Ausgabe 
16.6.1905 Zweites Blatt
 
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letfhing. Gr gebe zu, vaß sich ftt elnz einen Gemeinden Mly- Verhältnisse yerauSacstellt haben, die auch den Kommunal- verbänden mit zur Last fallen. Diese Mißverhältnisse hätten aber durch Sonderbestimmungen in der Dorlage beseitigt werden können und man hätte nicht bad Prinzip der Leist­ungsfähigkeit durch Verquickung nrtt dem Grundsatz von Leistung und Gegenleistung beschweren sollen. Durch das Verbot des Schuwenabzugs werde gerade der kleine Mann schwer getroffen, die Besteuerung des Bntttoverrnögens be­laste ihn ungleich schwerer, als den kapitalkräftigen Steuer­zahler. Am schwersten werde die Bruttobesteuerung beim Gewerbebetrieb und dem Grundbesitz empfunden und das sollte doch wohl nicht der Zweck einer gesunden Steuer­reform sein. Er bleibe bei seiner Meinung, daß die $e= meindesteuerreform am einfachsten und gerechtesten geregelt worden wäre durch das Prinzip der Zuschläge ^u oen Staaissteuern. Man hätte dabei die besonderen Verhältnisse, durch welche den Gemeinden ungewöhnlich hohe Lasten auf­erlegt werden, sehr wohl durch Sonderbestimmungen im Gesetz erfassen können. Dem Einwurf, daß nach dem System von Zuschlägen zur Staatssteuer eine ungewöhnlich hohe Belastung em getreten wäre, hatte sich durch eine höhere progressive Besteuerung der größeren Kapitalien leicht ab­helfen lassen tund der Schuldenabzug hätte sich dann in der Gemeindesteuer zur Durchführung bringen lassen, ohne daß die Gemeinden eine Schädigung ihrer Steuereinnahmen er­litten hätten; nach der amtlichen Statistik betrage die Schuldbelastung in Hessen nur ca 13 Proz. Die Vorlage könnet« natürlich nicht eine allgemeine Steuererleichterung zur Absicht haben, sie müsse vielmehr als Hauptzweck ver­folgen, die Lasten gerecht iu. verteilen. Redner wendet sich darauf gegen verschrobene EinzelbestimmunHen der Vorlage, so geaen Art. 35, in welchem dem auswärtigen Kapitalisten eine dreftährige Steuerfteiheit zugebilligt wird; Derartige Schönheitsfehler" im Gesetz sollten unter allen Umständen beseitigt werden. Dann wendet sich Redner in umständlicher Weise zu der Kritik, welche in der ersten Kammer besonders vom Frhm. v. Heyl an der Vorlage geübt wurde. Derselbe habe die Befürchtung ausgesprochen, daß sich die hessischen Steuerverhältnisse durch die Vorlage noch ungünstiger ge­stalten würden. Aber die Begründung dieser Auftassung er­scheine ihm sehr bedenklich. Frhr. v. Heyl habe gegen die Vorlage scharf zu machen versucht, auch gegen den Finanz­minister und gegen ihn, den Redner. Er behaupte, daß nicht durch die damalige Rede des Finanzministers, sondern durch die Klagen im anderen Hause über die hohe Be­steuerung derarmen Reichen" das monarchische Bewußt­sein im Volke erschüttert werde. Das Land habe die Er­klärung des Finanzministers mit Freude begrüßt und die Scharfmacherei des Fehrn. v. Heyl habe ja auch eine offizielle Abfuhr erhalten. Die Kundgebung der Regierung in dieser Sache könne man als einen Beweis dafür ansehen, daß sich im modernen Staatsleben auch mehr und mehr ein sozial­politisches Pflichtbewußtsein der Regierung geltend mache. Die Regierung befinde sich mit der Vorlage aus dem Wege, Die Mißstände zu beseitigen. Der Weg sei aber zu kurz ab­gebrochen worden, und wenn auch nicht ein Hohlweg, so doch ein sehr holpriger Weg geworden. Er hoffe aber, daß sich derselbe noch glätten und bessern werde. Die Ge­meinden müßten dazu bekehrt werden, oaß nicht die Armen, sondern die Reichen in stärkerem Maße zu den Gemeinde­lasten heran gezogen werden.

Die Sitzung wird hierauf um V22 Uhr abgebrochen; Fortsetzung der Beratung morgen früh 9 Uhr.____________

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 15. Juni.

Anwesend die Beigg. Curschmann, Georgi und Heyligen- staedt und die Stadtvv. Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, EmmeliuS, Euler, Gabriel, Helfrich, Helm, Huhn, Jann, Keller, Kirch, Leib, Löber, Orbig, Schaffstaedt und Wallenfels.

Oberbürgermeister Mecum befindet fich noch in Urlaub, und Beig. Georgi, der die Sitzung einberufen hat, eröffnet die Verhandlungen, indem er bemerkt, daß Beig. Curschmann ihn darauf aufmerksam gemacht habe, daß einige Angelegen­heiten der Erledigung harrten und eine Sitzung des Kolle­giums notwendig sei. Beig. Curschmann, der diese Dinge bearbeitet hat, trägt sie der Versammlung der Reihe nach vor. Es handelt sich dabei um nichts sehr Wichtiges. Das Erste ist die Mitteilung, daß die bei der Beratung des Vor­anschlags hervorgetretene Klage, Kinder der Volks­schule hätten Bücher und Hefte, zu deren Beschaffung die Stadt Mittel zur Verfügung gestellt hat, in die Lahn geworfen, insofern auf Tatsachen beruht, als eS sich dabei um Hefte und Papier handelt. Es wird wohl darauf ge­achtet werden, daß dergleichen nicht wieder vorkommt.

Sodann wird der Stadtverordnetenversammlung die be­kannte Resolution des Bürgerverein9 wegen des Submissionswesens bekannt gegeben. Die Angelegen­heit wird der Baudeputation zur Kenntnis überwiesen.

Der verstorbene Rentner Ernst Balser hat der Stadt 6 0 00 Mk. vermacht, von deren Zinsen diese die Gräber des Ehepaars Balser unterhalten und den Rest für mildtätige Zwecke verwenden soll. Die Stiftung wird in diesem Sinne angenommen.

Am Krogmannschen Haus Bahnhofstraße 30 ist reit vorigem Jahre eine Markise angebracht worden, was von der Stadtverordnetenversammlung genehmigt worden war. Sie hängt aber 15 Ctm. niedriger als die vorschrifts­mäßige Höhe ist und ist beanstandet worden. Der nachge­suchte Dispens wird nicht erteilt, da die Baudeputation an Ort und Stelle die Markise als mißständig befunden hat. Es wird also dem Besitzer überlassen, sie höher zu hängen.

Das Baugesuch des K. Nikolaus für die Stein­straße, wo Nikolaus zwei Häuser auf einem Bauplatz er­richten will, wobei die vorgeschriebene Zufahrt nicht vor­gesehen werden kann, wird nicht genehmigt, da man in dem Vorhaben eine unzulässige Ausnutzung deS Grundstücks er­blickt. ES wird dem Gesuchsteller anheimgegeben, anstatt zwei Häuser eines zu erbauen.

Aehnlich verhält es sich mit einem Baugesuch des E. H. Müller für die Ecke Stein- und Weserstraße. Keines der beiden dort geplanten Häuser würde den vorgeschriebenen Hof besitzen. Aus diesem Grunde wird auch dieses Gesuch abgelehnt mit dem Bemerken, Müller möge ein Haus errichten.

Die Firma A. Kröll Söhne hat hinter dem Biebertal- Bahnhof einen Lagerplatz gepachtet und bittet, einen die Einfahrt störenden Pappel bäum entfernen zu dürfen. Da der Baum nicht mehr viel taugt, ist die Versammlung damit einverstanden, wenn die Gesuchstellerin die Kosten der Entfernung übernimmt.

Der EsiendahnVeMedStnfpeMon wird rotOerrufTtct) gegen eine kleine Anerkennungsgebühr gestattet, den Wetzlarer Weg durch eine Fernsprechleitung zu kreuzen.

Der Stadtgärtner bedarf eines 35 Meter großen Gummischlauches zur Sprengung, wofür 140 Mk. be­willigt werden.

Der Ventilbrunnen im Hofe der Stadtmädchen­schule, der untauglich geworden ist, wird mit dem Ein­verständnis der Versammlung durch einen Zapfständer, der 125 Mk. kosten soll, ersetzt werden.

Gelegentlich einer Schulvisitation in der Stadt­mädchenschule ist e§ beklagt worden, daß in einzelnen Räumen die Lüftung ungenügend sei. Um dem abzuhelfen, hat das Hochbauamt vorgeschlagen, unter Aufwendung von 280 Mk. Kosten Lüftungsklappen am Oberlicht Her­stellen zu lassen. Stadtv. Jann bemerkt hierzu, daß ähn­liche wie die geplanten Vorrichtungen in der Realschule zu Klagen Anlaß gegeben hätten. Wegen des Zuges, der die Kinder von oben her treffen würde, sei es verboten worden, im Winter diese Fenster überhaupt zu öffnen. Stadtv. Jann empfiehlt daher Vorsicht und nochmalige Prüfung, und da er hierin von einigen anderen Stadtverordneten unterstützt wird, beschließt man, die Sache nochmals der Baudeputation zur Erwägung zu überlassen.

Für die Volksschule sind zwölf neue Schul­bänke nötig geworden. Es wird die freihändige Vergebung an die Firma Fuhrmann u. Hauß in Frankenthal beschlossen. Die Kosten betragen 510 Mk.

Der hiesige Zweigverein vom Roten Kreuz hat um Anschaffung einer Tragbahre durch die Stadt nachgesucht. Da die Polizei und die Kliniken schon solche Tragbahren haben, die für den Transport Verunglückter be­nutzt werden können, hat die Baudeputation vorgeschlagen, die Kosten hierfür im Betrage von 195 Mk. nicht zu be­willigen.

Aus dem Jahre 1903 sind zwei Rechnungen noch nicht genehmigt: für 8 zweisitzige Bänke in der höheren Mädchenschule 264 Mk. und für einen Drehkrahnen an einem Schlammwagen 285 Mk. Sie werden genehmigt; ebenso einige Hand ab gab en und «Verkäufe.

Der Waldwirtschaftsplaufür 1906 wird gleich­falls nicht beanstandet. Er sieht eine Fällung von 7310 Meter vor, 810 Meter mehr als im Vorjahr. Wesentlich höhere Einnahmen werden sich daraus aber nicht ergeben, da es sich meist um minderwertiges Holz handelt. Für Kulturen werden vorgesehen 7789 Mk für Wegbau und Unterhaltung 11 722 Mk., für Grenzherstellungen rund 280 Mk.

Ueber den bevorstehenden Ausbau der Roon- straße zwischen Moltkestraße und Großer Steinweg be­richtet Beig. Curschmann, daß die Sielbauarbeiten fertig seien und nach der Herstellung der Hausanschlüsse dem Ausbau der Straßenstrecke, welcher 6500 Mk. Kosten ver­ursacht, nichts mehr im Wege stehe.

Außerhalb der Tagesordnung teilt Berg. Curschmann mit, daß das Grund st ück der St ohr scheu Erben, das in die Roonstraße fällt, für 10 000 Mk. in den Besitz der Stadt übergegangen sei.

Es sind wieder Umpflasterungsarbeiten notwendig ge­worden, wozu drei Angebote eingegangen sind. Man vergrbt die Arbeiten an die Firma Jph. Hofmann in Gießen, welche dafür 5800 Mk. verlangt.

Punkt 20 der Tagesordnung, Kauf mit H. Schaum­berger, wird ausgesetzt.

Für den Verputz des vorm. Attigschen Hauses Seltersweg 9 wird eine K'rediterhöhung von 30 Mk. bewilligt.

Das wiederholt gestellte und bereits früher abgelehnte Gesuch des Friedr. Kopp hier um Erlaubnis zum Wirt­schaftsbetrieb im Hause Bismarckstraße 30 wird wie­derum, da die Bedürfnis frage verneint wird, abgelehnt. Dagegen wird das Wirtschaftsgesuch des Gottfried Abel hier für Wolfstraße 9 genehmigt, da diese Wirtschaft, der Mainzer Hof", schon seit Jahren betrieben wird und keinen Anlaß zu Bedenken gegeben hat.

Der Fortschritt der Bauarbeiten an der höheren Mäd­chenschule hat die Lieferung der eisernen Träger nötig ge­macht. Diese Lieferung wird außerhalb der Tagesordnung vergeben.

Außerhalb der Tagesordnung werden auch die Arbeiten für den Ausbau der Henselstraße vergeben, nämlich an Wilh. Such an von Krofdorf für 2196 Mk.

Die Feldbereinigung rechts von der Lahn hat einige Herstellungsarbeiten nötig gemacht. 11. a. muß der Hühenweg auf die Hardt chaufiiert werden. Die Kosten werden auf die Stadt übernommen..

Zum Schluß der Tagesordnung zurückkehrend, hat die Versammlung nichts dagegen einKuwenden, daß die Ferien Der Stadtverordneten!) ersammlun g wie ge­wöhnlich vom 1. August bis Mitte September stattfinden sollen.

Stadtv. Kirch wendet sich zum Schluß an die Ver­sammlung mit einem Hinweis auf die Frage des zu er­richtenden Zuchtvieh Marktes und einen im Gießener Anzeiger (Nr. 124) veröffentlichten Bericht über eine AuL- schußsitzung deS landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen, die sich mit der Sache befaßt hatte. Herr Kirch fällt ein scharfes Urteil über dieserecht häßliche Kritik" des Viehmarktplatzes an der Nodheimerstraße. Er bemerkt, daß man einen derartigen Bericht nicht ruhig hinnehmen könne. (In dem Bericht war indessen ausgesprochen, daß die kritischen Bedenken in der Ausschußsitzung durch das Gutachten des Kreißveterinärarztes unterstützt worden waren. Eine solche Kritik durfte u. E. nicht unterdrückt werden, selbst wenn sie vielleicht etwas scharf sich äußerte. D. R.) Stadtv. Ki^ch meinte, unsere unschuldige Lahnbrücke werde gewiß kein Boden der Ansteckung für baS Zuchtvieh fein, und die österreichischen Ochsen, sowie anderes Schlachtvieh, die hin und wieder die Brücke passierten, würden in dieser Hinsicht sicher kein Unheil anrichten. Er verweise auf einen Artikel in derHess. Landw. Zeitschrift" Nr. 23, worin die öfters angezogenen Einrichtungen des Marktes in Radolfzell als vortrefflich bezeichnet seien. Der Markt dort wisse aber, wie aus dem Artikel gleichfalls hervorgehe, gar nichts von so übertriebenen Forderungen, wie sie in der Ausschußsitzung deß landw. Provinzialvereins er­hoben worden seien. Die dortige Zentralmarkthalle stehe auch zur Verfügung der Stadtgemeinde Radolfzell. Diese ist berechtigt, ihre gewöhnlichen 25 Vieh- und Schweine­märkte in der Halle ab zu halt en und dabei Platzgelder für die aufgeführten Tiere zu erheben, welche zur Deckung der Unterhaltungskosten der Zentralmarkthalle dienen. Er

(Kirch) |et der Ansicht, das; di Stadt Gießen unter solchen Umständen besser tue, die gema sie Offerte überhaupt zurück­zuziehen. Stadtv. Helfri / ist in diesem letzten Punkte anderer Meinung. Die Ange genheit wird der vereinigten Markt- und Verkehrskommissio zugewiesen.

Die Kasjentro le in Lauöach.

H.

Benutzung der n a Hi ichen nÜchsten Kräfte.

Die Kohlenverteuerung k I' zu dem Bestreben führen, sich Kräfte nutzbar zu machen, i stabilere Verhältnisse aufweisen und durch die man unabhäng von wirtschaftlichen und sonstigen Krisen wird. Allerdings bart man sich dabei nicht auf das Ga? als allein seligmachend/s Licht versteifen. Gas ist trotz der Vervollkomnmung, die an bisher versucht hat, schon jetzt eine veraltete D'leuchtungserr und wird bei den epochemachenden Erfindungen und Entdeckim 1 n, die sich in unserem wirtschaft­lichen und technischen Zeit :cr, namentlich auf dem Gebiet der Elektrizität, förmlich überst 1-3en, in Zukunft erst recht veraltet sein. Hier gilt es aber nicht von heute auf morgen zu sorgen, sondern für viele Jahrzehnte.

Man hat behauptet, die Schweiz werde einmal das Kraft» Zentrum für ganz Europa abgeben. Man denkt dabei an die zahlreichen Wasserfälle und Gewässer der Berge, die eine kolossale Energie" enthalten. Der Gedanke ist gar nicht absurd. .Heute schon sucht man die Rheinstromschnellen, die Niagarrafälleein- zufangen", die Kraft der bewegten und stürzenden Wassermassen abzuleiten auf elektrische Leitungen. Was die Schweiz für Europa, kann der Vogelsberg in kleinem Maßstab, wenn nicht für ganz Oberhessen, so doch für einen Bezirk, wie hier in Betracht kommt, fein oder werden. Der Wasserreichtum im Vogelsberg, namentlich im Niddatal, ist bekannt. Gleich bei Ruddingshain sind schon respektable Gewässer. Wie leicht lassen sich ©Innungen anlegen. Mit welchen großen Mitteln legte man in der Rheinprovinz und in Westfalen, in den Vogesen Talsperren an.

Ich sah im Grödental (Süd-Tirol), wie eine Heine Abzweig­ung eines Baches, die auf 10 Meter Sturz gebracht war, Jn- dustriewerke und Lichtanlage, sämtlich elektrisch, mit Doppel­turb inen-Anlage, aber sonst geringfügigen und primitiven Ein­richtungen, doch vortrefflich in Tätigkeit setzte.

Ob nicht der staatliche Generalkulturplan des Vogelsbergs auch einen Vorteil von solchen Anlagen hätte, kann ich nicht beurteilen, ich halte es aber für wahrscheinlich und deshalb für nötig; baS auch der hessische Staat sich für die Stau- und Sammelanlagen interessiert und mit möglichst reichlichen Zuschüssen die hier beteiligten Gemeinden und damit das Werk selbst unterstützt.

Man wende nicht ein, die Wasserkraft sei auch nicht stabil. Im Frühjahr und Herbst möge ja das Wasser am Vogels­bergans allen Knopflöchern" sprudeln, im Sommer könnten aber Dürren eintreten, daS lehre der Sommer 1903. Das ist bis zu einem gewissen Grad richtig; jeder Müller rechnet mit wechselndem Wasserstand. Er hat aber keine genügenden^ Stau- vorrichtungen und Sammelanlagen. Schließlich war der Sommer 1903 ganz abnorm und kann hier, weil Ausnahme, nicht herangezogen werden. ?lber auch ohne dies ist ein.Schaden nicht zu befürchten. Im Sommer braucht man wenig Licht; desto mehr könnte bann in dieser Zeit die vorhandene Wasser­kraft zu industriellen und technischen Zwecken ausgenutzt werden. Dieser Gedanke der Stauvorrichtung liegt so nahe, daß er in Schotten und Nidda schon längere Zeit wiederholt aufgetaucht ist. Man begnüge sich aber im Prinzip nicht mit kleinen, nur lokalen und vereinzelten Wünschen gerecht werdenden Anlagen, sondern fasse das allgemeine, umfassende Bedürfnis stets ms Auge, lege auch solche Anlagen nicht in die Städte und Gemein­den selbst oder ihre unmittelbare Nähe,. sondern weiter entfernt, und zwar aus technischen und Schönheitsgründen. Aus techni­schen Gründen, weil man zu großen Anlagen AusdehnungSmög- lichkeit und freie Hand haben muß, also ein großes Terrain nötig hat, auch den Boden des Weichbilds nicht verschlechtern und zugleich verteuern läßt. Aus Schönheitsgründen; denn weshalb soll man den Reiz schön gelegener Orte zerstören durch prosaische GaSanlagen? Wozu die Eifersucht der Kreisstadt Schotten auf Laubach als geplante Gaszentrale? Man denke sich in der Nähe Laubachs jene großen Gasbehälter, riesigen umgestülpten Töpfen gleichend, der richtige Hintergrund. für eine Sommer­frische ! Soll Schotten auf diese landschaftliche Dekoration, die sich stündig, namentlich aber bei Wetterumschlägen, auch den Nasen der Nachbarn sehr fühlbar macht, neidisch fein? Und die paar Beamten oder Angestellten, das bischen Verkehr, das es alsdann für den Zentralort vielleicht mehr gibt., wiegen doch den enormen Nachteil nicht auf. Je mehr die erstklassigen Luftkur­orte sich überftillen und je intensiver sie mit allen Schikanen die Fremden anlocken, desto mehr werden bescheidene Lutkur­orte, wie Laubach, Schotten ufto1. von wirklichen Naturfreunden und Erholungsbedürftigen aufgesucht. Deshalb weit fort mit einem großen Werk, irgendwohin in einen abgelegenen stillen Winkel. Das läßt sich natürlich bei elektrischer Anlage besser machen, als bei Gas. Zn Gas hat man ja auch in manchen Orten, z. B. Schotten, Nidda usw. anscheinend überhaupt keine Lust.

(SMnß folgt.) ___________

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Hottesdlenff.

I« der Stadtkirche.

Trinitatis, den 18. Juni:

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten auS der Marknsgemeinde.

Vormittags 9</2 Uhr: Prof. D. E ck.

Die Kinderkirche für die Matthäusgemeinde fällt aus.

In der JohanneSkirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der LukaS» gemetnbe.

Vormittags 9/, Uhr: Vfarrassistent Sattler.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinde. Pfarrassistent Sattler.

Katholische Gemeinde.

Samstag, den 17. Juni 1905.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.

Sonntag, den 18. Juni 190 5. Dreifaltigkeitsfest.

Vormittags von 61/, Uhr an : Gelegenheit zur heil. Beicht.

, um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in der- felben Austeilung der heil. Kommunion.

, um 8 Uhr: Die zweite heilige Messe. Militärgottesdienst mit Predigt.

um 91L Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 2'/, Uhr: Christenlehre; darauf Andacht.

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