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13.9.1905 Zweites Blatt
 
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155, Jahrgang

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Mittwoch 13. September 1905

8totohon6bnid und Verlag de» Brühl Ich« Uninerfuätst)ruderet ÖL Laag«, OttBafc

Redaktton, Expedition a. Druckerei i Schulst».R.

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Nr. 215

Zweites Blatt.

Brschewt Sßttch mtt Ausnahme befl Sonntag».

»te ^Wtttzenrr Familienblätter* werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt Der Ehrlichs CaHöeUf erscheint monatlich einmal

General-Anzeiger, Amts- md Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.

Der wirtschafttiche Yuhen des Krieges für Japan

lieber die 'Absichten der Japaner in Korea und in 6er Mandschurei teilt derOstasiat. Lloyd" aus einem so­eben erschienenen Auflatz des Grafen Okuma, des be­kannten lapanischen Staatsmannes, folgendes mit:

Tie japanische Bevölkerung nimmt in außergewöhn­lichem Maße zu. Zu der Zeit, als das Land dem fremden Handel erschlossen wurde, betrug sie etwa 30 Millionen; jetzt ist sie auf mehr als 50 Millionen gestiegen. Im Hin­blick aus den Umstand, daß die Zunahme lediglich auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung zurückzufüh-ren ist, darf eine schnellere -Steigerung der Einwohnerzahl als je er­wartet werden. Der Zuivachs der Bevölkerung bat die wirt­schaftlichen Bedingungen des Landes wesentlich geändert. Bor dem chinesisch-japanischen Krieg führte Japan mit 'Aus­nahme der Jahre schlechter Ernten nur selten Reis aus andern Ländern ein. Nach dem Krieg war das Land ge­nötigt, nicht nur in schlechten Jghren, sondern auch selbst bei den reichsten Ernten Reis einzuführen, und es ist der Zunahme der Landwirtschaft beinahe unmög­lich, mit dem Bedürfnis der zunehmenden Bevölkerung gleichen Schritt zu halten. Da der'Ackerbau unser Volknicht ernähren kann, müssen wir uns nach dem Handel als einer Quelle des Unterhaltes für'das Volk um sehen. Für Japan ist keine Gegend zur Betätigung des Handels geeig­neter, als Korea und die Mandschurei, wo unser Einfluß schnell wächst. Der Flächeninhalt der beiden Länder ist dreimal so groß, wie der Japans, während die Bevölker- nngszahl nur die Halste der japanischen erreicht. Tie beiden Länder bringen so große Mengen von Nahrungsmitteln hervor, daß wir unseren Bedarf an Bohnen und Gerste und anderen Cerealien hauptsächlich durch ihre Erzeugnisse decken könnten. Durch die Einführ­ung moderner Maschinen, japanischer 'Arbeiter und die An­lage moderner Verkehrswege kann die Prodnktionsfähiokeit dieser Gebiete aber noch erheblich gesteigert werden. Nicht nur Cerealien, sondern auch Fleisch und Früchte kön­nen von dort bezogen werden- Ein aussichtsreicher Handel kann dadurch auf geb aut werden, daß Japan das Rohmaterial aus jenen Gegenden einführt und den Kon­tingent dafür mit Manufakturwaren versieht- Sollte auch der Handel für einzelne Kaufleute nicht gewinnbringend sein, der Nutzen, den das Volk daraus ziehen wird, ist groß und notwendig. Korea ist zwar ein gebirgiges Land und für Ackerbau wenig geeignet, aber in der Man­dschurei sind die weiten Ebenen des Liao und Sungari außerordentlich fruchtbar. Der dort wachsende Weizen soll den von Kanada an Güte über­treffen. Das meistversprechende Unternehmen in der Mandschurei wird der Bau der Zuckerrüben sein, die jetzt in Deutschland gepflanzt werden. Das Klima der Man­dschurei ist dem in Deutschland ungefähr gleich, der Bau der Zuckerrübe ist demnach möglich. Japan verbraucht jähr­lich 250 000 Tonnen Zucker, und diese Menge nimmt zu­sehends zu. Im Falle eines rationellen Zuckerrübenanbaues in der Mandschurei werden wir unseren Bezug an Zucker aius Deutschland und den Tropengegenden aufgeben (!) und sogar raffinierten Zucker wieder nach der Mandschurei ausfuhren können. 'Außerdem ist die Be­völkerung der nördlichen Mandschurei ein großer Kon­sument von alkoholischen Getränken, sodaß die Japaner für ihre großen Brauereien einen guten Markt dort finden werden. Die großen Ebenen der nördlichen Mandschurei und der Mongolei sind durch ihre Weide­plätze bekannt. Die Bewohner treiben Viehzucht. Da ihnen aber die Kenntnis zu einem gewinnbringenden Be­triebe abgeht, haben sie bisher einen Erfolg nicht erzielen können. Auch auf diesem Gebiete eröffnet sich den Ja­paner:: ein Wirkungsfeld. Japan führt jährlich für un­gefähr zehn Millionen Den Wolle em; der Nutzen, den unser Land aus der Viehzucht ziehen würde, wäre dem­nach recht bedeutend. Außer den obengenannten wirtschaft­lichen Quellen gibt es in Korea und in der Mandschurei an den Ufern des Yalu und Sungart ausgedehnte Wälder und auch Kohlen- und andere Bergwerke. Um diese Schätze ausbeuten zu können, müssen wir ein aus­gedehntes Eisenbahnnetz haben, was wohl am besten auf staatliche Kasten erbaut wird. Es ist die Pflicht der Behörden, Kaufleute, die aus dem Kontinent Geschäfte er­öffnen wollen, ungehindert zuznlassen; sie mögen ihren

Handel mit Ausländern oder Eingeborenen treiben. Der Grundsatz der offenen Tür muß immer und überall auf­rechterhalten werden. Tie offene Tür ist der Zweck des Krieges, nicht eine Gebietseroberung^ Die Oberhoheit über die Mandschurei muß China unter gewissen Bedingungen zurückgegeben werden, jedoch nicht eher, als bis volle Ord­nung hergestellt und die künftige Sicherheit gewährleistet ist. Wenn Friede und Ordnung in der Mandschurei ein­gekehrt sind, können wir auf einen großen industriellen Aufschwung hoffen. Der wirtschaftliche Verlust infolge des Krieges wird durch den Nutzen, den wir aus der Aus­beutung der Mandschurei ziehen, mehr als ausgeglichen werden.

Oberst a. D. Gaedke und das preußische Kriegsministerium.

Dem Obersten a. D. Gaedke, dem Mitarbeiter des Berl. Tagebl.", der sich auch längere Zeit auf dem oft» asiatischen Kriegsschauplätze als Kriegsberichterstatter aufhielt, ist infolge eines ehrengerichtlichen Spruches der Offizierstitel und die Berechtigung zum Tragen der Uniform aberkannt worden. Den Grund der An­klage bildete ein Artikel Gaedkes über den Belgrader Königs­mord. Gaedke hat dem Ehrengerichtshof die Befugnis be­stritten, ihn vor sein Forum zu ziehen. Jetzt teilt der Berliner Lok.-Anz." zu dieser Angelegenheit folgendes mit: Gaedkes wiederholten Versuchen, diese Rechtsauffassung dein Kriegs- Ministerium gegenüber zur Geltung zu bringen, hat dieses sich versagt; eine Verfügung, daß Gaedke die Pension nicht auszuhändigen sei, sofern er unter Beifügung seines Ofsizierstitel quittiere, wurde jedoch wieder zurückge­nommen. Dies wurde ihm durch ein Schreiben der Re­gierung zu Potsdam mitgeteilt, das die Aufschrift trug: ,Herrn Gaedke in Steglitz." Diese Form der Adreste zum Ausgangspunkt seiner Beschwerde nehmend, hat nun Gaedke unter dem 7. d. Mts. ein längeres Schreiben an denKriegsminister gerichtet, worin es nach einer längeren Einleitung wörtlich heißt:

Wie würden Euer Erzelleuz eS bezeichnen, wenn ich darauf­hin diesen Bries an,Herrn v. E i n e m i n B e r l i n" adressierte? Ich lege aus leere Titel an sich nicht den mindesten Wert. Ins­besondere können die Behörden durch Zubilligung oder Aberkennung des Titels mir Ehre weder geben noch nehmen. Aber hier handelt sich für mich um den Kamps um? Recht und um die Abwehr einer beabsichtigten Unhöflichkeit. Ich gestatte mir daher, Euer Exzellenz ganz ergebenft darauf aufmerksam zu machen, daß mein Verzicht aus die Uniform pon den Militärbehörden nicht anerkannt worden ist, während ich wieder die Rechtsgültigkeit des ehrengerichtlichen Spruches nicht anerkenne. Ich werde unter allen Umständen zu dem Mittel greifen, durch bie Berliner Straßen in Uniform zu fahren, und diese Tatsache als­bald veröffentlichen lassen. Erzwinge ich dadurch keine 91 n- klage, so wird die Ohnmacht und Hilflosigkeit der Militärbehörden vor aller Augen in unverhüllter Nacktheit daliegen, und jeder Verabschiedete wird fortan die Beteiligung au einem Ehrengeri ch t e, die zur Farce geworden wäre, kühl lächelnd ablehnen. Ich will gern anerkennen, daß die Behörden in einer schwierigen Lage sind, nachdem man einmal bedauerlicher­weise die Kgl.'Autorität engagiert hat, die ich achte. Was ich ver­lange, ist darum nicht viel. Euer Exzellenz wollen mich entweder unter 9lnfloge stellen oder in aller Stille veranlaßen, daß nach wie vor sämtliche Behörden mir im amtlichen Verkehr, wie in Preußen ohne alle Ausnahme üblich, den ehrlich erworbenen Titel weitergeben. Euer Exzellenz werden eS auch begreiflich finden, wenn ich eine anHerrn Gaedke in Steglitz" adressierte Antwort auf dieses Schreiben nicht entgegennehme, und daß ich mir seine Veröffentlichung vorbehalte, sobald eine Behörde mir die ge­bührenden Titel nicht gibt, ohne daß zugleich eine Anklage gegen mich erfolgt. Mit der vorzüglichsten Hochachtung habe ich die Ehre zu zeichnen Euer Exzellenz ganz ergebenster R. Gaedke, Oberst a. D."

Hierzu bemerkt das Kriegsministerium:Durch vor­stehenden Brief wird das Verhalten der Heeresverwaltung in dieser Sache in keiner Weise beeinflußt." Es sei noch bemerkt, daß Gaedke seine Beiträge für dasBerliner Tageblatt" nach wie vor mit seinem Titel Oberst a. D. zeichnet.____________________

Aus pwdt unö Land.

Gießen, 13. September 1905.

** Eisenbahnfahrt zur landwirtschaft­lichen 'Ausstellung in Mainz. Man schreibt uns:

Der vom Landwirtschaftsrat bei der Eisenbahnverwaltung gestellte Antrag auf allgemeine Fahrpreisermäßigung zum Besuche her Mainzer Landes- und Jubiläums-Ausstellung, sowie die Einstellung von Extrazügen mit Fahrpreisermäßigung wurde, trohbem die Ausstellungsleituna bereit war, die Einstellung der Extrazüge aus eigenes Risiko zu übernehmen, abgelehnt Da­gegen hat die Eisenbahnverwaltnng genehmigt, daß für Gesell- schasten von mindstens 30 Person e n d. h. sog. GcscllschaftS- fahrten die übliche Ermäßigung eintritt, insofern, daß auf ein­fache Fahrkarte freie Rückfahrt, außerdem aber noch die auf­gelöste (Einzel-)Rückfchrt gewährt wird. Wir bemerken ausdrück­lich, daß diese Gesellschaftsfahrten nur an den Tagen des 16., 17. und 18. September und zwar nur für den Besuch der Mainzer Ausstellung genehmigt werden. Gesellschaftsfahrten mit Fahrpreisermäßigung gewährt die Eisenbahnverwaltung zur Zeit überhaupt nicht, ba sie durch die Truppenbeförderung zu dieser Zeit zu sehr in Anspruch genommen ist. ES empfiehlt sich daher, daß laiürwirtsckwftliche Vereine vvn dieser Vergünstigung Gebrauch machen imb eine gemeinsame Fahrt (inf einen bestimmten Taa und Zug nach Mainz vereinbaren. Dazu ist notwendig, daß eine Person am Tage vor der Mfahrt die beabsichtigte Gesell- schaftsfnhrt bei der betreffenden Eisenbahnstation anmeldet und dabei den Antrag auf aufgelöste Rückfahrt ausdrücklich nochmals stellt. Diese betreffende Person würde auch die Fahrkarten, mindestens 30, zu lösen haben und an die Teilnehmer der Gesell­schaftsfahrt käuflich einige Zeit vor 9Cbgang des Zuges ab geben. Sofern bei einer Beteiligung von über 30 Personen Fahrkarten zuviel gelöst wuvden, ist die Eisenbahnverwaltung bereit, diese zurück zu nehmen oder zurück zu vergüten.. Doch soll darauf hingewiesen werden, daß auch Nichtmitglieder deS Vereins an solchen Gesellschaftsfahrten teilnehmen können. Zur gefl. Orien­tierung sei bemerkt, daß de». Eintrittspreis zur Ausstellung am 16. September 1 Mark und am 17. und 18. September 70 Pf. pro Person beträgt. In benienigen Orten, wo Vereine solche Gesellschcktsfalwten nicht organisieren, wäre es im Interesse eines guten Besuches der Ausstellung gelegen, wenn die Bürger­meistereien solche gemeinschaftlichen ffalyrten selbst veranlassen würdm, di"se in der Gemeinde bekannt machen und einen Tag vor der Fahrt anmelden, sowie durch eine bestimmte Person die F->hrkarten lösen und an der Station zum Verkauf bringen würden.

* Das Parteisekretariat der sozialdemokr. Partei für das Großherzogtum Hessen ist nunmehr m3 Leben getreten. Mit der Führung der Geschäfte ist nach dem ,Dffcnb. Abendbl."Genosse* Dr. David betraut worden. Vom 1. Oktober ab wird der Parteisekretär nach Offenbach übersiedeln.

-Zigeunerkolonie Kröge. Man schreibt uns: Der wegen Mordes in Grüningen verhaftete Arbeiter Klein stammt, wie Sie mitteilen, aus Kröge bei Batten­berg. Kröge ist eine alte hessische Zigeunerkolonie, der Arbeiter Klein somit ein Zigeuner-Abkömmling. Kolonisten von Kröge arbeiteten früher auch hier in der Schulstraße als Korb»- flechter und Schirmflicker, natürlich auf offener Straße.

'"Ein hessischer Alpenwanderer schreibt un® aus Neustift im Stubaital (Tirol), 11. September:

Die von der Sektion ©terfenburg (Sitz in Darmstadt) gebaute Starkenburger Hütte an dem eine herrliche Aussicht bietenden hohen Burgstall hat sich nach dem Bau der Stubaital- babn als zu klein erwiesen, so daß sie in diesem Jahr erweitert werden mußte. Hellte fand die E i n w e i h u n g des geräumigen Neubaues statt, zu der sich zahlreiche Sllpenfreunbe aus der hessischen Heimat eingefunben hatten. Eingeleitet wurde die schlichte Feier drirch einen Kommers am gestrigen Abend, bei dem es Münchener Bier vorn Faß gab. Bei Musik- und Gefangsvorträgen verlief der Abend in schönster Weise. Bergfeuer von der Hütte und von der Adolf Pichlerhütte kündeten weithin bas frohe Er­eignis. Tie Weiherebe hielt heute mittag Oberamtsrichter Wünzer von Waldmichelbach. Ein Festmahl schloß die einfach-schöne Feier.

* Der Kaninchenzuchtverein von Gießen und Umgegend hielt am 9. und 10. September in den Lokali­tätenZur Schönen Aussicht* die 1. Lokalausstellung ab. Trotz deS schlechten WetterS konnte man mit dem Besuche zufrieden sein. Es waren zirka 6570 Nummern Kaninchen ausgestellt. Diese waren eingeteilt in Alttier-, Jungtier-, Kreuzungs- und Verkaussklaffe. Nach Aussage der Preis­richter waren die Kaninchen für eine Lokalausstellung in ganz ausnahmsweise guter Qualität vertreten, und hauptsächlich muß die Jungtierklaffe hervorgehoben werden. An Preisen wurden verteilt:

1. Ehrenpreise:

Karl Jung (Freienseen) für Belg. Riese, Ad. Noll (Gießen) für Silber und Japaner, Frdr. Petter (Gießen) für Holländer, Hrch. Stein (Gießen) für Belg. Riese und Kreuzung und Karl Wiedmeye» (Gießen) für Belg. Riese.

Aorstheater.

Woran vor ein paar Jahrzehnten noch niemand ge­macht, das beginnt jetzt urkräftig zu wachsen. Dem deutschen Dorfe wird die Bühne erobert, richtiger zurückerobert. Jedenfalls ist es Tatsache, daß in vielen Gegenden unseres Vaterlandes Lust und Begabung für die schauspielerische Darstellung menschlichen Lebens und Handelns unter den Landbewohnern vorhanden ist. Und dieser Trieb bricht sich Bahn. Wir sind auf dem besten Wege dazu, daß in Deutsch­lands Dörfern, wenn auch in sehr verschiedener Form, jeden­falls natürlich und selbstgewachsen, wiederersteht, was offen­bar einst im Mittelalter war: daß jedes Dorf seine Schau­spiele hatte am festlichen Tag.

Diese Entwicklung ist höchst erfteulich und verheißungs­voll. Aber eine sehr schlimme und gefährliche Klippe ist dabei zu umsegeln. Eine Unmasse von minderwertigen, geschmackverderbenden Theaterstücken überschwemmt den Markt. Es ist ein Jammer, mit ansehen zu müssen, wie auf diese Weise der ästhetischen Kultur ungeheuer geschadet und der natürliche, gesunde Geschmack unserer Dorfbewohner, soweit er noch vorhanden ist, durch seichte und sentimentale ,Kimst"-Produkte verdorben wird. Wer das deutsche Dorf lieb hat, wird die Wichtigkeit der Aufgabe, die sich daraus wgibt, begreifen. Für das Torftheater ist das Beste nicht |U schlecht muß die Losung sein, und nur die Einschränk- mgen dürfen gelten, die stch aus dem geringeren Äus- ,assungsvermögen der im Anhören von Theaterstücken wenig geübten Dorfbewohner ergeben.

Aber woher geeignete Stücke nehmen? Die Mehrzahl ;e3 für die städtischen Bühnen Geschriebenen ist wegen einer Kompliziertheit unbrauchbar. Ein Wegweiser fürs

Torftheater ist das Ziel, das in möglichster Vollständigkeit alles Brauchbare, das bis retzt vorhanden ist, umfaßt und allen Suchenden Stoff zu Ausführungen bietet.

Vorläufig aber gilt's, tote gesagt, das Vorhandene zu­sammenzufassen.

Es handelt sich wesentlich um zweierlei:

1) werden alle ländlichenTheaterdirektoren", d. h. alle diejenigen, die Aufführungen von Theaterstücken ver­anlaßt oder geleitet haben, gebeten, an die Geschäftsstelle des deutschen Vereins für ländliche Wohlfahrts- und HeimatSpfleoe (Berlin SW. 110) ein Verzeichnis der von ihnen aufgeführten Stücke zu senden, womöglich mit einigen regen Angaben über Jnhack, Art und Erfolg; auch histo­rische Volksstücke mit Lokalcharakter sollen dabei nicht über­sehen werden;

2) werden alle diejenigen, die brauchbare Sachen kennen, oder sonst irgendwie mithelfen können und wollen, gebeten, sich mit uns in Verbindung zu setzen.

Budapest, 12. Sept. Der Antialkoh olkon greß wurde mit einer Rede von Pros. Delbrück-Bremen eröffnet. Minister Lukacs begrüßte den Kongreß im Namen der Re­gierung, Bürgermeister Rozsavoelgyi im Namen der Haupt­stadt. Professor Gruber-München hielt einen Festvortrag überHygiene des Jchs", worauf eiwe Besichtigung der mit dem Kongreß verbundenen 'Ausstellung erfolgte. In der Nachmittagssitzung erstattete Professor Laitinen-Hel- singfors ein Referat über den Einfluß des Alkohols auf die Widerstandsfähigkeit deS menschlichen und tierischen Or­ganismus mit besonderer Berücksichtigung der Vererbung. Ter Referent schildert die verheerenden Folgen des Alkohols auf die Nachkommen . Tie 'Alkoholiker sind unfruchtbar oder

haben schwache, degenerierte Kinder, lieber das gleiche Thema sprach Professor Weyaandt-Würzburg, der auch den Genuß der kleinsten Quantitäten Alkohols als schädlich er­klärt. Professor Forel-Chigny wendet sich gegen die An­nahme der Aerzte, als ob der 'Alkohol bei Fieber mit Nutzen angewendet werden könnte. Tr. Wlanak-Wien spricht über das Unvermögen alkoholistischer Frauen, ihre Kinder zu stillen. Professor Liebermann erörterte die hygienische Be­deutung des Kunstweines, zu welchem Thema auch Milliet* Zürich das Wort ergriff.

Hamburg, 12. Sept. Heute fand die EröffnungS» sitzung der Versammlung der Internationalen Kri­minalistischen Vereienigung statt, der Vertreter des Senats, der Bürgerschaft, des Richter» und des An­waltstandes beiwohnten. Senator Dr. Lappenberg hielt eine längere Begrüßungsansprache, in der er betonte, es sei das erstemal, daß die Internationale Kriminalistische Ver­einigung in Deutschland tage. Er wünsche, daß die Be­ratungen dazu beitragen möchten, die der Lösung harrenden Fragen weiter zu klären. Hierauf folgten die Begrüßungen durch die Vertreter des Reichsmarineamts und oes preuß. Justizministeriums. Sodann wurde zur Wahl des Bureaus geschritten. Zum Präsidenten wurde Professor Dr. Prinz- Brüssel gewählt. Hiernach wurde in die Beratungen ein­getreten.

Zur Veranstaltung einer Feier anläßlich der Eröff­nung des neuen Stadttheaters zu Halberstadt am 30. d. M. bewilligten die Stadtverordneten 800 Mark Zu/ Aufführung wird LessingsMinna von Barnbelm" gelangen.