begeisterte Hochrufe aus.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 16. August 1905: Temperatur am Tage wenig verändert, nachts etwas wärmer, nur vereinzelt Gewitter.
Näheres durch die Gießener Wetterkarte.
PertnildySea.
* Das Haar der Kaiserin. Manch hübsche Anekdote erzählt man sich im Fischerdorfe Närmeln auf der Frischen Nehrung vom Besuche der Kaiserin, doch dürfte das Kronstück der Sammlung folgendes Vorkommnis sein, das' der „Königsb. Hart. Ztg." von einem zuverlässigen Gcwährsmanne erzählt wird. Ein altes Mütterchen, dessen Haupthaar in seiner jugendfrischen F'arbe die Aufmerksamkeit der Kaiserin erregte, wurde von dieser nach ihrem Alter befragt. Statt der Antwort kam die drollige Gegenfrage: „Wie oalt sönnd Sei denn, Frnke?" — „47 Jahre!" antwortete die Kaiserin. „Ach. mien Lövsterte", rief da die Alte, die knochigen Hände zusammenschlagend, aus, „örscht säwenundvörtig, unn sch on st so e graue Kopp!" Es versteht sich von selbst, daß die Kaiserin diese Kritik mit liebenswürdiger Heiterkeit aufnahm. Das Haar der Kaiserin ist nämlich nahezu völlig weiß.
* Kottbus, 14. Ang. Die bisherigen Feststellungen bezüglich der gegen den Stationsassistenten Stnlljos erhobenen Beschuldigung, er sei während des Dienstes betrunken gewesen, haben als zweifellos ergeben, daß er wenige Stunden vor Dienstantritt am Montag eine längere Kneiperei in Teuplitz bei Forst, wo er früher stationiert war, beendigt hatte. So soll er u. a. einen Unter- beamtcn, der auf den im Anfahren begriffenen Zug aufmerksam machte, hart angefahren und geäußert haben, daß sich der Beamte gefälligst um seine eigenen Funktionen bekümmern solle. Wie hier verlautet, hat der Untersuchungsrichter die Verhaftung de? Beamten erst angeordnet, als aus eine erhobene Beschwerde der Staatsanwalt dieserhalb einen Gerichtsbeschluß herbeigeführt hatte. — Ein gemeinsames Denkmal will die Eiscnbahnvcrwaltung den vier Eisenbahnbeamten, die bei dem Spremberger Eisenbahnunglück ihr Leben einbüßten, auf dem Friedhof in KottbuS errichten lassen. Die vier Beamten wurden dort in einem gemeinsamen Grabe beerdigt.
* Stettin, 14. Aug. Auf der Oder, unterhalb Zillichow, stießen gestern abend gegen 10 Uhr die Personendampfer „Stetenitz" und „Hanni" zusammen. „Stetemtz" wurde am Backbordbug getroffen, dabei wurde ihm der Schandeckel gebrochen und mehrere Platten über der Wasserlinie cinge- bogen. „Stetenitz" lief sofort auf eine nahe Wiese auf. Dort rourbe fcstgestellt, daß er keinen wesentlichen Schaden genommen rind dicht geblieben war. Die Passagiere, en. 5 0 an der Za hl, wurden nach Steteniß gebracht. „Hanni" war voll beseht lind hatte ea. 400 Passagiere an Bord und ging zugleich nach Zillichow und setzte dort die Passagiere ab. „Stetenitz" wurde bald wieder abgeschleppt und in die Werft „Vulkan" gebracht, „Hanni" rourbe ber Vorbersteven vollständig verbogen. Auch hier liegt ber Schaben über ber Wasserlinie. Die Passagiere kanien mit dem bloßen Schrecken davon: verletzt wurde nieinand.
* München, 14. Aug. Bei der Wettfahrt um den Herkommen Preis verunglückte bei Oberfahlheim ber Wagen des Geheimen Medizinalrats Professor Dr. Hoffa aus Berlin. Geheimrat Hoffa blleb gänzlich linverletzt, während ber Chauffeur einen Arm bruch erlitt.
* Die Frau vor 5100 Jahren. Aus Paris wird geschrieben: Im Louvre-Museum ist jetzt die Sammlung von archäologischen Schätzen, welche de Morgan aus Asien mit- gebracht' hat, zu sehen. Darunter befindet sich eine Gesetzes- täfel des Königs Hamurabi von Chaldäa, welche 32 Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung hergestellt worden sein ioll. Was sie über die Stellung der Frau enthält, ist von dem Profeffor Eugene RSvillot entziffert und zeigt, daß die Frau im Hause des Gatten, der sie gekauft hat, nur eine Sklavin war. So lautet Artikel 141: „Die Frau, die im Hause eines Mannes wohnt und sich schmückt, um auszu-
Zur Fleischterrerring.
Berlin, 14. Aug. In Berlin hat eine Vermehrung -er vegetarischen Restaurants wegen der andauernden Fleischteuerung stattgcfunden. Stadtteile, die bisher keinen Sammelpunkt für die Freunde der Pflanzenkost besaßen, haben in den letzten Wochen vegetarische Restaurants erhalten. Auch in den größeren Vororten sollen Vegetarier- Wirtschaften geschaffen werden.
Königs Hütte, 14. Aug. Mit der Fleischnot befaßte sich eine hier abgehaltene außerordentliche Generalver- fammlitng der freien Fleischer- und Wurstmacherinnung. Der erste Bürgermeister Stolle teilte mit, eine Kommission der Interessierten von sieben Schlachthausgemeinden habe eine Audienz beim Ministerpräsidenten nachgesucht, aber noch keinen Bescheid erhalten. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der es heißt, sie halte sämtliche von ber Regierung unb vom Lanbwirtschafts- ministerium getroffenen Maßnahmen für nicht geeignet, ber Fleischteuerung in Oberschlesien abzuhelfen. £)ingcgenjei sie nach wie vor der Ansicht, daß es zur Abstellung der Fleischnot nur einen Weg gibt und der sei die sofortige Zulassung eines erhöhten Einfuhrkontingents ans Rußland.
München, 13. Aug. Die Ausschüsse der vereinigten Metzgerinnungen beschloßen, die Ladenpreise in den nächsten Tagen um 4 bis 6 Pfg. pro Pfund Rindfleisch zu erhöhen. Richt weniger als 30 Metzgermeister schlossen in den letzten Wochen ihr Geschäft, weil sie nicht weiter mit Verlust verkaufen wollen.
sich mit der Frage: Wie verbeffern wir unsere Sage? In einer andern Sitzung wurde die Frage erörtert: „Wie verbessern wir unsere Nahrung?"
Mainz, 14. Aug. Am Samstag sollte hier auf einem Rheinschiff ein steckbrieflich verfolgter Matrose von auswärts verhaftet werden. Er widersetzte sich jedoch der Berhaftung und fand auch noch Unterstützung von zwei Matrosen. Für den unbewaffneten Schutzmann wurde der Fall kritisch. Kurz entschlossen, griff er in seine Brusttasche, zog rasch ein Zigarrenfutteral aus Neusilber hervor und hielt es mit dem Rufe: „Zurück, oder ich schieße!" dem einen Matrosen vor das Gesicht. Erschrocken prallten die Matrosen, welche das Futteral für einen Revolver hielten, zurück, und nun konnte der Schutzmann die Verhaftung vollziehen. (Mainz. Tgbl.)
Bodenheim, 11. August. Eine Seltenheit dürfte nach der „Darmst. Ztg." die Tatsache sein, daß fünf-noch ebenbe Geschwister zusammen 428 Jahre zählen und alle von verhältnismäßig größter Rüstigkeit sind. Hier ist dies von den Geschwistern Adam, Johann, Paul, Elisabeth und Christoph Leber zu melden, indem solche 92, 89, 87, 83 und 77 Jahre alt sind, was zusammen 428 Jahre gibt. Die Leute haben ihr hohes, gesundes Alter ohne Zweifel dem Umstande zu verdanken, daß sie zeitlebens fleißig gearbeitet und dabei solid gelebt haben. Diese Leute sind mrchaus keine Weinverachter, trinken aber ihren Boden- jeimer in unverfälschtem Zustande.
Hanau, 12. August. Bor einigen Tagen erhängte ich, wie es heißt, ans Verzweiflung, ein Reservist des )iefigen Infanterie Regiments, der früher Fahrbursche in Frankfurt war. Er soll einem Bekannten einen größeren Betrag von seinen Ersparnissen geliehen unb diesen cinge- mßt haben. Bemerkenswert ist nun, daß, wie die „Hanauer Zeitung" schreibt, diesem Soldaten bei der Beerdigung alle militärischen Ehren zuteil wurden, während ihm die kirchlichen Ehrungen versagt blieben; die Geistlichen hatte die Teilnahme bei der Bestattung abgelehnt.
Gladenbach, 9. Ang. Unsere Gemeinde steht im Begriff, eine Hochdruckroasserleitung anzulegen. Das Wasser wirb von einem alten Bergwerk bei Rachelshausen, welches die Gemeinbe für 30 000 Mk. käuflich erworben hat, etwa fünf Kilometer weit zu unserem Orte geleitet. Die ganze Anlage kostet über 100 000 Mk.
* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. Am Samstag ist in M a i n z ber 20 jährige Rufer Dietrich unter eigenartigen Umständen verunglückt. Bei dem Abladen eines 30 Zentner schweren Wemfasses wurde T._ von dem Ablaßseil gepackt und mit solcher Gewalt um das Faß ge- kMeubert, baß nach einigen Stunden der Tod eintrat.
bewahren. ~ .
**DasNeueste auf demGebiete der Vereinsmeierei dürste unstreitig die in Bommern bei Witten erfolgte Gründung eines „Verbandes organisi er ter Kostgänger" sein. In der ersten Sitzung, in der zu- ojoub auch der Verband gegründet wurde, beschäftigte man
Kus Klsdl and KauS.
Gießen, 15. Augitst.
** Personalien. S .K. H. der Großherzog haben Aem Forstwart der Kommunalforsiwartei Langen-Brombach F. S., Sior zu Rehbach, aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Allgememe Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Arbeit" verliehen.
" Provinzialbirektor GeheirneratDr.Breidert ist gestern in Urlaub gereift.
’• Besitzwechsel. Bilbhauer Martin Schm all erwarb bei ber gestrigen Versteigerung den städtischen Bauplatz an ber Licherstraße zum Preise von 6610.50 Mk. = 11.30 Mk. pro Quabratmeter. — Die Firma Emil Horst erwarb heute das Anwesen Alieestraße 11, G. Nauheimer und Georg Appel gehörend, sowie die Besitzung des H. Adami, Alieestraße 12, für zusammen 149 000 Mk. Die Firma Horst beabsichtigt dort weitere Musterlager ihrer Bauartikel anzulegen.
Durch gebrannt. Ein von Diez aus in die hiesige Klinik gewiesener Strafgefangener entsprang gestern nachmittag, als er von einem Transporteur abgeholt werden sollte. Die Krankenwärter setzten ihm nach, und es gelang ihnen, den Durchbrenner am Bahnhose wieder einzufangen.
♦* Wegen Sittlichkeitsverbrechens wurde heute vormittag ein Arbeiter verhaftet, welcher bereits wegen de§ gleichen Delikts mit Zuchthaus bestraft worden ist.
*• Ueberfahren. Gestern abend rourbe auf ber Mäus- burg eine Frau von einem Rabfahrer überfahren. Es rourbe gegen ben Rabfahrer Strafantrag gestellt. Die Frau wurde an der Hand verletzt.
*• Zu ber Reblausgefahr in Rheinhessen schreibt man uns: Eine für jeben Weintrinker recht be- trübenbe Nachricht hat ber Telegraph aus Rheinhessen ver- breitet: Im „Hahnheimer Knopf" im Kreise Oppenheim ist ein großer Reblausherb entbeeft worben, der bereits über 100 Stöcke umfaßt. Gerade das gesegnete hessische Weinland mit seinen Edelgewächsen längs des Rheines war bis jetzt glücklicherweise fast ganz von der verheerenden Seuche verschont geblieben; die vor einigen Jahren bei Schimsheim und Sulzheim von ber Reblaus heimgesuchten Gemarkungen betrafen nur kleinere Gebiete und geringere Sorten. Im Oppenheimer Kreise aber wächst mit ber beste rheinhessische Wein; der Kreis umfaßt 4583 Ha. Weinberge, die jährlich zirka 150 000 Hektoliter Wein im Werte von über 4 Millionen Mark liefern. Zu der direkt betroffenen, zirka 800 Morgen umfassenden Gemarkung Hahnheim gehören noch die Rcb- gelänbe der Gemeinden Sörgenloch und Zornheim im Kreise Mainz unb Selzen unb Mommenheim im Kreise Oppenheim. Als die telegraphische Melbung von ber Entdeckung ber Reblaus in Darmstadt eintraf, begab sich sofort eine Kommission von Sachverstänbigen an Ort unb Stelle unb tra die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln. Die Gemarkung Hahnheim wurde für jeden Verkehr mit Reben, Gerätschaften unb für alle nicht amtlich Beauftragten streng abgeschlossen, bie verseuchte unb die verdächtige Rebfläche mit Drahtgitter umzogen, vor allem auch eine größere Anzahl Sachverständiger her- beigerufen unb mit ber genauesten Untersuchung aller Weinberge jener Gegenb beauftragt, lieber die Herkunft des Seucheherdes ist man um so mehr überrascht, als es sich hier um alte Rebbestände handelt, in die seit mehreren Jahrzehnten
Schiffsnachrichtcn.
Norddeutscher Lloyd.
In Gießen vertreten durch Earl LooS, Kircbenplatz.
Bremen, 10. Aug. (Per transatlantischen Telegraph.! Der Doppelschrauben-Postdanrpfer „Barbarossa", Kapitän H. Langreuter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 5 Uhr nachmittags wohlbehalten in Newyork angefontmen.
Bremen, 10. Aug. tPer transatlantischen Telegraph'). Der Doppelschranben-Ppostdampser „Breslau", Kapitän £). Prager, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 12 Uhr mittags wohlbcbalten in Baltimore angekommen.
kein fremdes Holz hineingekommen ist. Man neigt daher ber Annahme zu, baß möglicherweise eine Windverschleppung vorliegt; der Hahnheimer Knopf liegt auf ber Höhe unb gerabe in nordwestlicher Richtung von ben früheren Seuchc- orten Schimsheim unb Sulzheim, so daß also bie fliegenbcn Läuse vomWind dorthin getragen worden sein könnten. Genaueres darüber können indeß erst die näheren Untersuchungen ergeben. Von Interesse ist, daß die ausgedehnten Weinberge im Binger und Oberingelheimer Kreis nut ihren kostbaren Gewächsen bisher glücklich von der Seuche verschont geblieben sind, trotzdem diese in unmittelbarer Nähe, nämlich in ben preußischen Reb> baugebieten links ber Nahe schon seit Jahren in so vcr- heerenber Weise aufgetreten ist. Die Neblausuntersuchungen in Rheinhessen sind in vier Sachverstänblgenkolonnen em- geteilt; von den brei anberen Untersuchungsbezirken sind, roie amtlich konstatiert wirb, verbächtige Tatsachen bisher nicht gemelbet worben. Hoffentlich gelingt es, bie Seuche aus ihren jetzigen Herb zu beschränken unb die blühenden Wemorte Nierstein, Nackenheim, Bodenheim, Laubenheim davor zu
Griqinat-DrattlMi's^unqen.
R.-B. Darmstadt, 15. Aug. Die in dem Reblaus- herd am Hahnheimer Knopf weiter stattgehabten Untersuchungen haben erfreulicherweise nur eine geringe Zunahme ber von ber Seuche ergriffenen Rebstöcke ergeben. Es waren bis gestern abenb 115 behaftete Stöcke gezählt. Die Sachverstänbigen neigen der Ansicht zu, baß eS sich nur um eine Verseuchung jüngeren Datum? hanbeln könne. Um die Untersuchung nachhaltig weiter zu betreiben, ist sofort noch eine fünfte Sachverstänbigen-Kolonne gebilbet worben, bie bie bis-
gehen, säet Zwietracht, ruiniert bas Haus, schädigt den Garten. Man wird sie vor Gericht laden. Wenn der Mann sagt-. „Ich lasse sie ziehen," so gewährt er ihr freien Abzug und gibt ihr nichts mit. Wenn aber der Mann sagt: Ich schicke sie nicht fort," so kann er eine andere Frau heiraten, und die erste bleibt als Magd im Hause ihres Mannes." Artikel 142: „Wenn eine Frau zu ihrem Manne sagt: „Du sollst mich nicht besitzen," so wird man die Sache untersuchen. Ist sie eine tadellose Haushälterin, von ihrem Manne, der viel ausgeht, vernachlässigt, so ist die Frau straffrei. Sie darf ihre Mitgift nehmen und zu ihrem Vater zurückkehren. Wenn sie aber nicht haushälterisch ist, sondern lüderlich, fein Haus ruiniert und den Mann vernachlässigt, so wirft man sie ins Wasser." Andere Bestimmungen handeln von dem Falle, daß der Mann im Kriege gefangen genommen wird. Wenn dann in seinem Hause grnug zu essen vorhanden ist und wenn die Frau das Haus verläßt und sich einem anderen Manne ergibt, so soll sie ins Waffer geworfen werden. Dagegen begeht sic keinen Fehler, wenn sie das Haus verläßt, wo nichts zu essen ist. Gebiert sie bann Kinder und kommt ihr Mann heim, so kehrt sie zu
ihm zurück, die Kinder aber bleiben bei ihrem Vater. Die kinderlose Frau wird verstoßen oder sie darf neben ihrer Magd, einer Hagar die sie selbst wählen kann, und die dem Herrn Nachkommenschaft zu geben hat, im Hanse bleiben. Unter diesen Umständen wird sie sogar ermächtigt, die Hagar, welche die Hoffnung auf Kindersegen täuscht, als Sklavin zu verkaufen. Das mag eine Art Genugtuung gewesen sein, die aber nicht hindert, daß der verschuldete Mann die Frau als Pfand dem Gläubiger hergeben darf, und daß sie diesem gehört, wenn die Schuld nach vier Jahren nicht beglichen ist.
* Der Einsturz eines Warenhauses in Albanh. Furchtbare Szenen werden von dem Einsturz des großen Warenhauses der John Myers (Meyers) Company berichtet, der am Dienstag früh in Albany (Staat Rewvork) stattfand. Mehr als hundert Angestellte, die Mehrzahl darunter junge Mädchen, wurden unter den Trümmern des vielstöckigen Gebäudes begraben. Das Unglück wurde dadurch verursacht, daß Arbeiter, die eine neue Front aufführten, einige Eisenträger entfernten, ohne sie durch genügende Stützen zu ersetzen. Mauerwerk, Träger, Fachwerks alles an dem gewaltigen Gebäude stürzte zu einem großen Trümmerhaufen zusammen. Es waren etwa 300 Angestellte in dem Gebäude, als dieses plötzlich zu zittern begann, bann anscheinend in eine schwingende Bewegung versetzt wurde, bis schließlich Fußböden und Träger laut zu krachen begannen und dann mit einem Ton, als ob etwas zerrisse, ein großer Teil des Gebäudes auf einen Haufen von etwa 100 Quadratfuß Größe zusammensank. Nahe an 200 Angestellte kamen mit dem bloßen Schrecken davon. Sie glaubten schon beim ersten Stoß, es handele sich um ein Erdbeben, und stürzten aus den Hauptausgängen auf die Straße, wo sie auch nur mit genauer Not den herabsausenden Dachteilen, Trägern und Mauerstücken entgingen. Nach wenigen Minuten waren Rettungsmannschaften zur Stelle, und man ging an die Arbeit, die hundert Personen, die den Ausweg nicht mehr hatten finden können, aus den Trümmern hervorzuziehen. Feuerwehrleute, Polizisten und städtische Arbeiter suchten die Opfer bloßzulegen, und bald waren auch alle Aerzte der Stadt versammelt, den Verunglückten die erste Hilse^ zu leisten. Junge Mädchen unb Knaben würben ans ben Trümmern herausgegraben unb burch bie bichten Zuschauev- mengen, bie sich angesammelt hatten, zu ben schnell eingerichteten Pflegestationen getragen. Während des Rettungswerkes entstand eine neue Panik, als wieder Trümmerteile, die noch an einem der oberen Stockwerke hingen, zu fallen begannen. Von den beim Einsturz des Gebäudes unter den Trümmern Begrabenen sind, soweit sich bisher feststellen ließ, 20— bis 30 Personen getötet. Von denen, die noch lebten, benahmen sich viele heldenhaft. Einige, die unter Balken lagen, forderten die Retter äußerst diejenigen hervorzuholen, die sich in schlimmerer Lage befänden und jämmerlich um Hilfe riefen. Einige der Opfer waren fast unkenntlich, als sie hervorgezogen wurden. Man machte verzweifelte An- trengungen, um die Leute zu retten, die sich in besonders chlimmer Lage befanden. Ein junger Arzt fand eine kleine Oeffnung, durch die er in einen Trümmerhaufen eindrang, unter dem er in einem Hohlraum viele Angestellte unter Mauerwerk und Holzstücken liegen sah. Er wurde hinab- gelassen und konnte mehreren ber Opfer Arzneimittel barreichen. Später brang ein Priester auf biefefbe Art hinab unb spenbete ben Sterbenben Trost. Ein Angestellter fiel durch vier Stockwerke hinburch, kam aber trotzbem mit einem gebrochenen Bein und einigen Quetschungen bavon. Er gab seinen Rettern Anweisungen, wie sie ihn aus bem Trümmerhaufen, unter bem er lag, hervorziehen sollten; als seine Rettung enblich geglückt war, brachen bie Zuschauer in
DronAr Beginn des Wintersemesters am
©rauer-AKalk tHie IS. Oktober 11)05
WoiriTüS 3" Fa Sw Prospekte durch E. Ehrich.
Für Placierunq der Absolventen ist man bemüht. ss’7/,


