Ausgabe 
15.6.1905 Erstes Blatt
 
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5>ie veutige Kummer umfaßt 10 Seite«.

Aer Krieg.

Mbrefle für Depejchem Anzeiger Gießen.

Fernwrrchanschluß Nr. kl.

atz eine standhafte Fort­russische Reich immer noch

Wird der Zar nun Frieden mit Japan schließen, und wird er "en? Wird der äußere Friede den inne# " wertvolle Reformen bringen? Im

als Meuchelmord bezeichnete, sei nichts als ein Akt der Not­wehr, zu dem das Volk gedrängt wurde, dessen Frauen und Kinder man hinmordete.

Abg. Hirschel beklagt ebenfalls, daß man in der hessi­schen Kammer wieder einmal die Ausländer als Muster hin­gestellt und die deutschen Studenten dagegen herabgesetzt habe. Dagegen müsse entschieden protestiert werden. Die russischen Juden seien ein ganz anders geartetes Element, und bezüglich der moralischen Eigenschaften erinnere er an das schamlose Treiben in Betreff der Anarchistin Bährson.

Abg. Ulrich ist inzwischen sehr in Extase geraten und wendet sich schroff gegen Abg. Hirschel. Die polnische Jüdin ohne Kleider im Bett sei lange nicht so schlimm wie andere Dinge, die hier vorkämen mit nackten Weibern . . . (Der Redner braucht hier Ausdrücke, die wir aus Gründen des Anstandes nicht wiedergeben können. D. Nef.) Auf weitere persönliche Bemerkungen des Redners ruft Abg. Bähr Quatsch", worauf

Ulrich erwidert: Na, wenn wir all den Quatsch, den Sie schon verzapft haben, hier verantworten sollten . . .

Präs. HaaS unterbricht den Redner und bezeichnet sein Verhalten als unkollegial und unparlamentarisch.

Nach einem kurzen Schlußwort des Ausschußreferenten Abg. Köhler wird die Generaldebatte geschloffen.

Bei der Einzelberatung werden die Art. 1 bis 11 des Gesetzentwurfs mit geringen, vom Ausschuß vorgeschlagenen Aenderungen angenommen. Als Art. 11a wird in lieber- einstimmung mit dem Antrag Dr. Buff-Müller oöm Aus­schuß beantragt:

Auf Grund eines von einer technischen Privatunter­richtsanstalt ausgestellten Prüfungszeugnisses ist es nicht ge­stattet, sich als Diplom- oder diplomierter Ingenieur zu be­zeichnen oder sich einen ähnlichen Titel beizulegen, durch den der Glaube erweckt wird, der Inhaber desselben sei ein auf einer deutschen technischen Hochschule vorgebildeter oder ge­prüfter Ingenieur. Zuwiderhandlungen werden mit Geld­strafe bis zu 300 Mk. und im Unvermögensfalle mit Haft bestraft."

Dieser Artikel, sowie die Restartikel 12 bis 16 gelangten ohne Debatte zur Annahme. Von weiterem Interesse ist nur der Zusatzantrag zu Art. 3 und 13, daß bei Versagung der Genehmigung oder gegen die Verfügung der Aufsichtsbehörde innerhalb vier Wochen die Entscheidung des Staatsministe- riumS angerufen werden kann.

Die Vorstellungen des Direktors der Gewerbeakademie und der Bürgermeisterei zu Friedberg, wie der Antrag Buff- Müller wurden für erledigt erklärt. <

Schluß der Sitzung i/,2 Uhr. Nächste Sitzung morgen früh 9 Uhr.

Präsident HaaS schwingt die Glocke und erklärt: Abg. Dr. David hat sich in unzulässiger Weise über die Person eines fremden Souveräns geäußert, der zu­dem unserm hessischen Fürstenhause verwandt ist; ich rufe den Abgeordneten dafür zur Ordnung! (Bei­fall und Bewegung.)

Dbg. v. Brentano wirft dem Abg. Dr. David vor, daß derselbe seine vorbin geäußerten Bemerkungen im Stenogramm völlig korrigiert habe. Seine unkorrigierten Reden würden ein vorzügliches AgiLationsmittel gegen ihn bilden. Unerhört sei die große Schwärmerei Dr. Davids für das Ausländertum, die so weit gehe, daß sie selbst den erbärmlichsten und verwerflichsten Meuchelmord verherrliche.

Abg. Dr. David verteidigt unter allgemeiner Unruhe des Hauses seine Ausführungen über Rußland und bemerkt, er verstehe den Meuchelmord im Sinne Cavaignac, der doch ein katholischer Priester war und Heinrich IV. ermordete.

Präsident Haag ersucht den Redner wiederholt, zur Sache zu sprechen. Redner bemerkt weiter, was v. Brentano

Nr. 138

eil4«tet Ueti» außer SonntagT.

Dem Gießener Anzeiger Verden tm Wechsel mit dem Kefstlchen Landwirt die Gießener Familien' Witt« viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brü h I schen Vniver^Buch-u. Stein» druckest. K. Lang«.

Skandinavien

Stockholm, 14. Juni. Der König ließ aus Anlaß der vielen ihm zugegangenen Huldigungstelegramme folgendes Schreiben veröffentlichen:

Die Revolution, welche der Staatsrat und daß Storthlna Norwegens gegen den König und da? Brudervolk dadurch gemacht haben, daß sie die beschworenen heiligen Gesetze brachen, fügte meinem Herzen eine tiefe, unheilbare Wunde zu. Unter den Sorgen, welche das gesetzwidrige Auftreten mir bereitet bat, ist es in Wahr­heit ein unbeschreiblicher Trost gewesen, die tausendfältigen Beweise der Treue und Liebe zu erhalten, welche mir von nah und fern von Männern und Frauen jeden Alters und aller Gesellschaftsklassen im schwedischen Reich sowohl mündlich, wie schriftlich und tele­graphisch zuteil geworden sind. Nehmt hierfür alle und jeder Eure-

vwu-j w*. yiuvt, vuim in luiguHvi/mcn, ihn zunächst als eine Erlösung, als eine .< -------- schweren Alp begrüßen wird, obwohl die

vielen Opfer an Gut und Blut umsomehr schmerzen, weil sie nutzlos gebracht sind. Indessen, nachdem diele Befriedigung ver­raucht ist, wird man sich im Volk sicherlich sehr genau alt an die während der Leidenszeit empfangenen Versprechungen eine- freieren Regiments erinnern. Dann kommt der Augenblick, wo ein Zögern, diese Wechsel einzulösen, verhängnisvoll werden könnte. Es gibt Pessimisten, die der Ansicht sind, das Drängen des Volkes nach Frieden habe in derKriegspartei" am russischen Hofe die stärkste Mißstimmung hervorgerufen, und dieseKriegS- partei" werde, wenn wirklich jetzt unterlegen, späterhin ihren ganzen Einfluß, einsetzen, um die Reformen hintanzuhalten.

Nur auf diese Möglichkeit sei für jetzt hingewiesen, um zu zeigen, wie selbst dann, wenn die FriedenSverhandümgen Erfolg haben, das düstere Schicksalsbuch Rußlands noch keineswegs ge­schlossen ist. Ein neues Kapitel hebt an und wer weiß, wies endet!

In amtlichen Greifen Washingtons sowie auch Wiens, werden jedenfalls berechtigte Zweifel laut, ob die Antwort Rußlands Japan genügen werde. DasNeue Wiener 9lbendblatt" schreibt: Die Form, in welcher sich das russische Ministerium des Aeußem ineiner Art amtlichen Communigu6 über die Intervention des Präsidenten Roosevelt äußert, muß die ernstesten Bedenken wach- rufen, ob es im Anschluß an die Bemühungen des Union-Präfix benten. überhaupt zu Friedensverhandlungen kommen wird.

Ein bedeutender russischer Staatsmann äußerte sich dahin, die Friedensaktion des Präsidenten Roosevelt werde ein Ende mit Schrecken nehmen. Sobald der Zar erst die japanischen Bedinge ungen kennen gelernt hat, dürfte auf Friedensschluß absolut nicht zu rechnen sein.

Inzwischen nehmen die Washingtoner Verhandlungen ihren Fortgang. In Tokio ist der Bericht des japanischen Gesandten in Washington, Takahira, eingegangen, in welchem dieser davon Mitteilung macht, daß die russische Regierung ihren Bot­schafter. in Paris, Nelidow, zum Bevollmächtigten! für die Einleitung von Friedensverhandlungen ernannt habe und als Zusammenkunftsort für die beider­seitigen Bevollmächtigten Paris in Vorschlag brachte. Die japanische Regierung wird ihre Zustimmung nicht bat zu geben, daß die Bevollmächtigten in Paris zusammentreffen, einerseits weil Paris die Hauptstadt eines mit Rußland ver­bündeten Reiches Ist, andererseits wegen der großen Entfern­ung und der damit verbundenen Verzögerung. Man erwartet, daß Japan einen Ort in derNähe desK'riegSschauM Platzes Vorschlägen wird. Der japanische Bevollmächtigt« ist noch nicht bestimmt.

In Tokio dauert die Erregung der Bevölkerung über di« Fortführung des Krieges an. Amtlicherseits dagegen bewahrt man vollständige Ruhe. Allgemein wird angenommen, daß die von Japan .vorgeschlagenen Friedensbedingungen sehr maKiolb» seien und die Zustimmung der ganzen Welt finden werden.

Nach Londoner (!) Meldungen aus Tokio sollen dortige maß­gebende Persönlichkeiten befürchten, daß es in Japan zur Revolution kommen werde, falls der Mikado Rußland gün­stige Friedensbedingungen zugestehen sollte!! Ein höchst dumm-- englischer Witz.

AuS der Mandschurei.

Petersburg, 14. Juni. (Petersb. Tel.-Ag.) General Line witsch telegraphiert dem Kaiser unter dem 13. Juni: Am 11. Juni besetzten die Russen nach einem Gefecht die Dörfer Syfongbay, Halbwegs zwischen Symiaochen und Tschanttifu, sowie T sch ilipu urtd Tscha kidz i. Am 11. Juni rückte eine andere Abteilung gegen die Bergwerke bei Tschakhedzi vor. Die Kompagnie Japaner, welche die Bergwerke besetzt hielt, räumten dieselben und zog sich nach Südwesten zurück: sie wurde dann durch ein Bataillon Japaner mit Revolverkanonen verstärkt. Der Feind hat sich an bet Man-- darinenftraße südlich von Minhuagap verschanzt. Unser« Vorposten gingen am 11. Juni von neuem durch den Engpaß vo» Jandililin in der Richtung aus Minhuagay zu vor.

Ein neuer englisch-russischer Konflikt?

London, 14. Juni. Die Vernichtung des eitgli- chen DampfersSt. Kilda" durch den russ. Hilfskreuzer Dniepr" in der Malaccastraße dürfte nach den Anschauungen der Blätter Anlaß zu neuen diplomatischen Differenzen zwischen England und Rußland geben.

Eine Llohddepesche aus Singapore meldet: Es verlautet, daß die Ladung des Dampfers hauptsächlich aus Jute, Reis und Baumwolle bestand. Elf Errropäer, darunter der Kapitän, ein chinesischer Komprador, und das Labungsverzeichnis werden an Bord des ..Dnievr" xurÜckaebalten.

Hessischer Landtag.

R. B. Darmstadt, 14. Jüni.

Die zweite Kammer nahm heute vormittag IOV2 Uhr ihre Beratungen wieder auf. Nach Eröffnung der Sitzung durch Präsident Haas überweist das Haus eine Anzahl zur vorläufigen Beratung aus die Tagesordnung gesetzre Vorstellungen, ebenso, einen Antrag Müller inbetrefs der Revision der allgemeinen Bauordnung an die zuständigen Ausschüsse.

Ueber die Regierungsvorlage, betr. die Nachweisun- gen über die Einnahmen und Ausgaben an Domanial- und Staatsvermögen und die Verwendung der bewilligten Staatsgelder für die Finanzperiode 1900/01 und die Rech­nungen zur Ergänzung des Familieneigentums des Großh. HauseS für 1900/01 liegt ein schriftlicher Bericht des Aus­schusses auf Genehmigung der Nachweisungen und Rech­nungen vor. Das Haus beschließt demgemäß, genehmigt auch ohne Debatte die summarische Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben der Staatsschuldenverwaltung für 1897/98 1898/99, 1899/1900 und 1900/01.

Inbetrefs der Regierungsvorlage über den Text der Gesetze, 1. die Geha lt e d e r V 0 l ks sch ulle hr e r, 2. die Pensionierung der Volksschullehrer, 3. die Witwen- unb, Waisenkasse der Volksschullehrer führt die Begründung aus, daß sich eine geordnete Uebersicht und amtliche Zusammen­fassung zu einer Handausgabe notwendig gemacht habe. Das Haus stimmt dem Anträge des Ausschusses auf Ge­nehmigung dieser Vorlage ohne Debatte zu.

Dre Regierungsvorlage, betr. den Neubau eines Ghm- nasiumS, einer Turnhalle und Direktorwohnung in Mainz wird ohne Debatte angenommen.

Bei Beratung des Gesetzentwurfs, betr. die Errich- tirng und Leitung von technischen Privat- unterrichtSan st alten in Verbindung mit einer Vor-1 stellung der Bürgermeisterei Friedberg und des Direktors der Gewerbeakademie daselbst, sowie eines Antrags Dr. Buff und Müller in gleichem Betreff entspinnt sich eine längere Debatte.

amtlichen Rußland wirb wahrscheinlich die über alles Erwarten eilige Annahme bes Roosevelt'fchen Vorschlags als einedle- Opfer" bargestellt werben, das der Herrscher dem Volk bringt ycut um bas Volk zu beruhigen, lasse sich Rußland auf Verhand­lungen mit dem Feinde ein.

, Wir werden jetzt vielleicht bald von Petersburg hören, durch em auf Wirkung nach innen und außen berechnetes Manifest, daß Rußlands Hilfsquellen unerschöpflich sind, daß es Truppen und Feldherren jederzeit genug zur Verfügung haben kann, inn, und sei es auch in Jahren, den Gegner zu Boden zu werfen,

. b aber der Ruf des Volkes, diesem grausamen, blutigen Krieg eur Ziel zu setzen, zum Thron gedrungen sei, und daß die innere Wohlfahrt die erste und heilige Aufgabe bilde usw. Vielleicht aber hören wir demnächst au< ' ' * 'J '

setzung des Krieges für v, .

treit vorteilhafter sei, als ein Friedensschluß in diesen Tagen iust nach den schwersten Niederlagen. Denn eine H in schlepp- u n g des Krieges auf sibirischen Boden würde schließlich zu emer Versumpfung deS Krieges führen und dann ziehe doch Japan den Kürzeren dabei.

Kommt aber jetzt doch der Friede, bann ist anzrmehmest, daß das russische Volk ihn zunächst als eine Erlösung, als eine Befreiung von einem schweren Alp begrüßen wird, obwohl die

Abg. Köhler legt bar, daß die Zahl der Ausländer an den technischen Unterrichtsanstalten in Deutschland immer größer werde und verlangt, daß die Regierung energisch gegen das Ueberhandnehmen des unangenehmen Ausländer­tums einschreite, besonders sollte gegen das Studentenspielen der jungen Leute und gegen die ausländischen Jüden Front gemacht werden.

Geheimrat Braun bespricht die Einzelheiten der Re­gierungsvorlage, die sehr wesentlich zur weiteren Förderung deS gewerblichen Unterrichtswesens in Hessen beitragen werde. Das weitere Aufbll'hen der technischen Privatunter­richtsanstalten mit selbständigem Lehrprogramm und be­sonderen Zielen sei besonders im Interesse der Industrie freudig zu begrüßen.

Abg. Wolf bemerkt, es solle vor allem darauf mehr Gewicht gelegt werden, daß die an den Hochschulen zuge­lassenen Ausländer eine bessere Schulbildung besäßen; sorge man dafür, dann werde die Ueberflutung mit Ausländern von selber nachlassen. Am besten empfehle sich die An­stellung eines besonderen Kommissars zur Regelung des, Ausländertums.

Abg. Damm hat zwar gegen die Vorlage im allge­meinen nichts einzuwenden, beklagt aber die vielen Machi­nationen, die namentlich gegen das Friedberger Institut gerichtet worden seien. Der Entwurf müsse darauf Bedacht nehmen, daß solche technische Privatanstalten auch in den | anderen Bundesstaaten vorhanden seien. Es komme bei dem Gesetz vor allem darauf an, wie es zur Anwendung gebracht werde. Redner beantragt einen Zusatzartikel dahin, daß die an den Anstalten tätigen Fachlehrer volle Hoch­schulbildung haben müssen und zu den einzelnen Kursen nicht mehr als 45 Schüler zugelassen werden.

Geheimrat Braun geht auf die Ausführungen der Vor­redner ein und betont, baß eine höhere Schulbildung und genaue Prüfung derselben bei den ausländischen Besuchern das beste Mittel zur Regelung der Frage des Ausländertums an den technischen Hochschulen sein würde.

Abg. Dr. David wendet sich gegen die Behauptung z)e§ Abg. Köhler, daß durch das unangenehme Ausländertum an den technischen Unterrichtsanstalten eine materielle und moralische Schädigung für unsere Jugend herbeigeführt werde. Gerade das Gegenteil sei der Fall, die Ausländer seien fleißig und solide, sie könnten also den heimischen Besuchern zum Vorbild dienen. Wenn man das studentische Verbindungsleben lächerlich finde, wie Abg. Köhler, so müsse man sich auch gegen das Korpswesen an den Universitäten wenden. Beim Mensurwesen der Studenten würden aber von den Behörden alle beide Angen zugedrückt. Nur wenn ein Bauernbursche einmal seinem Nachbarn mit dem Stock eine Hochquart schlage, sei der Gendarm gleich da. Gegen die Inden in Bad-Nauheim, das doch dicht bei Friedberg liege, hätte noch niemand etwas eingewendet, das sei ja auch eine andere Art in Nauheim. Deutschland erfülle eine Kulturmission, wenn es auch den Ausländern eine Aus­bildung gebe, die sie anderwärts nicht erlangen könnten. I Die Vorlage betrachte er im allgemeinen als einen Fort­schritt, obgleich er anstatt der Privatanstalten lieber Staats- anstalten sehen würde.

Abg. Pennrich bemerkt, er halte den Grundgedanken des Gesetzentwurfs für einen guten und man dürfe erwarten, 1 daß die Negierung die einzelnen Bestimmungen in gerechter

Weise handhaben werde.

Abg. Müller stimmt der Regierungsvorlage ebenfalls

Barrin0t^r,no^ verschiedene Einzelwünsche vor, I auch Frick^"im Volke "nach^ Abg. Köhler wendet sich besonders gegen die Aus?-> reu zur Folge haben und

sührungen des Abg. Dr. David und ist verwundert darüber, daß dieser sich gerade gegen die Privatunterrichtsanstalten ausgesprochen habe. Die Behauptung, daß das Ausländer­tum auch eine materielle Schädigung für uns bedeute, halte er aufrecht; wie die Japaner dusich die deutschen Offiziere ausgebildet und befähigt wurden, die weiße Rasse zu besiegen, so werde einst auch die deutsche Industrie durch die in Deutschland ausgebildeten Ausländer besiegt werden.

Abg. v. Brentano polemisiert darauf scharf gegen Dr. David. Die Mehrheit des Hauses habe es unangenehm empfunden, daß hier in einem deutschen Parlament wieder das Ausland gegen die deutschen Studenten verherrlicht Iwerde. Er habe den Aufruhr in Rußland als Weltgericht bezeichnet und den Meuchelmord verherrlicht. Man müsse tief beklagen, daß Dr. David demRauf- und Saufwesen" der deutschen Studenten die Ausländer als die moralischen und sittlichen Vorbilder gegenüberstelle.

Dbg. Dr. D a v i b erwiderte in erregter Weise. Es müsse lächerlich anmuten, wenn das rationale Gewissen des Abg. Köhler sich gegen junge ausländische Studenten wende. Wenn man von einemunangenehmen Ausländertum" spreche, Jo könne man das auch mit allem Recht auf den Zaren beziehe, wenn derselbe zum Besuch in Hessen weile IN einem vom zaristischen Despotismus befreiten Rußland würden auch die jüdischen Studierenden gewiß die Gelegen­heit wahrnehmen, sich ihre akademische Bildung im eigenen Lande zu erwerben und auf den Besuch des Auslandes ver­zichten . . .

Erstes Blatt. 155. Jahrgang Donnerstag 15.Jnni 1900

Gietzener Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW

zelaentett: Han« Beck