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13.3.1905 Erstes Blatt
 
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Montag 13. März 1905?

155. Jahrgang

Erstes Blatt.

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- Anzeigeblatt für den Kreis Giehen

Verantworil'ch ffit den polit und cjjenie Teil: P. Wittko: für ©tobt und Land^ tmb Gerichtssaal^: August Goetz; iür den An- zeigenteil: Han8 Beck.

jährlich Mk. 2.20; durch Aohole» u. Zweigstelle monatlich 6b Pf.; durch die Post Mk. 2.viertel*, jährl. ausschl. Bestellg.! Annahme D^n Anzeige» irr die Tr '.dn'nrmwt) 's vo-nnittaqs 0 'tTite-*

Zc'^ermreiS:

auswärts Äfz.

Nr. 61

Grillet tsgttch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Vesfifchen Landwirt die Siebener FamUiev. Glätter viermal in der Woche beigelegt.

KotationSdruck u. Ver­lag der Brühl 'scheu Vntverf.-Buch-u. Stein­druckerei. 9L Lange. Redaktton, Grpeditton und Druckerei:

Echulstraße 7.

Adresse für Depesch«»: Anzeiger Gießen.

Kernsprechanschluß Nr. 51.

Kie Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

Ier Krieg.

Ein völlig klares Bild von den Bewegungen, die seit Aem Beginne des Rückzuges der russischen Armeen von diesen und den sie verfolgenden Japanern ausgeführt wer­den, läßt sich, nod)i nicht gewinnen. Wie es scheint, sucht der HaupttÄl der Heeresmacht Kuvopatttns östlrch von der Eisenbahn in nördlicher Richtung zu entkommen Es fragt sich nun, ob in dieser Richtung genügend japanische Streit­kräfte stehen, die imstande sind, den Flüchtigen den Weg zu verlegen. Ist das nichit der Fall, so darf man annehmen, daß die bloße Verfolgung vom Rücken her den Russen hier zwar noch! sehr schwere Verluste zufügen, aber doch ihre Vernichtung nicht herbeiführen wird. Anders steht es mit den werter östlich int Gebirge befindlichen ßlbteTnngen. Wenn diese sich, wie man vermuten muß, noch südlich von Fushun befinden, so wird es für sie sehr schwer sein, eine gangbare Rückzugsstraße zu gewinnen Auf alle Fälle wird, auch, wenn ein erheblicher Teil der russischen Truppen entkommst, diesser in einer derartigen Be- fchafseuheit sein, daß er an einen erneuten Widerstand unmöglich noch, denken kann. Ms Ergebnis der in der Weltgeschichte so gut wie einzig dastehenoen nahezu vier- zehntägigen Kämpfe imti Mukden kann man somit schon jetzt ansehen, daß die russischen M.andsch,ureiarmeen nahezu zer- trümmerrt sind, unid daß die Japaner, freilich mit zweisel- M ebenfalls furchtbaren Einbußen, das Ziel, das sich ihre Heeresleitung bei den diesmaligen Operationen un­verkennbar gesetzt hatte, in einem bewundernswerten Maße erreicht haben. (Vgl. die heutigePolitisch>e Wochenschau".)

'Die heutigen offiziösen Meldungen lauten:

Petersburg, 12. März. Em von gestern datiertes Tele- gvom'm des Generals Kuropatkin an den Kaiser lautet: An der Front der zweiten Armee, bei der ich mich befand, ist die 9tacht zum 1L März ohne Kampf verlaufen. Tie Nachhut -dieses Heeres unter General Gcrschelmann ist heute bis 7 Uhr Morgens in den Stellungen bei der Station Chuschitai geblieben. Von der dritten Armee habe ich keine B er ich te erhalten. Teile der ersten Armee befanden sich heute morgen 25 bis 3Q Werst südlich und südöstlich von Tieliug.

Tieling, 12. März. (Petersb. Tel.-Ag.) Vom 7. ds., o Uhr früh bis zmn 9. MaiA griffen die Japaner die ruffische linke Flanke und die Stellungen am Schaho an. Sie er­litten große Verluste au- der Front. Tie Japaner umgingen allmählich unter hartnäckigen Gefechten den rech­ten Flügel und näherten sich den Kaisergräbern. Am 9. März wurden von den Japanern andauernd Angriffe auf die Eisen­bahn unternommen; mit Mühe gelang es den Russen, die Ort­schaft Ungentun zu halten; japanische Geschosse sielen auf die Bahnlinie. Um die Umgehungskolonne der Japaner von seinem Flügel zurnckzuwerfen, sammelte Kuropatkin große Streitkräfte gegen Tschentitun seitlich von Siaogusa und ging zum Angriff vvr, wobei er selbst mitten im Gewehr­feuer sich befand. Heftiger Wind mit Staub hinderte die Opera­tionen. Tas Tors Tschentitun wurde genommen, doch griffen die I a p a n e r abermals den Flügel an und glichendenteil- weisen Erfolg der Russen wieder aus. An diesem Tage durchbrachen die Japaner die südlichen Stell­ungen der Russen bei Kiusanja indem sie von Osten und Westen zur Bahr vorrückten. Tie Japaner drohten Muk- den zu umzingeln, daher wurde in der Nacht des 10. März der Befehl erteilt, nach Tieling zurückzugehen. Am 10. März fuhren die Japaner fort, die russischen Positionen bei der Station Chutchitai cmzugreisen. Kuropatkin konzentrierte süd­lich von Chntchünn Artillerie gegen die Ortschaft Sesintun, nörd­lich von Tschentitun. Der Artilleriekampf dauerte den ganzen Tagan. Die Japaner beschossen das 13 Kilometer nord­östlich von Mulden gelegene Tsuettum. Gleichzeitig bedrängten kleine japanische Abteilungen die russischen Truppenteile iu der Flanke seit dem' Durchbruch bei Kiusanja.

Tokio, 12. MäiH. (Amtlich) Ein Bericht des Marschalls Oyama, der am 11. März, nachmittags, hier eingegangen ist, mÄdet, daß unsere verschiedenen HeeresÄtellungen den Feind in allen Richtungen verfolgen und ihm bedeutende Verluste beibringen. Wir besetzten am Nachmittag des 10. März die Linie 13 Meilen nördlich vom Hunho und setzten am 11. März die Verfolgung fort. Unsere ALteilui^, die am Morgen des 11. März vom Fuho nach Norden ausbrach, begegnete großen Massen des Feindes, der sich nach Norden zurückzog. Nach einem Handgemenge wurden die Russen umzingelt und ergaben sich schließlich. In der Nähe von Mukden sind wir mit versprengten Abteilungen des in die Flucht geschlagenen Feindes in Kämpfe verwickelt; die Russen leisten an­dauernd Widerstand oder ergeben sich. Haufen von russischen Leichnamen werden überall gefunden. Ein Bericht, der am 11. März eingegangen ist, meldet: Tie Zahl der russischen Gefangenen am 10. März wird auf 20 000 Mann geschätzt und nimmt seitdem fortdauernd zu. Nach einer am 12. März eingegangenen Meldung betragen un­sere Gesamt Verluste vom 26. Februar bis zum Morgen des 12. März 41222 Mann.

Tokio, 12. Mürz. (Reuter.) Marschall Ohama schätzt die Zahl dergefapgenenRussenaufüber30 000, die Ver­luste der Japaner auf. 41000 Mann. Die Japaner nahmen gestern eine auf dem Rückzug befindliche russische Kolonne am Puho gefangen.

Tokio, 12. März. (Reuter.s YLach einer "amtlichen Mitteil­ung beträgt die Zahl der von den Japanern gefangenen Rus sen 40 000 Mann. Die Verluste der Russen im Schccho- Bezirk belaufen sich auf 90 000 Mmm.

Petersburg, 12. März. Der Korrespondent der Peters­burger Telegrapheiragentur meldet aus Tieling von heute: Der Rückzug auf Tieling begann in der Nacht des 10. März und wurde Tag und 9ducht bis zum 12. März fortgesetzt. Wäh­rend des 10. März wurden die enormen Trains auf der Man­darinenstraße zuweilen von der japanischen Artillerie beschossen. Unter den Trains herrschte völlige Unordnung; es kam vielfach zu Zusammenstöße. Besmwers groß war die Un­ordnung zwischen den Dörfern Tava und Ponhe. Tie Ver­wirrung, die die anderen Truppen ergriff, dauerte zwei Stun­den. Staubwolken bedeckten Menschen und Wagen. Tie Finster­nis hinderte daran, den r ichti gen W e g e in zu h a l ten. Tie Trains, welche auf der Mandarinenstraße ankamen, drängten die Truppen zurück. Als die Panik nachgelassen hatte, begannen

die Truppen, sich zu fummeln, und führten die verlaffenen Wagen zurück.

Kem Friede!

DasEcho de Paris" verofienllicht eine Erklärung des russischem Generals Dubauoss, welcher sagt, es gebe in ganz Rußland nicht einen Patrioten, der den Gedarrten eines schrnachvjollen Friedens aufkommen ließe. Tas wäre gleichbedeutend mit Entsagung. Tie Russen sind nicht geschlagen. Wir werden siegen, koste es was es wolle. Je mehr uns die Japaner nach dem diorden folgen, desto mehr entfernen sie sich von ihrer Basis Mukden.

Nach einer Meldung aus Petersburg entschuldigte Ge­neral Dragomirow sein Fernbleiben bei bem Mi­nisterrate mit seiner offenkundigen Feindschaft mit Kuropatkin. Der Kriegsrat beschloß die Bestellung von einer Million Schrapnells in Hüll, um damir anzukündigen, daß der Krieg fortdauere. Der Termin für die Einberufung des Kriegsgerichts zur Beurteil­ung der Handlungsweise Stössels undGriepenbergs wird demnächst bekanntgegeben.

Während an den Börsenplätzen die Hoffnungen aus baldigen Friedensschluß wenigstens bis Ende der ver­gangenen Woche wegen der Mederlage bei Mukden nicht schwinden wollten und an der Pariser Börse sogar die ^iachricht verbreitet war, das russische Auswärtige Amt habe dre Regierung wissen lassen, Kaiser Nikolaus sei zu Friedensverhandlungen bereit, tauten die letzten aus bester Quelle stammenden Petersburger Meldungen ganz und gar anders. Mle Nachrichten, daß die russische Regierung zu Friedensverhandlurrgen geneigt sei, entbehren jeglicher tat­sächlicher Begründung. 9iichtig dürfte vielmehr sein, daß die bereits vor einiger Zeit in der Mobilmachungsabteilung begonnenen Vorarbeiten zur Entsendurrg bedeutender Ver­stärkungen beschleunigt durchgeführt urw bis zum Früh­jahr etwa noch 400 000 Mann auf dien Kriegs­schauplatz geworfien werden sollen. (Vgl. die heutige Politische Wochenjchiu".)

*

Es zirkulieren in Petersburg Gerüchte, welche trotz ihrer offenbaren Unwahrscheinlichkeit beim großen Pu­blikum Glauben ftndem So heißt es, GeneralRenüew- kämpf sei in den letzten Gefechten getötet worden und Kuropatkin habe Selbstmord verübt. Ebenso ver­lautet, daß die Russen me., als 300 Geschütze verloren haben sollen.

Kußruuv in Sturm und Srang.

Nach Meldungen aus Kiew ireymen die B auer n - Un - ruhen im mittleren und südlichen Rußland immer größere Dimensionen an. Der von ihnen angerichtete Schaden wird auf mehrere Millionen Rubel geschätzt.

Unweit Riga bei der StationKotenhusen" haben sich^ die Bauern des großen Gutes Löwenstern erhoben. Die Menge begab sich nach dem Hause des Gutsbesitzers, demo­lierte das Gebäude, plünderte es aus und setzte einige, Speicher in Brand. Der Besitzer des Gutes erbat telephonisch von Riga militärische Hilfe, doch! als ein Extra-Militärzug nach ein paar Stunden eintraf, war die Menge schon aus­einander gegangen. Die Petersb. Telegr.-Ag. erklärt da­gegen. die Vöeldungen über Bauernuurutzcn für übertrieben. Die Bauern in Balachp-w hätten, gestützt auf Urkunden, deren Echtheit nicht erweislich war, im Walde des Grund­besitzers ^woff Bäume, gefällt und sich geweigert, der Auf­forderung der Behörden, dies zu unterlassen, Folge zu geben. Hierauf wurde Militär entboten. Mehrere Kosaken und Soldaten wurden von Steinwürfen verletzt. Tsie Menge wurde durch den Gouverneur beruhigt. Später gaben die Bauern die Namen der Aufwiegler an. Die Auswiegler wurden verhaftet Die Soldaten brauchten ihre Waffen nicht. Von den Bauern ist keiner verwundet worden. Jetzt herrscht Ruhe. Meldungen über Bauernunruhen in anderen Gegenden werden dagegen nicht dementiert.

Tie Bombenexplosion im Hotel Bristol ^u Petersburg soll, obgleich, die Untersuchung keinerlei seste, Anhaltspunkte dafür ergeben hat, politischer Natur sein. Der englische Paß des Unbekannten soll gefälscht fein. Der etwa 35 Jahre alte Mann hatte seit dem 7. Februar ein Zimmer im Hotel bezogen; er verließ das Hotel täglich, gegen 12 Uhr und kehrte erst Ätitternachts zirrück. Er führte ein zurückgezogenes 2eben. Wie von informierter Seite ver­lautet, sollen keinerlei inkriminierende Dokumente gesunden worden sein. Gegenwärtig werden Attentate befürchtet und die Vermutung^ liegt nahe, daß der Unbekannte ein Atten­tat vorhatte luib durch unvorsichtiges Umgehen mit der Bombe von iljr zerrissen wurde. Die Petersvurger Polizei behauptet, daß es sich um einen japanischen Agen­ten handelt. Es wird befürtchet, daß zahlreiche Bomben bereits von ihm an Petersburger Revolutionäre verteilt worden sind. (Vgl. die heullgePolitische Wochenschau".)

Graf Lambsdorff hat von dem,revolutionären Ko­mitee einen Drohbrief erhalten mit der Mitteilung, daß er innerhalb eines Monats getötet werden würde, falls der Krieg bis dahin noch fortoauert.

Leut-ches Reich.

Berlin, 1L März, Der Kaiser ist gestern früh aus Wllhelmshaven an Bord des LinienschiffesKaiser Wllhelm II." auf Helgoland eingetroffen. Gegen mittag begab er sich nach, Bremerhaven luib besichtigte seine in Seebecks Dock liegenden Jaä)renMeteor" mrdIduna". Deute hielt der Kaiser um 9i/2 Uhr Gottesdienst an Bord ab; sodann besichtigte er den LloyddampferKaiser Wil­helm II." Die Abfahrt nach Bremen sand mittags statt. Dort befanden sich, aus dem Bahnsteig Prinz Heinrich- Bürgermeister Tr. Pauli und Senator Dr. Marins. Die Herrschaften fuhren durch die in reichem Flaggenschmuck

prangenden Straßeir nach dem Ratsteller, wo dem Kaifetzl von den anwesenden Damen prachtvolle Blumensträuße überreicht wurden. Hierauf sand FrühMck im KaisersacLe statt. Ter Kaiser reiste um 3 Uhr 18 Min. ab.

Nach derNationall. Korrespondenz" hat gelegenllichs- der Beratung der 5^andelsverträge in Berlin zwischen den! einzelftaatlichen Ministern eine Besprechung darüber stattgefunden, wie notwendig eine Erhöhung der Einnahmen des Reiches sei. Man war überein^ stimmend der Meinung, daß die Zeitumstände eine weitererj Hinausschiebung der Äsung der Frage nicht geraten er»\ scheinen lassen. Ebenso wurde darüber ein Einverftänd-'l nis sestgestellt, daß durch die Versassung das Reich nächst aus den Weg der Erschließung weiterer indirekteü Einnahmen hin gewiesen werde. Welche Artikel hierbei' in Frage kommen, darüber dauern die Verhandlungen nochs fort. Zu gegebener Zeit wird eventuell in einer Finanz- ministerzusammenkunst das Plaeet zu den Vorschlägerr erteilt werden.

Prinzregent Luitpold von Bayern feierte gestern, am 12. Aiärz, seinen 84. Geburtstag urchl zugleich sein 70jähriges Militärjublläum. Seit dem 10. Junt 1886 ist er Verweser des Königreichs Bayern, da König Otto bekanntlich mrheilbarer Krankheit verfallen ist. Im Kriege 1866 befehligte der jetzige Prinzregent eine bayerische Division gegen Preußen. Er ist mit großer Liebe Soldat.^ 1870/1871 hielt er sich im Hauptquartier Kaiser Wilhelms! aus. Die gesamte deutsche Artillerie verehrt in ihm mit Stolz den ältesten deutschen Artllleristen. Ein gestern er­schienener Aruteebesehl des Prinzregeuteu besagt:

Mit regem Interesse versolge ich Jahrzehnte hinüurch die Entwickelung der Armee, ihre Wandlungen und chn stets zielsicheres Fortschreiten. Heute spreche ich mit hoher Genugtuung aus, daß dank der fteudigen Hingabe alten Offiziere und Mannschaften an den Dienst, sowie btntf der von jeher herrschenden Manneszucht die bayerische Armee ein ebenbürtiges Glied des glorreichen deutschen Heeres bildet. Ich hege die zuversichtliche Hossnimg, daß die Armee ihre im Kriege nrie im Frieden bewährte» Traditionen stets hochhallen und auch fernerhin ihrev ernsten Aufgabe eingedenk bleiben wird. Meine innigstew Wünsche werden die Armee begleiten, so lange ich lebe.. Der Armeebefehl gibt sodann bekannt, daß der Re-geup dem Kriogsminister v. Asch den Hubertusorden verlieheiy habe. In Anwesenhett der im aktiven Militärdienst stechens den Prinzen überreichte der Prinzregent seinem ätteftetmi Sohn, dem Prinzen Leopold, den Feldmarschall-' stab mit einer Ansprache. An die Feier schloß sich einje tmüfir tärische Galatasel. Der Prinzregent besuchte ferner dies? Kaserne des Feldarttllerieregiments, dem er feit siebM^ Jahren zugehört. Am Kasernentore erwies die Wache int der historischen Uniform des Regiments aus dem Jahre 1835f' die Ehrenbezeugungen. Nachdem Oberst v. Rauscher bentf! Prinzregenten den D ank ab gestattet und ein Hoch ausgjeh bracht hatte, folgte die Vorführung eines Geschützes imft eines Munitionswagens aus dem Jahre 1835.

Der Prinzregeut stiftete eine Bronze-Erinuer- ungsmeda.il le, die an alle Offiziere, Unteroffiziers und Kapitulanten zur Verteilung gelangt

Ter Justizminister v. Mildner erhielt den Verdienst­orden vom Heil. Michael erster Klasse.

Der Kaiser richtete an den Prinzregenten runhsteheuj- des Handschreiben:

Durchlauchtigster Fürst, freundlich lieber Vetter und Bruder! Eurer Königlichen Hoheit ist es durchs Gottes Gnade vergönnt, am 12. März den Tag zu feiern, tat dem dieselben vor 70 Jahren in den Mllitärdienst ein- getreten sind. Euere Königliche Hoheit dürfen überzeugt fein, daß mit mir meine ganze Armee insonderheit baS Eurer Königl. Hoheit erlauchten Namen tragende Feld- arttllerie-Regtment lebhaftesten Antell an dieser seltenen! Feier nimmt. Mtt fteudigem Stolze erfüllt es uns, 6ure; Königl. Hoheit zu den llnfrigen zählen zu können und inj aufrichtiger Verehrung und treuer Waffenbrüderschaft spreche ich Eurer Königl. d^oheit meiner und meiner Armeei wärmste Glückwünsche aus. Ich benutze diesen Anläße um die Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung und verwandtschaftlichen Gesinnungen zu erneuern, womit ich verbleibe usw.

Im preußischen Abgeordnetenhause stand am Samsrag das Extraordinarium des Etats der Ette«^ bahnverrvaltung zur Beratung. Eine Petition um Wiederaufnahme! des Trajektbetriebes Rüdesheim-BingerbrücS wird auf Antrag der Budgetkommissunl der Regierung zur Er­wägung überwiesen. Auf Anrrag der Budgeckommission wird die erste Rate zur ErweUerung des Bahnhofs Biebrich von 3U0 000 Mk. gestrichen, weil die Interessenten sich mit dev Verwaltung über em neues Projekt geeinigt haben, für welches die Vorarbeiten noch nicht abgeschlossen sind.

Südwestafrika.

Der v£)ftpr. Ztg." wird telegraphiert: Oberst ßeut* wein, der nach der Riviera gereist ist, wird noch einige; Wochen dort verweilen. Zuverlässigen Mitteilungen aus dem Schutzgebiet zufolge handelt es sich bei der Kur des Obersten um eine Rückenmark-Erkrankung. Er konnte schon aus diesem Grunde nicht mehr Verwendung im Dienst finden. General v. Trotha hat den Wunsch geäußert, aus dem Schutzgebiet abberusen zu werden. __________________

Ausland.

Washington, 12. März. (Reuter.) In der Vei> Handlung betreffend die Forderungen deutscher An­siedler in Samoa gegen England und Amerika wegen Beschädigung ihres Grundeigentums durch