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9.12.1905 Erstes Blatt
 
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cufjei Svnnlafl*. Im (Swßener Anzeiger t>-r8>m tm Wechsel mit kn Kesfilchev tanbeeirt fr Lietzener Lamtlten» dimer viermal In der

Woche de,gelegt.

ItoattonSbrua u. Der» liq der Brüh l'schen Ümwers.-Bu^u. Slem- frurfetet. 9t Lange. Uri afttrm, Ervedino« imb Trutffrtl: r>

S chalftratze 7. lli-daklion 118 Bitlag u.Exped.s^Döl Ibnefle für Depeschen: qmzetger «letzen.

VvsteS Blatt. ISS. Jahrgang SamStag v.Dezember 1908

ve,ug»pre»»t monatlich 7bPs., viertel- ifihrlid) SD1L 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. ausscht Beslcllg. Annahme von Anzeige« für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr.

ZerlenprerS: lokal 18 Pi* oudroä rt» 20 Psg.

verantwortlich füt den poltL und QUflem,

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen ZWZ V Mr " " zeigenteil: Hans Berk.

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Dir ßeutiaf jWummer umfaßt 24 Selten.

Aek.ts Dioßung mit dem WehrstrelK.

Man schreibt unS auS Berlin:

Ter Slbg. Bebel hat im Reichstag einen Beweis dafür «fiifcrt, bau dem ..Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft"' jtbfrd Gefühl politischer Ver?ntwortlichicit abhanden ge­kommen ist. Wer Zeuge davon war, wie der Redner fast in einem Tone der Schadenfreude und deS Trium- pb's die Niederlagen Deutschlands im nächsten Rrti ge, die Vernichtung unserer Flotte durch bit französischen und engt Schiffe, die Fort­no hm e der deutscyen Schupgebiete an kündigte, der muhte |id) sagen, daß die angeblichen Bemühungen des so^ialdcm stitbrers um die Erhaltung des Friedens unmöglich ernst «meint fein können. Man wünscht vielmehr aus dieser Sei: e genau wie in Rußland dem deutschen Reich die em» s i n d l i ch st e Temütigung, d. h. eine Reihe ver­lor an er Schlachten, um auf den Trümmern die rote Fahne upslanzen. ES soll alles zugrunde gehen, die bürger- stch' Gesellschaft zersprengt werden, damit Raum werde für bmineuen, wundervollen Staat, den Bebel, unbedingten -ech o r s a m aller vorausgesetzt, jjn errichten gedenkt In der Stunde der Gefahr, das bat dieser Führer klar genug tu rrtennen gegeben, soll das Mögliche getan werden, den Phi) zu den Waffen avzus^iwächenWenn Sie nicht dafür [erp-en, daß das Vaterland der Skrteibifpinfl wert ist, so wirf- der Arbeiter daS nöchstemal sich erst fragen, ob er in bk 'Verteidigung ziehen soll." WaS kann das anders be­fohlen, als daß schon jetzt derWehrstreik" proklamiert öir denn Bebel nimmt doch den Standpunkt ein, daß forr Iheutige Staat wert ist, nicht verteidigt au werden, fon- fofn. zugrunde zu gelten Tergleichen Reden sollen nun fonr Frieden dienen! Tas gerade Gegenteil wird erreicht. Ter feindlich gesinnten Elementen in Eng- Iqi b und Frankreich, die bisher doch wohl des LImubens sein konnten, daß die Deutschen im Falle eines irttigcd den inneren Hader vergessen und einig zusammen- sikhn würden diesen Elementen gibt der Äbg. Bebel focn zu Herausforderungen und Angriffen gerabcAu er* mutt i g e n b c n Wink, baß die Arbeitersich erst (rufen werden", ob sie ein. nach Bebels 'Auffassung wert­lose!-. Gut verteidigen sollen Daß solche Worte der Preis- ;ot>! des eigenen Landes im Reichstage gesprochen worden inD in so ernster und kritischer Zeit, das ist denn doch ein ihm für möglich gehaltenes Ereignis.

«Soweit unser Berliner pari. Mitarbeiter. Tie Lon- bor er und die Pariser Presse fahren fort, die Rebe bk? Reichskanzlers, die burch offene Darlegung bes Stzch* Mtiolt* die Situation zu Horen bestimmt war, hämisch, toinisch oder mißtrauisch zu glossieren. Sie werden :(fc die Ausbeutung der Darlegung Bebels, wonach Deutsch- md der Händelsucher ist, nicht entgehen lassen. Wir ihritzen die Vaterlandsliebe der deutschen Arbeiterschaft bedeutend böherein: wir glauben rchll, daß sie gegebenen Falles darnarl) fragen wird, ob Sfbßl die Abwehr eines kriegerischen Angriffes auf Teutsch- 1ml' geftatten will!

Vorerst hat der französitche Gesinnungsgenosse Bebels, Zaurss, in der frwiz. Kammer Be^ug auf Bebels Rede Kwmmcn. Er verstand es unter cm paar freundlichen «rdeugimgen vor Bebel diesen doch von Paris aus darauf nifrnerfjam zu machen, daß die selbstverständlichen Wünsche !-r 'Arbeiterschaft sich auf dauernden Frieden richteten, ßrtbliimt ließ er es merken, daß Bebels provokatorische Rede

und gar nicht im Sinne des Proletariats Jet Er wies a\ das Friedensbedürfnis aller Volker und msib e s o n d e r e des Proletariates hin, das sich rrrall gegen die immer drückender werdenden Lasten und Bedrohung des Friedens aiifbäume. Tie franz. Natio- »listen, so fuhr Jaurss fort, In einten, die deutsche |o* jiii I d e m o kr a t i s ch e Partei huldige einem na Hö­hnen Patriotismus das sei nicht der Fall. Tas

ganze Verhalten BebelS zeige daS Gegenteil. Ties belegte er durch Zitate aus Bebels letzter Rebe. Und bann gab er bem Herrn Bebel eine Lehre mit auf ben Weg. Er erklärte, daß er trotz aller Mißerfolge ein überzeugter Anhänger ber Idee der Schiedsgerichte und der gleich- zeitigen Abrüstung geblieben sei, von der heute Herr Bebel nichts mehr scheint wissen zu wollen in seiner vater­landslosen Sucht nach einem für Deutschland unglücklichen Kriege. Tie graenwärtigen Schwierigkeiten, so fuhr JauröS fort, müßten bei einigem guten Willen aus dem Wege geschafft werden können Der lange und tiefgehende frnn- zösisä)*englische AntagvniSmnS sei burd) bie Entente corbiale gelöst worden. Warum sollte nicht mich die deutsch- englische Spannung dura) eine Verständigung be- feittnt werden können Er zitierte diesbezüglich das Wort deS deutschen Botschafters in London Grasen Wolff-Dretter- nich, toeldxr einen Krieg zwischen England und Deutschland einen verbrecherischen Wahnsinn genannt habe. Tas Ziel der Sozialisten sei, den Zu­sammenhalt ber Tätigkeit ber Proletarier aller Vnnber au förbern, um Krieg z u vermeiden und eine fustematische Schiedsaericht-p'li ik herbeizuführen Tie Arbeiterklasse werbe erbrückt von so vielen Lasten und suche natürlich bie G.fahr zu beseitigen Die Organisation der Proletarier sei eine nationale und internationale. Der Wille des Proletariats habe nicht die Mack)t gehabt, das Drama von 1870 zu verhindern Seitb m aber bilde bas europäische Proletariat eine M a cl> t des Gleich­gewichtes, auf bie man rechnen dürfe. Das englische Proletariat würde in vollem Aufruhr eine Macht des Friedens sein. Was Deutschland anbetreffe, so entspreche bie Macht seines Proletariats nicht ber Zahl bicses Prole­tariats, jedesinal aber, menn das Leben Europas in Ge­fahr gewesen sei, habe der deutsche Sozialismus für den Frieden gekämpft. Jaurös besprach sodann bie Politik ber deutschen Sozialisten, bie mehr und mehr zu dem Stadium der Propaganda und Tätigkeit übergehe. Aus dem Kongreß in Jena habe men zum erst en male von einem allgemeinen AuS st an de gesprochen; in Dresden hätten die 'Arbeiter zum erftenmale in den Straßen das allgemeine Stimmrecht verlangt.

Das ist", fahrt JaursS fort,ein Hauch, ber aus ganz Europa rvcfrt Von jetzt an vrg'nisiert sich daH Proletariat von enem Ende Europ s bi- zu»n Widern, vv > Petersburg unb Mosknl bis London über Berlin nhb rvill eine Garmtie für den Frieden werden. Wie groß auch bie Sänvierigleiten zur Zeit iwch sein mögen, ich lwffe mit Ihnen allen, baß ber Friede erhalten bleiben möge. Zwischen Frankreich unb England waren bie Beziehungen vor einigen Jahren nickt weniger g-spannt als sie gegemvörtig zwisckien Denlschlanb und England sind. Dieser Antagonismus ist beseitigt unb vergessen. Warum sollte ein Konflikt zwistl/en England unb Deutschland nicht abgeroenbet werden?"

JaursS richtete schließlich die Frage an Ministerpräs. Rouvier, wie sich die französische Regierung zu den von Roosevelt, diesem großen Realisten, abermals angeregten Schiedsgerichts- und Abrüstungsideen zu verhalten gedenke. Jaur^s will seine mehr als znwistündige Rebe in einer der nächsten Lammersitzungen noch fortsetzen. Wahrscheinlich wirb auch diese Fortsetzung noch mancherlei bringen, was in den Ohren ber deutschen Sozialdemokraten und ihres unumschränkten Tiktators nicht sonderlick) lieblich klingen und von aufrichtiger Friedensliebe zeugen wird, die unseren Herren Sozialisten ein Dorn im Luge ist.

Ter Sozialist Zsvaes betonte in derselben Sitzung der ftanzös. Kammer, daß seine Partei, d. h. die s r a n z ö s. Sozialdemokratie, patriotisch gesinnt fei, und sagte: Wir achten das Vaterland Schillers und Goethes, ebenso wie wir das Vaterland Victor Hugos, Voltaires und Pasteurs nicht unterdrücken lassen werden." Ter Redner erinnert bann an die Haltung der Sozialisten im Jahre 1870, und erklärt, Desertion vor dem Feinde werde von den Sozialisten nicht gebilligt. Tas klingt auch etwas anders, als wie Herr Bebel sprach.

Die neuesten Pariser Blätter tri ti fier en, wie gesagt, immer

noch in lebhafter Weise die Rede deS Reichskanzlers. Die .Petite SR^publique* meint, Fürst Bülow habe in bie Alarm- trompete gestoßen, er erklärte bem beutfchen Volke, baß bie Stunde ernst unb baß es von Gefahren bedroht fei. Die Deutschen tun Unrecht, zu glauben, baß diese Gefahr von Frankreich ober von auswärts herkäme; nur ihr Geldbeutel fei bedroht. Der .GauloiS* sagt: ES sei schwer festzustellen, ob in ber Rebe beS Reichskanzlers ber pessimistische ober der optimistische Ton vorherrsche. Wenn Fürst Bülow bte öffentliche Meinung nicht zu alarmieren ver­sucht habe, so habe er auch nichts getan, um sie zu beruhigen. Der .Eclair* meint: Wie auS ber Rebe beS Reichs­kanzlers heroorgehe, ist bas wichtigste Argument ber deutschen Politik in ber Marokkofraqe ber Hinweis darauf, daß ber Gesandte in Marokko, Saint-RSn^ Taillandier tm Auftrage DelcasssS sich bem Sultan gegenüber als ber Manbatar Europas aufgespielt habe. Wenn dem so sei, habe DelcassH einen unverzeihlichen Fehler begangen, denn Europa hatte bei diesen Verhandlungen nichts zu tun. Durch bie Schuld Deleais6S sei Frankreich in bie bemfl» tigenbe R o t w en b i g ke i t versetzt worben, seine Vor­rechte in Marokko mühselig erörtern zu müssen. Die DelcasiS geneigten Blätter ,Republiqi,e Franeaise^ unb .Echo de Paris' erklären, daS im Lause ber nächsten Woche er» 'cheinende Gelbbuch werbe beweisen, baß fich Taillanbier bei dem Sultan in Marokko auf keinerlei europäisches Mandat berufen habe.

Auch die römische Presse kommentiert BülowS Rede' .Eapilale^ schreibt, bie Rede sei durchaus friedlich, da ste besage, daß Deutschland nur in der Welt seine wirt- ichastlichen Kräfte entfalten wolle unb, solange eS niemand hierin störe, niemanden beunruhigen werbe. Niemand könne sich dieser friedlichen Politik so herzlich anschließen wie Italien, denn niemand habe ein größeres Bedürfnis, mit feinen Nachbarn im Frieden zu leben. Der Reichskanzler habe mit Recht gesagt, Italien bleibe im Dreibund, weil eS diesen als daS mächtigste Boll­werk deS Friedens anfehe.

Votitilche Tagesschau.

Tie Wahlreform in Bayern.

Tas bayerische Wahlgesetz, das dem Volke daS direkte Wahlrecht sichert, ist nunmehr in der zweiten Kammer einstimmig angenommen worden. Man hofft nun, daß die Reichsratskammer angesichts dieser Abstimmung der Verabschiedung des Gesetzes nicht, wie bei uns in Hessen die Pairskammer, noch große Hinder­nisse bereiten wird. Ein so einhelliges Votum kann, fo wähnen die Bayern, auch auf die Neichsräte seinen Eindruck nicht verfehlen. Wir in Hessen sind ja nach den trüben Erfahrungen, die wir mit unserer ersten Kammer und ihrem Führer aemacht haben, nachgerade etwas weniger opti­mistisch. Aber es ist möglich, daß BayernshoheHerren der ersten Kammer mehr Verständnis und Wohlwollen für die Bo lkswünsche haben al8 die Hessens.

Blickt man auf den langen Wey zurück, den die bayr. Wahlrechtsreform genommen hat, und auf die zahlreichen Wechselfälle bis zu ihrer Erreichung, so muß man konsta­tieren, daß sie einen langen, harten, oft unerquicklichen! Kamps gekostet hat. Mag sie auch in der Gestalt, die ihr die zweite Kammer jetzt gegeben hat, einige Schönheits­fehler aufweisen, so vor allem den, daß sie die relative Mehrheit ausschlaggebend fein laßt, so ist doch dort die Freude darüber, daß die Wahlreform endlich zustande ge- fonnnen ist, ganz allgemein. Auch die Liberalen sind froh, ja sie vor allen. Heute plaudert man fein Geheimnis meyr aus, wenn man erklärt daß es als ein Fehler in

Das Schumauu Theater in Frankfurt.

Am letzten Tienstag ist in Frmrffurt ein neues Theater rinnet warben, ein Theater der leichtgeschürzten Muse. Zirkus fo Variebsthne, beides will ber monumentale Bau des Mbert inann-Theaters abwechselnd bieten: von jetzt an bis Ostern k.e^ialitäten-Vorstrllnngen, bann Zirkusdirbietungen. Frankfurt ! .t : bis jetzt mxb kein großstädtisches Varists, und cs ist nicht ritsch gemeint, wenn man in dem Vorhandensein einer solchen ÄrrhaltungSstättc das ^ITkcbitü) der modernen Großstadt sehen ML Wie die Tinge sich nun einmal entwickelt haben, ist ine kniete bühne bie dwrnftcriftifcbe Stätte der Unterhaltung für l:j lZroßstädters abgehetzte Nerven, deren Verlangen nach lerch- M Unterhaltung keine Zufälligkeit, sondern das Korrelat emcs wr hevollen Lebens ist.

Das neue Theater wird fortan, schon wegen seiner Lage Umiittdbar gegenüber dem Pvrtat des HauptbahnhoseS, als em -:hr;eick»en des neuen Frankfurt gelten.

'Die Fassade des mäckckigcn Gebäudes ist ganz in Sanosmn ffaWten, mit dessen Hellem Grau die dunklen Massen des !^-^7rbaches und die ohne Prunksucht geschmackvoll durchgeführten seMldungen einen angenehmen Mord bilden. Dem sckMercn Ä wuckstigen Material entsprechen die beiden pylonenartigei« snrne, die den Eingang flau fieren. Die Gesamtfassade macht kma im besten Sinne modernen Eindruck. Sie entlehnt ferne (lalylfmnnen, sondern läßt den Zweck b-?s Gebairdes klar erkennen LXir-Td), daß das Rund des Ärcnagebäudes sichtbar ist, während h i reiben wuckstigen Türme dekorativ wirken, um ber Fassade h I Ebaraftcr des Monumentalen zu verleihen. Der figürliche rfo ornamentale Schmuck d?r Fassade und der eleganten Jnnen- Linne mackvt durchaus den gediegensten Eirrdruck und erfreut ixi? schönheitssrohe Auge durch feine Diskretion, durch da« sMalten jedes überladenen Pompes. Die innere Einrichtung, fo' LBereinigung von Zirkus imb Vari6tä, ist von allgemeiner l^nlling. Der große Rundbau (62 Meter im Durchmesser, k Meter Höhe) trägt nickn wie die fonft bcfaraiten Zirkusse

ringsum Sitze, sondern es sind nur etwa drei Viertel der Rundung für die Zuschauerplätze beansprucht, während ber übrig bleibendeSektor" von ber großen Bühne eingenommen wird. Tie Arena ist in der Daristäzeit überdeckt und ;um Parkett umgetm-ndelt. Die übrigen Plätze sind in ber üblichen Weise anrphithcatr.alisch angeorbnet, jedoch klimmen sie bis zur Dacht- höhc nur hinter der großen {jürKailoge ber Bühne gegen­über empor; im übrigen gibt es nur einen ersten und zweiten Rang. Immerhin faßt der Zirkus, ivenn die Arena zum Parkett umgewandelt ist, 4500 Personen, in ber Zirkuscpoche immer mxh 4000. Das Gebäude halbwegs zu füllen, wird nicht leicht sein. Im Sommer müssen die Fremden tüchtig mithelfen, für die es ja allerdings außergewöhnlich günstig liegt, im Winter tun's die Bewohner ber umliegenden Städte. Die Bübne soll ülnngens zu den größten gehören, die cs gibt Sie kann erhöht und gesenkt werden. Die Direktion liegt in den Händen des früheren Löwenbändigers Julius Seeth, Danlciter waren die Berliner Sirrinteften Kristeller unb Sonnenthal und Besitzerin ist bie gleichfalls reichshauptßLdtistl>e Aktiengesellschaft für Zirkus- unb ^bcaterbaiL . Der 3500 Quadratmeter große, in Atröir Mo­naten bebaute Matz hat -irlv ly* und der Sau selbst ca. zwei M illionen Mark gekostet.

Die Leistungen der Artisten dann man nur durch die snp-rla.tivsten Worte dTaraftcrifiercn. Es ist wirklich im höchsten Grade ei> staunlich, was bie hervorragenden Dariätekünstier unserer Tage fertig bringen. Halt man es z. B. für möglich, daß ein Mann an bie 10 Minuten auf dem Rücken liegen kann, mit einem Fuße eine lange Leiter aufrecht bc.lanzien und dann auf einer ber beiden äußersten Spitzen dieser Leiter ein schöner Jüngling Kopf steht, b- dieser selbe Jüngling ähnlich« waahals'''ae nnd zugleich gar formfd<ne Kovfft'nststücke auf einem vielleick-t süns Meter langen Bambtisrohr ausführt, d:s der starke Mann ans seiner Srigilter bilanziert? Unb d-'.s alles mit ben graziösesten Bewegungen ? Natürlich hat man and) seine Helle Iren de an t>?m sehr witzigen und an tollen Einfällen reichen Komiker, den locken­den und faszinierenden Vmnvandlungs- und G^songskünstlerinnen

usw. usw. Es ist, nehmt alles nur in allem wahre Künst, bte hier geboten wsird: d. h. die Künstler befriedigen selbst ein seines ästhetisch"s Gefühl.

Es steht außer Zn-eifel, daß das Schumann-Theater auch vop Gießenern recht lebhaft freauentiert werden wird.

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Bei Müller u. Rühle, Hof-Buchhandlung in Darmstadt, ist soeben erschienen:Das Klosterkin^, Roman auS der Zeit ber Kreuzzüge von Karl Schäfer. Preis broschiertt 4 Mark. S. schildert in dem Rahmen einer spannenden Er^hh- tmg eine ber bewegtesten Zeitepochen der hessi­schen Kulturgeschichte. Er führt ntts in bie Zeit des ersten Kreuzzuges unter Gottfried von Bo'.iillon, der mit einem Teile ber Ärenzs-hrer ben Odenwald berührte. Die lebenswahre und warme Schilderung des Volkswesens, der Sitten und Gebräuche, sowie der treuen Anhänglichkeit an den Stufet Heinrich ben Vierten, lassen ein eingehendes Studium der historischen Grund- lagen erkennen. Die Erzählung Schäfers zeigt in charaktervollen Beispielen, wie einzelne Bewohner des Sdenwaldes, trotzdem daS Kloster Lorsch und seine Filialklöster Mikhelstadt und Steinbach alles aufboten, ben Christenglauben zu verbreiten, immer noch fest am Wotansglauben unb den alten Bräuchen hielten. Der Vefer wird aus den Tälern und Höben des Odenwalbes mit ben Kreuzfahrern bis zu d-t, mit prätchügen Farben geschilderten, Eirmahme von Jerusalem geführt. Die handelnden Gestalten sind mit vollendeter Leb mskraft bargeftefit Jeder einzelne W- sckmitt der kernigen Erzählung zeigt ben treuen K'enner feiner Heimat und ihrer Vergangenheit.

Aus Quebeck ^Kanada' wird berichtet, daß hort bie bek'nnte ftanzöfifcbe Schauspielerin Sarah Bernhard von mehreren 100 Person-m mit faulen Eiern beworfen wurde, als sie sich in das Theater begab.

. Dem Vernebmen u:ch wird der Nobelpreis für P h N s i k Professor Lenard von der Kieler Universität, für Chemie Trcf fior Adolf v. Bayer von der Münchener Uni, versität zuerteilt.