Ausgabe 
13.4.1905 Zweites Blatt
 
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HL Oktober 1905 auf Grund von Mag. Franz RambachS Sammlungen bearbeitet und herausgegeben von Geh. Schulrat Dr. Ludw. Schädel, hinzugefügt worden.

t Laubach, 12. April. Die Vorarbeiten zur Errich­tung einer oberhessischen Gas-Zentrale gehen rüstig weiter. Arn die drei Kreisämter Gießen, Alsfeld, Schotten werden die Pläne des Projekts zur Prüfung ein­gesandt und sämtlichen ca. 30 Gemeinden gehen die Ver­träge zu. Ingenieur Heil hält auf Wunsch der Gemeinden aufÜärende Vorträge: so spracht er dieser Tage in Boben- hausen und Villingen. Das Projekt findet immer mehr die Sympathie der Bevölkerung; außer den 16 bereits unterzeichneten Gemeinde:! haben sich dieser Tage noch einige zum Anschluß unter gleichen Bedingungen ange­meldet.

y. Büdingen, 10. April. Die Gräfin Laubach mit Kindern ist gestern zu längerem Aufenthalt im hie­sigen fürstl. Schlosse cingetroffen. Der Fürst!. Ober­förster Junker zu Marienborn begeht tun 1. Juli sein 5 0 jähriges Dienstjubi 1 äum. Um eine sachgemäße Desinfektion von Wohnräumen usw. in unserem Kreise zu ermöglichen, hat der Kreisausschuß die Anstellung eines Kr e i s d e s i n f e k t o r s beschlossen.

Michelstadt, 12. April. Ihre Durch!, die Gräfin zu Erbach -Für st enau, geb. Prinzessin zu Salm-Horstmar, wurde gestern abend zu Schloß Fürstenau von einem gesunden Sohn glücklich entbunden.

Frankfurt a. M., 12. April. Gestern hat sich eine Frau, nahe den Fünfzig, in den günstigsten Vermögens­verhältnissen, das Leben genommen. Der Privatier Friedrich Daube, Launitzstraße 14, wollte mit seiner Frau ins Theater gehen. Er hatte noch etwas Geschäftliches zu besorgen und ging deshalb etwas früher von zu Hause weg. Die Frau, der man von ihrem Entschluß nichts angemerkt hatte, schloß sich im Badezimmer ein, nahm ein Rasier­messer und schnitt sich die beiden Halsschlagadern und die beiden Pulsadern am Vorderarm durch. Das Dienstmädchen, das nach etwas fragen wollte, kam ins Badezimmer und fand die Frau blutüberströmt am Boden liegen. Sie holte sofort einen Arzt und die Rettungswache, die noch einige Not- oerbände anlegte. Aber es war zu spät. Die Blutung war zu stark gewesen. Rach kurzer Zeit trat der Tod ein. Der Mann, der sehr vermögend ist und mehrere Häuser besitzt, erfuhr erst später von dem Unglück. Die Ehe war kinderlos. Die Tat wird auf hochgradige Nervosität zurückgeführt.

Höchst a. M., 12. April. Eine rege Agitation zoirb in den letzten Monaten in dem Wahlkreise Höchst- Homburg-Usingen entfaltet. Dieser Wahlkreis, der früher stets freisinnig ober nationalliberal, von 1893 bis 1898 sozialdemokratisch vertreten war, sendet seit 1898 einen Zentrnmsabgeordneten in den Reichstag; 1898 fiel die Wahl auf §erm Müller (Fulda), 1903 aus den Landgerichts­rat Jtschert aus Frankfurt a. M. Anfangs 1903 wurde ein Zentrumswahlverein ins Leben gerufen, der zurzeit etwa 3000 Mitglieder zählt und über den ganzen Wahlkreis verbreitet ist. Um diesen Verein weiter auszubauen, sind rn letzter Zeit eine Anzahl größerer Versammlungen ab­gehalten worden, so in Flörsheim, in Höchst, Homburg, Eamberg und Medernhauien. Für eine Versammlung in Königstein i. T. waren als Redner die Reichstaasabg. Nacken und Jtschert gewomren worden. Nacken sprach über die gegenwärtige politische Lage sowie über die Politik des Zentrums. Abg. Jtschert erstattete zuerst einen umfang­reichen Bericht über seine eigene Tätigkeit im Reichstage, dann über die Tätigkeit und Ziele der Zentrumspartei über­haupt.

Wiesbaden, 11. April. In der gestrigen Plenar­sitzung des 39. Kommunallandtags wurde an Stelle des aus seinem Amt als Landeshauptmann ausscheidenden Landes­hauptmanns Sartorius sein jetziger Stellvertreter Geh. Negie­rungsrat Krekel als sein Nachfolger gewählt. Krekel wurde als Sohn des nassauischen Landes-Oberschultheißen Krekel zu Dillenburg geboren.__

vermischte».

Hamburg, 12. April. Eine furchtbare Kessel- Explosion hat nachts 2 Uhr im größten Hotel Hamburgs, dem Hamburger Hof, stattgesunden. Im Kesselraum platzte plötzlich das Kesselrohr. Der ausströmende Dampf traf die auf dem Kesse! stehenden Heizer und Maschinisten, von denen einer sofort getötet, ein anderer lebensgefährlich verletzt wurde und nach seiner Einbringung im Krankenhaus verstarb. Zwei andere Heizer erlitten schwere Brandwunden an Gesicht und Rücken. Die Tür zu dem Kesselraum war durch schwere Bolzen geschlossen, sodaß die Feuerwehr bei ihrem Eintreffen eine Viertelstunde arbeiten mußte, ehe es gelang, die Tür zu sprengen. Als sie geöffnet werden konnte, war der ganze Raum mit Dampf angefüllt und Heizer und Maschinisten lagen bewußtlos auf dem Keffel.

* Mannheim, 12. April. In der Mordaffäre an dem Dienstmädchen Seng es hat der verhaftete Becker ein teilweises Geständnis heute abgelegt. Er behauptete, mit einem Genossen im Hause anwesend gewesen zu sein um zu stehlen. Auch erkannte er das bei der Leiche gefundene Taschenmeffer als das seine an. Nach diesem Geständnis bat er den Untersuchungsrichter, das Verhör abzubrechen, weil er zu ermattet sei. Morgen ftüh wird Becker wieder verhört; 'man erwartet dann em volles Geständnis.

* Florenz, 12. April. Die Gräfin Montrgnoso 'erklärt in bestimmtester Weise die Meldung sächsischer Blätter für unrichtig, daß sie sich bereit erklärt habe, die Prin- Zessin Monica gegen das Versprechen der jährlichen Zahlung von 60 000 Mk. auszuliefern. Sie setzte hier­von ihren Advokaten Mattaroli in Kenntnis. Die Sachlage sei seit dem 18. März, wo die Auszahlung der ihr aus­gesetzten Gelder eingestellt wurde, unverändert.

* Don Quixote auf der Kanzel. In denFranks. Neuesten Nachrichten" (Nr. 80 von Mitte April) lesen wir: Aus Spanien wird berichtet: Gelegentlich der dritten Zen­tenarfeier der Veröffentlichung des Don Quixote (1605) predigt ein Pfarrer eines abgelegenen Dorfes in der be­rühmten Mancha eine Reihe von Sonntagen über dieses Werk und dessen unsterblichen Verfasser. Die Predigten sollen außergewöhnlich gut besucht sein." Merkwürdig: Genau die­selbe Notiz stand in derKöln. Volksztg." bereits am ersten April. Die guten Leute von denFranks. Neuesten Nachr." haben offenbar nicht gedacht, daß sie einen April­scherz abdruckten.

* Graf Stephan Tisza als Duellant. Der Sohn des ungarischen Ministerpräsidenten, der

18jährige Rechtshörer Graf Stephan Tisza, hatte in diesen Tagen ein Säbelduell zu besteheu, das für ihn unglücklich, wenn auch nicht gerade lebensgefährlich verlief. Gelegentlich einer Promovierungsub auspiciis imperatoris, welche eine Ueberfüllung der Universitätsaula veranlaßte, kam es zwischen dem jungen Tisza und dem ihm persönlich un­bekannten Juristen Johann Horvath zu einem Wortwechsel, der zu einer Herausforderung führte. Die Zeugen des Grasen Tisza waren der Ministerialsekretär Dr. Ladislaus Porteleky und der Grundbesitzer Roland Meszaros. Man vereinbarte ein Säbelduell mit Hals- und Gelenksbandagen und wählte als Ort für den Zweikampf einen Fechtsaal. Der Minister­präsident hatte seinen Sohn vom Duell nicht zurückgehalten, wohl aber ibn begleitet; er hielt sich in der Nähe des Fecht­saales auf. Es erfolgten mehrere scharfe Gänge zwischen den Gegnern. Im letzteren erhielt Graf Tisza einen flachen Hieb auf die Brust, worauf der Kampfleiter das Duell einstellen ließ. Nachdem man dem Verwundeten einen Verband an­gelegt hatte, brachte ihn der Ministerpräsidenten m seinem Wagen nach Hause.

Bei den Litauern paffiert manches. Was sich aber in dem Dorfe S. des Memeler Kreises zugetragen hat, klingt fast unglaublich. Der 16 Jahre alte Sohn des dortigen Besitzers M. hatte das Unglück, bei einer Rauferei so un­glücklich zu fallen, daß er das linke Bein brach. Was tut nun der Vater des Verunglückten? Er läßt anspannen, hebt den bedauernswerten jungen Menschen auf den Wagen und fährt mit ihm zu einem im Dorfe wohnenden Tischler­meister, der in dem Rufe stand, bei dergleichen Beinbrüchen helfen zu können. Der Tischlermeister besah sich den Schaden, und vor sich hinmurmelnd:der Bruch ist kurz da hilft nichts weiter das ganze Bein muß weg", holte er ein scharfes Schlachtmesser und trennte mit einigen scharfen Schnitten kunstgerecht das Bein vom Körper ab. Der Am­putierte liegt jetzt hoffnungslos darnieder. So schreibt die Deutsche Tagesztg" ernsthaft in einer Ausgabe. In Wirklich­keit handelt es sich aber um einen April-Scherz des Memeler Dampfboot", dessen Pointe darauf hinauslief, daß das von dem Tischlermeister abgetrennte Bein ein Holz - bein war.

* Literatur-Splitter. Mit zwölf Jahren dichtet der Deutsche frei nach Schiller, mit fünfzehn Jahren nach Heine, mit zwanzig nach Dehmel und mit zweiundzwanzig sich selbst".

* Annonce im Jahre 20 00. Köchin gesucht. Solche, die das Abiturienten-Examen nicht gemacht hat, bevorzugt.

"Folgendes Zeugnis stellte ein Gastwirt einem seiner Angestellten aus:Der Unterzeichnete bezeugt hiermit, daß der, Inhaber des Gegenwärtigen vom 1. April bis 1. Oktober in meinem Dienst gestanden ist und mit seinem Fleiß und Be­tragen zusiieden war." (Aus derJugend".)

* Der Fünfjährige. Fritzchen kommt durch Zufall grad hinzu als Vater und Mutter in der Küche beim Zank handgreiflich werden, wobei verschiedene Töpfe in Scherben gehen. Erstaunt bleibt er an der Tür stehen, sieht einen Augenblick dem Handgemenge zu und wendet sich dann kopf­schüttelnd ab mit den Worten:Na, da bin ich ja in eine schöne Gesellschaft geraten".

* Aus derJugend"'. Kleines Gespräch. A.: Können Sie mir den Unterschied zwischen dem früheren und dem jetzigen Militärgerichts-Verfahren erklären? B.: Gewiß! Das kann ich Ihnen ganz genau erklären: Bei dem ftüheren Verfahren war die Oeffentlichkeit von vorn­herein ausgeschlossen und bei dem jetzigen wird sie von vornherein ausgeschlossen.

Aus dem Simplizissimus. Bekanntlich pflegen die Rechtskandidaten, die zu München im ersten Zwischenexamen durchgefallen, dasselbe in Würzburg oder Er­langen zu wiederholen. Da sagte neulich der Examinator zu einem völlig unwissenden Kandidaten:Wir sehen uns im nächsten Semester wieder."Gehen der Herr Professor auch nach Erlangen?" war die erstaunte Antwort des Kandidaten.

Kisenkahu-Aeitung.

4- Eisenbahnstatistisches aus Hessen. Das Groß- berzogtum Hessen besaß im Jahre 1904 insgesamt 1178,70 km Eisen­bahnen, von denen sich 1098,33 km auf hessischem Gebiet befanden, 789,84 km waren Hauptbahnen und 388,86 km Nebenbahnen. Dazu kamen noch 285,78 km nicht dem hessischen Staat gehörige Bahnen, sodaß insgesamt 1384,13 km Sahnen vorhanden waren. Das Gesamtanlagekapital vermehrte sich im letzten Jahre von 289 252 265 Mk. auf 297 612 768 Mk., und die Eisenbahn- schulden beliefen sich auf 283 767 797 Mk. Tie Reinein­nahme aus den Eisenbahnen (Anteil am Ueberschuß der Ge­meinschaftsverwaltung, abzüglich der öffentlichen Abgaben) betrug im Rechnungsjahr 1903/04 12 276 337 Mk., was für das Gesamt­anlagekapital eine Verzinsung von 4,18 °/6 ergiebt, während das Schuldkapital eine Verzinsung von 4,39 °/0 zu verzeichnen hatte. Der Zinsenbedarf für die Eisenbahnschuld betrug 8 900 261 Mk., so­daß die Reineinnahmen den Zinsenaufwand nm 3 376 076 Mk. überstiegen. Der Zinsenaufwand betrug 3,18 % des Schuldkapitals, sodaß eine Aktivverzinsung (Neinerträgnis) von 1,21 °/0 zu verzeichnen ist. Die ältesten hessischen Bahnen sind die Linien Frankfurt-Niederlahnstein bezw. deren Abzweigungen, Kurve Wies­baden und Kurve Biebrich, die im Jahre 1840 erbaut wurden. Es folgen : Main-Neckarbahn (1846); Frankfurt-Offenbacher Bahn (1848); Main-Weserbahn, von Frankfurt über Gießen nach Kaffel (1849-52); Mainz-Worms, die älteste, 1853 erbaute Strecke der ehemaligen Ludwigsbahn. An elektrischen Straßenbahnen bestehen z. Zt. die Frankfurt-Offenbacher-Trambahn, die 1884 erbaut wurde und die älteste elektrische Bahn überhaupt ist, die städtischen elek­trischen Straßenbahnen in Darmstadt und Mainz unb die Straßen­bahn Mainz-Biebrich-Wiesbaden.

Arbeiterbewegung.

Köln, 12. April. In einer heute nachmittag stattgehabien Versammlung der streikenden Schneider gesellen wurden einige Zugeständnisse der Meister verlesen. Bei der Abstimmung ergab sich, daß 251 für die Fortführung des Streiks und 48 für die Aufnahme der Arbeit waren.

Die Eisenbahner in a i I a n und anderen Verkehrs­zentren Italiens beschlossen, eine energische Agitation zu ent­falten, falls das Kabinett Fortis ihnen nicht mehr wirtschaftliche Zugeständnisse als das Kabinett Giolitti machen sollte. Die neue Eisenbahner-Vorlage verleiht allen Eisenbahnern den Charakter von Staatsbeamten, wodurch diese den bKehenden gesetzlichen Bestimmungen über Dienstverweigerung von Staatsbeamten unter - stellt werden. DerAvanti" bezeichnet diesen Versuch, den Eisen­bahnern das Streikrecht zu nehmen, als ungesetzlich. Das Streikrecht sei allen Kategorien von Arbeitern durch das Gesetz garantiert ii'tb nicht durch hinterlistige Kliffe anzutasten. Die Erregung der Eisenbahner ist ungeheuer. Die Lage ist ernst.

Hlniversttäts-Hlachrichten.

Sofia, 12. April. Ein scharfer Konflikt zwischen der Studentenschaft und dem U n i v e r s i t ä t s s e n a t ist au§- gebrochen, und zwar wegen Einführung einer strengeren Disziplinar­ordnung. Tie Studenten beschloßen, vor den Lesungen zu obftruieren, bis die neuen Vorschriften revidiert werden. Heute wurden die Professoren gewaltsam an den Vorlesungen gehindert.

Oerichtslaal.

Weimar, 12. April. In der heutigen Landgerichtsverhand­lung wurde der Mechaniker Heinrich M e i b u r, früher in Jena bei der Firma Zeiß tätig, wegen Verrates in ilit ä rr scher Geheimnisse nach vierstündiger, unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit geführter Verhandlung zu vier Monaten Gefäng­nis verurteilt, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt er­achtet wurden.

Paris, 12. April. Der AnarchistVhilipp, welcher an­geklagt ist, in Lüttich zwei Bo mben-Att en täte begangen zu haben, wurde gestern hier nach längerer Verhandlung zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Kandel und MerKcsir. Hauswirtschaft.

Berliner Börse vom 12. April 1905.

(Mitgeteilr von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont l/4 Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Oest. Kredit .... 209.00 208.75

Deutsche Bank . . . 241.30 241.37

Darmstädter Bank . . 144.10 144.25

Bochumer Guß . . 248.50 249.70

Harpener Bergbau . . 210.75 210.7&

Tendenz: schwach.

Kunstseidefabriken. Von Interesse für weitere Kreise dürfte eine Warnung sein, die dieser Aage von dem Aufsicktsrats- mitgliede einer Anzahl deutscher Dhnamitfabrikcn, Dr. Scharlach, erlassen wurde und sich gegen die von einem Brüsseler Ingenieur Ramel veröffentlichte Aufforderung zur Beteiligung _<m einer neuen Kunstseidefabrik richtet. Dr. Sch. wendet sich zunächst gegen die angebliche Rentabilität derartiger Unternehmen und erklärt auf Grund seiner genauen Kenntnisse der einschlägigen Verhältnisse in der Kunstseidefabrikation, die bekanntlich auch von dem Dyna­mit-Trust mit negativem Erfolg ausgenommen worden ist, daß die in Jülich vor mehreren Jahren gegründete Fabrik, der von dem erwähnten Ingenieur Ramel glänzende Resultate nachgerühmt werden, bisher über Versuche nicht hinausgekommen ist und noch nickt ein Pfund ihres Fabrikates an den Markt gebracht hat, also auch einen Gewinn nicht erzielt haben kann. Ebensowenig ent- sprickt die Behauptung den Tatsachen, daß Mfted Beit, von der Londoner Firma Wernher, Beit und Co., an der Gründung beteiligt sei. Nack alledem ist also eine Warnung vor Beteiligung an dem Unternehmen, dessen Aktien angeblich zu 750 Francs in den Verkehr gebracht werden sollen, angebracht. Möglicher­weise sind daraufhin die Aktien der Frankfurter Kunstseidefabnl um 51/2 PnMNt gestiegen. _

Zement als Kriegskontrebande. Das lapanrsche Marineminifterium hat vor längerer Zeit eine Instruktion er­lösen, nach der auch 'Zement als Kistegskontrebande zu be­trachten ist, wenn er über Feindesgebiete befördert wird, oder für Fcindesgebiet oder für die feindliche Flotte oder für das feindliche Heer bestimmt ist.

Tabak. Der Bundesrat hat beschlossen, dem § 8 des Regu­lativs, betreffend die A u s f u h r v e r g ü t u n g für Tabak folgende Fassung zu geben: Die Zoll- und Steuervergütungen werden nur bann bewilligt, wenn 1. die betreffenden Tabak­fabrikanten in Beziehung auf die Beobachtung der Zoll- und Steuer­gesetze unbescholten find, und 2. entweder in den letzten drei Jahren durchschnittlich mindestens 10 000 kg- Rohtabak verarbeitet haben, oder regelmäßig ein Lager an Roh- und fabriziertem Tabak von wenigstens 5000 kg halten, und wenn 3. die Fabriken und Waren­lager sich an Orten befinden, in welchen ein mit wenigstens zwei Beamten besetztes Zoll- oder Steueramt vorhanden tst. Hierbei sind hinsichtlich der verarbeiteten Mindestmenge oder des Mmdest- lagerbestandes die Fabriken mit ihren Zweigfabrikeu als ein Unter­nehmen anzusehen und die in öffentlichen oder Privatniederlagen vorhandenen Bestände des Fabrikanten an unversteuerten oder un­verzolltem Tabak in den Mindestlagerbestand von 5000 kg einzu­rechnen. Von der Einhaltung der unter b bezeichneten Bedingung hat sich die Steuerstelle des Fabrikbesitzes von Zeit zu Zeit zu überzeugen. Die Nichteinhaltung dieser Bedingung durch neu ent­stehende Fabriken während des ersten Jahres ihres Betriebs oder durch eingehende Fabriken in der Zeit bis zur Abwicklung ihrer Geschäfte soll jedoch diese Fabriken von dem Genüsse der Ver­gütungen nicht ausschließen. Ausnahmsweise kann die Direktive behörde die Vergütungen auch für Fabriken in solchen Orten be­willigen, in denen sich eine mit mehreren Beamten besetzte Amts­stelle nich tbefindet.

Märkte.

Limburgs d. L., 12. April. Frucht m a r k t. Durch- schnittspreise pro Malter. Roter Weizen 15.30 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn Mk. 10.90, Gerste 00.00 Mk., Hafer- 7.75 3RL, Saathafer 8.00 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.

Die Marktpreise für Bieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 10. April 1905. ___________

Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

Kälber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 73-75 Mk.

7; Kg. Schlachtgew. 8385 Pf.

7, 65-66

7, Kg. 70-80 Psg.

7, , 70-74 , 7, , 60-72 .

Getreidepreise in Mannheim

Brotyreise in Gießen

Weizen 100 Kg. 18,60 Mk.

Roggen 100 15,00

Weißbrot 2 Kg. 52 Plg. Schwarzbrot 2 Kg. 48Pfg.

Briefkasten der Redaktion.

(Anonhme Anfragen bleiben nnberückstchtigttt

,,A. I. M." Wir verstehen und würdigen Ihr Leid. Richt die Grazien sind ausgeblieben", wie Goethe sagt, sondern das flotte Gegenteil. Darum, werte Herren, beratet euch bei Zeiten. Kostenpunkt 2.20, beuv. 5.80 Mk., bei event. Heirat das Doppelte, bei Einsendungen von Photographien gratis. _______________

Fs^elitische ReligionSgemeinde.

Hottesdiena in der Synagoge (Südankage). Samstag, den 15. April 1905.

Vorabend 7.00 Uhr. Morgens 9.00 Uhr Nachmittags 3.30 Uhr. Schrifterkläruug. Sabbathausgang 8.05 Uhr.

Israelitische Religionsgesellschaft.

Gottesdienst.

Sabbatbfeier am 15. April 1905.

Freitag abend: 0.50 Uhr. Samstag vornnttag: 8.30 Uhr. Samstag nachmittag: 3.30 Uhr. Sabbathausgang 8.05 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.45^__abenb|3 fi-^Olibr.

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