Ausgabe 
14.10.1905 Zweites Blatt
 
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Samstag 14. Oktober 1905

-tr. L42

Zweites Blatt

155, Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Lrschetnt täglich mit Ausnahme des Sonntag?.

DieSiebener Kamilienblätter" werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^helsti^s Laad wüt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.V.

Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Airzeiger Gießen.

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jähr, gutes kauMd, prrii- rt zu verlaufen.

5 Mittffraße 21

Valitische Tagesschau.

Im Reichstagswahlkreise Kattowitz

ist ein Stock pole, ein Totfeind des Deutschtums, im ersten Wahlgange gewählt worden. Aber die auf den nationalen Bewerber fallende Stimmenzahl ist außerordentlich viel größer, als man nach dem konfessionellen Verhältnisse der Bevölke­rung hätte erwarten dürfen. Die Protestanten und die Juden machen ungefähr 8 Proz. der Bevölkerung des Wahl­kreises aus; wären nur ihre Stimmen dem liberalen Be­werber Voltz zugefallen, so hätte dieser, da im ganzen etwa 44 000 Stimmen abgegeben worden sind, nur rund 3 500 Stimmen erhalten können. Da auf ihn aber 7 700 Stimmen gefallen sind, so müssen mehr als 4000Katho- liken für ihn eingetreten sein; d. h. also: ein liberaler Kandidat hat mehr katholische als protestantische und jüdische Stimmen erhalten. Zum zweiten ist vom nationalen Stand­punkte aus der enorme Rückgang der Sozialdemo­kratie zu begrüßen. Nach der Wahl in Essen meinte der Vorwärts", der Singsang von dem Rückgänge der Sozial­demokratie würde wohl um einige Oktaven herabgestimmt werden und dieDortmunder Arbeiterztg." sagte, die Geister­seher, die von unaufhaltsamem Rückgänge der Sozialdemo­kratie fabulierten, seien gründlich ad absurdum geführt. Bei der Kattowiher Wahl hat nun aber der sozialdemokra­tische Kandidat absolut etwa ebensoviel Stimmen ver­loren, wie seine Partei in Hessen gewonnen hatte, rela­tiv aber ist der Verlust noch viel größer, denn in Essen haben die Sozialdemokraten nur um etwa */* zugenom­men, in Kattowitz aber haben sie um mehr als die Hälfte abgenommen. Die Wahl in Kattowitz beweist somit, daß der bei den Ersatzwahlen der letzten Jahre beobachtete Rückgang der Sozialdemokratie tatsächlich vor­handen ist und daß der relative Erfolg in Essen nur auf die besonderen Verhältnisse dieses Wahlkreises zurückzu­führen war.

Größer noch als die N i e d er la g e der Sozialdemokratie ist die des Zentrums. Wie wenig man in den Kreisen des Zentrums an diesen Ausgang glaubte, geht daraus her­vor, daß noch fünf Tage vor der Wahl das führende Zentrumsorgan Preußens schrieb:Der Zentrum s- kandidat Kapitza wird entweder mit Korfanty oder mit Morawski sich in der engeren Wahl zu messen haben." Es schien dem rheinischen Blatte also sicher, daß der Zentrumsbewerber an der Spitze stehen würde und es schien ihm nur fraglich, mit wem er in der engeren Wahl zu kämpfen haben würde. Und freilich, nach dem Wahlresultate von 1903 schien ja diese Annahme gewiß ge- rechtfertigt, denn damals hatte der Zentrumskandidat vor dem nächstfolgenden Bewerber noch einen Vorsprung von über 8000 Stimmen. Diesmal hat er nur ein Drittel so­viel Stimmen wie Korfanty, der fast noch mehr ein Totfcind des Zentrums, als des Deutschtums ist. Man erinnere sich nur an den von der Geistlichkeit des Wahl­kreises gegen ihn angestrengten Beleidigungsprozeß. Und dieser kecke Verhöhner der Geistlichkeit wird von dem frommen oberschlesischen Volke gegen einen Geistlichen gewählt!!

Interessant ist, daß dieSchles. Volksztg.", das Haupt- organ des schlesischen Zentrums, schreibt, das Zentrum habe mit der sehr wahrscheinlichen Möglichkeit zu rechnen, auch die anderen ReichstagSmanda te im ober- schlesischen Jndustriebezirk sowie die in Pleß-Rybnik und Ratibor bet' den nächsten Wahlen an die Radikal- Polen zu verlieren.

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iniffe noch gut erhalt. [&M Erzieher, 2 Anzugs schwarz. Gelirockanzn' rll verk, Sonnenstr. 5,1 rschiedene alte holläE in -LelgemäldeaiäEichu» gemalt, zu verlausen, gliche Meldmaen ' an den Gieß. Anz. eck_

Die neuen Retchßfieuer«.

tt Berlin, 13. DK.

Daß bei den Beratungen über die Reichsfinanzreform!/ einstweilen kein Einverständnis unter den 9tein gierungen erzielt worden ist, verlautete seit mehreren Tagen in politischen Kreisen. Es dürfte auch zutresfen, daß sich infolge der Abänderungsvorschläge mehrerer Bun­desstaaten die Einberufung des Reichstags ver­zögern wird. Bier- und Tabaksteuer, sowie die Stempelsteuer-Erhöhung sind, wie man vernimmt, weniger umstritten, als die R e i ch s e r b s ch a f t s st e u e r> die wegen der grundsätzlichen Bedenken gegen direkte Reichs- steuern auch in der preußischen Regierung Gegner hat.

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daher vielleicht auch den Zweck gehabt haben, den ehe­maligen hohen ProteKor zu kompromittieren.

Für die Auftichtigkeit der englischen Staatsmänner Deutschland gegenüber erscheint besonders charakteristisch die Erinnerung an die Gründung des Anglo-German Union Club vom Juni d. I. Diese Bereinigung, deren Mitglieder sich verpflichten, die Freundschaft zlvischcn dem englischen und dem deutschen Volk zu för­dern, hielt ihre konstituierende Konferenz ab unter dem Vorsitz keines Geringeren als des englischen M i - nistcrs des Auswärtigen. Und in der Zahl der ausgezeichneten Persönlichleiten, die durch Zuschriften an das Komitee ihrem Beifall an der neuen Gründung Ausdruck gaben, befanden sich u. a. Lord Balfour, der Kriegsministcr Arnold Forster, Selbourne, der Herzog von Eonnaught. Von einer W ir ksa m keit des Frcundschaftsklubs hat man seither nichts gehört, sie würde sich auch schlecht zu- sammenreimen mit der Telcasiä in seiner Deutschfeindschaft bestärkenden Haltung der leitenden englischen Persönlich­keiten, die fast zu derselben Zeit kundaegeben sein muß, als man dem Gedanken der Gründung des Freundschafts­klubs nähertrat.

DieVoss. Ztg." wiederholt, daß die englische Re­gierung bisher^?eine Erklärung den Mächten ge­geben hat. In demselben Sinne läßt sich das Schweigen herRordd. Allg. Ztg." deuten. Wären, wie Londoner Privatdepeschen behalten,beftiedigcnde Versicherungen" des englischen Kabinetts in Berlin eingegangen, so würde sicherlich Fürst Bülow die Oeffentlichkeit von dieser be­ruhigenden Rote in Kenntnis setzen.

Frankreich schüttelte Herrn Delcassö gründlich von sich ab. Tie unabhängige Pariser Presse fordert ihn auf, sich deutlicher zu erklären, wenn sein Verhalten nicht als der Ausbruch einer bei ihm eingetretenen Gehirn- erkrankung ausgelegt werden solle! Eine Rote der offi­ziösenAgence Havas" meldet :Wir sind zu der Erklär­ung ermächtigt, daß die in den Blättern erschienenen Er­zählungen über die Zwischenfälle, die den Rücktritt Del- cafsös betreffen, und besonders über die Einzelheiten be­treffend die Sitzung des Ministerrates, die dem Rücktritte Telcasfts vorausging, unzutreffend sind.

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Deutsches Reich.

Berlin, 13. Okt. TreHohcnzollern" mit temt Kaiser an Bord, sowie die BegleitschiffeHamburg und Slerpner" sind, wie aus Kiel gemeldÄ wird, heute von! Glücksburg dort eingelaufen. Die im Hafen liegenden Schiffe salutierten die Kaiserstandarte. Der Kaiser und die Kai­serin verließen heute abend dieHohenzollern". Um 11 Uhp ging der kaiserliche Sonderzug nach Potsdam ab.

Reichskanzler Fürst Bülow wird voraussichtlich auf nächsten Sonntag von Baden-Baden wieder hier ein- tresfen. Alsdann sollen verschiedene dringende Fragen ex* ledigt werden. Auch das Staatsminifterium wird dann eines Sitzung abhalten.

TerLokalanz." meldet, der Reichskanzler habe sich bereit erklärt, eine vom Vorstand des deutschen Städtetages in Fragen der Fleischteuerung ge* wählte Deputation zu empfangen. Ort und Tags des Empfanges stehen noch nicht fest.

Ter Oberlandesgcrichtspräsident v. Plehwe iw Königsberg i. Pr. begeht heute sein fünfzigjähriges Tienst- jubiläum. Jin Jahre 1879 wurde er zum Ersten Staats-, anwalt in Tilsit ernannt und kam darauf in gleicher Eigenschaft an das Landgericht in Königsberg i. Pr. Er blieb hier bis 1888, wurde dann Landgerichtspräsioent in Braunsberg und wurde 1890 Oberstaatsanwalt in Königs­berg. 1897 erfolgte seine Ernennung zum Geh. Obberjusnz- rat, worauf er zwei Jähre später zum Präsidenten desf Oberlandesgerichts in Königsberg befördert wurde.

Eine hiesige Kvrrespondenz berichtet, daß im Bun* betrat eine Unterbrechung in den Verhandlungen!! über die Reich sfinanzreforrn, die im Ausschuß für^ das Finanzwesen vom 7. bis 10. d. M- beraten wurde, ein* getreten ist. Es scheint, die Pause dürfte dazu ausgenutzts werden, eine Verständigung herbeizusichren und neue In­struktionen bei den einzelnen Bundesregierungen einzu-» holen.

Trier, 13. Oft. Tas Hinscheiden der Fraw v. Trotha, der Gemahlin des Oberbefehlshabers iw Teutsch-Südwestaftika, Generalleutnants Lothar v. Trotha, findet hier allgemeine Teilnahme. Frau v. Trotha, deren mehr als 80jährige Mutter noch lebt, war die Tochter des Mainzer Garnisonverwaltungsdirektor Neu-, mann und durch große geistige und körperliche Vorzügq ausgezeichnet.

München13. Okt. D^e Kammer der Abgeord^ n t e n setzte die Beratung über die 23 a h l r e ch t s an tr ä ge> fort. Ministerpräsident Frhr. v. Bodewils führte u. a. aus, ba£ Zentrum habe nicht versucht, durch Drohung mit Budgetverweigerung die Minister in der Frage der Mahb- kreiscinteilung zu beeinflussen. Auf eine Anfrage Cassel-, manns, ob er oder einer seiner Kollegen einen Ver, trauensbruch begangen habe, erwidert der Minister

Handelsminister Möller hatte am Donnerstag mittag, wie uns eine Korrespondenz aus Berlin berichtet, auf Einladung des Chefs des Zivil- kabinctts, v. Lucanus, mit diesem eine längere Unter­redung. Nach demBerl. Tagcbl." hat der Handelsminister sein Entlassungsgesuch eingereicht. Tie Ernennung Delbrücks zu seinem Nachfolger wird demLok.-Anz." zufolge in den nächsten Tagen erfolgen.

Tie Art, wie dem preußischen Handelsminister gewisser, maßen der Stuhl vor die Tür gestellt wird, muß es den Parlamentariern als einen zweifelhaften Vorzug erscheinen lassen, in die Regicrungswolken aufzusteigen. Bei der Be-, rufung Möllers ins preuß. Ministerium stürzten sich sogar Poeten in Unkosten, um das große Ereignis nach Gebüpr; zu feiern, was dem ?lbg. Richter zu einer sarkastischen Be­merkung im Parlament Anlaß gab. Besonderen Einfluß hat ja ein Handelsminister in Preußen nicht, das mußten auch die Vorgänger Möllers, die Exzellenzen Brefeld und v. Berlepsch, erfahre,' Terlange Möller" richtete noch we^ Niger aus, als diese, doch er hat einen Leidensgefährten in dem ftüheren konservativen 2lbg. v. Buchka. Tessen Tätigt keit als Kolonialdirektor war ein fortgesetzter erfolglosere Kampf gegen einflußreicheKulissenpolitiker" und gegen Widerstände in der Kvlonialabteilung selbst. Man sagt, daß auch Herrn Möller durch Geheimräte aus dem Handels­ministerium, die sich auf dem schwierigen VerwaltungK- gebiet natürlich ganz anders auskennen als der industrielle. Fachmann Möller, verdrießliche Opposition gemacht wordew sei. In den Nachrufen, die ihm bereits geschrieben werden, heißt es-Erreicht hat er herzlich wenig." Tas ist richtig! und wird besonders bedauert inbezug auf die Börsen- Novelle, von der es jetzt heißt, daß ihre Wiedereinbring­ung weit im Felde stehe. Tie Börsenkreise hatten auf Möllers Ministerschast Hoffnungen gesetzt, doch die Gleiche giltigkeit, mit der der leitende Staatsmann, Fürst Bülows der parlamentarischen Verschleppung dieser Vorlage gegen* überstand, ließ je länger je mehr erkennen, daß Möller hier keinen Einfluß geltend machen konnte. Er mag sich in der ihm im Grunde frcn.ben Welt der Bureaukraten nach und nach überflüssig vorgekommen fein, und von bec; Zukunft keine Aenberung versprechen. An Erfteulichexw wirb Exzellenz Möller ins Privatleben hinübernehmen eine hohe Orbensauszeichnung und bie Erinnerung an mehr*! jähriges Verweilen in einem der elegantesten Berliner, Ministerhotels, das sogar für ihn eigens neu hergerichtet- wurde^

Die Kriegsgefahr des vergangenen Sommers.

Unter dem TitelEngland und die Demission relcassss" veröffentlicht derFigaro" einen Brief, aus welchem folgende interessante Einzelheiten zu entnehmen sind:

Wenn auch kein b e stim m t s An g eb ot gemacht worden ist. so besteht doch ein gewisses Engagement Eng- ton b5 und Fran kreichs. Die Wahrheit über diesen Punkt sei Folgendes: Dor der marokkanischen Krise hat in dem Jahre, iviches nach Abschluß des englisch-französischen Schicdsvertrages v-rslossen ist, die englische Negierung mit der französischen diplmnatische Fühlung genommen, um fcstzustellcn, obFrank- »ich bereit tvärc, mit England einen Allianzvertrag ab- juschließen. Die französische Negierung habe sich mit Rück- sihl auf Rußland, toelrfjeS in einen Krieg mit dem Verbündeten lknilcmds verwickelt war, geweigert, die Frage zu erwägen. 86<t, als der deutsch-französische Konflikt einen kritischen Charakter angenommen hatte, nahm die fran- zSsische Diplomatie die Frage wieder auf. Ter Londoner Botschafter Cambon erhielt von Lord Landsdowne die irsüdliche Versicherung einer eventuellen eng­lischen Beteiligung im Falle eines Krieges mit Deutschland, und Cambon konnte Telcassö mitteilcn, daß, srbüld der Kasus föderis vorhanden sei, England die münd- lifjr Versicherung in schriftlicher Form erneuern würde Tic5 sei auch nachher geschehen. Der deutsche Kaiser tri)?rfc hinsichtlich der ui f 'senden Entschlüsse, aber am 25. Mai erhielt er die Nachricht von der russischen Niederlage bei Tsu- fdiima und es wurde in Berlin sofort beschlossen, einen ener­gischen Vorstoß gegen die englisch-französische Koalition durchzufahren, ehe noch die englisch-japanische Koa- (i bn von ihrer Aktion in Ostasien frei geworden sei. Der Kaiser lüß der italicnischenRegierung eine Note übermitteln, in welcher von einem Ultimatum wegen Marokkos, dessen Durch- fshrung den Kriegsfall darstellt, nicht die Rede war, sondern tr welcher der Abschluß des ftanzösisch-engliscku'n Vertrages an- gwigt wurde. Diese Note stellte eine Art Ultimatum dar, bck an Frankreich gerichtet war, jedoch auf indirektem $cge, um dem Frieden eine letzte Tür offen zu lassen. Die ital. Regierung teilte die deutsche Note dem ftanzösischen Botschafter Darrere mit, der sie rrach Paris übermittelte. Dies geschah am 4 Juni. Am 5. war die Demission Deleassäs beschloßene kacke und am 6. fand der denkwürdige Ministerrat statt, in tpclrßem Delcassö seine Kollegen noch in letzter Stunde zu gewinnen biß le, indem er ihnen die Einzelheiten der Verpflichtungen dar- ligl«, welche England im Falle eines Krieges mit Deutschland ein-egangen war.

Unser Berliner Dr. V.-Mitarbeiter schreibt un§ dazu:

In diesen Enthüllungen ist zunächst die Angabe von Interesse, die die diplomatische Aktion Deutschlands nach der italienischen ©eilte hin betrifft. Nach den Ausschlüffem die wir an bestunter- ridrteter Stelle erhalten, scheint die Darstellung des «Figaro" in der form etwas dramatischer zugespitzt zu sein, als e5 mit den Tät­lich en vereinbar ist. Richtig aber ist, daß Deutschland, nachdem der Reichskanzler rechtzeitig erkannt hatte, DelcaffS spitze die fran- üoftl die Marokkopolitik aus das feindseligste gegen Deutschland zu, die italienische Diplomatie von dem Ernst der Lage unterrichtet bat Chme irgendwie zu drohen, sorgte die deutsche Diplomatie dafür, blalien sowohl durch seinen Vertreter am Berliner Hose, wie durch den deutschen Botschafter am Quirinal an den casns foederis zu erinnern, besten Eintritt die Politik Delcastös in greifbare Nähe ge- . rückt hatte. Vor so ernste Konseguenzen gestellt, tat Italien in 1<n-i5 die geeigneten Schritte zur Abwehr. Die Art, wie das ikschah, kann uns, bestem Vernehmen nach, nur zur Befriedigung qereicben.

Soweit die Enthüllung desFigcrw" Großbritannien nn» qefnt, verhält man sich in der Wilhelmsskraße ans begreiflichen ^stunden sehr zugeknöpft: es ist eben Sache des Londoner Kabi- iittS, Erklärungen abzugeben! Hat die britische Diplomatie wirk- fi(f) vor der marokkanischen Krisis Frankreich wiederholt ein Wndnis angeboten und hat sie wirklich während der marokka- njichen Krisis eine englische Beteiligung am Kriege gegen Deutsch- !amb mündlich und schriftlich in Aussicht gestellt, dann ist es Großbritannien, das der marokkanischen Politik Deleasses bte entscheidende, verhängnisschwer e Richtung ge- giben hat. Daß dies in der Absicht geschah, einen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland herbeizu- führen, muß aus der deutschen Auffassung der Kvnseguenzen tines englisch-französischen Bündnisses geschlossen werden.

Der beste Beweis dafür, wie nachhaltig in Frankreich die Il?berzeugung wirkt, ein solcher Krieg liege lediglich im Jn- :'treffe Englands, ist das fortgesetzte Enthüllen ftanzösischer Matter. Kvnnte man die Veröffentlichung desMatin" auf des persönliche Bedürfnis eines verärgerten, rechthaberischen Ex- mnnisters zurückflihren, so muß man hinter der Publikation de? Figaro" das ftanzösische Ministerium der Auswärtigen An­gelegenheiten vermuten. Der britischen Diplomatie wird eS unter bi"?fen Umständen doppelt peinlich, daS Wort zu ergreifen. Llber schließlich dürfte man in London doch zu der Erkenntnis ge­langen, daß in diesem Falle philosophisches SOveigen auf die Lauer unmöglich ist."

Trotzdem scheint man in London absolut Stillschweigen IlLt das Klügste zu halten. Wenigstens meint derStan- ard", eS sei nicht notwendig, eine Nachricht über diplo­matische Verständigung, die auf nichtamtlichem Wege in d.e Oeffentlichkeit gelangt ist, amtlich zu dementieren. Und auch von anderer Seite wird die Erwartung nach einer ößfentlichen Stellungnahme seitens Englands als unbe­gründet zurückgewiesen. Londoner Zeitungen, die sonst deuffchfteundliche Neigungen zeigen, polemisieren heftig ^2gen Deutschland. Eine anti-deutsche Bewegung scheint in ganz England im Gange zu sein. Beschwich- ngungshoftäte, diesmal besonders in Wiener Blättern, ver­sichern zwar, das Ganze gehöre in das Reich der Fabel, <nich habe Lord Lansdowne darüber die Mächte bereits auf- g«klärt. Es kann aber nur wiederholt werden, daß eine solche Aufklärung sicher nicht erfolgt ist. Trotzdem erklärt etht Londoner Blatt nachdrücklich, Fürst Bülow wisse ganz gimau, daß während der ganzen Marokkokrisis Frankreich niemate Hilfe gegen Deutschland verlangte und Groß­britannien niemals Hilfe anbot: man glaubte niemals, sei es in Paris, sei es in London, daß der mit Deleasses Fall beendete Streit einen Krieg herbeiführen würde. Tatsache aber ist, daß Telcasse sich eine Zeit lang in hohem Maße der persönlichen Gunlst Körrig Eduards .'wjreut hat, und es ist nicht unmöglich, daß im Gespräch König Eduard Aeußerungen getan hat, die Telcasse tat­sächlich in den Glauben versetzt haben können, der in den

Matin"-Enthüllungen zum Ausdruck gekommen ist. Be- kcmntlich hat König Eduard in einer späteren Phase der Marokkoftage unter dem Einfluß der besonnenen Ratschläge Muviers und des englischen Botschafters in Paris seinen Günstling (fallen lassen. Dessen Enthüllungen können

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