Ausgabe 
15.9.1905 Erstes Blatt
 
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suchten die kaiserlich en Prinzen die Zwe t schc- bäume auf den Reifegrad der Famchte. Der Kaiser verhängte lachend jedem der Obstlicbhaber eine Buße von zehn Mark, um dieStraffälligkeit des Nassauerns" zu ahnden. Der Garten­besitzer, ein schrötiger und kerniger Mann, meinte daraufhin trocken, unter diesen Bedingungen dürften ihm sämtliche Zwetsckien abgeerntet werden. ,,

Die letzten Quartiere bezw. Biwaks unseres Kaiser Wilhelm-

Regiments int heute beendeten Kaiser-Manöver waren die folgenden: Am Samstag verließ das Regiment seine dreitägigen Standquartiere zu Homburg, Friedrichsdorf, Köppern und Holzhauseri, trat seinen ersten Ktiegsmarsch durchs Köppernertal und über die L>aalburg an und bezog Samstagabend Quartier in Schmitten, Arnoldsharn und Torfweil nördlich vom N-eldberg. Montag früh begann der zweite Kviegsmarsch, der bei bergigem Gelände und aufqeweichtem Boden an die Mannschaft Hobe Anforderungen stellte Der Marsch führte über Seelenberg, Wüstems, Niederems und Peters- harmner. Um Esch in der Nähe von Idstein biwackierte das Regiment. Dann folgte Dienstag ein Gewaltmarsch über Dr- berg bis nach Kördorf nordwestlich von Katzenelnbogen. Im Kör­dorf kam das Regimerrt in Massenquartiere, es war somit in die Gefechtslinie eingerückt. Nach dem gestrigen Gefecht wurde in Herold bei Katzenelnbogen Massenquartier bezogen.

Donnerstag abend wurden die besonderen Kriegslagen bekannt- Kegeben:

Die besondere Kriegslage für Blau hat gelautet: Tie bei Mainz auf das rechte Rhein­ufer überaetteteiien blauen Truppen (8. Armeekorps) haben über Nastätten-Holzhausen am 11. Sept. Koblenz erreicht. Kleinere Abteilungen wurden südlich der unteren Lahn belassen.

Die blaue Armee beendet am 14. Sept, ihren Aufmarsch und soll am 15. Sept, gegen die rote Armee vorrücken, deren Wei­termarsch auf Gießen erwartet wird.

Das 8. Armeekorps erhält den Auftrag, zwischen ^aunus rrnd Lohn vo^ugehen, um die Offensive der Armee möglichst durch Einwirkung gegen Flanke und Rücken des Gegners zu unterstützen. Die am 11. Sept, bei Ems eintreffende Kavallerie- Division A wird dem 8. Armeekorps unterstellt. ,

Am 10. Sept, abends war starke feindliche Kavallerie m Frankfurt eingerückt, während Truppen aller Waffen zwischen Rüsselsheim und Frankfurt über den Main gegangen waren. Dm 11. Sept, früh wurden diese Truppen im Vormarsch auf Wiesbaden und Kronberg gemeldet.

Die besondere Kriegslage für Rot lautete: Am 10. Sep­tember setzte die Armee den Vormarsch in Richtung auf Marburg fort. Im Laufe des Vormittags eintreffende Meldungen ließen erkennen, daß sich die bei Mainz auf das rechte Rheinufer gedrängten blauen Truppen stromabwärts gewendet hatten. Bei Rettert, Holzhausen und Nastätten standen morgens feindliche Abteilungen.

Das auf dem linken Flügel der Armee von Gr.-Gerau auf Frankfurt marschierende 18. Armeekorps wurde darauf­hin zwischen Frankfurt und Flörsheim über den Main vor­geschoben und erreichte abends mit Vortruppen die Linie Höchst-Hofheim-Wallau. Es erhielt den Auftrag, die Flanke der Armee zu sichern und Koblenz rechtsrheinisch einzu­schließen.

Der linke Flügel der Armee soll am 12. September, von Frankfurt aufbrechend, über Usingen auf Braunfels marschieren.

Die am 10. September abends bei Bockenheim eintres- fende Kavallcriedivision B wird dem 18. Armeekorps unter­stellt.___________________________________________________________________________

Die Unruhen in Japan

Tokio, 13. September.

Hebet die in der Nacht vom 12. auf den 13. September ix Yokohama stattgehabten Uprüf)en werden folgende Einzelheiten gemeldet: Kurz nach Mitternacht verbrannte der Pöbel, meist Kulis, Bootsleute und Obdachlose, 8 Polizei­wachen und riß 3 Polizeistationen, mehrere Beamten- häuser und große Handelsniederlagen nieder. Kurz vor Tagesanbruch wurden von Tokio 400 Mann Militär gesandt, welche jetzt die Konsulate, die Warenhäuser und die angrenzenden feuergefährlichen Petroleumtanks bewachen. Der Gouverneur und der Bürgermeister erließen einen Aufruf, in dem sie die Bevölkerung ermahnen, zu den Behörden Vertrauen zu haben. 600 in Hotels unter besonderen Schutz der Polizei gestellte Russen aus Sachalin verteidigten sich mit ge­zogenem Säbel gegen die Menge, die mit Pistolen und Stockdegen bewaffnet war. Die Verluste der Polizei sind 3 Schwer- und 37 Leichtverwundete. Die Meuterer warfen, um die Polizeiwachen in Brand zu setzen, brennende, in Oel getränkte Hüte hinein. Die Ruhe ist anscheinend jetzt wieder hergestellt.

11 Peers unter Führung des Prinzen Nidfchi richteten /ine Denkschrift an die Regierung, die das Unvermögen der Behörden, den jüngsten Unruhen in der Residenz des Mikado vorzubeugen, tadelt, und fragt, warum der Ehef der hauptstädtischen Polizei degradiert wurde, während der ihm vorgesetzte Minister des Innern seinen Posten behalten konnte.

Die ZeitungMainichi Schimbun" spricht ihren Un­willen aus über das RegierungsblattKokumin Schimbun", das das Verbrennen der Kirchen in Tokio mit der Handlungsweise der chinesischen Boxer auf gleiche Stufe stellt, und sagt ferner, daß selbst in den entlegensten Winkeln deS Reiches keine Spur von fremden- oder christenfeind­lichen Gefühlen, wie fte die Boxer beseelten, vorhanden sei.

Es herrscht auch Unzufriedenheit in der Armee. In Osaka machten sich deutliche Anzeichen von Auf le hnung bemerkbar. Die gemeinen Soldaten hielten eine Versammlung ab, um gegen den Verzicht auf eine Kriegsentschädigung zu demonstrieren. Die Rädelsführer wurden sofort verhaftet.

Baron K o m u r a wird, wenn er zurückkehrt, dem sicheren Tode entgegengehen. Im Volk erwartet und fordert man, daß er vor der Rückreise Harakiri macht.

Eine Vereinigung bedeutender japanischer Interessenten auf dem Gebiete des Handels und Gewerbes ist in Bildung begriffen, um die japanische Industrie zu entwickeln und den Außenhandel, besonders mit Korea und China, zu erweitern. Die Vereinigung ist zu einem Zusammenwirken mit fremden Kapitalisten geneigt.

Russische Neuigkeiten.

Der Petersburger Berichterstatter derTimes" meldet: Das russische Marineministerium bat die Erfahrungen des letzten Krieges mit Bezug auf den Bau neuer Schlachtschiffe auSgenntzt. Zwei neue Kriegsschiffe, die m Kronstadt gebaut Verden, sollen die Fehler der alten vermelden.

Die Negierung beabsichtigt, einer L ö ) u n g der I u d en- frage dadurch auszn weich en, daß sie daS Westgeviet v»n der allgemeinen Gesetzgebung ab sondert und die ^uden ledig­lich dort, unter feinen Umständen ins eigentliche Rußland zu­lassen will. Es liegen auch Vorschläge vor, die den Aufenthalt der Juden in Moskau noch mehr erschweren sollen als bisher.

3n Warschau umzingelte die Geheim-Polrzec mit Hilfe

des Militärs das Gebäude des astronomischen Observa­toriums, durchsuchte die Wohnung des Leiters Ian Kowal­czyk, eine5 berühmten Astronomen, und fand eine große Waffen Niederlage. KowaleUck, seine Tochter und sem Sohn wurden verhaftet. Gleichzeitig wurde eine Apo­theker-Wohnung durchsucht und eine zweite Waffen- Niederlage mit 20 000 Revolver-Patronen gefunden. Die ganze Familie wurde verhaftet. Der Waffenfund deutet auf eine Organisation im ganzen Reiche und auf revolutionäre Vorbereitungen der sozialen Kampfespartei hin.

In Baku sind Not und Elend unbeschreiblich.. Wer halbwegs konnte, ist geflüchtet. Die Zurückgebliebenen find meist ohne Obdach und hinreichende Nahrung. Die Preise der Lebens­mittel sind meist furchtbar hoch, besonders für Brot und Fleuch. Von allen Seiten wird die öffentliche Wohltätigkeit um Hilfe n naci ii ren,

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Sept. Die Fleischerinnung hat in zahl­reich besuchter Versammlung beschloffen, eine Eingabe (in den Reichskanzler zu richten, in welcher sie den Stand­punkt vertritt, daß die deutsche Landwirtschaft nicht in der Lage ist, Deutschland genügend mit Schlachtvieh zu versorgen, daß die Lage der Bevölkerung Deutschlands inbe- zu g auf die Fleisch nah runq tro stlos sei und das Fleischergewerbe seinen Untergang vor Augen sehe. Der Reichskanzler wird gebeten, den Bundesrat sofort einzu- lerufen und ihm Anträge zur sofortigen Oeffnung der Grenze ür die Einführung von Schlachtvieh und einer zeit­lichen Aufhebung aller Viebzölle zu unterbreiten. Gleichzeitig hat die Berliner Fleischerinnung beschloffen, den Berliner Magistrat um Unterstützung dieser Forderungen bei den zuständigen Behörden zu ersuchen.

Baden-Baden, 14. Sept. Großfürst Michael Nikolajewitsch empfing heute den Reichskanzler Fürsten von Bülow in längerer Audienz.

Aon der landwtrlsckaMiä^ri Landes- und Jubitäums-Ausstcssnng in Mainz.

(Original-Artikel des Gießener Anzeigers.)

IL

Mainz, 14. September.

Die Hoffnung, daß auch der Tag der Eröffnung der Ausstellung schönes Wetter bringen würde, ist buchstäblich zu Lasser geworden. Trübe und regnerisch brach der Tag an. Bald nach Mitternacht mußten erhebliche Regenmengen nieder­gegangen fein, denn die schon am frühen Morgen tätig ge­wesenen Preisrichter brachten von der Maxau mit Lehm nur allzu reichlich beschmutzte Stiefel zurück. Die Fahnentücher hängen schlaff und trübselig von den Masten herab und der Regen rieselt immer noch aus grauen Wolken nieder. Kaum wagte man vom Nachmittag besseres Wetter zu erhoffen.

Auch die Menschen machten trübe Gesichter und der Besuch der Ausstellung war bis gegen 11 Uhr gering. Nur wer in der Ausstellung zu tun hatte, besuchte dieselbe. Von dieser Stunde ab änderte sich das Bild. Es regnete nur noch ganz unbedeutend und Scharen betraten nun wieder die Ausstellung, um herüber auf das andere Ufer des Rheins zu kommen. Dort auf der Kasteler Seite war vor dem großen Ring die Tribüne erbaut, von der herab die Aus­stellung utn 11'/.» Uhr feierlich eröffnet werden sollte.

Die Mitglieder der Staatsregierung, der Provinzial­direktion, der Bürgermeisterei, der Geistlichkeit aller Kon­fessionen waren erschienen und wurden auf der Tribüne em­pfangen vom Präsidium des Hessischen Landwirtschaftsrates.

Geheimrat Haas, 1. Präsident dieser Körperschaft, hielt die Eröffnungsrede. In dieser wurde besonders herzlich ge­dacht des Heimganges des vortrefflichen Oberbürgermeisters von Mainz, Dr. Gaßner, und das Bedauern ausgesprochen darüber, daß die Ausstellung in die Tage gefallen sei, in der die Bürgerschaft um den Verlust ihres besten Mitbürgers fraure. Der Redner sprach der Staatsregierung und dem Landtage für die Bewilligung der Mittel zur Förderung der Ausstellung den Dank aus, ebenso der Stadt für die Be­willigung des schönen Platzes. Möge übrigens die Aus­stellung die Würdigung finden, die sie verdient, so rief der Redner aus, und schloß mit einem Hoch auf den Landesherrn, in das die Versammelten lebhaft einstimmten.

Exzellenz Rothe eröffnete dann namens des Protektors der Ausstellung, das ist Se. Königs. Hoheit der Großherzog, jene, indem er zugleich das Bedauern des Landesherrn aus­drückte, am Erscheinen verhindert zu sein. Und nun wurden den auf der Tribüne Versammelten die sehenswertesten Tiere vorgeführt, Hengste, prämiierte Pferde im Besitz von Land­wirten, die Rinder und die Ziegen. Possierlich sah ein ge­waltiger Ziegenbock aus, der gravitätischen Schrittes den Zug der Ziegen eröffnete. Sein Gesicht war von einem wallenden schneeweißen Bart umrahmt und hatte etwas menschenähnliches. Stolz schritt er vorüber, das Tier sah so komisch aus, daß es allgemeine Heiterkeit erregte. Inzwischen war es spät geworden. Alles wanderte wieder dem Rhein­ufer zu, um mit dem Dampfer wieder auf das Mainzer Ufer zu kommen. Dort warteten dampfende Schüsseln - mit der Mittagskost auf die hungrigen Gäste. Tie Hotels in der Rheinstraße werden von diesen wohl zuerst heimgesucht, aber auch weiter in das Innere der Stadt verlieren sich die Be­sucher der Ausstellung. Von der Fleischnot verspürt man in den Hotels und Restaurationen nichts. Die Preise sind nich höher wie gewöhnlich. In den besseren Restaurationen kostet ein junges Feldhuhn mit Kraut eine Mark, das ist sogar ein ungewöhnlich niedriger Preis.

Der frühe Nachmittag findet uns schon wieder in der Ausstellung. Das Pflaster in den Straßen ist über mittag trocken geworden, der Himmel hellt sich auf. Wir sind im Begriff, Einzelheiten in der Ausstellung genauer anzusehen. Da wird mitgeteili eS ist eben vier Uhr gegen i/2 5 Uhr würden Se. Königliche Hoheit in die Ausstellung kommen. Ich stehe mit dem Präsidenten des Hess. Land- wirtschaftSrates plaudernd im Hauptwege der Ausstellung. Da erhält jener einen leichten Schlag auf dieSchulter. Wir drehen uns um und vor uns steht der Groß­herzog. Er ist im Zivilanzug, fast niemand hat den hohen Herrn erkannt, der wie jeder Andere, seiner Be­gleitung um einige Schritte vottius, die Ausstellung betreten hat. Sofort beginnt die Besichtigung der Ausstellung, das nächste Ziel ist die TierauSstellung auf dem jenseitigen Ufer. Unter Landesvater betritt den Dampfer mit vielen anderen Besuchern der Ausstellung, rasch haben Telegraph und Tele­

phon die Nachricht verbreitet, daß hoher Besuch da ist. Die Tribüne füllt sich mit der offiziellen und nicht offiziellen Welt später zum zweiten male und wieder beginnt unter den Klängen der Musik die Vorführung zunächst der Pferde, die das Interesse des Landesherrn besonders zu erwecken scheinen. Die Züchter der edelsten Tiere werden durch den Oberland­stallmeister Sr. Königl. Haheit vorgestellt und huldvoll an- geredet.

Besonderes Aufsehen erregten die prächtigen Pferde des Herrn Albert Dettweiler von Wintersheim, Rheinhessen, die wiederholt vorgeführt werden, und der ausgezeichnete Traber des Herrn Brückmann-Großkarben, der von dem Besitzer selbst im Einspänner vorgefahren wird. Beim Rund- gang durch die Ställe führt derselbe Herr dem Großherzog einen prächtigen zweijährigen Oldenburger Hengst vor und die Mutter und Schwester dieses Tieres. Der Hengst ist mit einem ersten Preise ausgezeichnet.

Der Großherzog fährt zurück auf das Mainzer Ufer, diesmal nur mit den Herren seines Gefolges, Vertretern der Negierung, der Behörden und den Ausstellungsleitern. Drüben ieht der Großherzog die ObstauSstellungen, die wissenschaft­liche Abteilung, die BienenauSstellung, die Ausstellung der Lindheimer Haushaltungsschule re. In dieser unterhält fi Se. Königl. Hoheit huldvollst mit der Vorsteherin derselben, Frl. Moll und der Handarbeitslehrerin dieser Anstalt, Frl. Dörrn er. Die ausgestellten Arbeiten dieser Damen sind dem Vernehmen nach mit einigen Preisen ausgezeichnet worden, die Arbeiten der Schülerinnen werden als tüchtige Leistungen anerkannt, sowohl die Flick- und Stopfarbeiten als auch die feineren, oft nicht so kunstvollen als die erst­genannten.

Der Großherzog ist erst am späten Mittag aus dem Manöver gekommen. Dazu kam am gleichen Tage die Be­sichtigung der Ausstellung, die ebenfalls anstrengend genug war. Aber Ermüdung merkte man dem hohen Herrn auch im letzten Augenblick nicht an, die Bewegungen waren so jugendlich-elastisch wie immer. Erst gegen die Abenddämmer- ung hin verließ der Großherzog nach allen Seiten dankend die Ausstellung.

Morgen findet die Generalversammlung der drei landwirtschaftlichen Provinzialvereine statt. Daran schloß sich das offizielle Festessen. Erst am Samstag wird man in aller Ruhe die Ausstellung auf der Mainzer Seite betrachten dürfen.

Ich freue mich, berichten zu können, daß die recht zahl­reich hier vertretenen oberhessischen Aussteller über ihre Er- olge bei der Prämiierung sich meist recht zufrieden äußern. Wie ich höre, haben die oberhessischen Molkereien bei dec Prämiierung der ausgestellten Butter sehr gut abgeschnitten. Eine oberhesfische Molkerei, nicht einmal eine sehr große ein Veilchen, das ziemlich im Verborgenen blüht wird ogar den 1. Preis für die beste Butter des ganzen Landes erhalten. Mehr darf ich vorläufig nicht verraten!

(Ans nnd Land.

Gießen, 15. September 1905.

** Anläßlich des Geburtstages I. K. H. der Groß Herzogin am 17. d. Mts. bleiben die Schulen des Großherzogtums Hessen morgen, Samstag, geschlossen. Tie betreffende Verfügung deS Großherzoglichen Ministeriums an die unterstellten Schulbehörden ist im Kreisblatt vom 13. ds. bekannt gegeben worden.

** Die enb gütigen Pläne für b en Theater nenbau finb, wie uns bie Großh. Bürgermeisterei mit- teilt, jetzt eingetrossen; sie werben nächsten Sonntag von 912 Uhr sowie Montag und Dienstag von 812 und von 36 Uhr im Sitzungssaale der Stadtverordneten öffentlich ausgestellt toerhen, sodaß jedermann sie sich ansehen kann.

** Verbesserung der Schiffbarkeit der Lahn. In den Tagen vom 18. bis 20. September wird eine außerordentliche B ereisun g der Lahn von Gießen bis zur Rheinmündung statisinden. Die Fahrt hängt nach Mitteilungen derEmser Ztg." mit der voraussichtlichen Verbesserung der Schiffbarkeit der Lahn zusainnien und es nehmen daran teil Geh. Oberbaurat Keller vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin, Regierungs- und Bäumt Rasch-Wiesbaden, Wasserbauinspektor Baurat Lühning-Diez, Baurat Schmidt von der Großh. Hess. Regierung und Re­gierungsbaumeister Tholeus-Diez.

** Zarenbesuch? Meldungen au§ Darmstadt zi> folge wird dort nach neueren Dispositionen das Zarenpaar mit Kindern bereits nächste Woche erwartet. Der Besuch geschehe auf Anraten der russischen Aerzte, da in­folge der gewaltigen Aufregung in der letzten Zeit der Ge­sundheitszustand des russischen Kaiserpaares gelitten hätte. Der Aufenthalt erstrecke sich auf zwei Monate. Wie es ferner heißt, trifft man im großh. Schlöffe auch Vorkehrungen für weitere Besuche europäischer Fürstenfamilien, insbesondere für das Deutsche Kaiserpaar, das im Oktober die Zarenfamilie besuchen werde. Sehr glaub» lich klingen diese Meldungen nicht. Die Verhältniffe sind in Rußland doch nicht so, daß sie eine mehrmonatige Ab­wesenheit des Herrschers vertragen. Und so wird denn auck diese Meldung dem Franks. Gen.-Anz.von gut unterrichteter Seite" als Erfindung bezeichnet. Vielleicht hängt die gestrige Audienz des Reichskanzlers beim Großfürsten Michael, einem Großonkel des Zaren, mit diesen Meldungen zusammen. (Vgl. Deutsch. Reich.)

Darmstadt, 14. Sept. DerTägl. Anz." schreibt. Heute verschied nach längerem Leiden der Großh. Ren baut Georg Göbel. Als Tageskassierer des Hof- t Heaters stand der Verblichene in regstem Verkehr mit dein Publikum, das ihn wegen seiner großen Geschäftsgewandtheii und stets gefälligen Art zu schätzen wußte, lieber 30 Jahrc bekleidete Göbel das Amt des Kassierers auch zur vollsten Zufriedenheit feiner vorgesetzten Behörde. Göbels Wirksam­keit an der Großh. Hofbühne reicht bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts zurück. Schon im Jahre 1850 be> gegnen wir feinem Namen auf dem Theaterzettel in Kinder­rollen. Später wirkte er als Tänzer und Schauspieler, zu­letzt seit 1872 al§ Tageskassierer. Noch im vorigen Ja brr feierte Göbel sein 50jährigeZ Dienstjubiläum. Darmstädte: Kinder haben seiner Zeit in ihren Reihen gesammelt für ein Elisa b et Hen-Denk mal, das ihrer Liebe zum verstor­benen Prinzeßchen kindlichen Ausdruck verleihen sollte. Dic