reicht wurde, wenigstens soweit der Einzelne den Verlauf der Bewegungen solcher Massen kontrollieren kann, so gelang es General Deines zunächst, unter dem Schutze eines starken Morgennebels und des bergigen und vielfach bewaldeten Geländes, nachdem Zentrum und rechter Flügel des Korps in der Nacht um 4 «Uhr an den beiden genannten Stelle den Rhein überschritten hatten, mit seinen Avantgarden und einem Teile des Gros an den^ Feinds heranzukommen und dessen linken Flügel wenigstens zurückzudrängen. Alsdann machte General v. Eichhorn einen energischen Vorstoß mit seinem Zentrum, und ließ zugleich seinen linken Flügel durch einen südwärts gerichteten Flankenmarsch eine Umgehung versuchen. Schon gingen die Truppen des 8. Korps in Hellen Haufen zurück, als neue und immer neue Verstärkungen vom Rhein her heranrückten. Die Schlacht stand. Gleichzeitig mochte vielleicht die 41. Division von Nordwesten her einen starken Druck auf Rot ausüben. Genug: die Schiedsrichter sprengten herzu und Rot mußte zum zweiten Male weichen. Hier brach die Stacht ab.
Der Kaiser war bereits in' der Nacht unt 3 Uhr aus Koblenz im Automobil aufgebrvchen, hatte sich nach Filsen gegenüber Boppard begeben und dort den Ucbergang des Zentrums des 18. Korps beobachtet. Dann war er nach Bogel gefahren und hier zu Pferde gestiegen.
Für den, der gern charakteristische Manöverbilder sehen mochte, war der heutige erste eigentliche Gefechts-tag gleich geradezu typisch. Die Eisenbahn führte uns bald nach 5 Uhr nach St. Goarshausen. — Berge, Burgen und Rheinstrom deckte ein dichter weißer völlig undurchsichtiger Nebel; zur reckten sahen jfir endlose Bagage und Fourage-Trains durch die Weinberge flehen, die beiden Pontonbrücken lagen leer da, ein Teil derselben wich ausgefahren, um der Rheinschiffahrt Durchlaß zu gewähren; mit der Kleinbahn ging es dann ostwärts in die Berge hinein. Es herrschte ein seltener Andrang zu dem „Zügle", und wir waren froh, in einem offenen Güterwagen Platz zu finden. Die Truppen der 16. Division lBlau) marschierten auf der Chaussee neben uns in der gleichen Richtung. In starker Steigung, an Hochwald und schroffen Felsmassen vorbei, erreichten wir um 8 Uhr das Hochplateau von Nastätten. LLuch hier lagerte der Nebel noch dick auf den Wiesen und rauchte aus den Ackerfurchen, daß Reiter- und Infanterie-Kolonnen gespenstisch vergrößert als schemenhafte^Silhouetten vorüberzogen, aber hier und da luAte bereits ein Stück sonnigen blauen Himmels durch, die Dunstmasten zerreißend. , Bei Bogel hielt der Kaiser, Meldungen entgegennehmend, hinter ihm der Leibgendarm mit der roten Standarte.
Die Kaiserin mit der Gräfin Keller fuhr im Sechsspänner oavon, die Prinzen und Fürsten, die Militärattachees in ihren interessanten Uniformen, die Herren des Hauptquartiers hielten zu Pferde. neben dem kleinen Bahnhofsgebäude, die Automobile der königlichen Familie, des Hauptquartiers und des Freiwilligen- Korps waren aufgefahren und stampften und ratterten und die Leibgendarmerie, sowie die Mannschaften des Pferdekommandos waren aufgeritten. Neugierig umstanden die Manöverbummler in hellen Scharen die bunten Gruppen. Dann sprengte der Kaiser ins Feld von Hurrah begleitet.
Einzelne Schüsse knallten, denen bald der prasselnde Lärm aes Schnellfeuers folgte. Sie „hatten fid/z also! Bor uns, in der Richtung der Chaussee nach Nastätten ging das 69. Regiment (16. Division, 31. Brigade» vor, sprungweise. Da stürmte mit Hurra der Feind heran. Die Regimenter 87 und 88 (21. Division, 41. Brigade) bringen die 69. zum Stehen, und wie ihre Reserven mit klingendem Spiel heranrücken auch zum Weichen. Der Kaiser reitet mit den avancierenden Truppen vorwärts, auch Graf Haeseler.
Die Sonne brach vollends durch, ein würziger Dust entstieg den feuchten Wiesen, und im weiten Rund lagen Hügel und Walder, Felder unb Dörfer vor uns. Die Artillerie auf beiden Seiten eröffnet ein kräftiges Feuer. Die 16. Division macht kehrt. Nieder! und dann Spaten heraus! „Eingraben", heißt es. Auch blaue Artillerie von derselben Division (vom 44. und anderen Regimentern) hatte sich — auf der Endlichhofer-Höhe — eingegraben. Die ziemlich hohen halbrunden kleinen Schanzen waren an der Außenwand sogar mit Rasen und Reisig bekleidet. Mer mit Energie drängen die Truppen der (roten) 21. und 28. Division (Regimenter Nr. 109 und 110) vor, und im Sturm werden zwei Abteilungen blauer Artillerie genommen. Sie waren kurz vorher aus ihren Schanzen bei einer Frontveränderung herausgegangen und es war interessant zu sehen gewesen, wie die Geschütze ohne bespannt zu werden, jedes von seinen Bedienungs- mannschasten und denen einiger anderer, an den neuen Platz geschoben und gezogen wurden, indem die Leute auch in die Radspeichen griffen, bis auf Entfernungen vcA 6 bis 7 (Sitometer. Das gleiche taten die Mannschaften einer blauen Maschinengewehr-Abteilung, im Laufschritt. So stand die Sache gut für Herrn v. Eichhorn, als aus den Wäldern und Bergen, westlich von Bogel die bis dahin noch im Anmarsch gewesenen Teile der 16. Division und solche der 15. den bedrängten Ihrigen zu Hilfe eilten. Das Gewehrfeuer knatterte, die Geschütze donnerten, und von neuem rückt das 8. Korps vor. Da gibt der Ballon der Manöverleitung das von manchem keuchenden Musketier ersehnte Zeichen: für heute ist's aus.
No ch einmal donnerten die Kanonen, wie üblich, während die Truvpen nvck in neue Stellungen gingen, dann setzte alles sich in Marsch, den Biwackplätzen zu.
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Von anderer Seite geht uns heute noch folgender Bericht zu:
Das gestrige Gefecht endigte mit dem Siege der Westarmee.
Heute findet der Kampf seine Fortsetzung um das Mühlbachtal. Ein ausgedehntes Telephon- bezw. Telegraphennetz haben die Telegraphenabteilungen angelegt, so von Katzenelenbogen nach Nastätten, Mühlen, Braubach, Koblenz. Die Schlacht wird fast ausschließlich per Telephon geleitet.
Das herrliche Wetter hatte gestern eine sehr zahlreiche Menschenmenge von Nah und Fern, selbst aus Gießen auf den Kampfplatz gelockt, die mit großem Interesse die Kämpfe und Truppenbewegungen verfolgten. Der Kaiser war von Koblenz, S. K. H. der Groß Herzog von Mainz auf dem „Schlachtfeld" erschienen.
Der kaiserliche Mar st all befindet sich in unmittelbarer Nähe von Katzenelnbogen. Mächtige Hallen und Zelte sind auf dem ca. 5 Morgen großen Gelände errichtet und darin 200 Pferde, mehrere Automobils, ca. 60 Wagen, Futtervorräte und die Diener- und Wachmannschaft untergebracht. Der Ort selbst ist mit Fahnen, Guirlanden und Tannenbäumen geschmückt.
In dem Gefechtsgelände wimmelt e§ von Truppen aller Waffengattungen, die Dörfer und Städte sind überfüllt von Militär; Schulen, Säle, Hallen, Scheunen, ja sogar Ställe dienen zur Unterbringung der Soldaten und Pferde; zur Freude der lieben Jugend sind die Schulen geschlossen. In den Hauptgefechtszentren Katzenelnbogen, Nastätten, Nassau sind die Feldbäckereien, -schlächtereien, Proviantsläger in regster Tätigkeit. Heute zieht sich das Gefecht über Katzenelnbogen, Hahnstätten, Schönborn zurück bis nach Limburg. Katzenelnbogen, daS Hauptquartier des Kaisers, ist ein wahres Militär- und Kriegslager geworden.
Um die versammelte Kriegsmacht, die ca. 75 000 Mann stark ist, wieder in die Garnisonen zu befördern, herrscht z. Z. auf vielen Stationen der Lahntalba-hn und den Nebenlinien rege Tätigkeit, so z. B. in Nassau, Dietz, Hahnstätten, Limburg, Kanberg, Niederselters, Idstein, Nieder- und Ober- Brechen, Schmalbach u. a. Orten. Die Truppen werden am 15. und 16. verladen.
Vor dem Eintreffen der „kriegerischen" Zeit hatten die
Bauern allenthalben in Eile die Ernte unter Dach und Fach gebracht, ja sogar schon Kartoffeln und Obst vor den Soldaten in Sicherheit gebracht.
In der südlichen Wetteran sind jetzt überall die Fl urschädenkom Missionen in Tätigkeit. Der Schaden ist sehr groß, woran vielfach der durchweichende Regen schuld trägt.
Die Rückkehr des Gießener Regiments.
Die Ankunft des 1. Bat. des Inf-Reg. Nr. 116 in Gießen erfolgt morgen, Freitag abend 1005. Der Stab des 2. und 3. Bat. des Jns.-Reg. Nr. 116 trifft hier um 1118 ein.
Ordensauszeichnungen.
Aus Anlaß der Anwesenheit des Kaisers in der Rheinprovinz sind noch u. a. an folgende Bonner Professoren verliehen worden: Der Stern zum Kronenorden zweiter Klaffe: dem Geh. Justizrat Dr. Loersch, Kronsyndikus, sowie dem Geh. Medizinalrat Dr. med. et phil. Pflüger, o. Prof. Der Kronenorden zweiter Klasse dem Geh. Negierungsrat Dr. WilmannS. Der rote Adlerorden vierter Klasse dem D. Dr. König, Küppers, akademischem Zeichenlehrer, Dr. Nußbaum, Dr. Stutz und dem Geh. Medizinalrat Dr. Walb. Der Kronenorden dritter Klasse dem Geh. Bergrat Dr. LaSpeyres, dem Geh. Regierungsrat Dr. Rein und dem Dr. Schrörs.
Ein Automobilunfall.
Coblenz, 14. Sept. (Eigener Drahtbericht.) Gestern nachmittag fuhr auf der Straße von Hunzel nach Mühlen ein Automobil auf der Straßenbiegung den Abhang hinunter. Die Insassen, zwei Damen und zwei Herren aus Köln, wurden herausgeschleudert und erheblich verletzt. Eine Dame erlitt einen Armbruch, die andere schwere Kopfverletzungen. Non den Herren brach der eine das Schlüsselbein, der andere eine Nippe. Die Verletzten wurden in der Apotheke in Mühlen verbunden. Das Automobil ist übel zugerichtet.
Die Kovtenzer Kcrrserrede, die „Köln. Wolksztg." und Krzbischos v Stabtewski.
Der Kaiser hat in Koblenz vortreffliche Worte über die Einigung der Konfessionen gesprochen, damit das deutsche Volk geschlossen daran gehen könne, seine großen Kultur- aufgaben zu lösen. In derselben Stunde, in der der Kaiser diese Rede hielt, veröffentlichte die „Köln. Volksztg." unter Ausdrückung der unbedingten Zustimmung einen Erlaß des Erzbischofs v. Stablewski, der sich gegen die von dem Kaiser vor einigen Wochen in Gnesen betonte Richtung deutsch- nationaler Politik wendet. In bem Erlasse weist der Erzbischof die Geistlichen darauf hin, daß in Fällen, wo über die Rationalität der Eltern und der Kinder k ein Zweifel herrsche, nicht die Eltern, sondern die Geistlichen zu entscheiden hätten, in welcher Sprache die Kinder zum Empfange der hl. Sakramente vorbereitet werden sollen. Die Geistlichen sollen von diesem ihrem Rechte der Entscheidung über die Unterrichtssprache besonders dann Gebrauch machen, wenn etwa zu besorgen ist, daß die Eltern einem Drucke von außen nachgeben.
Wir stimmen mit der „Köln. Volksztg." darin überein, daß der Erlaß seine Spitze gegen die Verfügung der Posener Regierung richtet, wonach die Lehrer darauf achten sollen, daß ihre Kinder deutschen Beicht- und Kommunionunterricht erhalten. Die „Köln. Volksztg.", die den erzbischöflichen Erlaß die würdige Zurückweisung eines unerhörten Angriffes nennt, verlangt, daß der Geistliche festzustellen habe, ob die Kinder im stände seien, den Unterricht über die Gnadenmittel der Kirche in deutscher Sprache völlig in sich aufzunehmen. Daß, insbesondere nach dem erzbischöfllichen Erlasse, die polnischen Geistlichen diese Frage stets im negativen Sinne entscheiden werden, darüber kann kein Zweifel bestehen. Nun liegt dach aber die Sache so: Die Kinder beginnen durchschnittlich mit dem neunten Lebensjahre mit dein Beichtunterrichte. Da ein Kind mit dem zweiten Lebensjahre zu sprechen beginnt, so haben die Eltern bis zum Beginne des Beichtunterrichts sechs Jahre Zeit, dem Kinde das Verständnis der deutschen Sprache zu erschließen. Von einem polnischen Bauern verlangen wir es nicht, daß er in dieser Zeit seinem Kinde die deutsche Sprache völlig beibringt — dazu ist die Schule da. Ein vom preußisch-deutschen Staate aber vargebildeter und angestellter Lehrer muß die Fähigkeit haben, in dieser Zeit sein Kind völlig in der deutschen Sprache auszubilden und wenn er dies bei seinem Kinde nicht fertig bekommt, dann wird er in seinem Unterrichte bei fremden Kindern erst recht nichts erreichen. Wenn also der Geistliche feststellt, daß das Kind eines Lehrers mit 9 Jahren der deutschen Sprache noch nicht mächtig ist, dann wird der Staat den: Lehrer gegenüber die Konsequenz daraus ziehen müssen.
Erzbischof v. Stablewski will der Kirche alle ihre Rechte wahren. Gut, dann aber wird auch der Staat von allen seinen Rechten Gebrauch zu machen wissen. Er wird es auch tun und wird sich darin auch nicht durch eine sehr schlaue Stelle des erzbischöflichen Erlasses beirren lassen. In dem Erlaße heißt es nämlich:
„Es geziemt sich auch, Gott dafür zu danken, daß S. M. unter allergnädigster Landesvater die Pflicht des Glaubens an den göttlichen Heiland so hochherzig und ernst eriaßt und burdj dieses sein Beispiel allen fernen Untertanen voranleuchtet."
Diese Stelle beabsichtigt nichts anderes, als einen Gegensatz zwischen dem frommen Kaiser und seiner unfrommen Regierung herzustellen. Nun hat aber der Kaiser mehr als einmal betont, daß er mit der von seiner Negierung in den Ostmarken befolgten Politik völlig einverstanden ist. Er hat sich durch gelegentliche polnische Unhöflichkeiten darin nicht beirren lasten, er wird auch das ihm van dem Erzbischöfe gemachte Kompliment nach seinem Werte einzuschätzen wissen. Diejenigen werden sich täuschen, die Koblenz gegen Gnesen auszuspielen hoffen.
Russische Neuigkeiten.
AuS Odessa wird gemeldet, daß die russischen Behörden ein gefährliches revolutionäre? Komplott in Kiew entdeckten. Die Verschwörung hatte bereits einen großen Umfang angenommen. U. a. sollen die Verschwörer angeblich beschlosten haben, sämtliche Offiziere in Odessa und Kiew zu ermorden. Die Polizei untersucht eifrig
die Angelegenheit und hofft, andere Tatsachen ans Licht zu bringen.
Wie der „Kuryer Warszawski" meldet, wurden in bei Sternwarte und in der Sosnowastraße zu Warschau große Waffenlager entdeckt. Mehrere Personen wurden verhaftet. Es handelt sich hier vermutlich um eine ganze Organisation.
Der Petersburger Berichterstatter der „Times" telegraphiert seinem Blatte, die Lage im Kaukasus habe sich nicht gebeffert, sondern im Gegenteil sehr verschlimmert. Die revolutionäre Propaganda erließ eine Proklamation, in welcher sie droht, alle Fabriken, welche die Arbeit ohne Erlaubnis der Sozialdemokraten wieder aufnehmen, niederzubrennen. — Der Zar hat den Prinzen Louis Napoleon zum Generalgouverneur des Kaukasus ernannt. Der Prinz begab sich sofort nach Baku, „um die Ruhe wieder herzustellen".
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Sept. Am 24. Sept, trifft der Kaiser, wie der Draht aus Goldap (Ostpr.) meldet, zur Jagd in Rominten ein.
— Aus Petersburg wird der „Allg. Corr." gemeldet: Wie in Hofkreisen mit Bestimmtheit verlautet, wird sich der Z a r mit seiner Familie noch im Laufe dieses Monats zu mehrwöchentlichem Aufenthalte nach Darmstadt begeben, und bei dieser Gelegenheit dürfte eine neuerliche Begegnung desselben mit dem Kaiser Wilhelm stattfinden.
— Der Reichskanzler wurde am 8. Marz 1871 Leutnant im Königshusarenregiment; er hat fast zehn Jahre warten müssen, ehe er Oberleutnant wurde, das Patent kotiert vom 29. Januar 1881. Rittmeister wurde Bernhard von Bülow am 14. Februar 1891. Major und Oberstleutnant ist der Reichskanzler nicht gewesen, am 17. Juni 1902 ernannte ihn der Kaiser zum Obersten.
— Die Angaben über die neue „Lu xu st aÖ a fteu e r", die im Reichsschatzamte ausgestellt worden ist, erfahren jetzt eine Erweiterung. Da die Raucher der Zigarette auch in Deutschland sich ihre Zigarette ost selbst Herstellen, so soll nach griechischem und früher rumänischem Vorbild auch eine Zigaretten- p!a v i e r-S tem p el ste u er geplant sein. (Man könnte die Vorsicht noch weiter treiben und nach dem Muster Italiens, das seit einigen Jahren auch die bekannten kleinen Wacbsstreichhölzer mit einer Banderolsteuer belegt, auch bei uns eine Streichhölzer- banderolsteuer einfiihren. Mer wer weiß, ob nicht auf dem Wundersteuerbanm des Frhrn. v. Stengel auch diese Frucht bereits gewachsen ist! Es ist ja ausdrücklich hervorgehoben, daß der Bohrer an verschiedenen Stellen in das Erdreich getrieben ist, um neue Steuerquellen fließen zu machen.)
— Zu dem in der nächsten Woche in Wiesbaden stattfindenden Parteitage der Freisinnigen Volkspartei haben die Königsberger Mitglieder den Antrag gestellt, die Partei solle in den Parlamenten für die Einführung des Reichstagswahlrechts auch beikommunalenWahlen wirken.
Hamburg, 13. Sept. Der auf der Studienreise nach Dentsch-Südwestafrika erkrankte Reichstags- Abg. Günter-Neidenburg kehrt mit dem Postdampfer „Ernst SBoermrmn" zurück. Mit demselben Dampfer kehren eine Anzahl in Genesung befindlicher Soldaten aus Afrika zurück.
Lübeck, 13. Sept. Der Dürgerausschuß richtete einstimmig das Ersuchen an den Senat, ein Krematorium zu errichten.
P o f e n, 13. Sept. In der heutigen Stadtverordnet en- s i tz u. n g erschien der Minister des Innern Frhr. v. B e t h m a nn- H oll weg. Aus die Begrüßung des Bürgermeisters Künzer erwiderte der Minister, daß die Regierung die gesunde Arbeit der Selbstverwaltung nach Kräften fördern wolle. Vor dem Eintreffen des Ministers verließen die Polen den Sitzungssaal. Erst nach dem Weggang des Ministers erschienen die Polen wieder. Heute mittag stattete der Minister dem Erzbischof von Stablewski einen längeren Besuch ab.
Saarbrücken, 13. Sept. Der Stadtrat beschloß, zur Abhilfe der F l e i s ch n o t eine Seefischhalle zu errichten und ricktete an die Staatsregierung das Ersuchen, Maßregeln zur Beseitigung der Fleischnot zu ergreifen.
Kolonialpost.
London, 13. Sept. Ter „Times" wird aus Kapstadt gemeldet: Große Abteilungen Buren, angeblich Nichtkombattanten, sind von den Deutschen engagiert worden und überschreiten die Grenze. Einige von ihnen sind frühere Mitglieder der Johannesburger Polizei und der Staatsartillerie unter dem Kommandanten Oldendaal. Der „Argus" verlangt^ die Negierung solle bei den deutschen Behörden Vorstellungen erheben, da die Angelegenheit Schwierigkeiten mit den Eingeborenen herbeifnhren könnte.
Ausland.
Konstantinopel, 13. Sept. Der deutsche Botschafter Frhr. v. Marschall ist gestern an Bord de§ deutschen Sta-> tionärS „Loreley" von der Untersuchung der Thasos- Jnseln hierher zurückgekehrt. Die Insel ist reich an Mineralquellen, sowie in Chrom- und Kupfer-' erzen und Boracit. Die Minen gehören gegenwärtig der Zivilliste des SultanS, werden aber an deutsche Konzessionäre vergeben, und sollen ein großes industrielles Unternehmen werden. ThasoS liegt nahe am Eingang der Dardanellen. Der Botschafter beschäftigt sich auch mit der Errichtung einer drahtlosen Verbindung zwischen Rhodos und Derna. (V. Z.)
Stockholm, 13. Sept. Das „Stockholms Dagbladet" veröffentlicht ein Telegramm von der Grenze Vermlands, in dem es heißt, daß die Norweger in den letzten Tagen mobilisiert und die Grenze mit den fünf jüngsten Jahrgängen von Wehrpflichtigen besetzt hätten. Das Blatt fügt hinzu, daß die Meldung aus zuverlässiger Quelle stamme.
Christiania, 13. Sept. Bezüglich der Meldung übet eine norwegische Mobilisation ist das „Norsk Telegram Byran" ermächtigt, zu erklären, daß in der Näße der norwegischen Grenze nur einzelne Abteilungen zur Bewachung bet Grenze aufgestellt seien. Das norwegische Heer sei nicht mobilisiert. — Das „Norsk Telegram Byran" meldet auS Karlstadt: Nach der heutigen Nachmittagssitzung hatten die schwedischen Delegierten eine besondere Besprechung untereinander. Die Lage wird als sehr ernst betrachtet.
Madrid, 13. Sept. Die amtliche „Gazeta" ver- öffentlicht ein Dekret, nach welchem die Einfuhrzölle auf Getreide und Mehl wieder erhoben werden sollen. — In Caftillo und in Trebujena in der Provinz Cadiz ereigneten sich Unruhen. In Trebujena wurde die Gendarmerie angegriffen, wobei eine Person getötet und acht verwundet wurden.
Sofia, 13. Sept. Das Blatt Veschtscherna Posta hatte die serbischen Revolutionäre Ghirdikovic und Tachovic beschuldigt, nach Sofia gekommen zu sein, um ein Komplott gegen den König Peter und den Fürsten Ferdinand anzuzetteln. Die beiden Genannten haben nun ein Schreiben an den Chefredakteur des Blattes gerichtet, worin sie ersuchen, die Beschuldigung zurückzuziehen ober bie lieber*


