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I Koch
Viertes Blatt
Wr. 266
155. Jahrgang
Samstag 11. November 1905
Erscheint tigllch mit Ausnahme des TomUagS.
Die „Lietzener Lamillenbiätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beiqclegl. Der ^elstiche tanöwirt** erichemi monatlich einmal.
Rotationsdruck und Vertag der Brüh ficken UnwersilälSdruckerei. R. Lange. Greben.
Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr. K.
Del. Nr. 5L relegr.-Adr.: Anzeiger Gieß«.
Eeneral-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für Öen Kreis Eietzen.
Kalitischc Tag cs sch an.
Die Nationalliberalen in Heffen-Naßan.
In Wiesbaden war dieser Tage der Landesausschnß der nationalliberalen Partei für Hessen-Nassau versammelt. Bon den Verh<mdlungen berichtet der „Rhein. Stur."* u. a. folgendes:
Der Vorsitzercke Abg. Bartlittg gab einen Ucberblick über d-rs Verhältnis der politischen Parteien zu einander. Aus diesem war zu entnehmen, daß die nationalliberale Partei bei den letzten ReickStagswahlen um rund 298 000 Stimmen otrr 30,7 Prozent »ugenornmen Hot. wahrend die Freisinnige Bollspartci i wm 5,5 Prorcnt abaenonrmcn hat. (?§ sei wohl kaum ?u bezweifeln, erklärte der Redner, daß diese Abnahme der freisinnigen l^rrtri der stärksten liberalen Partei, nämlich der naticmallibe- toten Partei, -u-nte -ekonnnen sei, da d^s l e b ha s t e S e h n e n ■ nach einer großen liberalen Partei offenbar dahin »ehe, sich dem gemäßigten Liberalismus, von dem allein eine «1. funft für d's liberale Bürgertum zu erhoffen sei, anru, , schliefen. Für die Zukunft sei bei der jetzigen weiteren Ausbildung der OrFimlsstion der Partei ein noch weit günstigerer Sriola »t>rav*t«ft'6rn. Der Redner streifte dann die allgemeine t»litlscke r^rOe, die leider rtod) immer für unser Volk eine stete B'reitsch>-ft frwr unabweislichen Notwendigkeit mache, Es könne n'.cfrt verkannt werden, daß sich in England allmählich eine starke Partei herausrubilden beginne, welche die unbequem fv'rdende wirtschaftliche Konkurrenz Deutsch- lind» durch einen Gewaltakt beseitigen wolle. DeS- lflb heiße es, gerüstet zu sein, damit man sich auch in England dreimal überlege, ob die Erfolge eines solchen Unternehmens die Chf?r lohnen würden. Es müßte deshalb für und für das Bestreben eines jeden Freundes des Vaterlandes sein, aillere Wehrkraft a n ch z u r S e e s o w e i t z u h e b e n , daß auch ein überlegener G'gner ernstlich mit ihr zu reffwn habe, und d'sb^lb sei eine V erstä r ku n-g u n s c r e r Fl ot t e n i ch t H umgehen, so unerfreulich auch die dadurch bedingte Vermehrung der Ausgaben sei. Als zweiter Redner cr- i(rriff ?lbg. v. B ü l o w - Homburg v. d. H. das Wort, um über ibi5 bevorsl ehrnde Schulunterhaltungsgeseb zu sprechen (fr betonte dabei, daß die nofsauischm Al'geordneten einig darin sein müßten, nicht nur die Simultanschule, wie sie hier in Nassau gesetzlich besteht, für unser engeres Vaterland fest- ?i b ifm, sondern die Möglickckeit der Einfiihrung dieses Systems «mich für die Landestcile zu geben, wo die Simult"nschule h"itte noch nidyt besteht. Nach längerer Debatte wurde eine den Äus- ftbrnngen deS Abg. v. Bülow-Hornburg entsprechende Resolution, betreffend das Schulunterhaltungsgeseb angenommen.
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Die Entwicklung der großpolnischen Bewegung in der deutschen O st mark nzirb seitens der Prodinzial- bcHörden auf Veranlassung des Fürsten Mlow jetzt mit besonderer Sorgfalt verfolgt. Wenn also die polnischen Abgeordneten, wie zu erwarten, bei der diesmaligen Etatsdebatte im Reichstag mit Emphase die Loyalität ihrer Landsleute betonen, dann werden fte die Regierung mit Informa- ti-'nsmaterial Über die aroßpolnischen Umtriebe ausgerüstet finden. In den dem Ostmarkenverein nahestehenden Kreisen will man wissen, daß Fürst Bülow bei dieser Gelegenheit auf das entschiedenste den Willen der Regierung zum Ausdruck bringen wird, scharfe Wacht an der Ostgrcnze zu, halten und jeden Versuch nötigenfalls mit Gewalt zu unterdrücken, der auf die Wiedererrichtung eines selbständigen polnischen Staatswesens ab» zielt. Daß das Zentrum den Polen auch diesmal die Stange heilt, muß nach den Wahlniederlagen, die ihm seine Schütz- lrnge in Oberschlesien beigebracht haben, wohl bezweifelt werden. Umso lebhafter dürfte, im Hinblick auf die „glorreiche russische Revolution", die äußerste Linke mit den Polen sympathisieren._______________________________________
Ans Htlwl und La»d.
Gießen, 11. November 1905.
** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Oberrechnnngsrevifor Georg Hallstein zu Darmstadt aus sein Nachsuchen biß zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand versetzt. S. K. H. der Großherzog haben den Regierungßbaumeister Thilo Nothamel auS Neumünster zum KrriSbaninspektor deß Kreises Oppenheim imd den zweiten Pedellen an dem Realgymnasium zu Darmstadt Christian Fenchel zum Pedesten an dem Gymnasium zu Wormß ernannt. Ernannt wurde am 8. November der GericktSoollsteber-Aspirant Heinrich Roth in Langen zum
Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Langen und der Gesangenaufseher am Hastlokal in Ortenberg Johannes Schließer zum Hilssdiener bei dem Amtsgericht Mainz mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seineß Nachfolgers.
L. ü. Landes - Universität. Biß Freitag, den 10. November, haben sich neu eingeschrieben 150 Studierende, darunter 5 Theologen, 27 Juristen, 29 Mediziner, 8 Veterinärmediziner, 81 Angehörige der philosophischen Fakultät.
** Aus dem Bureau des Stadttbeaters Am Sonntag Abend geht der lustige neue Schwank .Telephongeheimnisse* von Herrn. Hauslettner und Max Reimann zum ersten Male in Szene. Der Schwank siebt nickt nur fortwährend auf dem Repertoire deß Frankfurter Sckauspielhauscß, auch andere größere Bühnen wie daß Ctadttheater in Leipzig haben die Novität mit Erfolg ihrem Schauplan einverleibt. In Bad-Naubeim kam die Novität noch zum Schluffe der Caston zur Aufführung und errang den unwidersprochen größten HeiteckettSerfolg des ganzen Sommers. — Besonderen Reiz dürfte der Abend dadurch erhalten, daß der Verfasser Max Reimann — bekanntlich ein beliebtes Mitglied deßFrankfurter Schauspielhauses — die Regie persönlich leitet und daß unsere Balletmeisterin Frl. Oldini im Zwischenakt eine Balleteinlage tanzen wird.
— Erledigte Lehrer st eile. Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lebrerstelle an der Gemeindeschule zu Butzbach, Kreis Friedberg. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
"Das Denkm alschutzgesetz hat sich eine bedeutungsvolle Ergänzung und Namensänderung gefallen laffen müssen. Der Besitzer eines in der Nähe der Ausgrabungs- stelle bei Tautenhetm (Rheinh.) liegenden AckcrS hat eS für zweckmäßig gehalten, auf seinem Grundstück eine Tafel mit folgender denkwürdigen Inschrift anzubringen: .ES ist streng verboten, über Felder zu laufen. TaS Schutzdenkmahlgesetz.*
*• Gin welterschütterndeS hist arisch eS Ereignis trug sich, unbegretsticher Weise völlig unbeachtet, dieser Tage in Lämmerspiel zu. Hören wir, waS das sozialdemokratische ,Offenb. Abendbl.* darüber berichtet:
„Lämmerspiel, 7. Nov. 20 Jahre besteht hier bereits die sozialdemokratische Parteiorganisation. Durch eine würdige Feier wurde am Sonntag dies geschichtliche Ereignis begangen".
Zur richtigen Kennzeichnung dieser phrasenhaften Selbstbeweihräucherung der Sozialdemokratie genügt wobl die Mitteilung, daß Lämmerspiel ein Dorf von etwa 650 Einwohnern tst. Allerdings besitzt eS den Vorzug, zu den rötesten Dörfern deS gesegneten Rodgau zu gehören.
— Nidda, 9. Nov. Das Werning'sche KriegS- festspiel, der deutsch-französische Krieg 1870/7 1, kommt, wie bereits mitgeteilt wurde, vom 12. bis 17. November im Kraft'schen Saalbau zur Aufführung. Die Anmeldungen zum Besuche laufen von den Kriegervcreinen und Schttlen zahlreich ein, und das Intereffe für die Aufführungen ist in allen Kreisen der Bevölkerung äußerst lebhaft, so daß Nidda in der nächsten Woche große Menschenmassen in seinen Mauern wird beqrüßen können. Die Zugkraft, die die Werning'schen Festspiele in ganz Deutschland auSgeübt, und der patriotische Reiz, der ihnen innewobnt, werden zweifellos auch in Nidda nicht versagen. Den Geist der großen Zeit von 1870/71 und die unvergeßlichen Opfer und Siege aus jenen ewig denkwürdigen Tagen unS im Bilde vor die Augen und die Seele zu führen, unsere Herzen wachzurufen unb zu entstammen in wahrhafter Vaterlandsliebe, uns zu beleben und zu stärken in der Treue zu Kaiser und Reich, das ist der hohe, ideale Zweck der Werning'schen Festspiele. Der Besuch des Kriegsfestspiels zu Nidda kann deshalb nur an» qelegentlichst empfohlen werden, insbesondere aber der Jugend von heute, welcher da? edle Korn der Vaterlandsliebe und Kaisertreue nicht fest und tief genug inß Herz gepflanzt werden kann. Die Vorstellungen sind so gelegt, daß alle Besucher bequem abends wieder heimkehren können.
Schotten, 8. Nov. Gestern nachmittag starb nach
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kurzem schwerem Leiden der Kretsfeuerwehr-Jnspelkor deS Kreises Schotten, Kaminfegermetster Karl Friedrich Meiski im nicht vollendeten 69. Lebensjahre. — Am heutigen Tage sind eß 25 Jahre, daß Herr Friedrich Heyer in der Zi- garrensabrik A. Heß Söhne beschäftigt ist. (Sch. Kreisbl.^
t. Burkhardsfelden, 9. Nov. Hier ist unter den Kindern Diphtherie ausgebrochen, sodaß die Schulen geschloffen werden mußten. Todesfälle sind bis jetzt nicht vorgekommen.
Wiesbaden, 9. Nov. Der vierte Kongreß deS VerbandeS deutscher Arbeitsnachweise wurde heut tm RatVhatise vom Verbandsvorsitzenden Dr. Freund-Berlin eröffnet. Der Kongreß ist auS allen Teilen TeritschlandS sehr zahlreich besucht. Das pretisuiche Handelsministerium ist vertreten durch den Geh. OberregierungSrat Neumann, die hessische Negierung durch Ministerialsekretär Matthias, das österreichrsche Handelsministerium durch Statthaltereirat v. Gutziger rc. Dr. Freund betonte in seiner Eröffnungsrede die sorialpolrtische Bedeutung des Arbeitsnachweises, die starke Entwicklung der allgemeinen öffentlichen paritätischen Arbeitsnachweise in Deutschland und daS Emporblühen deS Verbandes deutscher Arbeitsnachweise, welchem zur Zeit 150 der bedeutendsten Arbeitsnachweise angehören. Er hielt den Widerstand mancher Arbeitgebcrkreise gegen die paritätische Oraanisation für unbegründet, da diese Organisation in hohem Maße dem sozialen Frieden diene und geeignet sei, schwere gewerbliche Kämpfe zil verhüten. Dr. Freund sprach schließlich seine Ueberzeugung aus, daß im Intereffe einer vollständigen und beschleunigten Organisterung deß deiitschen Arbeitsmarktes ein Eingreifen der Gesetzgebung erforderlich sei. Nach zahlreichen Begrüßungsansprachen der ofsiziellen Vertreter trat die Versammlung in *bie Tagesordnung ein.
Anivt'ifllälS-'rrackrichlen.
— Geh. Regienmslsrat Professor Dr. rned. et phff. Ern ff) Ehlers, Ordin-irins fiir Zoologie unb Direktor des zoologisch- zootomischen Instituts cm der Universität Göttingen, feiert <mc 11. November seinen 70. Geburtstag. Die deutsche Zoolc^ gische Gesellschaft brinat ihm eine Tabula gvatulatoria dar, hev- gestellt in der Brübl'sch^n Univ-wiitätsbruckerei zu Gießen.
Meteoroloqiscbe Beobachtungen
bet Station Gießen.
November
Wett«
1905.
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10.
2*8
750,3
+ 6 2 ! 5,1
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NW
2
Bew. Himmel
10.
cpb
750 3
4- 5,1 5.8
89
NNW
2
Beb. Himmel
11.
747,3
-p 3,4 5A
93
Still
Leichter Nebel
Höchste Temperatur am 9. bis 10. November — 6,4 • C.
Niedrigste , „ 9. , 10. „ = 4,3 C.
beim Lernen znrtickbleibende Kinder, sowie blntarme. sich mattfühlende und nervöse überarbeitete, leicht erregbare Erwachsene jeden Altera ffehranchcn als Kräftizruntrs-Mittel mit grossem Erfolg D«; HOMMEL’m ISnemntozen.
De? Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch gehoben, das Ge- sarat-Xervensystem gestärkt.
Man verlans'e jedoch ausdrücklich das echte Hom- mel’s ‘ Ilaematogen und lasse sich keine der vielen*Nachahmungen anfreden. c 'r
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