Ausgabe 
14.4.1905 Erstes Blatt
 
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89 Zweites 155. Jahrgang

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^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der U M W Bä,'Äy ti ti w*- L< VXM Vy £L

^elfisch« Landwirt" erscheint monaütch einmal. V w V

Freitag 14. April 1905

Rotationsdruck und Verlag der Brühl Ich« Unwerfttätsdruckerei. R. Lang«, Dieb«.

Redaktion. Expedition ».Druckerei: Schulstr.I, Tet. Str. 5L Lelegr^-Adr. * Anzeiger ©Ufeen.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Liehen.

Deutsches Reich.

Berlin, 13. April. Wie in $>offreifen verlautet, wird der Kaiser auf seiner Rückreise Karlsruhe, Metz und Straßburg besuchen.

DieNationcrllib. Kcn'resp." richtet an diejenigen Mitglieder der nationalliberalen Partei, die sich, wie ins­besondere der Abg. Graf Oriola, unentwegt beflissen zeigten, die Hindernisse aus dem Wege zu räumen, die leider einer schnellen Erledigung der Militär-Pen­sionsgesetze in den Weg getreten sind, die dringende Aufforderung, alles aufzubieten, um auch die letzten Wider­stände zu überwinden, die der Verabschiedung der Gesetz­entwürfe noch in dieser Frühjahrstagung erwachsen könnten.

Die Absicht, den jetzt tagenden Landtag mit einer Aenderung des preußischen L a n d t a g s w a h-l- rechts zu befassen, ist auf gegeben.

Die Stadtverordneten beschlossen einstimmig, anläßlich der Hundertjahrfeier des Todestages Schillers dem in Vorbereitung befindlichen Nordpark den Namen Schillerpark zu geben. Die Stadtverordneten beschlossen weiter eine -Reform der kommunalen Grund­steuer, so, daß sämtliche Grundstücke nach dem gemeinen Werte besteuert werden, wobei geprüft werden soll, ob nicht unbebaute Grundstücke prozentual höher zu besteuern seien. Die Versammlung lehnte einen Gegenantrag, bebaute Grund- stücke nach dem Nutzungswerte, unbebaute nach dem, ge­meinen Werte zu besteuern, ab und lehnte ferner ab einen Äusfchußantrag auf EinsühriMg einer Bauplatz st euer für an regulierten Straßen liegende unbebaute Grundstücke.

Folgende Mitteilung kommt aus Meschede, einem Städtchens Westfalens:

Vikar Schulz, der Verfasser des Buches:Was ver­langen wir front Richterstande? Eine juristische Studie in sozial- da-gogisch er Beleuchtung von Irenäus Pilatus", hat aus An­ordnung der kirchlichen Behörde seine hiesige Stellung verlassen. Vikar Schulz hatte unter bem genannten Titel ein Merkchen erscheinen lassen, in dem er sich zu der Lehre des italienischen Professors Lombroso bekennt, der bekanntlich, be- hcmvtet hat, die Ursache eines jeden Vergeh""? ^Jei in einem geistigen oder körperlichen Mangel zu suchen. Am Sonntag wurde von der Kanzel der katholischen Kirche zu Hüsten die Tendenz des Buches als nicht vereinbar mit der Glaubens- und Sitten­lehre der katholischen Kirche bezeichnet und die Vernichtung des Buches, das weite Verbreitung gefimd-n habe, gefordert."

Ausland.

Stockholm, 13. April. Das Abschiedsgesuch des Ministerpräsidenten B o st r ö m wurde im heutigen Staatsrat^b e - willigt. Staatsrat R a m st e d t wurde zum interimistischen Ministerpräsidenten ernannt.

London, 13. April. Die Stadtverwaltung beschloß ein­stimmig, für die Offiziere des französischen Geschwaders, das im Sommer nach England kommt, am 10. August einen Empfang in der Guild-Hall zu veranstalten.

Brüssel, 13. April. K ö n i g L e o p o l d, der am 9. April seinen 70. Geburtstag feierte, befand sich an diesem Tage in Venedig, in Gesellschaft der Prinzessin Clementine, was aus eine versöhnliche Stimmung zwischen ihnen schließen läßt. Der König reiste heute nach Gibraltar ab.

(Kammer.) Bei der fortgesetzten Beratung des Han­delsvertrags mit Deutschland betonten der Minister­präsident und der Minister des Aeußeren nachdrücklich die er­langten Vorteile.

Paris, 13. April. Der Spezial-Ausschuß des Parlaments hat mit vier gegen drei Stimmen die Abschaffung sämt­licher Orden und Ehrenzeichen beschlossen.

Der Minister des Aeußern D e l c a ss ö dinierte heute abend in der deu t.sch en Bo tsch a st. Außerdem nahmen am Diner teil die Minister Etienne und Chaumi6 mit ihren Frauen, sowie der russische und östreichische Botschafter. Vom Ministerium des Aeußeren waren der Kabinettschef Delaoaud und der Leiter der Preßabteilung, Botschaftssekretär de Billy, geladen. Dem in­timen Diner schloß sich kein Empfang an.

Paris, 13. April. Wie verlautet, wird Präsident Loubet den König von Spanien nach Cherbourg begleiten, wo König Alfons über das Nordgeschwader eine Flottenschau abzuhalten gedenkt. Andererseits heißt es, die Zahl, der Kriegs­schiffe, welche sich aus diesem Anlaß im Hasen befindet, werde durch eine sp a n i s ch e Fl o t t e verstärkt werden. Ferner heißt es, daß die Jacht des Königs von England mich nach Cherbourg kommt, und gleichfalls in Begleitung dieser ein Teil des englischen Geschwaders. Es werden anläßlich der Anwesenheit der drei Flotten große Festlichkeiten geplant.

DiePetit Nepubligue" erhält von einem Abgeordneten in der Komplott afs äre folgende Mitteilungen: Prinz Victor Napoleon sei nicht der wahre Prätendent, sondern die politischen Persönlichkeiten und die Finanzleute, die den Verschwörern Geld gegeben hätten, hätten darauf hingearbcitet. den Prinzen Lo u i s Bonaparte, den Bruder des Prinzen Victor, zur Regierung zu bringen. Es ist ein offenes Geheimnis, daß Prinz Louis Bona­parte am russischen! Hofe persona gratifsima ist. Der Abgeordnete schloß, indem er versicherte, er habe Gründe, versichern zu können, daß Prinz Victor nur eine nebensächliche Rolle gespielt habe, und daß die ganze Affäre zu Gunsten seines Bruders organisiert worden sei.

B u d a p e st. 13. April. Die heutige Sitzung des Abgeord- Hauses war überaus lärmend. Es kam zu erregten Szenen, welche zweimal zur Suspendierung der Sitzung führten. Abg. Eötvos erklärte in der Begründung seines gestern angemeldeten Mißbilligunasa"trages gegen Tisza und Perczel, daß letzterer für seinen Verrat eine Erhöhung seiner Pension von 8000 aus fast 16 000 Kronen erhalte. Nach dieser Eröffnung beschimpfte die Opposition Tisza und Perczel, worauf die Sitzung suspendiert wurde. Als dann später Tisza sagte, Perczel habe sich'Verdienste erworben und seine Pension sei gesetzlich, wurde der Lärm noch größer, sodaß die Sitzung wieder unter­brochen werden mußte. Nach Wiedereröffnung schloß Tisza mit einer Belobung Perczels, worauf der Lärm furchtbar wurde. Man hörte S ch i m p f w o r t e, wie Schufte, Schurken. Die Abgeordneten sprangen erregt von den Sitzen auf und schrien durcheinander. Unter größtem Lärm schloß die Sitzung. Graf Tisza teilte dem leitenden Ausschuß der liberalen Partei mit, er habe den König um schleunige Amtsenthebung des Kabinetts ersucht. Der Monarch habe sich die Entscheidung Vorbehalten.

Sofia, 13. April. Wie in hiesigen Regierungskreisen ver­sichert wird, werde Fürst Ferdinand auch dem Kaiser Franz Josef einen Besucb abstatten, um von diesem ebenfalls die Zustimmung für die Erhebung Bulgariens zum Königreich zu erlangen, wie dies bereits seitens anderer Mächte geschehen sei. ,

Konstantinopel, 13. April. Die seitens der Konsuln der Entente-Mächte in Zagoricani geführte Untersuchung über die von einer angeblich '200 Mann starken griechische Vandc be­

gangenen Greueltaten hat ergeben, daß 60 Bulgaren ge­tötet und 7 verwundet worden sind, darunter auch Frauen und Kinder. Ferner sind zehn Häuser mit Nebengebäuden nieder­gebrannt worden.

Gestern kam es auf den Höhen südwestlich von Prizren zwischen Truvven und Ljumesen, die schon seit langer Zeit ein­ander gegenüberstanden, zu einem Zusammenstöße. Der Kampf dauerte um 3 Uhr nachmittags noch fort, trotzdem die Truppen Geschützfeuer unterhalten.

Die Bewegung auf Kreta griff weiter um sich. Am 6. Avril hat eine 28 Mann starke Gmdarmerieabteilung unter dem Befehle eines italienischen Unteroffiziers in Kand'a 13 In­surgenten gefangen genommen, worauf sie von den Bewohnern der Umgegend blockiert wurden. Am Sonntag ist von Kanea aus auf dem italienischen Stationsschiffe ein kombwtertes Detachement, ca. 13 Mann Gendarmerie, 40 Italiener und Franzosen, je vier Engländer und Russen unter dem Befehle eines italimischen Haupt­mannes nach Selino zur Befreiung der eingeschlossenen ^Gendar­men abgegangen. Diese Expedition ist nach 'Kanea zurückgekehrt und bat die Gendarmerie, welche nicht mehr eingeschlossen war, sowie die gefangenen Insurgenten ohne weiteres zurückaebracht. Bei der Ankunft fanden m*ir'e Stro^"^d"mon^rat''"'nm statt.

Alts nnd

Gießen, den 14. April 1905.

** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Kandidaten des höheren Lehramts Dr. Hermann Bach zu Darmstadt zum Oberlehrer an dem Seminar für Volks- fchullehrerinnen zu Darmstadt ernannt. In den Ruhe­stand wurde versetzt der Lehrer an der Oberrealschule zu Offenbach Joseph Provence auf sein Nachsuchen unter An­erkennung seiner langjährigen treuen Dienste. Dem Diener Röder in Dorheim rourbe das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste" verliehen. Ernannt wurde der Gefangenwärter am Provinzialarresthaus in Mainz Weismantel zum Gefangenaufseher an dieser Anstalt. In den Ruhestand versetzt wurde der Weichensteller in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft Burkhardt zu Nieder-Namstadt.

L. ü. Im Monat März 1905 wurden an der Landes-Universität promoviert: Zum Dr. me d. v et.: Hans Lucks, Polizeitierarzt aus Cüsirin, Fritz P erkühn, approb. Tierarzt aus Königsberg i. Pr., Bodo Kormann, approb. Tierarzt aus Dresden. Zum 50jährigen Doktorjubiläum wurde erneuert: a) das Diplom als Doktor der Rechte: dem Notar a. D. Dr. Franz Mardner in Elt­ville und dem Rechtsanwalt Dr. Aegid Gries er in Mainz; b) das Diplom als Doktor der Philosophie: dem Geh. Schulrat Ludwig Wittmann aus Besiungen.

* Güterabfertigung. Die hiesige Güterabfertigungs­stelle versendet ein Rundschreiben an die hier besonders in Betracht kommenden Versender von Stückgütern, worin darauf hingewiesen wird, daß die in den letzten Jahren immer mehr zunehmenden Unregelmäßigkeiten im Stückgutverkehr nach den angestellten Beobachtungen fast ausschließlich auf mangel- zafte Signierung und Verpackung, sowie darauf hurückzuführen sind, daß etwa 75 Prozent der gesamten TageSauflieferung sich in den Abendstunden von 57 Uhr zufammendrängen.

** Sommererholung. Mit der nahenden Reise­zeit tritt auch der hessische gemeinnützige Verein zur Vermittelung von Land - und Kuraufenthal­ten wieder vor die Öffentlichkeit. Der Verein möchte allen, die sich in der gualvollen Wahl eines Aufenthaltsortes für die Sommererholungszeit befinden, daran erinnern, daß das Gute und Schöne oft so nahe liegt. Nicht bloß die See, die hohen Bergketten der Alpen, der sonnige Süden sind schön und reizvoll, auch unsere heimischen Berge, der Odenwald, die Bergstraße, das Neckartal, der Vogels­berg bieten dem Freund heimischer Natur und Kunst eine Fülle von 'Anregungen und Genüssen. Dabei ist die Reise kürzer, der Aufenthalt billiger, die Möglichkeit, der ganzen Familie eine Erholnngszeit zu gönnen, größer, als wenn Vater und Mutter ferne Badeorte oder fashionable Kuraufenthalte anffuchen^ Das Verzeichnis der Sommer­frischen ist schon im Drucke, und es ist demnächst unent­geltlich von der Geschäftsstelle des Vereins, Herrn Harth in Darmstadt, Wilhelmmenstraße 34, zu beziehen.

** Darf man das Nationaldenkmal auf bem Niederwald photographieren? In der Um­gebung des Nationaldenkmals auf dem Niederwald waren bekanntlich einige Schilder angebracht, laut denen die photo­graphische Aufnahme des Denkmals verboten war und zwar zu gunsten einer Firma. Der Rechtsanwalt Dr. Fleischer in Wiesbaden photographierte, wie wir in derWorms. 3tg." lesen, nun doch das Denkmal und wurde von dem Wärter wegen Uebertretung des Verbots und Beleidigung angezeigt Der Rechtsanwalt zeigte dann den Wärter wegen Mißbrauchs seiner amtlichen Befugnisse er wollte eine Konfiskation des photogr. Apparates vornehmen und sich selbst wegen oer Übertretung des Verbotes an, um eine prinzipielle Entscheidung der Frage: Darf das Nieder­walddenkmal photographiert werden oder nicht? herbeizu- führen Ohne daß Gründe angegeben werden, hat die Staats­anwaltschaft' die Strafverfolgung eingestellt. Demnach darf das Denkmal auch photographiert werden.

9 Vom Vetzberg, 12. April. Wenn neulich an an­derer Stelle darüber geklagt tourbc, baß es nach wie vor an ber Turmtreppe fehle, um ben Turm zu besteigen, so sei hier barauf hingewiesen, daß sich überhaupt unsere Ruine, die doch als Schwesterburg des Gleiberg gilt, in einer traurigen Verfassung befindet. Es sind nicht allein die wenigen Neste der Ruine, welche unsere Landschaft in Verbindung mit ber Ruine bcr Burg Gleiberg malerisch be­leben, dem gänzlichen Verfall preisgeaeben, joubern es führt auch nicht einmal von unserem Dörfchen em p a s s i e r- barer Weg zum Gipfel des Berges, von wo sich betn staunenden Wanderer ein ebenso herrlicher Rundblick bar- bietet, wie auch vom Gleiberg und dem höher gelegenen Tünsberg. ,

ck S o 11 e n , 13. Avril. Eme wegen ber zu entrichten­

den Gaszentrale bei Lanbach gestern abenb ftatb» gehabte Bürgerversammlung nahm einen Vortrag, des Oberingenieurs Hetzel entgegen. Nach bessern 'Aus-, füfirungen kann nur bamit gerechnet werben, daß bie Zen­trale in Laubach gebaut wird, wegen ber günstigen Lage. Die Schottener Einwohnerschaft kann sich jeboch n i ch t s e h p mit dem Projekt befreitnben, nicht etwa wegen des Lichtes, das ja den meisten wiMommen ist, sondemj weil man hier am Platze gern ein Werk haben möchte. Ein komischer Kauz muß ber sein, ber in letzter! Zeit wieberholt bes nachts Aepfel umher st reute. Auf ber Platte unb auch in naheliegenben Gärten wurde iviederholt biefer Spuk wahrgenommen. Ein hiesiger Bader" empfahl sich kürzlich im Kreisblattmög­lichst schmerzlos im Zahn ziehen". Schmerzlos! empfehlen kann sich jeber, aber bas Ausziehen! Die Bilber aus benFliegenben Blättern" mögen bas Inserat illustrieern.

)( Ulrichstein, 13 April. Dieser Tage starb hieK nach langem schwerem Leiden der praktische Arzt Schmitt. Mit dem Dahingeschiebenen verliert bas Komitee bes Eisen­bahnprojekts Mücke-Ulrich sie in seinen eifrigsten Vertreter. Schmitt muß mit Recht als ber eigentliche Urheber biesesl Projekts bezeichnet werben. Er brachte es zuerst auf ben Plan, war dann unermüblich für feine Ausführung tätig, scheute Weber Kosten, noch Mühe, diesem Projekte Ver­breitung unb Geltung zu verschaffen, bis eine Glieberlähm-- ung ihn ins Zimmer fesselte. Selbst währenb seiner Krankheit leitete er noch Versammlungen und widmete ber Eisenbahn» jache fein Interesse bis zu seinem Tobe.

y. Bübingen, 12. Avril. Heute fanb im hiesigen Kreisamtsgebäude bie biesjährige Sitzung bes Kreis-- tag es statt. Der Vorawchlag ber Kreiskasse schließt in Einnahme unb Ausgabe mit 276 330 Mk. Für Unterhal­tung ber Kreisstraßen ist der Betrag von 126 959 Mk. vor­gesehen. Tie Kreisumlag^n betragen 134 000 Mk. Dev Kreistag beschloß, die den Staatsbeamten nach dem Gesetz vom 24. Dez. 1902, bett, die Fürsorge für Beamte infolge von Betriebsunfällen, zustehenbe Ansprüche auch ben Kreis-^ straßenmeistern zuzuerkennen.

Darmstadt, 13. April. Nm Dienstag vormittag wird S. Königl. Hoh. Prinz Heinrich von Preußen zum Besuch am Großh. Hofe erwartet. Wie die ,D. Zig.^ schreibt, hat I. K. H. die Groß Herzogin das Protek­torat über das Diakonissenhaus Elisabethenstifk übernommen.

Frankfurt, 13. April. Gestern nachmittag um sechs Uhr stürzte ber 16 Jahre alte Maurer lehr ling Karl Äuth aus Nieder-Kahlbach bei Fulda von dem Neubau des Sencken- bergischen Museums in ber Viktoria-Allee, wo er mit Speis­aufziehen beschäftigt war, etwa 18 Meter in bie Tiefes Er erlitt einen schweren Schäbelbruch, Rippenbrüche unbi andere schwerere innere Verletzungen. In hoffnungslosem' Zustande wurde er in das Elisabeth-Krankenhaus gebrach^ wo er nach einigen Stunden seinen Verletzungen erlagt Wiesbaden, 13. April. In der dritten öffentlichen; Sitzung des 3 9. Kommun al land tage s des Regier-, ungsbezirks Wiesbaden gab Bürgermeister Varrentrapp-' Frankfurt dem Wunsche Ausdruck, der in dem vorjährigen? Verwaltungsbericht bekundete Optimismus möge sich inj allen Beziehungen als gerechtfertigt erweisen. Werm, betonte der Redner unter vielfacher Zustimmung, die ^An­erkennung, die nach dem Bericht unsere Chausseen bei dem Gorbon-Bennett-Rennen gefunben haben, etwa zur Folge haben sollte, baß wir noch einmal mit diesem Unter* nehmen beglückt werden, io wolle man lieber auf diese- Anerkennung verzichten. Der Kommunallandtag Hatz beschlossen, gelegentlich ber Kaisermanöver emi Bankett zu veranstalten unb bazu ben Kaiser einzu* laben.

2. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

Gießen, ben 11. April 1905. Protokoll-Aus zug.

Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsitzender. Kommerzienrat Heichelheim, stellvertretender Vorsitzender, Balser,' Grünewald, Hoos, Jhrinq, Noivack, Rinn, Röhr, Kommerzienrat! Schirmer, Stammler, Steinecke, Wallach, Zürbachs sowie ber Syndikus Dr. Knipper und Regiernngsassessor Dr. Fink.

Vor Eintritt in bie Tagesordnung gedenkt der Herr Vorsitzende de? schweren Verlustes, der die Handelskammer durch das H in-- scheiden ihres langjährigen Mitgliedes, des Herrn A. K a tz - Gießen betroffen hat. Der Verstorbene hat beinahe 25 Jahre lang: der Handelskammer als Mitglied angehört und sich durch feinet rege und umsichtige Tätigkeit sehr viele Verdienste um die Förde-, ritng der Interessen von Handel und Industrie des Kammers bezirkes erworben. Zu Ehren bes Verstorbenen erheben sich bie* 1 Anwesenden von ihren Plätzen.

1. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mitzuteilen:

a) Der von der Königl. Eisenbahndirektion zu Frankfurt a. M. aufgestellte Vorentwurf des Sommerfahrplans enthielt namentlich für die Linie GießenFulda eine Reihe wichtiger Verkehrsverbesserungen, so ins­besondere die Ersetzung des gemischten Zuges 7523 Gießen - Salzschlirf (Gießen ab 4.50 Uhr morgens) durch einen Personenzug GießenFulda, der erst 5 50 Uhr vor­mittags aus Gießen abfahren und in Fulda Anschlüsse nach Bebra und Frankfurt a. M. erhalten sollte und ferner die Einlegung eines neuen beschleunigten Personen­zuges FuldaGießen (Gießen an 7.41 Uhr abends). In dem folgenden ©ntrourfe sind diese Verbesserungen wieder fallen gelassen worden, obwohl ein dringendes all­gemeines Bednrstns für jene Zugverbindungen besteht. Die Handelskammer hat die Königl. Etsendahndirektion Frankfurt a. 9)L ersucht, die ursprünglich geplanten Zugverbesserungen wieder aufzunehmen und sie schon im Sommer'ahrplan zur Ausfühnmg zu bringen. Da auch der zweite Entwurf diese Aenderung nicht mehr enthielt,^ so wird die Handelskammer den preußischen Herrw Minister der öffentlichen Arbeiten und das hessische^ Ministerium der Finanzen bitten, die zuerst geplanten. Verkehrsverbesserungen auf der Strecke GießenFuld» bestehen zu lassen.

b) Die Handelskammer hat ferner bei der Königl. Eisen- bahndirektion Frankfurt a. M. die Herstellung eines direkten Anschlusses zwischen den Zügen 1123 Laubus-: eschbachWeilburg und 403 Loblenz-Gi-ßen (Giehew^