Montag 13* Ttzsbrrrar 1905
155. Jahrgang
Nr. 37
Zweites Blatt
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehrn.
fZMBS
Rotationsdruck and Verlag der Brühl Ich« UnwerfttLtSdruckerei. UL Sange. Gießen.
Redaktion. Expedition n. Druckerei. Schulstr. L, Lei. Nr 6L Xelegt.-gibt, i An-eig« Gietzen.
es entschieden ab, wieder zu kandidieren. Auch alle früheren Gouvernements-, Kreis- und Adelsmarschälle, die danach in Vorschlag gebracht wurden, lehnten es ab, dem Beispiele Trubetzkois folgend, sich für den Poften wählen zu lasten. Da Trubctzkoi nicht zu einer Aendenmg seines Entschlusses zu belvegen war, und die Wahl infolgedessen nicht zustande kam, bleibt Trubetzkoi vorläufig bis zur erfolgten Neuwahl im Amte. Die Negierung will zwar von einer Konstitution nichts wissen, aber doch einige Reformen einführen, die indes an der Autokratie nichts ändern. U. a. ist eine Preß- und Zensurreform geplant, ferner soll eine Arbeiterversicherung ausgearbeitet werden. Es fragt sich nur, ob sich das Volk mit diesen Brocken abspeisen läßt. Vorläufig scheint es nicht der Fall. Denn die Proteste gegen die Selbstherrschaft nehmen in allen Teilen der Bevölkerung wieder zu. Die Zarin, so heißt es, arbeitet im Stillen für zeitgemäße Umänderungen und gewann auch den früheren Thronfolger Michael Alexandrowitsch dafür. Interessant ist, daß, als auf den Petersburger Putilowwerken 110 Agitatoren entfernt werden sollten, es sich zeigte, daß die Hälfte tot war.
Auch aus dem Kriegsschauplätze will für Rußland die Lage nicht bester werden. Japan hat vier Schlachtschiffe nach dem Muster der neuesten britischen Schiffe in Bestellung gegeben und auch Geschütze im Werte von 500 000 Pfund Sterling in England bestellt. Wenn das Wetter milder wird, wird die tatsächliche Belagerung Wladiwostoks das Hauptziel der Japaner sein. Man glaubt, Admiral Kamimura werde sich bemühen, sobald wieder eine Schlacht am Schaho im Gange ist, die Landverbindunqen Wladi- ivostoks abzrrschneiden. Die Baikalbahn ist nicht befahrbar, die Bahn zwischen Mnkden und Chardin unterbrochen, Zwistigkeiten Kuropatkins mit seinen Generälen erhöhen die Gefähr- lichkeit der Situation. Die Nachricht, daß Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch als Feldmarschall auf den Kriegsschauplatz ent-, sendet werden soll, bestätigt sich nicht. Nach einer Depesche aus Port Louis auf Mauritius soll es auch zwischen dem Admiral Roschdjestwenski und den Führern der bie. Flotte begleitenden fremden Kohlenschiffe zu Streitigketten gekommen sein. Letztere wollen nicht mehr weiter mttgehen. Es ist ein wahres Kreuz, das Rußland sich mit dem Kriege aufgeladen hat; aber immer noch weift der Zar den Frieden weit von sich, ja, er entsendet ein neues Armeekorps nach der Mandschurei und eine neue Armada aus Libau, Japan zu züchtigen. Ec will nun einmal siegen und seinen Willen durchsetzen. __
Deutscher Reichstag.
139. Sitzung vom 11. Februar 1 Uhr.
Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der ersten Sb* ratung der Handelsverträge. _ .
Abg. Grcri R e v c n t l o w (Arttis.) führt aus, der Abg. Gothem beschäftige sich mit einer Aeußerung des Fürsten Bismarck zu Herrn Giers. Herr Gothein habe diese Aeußerung überhaupt nicht verstanden. Redner polemisiert unter Beifallskundgebungen der Rechten weiter gegen Gothein und geht dann auf Einzelheiten der Verträge ein. Des weiteren verteidigt Redner die Haltungt des Bundes der Landwirte. Ob seine Freunde bie Verträge ablehnen oder amiehm.n werden, könne er heute noch nicht sagen. Tas hänge von den Aufschlüssen in der Kommission ab.
Abg. Zimmermann (Antis.) begrüßt die Handelsvertrags namens se'ner Freunde mit Genugtuung. Seine Freunde \exeu angen hm üb errafft von der entschiedenen Abkehr von der Caprwi- schen Politik. Eittschieden gebrochen werden müsse mit dem System der Meistbegünstigung gegenüber den Nichtvertragsstaaten, besonders dm Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber.
Abg. Speck (Ztr.) erklärt, die Handelsverträge hätten doch nicht alles erfüllt, was seine Partei von dem Zolltarrf erwartet hatte. Redner bemängelt sodann die Vorlage nach verschiedmtlichen Richtungen hin vom süddeutschen Standpunkte. Eine ausdrucklE Auskunft sei nötig darüber, ob nach dem Vertrage mit Oesterreich- Ungarn die Kvmvotenz des Schiedsgerichtes sich etwa auch erstrecken sollte auf die Bestimmungen über Unterscheidung von Brau- und Futtergerste! Weiter müsse in der Kommission unter allen umständen klargestellt werden, wie in dem Vertrag mit Oesterreich- Ungarn ber Begriff „öst.-ung. Geweröeerzeugnisse uuszulegen fei. Vor der (ÄlediMng der Handelsverträge müsse ledenwW die Frage des Meistbegünß ignngsrcchts der Vertragsstaaten gründlich geregelt werden. Endlich wendet sich der er noch gegen die Ausführungen Gotheins, Bernsteins und Kampfs. Zum Schutz bestreitet Redner, daß die Verträge nur als ^uzes ^genommen aber nicht abgeändert werden könnten. Seme süddeutschen Freunva könnten die Verträge jedenfalls uur ärmeren, wenn Garantie gegeben werde, daß der 4 Mk.-Gerstenzoll mich wirklich in dieser Höhe auf alle Braugerste zur Anwendung komme und zweitens, wenn die Interessen der KlemmMerei gewahrt würdem
Bayer. Minister Frhr. v. Feilitzsch weist den Vorwurf des Vorredners zurück, als ob die .bayerische R^erimg nich genug für die Interessen der bäuerischen Landwirtschaft emge- treten sei. Was zu erreichen gewesen sei, das sei erreicht wordnn Ebenso wie die bayerische Regierung, ebenso hatten alle anderen Bundesstaaten im Bundesrat den Handelsverträgen zugestimmt. Ter Minist-r <M dann noch auf EinzeA^en »in. T^ayens^ R-air-ng werde dafür sorg-n. daß di- Einfuhr m die Schlachtyöse nickst über das örtli^e Bedürfnis hinaus erfolge.
'?lbg. Singer (Soz.) erklärt, aus der gefrrtgot Aeußerung M Staatssekretärs, die Bewegung für euren erhöhten ZolMutz s-i F-'iv künstliche, sondern eine so allgemeine in Nord und SW gewesen, daß die Negierungen hätten nachgcben müssen, ^lsthervor, daß die R-gierung bert agrar,scheu Wünlcken nicht aus wirklicher Ncberzeugi'ng von der Notlage der Landwirtschaft nachgegeben hat,
politischen atoifWen. Tie hohen Getreide,°N- kommen hauptsächlich nur den Großgrundbesitzern zu gute, den Nemeii Bauern dagegen gar nicht. Durch Z)lle, Viehseuchen und Fleisch.besch-Mchrstimmungen sorge man dafür, daß müglv« überhaupt kein Vieh und Fleisch mehr nach Deutschland herem-
Staatssekretär Posadowsky erwidert dem Abg- der die Art ''fcmäugdt l>atte, wie er, der StaatSsttt etar, JtO) gestern über die berechtigten Fordenmgen der §andw,rtf»att aus- fltforoten. Er W d« politisches Inters
interesfe. Ter ^taat bat allerdings em politisches pntcreffe, die. berechtigten Förderinnen der verschiedenen Klasten der Bevölkermtzg LaWl-n. r« ÄA Sp«k hat gemeint, der Reuh-t^ habe das Reürt, die Handelsverträge abznänoern. Das \ex an
zutage. „ .
In fünf Tagen hat das preußische Abgeord-l netenhaus die zweite und dritte Lesung der Kanal- Vorlage erledigt und die große 'wasserwirtschaftliche Vorlage endgilttg angenommen. Tie Mehrheit betrug über hundert Stimmen, ein Resultat, wie es sich die Regierung nicht erfteulicher wünschen konnte. Damit scheidet aus der Diskussion der nächsten Jahre ein Gegenstand aus, der seit 1893 und früher die Gemüter in dauernder Erregung gehalten hat. Am Donnerstag wandte sich das Abgeordnetenhaus der Beratung des Etats der Hande l s - und Gewerbe Verwaltung zu. Hierbei setzte dre übliche allgemeine Debatte über Handwerkerforderungen und Mittelstandspolitik ein. Minister Möller erklärte, daß er seine Versprechungen betreffs der in Aussicht gestellten Berggejetznovelle prompt erfüllen werde. Er erklärte, daß in der heute begonnenen Woche die Novelle zum Berggesetz vorgeiegt werden könne. Ferner müßte vor allem auch eine Abänderung des § 65 des Berggesetzes im Hinblick auf die Stillegung der Zechen vorgenommen werden, ebenso eine Neuordnung der Arbeitsverhältnisse. Er, der Minister, halte es für seine dringende Ausgabe noch in dieser Session ein Gesetz einzubringen über die Abänderung der Knappschaftskassen.
Im R u h r r e v i e r hat sich am Ende der letzten Woche der große Umschwung doch vollzogen. Auf die Ankündigung der Berggesetznovelle hin und mit Rücksicht auf die wiederholten Versprechungen der Minister Möller und sPosa- dowsky ließen die Bergarbeiter einen Teil ihrer Forderungen fallen und wandten sich zum zweiten Male an das Syndikat, um mit ihm in Verhandlung über die Wünsche der Arbeiterschaft einzutreten. Das Syndikat lehnte zürn zweiten Male ab. Nun trat die Siebenerkommission unter Beiseiteschiebung der Besitzer direkt mit dem Reichskanzler in Verbindung, der den Arbeitest seine Unterstützung zusagte für den'Fall, daß sie ?rst die Arbeit wieder aufnähmen und so den Vorwurf des Vertragsbruches aus der Welt | schafften. Auf diesen reichskanzlerischen Wunsch gingen I die Arbeiter ein. Sie beschlossen am Donnerstag mittag in einer großen Delegiertenkonferenz die Wiederaufnahme der Arbeit. Da aber viele Zechenverwaltungen oie am Streik beteiligten Arbeiter nicht wieder einstellen wollten, nahm der Ausstand in verschiedenen Orten seinen Fortgang. Eine am Samstag in Bochum äbgehaltene Sitzung der Siebenerkommission beschloß trotzdem, bei dem Beschluß der Telegierten-Konserenz, die Arbeit wieder aufzunehmen, zu beharren. Wo Lohnreduktionen und Maßregelungen stattfinden, soll der Kommission sofort Bericht erstattet werden. Die Gemaßregelten sollen sich bei ihren Organisationsvorständen melden, um Unterstützung zu erhalten. Weiter beschloß die Kommission, dre Regierung zu ersuchen, dahin zu wirken, daß den ^Bergleuten keine Schwierigkeiten bereitet werden,, wenn sie dre Arbeit wieder aufnehmen wollen. — Die düei Regierungs^- Präsidenten sind im Revier eingetroffen, um ber der Regelung der Verhältnisse mitzuwirken. Unter den Berg- leu len herrscht die größte Erregung, da von allen Seiten neue Maßregelungen von Bergarbeiter gemeldet
LoIUu siüon über, 11000 Arbeiter aus den
Belegschaftslisten gesttichieu worden sein. Man sieht mit Sorge der nächsten Zukunft entgegew — Auf den meisten Zechen in den Dortmunder Revieren fuhr am Samstag fast die ganze Belegschaft an, soweit schon Doppelschichten eingerichtet sind. Heute soll auf allen Zechen in der Dortmunder Gegend gearbeitet werden. Dort^ vollzieht sich alles in Ruhe. Bei der Dortmunder Union sind die streikenden Bergleute fast alle zuriickgekehrt. Wegen der Brüche in den Strecken dauert es noch wohl drei Wochen, ehe^ alle rabeiten können. Deshalb wird eine Anzahl von Arbeitern vorläufig im Tagelohn beschäftigt werden. Der Mülheimer Bergwer^verein hat beschlossen, um, die finanzielle Not unter den angefahrenen Bergleuten nicht zu groß werdeu zu lassen, schon am 15. Februar Abschlagszahlung zu lersten und am 25. Löhnung zu geben.
Die Bergleute haben sich durch ihr im ganzen korrektes Verhalten von neuem manche Sympathien erworben. Tie Regierung aber wird nun ihr Wort, das sie verpfändet hat, einlösen und den Arbeitern mit ihrem Schutz zu Hilfe kommen. Tie nun doch wohl bevorstehende ^gänzliche Beilegung des Bergarbeiterftreiks wird im wesentlichen eine ! Folge der Versprechungen der Berliner Regierung sein und bildet für sie den zweiter Erfolg der vergangenen I Woche, deren erster die Annahme der Kanalvorlage war.
Ter dritte groge Erfolg dieser Tage, die Annahme der Handelsverträge, wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Tie Regierung erlebte bereits ein Präludium in ider Tagung des Preußischen Landesökono- mie-Kollegiums und des Deutschen Landwirt- schaftsrats. In dem ersteren nahm Herr v. Podbielski das Wort, um zu zeigen, wie bedeutend die agrarischen Erfolge der Handelsverträge sind. Im Landwirtsckaftsrat aber sprach der Reichskanzler selbst, von dem Beifall der Agrarier überschüttet und von agrarischen TcmkeSbczeug- ungen überhäuft. Jü, in der Presse taucht jetzt auch dre Meldung auf, daß es Mgebracht fei, das Gehalt des Reichskanzlers zu erhöhen. Mit seinem 100000 Mark - Einkommen könne der Kanzler nicht länger aus- kommen. — Im preuß. Wgeordnetenhaus ist von Mrt- gliedern der natronaMberalen Fraktion folgender Antrag
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In Belgien begann tm Anschluß an den deutschen Generalstreik 'ber Bergarbeiter gleichfalls ein General, ausstand, der nach neuesten Meldungen 86 000 Arbeiter umfaßt Einige belgische Blätter meldeten von mehreren Bombensunden. Indes dürfte auch dieser Generalstreik nur von kurzer Dauer sein. Einen direkten Einfluß hätte das Ende des deutschen Streikes nicht, da, wie besonders betont wird, die belgischen Arbeiter für den Erfolg ihrer eigenen Forderungen kämpfen und bie. Motive beS belgischen Streikes nur zum kleinsten Teil in ber Solibarität liegen.
3n Frankreich brachte auch die neue Regierung in ber Deputiertenkammer ein Kulturkampfgesetz ein, bas bie Trennung ber Kirche vom Staat forbert. Em wichtiger Paragraph, ber bieses Gesetz vorbereitet, würbe am Freitag 338 gegen 185 Stimmen ange- nomme n. Die Majorität besteht aus denjenigen Deputierten, bie bas Kabinett Combes bis zum Schluß unterstützt haben, sowie aus den ehemaligen dissidenten Republikanern ber Linken ber Kammer; überdies haben vier gemäßigte Republikaner und fünf Rationalisten für die Regierung gestimmt; 43 ^inäßigte Republikaner und Rationalisten enthielten sich der Abstimmung.
Die Lage in Rußland ist noch immer äußerst ver- roorren Das Märchen von einem Drohbrief an den Zaren, ein ?lttentat auf den finländischen Senatsprorureur Johnsson, ferner bie Arbeiterrevolten in mehreren polnischen Städten Und der abermalige Ausbruch des Ausstandes in Petersburg gaben erneut Veranlassung zu lebhaftesten Besorgnissen. Aus den verschiedensten Gegenden des Riisienreiches tarnen Meldungen von Bluttaten. Die meisten Toten zählte man in ber Gegenb des polnischen JndnstneorteS Sosnowice an ber schleMien Grenze, und in Kiew verübten neuerdings mit einem Militärzug eingetroffene Reservisten Plünderungen und f|.urlpn einen Polizisten. Eine cinschreitende Kosakensotme euertc und erschoß 18 Reservisten. Auch der Adel Rußlands ist unzufrieden und reformfreundlich. In einer m mioSfau abgehaltenen Adelsversammlung zur Wahl deS neuen G^nernemeuts- und Adelsmarschalls lehnte Fürst T v u b e tz l o l
emgebracht wvrven: . .
Tie Regiwmg zu erfutften, balmt zu wirken, d«ß gleichzettig mit dem Inkrafttreten des neuen Zolltarifs eine mit richterlicker Unabhängigkeit ausgestattete Reichsbehörde eingerichtet werde, welche die Aufgabe haben soll, in Z o ll a n g el e g en h ei t en über Beschwerden gegen Entscheidungen der Landessinanzbeh^rden in entern nach ähnlichen Grundsätzen wie das Verwaltungsstreitverfahren auszuaestaltenden Verfahren zu entscheiden.
Tie deutschen S t u d en ten kr e rs e emer Rerye von Universitäten und Hochschulen griffen das onrinöse Wort, das von verantwortungsvoller Stelle über die ,„akade- mischeFreiheit" gefallen sein sollte, in heftigen Protest« trmdgebungen an. In Hannover selbst wurde der Konflikt durch den Austausch einiger Erklärungen beigelegt.
TieKabinettskrisisin Ungarn ist einer Lösung noch nicht entgegen geführt. Kaiser Franz Joses hatte zunächst Andrassy zu Verhandlungen mit der Opposition beauftragt und dieser woMe versuchen, mit Hilfe der früheren Opposition und jetzigen Mehrheit ein Kabinett unter seinen Führung zustande'zu bringen. Indes scheinen seine Bemühungen erfolglos geblieben zu sein, und Franz Kos- su t h ist am Samstag abend in Begleitung von zahlreichen Abgeordneten seiner Partei nach Wien abgereist zur Audienz beim Kaiser. Tie Kossuthianer wollen den Ausgleich mit Oesterreich nicht erneuern. Sie beabsichtigen, den Grasen Goluchowski, der durch den Abschluß des Han- i delsvertrags mit dem Teutschen Reiche der Verlängerung des gegenwärtigen Ausgleiches auf 12 weitere Jahre vor- qearbeitet hat, in Dnklagezustand zu versetzen, wett er nach ihrer Ansicht unter Mißachtung der staatsrechtlichen Grundlage einen internationalen Vertrag abgeschlossen
VolUische Wochenschau
Gießen, 13. Februar.
Tie 2. Hess. Kammer wurde am 7. d. M. durch den Präsidenten Geh. Regierungsrat Haas mit einer Ansprache eröffnet, der er der Vermählung Sr. K. H. des Großherzogs gedachte und dem groHerzoglichen Paar die Glückwünsche des Hauses in einem dreifachen Hoch ausbrachte. Abg. Tr. Schmitt-Mainz brachte kirchenpoli- tische Fragen zur Sprache. Er konstatierte den Zwiespalt, der zwischen den beiden großen Konfessionen herrsche und ermahnte beide Konfessionen, die Gegensätze nicht zu verschärfen. Er bedauerte, daß die hessische Regierung gegen den § 2 des Jesuitengesetzes gestimmt habe. Tie von der Presse seiner aPrtei verübten Verunglinrpfmtgen Luthers und Philipps des Großmütigen rügte er mit gleicher Schärfe wie kleine Ungeschicklichkeiten der evangel. Presse Hessens. Staatsminister Dr. Rothe erwiderte, daß die hessische Regierung stets für den konfessionellen Frie-1 den ein getreten sei. Die hessischen Fürsten hätten niemals einen Unterschied zwischen den Konfessionen gemacht und das hessische Volk liebe seine Fürsten ohne Ansehen der Konfession. Der Staatsminister wies mit feiner Ironie darauf hin, daß es ja arrch den Katholiken in Hessen gar nicht schlecht gehe, was schon durch die wenigen, dieser- halb von Dr. Schmitt vorgebrachten Klagen bewiesen werde. | Just diese Versöhnungsbereiten Reden hüben und drüberr; gaben indes dem ^Ämtsblatte des Kreises Worms Gelegenheit, gegen die katholischen Mitbürger Hessens sstramm vom Leder zu ziehen. — Redner aller Parteien äußerten ihre Zufriedenheit mit der finanziellen Lage des Landes. Auch das von dem Abg. Ulrich (Soz.) gerügte Verbot des Auftretens des östreichischen Reichsratsabg. Pernerstorsfer in einer Versammlung in Offenbach fand die Billigung aller übrigen Parteien. Finanzmi-nister Dr. G n a u t h, der übrigens zurzeit in Berlin iveilt zur Teilnahme an den Reichstagsverhandlungen über die Handelsverträge, erklärte aus eine Anftage betreffend die Verhandlungen mit Preußen über die Lotteriegemeihtsch aft, daß die Verhandlungen noch schweben und die Ergebnisse noch keineswegs abzusehen sind. Er wäre aber W für eine Aenderung zu haben, wenn diese dem Ant^'l Rechnung tragen würde, den die Kollekteure der hessisch- thüringischen Staatslotterie sich bei dem Uebereinkommen gesichert haben. Ferner teilte der Fmanzrminister mit, daß noch diesem Landtag eine Eisenbahnvorlage zugehen werde, welche die Erbaurmg der Linien Höchst-Aschaffenburg, Bensheim-Lindenfels und eventuell auch Grün- berg-Lich in Aussicht nimmt; die Erbauung der ersten Linie hinge allerdings von den Entschlüssen des bayrischen Staates ab. Sehr großen Beifall fand natürlich die bemerkenswerte Aeußerung unseres Finanzministers, daß er an eine Erhöhung der Staats st euer nicht glauben könne. Die weitere Debatte brachte nichts Sonderliches
Srschettck W-llch mtt Ausnahme des Sonntags. a
Die „Siebener FamtNenblStter" werden dem |l |o| W MM || S i II H B B Bf W
»Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der B W M |1 Ä M, g U, M
stzejSIche LavdVttt" erscheint monatlich einmal. " SÄ V » ▼


