Ausgabe 
16.9.1905 Erstes Blatt
 
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oinzialvereins Oberhessen, Oekonomierat Karl Schiente zu Friedberg und dem Präsidenten des landwirtschaftlichen Provinzialvereins Rheinhessen, Oekonomierat Oskar Lichten - stein zu Windhäuser-Hof; das Ritterkreuz 2. Klasse des­selben Ordens mit der Krone: dem Vizepräsidenten des land­wirtschaftlichen Prooinzialvereins Starkenburg, Oekonomierat Jakob Walter XVI. zu Lengfeld; die Silberne Verdienst­medaille für Landwirtschaft und Gewerbe: dem Generalsekre­tär des Hessischen Landwirtschaftsrals, Oekonomierat Dr. Karl Müller zu Darmstadt; das Silberne Kreuz des 23er- dienstordens Philipps des Großmütigen: den Landwirten Heinrich Hamann IV. zu Biebesheim, Wilh. Serboldtl. zu Rieder-Eschbach und Jakob Mann V. zu Alzey.

* Direktor Steingötter teilt unS mit, daß für die kommende Spielzeit folgende Damen und Herren, die zurzeit Mitglieder des Großh. Theaters zu Bad-Nauheim sind, an das hiesige Stadttheater verpflichtet worden sind: Frau Bayc- hammer (die schöne junge Frau des bekannten Frankfurter Charakterdarstellers. D. Red.) Fräulein Otefka, Herr Wltt- mann, Herr Goll und Herr Lüttjohann.

* ßu dem Gesetzentwurf betr. die Wert­zuwachs steuer, die bekanntlich die 2. hessische Kammer einstimmig angenommen hat, äußert sich die agrarische .»Dtsch. Tagesztg.* zustimmend und hofft auch auf dessen Annahme in der 1. Kammer, indem sie bemerkt:

Alle Freunde einer gerechten Steuerpolitik werden die Wert- zuwachssleuer mit Freuden begrüßen, da sie Besitzübergänge durch Todesfall nicht trifft, wodurch der l ä n d l t che Grundbesitz schwer belastet worden wäre, sondern nur den Zweck hat, den ohne Arbeit erzielten Spekulationsgewinn zu treffen.

Geflügelzüchter-Verband. Gelegentlich der in Mainz stattsindenden Landwirtschafts- und Jubiläums-Aus­stellung findet am Sonntag im RestaurantZum Heiligen Geists eine Landesversammlung hessischer Geflügel- züchter statt. Angestrebt wird die Bildung eines Landes­verbandes und die Veranstaltung regelmäßig stattsindender Landesausstellungen. An sämtliche hessische Geflügelzucht­vereine sind Einladungen ergangen. Aber nicht nur Vereins­mitglieder, sondern alle Freunde und Interessenten der Geflügel­zucht sind zu dieser Versammlung eingeladen.

- Die Eröffnung der Volksakademie zu Rüsselsheim findet, wie man uns schreibt, Sonntag den 17. d. Mts., abends 8 Uhr, bei Gastwirt Holz statt. Pro­fessor Staudlnger-Darmstadt wird dabei überVolksbildung und Selbstbildung* sprechen. Es folgen Ansprachen und musikalische Vorträge. Die Vorträge für Montag, Dienstag und Mittwoch, jedesmal im Pfarrhausc um 8 Uhr beginnend, werden behandeln: 1. Die Entstehung der modernen Welt­anschauung (Pfarrer Lic. Fuchs-Rüsselsheim), 2. Volkskiiltur, 1. Teil: Soziale Arbeit auf dem Lande (Dr. Phil. Stein, Geschäftsführer des soz. Museums in Frankfurt a. Di.) Montag nachmittag: Volkskundliche Führung nach Königstädten und Vortrag (Pfarrer Korell-Königstädten). Orgelkonzert in der Königstädter Kirche (Lehrer v. d. Au-Gustavsburg). Diens- tag nachmittag: Gang durch den Schwanheimer Wald. Hünen­gräber. Geologische und botanische Beobachtungen. Kelfter- bach. Schwedenschanze. (Professor Kobelt-Schwanheiin a. 9)1.) Mittwoch nachmittag: Besichtigung des Heimatmuseums in Mannheim (Lehrer Buxbaum-Raunheim). Gang nach Bad

Weilbach. Jeden Abend ist in Rüsselsheim geselliges ßu» ammensein mit künstlerischen Darbietungen (Musikalische Leitung: Lehrer v. d. Au). Aenderungen des Nachmittags­programms, die infolge ungünstigen Wetters eintreten können, ind im Geschäftszimmer der Akademie zu erfahren.

4- Orten berg, 14. Sept. Trotzdem es Heuer in der Umgegend sehr wenig Obst giebt, wurden die Aepfel der hiesigen Gemeinde für 2310 Mk. an den Obsthändler P. So mm er lad von Ober-Roßbach verkauft. Allerdings handelt es sich hierbei um sehr schönes Tafelobst, das zurzeit je nach Sorte mit 2030 Mk. per 100 Kilo bezahlt wird. Der Preis für Kelterobst beträgt 1315 Mk. pro Maller. In Ulfa, wo im Vorjahre 2700 Mk. für Obst gelöst wurden, betrug der Erlös diesmal nur 200 Mk., ein Beweis ür die geringe Obsternte.

v. Bad-Nauheim, 15. Sept. Bis zum 14. Sept. 1905 sind 25 244 K u r g ä st e angekommen, wovon am genannten Tage noch 2781 anwesend waren. 343 978 Bäder wurden bis ztlm 14. September abgegeben. Unter den an» gekommenen Fremden befinden sich Herr Corneliirs V a n d e r b i l l und Familie aus New-Pork, die im Hotel Kaiserhof ab­gestiegen sind.

() Effolderbach, 14. Sept. Zwei hiesige Burschen waren am Montag abend in dem benachbarten Selters und find von mehreren dortigen Burschen überfallen und mit den Messern arg zugerichlel worden. Ter 20jährige Wilhelm Wolf hat eine ganze Anzahl Stiche in den» Rücken und liegt schwer darnieder. Man zweifelt an seinem Aufkommen. Die Täter sind bereits verhaftet.

Mainz, 15. Sept. Der Großherzog besuchte gestern abend in ßioil und in Begleitung seines Adjutanten, des Rittmeisters Freiherrn von Massenbach, die Hof-Möbel­fabrik von A. Bembö. Bei nahezu Inständigem Auf­enthalt besichtigte der hohe Herr dieses Etablissement der Möbelbranche. Kommerzienrat Preetonus führte den Groß­herzog, der mit regem Interesse bte Ausstellungsräume be­sichtigte und mit feinsinnigem Kunstgeschmack die herrlichen Möbelstücke, Gobelins, Teppiche und Dekorationsgegenstände beurteilte. Rach erteilten größeren, die Firma Bembö ehren­den Aufträgen verabschiedete sich der hohe Herr in gewohnter liebenswürdiger Weise. Nachmittags besuchte der Groß­herzog auf der landwirtschaftlichen Ausstellung auch die Wem- lelterci Karl Gagel, Worms. Herr Gagel gestattete sich, dem Großherzog ein Glas Liebfrauenmilch zu kredenzen, oas Se. Königl. Hoheit mit sichtlichem Behagen trank. Der Großherzog meinte dabei, der Wein sei gut, und fragte Herrn Karl Gagel scherzend, w ievi e l St ück e r da v on h ä 11 e.

Kassel, 14. Sept. Hier verkündigte der Syndikus der Handwerkskammer, die Vie h o er w ert u ngszen tra le habe sich in einem Telegramm an den Relchstagsabg. Lattmann bereit erklärt, einen Waggon Schweine nach Kassel zu liefern. Das Telegramm sei dem Obermeister der Fleischer- tnnung zugestellt, und es werde gehofft, daß die Innung davon Gebrauch mache und damit nicht nur dem Schweine­mangel abhelfe, sondern auch die hohen Preise zum Sinken bringe! (Kassel hat mehr als 100 000 Einwohner. 9)lit einem Waggon Schweine dürfte daher den Freunden wohlfeiler Fleischnahrung nicht sonderlich gedient sein.)

** St l e i n c 9Jl i 11 c 11 n u g H'Wfe n und de» Nachbarstaaten. Tie Zwetschenernte in den Gemeinden Hörnshei m und Hochelheim iällt in diesem Jahre befrie­digend ans. Ta in anderen Gegenden der Ausfall der dieSiährigen Obsternte rcchr fühlbar wird, kauft em Händler hier Zwelscheu m großen Quantitäten. Der Preis für gepflückte Zivelfchen betragt 4 Alk. pro Zentner. Unter den geschüttelten Zwei scheu sind die meistenwurmsnchig". In Kirch-Göns wurde eine «parr und Darlehenskasse gegründet

9)1 i n i ft e r Ruh st rat als Sachverständiger. In München spielen gegenwärtig zwei wegen der Sieben» umstände interessante Spielerprozesse. In der bayerischen Hauptstadt wird dielustige Sieben* geradeso wie m Oldenburg gespielt. Es wird in den Klubs, Siebenräumen von Sieftaurant», mit der Sorgfalt wie anderweitig gepokert. In einem (Lass der innersten Stadt wurde nun vor einigen Wochen eine Gesellschaft beim Pokern von der Polizei über» rajcht. Desgleichen hat die Polizei in einem vornehmen Restaurant eine Anzahl den besseren Ständen angehöriger Personen, die sich nut derlustigen Sieben* beschäftigten, ertappt. Sowohl die beiden Wirte wie die spielenden Per­sonen wurden deshalb in den Anklagezustand versetzt. Das wäre im Verfolg des Reichsstrafgesetzbuches keine Merkwürdig- teit. Merlwürdig bleibt aber der Verlauf der Untersuchung. Der Restaurateur des Easss war, wie derZeit* berichtet ivird, so bosyaft, den oldenburgischen Justizminister Ruhslrat als Sachverständigen vorladen zu lassen, damit er be- tunbe, daß dasPokern* und das Spiel derlustigen Sieben* keine verbotenen Glücksspiele seien. Der Rechts­anwalt der beim Spiel ertappten Personen, die dielustige Sieben" spielten, hat folgendes erklärt: Das Strafgesetzbuch gilt für alle Teile des Deutschen Reiches, also auch für Oldenburg. Meine Klienten haben in der Tat gepokert und lustige Sieben* gespielt, aber erst fünf Tage nach der Spiel- gerichtsverhandlung in Oldenburg, als ihnen durch diese öffentliche Gerichtsverhandlung aus dem Munde des olden- burglschen Justizminlsters, der doch Rechtskundiger und früherer Staatsanwalt ist, bekannt wurde, daß das Pokery kein verbotenes Glücksspiel sei.

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Schwächliche beim Lernen zurückbleibende Kinder, sowie blutarme, sich mattfühlende und nervöse überarbeitete, leicht erregbare Erwachsene jeden Altera gebrauchen als Kräftigungs-Mittel mit grossem Erfolg iiOMMELs Haematogen.

Der Appetit erwacht, die geistigen und kör­perlichen Kräfte werden rasch gehoben, das He- samt-Nervensystem gestärkt.

Man verlange jedoch ausdrücklich das echte >,l>r. Hom- mels Haematogen und lasse sich keine der vielen Nach, ahmungen aufreden. c 4

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