Reue russische Gewehre.
Die russische Regierung hat eine Anzahl Maschinengewehre nach einem Modell, welches unlängst in der dänischen Armee erprobt wurde, in England bestellt. Das Maschinengewehr wiegt nur acht Kilogramm und kann ein sehr mörderisches Feuer abgeben. Das Geschütz gestattet 3 00 Schüsse in der Minute abzugeben. Die letzten Versuche, welche mit demselben angestellt worden sind, haben ergeben, daß von den 300 abgegebenen Schüssen 225 als Tr e f f er betrachtet werden können.
Kußland in Sturm und Irang.
Damenpolitik.
Ein Tclegrannn ans Petersburg besagt:
Diejenige junge Dame, die sich kürzlich aus politischen Aründen vor einen Eisenbahnzug warf und s i ch ü berfahreu ließ, ist ein Frl. T r e p o w. Die Fanülie der Dame, ebenso wie der gleichfalls durch S e l b st m o r d geendeten F ü r st i n Tenischein behaupten, das; cs sich um einen Unfall handele, während tatsächlich Selbstmord vorliegt. Beide waren intime Kreundinnen der in den letzten Tagen verhafteter; Tochter des Generals L e o n t i e w. Diese war seit ihrer Rückkehr arrS der Schweiz eifrige Anhängerin der anarchistischen Ideen geworderr. Ihre Freundinnen scheirren sich diesen Ideen angeschlosserr zu haben. Angesichts des Ernstes ihrer Lage infolge der Verhaftung der Leontiew begingen sie Selbstmord. In der Stadt herrscht große Aufregung. Es wird behauptet, daß die Terroristen Verbindungen bis in die „höchsten Kreise" hinein besitze,;.
Die Schics. Zig. meldet aus Petersburg, daß auch der Vater und die beiden Brüder der verhafteten Studentin Leontiew verhaftet wurden. Der alte Leontiew war früher Gouverneur in Wladimir. Seine beiden Söhne nahmen in Petersburg hohe Militärposten ein. In der Wohnung Leontiews fand man eine große Menge Sprengmaterial.
In Helsingfors ist die Gattin des bekannten Moskauer Arztes Dr. Koutmantel verhaftet und von Gendarmen nach Petersburg gebracht worden, wo sie sofort in der Peter Paul-Festung interniert wurde. Die Verhaftete soll mit der finnländischen revolutionären Anarchisten-Partei m Verbindung gestanden haben.
Aus Polen.
Im Gouvernement Radom wurden neuerdings zahlreiche Bauern verhaftet wegen Agitation für die polnische Sprache in den Gemeinde-Vertretungen. — Wie aus Sosnowice gemeldet wird, ist der bei dem Born den - Ansch lag verwundete Polizeimeister gestorben. In der Fabrik Schön ermordeten die dort stationierten Soldaten den befehligenden Leutnant.
Ausland.
London, 12. April. „Daily Expreß" berichtet aus Pmns, das englische Köuigspaar werde nach der Rückkehr von seiner Kreuzfahrt in Paris einen 48stündigen Aufenthalt nehmen. Die Ankunft werde am 1. oder 2. Mai erfolgen und aus diesem Anlaß verschiedene Festlichkeiten stattfinden. Das Königspaar wird in der englischen Gesandtschaft Wohnung nehmen.
Paris, 12. April. Zwischen Fr an kr e i ch und Ruß- Land schweben Verhandlungen zwecks Abschlusses eines Handelsabkommens. Kabinettschef Rouvier hat den Generaldirektor der Zölle beauftragt, ihn bei den Verhandlungen zu vertreten.
— Senat. IN der heutigen Vormittagssitzung wurde vfe Erörterung des Marinebudgets fortgesetzt. Der Marineminister erläutert das Programm von 1900 bezüglich der Flottenneubauten, die 1907 beendet sein sollen. Der Marrneminister legt dann die Notwendigkeit dar, nach Erledigung des Flottenprogramms von 1900 mit dem Bau neuer Kriegsschiffe fortzufahren, denn sowohl die englische wie die amerikanische Flotte seien der französischen Flotte überlegen und die deutsche Flotte komme ihr fast gleich. Frankreich beschränke sich darauf, seine alten Schiffe durch neue zu ersetzen. Frankreich besitze eine Flotte von Torpedo- und Unterseebooten, die allen anderen sehr überlegen sei. Vorauszusehen sei, daß es nötig werden würde, den Tonnengehalt der Unterseeboote zu vergrößern, um gewisse Verbesserungen zu erreichen. Der Minister bemerkt sodann, daß für Neubauten im Budget für 1905 121 Millionen vorgesehen seien. Mit Aufwendungen fortzufahren, sei notwendig, denn nur so werde es möglich sein, die veralteten Schiffe zu ersetzen.
— Kammer. Nach Ablehnung einiger Abänderungs- anträge nahm die Kainmer mit 422 gegen 45 Stimmen >en ganzen Artikel 1 betr. die Trennung von Kirche und Staat an; dieser sagt Gewissensfreiheit und freie Ausübung der Kulte zu.
Wien, 11. April. Abgeordnetenhaus. Der soeben verurteilte Graf Sternberg befragt den Präsidenten, ob die Unterdrückung der die Wahrheitsliebe des «g. Kramarez belastenden Momente in den Berichten der Wiener Zeitungen auf den Einftuß der Regierung zurückzuführen seien. Und was er zu tun gedenke, nm die böhmischen Abgeordneten vor verleumderischen Denunziationen tschechischer Führer zu schützen. Der Präsident erteilte Sternbery einen Ordnungsruf und erhärte, daß er auf Zeitungsberichte keinen Einfluß habe .Kramarez bezeichnet Sternberg als einen Berufsskandalmacher, der ihn nie und nirgends beleidigen könne; er glaube, daß jeder, der ihn kenne, zugebe, daß er sich 'm seinen Aussagen durch keinerlei Rücksichten leiten lasse. Sternberg ruft: „Sie haben gelogen. Sie sind ein Lügner!" und fragt den Präsidenten, ob er geneigt fei, das Bureau einzuberufen, um derartige Unzukömmlichkeiten m der Säulenhalle des Parlaments in Zukunft hintanzuhalten. Ritter v. Strozynski beantragt als Ob- mcmn des Jmmunitätsausschusses, daß als erster Punkt auf die Tagesordnung der Bericht des Jmmunitätsausschusses über verschiedene JUimunitätsangelegenheiten gesetzt werde. Der Antrag Strozynski wird abgelehnt. (Lebhafte Proteste, Lärm bei den Alldeutschen und seitens Lechner Rufe: „Wozu war die Obmännerkonferenz? Das ist eine Blamage!" „Das Haus kann sich schämen!" Schönerer ruft: „Die Italiener sind in der Obmänner» konferenz ausgesesjen!" Andauernde Unruhe.)
Ans Stadt und Kw'd.
Gießen, den 13. April 1905.
*• Personalien. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog /oben den Oberlehrer an der Realschule zu Michelstadt Prof. Hainebach auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt. — Dem Pfarrer Eckstein zu Allendorf a. d. Lda. wurde die evangelische Pfarrstelle zu Lengfeld, Dekanat Reinheim, über- tragen.
** Iustizrat Weidig wurde zu seinem Jubiläum durch eine Deputation, bestehend aus Landgerichtspräsident K u l l m a n n. den Landaerichtsdirektoren Güngerich und Bücking, sowie Lanogerichtssekretär Löwer, ferner Oberstaatsanwalt Theobald, Geh. Justizrat Gebhardt (der für das Amtsgericht erschienen war) und Geb. Justizräte B a i st und Tr.J ö ck el - Friedberg, Just'zrat Metz, den Rechtsanwälten Dr. Spohr und Dr. Rosenberg (die namens der Kollegenschaft Oberhessens sich einfanden) beglückwünscht. Landgerichtspräsident Kullrnann überbrachte die Ernennung zum Justizrat; außer ihm sprachen noch Geh. Justizrat (^bhardt und Justizrat Metz. Der Vorstand der Anwaltskammer hatte schriftlich gratuliert.
** Zu dem Jubiläum des Kirchenrats Dr. Nauniann ist noch nachzutragen, daß auch Provinzial- bireftor Geheimcrat Dr. Breidert nebst Bureauvorsteher Schi ff nie am 11. April zu dem Jubilar gekommen war und ihm namens des Großh. Kreisancks und des Vorstandes der Mathildenstiftung für Oberhessen, deren 2. Vorsitzender D.r N. ist, die herzlichsten Glückwünsche ausgesprochen hat.
"Fünfzigjähriges Jubiläum der Gießener freiw. Feuerwehren. Ter geschäftsführende Ausschuß für das 50jährige Jubiläum der beiden freiwilligen Feuerwehren hielt am Mittwoch abend in; Cafe Ebel eine Sitzung. In derselben wurde der Voranschlag durchberaten; er balcmziert in Einnahme und Ausgabe mit 13 400 Mk. Das Fest findet, wie bereits bekannt, am 15., 16. und 17. Juli auf Oswalds Garten statt. Kommerzienrat Gail hat in dankenswerter Weise einen Teil seines anstoßenden Gartens zur Vergrößerung des Platzes zur Verfügung gestellt. Die Festhalle, räumlich der im vorigen Jahr aus Anlaß des Sängerwettstreits errichteten entsprechend, wurde an einen hiesigen Unternehmer vergeben. Für Karrussells, Schießbuden und andere Schaustellungen ist das Gelände des ehemaligen Viehmarktplatzes an der Burkschen Mühle in Aussicht genommen. Das in der letzten Stadtverordneten-Versammlung behandelte Gesuch des Gießener Radfahrervereins von 1885 um Ueberlassung von Oswalds Garten zur Feier des 20jäh- rigen Stiftungsfestes am 2. und 3. Juli gab dem Geschäits- iührenden Ausschuß Veranlassung, in; Hinblick auf die Bedeutung des Feuerwehrfestes für die gesamte Gießener Einwohnerschaft dem Radfahrer-Verein nahe zu legen, das Gesuch zurückzuziehen, da die Stadtverordneten-Versammlung ohne Zweifel die Genehmigung zur Abhaltung des Radfahrerfestes aus Oswalds Garten nicht erteilen werde.
** Ein eigenartiger Unfall ereignete sich gestern nachmittag in der Bahnhofstraße. Das Pferd eines dor haltenden Fuhrwerks hatte sich mit der Rüster in einen Haken am Geschirr festgehängt. Die Rüster war förmlich durchstochen und das Pferd hing fest. Es gelang dem Eigentümer, das Pferd aus der gefährlichen Lage zu befreien, ohne daß eS größeren Schaden nahm.
** Diebstähle. In einer Werkstätte der Walltorstraße vermißten die Gesellen in letzter Zeit mehrfach kleine Geldbeträge aus den Kleidern, die im gemeinschaftlichen Kleiderschrank hingen. Gestern wurde der Dieb in der Person eines Lehrlings einer benachbarten Werkstätte abgefaßt, als er ein Portemonnaie aus dem Schrank stahl. Der Bursche gestand mehrere Diebstähle ein, für die gestohlenen Beträge kaufte er sich Kuchen und Bier. — Aus einem Hausflur der Plock- straße wurde am Montag mittag ein Fahrrad von unbekanntem Täter gestohlen. Es ist dies das dritte Fahrrad, das hier innerhalb acht Tagen entwendet wurde. Darum Vorsicht beim Hinstellen der Räder.
** Besitzwechsel. Das Ph. Bäuerische Haus in der Bahnhofstraße wurde für 68 000 Mk. an den Wirt Rühl in Lollar verkauft.
** Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klaffe fiel ein Gewinn von je 20 000 Mk. auf Rr. 3474 46763 75833, Gewinne von je 10 000 Mk. auf Rr. 37025 46140, Gewinne von 5000 Mk. auf Rr. 31297 33228 49925 54021 96357. (Ohne Gewähr.)
** Hudde. Die in unserem gestrigen Artikel enthaltene Mitteilung. Hndde und sein Genosse Walter seien durch Vorlage inhaltlich falscher Zeitungsartikel bestimmt worden, ihnen zur Last fallende Diebstähle einzugestehen, ist falsch. Die Staatsanwaltschaft teilt uns mit, daß sie ein solches Verfahren als unlauter und verwerf lieh 'erachten nriirbe und daß diese Mitteilung von Anfang bis zu Ende erfunden sei. Wir bedauern diese falsche Mitteilung umsomehr, als sie uns von einem Juristen zugetragen worden ist, der nach der Meinung der Staatsanwaltschaft als solcher wissen mußte, daß es fick; hierbei um ein verwerfliches Verfahren handeln würde, und der wahrscheinlich wider besseres Wissen uns die Mitteilung gemacht habe. Einer Einwirkung auf die Angeschuldigten hat es, wie uns die Staatsanwaltschaft mitteilt, überhaupt nicht bedurft, da .Hudde gleich nach seiner Festnahme die Diebstähle unumwunden eingestanden hat. Das bezüglich eines dritten Mordverdachts gestern Mitgeteilte bewahrheitet sich.
R.-B. Darmstadt, 13. April. (Eigener Drahtbericht.) Der Oberlehrer an der Real- und Wirtschasts- schule in Groß-Umstadt, Friedr. Franz, wurde nut Wirkung vom 1. Mai zum Oberlehrer am Gymnasium zu Laubach ernannt.
Wiesbaden, 12. April. Den 39. Kommunallandtag des Regierungsbezirks Wiesbaden beschäftigte u. a. auch die Lahnkanalisierung. Landeshauptmann Sartorius referierte. Mitte der 1890er Jahre wurde den Negierungsbaumeistern a. D. Havestadt und Eontag zu Wilmersdorf die Aufstellung eines Projektes übertragen. Dieses Projekt wurde geliefert, es bezog sich auf die Strecken von der hessischen Grenze bis Weilburg (36,4 Km.) und von Weilburg bis zur Mündung (95,2 Km.). Die Baukosten der ersteren Strecke waren zu 9, die der letzteren zu 22 Millionen Mark, zus. 31 Millionen Mk., veranschlagt. Der Lahnkanalverein hat erklärt, daß er an Stelle der früher für den Verkehr auf der Lahn verlangten Schiffe von 400 Tonnen sich mit solchen von 300 begnügen wolle, und daß ein dafür auszuarbeitendes neues Projekt mit einem Kostenaufwand von etwa 10 bis 12 Millionen Mark auszuführen fein würde. Die Kosten der Vorarbeiten zu diesem von Baurat Röder auszuarbeitenden neuen Projekte betragen 10 000 Mk. Der Kanalverein hat um einen Zuschuß von 3000 Mk. hierzu gebeten. Durch die Ermöglichung des KohlentranSportes auf der Lahn von Ruhrort her, und die daraus resultierende Der- ■ billigung der Fracht wird erhofft, die Lahnerze an der Lahn selbst verhüttungsfähig zu machen und eine Industrie zu gründen, die für Mitteldeutschland qünftig belegen sein würde, wobei die Weiter-
führung der Lahnkanalisierung bis zu dem Eisenbahnknoten^ punkt Gießen den besten Erfolg versprechen würde. Auf Antrag des LandesauSschuffes werden die 3000 Mk. für die Vorarbeiten bewilligt und auf Antrag des Abg. Schmidt folgende Resolution beschlossen:
„In Erwägung, daß der preußische Landtag die Königliche Staatsregierung um Prüfung der Zweckmäßigkeit und Durchführbarkeit der Regulierung auf der Lahn ersucht hat, spricht der Kommunallandtag die zuversichtliche Hoffnung mt5, daß diese Prüfung bald vorgenommen und ein die Regulierung der Lahn fördernder Gesetzentwurf dem vreußischen Landtag alsdann umgehend vorgelegt wird, da in; Interesse des Erwerbslebens weiter Kreise dieselbe dringend nötig erscheint."
* Kleine Mitteilungen aus Hessen und ben Nachbarstaaten. Aus Langen wird berichtet: Im Walde in der Nähe der Märzenmühle wurde der bejahrte Arzt Dr. Weicker aus Dreieichenhain erhängt aufgefunden. Es liegt Selbstmord vor.
Vermischtes.
Hannover, 12. April. Wie gemeldet, hat dö. Luft Mörder Postschaffner Büther heute sein Verbrechen eingeftanden. Der dem Trünke ergebene Mann hat die siebenjährige Erna Schaer vergewaltigt. Darauf sei ihm, weil er geglaubt habe, das Kind werde den Vorgang erzählen, der Gedanke gekommen, das Kind zum Schweigen zu bringen. Er habe das Mädchen auf den Fußboden gelegt, bei den Haaren ergriffen und mit seinem Taschenmesser den Hals durchschnitten. Nachdem dann das Kind verblutet war, habe er das Blut von dem Fußboden gewaschen und die Leiche entkleidet. Daraus habe er den Kopf ganz abgeschnitten, auch Arme und Beine von dem Rumpfe getrennt und den Leib der Leiche aufgeschnitten, um die Eingeweide zu entfernen, die er in Papier gewickelt habe. Den Kopf und die Gliedmaßen habe er auf den Herd gelegt, um sie zu verbrennen; weil dadurch aber ein zu starker Geruch entstanden sei, habe er die Körperteile in eine Schachtel gelegt, diese umschnürt und beiseite gestellt. Den Rumpf habe er im Küchenschrank verborgen und die übriges Leichenteile in ein im Keller befindliches Loch geworfen, die Kleider verbrannt. Als er dann abends zum Dienst nach der Post gegangen sei, habe er die Schachtel mit dem Kopf usw. mitgenommen und bei der Rampe an der Brüderstraße über die Bahneinfriedigung geworfen. Nach diesem Scheusal wurde der ebenfalls verhaftete Hauseigentümer; Schuhmacher Paul vernommen, der alles leugnet, arrch nichts davon wissen will, daß er schon Unsittlichkeiten mit dem Kinde getrieben und dasselbe zu dem Büther hinaufgeschickt habe. Beide Verhaftete, die auch schon zusammen in diesem .Hause wohnten, als am 18. August 1901 Else Kassel aus dem Nachbarhause verschwand, leugnen hartnäckig jeden Anteil an dem Verschwinden dieses Kindes.
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Ei« moderner Blaubart vor Gericht.
S. u. H. München, 12. April.
(Dritter Tag der Verhandlung gegen Dr. med. Braunstein.) Der Ängellagte sieht heute etwas niedergeschlagen aus. Sein bisheriger zur Schau getragener Gleichmut scheint ihn verlaffen z u haben.
Gegen 8V2 Uhr vormittags eröffnet ber Vorsitzende, Land« gerichtsdirektor Federkiel die Sitzung und erteilt sogleich das Wort, dem Staatsanwalt Diemrvth. Dieser bemerkte u. a.: Dr. Braunstein steht unter der schweren Anklage des Gatten-! Mordes. Die gerichtliche Entscheidung hierüber steht noch aus. Aus diesem Grunde konnte der Verdacht, der Ängellagte habe seine Fran auf der Hochzeitsreise vergiftet, nicht Gegenstand der Beweiscmfnahme sein. Ich bin daher aus pro-essualen Grün-' den genötigt, mich einer Erörterung über den Gattenmord zu enthalten, ich kann des Mordes nur erwähnen, soweit er mit den! zur Verhandlung stehenden Straftaten in Verbindung steht. Allerdings sind die Straftaten, deren der Ängellagte heute beschuldigt ist, in unmittelbarem Zusammenhänge mit dem Morde, desien ihn die Anllagebehörde beschuldigt, begangen worden. Die Verhandlung hat, so fuhr -der Staatsanwalt fort, ein Bild aus dem Leben eines Arztes, eines Offiziers, eines akademisch gebildeten Mannes gegeben, daß selbst diejenigen, deren Beruf es ist, die Schattenseiten des menschlichen Lebens täglich vor sich zu sehen, in Staunen und Entrüstung versttzt worden sind. Die Verhandlungen haben ein so grauenhaftes Bild entrollt, daß nüldernde Umstände vollständig ausgeschloffen sind. Es kommt hinzu, daß der Ängellagte wegen Diebstahls, Betruges und Unterschlagung vorbestraft ist. Ich beantrage eine Gesamtstrafe von acht Jahren Zuchthaus, 6000 Mark Geldstrafe, eventuell nod) 400 Tage Zuchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte ans die Dauer von 10 Jahren, und endlich, dem Angellagten die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
Nach der Rede des Verteidigers Justizrat Bernstein-München, der den Antrag auf Einstellung des Verfahrens wegen Betrugs und der Urkundenfälschung stellte, sowie die Freisprechung, ct>J die Aussetzung des Urteils bis nach Entscheidung der Anllage wegen Mordes beantragte, verkündete nach kaum halbstündiger Beratung des Ge;-ichtshofes der Vorsitzende unter großer Spannung der zahlreichen Zuhörer, folgendes Urteil: Der Gerichtshof hat den Angellagten der Urknndenfälschung in zwei Fällen für schuldig erachtet und ihn deshalb zu sieben Jahren Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf zehn Jahre verurteilt. Dem Angellagten sind außerdem die Koster; des Verfahrens anferlegt worden. Der Gerichtshof ist nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme zu der Ueberzeugung! gelangt, daß der Angeklagte wider Wissen und Willen seiner ver-^ storbenen Frau gehandelt hat. Die Frau hat in den Tagen, an! denen der Ängellagte ihre Handschrift nachgeahmt, an Verwandt^ und Bekannte geschrieben, sie war also in der Lage selbst yt schreiben. Nach dem ganzen Charakter der Frau und ihren mehrfachen Erllärungen ist es ausgeschlossen, daß sie mit den Fälfchrmgen emverstanden war. Der Gerichtshof hat die Ueberzeugung erlangt, daß der Ängellagte nicht nur obrektiv rechtswidrig, sondern auch sn rechtswidrigenr Bewußtsein gehandeft hat. Der Ängellagte hatte augenscheinlich die Absicht, sich im den Beir^^e^^m^e^^ermögens seiner ^^^u^setze;;.
Arbeiterbewegung.
w “ m Leipziger S chn eiderstrei k. Der Verband der Arbeitgeber für das Schneidergewerbe in Leipzig hielt abermals eine Versammlung ab. Der Vorsitzende, Friedr. Meyer, konstatierte, daß inzwischen eine bedeutende Besserung! m der allgemeinen Sage ein getreten sei. Im ganzen arbeiteten heute bei Verbandsmitgliedern 400 Gehilfen, worunter em großer Teil der früheren Streikend en sich wieder aei~ ihren früheren Arbeitgebern befänden. Es meldeten sich außerdem täglich neue Arbeitswillige. Im übrigen unrttoniere der ganze Apparat, einschließlich Anfertigung der nach auswärtigen Verbandsplätzen gegebenen Arbeit, tadellos Hierbei verlas der Vorsitzende mehrere von verschiedenen Verbanden eingegangene Sympathiekundgebungen, worin zum Au Z.- Ha rr en aufgefordert und Hilfe angeboten wurde Daß hlervon, soweit nötig, auch ferner Gebrauch zu machen sei, da-. ™t vor dem Feste keine Störung in der Lieferung emträte, ga^ als selbstverständlich.
Hande! und Uerkehr. Dolkswittschast.
3^/. p roz. neue G l e ß e n e rS ta d t - Anleih e Die^arn,- tadter Bank hier gibt heute bekannt, das; die definitiven Stücke erschienen sind und bet ihr m Empfano benommen werden können.


