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12.7.1905 Zweites Blatt
 
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155. Jahrgang

Mittwoch 12. Juli 1905

Giehener Anzeiger

Ech-etat S-Kch mti entnähme bei Sonntags.

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Cd)ulftx.t, Tel. Nr. 6L teUgiwtibt. 4 kn-eig« ®UN®»

Di« ^Gtetzev« LavMienblStter" werden dem ,tlnfletget viermal wöchenMch betgelegt Der JHIIUty toilettr erscheint monatlich einmal.

RotationOdrurk und vertag De Vrühilch«

Untoerftidtto ruderet 8L Lauge. ®Ufcen.

General-Anzeiger, Amts- und Avzeigeblatt für den Kreis Sichen.

Uolitische TagesschM.

Der SimplizisfimuS und das evanqel. Pfarrhaus.

Unter dieser Spitzmarke beschäftigt sich dieCchristl. Wett" (Uh:. 27), das angesehene Organ der freigesinnten Theologie, mit dem bekannten Prozesse, welchen man in (Stuttgart gegen Dr. Ludwig Thom a wegen seines PoemsAn die evangelischen Sittenprediger" (vom Internationalen Kongreß zur Bekämpfung der unsittlichen Literatur in Köln) geführt hat. Der Stuttgarter Stadtpfarrer Gustav ©er 1*1 (ein Sohn des Dichters) sieht denEr­folg" der erhobvuen Klage vor allem darin, daß die schon ganz vergessene Sache neu aufgeweckt wurde undwie ge­wärmtes Sauerkraut dem hungrigen Magen doppelt gut schmeckte".Daß das Gedicht un e r fr eu li ch ist, hat seiner­zeit Avenarius imKun st wart" stark betont. Mer noch unerfreulicher ist an dem Gedicht die Wahrnehmung, wie wenig volkstümlich unsere evangelische Kirche mit ihrem Pfarrstand auch dann ist, wenn sie bei allgemein empfun­denen sittlichen Notständen Land mit anlegt und auch da ist, wo sie gemeinsamen Gegnern gegenüber auf Rück­sicht rechnen dürfte." Gerok erhebt die Frage: ,FDb es rätlich und nötig war, klagend vorzugehen? Ob man sagen kann, daß der Pfarrstand oder der einzelne Pfarrer durch das Gedicht wirklich im Ansehen und in der Wirksamkeit geschädigt wurde?" und er verneint sie, zieht dafür aber einige Nutzanwendungen aus dem Fall. U. a. angesichts der vielfach "übertriebenen Lobreden auf das evangelische Pfarrhaus, die von Eigenlob triefen, er­klärt der Stuttgarter Pfarrer es fürmenschlich",wenn von anderer Seite ein Dämpfer aufgesetzt wird", und daß dem auch vom Standpunkt der Frauenbewegung aus an­gesehen, eine gewisse Berechtigung nicht fehlt".

Der Herausgeber der Zeitschrift, der Marburger Theo­logieprofessor D. Martin Radeb e dauert" ebenfalls die Anstrengung der Klage unter Hinweis auf 1. Petri, 16 f. 3, 15 f., und fügt hinzu:Auch andere Prozesse be­drücken einem die Seele. Mutzte der in Leipzig wirklich sein? Und Halle: ist für deutsche Patrioten mit der Ver- urteilung Kunerts dort alles erledigt?"

Aeutsch-SüdwekasriLL.

Berlin, 11. Juli. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Nachträglich wird gemeldet: Jim Gefecht bei Keidorus am 27. Juni verwundet: Oberleut­nant Wilhelm Ritter und Edler von Rosenthal, geb. 1876 zu Erfurt, früher Feldartillerieregiment Nr. 22, Reicht (Fleischschuß im rechten Oberschenkel). Am 7. Juli bei Maltahöhe auf Pferdewache gefallen: die Reiter ?llfred Tiemann, Bunge und Hoppach. Ver­wundet: Sergeant Wilhelm Lohmeher schwer. Im Gefecht bei Karichab am 7. Juli verwundet: Reiter Ra- molla schwer; Feldwebel Oskar Klinge, geb. 1879, früher Jnf.-Negt. Nr. 145, leicht.

Kirche und 55löute.

Von katholischer Seite wird uns geschrieben: ,3n Ihrem Blatte vom 17. Juni brachten Sie die Nachricht, daß in einem Kloster in der Nähe von Bukarest ein Mönch im Alter von 90 Jahren gestorben sei, bei dem sich herausgestellt habe, daß er eine Frau gewesen sei. Daß man beim Lesen dieser Notiz an ein katholisches Kloster denkt, liegt nabe; Aeuberungen hiesiger Katholiken haben das bewiesen. Nach Mitteilung des E^bischöst. Ordinariate? Bukarest hat sich der Fall nicht in einem katholischen Kloster, sondern in einem griechisch- schismatischen Kloster ereignet. In einer anderen Nr. Ihres Blattes brachten Sie vor einigen Tagen die Nachricht,, der geistliche Leiter einer Anstalt für reuige Mädchen habe eine Käse­reklame versandt, in der er Käse anbietet, der von den puri- fizierten Händen reuiger Mädchen hergestellt werde; . . . mit der Abnahme erlange man Anrecht auf eine Totenmesse . . . Gebets­gutschein, deren fünf einen Meßgutschein gäben; zu bestellen bei AbbS B. . . . Die Zeitschriftl'Jdöe", der diese Notiz entstammt, wurde aufgefordert, Namen zu nennen; sie gab keine Antwort, sie schweigt sich aus und zwar schon seit Wochen."

Aus Klaöt und

Gießen, 12. Juli 1905.

Die Enthüllung des Riegel-Denksteines findet am nächsten Sonntag um ll1/* Uhr im Garten der medizinischen Klinik statt.

** Ein phantastisches Projekt für den Vogels­berg. Das gewaltige Werk, das unsere rastlos schaffende Negierung mit außerordentlicher Aufwendung von Tatkraft zu Gunsten der wirtschaftlichen Hebung der darbenden Be­völkerung des Vogelsberges ins Leben zu rufen gedenkt, nämlich 'die Verwirklichung des von uns mehrfach erwähnten Generalkulturplanes für den oberen Vogelsberg, droht bekanntlich au der beklagenswerten Verständnislosigkeit der Interessenten zu scheitern. Mehr als 2000 Bauern haben die Kammer um Ablehnung des Projektes gebeten, und es ist ja auch anzunehmen, daß man den Leuten die beabsichtigte großherzige Guttat nicht gerade aufdrängen wird. Heute nun macht man uns Mitteilung von einem anderen genialen Projekte, das allerdings dem Kopse eines Phantasten ent­sprungen zu sein scheint und selbstverständlich noch viel weniger Aussicht auf Verwirklichung hat als der ingeniöse General- kulturplan unserer Regierung. Unser Herr Gewährsmann, augenscheinlich ein bewundernder Freund des Urhebers des phantasievollen Gedankens, führt uns an den kleinen Schwarz­fluß von Hochwaldhausen aus nach der Höhe des Taufsteins. Dort zeigt er uns ein ca. 50 Meter höher gelegenes Plateau von etwa 2 Kilometer Länge und 800 Meter Breite. Es besteht aus herrlichen Waldwiesen und ist rings von schönen Buchen- und Tannenforsten eingefaßt. Hier fließt der Schwarz­bach nur sehr langsam, entgegen dem übrigen Laufe, auf dem er einen wild schäumenden Gebirgsbach bildet. In diese etwa 15 Minuten von Hochwaldhausen entfernte Ebene träumt nun der phantastische Kopf einen See von ca. 1 Kilo­meter Länge, 300 Meter Breite und 8 Meter Tiefe mit einer Wassermenge von 2 400000 Kubikmetern. Die ökonomische Verwendung des Wassers erwiese sich ja zweifellos als ein

bedeutender Gewinn für sämtliche Ortschaften von Hochwald­hausen an bis zur Mündung der Schlitz in die Fulda. Die Orte Ilbeshausen, Altenschlirf, Schlechtenwegen, Stockhausen, Müs, Bad-Salzschlirf, und die Orte bis hinter Schlitz könnten großen Vorteil ans der Anlage dieses Stau-Sees ziehen. Landwirtschaftlichen und gewerblichen Zwecken könnte der See ebenfalls dienstbar gemacht werden. Auch das Landschafts­bild des hohen Vogelsbergs würde außerordentlich gewinnen. Berechnungsarbeiten dieses Projektes sollen im Gange fein, und man will es der Regierung unterbreiten. Wer aber das Geld dafür aufbringen will oder soll, das verschweigt unser Herr Gewährsmann mit wohl begreiflicher Diskretion. Die hessische Regierung, also der hessische Steuerzahler mit Hilfe des hessischen Landtages? O, mein lieber Herr, das glauben Sie doch wohl selber nicht. Der schöne Stausee tief im Walde des hohen Vogelsberges liegt also für abseh­bare Zeit doch wohl noch auf dem Monde.

Die Sektion Darmstadt des Odenwald­klubs plant einen l1/,tägigen Ausflug am nächsten Sams­tag und Sonntag unter der Führung von Geheimrat Braun und Oberforstrat Dr. Grünewald nach dem Vogelsberg, der von Norden nach Süden durchwandert werden soll. Bei Abfahrt am, Samstag um 12 Uhr mittags, über Frankfurt und Gießen wird kurz nach 3 Uhr Romrod erreicht und zu­nächst das dortige Schloß besichtigt. Dann geht es durch die Waldungen des oberen Schwalmtals nach Meiches zur Meicheser Totenkirche. Den Schluß des ersten Wandertags bildet der Weg nach Ulrichstein. Sonntag morgen um 6 Uhr Abmarsch durch den Oberwald nach dem Taufstein und dem Hoherodskopf, wo in dem Klubwirtshaus gefrühstückt wird. Tann führt die Wanderung über die Herchenhainer Höhe nach HartmannShain. Nach dem Mittagesien geht es bei Bölsberg über die preußische Grenze und durch den Birsteiner Saupark nach Fischborn zur Besichtigung der Galerien der Frankfurter Wasserleitung, in denen das Wasser von nicht weniger wie 139 in der Tiefe gefaßten Quellen zusammen­strömt. Von Fischborn hat man noch eine Stunde nach Birstein mit Schloß und Park, wo der Endpunkt der Wande- rung erreicht ist.

** Ein Kanzelwitz aus alter Zeit. Der durch Goethe unrühmlich bekannteVahrdt mit der eisernen Stirn" war von 17711775 Professor und Prediger bei uns in Gießen. Seine Predigten waren im Anfang sehr beliebt, aber bald hatte sich Bahrdt durch zügelloses Leben und frivole Aeußerungen alle Gunst verscherzt. Er liebte es sehr, auf der Kanzel durch empfindsame Betrachtungen, die er in feierlichem Tone, mit belebender Stimme vortrug, seine Zuhörer, noch mehr seine Zuhörerinnen zu Tränen zu rühren. Daneben war ihm die Kanzel gut genug zu schlechten Witzen. Einst wettete Bahrdt, so entnehmen wir einer mündlichen, auf den in Leipzig verstorbenen Professor D. Gustav Baur zurückgehenden Notiz, daß er in seiner nächsten Predigt dieSchneider lächerlich machen werde. Am nächsten Sonntag predigte er über die göttliche Vor­sehung. Er schilderte die Allmacht und Weisheit des Schöpfers, rühmte dann die Güte des Erhalters, der so treulich für alle seine Geschöpfe sorge, nicht bloß für die vernünftigen, sondern auch für die unvernünftigen, vom Elefanten, Löwen, Asien bis zum allergeringsten und unwertesten, dem Schneider. Durch diese Bemerkung fühlte sich die Zunft der Schneider natürlich sehr gekränkt und reichte Klage ein. Bahrdt gab zu, daß er das alles gesagt habe, aber, wie ja die Zusammen­stellung zeige, nicht die wohlehrsame Schneiderzunft habe er gemeint, sondern die an der Lahn zahllos herumfliegenden Schneider", wie heute noch im Volksmunde die Libellen heißen. Daraufhin mußte die Klage gegen den frivolen Prediger fallen gelaßen werden.

V Klein-Linden, 11. Juli. Die Pläne zu unserer Kleinkinderschule sind eingetroffen und zeigen im unteren Stocke einen großen Saal, Küche und Toiletteräume für die Kinder. Der zweite Stock erhält vier schöne Zimmer und Kämmerchen. Die Ausführungssumme wird 11000 Mk. be­tragen. Ihr Standort ist in der Nähe der alten Kleinkinder­schule auf der Pfingstweide, wo der Gemeinderat Baugelände kostenlos "zur Verfügung gestellt hat. Es heißt, daß der Bau bis Herbst noch unter Dach kommen soll, doch glaubt man bei der bisherigen langen Verzögerung noch nicht recht daran. Gestern weilte hier die Körkommission für

grüßten an den Dorfeingängen, Fichten säumten die Hof- raiten ein und überall wehten Fahnen. Eine Radfahrer- sckar mit geschmückten Nädern eröffnete den Festzug, in dem 14 Vereine und zwei Musikkapellen schritten. Auf dem Festplatze begrüßte der Präsident des Kriegcrvereins, Weber, die Kriegerkameraden und Festgäste und schloß mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Fräulein Steuernagel überreichte die wirklich prachtvolle Fahne unter poetischem Vortrage. Pfarrer Staubach aus Groß-Felda hielt die Festrede. Der gemeinsame GesangDie Wacht am Rhein" schloß diesen Teil der Feier, die nun bei Tanz und allge­meiner Belustigung einen "recht schönen Verlauf nahm.

x Weitershain, 10. Juli. Ein Doppelfest liegt hinter uns, einzig in feiner Bedeutung und einzig in feinem schönen Verlaufe: das Bezirksfest des Hassia-Bezirks Grünberg und die Einweihung unseres neuen Schulhauses. Jrn reichsten Festgewande prangte das Dorf; zahlreich waren Vereine und Festgäste eingetroffen. Heber 30 Kriegervereine und 4 Gesangvereine bewegten sich in dem Festzuge, den Radfahrer und uniformierte Festreiter eröffneten. Der Präsident unseres Kriegervereins, Bürger­meister Saun, begrüßte die Festversammlung. Mit einem Hoch auf Kaiser und Reich schloß der Bezirkspräsident Ranft seine Ansprache, der eine Rede des Ortsgeistlichen folgte. Gesangsvorträge der Gesangvereine brachten Abwechselung in den weiteren Verlauf des schonen Festes, dem sich heute die Einweihung unserer neuerbauten Schule anschloß.

Gladenbach, 10. Juli. Der hiesige Gesangverein Lied er kränz" begeht gegenwärtig fein 35. StiftungS- fest. Die Stadt ist aufs schönste geschmückt. Mittag trafen in großer Zahl aus der Umgebung die Gesangvereine hier ein. Um 3 Uhr bewegte sich ein Festzug durch die Haupt­straßen. An der Spitze des Zuges marschierte die Schul­jugend. Dann folgten die Jungfrauen und Vereine. Große Heiterkeit rief das von dem Gesangverein ,Liederkranz"- Marburg an einer Stange getragene sogen.Marburger Dippchen" hervor. Aus dem Festplatze hielt Lehrer Acker die Festrede. Abwechselnd trugen dann die Bereme Lieder vor. Auch dem Tanze wurde fleißig gehuldigt. Mit den Abendzügen verließen die fremden Säuger wieder unsere Stadt. Der 15jährige Sohn des Gastwirts Peter Pfeiffer von Rachelshausen wurde am Hellen Tage auf dem Wege von Steinperf nach seinem Heimatsorte überfallen und seiner Barschast von 11 Mk. beraub t.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Weichensteller Vh. Weigel XII. aus Klein-Linden erhielt die Dienst-Auszeichnung ftir 25 jährige treue Arbeit. In dem Berichte vom Säugerfeste in Klein- Linden ist infolge eines Druckfehlers der Name eines Fest­redners verunstaltet. Der Redner war der Lehrer Karcher. In Wetter bei Marburg verübte dv 26 Jahre alte Lehrer Gans, gebürtig aus Rothenburg a. d. Fulda, Selbstmord. Die Kinder kamen in die Klasse, um Unterricht zu nehmen. Da der Lehrer nicht kam, wurde dessen Wohnung gewaltsam geöffnet Er hatte sich erschossen. Das Motiv zur Tat ist noch nicht bekannt. In Wiesbaden hatten sich am Montag nachmittag auf dem Bahnhöfe Kriminalbeamte eingefunden, um eine Frau festzunehmen. Die Frau sollte, einer Anzeige nach, während der Fahrt ein Kind geboren und ansdem Zuge gewor- f e n und ein Bahnwärter das Kind aufgefunden haben. Die Mutter kam aber nicht, vermutlich hatte sie es vorgezogen, in Mainz zu verschwinden. In Büdingen wurde der Mus­ketier Poth von der 4. Komp, des Jnf.-Regts. 168 in Butz­bach, von der Gendarmerie aufgegriffen und nach Gießen ab» geliefert. Er hatte sich heimlich von seinem Truppenteil entfernt. Er war mit leinen Hosen und Zivilrock bekleidet, seinen Uniform» rock, Mütze, Seitengewehr usw. hatte man vorher bei Leih­gestern an der Wetter gefunden.Krüger u. C o." in Berlin nennt sich ein Berliner Fleisch Warenhaus, das in M a i n z und Umgegend große Posten Mett- und Zervelatwurst zu halben Preisen vertreibt. Einer derFirmen Inhaber" ist der Kutscher einer Pferdewurstfabrik in Neu-Weißensee, Gust. Krüger. Aus der Fabrik seines Arbeitgebers bezieht K. seine Ware, für die übrigens auch die Berliner Polizei besonderes In­teresse an den Tag legte, indem sie mehrere Kisten der Wurst mit Beschlag belegte.

* Ein Franzose über Kaiser Wilhelm 11 Deutschland und Frankreich bilden bei den Franzosen seit einiger Zeit einen der Hauptunterhaltungsstoffe. Von Inter­esse ist es da, zu hören, wie mancher Franzose als Privat- niann über unseren Kaiser denkt.O ja", sagte dieser Tage, wie derPost" .geschrieben wird, in einem Berliner Restau­rant ein Franzose,wir schätzen in Frankreich Ihren Kaiser sehr hoch, denn er ist ein vielseitiger Mann, der auf allen

.Herdbuchtiere der Vogelsberger Rasse. Es konnten unter Leitung des LandwirtschastslehrerS Schwarz aus Alsfeld und des Sachverständigen und Viehzüchters Zimmer von der Bingmühle ungefähr 14 Tiere angefört werden, ein Resultat, das umsomehr erfreute, als die Ankörung von Herdbuchtieren hier zum ersten Male vorgenommen wurde.

-o- Watzenborn, 11. Juli. Die Vermutung, daß die Anftage des Abg. Leun an die 2. Kammer zur Er­richtung einer Güterverladestelle an der Haltestelle S chiffe nb erg ein für die Neuwahlen berechneter Tric gewesen sei (og(. Nr. 159, 2. Bl.), ist wohl nicht zutreffend. Die Güter­oerladestelle ist schon vor Jahren angeregt worden. Es sind schon Unterhandlungen mit der Eisenbahn-Direktion gepflogen worden, und die jetzige Anregung ist an Herrn Leun gelegent­lich einer hiesigen Versammlung aus der Mitte der Anwesen­den heraus ergangen.

k- Hungen, 11. Juli. Die Arbeiten an der Er­weiterung deS Bahnhofs sind jetzt soweit fortgeschritten, daß in Bälde mit dem Legen der Gleise begonnen werden kann. Die Erweiterung des Bahnhofs ist bedingt durch den bedeutenden Güter- und Personenverkehr, den die Bahnen FriedbergHungen und MückeLaubachHungen gebracht haben.

§ Kestrich, IO. Juli. Gestern fand hier das F ahn en- weihfest unseres Kriegervereins statt. Guirlanden

nur denkbaren Gebieten Bescheid weiß und deshalb zur Achtung, ja sogar Liebe herausfordert. Das wird er auch erfahren, wenn er mal als Gast der französischen Nation in Paris weilt. Nur einen einzigen Fehler hat Ihr Kaiser . . ." Große Ruhe und Spannung bei der Tafelrunde.Ja, Sie staunen? Und doch ist es so. Ihr Kaiser besitzt den einzigen Fehler, daß er nicht Franzose ist. Wäre er dieses, dann, meine Herren, seien Sie versichert, wäre der Rhein nicht mehr deutsch. Ihr Kaiser hätte eS als Franzose verstanden, sich den Rhein wiederzuholen. Aber so . . ."

In Schönhei! gestorben. Unter seltsamen Um» ständen ist in Berlin ein Unbekannter in den Tod gegangen. In einen Blumenladen trat ein etwa 45jähriger Herr, der den besseren Gesellschaftssländen anzugehören schien. Er ver­langte einen großen Strauß Rosen. Als er sie erhalten hatte, bemerkte er zu der Händlerin, daß die Blumen für sein Grab bestimmt seien. Erstaunt sah ihm die Frau nach. Der Fremde ging bann an das Ufer des Kanals, warf die Rosen ins Wasser und stürzte sich hinterher. Frau Z. rief um Hilfe, und einige Passanten warfen sofort den Rettungsball in baS Wasser. Der mit bem Tobe Ningenbe nahm ihn aber nicht auf. Ehe man mit bem Kahn zu bem Ertrinkenden heran- rubern konnte, war ber Unglückliche in ben Fluten unter- geganaen.