Ausgabe 
13.7.1905 Zweites Blatt
 
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Die Dienst- und Besoldungs-Verhältnisse der Staatsbeamten.

Die Vorstände hessischer Beamtcnvereine haben den beiden Kammern und dem Großy. Ministerium eine Petition übersandt, zu der in erster Linie der Gesetzentwurf die Dienst­verhältnisse der Staatsbeamten betr. vom 27. Ium 1903 Anlas; gibt. .

Art. 3 dieses Gesetzentwurfes bestimmt, daß icder Beamte mit Ausnahme der Richter und der diesen gleichgestellten Beam­ten ohne seine Zustimmung gegen Vergütung von Umzugskosten! auf ein anderes seiner Berufsbildung entsprechendes Amt ver­setzt werden kann, wenn mit der Versetzung weder eine Zurück­setzung im Rang, noch eine Kürzung des pensionsfähigen Dicnst- einkommens eintritt. Wenn, so führt nun die Petition aus, richterliche Beamte nur ausnahmsweise und unter besonderen Formen wider ihren Willen versetzt werden können, so treffen, die wesentlichen Gründe hierfür auch bei den übrigen höhe­ren Beamten zu. Dazu kommt, daß unter Umständen die Ver­setzung einen Beamten viel härter treffen kann wie die Jnrmye- standsversetzung. Umgibt nun der Gesetzentwurf diese unter Aus­hebung des Artikels'13 des Dekrets vom 12. April 1820 mit besonderen Vorsichtsmaßregeln, so erscheint es als tut wvyl- berechtigter Wunsch, auch dir Versetzung unter ähnliche Vorsichts­maßregeln gestellt zu sehen. Auch möchte cs sich empfehlen, me sreigewordenen Stellen in weiterem Umfang, als es bisher geschah, zur Reiibcsetzung auszuschreiben.

Nach Art. 5 hat der Beamte alle ihm erteilten, ferner Diensb. stellung entsprechenden Nebenaufträge nach Maßgabe der Gesetze, Verordnungen und Dienstvorschriften gewissenhaft mahrzmrehmen.

Da die Frage, welche Nebenausträge der dienstlichen SteU- ung eines Beamten entsprechen, leicht innerhalb der verschiedenen Zweige der Staatsverwaltung verschieden beantwortet werden kann, so bitten die Vereinigungen, auch hier im Zweifelsfall auf Anrufung des Beamten die kollegialische Beschlußfassung des Staatsmiiristeriums eintreten zu lassen.

Art. l b lautet: Ein Beamter, welcher a\ daS 65. Lebens­jahr vollendet und eine pensivnsfähige Dienstzeit von 40 Jahren zurückgelegt hat, oder b> das 70. Lebensjahr vollendet hat, kann seine Versctzuiig in den Ruhestand beanspruchen. Dies« Bestimmung enthält eine Einschränkung der durch den Art. 7, des Gesetzes vom 27. November 1874 gewährten Vergünstigung, nach einer bestimmten Anzahl pensionsfähiger Dienstjahrej ohne Rücksi^'t auf das erreichte Lebensalter die Versetzung hi den Ruhestand beanspruchen zu fönnen. Da es Beamtenkörper von vielen .Hunderten von Gliedern gibt, von denen kaum eines daS 65. Lebensjahr überschritten hat, so besteht nach Ansicht des Pe­tenten kein Grund, den Uebertritt in den Ruhestand zu erschweren. Vor allem aber würde die Forderung unter a) zu unbilligen Un­gleichheiten unter Beamter; desselben Dienstzweiges führen, da von zwei Beamten desselben ^-.Maliers nunmehr der eine unter

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Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Donnerstag 13. Juli 1905

Grschetut togHQ mit vuSnahrn» be» Sonntag».

Die .Stetzrner SamtHenblätttr* werden dem ^Anzeige, viermal wöchenllich betgelegt Der dtzeistjchH KoflöeUr ersehetnl monatlich einmal

Eichener Anzeiger

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Personenverkehr günstig weiterentlvickelt. Es wurden im Jahre 1904 fast 229 000 Personen befördert, und die Bahn erzielte einen Ueberfchnß von beinah: 46 000 Mk. Was diese Zahl bedeutet, erkennt man erst recht, wenn man bedenkt, daß die Allgemeine Deutsche Meinbahngesellschaft in Berlin, der die Biebertalbahn gehört, bei 9000 Mk. Vor­trag cntS dem Vorjahre 206 922 Mk. Reingewinn erzielte und hieraus 2 Proz. Dividende auf ihr 9060 Millionen Mk. betragendes Aktienkapital bezahlen konnte.

Absatzgebiet verloren. .

Uebrigens sei hier erwähnt, daß die Brebertal- bahn im letzten Jahre wieder ein zufriedenstellendes Er­gebnis hatte. Wenn auch der Güterverkehr mit 71,4000 Tonnen etwas zurückgegcmgen ist, so hat sich doch der

Auch auf dem Gebiete des Güterverkehrs ist die Handels kämm er für verschiedene Erleichterungen ein ge­treten, hauptsächlich im Interesse des Erzbergbaues, der Stein- und Hüttenindustrie. Lllle diese Ge­schäftszweige Oberhessens leiden unter den hohen Eisen- bahnfrachtcn, die Erze und die Basaltsteiue für den Versand, die Hochofenindustrie unter den teuren Kohlenfrachten. Die Erzgruben und Basaltsteinbrüche liegen zu weit entfernt von den Hauptabsatzgebieten, die Hochofen in dnstrie von dem Ruhrkohlengebiet. Wenn auch die oberhessischen Erze Aus­nahmetarife besitzen, so genügen diese, namentlich für die Braunerscnstcingruben des VogelSbergcs, noch nicht, um ihnen eine einigermaßen annehmbare Preisbildung und weiteres Msatzgebiet zu erschließen. Die Handelskammer hat vergeblich versucht, durch Einbeziehung von Frankfurt am Main in den Ausnahmetarif für Erze diesen die Be­nutzung des billigen Wasserweges ab Frankfurt zu ermög­lichen/ Die Hutten des Sieg-, Dill- und Lahngebietes haben endlich anfangs dieses Jahres einen billigeren Tarif für ihre Brennstoffe erhalten, doch ist dieser Tarif so abgcstuft worden, daß die vom Ruhrgebiet am weitesten, ent­fernten Hütten, insbesondere diejenige zu Lollar, die ge­ringste Ermäßigung bekommen haben, obwohl sie mit den teuersten Kohlen- und Koksfrachten zu rechnen haben. Hoffentlich bleiben die Bemühungen der hiesigen, der Wetz­larer und der benachbarten Handelskammern zur Auf­hebung dieser diffcrenziellcn Behandlung nicht erfolglos. Für den obcrhessischcn Erzbergbau, besonders denjenigen bei Gießen, würde die Schiffbarmachung der Lahn bis Gießen von der größten Bedeutung sein. Die Handels­kammer hat bekanntlich vor einiger Zeit eine Denkschrift über die wirtschaftliche Bedeutung der Lahnkanalisation für Oberhessen heransgegebcn. Diese liegt jetzt dem hessischen Finanzministerium zur Prüfung vor.

Won sonstigen Gebieten des Verkehrswesens,, auf denen sich die Handelskammer im letzten Jähre betätigt hat, sei hier nur noch das Fernsprechwesen genannt. Auf Antrag der Handelskammer sind die Sprechbereiche von Gießen, Alsfeld, Lauterbach, Schlitz, Mtenschlirf wesentlich erweitert worden. Außerdem ist es den Bemühungen der Handelskammer gelungen, daß endlich zwischen Gießen und Frankfurt a. M. noch eine zweite Fernsprech­leitung gebaut worden ist, da die eine Leitung vollständig überlastet war. Die vvrgefchlcvgene Herstellung einer direkten Fernsprechleitung zwischen Gießen und Köln ist zwar nicht erfolgt, doch soll eine Werb e sse run g d er L e i t u n g s- Verbindung mit dem Rheinland für das Jahr 1906 angestrebt werden.

Pas Verkehrswesen (m Jahresbericht der Kießener Handelskammer.

Die günstige Lage von Gießen im Schnittpunkt mehrerer wichtiger Eisenbahnlinien bedingt es, daß das Verkehrswesen und seine Verbefferung von jeher einen wichtigen Anteil an der Tätigkeit der Gießener Handelskammer genommen hat. Auch im Jahre 1904 ist die Handelskammer wieder für eine Reihe von VerkehrSverbefferungen eingetreten. So wurden auf ihre Anregung hin in Gießen, Marburg, Ge- münden, Hagen neue oder bessere Anschlüsse her- gestellt, während andere Anträge auf Vermittlung von Zug­übergängen in Mücke, Gemünden, Fulda noch der Erfüllung harren. Die Bemühungen zur Verbefferung des Fahrplans auf der Gelnhäuser Linie führte im Sommer vorigen Jahres zur Einlegung eines neuen Personen- zuges, der um die Mittagszeit in Gießen eintrifft. Da­gegen hat sich die Hoffnung auf eine durchgreifende Ver­besserung de§ Fahrplans auf der Strecke Gießen-Fulda noch nicht erfüllt. Die von der Eisenbahndirektion für den jetzigen Sommerfahrplan geplanten beiden neuen Personen- züqe auf dieser Linie sind bekanntlich vom preußischen Eisen­bahnminister vorerst abgelehnt worden. Gemeinsam mit der Handelskammer Trier ist die hiesige Kammer für eine Verbefferung der Schnellzugverbindungen Berlin- Metz über Kassel-Gießen eingetreten, mit dem Er­folge, daß in diesem Sommer auf dieser Strecke zwei Nacht- Schnellzüge hergestellk wurden, deren Schnelligkeit annähernd denen der Linien Metz-Frankfurt-Bebra-Berlin und Metz- Köln-Berlin gleichkommt. Dagegen sind die Tagesverbind­ungen Bcrlin-Gießen-Metz und umgekehrt noch immer recht ungünstig. Vielleicht ließe sich eine bessere Tagesverbindunq mit Berlin und Mitteldeutschland durch Einlegung eines

Schnellzugpaares auf der Fuldaer Strecke zum Anschluß an die durch schnelle Züge ausgezeichnete Strecke Frankfurt-Bebra Herstellen; die Aussicht auf eine solche Ver- kehrSverbefferung ist allerdings vorerst noch gering, da die Eisenbahndirektion erst jüngst sich gegen die Einlegung von Schnellzügen auf der Fuldaer Strecke erklärt hat. Auf der Gießen-Kölner Strecke ist in diesem Sommer endlich daS zweite Schnellzugpaar eingestellt worden, daS schon seit Jahren von der hiesigen Kammer befürwortet wurde.

Wenn hiernach im Jntereffe deS Handelskammerbezirks nne Reihe von VerkehrSverbefferungen auf den vorhandenen Eisenbahnlinien eingeführt worden ist, so macht sich doch auch andererseits fortgesetzt daS Bedürfnis nach Erbauung neuer Bahnen geltend, die in erster Linie dem Lokal- oerkehr dienen sollen, z. Zt. aber auch für den durchgehenden Verkehr in Betracht kommen können. Insbesondere wird die wirtschaftliche Erschließung des nördlichen Teiles des Vogels­berges durch eine Eisenbahn stets aufs neue in Vorschlag gebracht. Die Bevölkerung des Vogelsberges weist seit langer Zeit eine Verminderung auf, und e§ ist in der Tat zu wünschen, daß nach dem Scheitern deS GeneralkulturplaneS im Jntereffe der Landesmelioration wenigstens eine ge­eignete Bahnverbindung hergestellt werden möchte. In Be­tracht kommen hier bekanntlich die drei Bahnprojekte: Als­feldUlrichsteinSchotten, MückeUlrichstein- Rixfeld und Ehringshausen Großfelda. Der Jahresbericht der Handelskammer sieht davon ab, daS eine oder andere Projekt zu befürworten, wahrscheinlich weil die Interessen des Kammerbezirks hierin stark auSeinandergehen. In Alsfeld wird mit großer Rührigkeit für das Projekt Als­feldUlrichsteinSchotten gearbeitet, während die Regierung, wie es den Anschein hat, dem Projekt MückeUlrichstein sympathisch gegenübersteht, ohne jedoch diese Linie, wie verlangt wird, auf eigene Kosten zu bauen. Die Gießener Stadt­verordnetenversammlung hat eS bekanntlich leider vor einiger Zeit abgelehnt, zu Gunsten dieses Projekts irgend welche Schritte zu tun, obwohl feine Verwirklichung der Gießener Ge­schäftswelt zu Gute kommen würde. Der Handelskammerbericht weist dann noch darauf hin, daß in der letzten Zeit mehrfach Nebenbahnen gebaut worden seien, deren Wirkung nicht in letzter Linie darin besteht, einzelnen Plätzen des Kammerbezirks, insbesondere der Stadt Gießen, einen Teil ihres seitherigen Absatzgebietes zu entziehen. Ge­dacht ist hier wohl an die Linie HerbornNiederwalgern, die den Verkehr deS Hinterlandes nach Marburg lenkte, ferner an die Linien Butzbach-Lich mit ber geplanten Fort­setzung nach Grünberg, Marburg, Dreihausen mit der vor- geschlagenen Fortsetzung nach Mücke u. a. Der Handels­kammerbericht erblickt in diesen Rahnen eine Schädigung mancher Interessen des hiesigen Bezirks und gibt der Er­wartung Ausdruck, daß durch die Erbauung der Limen Gießen-Brandoberndors und der Fortsetzung der Biebertalbahn über Bieber hinaus bis zur Linie Herborn- Niederwalgern wenigstens die dortigen Absatzgebiete dem hiesigen Handel erhalten bleiben. Da die Lime Gießen- Brandoberndorf, wie der Bericht an anderer Stelle ausführt, nicht auf Staatskosten gebaut werden soll, so wird man wohl an eine Privatbahn denken müssen. Hier stehen sich die Interessen von Gießen und vielen Orten des Kreises Wetzlar mit denen von Wetzlar und Butzbach gegenüber, die bekanntlich eine direkte Bahnverbindung zwischen Butzbach und Wetzlar als Glied der schon lange erstrebten direkten Verbindungs­linie Frankfurt-Westfalen wünschen. Daß die Biebertalbahn bis jetzt nur eine Stichbahn bis Biber ist, ist sehr bedauerlich. Wird von Wetzlar aus die schon oft vorgeschlagene Bahn auch dem Hinterlande gebaut, dann geht Gießen auch jenes

Gießen, 13. Juli 1905.

** Personalien. S .< H. der Großherzog haben dem Pfarrvikar Vogel zu Wallenrod die evangelische Pfarr­stelle zu Ober-LaiS, Dekanat Nidda, übertragen. Am 7. Juli wurde der Schreibgehilfe Schütz aus Butzbach zum Steuerkolnmiffariatsgehilfen bei dem Steuerkommissariat Ost­hofen ernannt. Der am 28. Juni durch die Stadt- verordneten-Versammlung zu Mainz erfolgten Wahl des Bankiers Dr. Bamberger zu Mainz zum Bürgermeisterei- Beigeordneten der Proviyzialhauptstadt Mainz wurde die Bestätigung erteilt.

** Provinzial-Ausschnß-Sitzung. Am Mitt­woch, den 19. d. Mts., vormittags x/29 Uhr beginnend, findet eine Sitzung des Provinzial-AuSschusses der Provinz Ober- Hessen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Enteignung von Gelände zur Herstellung einer Straße längs den Gebäuden des neuen veterinär-medizinischen Instituts in Gießen; hier Ausspruch der Enteignung. 2. Verbreit terung der Mar barg er straffe; hier Enteignung von Gelände. 3. Gesuch des Wilhelm Maar II. zu Homberg a. Ohm um Erteilung eines Wandergewerbescheins.

** In der Reisezeit! In den Schaufenstern findet zurzeit am meisten bas Beachtung, was an die Reisesaison mahnt. Reisegarderobe, Reisenecessaires, Reisekoffer und sonstige Reiseutensilien werden gesucht; ebenso Reisehand­bücher (die vortrefflichen Führer von Meyer, Grieben, Wörl usw.), denn ohne solche kein rechter Reisegenuß. Dann die Kürsbücher, ohne die man nicht prompt abdampfen kann und die manchem viel Kopfzerbrechen machen, wenn es gilt, aus den endlosen Ziffernreihen die richtige Tour zu­sammenzustellen. Eine wichtige Frage aber bleibt immer die: Wohin reifen wir? Ist das Gebirge, das Tal oder die See vorzuziehen, oder macht man eine Rundreise? Daß man beim Reisen merkwürdigerweise die Schönheiten der Natur meistens außerhalb des eigenen Vaterlandes auffucht und bewundert, das dürste wohl in der Natur des Menschen begründet sein, die vor allem das Fremde reizvoll findet, aber selten das, waS am nächsten liegt. Und wenn wir dann uns reisemäßig ausgerüstet und unser Bündel ge­schnürt haben, dann kann die herrliche, die köstliche Zeit des Reisens und Wanderns beginnen. Welche innige und sinnige Poesie in diesem Herumschwärmen in der Natur, die in ewig frischer Schöne zu uns spricht! Das freude­trunkene Auge siebt die köstlichen Matten, die goldigen Aehrenfelder und die Tiefen des schattigen, rauschenden Waldes Es schaut die unendliche wogende See, blickt über die Höhen des Vogelsberges und des Odenwaldes, des Taunus und des Rheins, oder blickt hinauf zu den starren Felsenhöheu oder gewaltigen Eisriesen. ?lll diese Fülle von Genüssen soll uns die Reisesaison erschließen. Glück­liche Reise! £ K .

**Soho t's i m g a n z e L e w e n e t g e h a a ße! Im Städtchen X. hat der Gesangverein Fahnenweihe.

ernn sich, so Hofs im ganze Lewe net gehaatze!"

Bad-N anheim, 11. Juli. Ein neuer Fremden­führer von Bad-Nauheim ist im Verlage der Verkehrs- Kommission erschienen. DaS Werkchen enthält eine Zusammen- Üellung alles dessen, was den Nauheim besuchenden Frem- den interessiert über Kurmittel, Bäder, Wohnung, Ver­pflegung, Unterhaltungen usw. Ein Plan erhöht das Ver­ständnis für die Topographie des Bades. Der Fremden­führer wird vom Verkehrs-Bureau auf Wunsch kostenlos versandt.

x Endbach, 12. Juli. Der hiesige Kriegerverein gedenkt am 13. und 14. August d. Js. ein Kriegerfest mit Fahnenweihe zu feiern. Als der Verein im Jahre 1902 auf Anregung des Landrats von Heimburg gegründet wurde, trug sich der Verein gleich mit dem Gedanken, nach dreijährigem Bestehen eine Fahne anzuschaffen. Der Verein hat am 2. Juni d. I. sein dreijähriges Stiftungsfest begangen.

sd Darmstadt, 12. Juli. Erschossen hat sich der Unteroffizier Hammel von bet 5. Eskabron bes Dragoner- Regiments Nr. 24, anscheinenb wegen ihm zur Last gelegter Unregelmäßigkeiten.

Die Homburg-Wiesbabener Bahn. Bei bei sogenannten Bäderbahn handelt es sich, so schreibt die Kl. Pr., nicht um eine einzelne Vetbindungsstrecke zwischen der Taunusbahn und der Frankfurt-Homburger Bahn, sondern um drei kleine Bahnlinien. Die erste zweigt von der Homburger Bahn nahe bei der Rödelheimer Niddabtücke ab und zieht in einem nach Nordwesten offenen Bogen an dem Griesheimer Wafferturm vorüber durch den Nieder Wald« nach der Taunusbahn. Sic soll hauptsächlich dem Personen­verkehr dienen. Von dieser ersten und eigentlichen Ver­bindungsstrecke zweigt in der Nähe des Nömerhofes eine zweite Linie ab mit nach Nordosten geöffnetem Bogen; sie mündet in der Nähe des Nebstöcker Hofes gleichfalls in die Taunus- bahn. Die Strecke ist für den Güterverkehr bestimmt, da die Hauptlinie der Homburger Bahn entlastet werden muß. Als dritte Linie hat man eine Parallelstrecke zur Homburger Bahn gebaut, die von der Rödelheimer Niddabrücke bis zum Biegwald zieht. Auf diese Strecke soll das Geleise der Hom­burger Bahn übertragen werden. Der Umbau war nötig, um eine scharfe Kurve hinter der Niddabrücke abzuschwächen. Die Dämme der Bahn sind fertig; jedoch verkehren auf der Homburger Strecke noch fortwährend Kieszüge, die Material berbeischaffen zur Ausfüllung des Niddatales bei Röbelheim. Die Uebergabe der Bahn erfolgt am 31. Augäst.

Schon Wochen vorher hat der Lehrer des Ortes dem Präsi­denten die Festrede ausgearbeitet und eingepaukt. Der große Augenblick nabt. Eine'Menge Festteilnehmer hat sich imt die Rednerbühne geschart. Vorn die Ehrenmitglieder mit der neuen Fahne, die Ehrenjungfrauen und bann im weiten Umkreis bie auswärtigen Vereine und bie gesamte Ein­wohnerschaft. Lautlose Stille. Erwartungsvolle Blicke. Der Herr Vorsitzende hebt jetzt mit Stentorstimme an:Hoch­geehrte Festgenosse, liebe Gäste!" Da stockt er schoni er hat schon den Faden verloren und er brummt vor sich hin:Des Gewitter noch ernol, wie hot's jetzt aach noch gehaaffe? Gestern haw ich doch noch alles so gut gewißt!" Der Lehrer, der die heikle Lage erfaßt, hat sich an den Präsidenten herangeschlichen und raunt ihm einige passende Worte aus dem Stegreif zu. FlugZ neigt ber Redner sein Haupt nach der Stelle, woher die rettende Stimme ertönt; aber er bleibt stumm. Der Lehrer wiederholt feün Vorsagen etwas lauter. Der wackere Vorsitzende schüttelt das Haupt mnb ruft laut und erregt:Na, na, Herr Liehrer, Sie