Air ber Front ber beiden 'Armeen ist keine Veränderung ent» getreten. — Aus Korea wirb front 25. Juli berichtet, ba$ rufsis che Jägerab teilungen gegen ben Engpaß von Wufsalong vorrückten, sich aber bann bis Kopungsau zurückzogen, wobei sie vom Feinde bedrängt wurden. Die Japaner, welche die russischen Jäger verfolgten, wurden jedoch durch Artillerie feuer z u r ü tfg e trieb en.
Verwundete in Petersburg.
32 verwundete ehemalige Verteidiger von Port Arthur, darunter ber Matro,e, ber bem Großfürsten Cyrill daH
" General-Anzeiger " ** ZWW«
v den poltt imb tJjeiHe
Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW
Die veutige Kummer umfaßt 8 Seilen»
Sie rauchen zuviel!
Man schreibt uns heute aus Berlin:
„Sie rauchen zuviel!" An bies geflügelte Wort eines Rauchpastillenfabrikanten wirb voraussichtlich bie parlamentarische Saison gemahnen. Denn zu ben Plänen des emsigen Schatzsekretärs Frhrn. fr. Stengel zählt kaum noch zu bestreitender Maßen die Erhöhung ber Tabaksteuer. Frhr. v. Stengel, der bie Schwierigkeit, gerabe eine solche höchst populäre Steuer burchzubrücken, Wohl kennt, hätte jedenfalls lieber sein Erbschaftssteuer-Projekt im Original dem Reichstag unterbreitet. 'Aber da infolge des Einffwuchs mehrerer Bundesregierungen ber Entwurf um- gearbeitet, bie Besteuerung des Erbes von Ehegatten und Kindern gestrichen werden mußte, so läßt sich fron der Erbschaftssteuer keine durchgreifende Hilfe für bie Finanzen erwarten. Trotzbem wirb auch die „kleine" Erbschaftssteuer nicht verschwinden; man kann sie später „ausbauen". So folgt ja auch die große Reichsftnanzreforrn ber kleiner: Finanzreform, für bie Frhr. fr. Stengel einen großen Orben erhielt. 'Aber bie Reichskassen sollen so bald wie möglich „gestärkt" werden. Da muß denn ber Tabak als „Gegenstanb des Massenverbrauchs" — ein prachtvoller Ausdruck — bem Reich eine bessere Ernte abwerfen. Die Erhöhung ber Tabaksteuer schlägt zu Buch.
Ein langer Aussatz in der heutigen „Kreuzztg." scheint die Absichten, die im Reichsschatzamt in dieser Hinsicht gehegt werden, ziemlich genau wiederzngeben. Es wird gesagt, das Wie der Erhöhung ber Tabaksteuer stehe in keiner Weise fest — fei es, baß man eine Fabrikatsteuer ober einen Wertzoll für geeigneter erachte. Vermutlich werben zur Erzielung größerer finanzieller Wirkung beibe Wege eingeschlagen. Dem Raucher ist es ja schließlich gleichgiltig, mit welchem Mittel ber Steuertechnik seine Zigarre verteuert wirb. Schmerzlich aber ist bie Operation auf alle Fälle für Konsumenten wie Produzenten. Steuern werden auf die verschiedenste, mehr oder minder kluge Art begründet. Der Reiz ber Neuheit ist aber, daß diesmal die Volksgesundheit ins Feld geführt wird. 'Also: ,,Sie rauchen zuviel!" erklärt bie besorgte Regierung ben Steuerzahlern Die inspirierten Erörterungen ber „Kreuzzeitung" geben ber Sorge um bie Wohlfahrt ber männlichen Bevölkerung burch folgenden bestecheirben Satz Aus-


