Ausgabe 
16.9.1905 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

Samstag LV. September 1905

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

Die y-utige Kummer umfaßt 14 Seiten

halbe Stimde srmter.

(Schluß folgt int 2. Bla^)

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Bezugspreis!

monatlich 75P1., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch diePost Mk.2.Viertel­jahr!. ausschl. Bestellg. Annakjme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittag- 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 18 Ps, auswärts 20 Psg.

Verantwortlich tüt den polit. und allgern. Teil: P. Witlko- für Stadt und tianb* und .Gerichrsfaal": August Goetz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

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Die Kaisermanöver.

(Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.)

Zum Hebultstage I. K. K. der Kroßherzogin.

Morgen, am 17. September, feiert das Großherzogtum Hessen I. K. H. der Großherzogin Geburtstag. Es ift das erste Mal, daß die hohe Frau diesen Tag begeht als der hessischen Lande gekrönte Fürstin. Es ist ein Sonntag, und wir wollen hoffen, daß diesem Sonntage auf ihrem Lebens­wege eine lange Reihe von glückdurchsonnten Tagen folgen möge, zu ihrem, ihres hohen Gemahls und ihres ihr treu ergebenen Volkes Heil und Segen.

Dos hessische Volk bringt in seiner weit überwiegenden Mehrzahl die aufrichtigsten Glückwünsche seiner Landesfürstin dar. Fühlen sich doch die Hesien mit ihr, als der Tochter ihres engeren Vaterlandes, in herzlicher Liebe enger ver­bunden als alle anderen deutschen Stämme mit ihren Fürstinnen, die in ihr Land aus der Fremde kamen.

Kaiser Wilhelm hat einmal in hochgestimmter Rede seine Gemahlin als den Edelstein gepriesen, der an seiner Seite glänzt. Unser Großherzog hätte wohl ähnliches äußern können. Doch er ist kein Freund der großen Worte. Als aber vor annähernd Jahresfrist es war am 20. Novem-

Volilische Tagesschau.

Botschafterwechsel.

W. T.-B. meldet heute aus Petersburg:

Der deutsche Botschafter, Graf v. Alvensleben, tritt

17. Sept, einen längeren Auslandsurlaub an. Die Führ-

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Aus Stsöt miö KauS.

Gießen, 16. September.

** Folgende Ordensauszeichnungen, offenbar ans Anlaß der Mainzer landwirtschaftlichen Ausstellung, ver­öffentlicht dieDarmst. Ztg.": S. K. H. der Großherzog haben am 12. September d. Js. zum 15. d. MtS. verliehen: das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen: dem Präsidenten des landwirtschaftlichen Pro-

gelangte. Das Ausschiffen des einen Bataillons ging rasch vor sich und ohne Sana und Klang wurde der Marsch nach ber Kaserne angetreten. Die beiden anderen Bataillone folgten etwa eine

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ung der G«scl>äste der Botscl-aft übernimmt Botschaftsrat von Miguel.

Unlängst gingen Gerüchte von der bevorstehenden Ab­berufung des Grafen v. Mvensleben um. Diese offiziöse Meldung scheint nun der Vorbote der Bestätigung jener Ge­rüchte zu sein, obwohl er wie seine sehr iveltgewandte und geistvolle Gemahlin sich des besonderen Wohlwollens des Zarenpaares erfreuten. Gras v. ?llvenslebens Stellung aber galt schon mit dem Ausbruche des Kr i e g e s als erschüttert, den der deutsche Diplomat nocy in letzter Stunde in einer Meldung nach Berlin als gänzlich ausgeschlossen bezeichnete. Auch das Mter des Grafen läßt voraussehen, daß seine diplomatische Laufbahn sich dem Abschlüsse näherte. Friedrich Johann (tyraf von Alvensleben wurde 1836 in Erxleben geboren. Er trat 1861 als Attachee bei der preußischen Gesandtschaft in Brüssel in die diplomatische Laufbahn ein. 1872 wurde er Botschaftsrat in St. Peters­burg und 1876 Generalkonsul in Bukarest. Von dort ging er 1879 als Gesandter nach Darmstadt, 1882 in gleicher Eigenschaft nach dem §aag, 1884 nach Washington und 1888 nach Brüssel. 1901 wurde er als Botschaster in Peters­burg akkrediert.

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Magnatenhauses von echt deutscher Gesinnung ihm die Hand zum Lebensbunde reichte, da richtete er vor dem Schlöffe zu Li ch an die das hohe Brautpaar umjubelnde Menge schlichte Worte tiefinnerster Freude von derVereinigung zweier Hessenkinder zu wirklichem Glück", und aus Beider Augen leuchtete die unauslöschliche Flamme gegenseitigen hin­gebungsvollen VerständniffeS und unzerstörbaren Vertrauens.

Schweres hat unser Großherzog im Laufe seiner dem Volke so ersprießlichen Negierung tragen müssen, Bitteres hat er gekostet. Herbes erduldet und Teueres verloren. Sein lauteres Herz aber und seine nur auf Hohes und Edles ge­richtete Seele verdienen Friede und Freude. Sie fand er in reichem Maße endlich im Herzen der Großherzogin Eleonore. Und wenn auch das erste Ehejahr des Großherzoglichen Hauses Hoffnung täuschte, so litt darunter doch nicht das junge Eheglück. Die Genesung I. K. H. der Großherzogin ist, so ward uns jüngst gemeldet, wieder vollkommen. Und wenn morgen die Feiertagsglocken zum Gottesdienste rufen und für die Landesfürstin die herzinnigsten Gebete, die in allen Kirchen Hessens zum Himmel sich erheben, in Erfüllung gehen, dann ist ein köstliches, gnaden- und segenreiches Leben ihver gewiß, dann sehen wir Großherzog Ernst Ludwig mit Goethe eins in dem Gefühl, dem der Dichterfürst tief em­pfundenen Ausdruck verlieh in folgenden, die Aufschrift »Für ewig* tragenden unsterblichen Versen:

Denn was der Mensch in seinen Erdenschranken Von hohem Glück mit Götternamen nennt, Die Harmonie der Treue, die kein Wanken, Der Freundschaft, die nicht Zweifelsorge kennt, Das Licht, das Weisen nur xu einsamen Gedanken, Das Dichtern nur in schönen Bildern brennt, Das hab' ich all' in meinen besten Stunden In ihr entdeckt und es für mich gefunden.

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in einer Talsenkung verschwindend, dort einen steilen Abhang erklimmend, die Richtung, die Linien, der Zusammenhang ber Kompagnien aufgelöst: jeder einjelne nur vorwärts stürzend dem Feinde entgegen, sich niederwerfend, wenn ein natürlicher Wall Schutz bot, und feuernd, dann von neuem vorwärts! und zuletzt mit Hurra und Bajonett gegen die Brust des Kindes. In dem unbeschreiblichen Gewimmel war kaum mit dem besten Glase zu unterscheiden, welcher Partei einzelne Gruppen ange­hörten. Aber allmählig klärte sich die Lage: erst an ein­zelnen Stellen, dann auf der ganzen Linie begann das 8. Korps zurückzugehen, mit erneuter Energie drängten die Truppen bcs 18. nach, Salven auf den abziehenden Feind feuernd, an ein zelnen Stellen auch die Divisionskavallerie ihm nachsendend. Die Blauen zogen davon und verschwanden wieder in ihrem Wald. Der Gegenstoß des 18. Kvrps war besonders kräftig gegen den linken Flügel des 8. KorpS gerichtet gewesen, diesen umfassend. Soviel sahen wir selber.

Bon sehr gut unterrichteter Seite geht uns die folgende Darstellung des Gefechtes zu. Der kommandierende General des 8. Korps beabsichtigte mit der 15. und 16. Division den feind­lichen linken Flügel bei Dörsdorf umfassend anzugreisen. General v. Eichhorn befahl, sobald der Vormarsch des linken Flügels von blau auf Berg Hausen festgestellt nxir, die Offensive seines rechten Flügels. Tie 25. Jnsi-Divis-an ging mit Teilen über Horst umfassend, in Richtung Ober-Fischbach vor: die 28. Juf - Division schloß sich irzn. Die blaue 41. Division wurde von diesen beiden in der Flanke umfaßt und mußte zurück. Die Dorbräugenben roten Divisionen stießen am Ackerbach auf das sich zum Angriff anschickende blaue Zentrum, unb warfen auch dieses zurück. Inzwischen hatte sich die linke rote Flügel­division (21.) gegen einen umfassenden Angriff des blauen rechten Flügels nur mühsam behaupten können und verlor die Höhen bei Reckenroth.

Zum Verständnis der weiteren Truppenbewegungen müssen nunmehr (angenommene) Meldungen dienen, welcl-e die Manöver leitnng empfangen hatte. Frische feindlich Kräfte, die von Na­stätten her aus Laufenselden im Anmarsch gemeldet wurden, ver­hinderten die Ausnutzung des von dem rechten roten Flügel errungenen Erfolges, und ermöglichten dem geschlagenen Gegner über die Aar auszuweichen. Eine Nachricht des Armee-Ober­kommandos über das Vorrücken ftischer feindlicher Stäftc nörd­lich der Lahn, veranlaßte General v. Eichhorn die 21. Division in der Richtung auf Hatamar zu entsenden und mit der ver­bliebenen 21. und 28. Division sowie der 49. Jnf.-Brtg. zur Deckung der Lahnübergänge in das Gelände südlich Limburg zurückzugehen. (Statt dieser verschwundenen roten Division taucht nun bei der blauen Partei eine neue hinzugekommene Di­vision auf.

Heute abend stand somit das rote Korps (zwei Divisionen und eine Brigade zwisclien Diez an der Lahn und Runschel: die Kavallerie-Division B an der Straße Limburg-Niederselters. Blau stand heute abend in der ungefähren Linie Cambera- Dörsdorf, also ostsüböstlich vom Gegner (eine kolossale Marsch­aufgabe für den heutigen Nachmittag!) Die Kavallerie-Divi­sion A stand auf dem rechten Flügel. Das Korps zählt vier Infanterie-Divisionen.

DaS Ende.

Limburg, 15. Sept. Das Kaisermanöver hat heute in der Gegend Limburg, Mensdorf, Hahnstätten, Oberneisen, Flacht, Schönborn, Balbuienstein, Dietz nach einer viertägigen Schlacht seinen Abschluß gefunden.

L i ni b u r g , 15. Sept. Das 18. Armeekorps hatte eine Verteidigungsstellung südlich von der Bahn auf den Höhen bei Limburg eingenommen. Das oerftärfte 8. (blaue) Korps griff von Süden, Südwesten, Südosten und Osten erfolgreich an. Jedoch behauptete das 18. Korps im Kern ferne Stellung, während das 18. KorpS sich bei Abbruch ber Manöver noch nicht voll en treidelt hatte. Das Ma növer schloß um 11V4 Uhr. Der Kaiser besichtigte den Dom und begab sich bann im Automobil nach Homburg v. d. Höhe.

Homburg 0. d. Höhe, 15. Sept. Ter Kaiser unb bie Kaiserin sind im Automobil im Schlosse eingetroffen. Der Kaiser gebenft mehrere Tage in Homburg zu verbleiben.

An die Truppen wurden große Anforderungen gestellt, zumal das Regenwetter das Gelände sehr aufgeweicht harte. Müde und hungrig gings in die Massenquartiere ohne Verpflegung, mancher Musketier und Reiter griff zu der viel geschmähten eisernen Portion, bie er im Brotbeutel mit sich trägt. In ben Ortschaften war selbst für gutes Geld fast nichts zu haben, zu dem jetzt allgemeinen Fleischmangel gesellten sich hier noch Brot-, Wurst-, Bier-, Milch- und andere Nöte. Die Proviantämter, die Feldbäckereien rc. hatten schwere Aufgaben zu losen. Die Proviant- folonnen bestanden aus 10 Trainbataillonen aus verschiedenen Armeekorps.

In den Feldbäckereien, Schlächtereien, Magazinen re., die bei Limburg, Tietz, Kamberg, Hahnstätten, Nieder-und Ober-Selters rc. errichtet waren, herrschte fieberhafte Tätigkeit, galt es doch, die Truppen der beiden Armeekorps, ca. 75 OOO Mann, vor ihrer Ver­ladung zu speisen. An vielen Stationen waren seit heute früh die zu diesem Zweck errichteten Feldküchen in Tätigkeit. Vielfach waren auch besondere Lagerplätze für bie einzelnen Regimenter bestimmt, auf denen sich nach dem Eintreffen der Truppen bald ein reges soldatisches Treiben entfaltete. Der Gesang von Reservelieberii wechselte mit dem Spiel der Regimentskapellen. Besonders taten sich bie sog. alten fiente hervor, die sich dem soldatischen Brauch desLöfselbegrabens" widmeten.' Im Laufe des Abends bis zur Nacht hinein wurden die Regimenter verladen, der ®üter= verkehr wurde auf den Stationen eingestellt. Auf allen Bahn­strecken nach Koblenz, Wiesbaden, Frankfurt, Gießen, Mainz bis nach Süddeutschland fuhren Militärzüge. Dragoner und Artillerie marschierten über den Taunus in ihre Garnisonen.

Das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm

ist in ber vergangenen Nacht aus dem Manöver zurückge­kehrt. Wie immer, so hatte sich auch diesmal ein nach Hun­derten zählendes Publikum auf dem Bahnsteig, dem Bahnhofs platze und ber Bahnhofstraße ausgestellt, um bas Regiment nach seiner Art zu empfangen. Die Schaulustigen mußten aller bings lange warten, denn um die, vorgesehene Zeit liefen wohl andere Züge, aber keine solchen mit 116 em ein. Das Halloh, das jedem eintreffenben Zuge entgegenschallte, hatte nur wenige Lands" mit verfckstasenen Gesichtem an die Abteilsenster zu locken vermocht, die anderen huldigten dem Gmndsatz: Nach getaner Arbeit ist gut ruhen und schnarchten weiter. 115 er, 118 er, 168 er und kleinere Abteilungen anderer Regimenter dampften nach kurzer Rast, in der es allerdings außer Wasser nichts zu trinken gab, wieder zum Bahnhof hinaus, ihren ent­fernten Garnisonen zu. Ter kleine Zeiger der Bahnhossuhr hatte schon lange die 11 passiert, als wiederum ein hunbertstimmiges Hurra oder Hoch ertönte, der diesmal an die richtige Adresse

Nr. 218

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Siebener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'sehen Umvers.-Buch-u. Stein­druckerei. R. Lange. Redaktion, Erpedition unb Truaeret:

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Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

FrrnfprrchanschlußNr.51.

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98.- 101, 1011 101.- 1022.

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Katzenelnbogen, 14. Sept.

Der Kaiser, die Kaiserin, die Prinzessin Adolf zu Schaumburg, die Prinzessin Friedrich Carl von Hessen, ber Kron­prinz von Griechenland und Prinz Andreas, Prinz Harald von Dänemark, der Fürst von Hohenzollern, dann ber Kronprinz, der bayrische Ulanenuniform trug, Prinz Heinrich in Artillerie­uniform, die Prinzen Eitel Friedrich und Äldalbert: alle zu Pferde, mit den Gefolgen, Ordonnanzoffizieren und den nach- gallopierenden Dienern sprengten von Katzeneli.l men hinein in bie trübe Regenlandschaft, ein Zug ßeibgenbarmerie und ein Zug Leibgarde hinterdrein. Der Kaiser nahm Ausstellung östlich Allendorf auf einer der bedeutenderen Höhen etwa in der Mitte der Front des 18. Kvrps. Der Regen ließ ein wenig nach; die Luft war sichtig und gestattete einen Rundblick aus die über­aus interessante, abwechselungsreiche Landschaft.

In ber Mitte unseres Gesichtskreises lag im Tal Katzen­elnbogen, ein kleines Stabtchen (mit einem Amtsgericht), babei eine etwas erhöbt liegende altersgraue Burg mit kwhen Mauern und malerischen Erkern. Das Tal setzte sich nach Südosten zu fort, wo es durch höhere Berge abgeschlossen wurde, während es im Nordosten sowohl wie im Südwesten durch bewaldete Hügelketten eingefaßt war, denen bis zur Talsohle wellenförmig langgestreckte niedrigere Erhebungen vorgelagert waren, auf denen Wiese und Stoppelfeld abwechselten, aus denen aber auch, u. a. dicht bei der Stadt, ber nackte Felsen bis zu ziemlick>er Höhe, berauSwuchs. Eine tiortrefflidje Chaussee führt von Nastätten

herauf durch Katzenelnbogen nach Limburg und Diez, ein Bäch­

lein gerade bei der Stadt durchkreuzend.

Das 18. Korps hatte fick aus den nordöstlichen Höhen ein»

Begraben; es muß eine harte Arbeit gewesen sein, die hohen Amstwehren für kiiieende Schützen aufzuwerfen, und das Kvrps hatte sich dabei nahe zusammengezogen, so daß hier bei Katzeu- klnbogen schon beinahe der äußerste rechte Flügel stand. Das

5 8. Korps, dessen Kommandeur mit seinem Stabe in Rettert halt 7 gemocht hatte (wenigstens hatten wir auf der Herfahrt sein Auto­mobil dort gesehen, an dem seine Stabsflagge angebracht war), kam von Südwesten herauf durch ben großen Wald südlich Katzen­elnbogen. Eine gewaltige Kanonade von beiden Seiten eröffnete das Gefecht. Hüben und drüben blitzte das Feuer ber Geschütze om Saume des hochragenden Waldes auf. Dann kam die blaue Infanterie herab, in breiten Fronten, auf dem Kamme des erlien Hügelzuges sich niederwerfend und feuernd. Die Roten verließen ihre Stellung, sobald die Blauen von Neuem avan­cierten, und gingen auch ihrerseits vor. Es war ein groß- ortiger, allgemeiner gegenseitiger Angriff der langgestreckten Sinien, wie man ihn nur selten so gut übersehen Fann, eo weit das Auge reichte, stürmten die Massen gegeneinander, hier

Eine Zentrumsenthüllung.

Nachdem eben erst ein Zentrumssiihrer, Mbg. Dr. Spahn, dem scheidenden Direktor des Kolonialantts Dr. S t ü b e l das Zeugnis ausgesteNt hatte, das Zentrum sehe den rrihigen und "besonnenen Mann ungern zurücktreten, muß der heftige ^Angriff eines rheinischen Zentrumsblattes, derKöln. Volksztg.", gegen im Kolonialamt herr­schende Zustände Aufsehen erregen. Was dieKöln. Vztg." vonProtektionswirtschaftt", vonunrichtigen Angaben" behauptet, die dem Reichstage gemacht worden seien, vonVergeudung von Reichsmitteln", daS gehört zu Anschuldigungen von einer Stärke, wie man sie sonst nur in enthüllnngsfrohen sozialdemokratischen Blät­tern findet. Für solche Anklagen muß derjenige, der sie erhebt, sofort das Beweismaterral liefern. Wir lesen soeben den Wortlaut der betreffenden Ausführungen und finden nichts von Belegen. Mlerdings, dieKöln. Vol^ztg." sagt: Die Belege haben wir in Händen" speziell über die dem Reichstag bei Beratung der Kamerunbahn-Vorlage gemach­ten unrichtigen Angaben aber warum veröffentlicht das Zentrumsorgan die Beweisstücke nicht? Warum verweist es aus dasparlamentarische Nachspiel", sodaß ein näheres Eingehen jetzt sich erübrige? Dies Verfahren ist nicht Sitte in der Presse. Entweder mit dem ganzen Wissen herausrücken oder schweigen. Schließlich richten sich die Angriffe auf den Kolonialdirektor Stübel, mindestens wird seine Verantwortlichkeit davon berührt. Man fraßt nach den Gründen des plötzlichen Vorstoßes und man tst auch da im Dunklen. Will das Zentrum, so vermutet dieTügl. Rundsch.", nur vor Beginn der parlamentarischen Kamjxlgne wieder seine Lust und Kraft zur Opposition zeigen? Die Tagesztg." schreibt, dieKöln. Volksztg." müsse sich dessen bewußt gewesen sein, daß jte mit diesen andeutenden Ent­hüllungen den schwersten Vorwurf gegen ein Reichsamt richte, der überhaupt erhoben werden könne. Sofortige Belege verlangt auch dieNationalztg." DieNordd. Mg. Ztg." läßt die Enthüllung ganz unerwähnt; es ist aber anzunehmen, daß eine Stellungnahme des Kolonialamts erfolgen wird.

Keer und Motte.

Generaloberst v. Lindequist wurde A la suite deS 1. GarderegimentS gestellt. General v. Bock u. Polach ä la suite bes Infanterieregiments Graf Bulow v. Dennewitz (6. Weslsäl.) Nr. 55. Der Erbprinz von Sachsen- Meiningen unb ber Erbgroßherzog von Baden wurden zu Generalobersten ernannt.

Dem Vernehmen nach wurde Generalleutnant v. Schreartzkoppen, bisher Kommandeur des Kadetten­korps, zum Vorsitzenden der Ober-Militär-Prüfungskommission, Generalmajor v. Hasloengen zum Kommandeur deS Kadettenkorps ernannt, der Oberst v. Mal ha n, Frhr. zu Wartenberg und Penzlin, mit der Führung der 37. Brigade beauftragt; zum Kommandanten von Berlin wurde.General­major 0. Moltke ernannt.

München, 15. Sept. Wie die Abendzeitungen fest­stellen, bestätigt sich die Blättermeldung, daß der Kommandeur des Jnfanterie-Leib-RegimentS Oberst Frhr. v. Kreß im Manöverfelde gestürzt sei und sich einen Rippenbruch zu­gezogen babe, nicht. Der Oberst nimmt auch an dem ferneren Manöver teil.

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