Ausgabe 
14.9.1905 Erstes Blatt
 
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1906.

Donnerstag L4. Teptemver 1905

155* Jahrgang

Erstes Blatt.

Eichener Anzeiger

5uf General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für dm Kreis Metzen

die

Das Manöver.

und

waren

waren einig darin, einer einzigartigen Augenweide teilhaftig geworden zu sein.

Während so Coblenz in Flammen zu stehen schien,, be­reitete sich wenige Kilometer südwärts ein anderes nächtliches Schauspiel vor, vielleicht nicht minder interessant, aber ebenso sehr das Licht scheuend, als jenes die Helligkeit gesucht und geschaffen hatte. Bei St. Goar und bei Boppard waren Pontonbrücken über den Rhein geschlagen worden, und im Dunkel der ersten Morgenstunden gingen hier große Truppen­massen des 8. KorpS über den Strom.

EmS, 13. Sept. Der Kaiser, der Kronprinz, so- wie die Prinzen Heinrich, Eitel Friedrich und Adalbert nebst Gefolge sind um 2 Uhr im Automobil au? dem Manöver- gelände hier eingetroffen und langsam durch den Kurhof ge- fahren, wo sie von dem Vadekommissar Oberst von DreSky begrüßt wurden. Hierauf fuhren sie nach Coblenz weiter.

Coblenz, 13. Sept. Der Kaiser ist heute, nach- mittag 3 Uhr, aus dem Manövergelände kommend, im hie­sigen Schloß eingetroffen. Die Kaiserin kam dort um 121 /., Uhr an. Die Kaiserin besuchte heute nachmittag wohl­tätige Anstalten. Am Abend fand bei Ihren Majestäten Tafel im Schlöffe statt. Rechts von der Kaiserin saßen der Kron» vrinz von Griechenland, Gräsin Keller, Prinz Andreas von Griechenland, Fürst von Hohenzollern, Graf Haeseler, Geheim­rat v. Lucanus, links von der Kaiserin Prinz Leopold von Bayern, Fräulein v. Gersdorff, Prinz Heinrich, Generaloberst von Hahnke, General von Lindequist und Oberpräsident von Zchorlcmer. Gegenüber der Kaiserin saß der Kronprinz, ihm zur Rechten Prinzessin Adolf von Schaumburg-Lippe, Prinz Arthur von Großbritannien, zur Linken Gräfin Brockdorff und Prinz Harald von Dänemark.

Coblenz, 13. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin nahmen das Frühstück nach beendetem Gefecht auf dem Manövergelände bei Ruppertshofen. Der Kaiser kehrte im Automobil über Nassau und Ems hierher zurück. Gestern empfing der Kaiser vor der Tafel den Fürsten von Löwenstein.

lieber die Stärke der Truppenteile, welche bei Koblenz weiter rheiuabwärts den Rhein überschritten hatten, wir getäuscht worden: nur eine Division des 8. Korps, , hatte hier das rechte Rheinufer betreten und sich]

Aie Kaisermanöver.

(Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.) Coblenz, den 13. Sept.

Da8 Diner für die Nheinprovinz and in denselben Räumlichkeiten statt, wie vorgestern

Paradetafel. Der Kaiser sprach wiederum, diesmal in eben o beredten als poetischen Worten, die Konfessionen im schönen Nheinlande zur Eintracht aufsordernd. Die Musik setzte nach einemHurrah auf die Rheinländer" mit derWacht am Rhein" ein. Mancher hatte gehofft, hierbei eine Probe des Redetalents des neuen Oberpräsidenten kennen zu lernen, aber dieser schwieg ebenso wie gestern General v. Deines. Das hat keinerlei geheimnisvollen Zusammenhang. Es ist nicht üblich, daß in einem königl. Schlosse die Gesund­heit des Königs ausgebracht wird. In Homburg sprachen die Herren v. Eichhorn und v. Windheim im Kurhause!

Die kgl. Hofküche hatte übrigens wieder eine Bestellung beim Metzgermeister Friedr. Schreiner in Gießen ge­macht, und zwar auf 1140 Frankfurter Würstchen, die größte Anzahl, die je von Gießen aus für den Hof geliefert worden ist.

Die Rheinfahrt.

Rach der Tafel fuhren die Majestäten und ihre Gäste zum Rhein hinunter, um eineDampferfahrt bei Beleuchtung der Ufer" zu unternehmen. Diese Dampferfahrt war etwas noch nicht Dagewesenes, etwas Unbeschreibliches, ein Feen- märchenhaftes, ein Feuerzauber, eine unglaubliche bacchantische Symphonie in Gold und Farben von einer Dimension und Jntensivität, wie kaum zuvor. Sie übertraf die ähnliche Veranstaltung von 1897 bei weitem. Das Malerische der Rheinufer bei Coblenz ist bekannt: die Ufer­straße mit den großen Hotels, dem alten Schloß, dem neuen gewaltigen romanischen Regierungsgebäude, den Kaiserin Auguste-Anlagen, den Brücken und Schiffen, dem deutschen Eck mit seinem ins Riesenhafte gehenden Kaiser-Wilhelm- Denkmal; gegenüber die trotzige Feste Ehrenbreitenstein, die Höhen des Astersteins und Lahneck, dann die Hügel der Moselufer. Und dieses prächtige Stück Erde, unter einem Himmel, von dem der leicht bedeckte Vollmond einen schwachen Silberschimmer herabsandte, getaucht in ein Chaos von Lichtern und Farben, das nichts Einzelnes erkennen ließ, das nur den einzigen Eindruck hervorrief: es ist unbeschreiblich schön! Hier waren lange Fensterreihen mit Lichtern bestellt, hier umzogen flimmernde Gaslinien die Fassaden, dort wanden sich bunte Schnüre vielfarbiger Lämpchen um Säulen und Pavillons und schwangen sich von Baum zu Baum, Lampions hingen dort im Tauwerk der großen Rheindampfer, Flambeaux lohten rötlichgelb von den Konturen des Ehrenbreitenstein, Fackeln flammten am Ufer auf, blendende Sterne elektrischer Körper verbreiteten Tageshelle, die alte Pontonbrücke verschwand in einer Wolke von Grünfeuer, die steilen Felsen der hochragen­den Feste starrten in düster rötlicher Glut, hoch oben von den bewaldeten Höhen blinkte eS festlich aus erleuchteten Häusern, Holzstöße loderten oben auf, goldig schimmerten die hochgespannten Bogen der großen Brücken. Nun stiegen Raketen auf, ein Regen bunter Leuchtkugeln ging hernieder, goldschwänzigen Kometen gleich sausten Feuerwerkskörper in gewaltigem Bogen über den Fluß, Sterne leuchteten wie viel- tausend Brillanten, Fontänen in gleißenden Tönen sprudelten empor, und überall rieselte und flammte, strahlte und wogte Licht und Feuer und Glut. Heber diesen Eindrücken, die das Auge kaum bewältigen konnte, vergaß das Ohr fast auf die rauschenden Klänge der Musikkapellen, auf die donnernden Böllerschüsse und auf die Hochrufe der Menge zu lauschen, die wie eine unendliche Brandung anschwellend und abschwellend sich fortpflanzten.

Das Kaiserschiff durchfuhr zunächst die Schiffbrücke und ging rheinaufwärts bis zur großen (Metzer) Elsenbahnbrücke, wo man Halt machte, um das Schauspiel eines Wasser­falls zu genießen, der in goldigen Wellen von der Brücke herabfloß. Dann ließ der Kaiser wenden, an Coblenz wieder vorüber zum Deutschen Eck, wo lange gehalten wurde und das Feuerwerk seinen Höhepunkt erreichte, dann weiter rhein- abwärts, wo Neudorf mit seinen gleichmäßigen erleuchteten Giebelfronten sich besonders hübsch auSnahm, und endlich zurück zu den Schiffsbrücken. Dem Kaiserschiff folgten die Dampfer der Stadt und der Provinz, der Negierungsdampfer fuhr voraus. Es war eine prächtige Stimmung unter den Teilnehmern der Fahrt; Offiziere und Stadtoberhäupter, hohe Beamte und Mitglieder der Hofgesellschaft, die hohe katho­lische Geistlichkeit und die fremden Militär-Attaches alle

Nr. SlS

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener ZamilteN' Hättet viermal tn der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Unioers.-Buch-u.Stein- druckeret. R. Lange. Redaktion, Erveditton und Druckerei:

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Frrnsprechanschlnß Nr. 51.

vezugSPreiS: monatlich 75 Df., eiertet* jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk. 2. Viertel­jahr!. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: !okal12Ptz, auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich für den polit. und atigern. Teil: P. Witiko- für Stadt und Land" und Gerichtssaal": August Goetz; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Stimmung" gesorgt und zugleich der Redeschlacht der Drei­millionenpartei die allseitige Beachtung gesichert. Einen rechten Gewinn erwartet toolji die Sozialdemokratie selbst nicht mehr von den Parteitagen; sie dürfte schon befriedigt ein, wenn durch dasLiteraten-Gezänk" die Sache, die ie vertritt, nicht in Mißkredit gebracht wird, wie auf dem Jungbrunnentag" in Dresden. Für die im Reiche wenig beliebten Berliner Parteimänner wird Jena vielleicht zum historischen Jena, denn Dr. Mehring ist ein gefährlicher Gegner. Auch Herr v. Bo 11 mar dürfte hart angelassen werden ob seines Wahlbündnisses mit dem baye­rischen Zentrum, dessen Kosten die Sozialdemokratie trug. Interessant wird also auch der Jenaer Parteitag ich gestalten.

die 41., hatte hier das rechte Rheinufer betreten und sutz südwärts gezogen, dem Feind entgegen. Jim Laufe des 1L September waren nämlich Nachrichten ein getroffen, daß bei? im Vormarsch auf Wiesbaden und Cronberg gemeldet ge­wesene Feind auf Bleidenstadt-Jdstein-Esch weitermarschiert sei, und starke Kavallerie Camberg erreicht habe. Die 41. Division ging also bis Braubach vor, wo das DivisionS- kommando Quartier nahm, und dehnte ihre Diwacks west­lich bis Becheln-Dachsenhausen aus. Außerdem befand sich die Kavalleriedivision Ä rechtsrheinisch auf hem Marsche. Sie war von Ems über Nassau und Schweighausen noch über Miehlen südwärts hinaus gegangen und brachte die Nacht bei der Endlichhofer Höhe zwischen Mehlen und Ruppertshofen-Bogel zu. Die Vorposten kette erstreckte sich von Dornholzhausen südlich Nassau weiter südwärts über Miehlen und Nastätten bis Mallmenach mit der Front nach Osten. Die 16. Division war von Hatzenport an der Mosel über Ober-Gondershausen und Dörth vorgegangen, also gegen Südosten, die 15. Division von südlich Koblenz über Udenhausen, also südlich; bei St. Goar und Boppard wurden starke Avantgarden auf das rechte Rheinufer vorgeschoben und am späten Abend oes 12 .September Brücken gebaut. So stand am Dienstag abend das Korps des GeneralÄ v. Deines am Rhein mit der Front gegen Osten. Die 41. Division als linker Flügel jenseit des Flusses vorgeschoben, das Zentrum (15. Division, bei der sich auch das Korps­kommando befand) und der rechte Flügel (16. Division) ant linken Rheinufer, die Kavallerie und Avantgarden stark

nach Osten detachiert.

Vom 18. Armeekorps hatte am 11. September die 25. Division Esch erreicht, die 28. Idstein, die 21. Hahn, eine linke Seitendeckung (in der Stärke von drei Bataillonen, acht Schwadronen und einer Batterie) Langenschwalbach und die Kavalleriedivision D Camberg. Wie diese Kavallerie mit den blauen Reitern auf dem weiteren Vormarsch tn kleinen Scharmützeln Fühlung genommen hatte, haben wir gesehen. Sie gelangte am Dienstag abend bis Holzhausen, ebenso daS oben genannte Seitendetachement; die 25. Di­vision kam über Kirberg-Schönbom nach Kördorf, die 28. über Panrod-Zollhaus nach Katzenelnbogen, und die 2L über Siringmargarethae-Hausen nach Langenfelden. Sv stand am Dienstag abend das rote Korps tn einer Front gegen Südwesten, nicht ungeeignet, den etwas tiefer südlich stehenden Gegner von seinem Gros bei Marburg abzu­drängen, in einer Linie, deren Mittelpunkt Katzenelnbogen war (28. Division), auf dem rechten Flügel stand die 25. Division, auf dem linken die 21.: die Kavalleriedivision B stand mit Infanterie (dem früheren linken Detachement) vor der Mitte, die Vorpostenkette zog im weiten Bogen vor den Truppen entlang und war int Zentrum, bei Na­stätten, der feindlichen Postenkette ziemlich nahe. Da8 Korpskommando lag weiter hinter der Front bei Hahnstätten. Die Trttppen des roten Korvs hatten sämtlich sehr achtbare Märsche hinter sich, vielfach bis zu 40 Km. und mehr.

Die Absichten der Gegner für heute waren betbe auf einen Angriff gerichtet. Das blaue Kvrps wollte in die Linie Bogel-Gemmerich vorgehen, das rote Korps um 6 Uhr morgens die Linie Altenhausen-Roth-Holzhausen über­schreiten.

Um gleich vorweg zu nehmen, was von diesen Absichten

Die heutige Dummer umfaßt 8 Seiten.

DerWoiwärts" im Icuer.

Die Ehre und das Vergnügen,Zentralorgan" der sozialdemokratischen Partei zu heißen, muß derVor­wärts" teuer genug bezahlen. Ihm wird mit Argusaugen auf den Dienst gesehen, an ihn werden die Ansprüche ge­stellt, daß er stets am besten unterrichtet sei, stets das packendste Wort zu den Ereignissen finde, das Wesen der Sozialdemokratie am reinsten auspräge und am imponie- rendsten zur Geltung bringe. Die btldungsdurstiHen Ge­nossen verlangen von diesem Zentralorgan eine Fülle von Belehrung aus allen möglichen Gebieten; hingegen ver­bitten sich Genossen, die alles wissen, denschulmeister­lichen Ton"; die Gemäßigten wünschen eine ruhige, ja sogarvornehme" Schreibweise; den Scharfen kann nicht genug getan werden mit dem Aufträgen roter, revolutionärer Farbe. Kurzum, derVorwärts" soll ein Muster für alle sozialdemokratischen Parteiblätter sein und jedem etwas bringen. Das ganze Jahr hindurch bekommt das Zentral- mgan bald von dieser, bald von jener Seite zu hören, daß es einegroße Dummheit" gemacht habe, oder daß es selb st mäßige Anforderungen unbefrie­digt lasse, oder daß eine Gelegenheit versäumt worden sei, den Gegnern die Macht der Sozialdemokratie zu Gemüt zu führen. Auf jedem Parteitag wird zur Vervollständigung der Kritik derVorwärts"-Redaktion noch ein besonderer Kübel Wasser über den Kopf gegossen. Ha, welche Lust, Redakteur amVorwärts" zu sein! Es ist eigentlich zu verwundern, daß bei den zahlreichen Preßprozessen gegen doppelt unglückliche verantwortliche Redakteure desVor­wärts" nicht nervöse Ueberreizung als mildernder Umstand zur Berücksichtigung empfohlen wurde. Denn daß der un­ausgesetzte Krieg gegen zwei Fronten, den die Männer des Zentralorgans zu führen haben, einmal gegen denTod­feind", die bürgert Gesellschaft, sodann gegen die mäkeln­den Genossen, schließlich auch die widerstandsfähigsten Nerven ruinieren muß, ist nicht zu bezweifeln. Der alte Liebknecht hatte als eu)ter und rechter Oberhesse gewiß eine feste Haut, seine kräftige, kampfesfrohe Natur half ihm über vieles hinweg; aber über die Nörgeleien am Vorwärts" konnte er sich grimmig ärgern, mehr als über die Angriffe aus allen anderen Lagern zusammengenom- meu. Und wenn selbst ein so hervorragender Tagesschrift­steller wie Liebknecht, der noch besser sogar als Bebel wußte, wie aus die Massen zu wirken sei, keine ganz gute Zensur erhielt, wenn auch das Lob mit Einschränkung erteilt wurde wie sollen die Nachfolger, die nicht entfernt die Bedeutung und den Einfluß desAlten" haben, jemals die Hoffnung hegen können, die anspruchsvollen Beurteiler zufriedenzustellen?

Kants ky und Me bring sind vor dem Parteitag eifrig dabei, einen Scheiterhaufen für denVor­wärts" aufzubauen. Der brennende Witz Kautskys, die böszÜnaige Satire Mehrings, dieses zurzeit gerissensten journalistischen Talents der Sozialdemokratie, erspähen jede verwundbare Stelle desZentralorgans". Was Mehring über denschöngeistigen Sozialismus" desVorwärts", Kautsky über die vernachlässigten Fragen sagt, wird ein Echo auf dem Parteitag finden, und blutiger Hohn ist es, wenn als Mittel zur Aendernng einesanfte" Methode empfohlen wird. Nun verteidigt sich zwar derVorwärts" nicht übel, aber im ganzen doch nicht mit der Wucht und der Schlagfertigkeit, die solchen gefährlichen Gegnern gegen­über einigen Erfolg verspricht. Der Ton der Abwehr ist etwas zu kühl akademisch, nicht volkstümlich genug und,mehr elegisch als beherzt und entschlossen. Das Grundmotiv ist: Warum streiten wir uns? Wir könnten uns doch so gut vertragen!Bisweilen sieht es", so klagt derVorwärts", als ob wir alle, wie in einer aufgelösten, undisziplinierten Diskutiergesellschast, durcheinander schreien und auf ein­ander loshauen, und manch einem nimmt derVorwärts" noch nicht einmal oft und schneidig genugStellung". Das Hingt fast wehmutsvoll. So führt man nicht die Klinge, daß sich der Gegner fürchte. Die bissigen Angriffe Kautskys und Mehrings mußten vomVorwärts "mit ebensolcher Waffe pariert werden. So aber erinnert die Art der Ab­wehr an die Russen, die sich damit aufhielten, die Japaner schnöder Verletzung de? Völkerrechts zu zeihen, weil diese den Krieg ohne Kriegserklärung Begonnen hätten.

Die Position desVorwärts" auf dem Parteitag wird kaum günstig sein. Er hat Feinde ringsum, und er erklärt den Frieden für wünschenswert, es wird auf ihn ein ge­schlagen, und er stimmt ein hohes Lied an auf den Segen der Einigkeit. Ja, wenn für die Molltonart in der Sozml- demokratie eine Vorliebe herrschte, dann könnte die Be­schwörung, der ^lppell an die Einsicht, vielleicht helfen. Es ist merkwürdig, daß derVorwärts" nicht besser die überwiegend auf Kraftentfaltung gerichteten Neigungen der Genossen kennt. Nicht das Friedensglöcklein, sondern die große Sturmglocke wird in der Sozialdemokratie gern ge­läutet, und es kann auch gar nicht anders sein bei einer Partei, die Beständig auf dem Kriegsfuß stehen muß. Der Kampf ist ein Lebenselement der Sozialdemokratie. Der Vorwärts" wird das nicht ändern können. Wenn's an den Feind geht, bann ist nach dem SoldatenspruchDrem- schlagen" dasAllerbeste". Einstweilen triumphieren Meh­ring und Kautsky.

Zum Parteitag in Jena

wird uns geschrieben: . _ , . ,.

Bei der großenParteiwäsche" der Sozialdemokratie in Jena, der stillen Gelehrtenstadt, wird es wohl sehr geräuschvoll hergehen .Die Genossen können sich be­glückwünschen, daß sie daspsychologische Rassel", Dr. Mehring, in ihren Reihen haben. Er hat für die