Nr. 36
Zweites Blatte
155. Jahrgang
Samstag 11. U-ebrnar 1905
-rfcheivt Q-lich mtt Ausnahm« bei Sonntags.
DK «Gktzever Somilienbiatter* werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich betgelegL Der ^heffljch« CoiOrotrt“ erlchevu monatlich einmal.
Gießener Anzeiger
ÄotattonSbnitf and Verlag der Brüh kicher» UnwerMätSdruckerel. R. Laag«, Dreße».
Redakttorr, Expedition «.Druckerei: Schulst!.?, Del. Nr. ÖL Deiegr.-Adr. r Anzeiger Dietz«.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eichen.
Hi« internationales landwirtschaftliches Institut.
T-er König von Italien will einen Teil seiner Z i - d i l l i st e zur Gründung und Ausstattung eines internationalen landwirtschaftlichen Instituts in Rom verwenden. Alle Staaten sollen in der Kammer vertreten sein. In einem Handschreiben des Königs an den Ministerpräsidenten nimmt der König Bezug auf eine Unterredung, die er kürzlich bezüglich dieser Idee mit dem Amerikaner Tavid Lubin gehabt hat. In dem Schreiben heißt es:
„Tie ackerbauende Bevölkerung, die im allgemeinen ble zahlreichste ist, hat überall großen Einfluß auf das Geschick der Völker, kann aber, da sie ohne ein gemeinsames Band lebt, weder auf eine Besserung der Kulturen und ihre Verteilung gemäß den Erfordernissen des Konsums hinwirken, noch aus den S ch u tz ihrer Interessen auf den Märkten, die für die wichtigsten Bodenprodukte mehr und mehr Weltmärkte werden. Ein internationales Institut könnte deshalb von großer Wichtigkeit werden, wenn es frei von allen politischen Zwecken das Studium der Lage der Landwirtschaft in den verschiedenen Ländern als Aufgabe hat und periodisch über die Quantität und Qualität der Ernten, ferner über die Art und Weise, wie die Produktion erleichtert werden kann, iiber die M a r k t v e r h ä l t n i s s e und über die geeignetste Preisfestsetzung Bericht erstattet. Tas Institut könnte auch Angaben beschaffen über die Lage der landwirtschaftlichen Arbeiter aller Gegenden und so für die Auswanderer ein nützlicher und sicherer Führer werden; ferner föimte es Abkommen treffen zum gemeinsamen Schutze gegen Pflanzen- undV i e h k r a n k h e i t e n. Es würde auch einen heilsamen Einfluß üben auf die Entwicklung des landwirtschaftlichen Versicherungs- und Kreditwesens. Tie wohltätigen Wirkungen eines solchen Instituts, das ein mächtiges Element des Friedens wäre, würden sich bald vervielfältigen. Rom sollte der würdige Versammlungsort der Vertreter der teilnehmenden Staaten und der hauptsächlich beteiligten Vereinigungen sein. Er hoffe, daß in Anbetracht des edlen Zieles alle diesem Unternehmen entgegenstehenden Schwierigkeiten sich überwinden lassen werden."
Tie ftalienische Regierung erteilte bereits den Vertretern Italiens im Ausland Instruktionen, bezüglich der Beschaffung schneller und genauer Informationen über Produktion, Konsum, Kreise mib Usancen auf den verschiedenen Märkten der Welt.
Ter Mangel einer wirtschaftlichen Einigung der ackerbautreibenden Bevölkerung, heißt es in den Instruktionen, gibt Veranlassung zu anormaler Produktion. Daraus entsteht Verschwendung von Kapitalien und Kräften; auch läßt dieser Mangel den Landwirt oft ohne Schutz gege nüber Mißbräuchen, die die Syndikate zur Anwendung bringen, welche sich auf den Gebieten des Transportwesens und des Verkaufs der Waren bilden. Wenn in jedem Staat ein gerechter Ausgleich der Interessen zwischen den verschiedenen produzierenden Klassen geschaffen wird, und die Bande zwischen denNationen enger geknüpft werden, die in der: gemeinsamen, über die politischen Grenzen der Staaten hinausreichenden Zureresfeu wurzeln, so wird den idealen Friedensbestrebungen noch ein neues wirtscl-aftliches Ziel gegeben werden, well eine neue Bevölkerungsklasse, die die zahlreichste, aber die bisher am wenigst-en geeinte ist, in die Bewegung für den Frieden eur- treten toirü. Tas Institut, das der König zu schaffen wünscht, muß, wenn es wirklich wirksam sein soll, international sein, weil der Markt für die hauptsächlichsten Produkte der Erde ein einziger und universaler ist.
Tie Jnicruktionen gehen ferner des näheren auf die in dem Harrdsä-reiben angedeuteten Aufgaben des Instituts ein und sagen dann:
„Tas internationale Ackerbau-Institut bedeute nicht den Krieg gegen d i e g r o ß en O r g a n is a t io n e n d e s Kapitals und der Arbeit, sondern es bedeute den wirksamen ja einzig wirksamen Schutz gegen Ausschreitungen. Schließlich werden die Vertreter Italiens im Auslande angewiesen, den Gedanken der Schaffung eines internationalen Ackerbau-Jil- stitutes, dem übrigens keinerlei Befugnis zuftehen solle, Zwailgs- maßregeln auszuüben, den Regierungen, bei denen sie beglaubigt send, zu unterbreiten und sie zu ersuchen. Delegierte zu der ersten Versammlung zu ernennen, die im M a i 1905 i n R o m stattsindet und das Reglement für die neue Einrichtung aus- arbeiten soll."
Ter Amerikaner Tavid Lubin, der dem König die Anregung «um Plane eines Ackerbau-Instituts gab, ist der Chef des Hauses Weinstock u. Lubin in Sacramento und San Francisco. Er hielt sich seit einigen Monaten in Italien auf und hatte während des Aufenthalts des Königs in San Ztossore mit diesem den Plan aus gearbeitet.
Präsident Loubet hat an den König von Italien folgende Depesche gesandt:
Ich haoe durch unfern Botschafter von der edlen Initiative Eurer Majestät zu Gunsten der ländlichen Bevölkerung der ganzen Welt Kenntnis erhalten. Ich bitte Sie, meine aufrichtigen Glückwünsche zu der hochherzigen Kundgebung, welche die öffentliche Meinung in Frankreich mit lebhafter Sympathie aufnehmen wird, entgegenzunehmen.
T er König von Italien antwortete:
Ich beeile mich von ganzem für die außerordentlich liebenswürdige Tepesche zu danken. Ihre und Frankreichs Mitwirkung lassen auf den Erfolg meiner Initiative hoffen.
Sämtliche Blätter Italiens begrüßen enthusiastisch des Königs Plan. Tie „Tribuna" hofft, daß es die Zustimmung aller zivilisierten Länder der Erde finden werde. „Osservatore Romano" wünscht, daß es Italien und allen landwirtschaftlichen Arbeftern Nutzen bringen werde.
Jhe Kelgarbeiterblwcgung.
Aus dem Ruhrrevier.
Ick Essen gab in einer am Freitag nachmittag abgehaltenen Bergarbeiterversammlung ReiclMtagsabg. Hue die Parole aus: Es wird weiter gestreikt, da verschiedene Zechen Bergleute, die sich zur Arbeit gemeldet, zu rück wiesen.
Auch in Dortmund ist der Friede noch nicht gesichert. Nur schwer entschließen sich die Streikenden zur Anfahrt. Heute wollen die Belegschaften geschlossen zu den Zechen ziehen, um anzusragen, wann die Arbeits- a u j n a h im e erfolgen kann. Tie Leute treten für den Einzelnen ein, und jede Weigerung der Zechen, einem Agitator gegenüber, würde einen neuen Streik bringen.
Im Bochumer Revier sanden zahlreiche Belegschafts- Versammlungen statt, die sich durchweg für die Wiederaufnahme der Arbeit aus sprachen. Zn den achtzehn Revieren des Oberbergamtes Dortmund und auf der Zeche Rheinpreußen waren am Freitag 7 5663 Arbeiter bei einer Gesamtbeleg sch ast von 245 486 Mann ungefähren, mithin f e h len 16 9 823 Mann geg em 19 3 8 7 6 am Donnerstag.
Die Sitiration ist kritisch. Effert rief telegraphisch die Hilfe des Reichskanzlers an. Ununterbrochen laufen Meldungen von Maßregelungen und angekündigten Lohn Herabsetzungen durch die Zechenverwaltungen ein. Letztere schickten Tau- sendevonarbeitswilligenBergleutenwieder fort. Aus verschiedenen Zechen, z. B. aus Hannover, wurde einer Anzahl von Arbeitern erklärt, sie würden überhaupt niemals wieder eingestellt. Tie Belegschaften der betreffenden Zechen beschlossen daher, weiter z>u st r e i k e n.
Auf der Strecke Altenessen-Kalternberg ist am Freitag auf einen E i s e n b a h n z u g ein Anschlag verübt worden, indem die Weichen mit Eisenzeug und Steinen bepackt wurden. Ein Streckenwärter wurde durch mehrere gegen ihn gerichtete R e v o l v e r s ch ü s s e, die indessen nicht 'trafen, aufmerksam mrd gab das Haltesignal. Bei der Untersuchung der Strecke wurden die Hindernisse entdeckt, die sonst ohne Zweifel den Zug zum Entgleisen gebracht hätten.
Bei der Zeche „Prosper" in Bottrop kam es zu einem Zusammen st oß zwischen Streikenden und der Gendarmerie. Ein Gendarm wurde verletzt und ein Bergmann schwer verwundet.
Bei Gelegenheit der Anwesenheit des Ministers des Innern, Frhrn. v. Hämmerst ein im Streikgebiet machte der Geh. Kommerzienrat Kird o r s -Gelsenkirchen dem Minister auf Her Zeche „Minister Stein" eine heftige Szene. Kirdorf warf dem Minister schlappe Haltung und die Rückgratlosigt'eit der Regierung in der Streitfrage vor. Heber die kräftigen Ausdrücke ollen, wie Augenzeugen berichten, alle A n me j e n b e n eine Gänsehaut bekommen haben. Der Minister hörte den scharfen Worten r n h i g zu und ging bann, o h n e e i n Wort zu sagen, davon.
Wie die „Vihein.-We>rf. Ztg." hört, tritt der Direktor der Stinnes-Zeche „Vttwria-Atatthias", Hans Schlüter, in den Vorstand des rheinisch-westfälischen Koh- len-Syndikats.
Schlesien.
Ter preuß. „Staatsaiiz.' meldet: Jckr Waldenburger Bezirk läßt die Streikbewegung nicht unerheblich nach. Aus dem oberschlesischen Stein- kohlenbezirt lauten die Berichte ebenfalls günstig.
Aus dem Reiche.
Kassel, 10. Febr. In dem Braunkohlenbergwerk Wattenbach ist der Aus st and beendet. Tie Bergleute nehmen die Arbeit wieder auf.
Mannheim, 10. Febr. Tie streckenden Kohlen- arbeiter hatten gestern das hiesige Gewerbe gericht als Einigungsamt angerufen. Die für heute mittag anberaumte erste Verhandlung tonnte aber nicht stattftccden, da zwei Drittel der Unternehmer abgeschrieben hatten. Daraus erhellt, daß die großen Firmen unter keinen Umständen gewillt sind, nachzugeben.
)( Büdingen, 10. Febr. Eine von hiesigen Glasarbeitern angeregte Sammlung für die Streikenden des Ruhrgebiets hat über 60 Mk. ergeben.
Belgien und Böhmen.
Brüssel, 10. Fcvr. Ter Streck hat heute wceder eine erhebliche Aus.dehnung genommen, da in den Gruben von Seracng bei Lüttich von etwa 4000 Arbeitern heute früh 3000 in den Aus stand traten. Ein Revolverattentat, das im Borinage auf den Tiener eines Ingenieurs verübt worden ist, kommt wohl nicht auf Kosten des Streiks.
Pilsen, 10. Febr. Tie Belegschaft des Austriaschachtes im Bezirke Mies ist am Mittwoch in den Ausstand getreten. Die Verhandlungen wegen der Forderung eines Minimallohn.es sind im Gauge. Am 8. Februar waren von 385 Mann 316 ausständig, am 9. Februar 652 von 705, heute früh 308 von 320.
Leutjches Rerch.
Berlin, 10. Febr. Der Kaiser begab sich heute vormittag nach der Kaserne des Regiments Garde du Corps in Potsdam. Kurz daraus trafen der Prinz von Bourbon und der Fürst von Bulgarien ein. Sie begaben sich nach der innereren Reitbahn, wo eine Besichtigung der Reckabteilung stattfaud, von da nach der Kaserne der Leibschwadron, wo ebenfalls die Reitabteilung besichtigt wurde, und dann nach dem Kasino de3 Garde-du-Corps. 9tach dem Frühstück fuhr der Kaiser nach Berlin.
__ Heute abend fand cucläßlich der Anwesenheit der fremden Fürstlichkeiten beim Kaiserpaar in der Bildergalerie des Schlosses Diner statt. Ferner waren anwesend ü. a.: der Herzog von Sachjen-Koburg-Gotha, Reichskanzler Graf Bülow mit Gemahlin, Staatssekretär Frhr. v. Richt- Hofen, die bayerischen Rtinister Frhr. v. Feilitzsch und Pfaff, die sächsischen Rtinister v. Atetzsch und Rueger und die württembergy'chen Mmister v. Pifchek und v. Zeyer.
_ Prlnz Karl von Bourbon und der Fürst von Bulgarien sind vonc Kaller durch die Verleihung des hohen Ordens' vom Schwarzen Lldler ausgezeichnet worden. r ... , J r r
_ Prinz Karl von Bourbon ijt heute abend ab- gercjit^ni ^rmewerordnungsblatt" zufolge halten in diesem Jahre das 8. und Vas 18. Armeekorps ihre Manöver gegeneinander vor dem Kaiser ab.
— Der „Köln. Z^g." wird aus NewYorr berichtet: Ter deutsche Kaiser luv durch den deutschen Bo.schafier in Wasümaton die Vertreter aller p r o t e st a u t c s ch e n amerikanischen Kirchen ein, der am 27. Februar' in Berlin stattfiudenden Domweihe beczuwohnen. Die meisten der Eingeladenen schiffen sich morgen ein.
— Die polnische NeichstagSfrakti on hat den Beschluß gefaßt, sich bei der Abstimmung über die Handels- vertrage der Stimme zu enthalten und auch durch keines ihrer Mitglieder in die Debatte emzugreisen.
— lieber die deutsch-amerikanischen Han-^ delsbezieHungen äußerte sich Staatssekretär Hay einem Schreiben an die amerikanische Handelskammer in' Berlin, daß seitens des Handelsministeriums jederzeit der Wunsch gehegt tverde, die Handelsbeziehungen zivischen beit' beiden Landern durch alle in ihrer Kraft liegenden Mittel' zu fördern, einschließlich der Verhandlungen über einen' Reeiproclitätsvertrag, sobald die Verhältnisse diessi ermöglichen.
Dresden, 10. Febr. Eine nennenswerte Aenderung^ des sächsischen Landtagswahlrechts soll nach uns gewordener Mitteilung aus guter Quelle nicht mehr in Aussicht genommen sein. (Es bleibt also bei dem Klassen-, Wahlrecht.)
Wochenbericht der Zrnxenabteilung des Bankhauses^ H. S. Oppenheimer jr., Hannover.
H a n n o v e r, 9. Febr. 1905.
Die außerordentliche Festigkeit und die großen Umsätze, welche den K a l i - K u x e n m a r k t seit einigen Wochen in Atem hielten, sind im Augenblick zum Stillstand gekommen. Wenngleich die Kurse der swweren und mittleren Papiere wesentliche Rückgänge^ nich-t auszuweisen haben, sind immerhin Llbschwächungen von 150 bis 200 Mk. eingetreten. Als allein fest bekundeten sich^nur' Carlsfund, wofür nach wie vor Nachftage bei 8900 Mk. besteht. Tie übrigen Werte wie Wilhelmshall bleiben bei 14 000, Glückauf Sondershausen bei 15 900 Mk. und Hercynia bei 22 900 Mk. leicht erhältlich. Alexandershall verlassen die Woche mit einem Briefkurse von 7550 Mk., Tesdemona mit einem solchen von 5875 Mk. und Hohenzollern mit einem solchen von 8450 Mk. Zn Beienrode, Kaiseroda, Bürbach sind die Umsätze sehr beschränkt, wobei die Kurse ebenfalls weichende Rckchtung verfolgen. Jo- hannashall sowie Heldrungcn nack?gebend. Als preishaltend sind noch zu bezeickmen Hedwigsöurg nut einem Geldkurse von 11 300 Mark, Großherzog von Saa)scn mit einem solchen von 7500 Mk. und Justus I. mit einem solchen von 8475 Mk. Leichte Papiere gingen unter lebhaften Schwantungen nach stark gestiegenen Preisen mit Absa-wächungen von 50 Mk. bis 75 Mk. unter den Höchst« türsen aus dem Verlehr hervor. Zu nennen sind hier Schieferkaute, die bis 1500 Mk., Güntershall, die bis 2100 Mk., Immen-' rode, die bis 1225 Mk., und vor allen Dingen Bismarckshall, die bis 2400 Mk. in Posten umgesetzt lvurden. Bemerkenswert ist erner die starke Steigerung von Hattorf wofür 900 Mk. angelegt wurden, doch bleibt bei 840 Mk. Material wieder leicht erhältlich. Dieselbe Erscheinung zeigte sich in 5)eldburg-, Ronnenberg- und Salzgitter-Aktien, die sämtlich in abgeschwächter Tendenz, schließen. Sigmunds Hall-Akt. auf Basis der letzten Kurse, d. h. 2120 Mk. G. bezw. 1425 Mk. G., fest
Der Kohlen-Kuxenmarkt liegt durch die andauernd« Streikbewegung weiter ruhig. Tre Umsätze beschränken sich auf' ein Mindestmaß, wobei einige schwere Papiere, wie Langew- brahinen, König Ludwig und Konstantin der Große bei lttcht abgejchwächten Preisen ausgenommen wurden. Eine etwas bessere Tendenz zeigt sich für Herkules, wofür 9000 Mk., ferner für Eintracht Tiefbau, wofür 8350 Mk. angelegt wurden. Sonst sind un Hinblick auf die allgemeine Geschäftsunlust, welche auf diesem Gebiete mehr und mehr Platz greift, nennen^rte Veränderungen^ nicht zu verzeichnen. , „ _
Kanvel und Ueltteyr. ^otkswtrt^chaN.
Köln, 10. Febr Tie für das erste Halbjahr des laufendes Geschüftsiahres ausgestellte Rohbilanz des Hörder Bergwerks- und Hüttenvereins ergibt folgendes Resultat: Ter BetriebsübersUMß nach Abzug der Verwaltungskosten betragt 2 792 807,09 Mk. Naa? Abzug der Zinsen usw. von 316 258,12 Mark verbleiben 2 471 521,97 Mk. gegen 2 835 108,63 Mk. bezw. 2 423 876,44 Mk. im Vorjahre. Tie Ergebnisse der ersten zwei Monate des Jahres 1905 werden infolge des Bergarbeiterstreiks nicht wesentlich beeinträchtigt.
T e u t s ch e N e i ch s v a n k. Ter neueste Ausweis der Teilte sckien Reichsbank z^igt, daß der Status sich weiter gebessert hat. Er zeigt eine so große Flüssigkeit des Geldstandes, daß die Reichsbank angesiäits des niedrigen Privatdislonts doch, in kürzester Frist zu einer Tiskontermäßigung wird^ säweiten müssen. Ties ist wenigstens die allgemeine Ansicht der Börse.. Ob sie diesmal das richtige trifft, scheint mrs immerhin noch einigermaßen ftagltch.
Verein deutscher Werkzeug maschine nfabriken. Eine Versammlung der Fabrikanten in Hamwver sprach ihre schwere Bedenken über die svzialpolitisck>e Lage aus, die durch die an den Ausstand der westfälischen Bergarbeiter sich knüpfenden Schritte der Gesetzgeber entstehen römcken. Auch andere Fabriken können durch eine veränderte Arbeiterschutzgesetzgebung schwer betroffen und in ihrer Konlürrenzsähigkeit geschmälert werden. T>ann ist; man auch mit den neuen Handelsverträgen nicht zufrieden; es würde die Ausiuhr naa- Oesterreich- Ungarn und Rußland sehr gefährdet, andcrersecks sei ein angc^ mefsener Zollschrrz gegenüber den Vereinigten Staaten zu verlangen, deren Einfuhr nach Teutschland besorgniserregend werde.
Russische Bank für auswärtigen Handel, ^rotz Krieg und anderer Umstände, von denen man hätte annehmen müssen, daß sie das Geschäft der russischen Banken ungunMg^ beeinflußt hätten, scheint das gen. Institut im abgelaufenen Jahr recht gut gearbeitet zu haben, denn es ist, wie aiis Petersburg gemeldet wird, in der Sage, eine Dividende von 9 Prozent gegen 8 Prozent i. V. in Vorschlag zu bringen.
Wien, 9. Febr. Tas Bezirksgericht verutteilte den Polizei^ konzipisten Tr. Ho st ine zu 100 Kronen Geldstrafe, werb' er im Arbeiterheim die Sozialisten Beer und Tomes gruub^ los verhaftet hatte. ________
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