Ausgabe 
12.8.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 188 Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Samstag 12. August 1905

«rschestU «-1L- mU vuSnahm« bei Sonntag».

Die .Sletzeu« ZamttienblStter- werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt Der tanöotrt erscheint monatlich etnmaL

Gießener Anzeigen

Stotattontorud anb Verlag der vrüHk Ich« UnwerMLtSdruderei. St- Lang«. ®lA»

Redaktion. Expedition a.Trurferd' Schulst«.K,

ZeL Str. 51 telegt-SU*. i An-etga ®t«6au

General-Anzeiger, Amts- und AnzeigebiaLt für den Kreis Gießen.

Jacobsen, der den artilleristischen Nachtangriff auf

ist, wie wir schon kurz mitteilten, von der Regierung ernstlich

Torpedoboote in den Gewässern von Rügen unter den nt, tme mit schon kurz mmemen, von oerRegierung ermulcy

Augen des Kaisers mit glänzendem Erfolge leitete, dürfte *n Angriff genommen. .Magyar Hirlap veröffentlicht eine

man ben künftigen ©ene talinfp etteut der M°rm°. Unterredung nnt dem Mn.ster des Innern, Kr.stofiy, der

artillerie zu erblicken Haden, ftap.län Jarabfen lenkte schon nut Bezug auf ine Aeutzerung b-s Graten Anbrassy, bas all.

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gemeine Wahlrecht sei ein taktisches Spiel, sagte, er habe

n-I im Königreich Sachsen emgeführt worden ist und msbeson-

früher einmal die Aufmerksamkeit des Kaisers auf sich, und zwar durch interessante Berichte, die er als Kommandant des Kreuzers .Geier" von der amerikanischen Station aus an

Volitischr Tagesschau.

Artilleristisches.

R. Berlin, 10. August.

In dem Kommandanten des als Artillerieschulschiff dienenden Panzerkreuzers »Prinz Adalbert", Kapitän z. S.

Wanderer: in Baden 42, in Elsasz-Lothringen 33, inHessen 2 8, in Württemberg 57, in Bayern 46, in Sachsen 32, in Preußen 45 und im Deutschen Reich überhaupt47. In bezug auf die überseeiscye Auswanderung steht somit Hessen recht gut da. *

Die ungarische Wahlrechtsfrage

zwölf der Vater Lehrers v .

** Fingerabdruck. Das Großh. Ministerium des Junerri hatte bezgl. der Einführung des Fingerabdruckver­fahrens im Kriminaldienst des Großyerzogtums Helfen an die freie Vereinigung hessischer Polizeiverwaltungsbeamten folgende Frage zur Beria-teritattuug übergeben:Empfiehlt sich für das Großherzogtum .Hessen die Einführung des Fingerabdruckverfahrens in der Weise, wie es neuerbmgs

? Gn/onn pihn->Viifirf Tnnrban ift unb insbeion-

schon einmal erklärt, er würde sich selbst als Nichtswürdiger betrachten müssen, wenn er die Lösung einer so hochwichtigen Frage zu politischen Kniffen mißbrauchen würde.

Ich nehme an, tagte der Minister, daß Graf Andrassy meine diesbezügliche Erklärung nicht gelesen hat, sonst wurde er gewiß die Bemerkung nicht getan haben. Ich habe den Ministerialrat Nemeihy mit den Vorarbeiten für die Gesetzesvorlage betraut und den Mnnsterialsekrelär Petromc zum Studium der gleichen Frage nach Cefteneid) und Teutschland entsendet. Em anderer Mnnslerial- jckretar befindet sich auf dem Wege nach Frankreich, Belgien und Italien, um die Frage deS Wahlrechtes dort zu studieren. Es wird gewiß mein Bestreben sein, die Vorarbeiten so rasch wie möglich zu beendigen.

Aus KluOt llllO LlN'd.

Gießen, 12. August 1905.

** Der Groß Herzog wird sich, wie uns berichtet wird, am 12. d. Mls. nachmittags nach Viernheim be­geben, in der dortigen Oberförsterei übernachten und am Sonntag vormittag der Hirschjagd im Viernheimer Wald obliegen. Nachmittags wird der Großherzog einer Einladung Viernheims folgen und der Enthüllungsseier des dortigen Kriegerdenkmals beiwohnen. Abends kehrt er nach Darmstadt zurück.

** Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog haben dem Altbürgermeister Zimmer zu Ober-Hilbersheim die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** Zur Beachtung für Eltern und Erzieher. Das Großh. Polizeiamt Gießen warnt (s. amtl. Teil) ein­dringlich vor dem durch Kinder verübten Beschmieren der Gebäude und Einfriedigungen und weist darauf hin, daß im Falle der Strafunmündigkeit der Schuldigen, deren Eltern, Vormünder rc. zur Verantwortung gezogen werden.

** Vor dem Schießen in Gürten, insbesondere nach Singvögeln, wird in der in vorliegender Nummer ent­haltenen Bekanntmachung Großh. Polizeiamts Gießen nach­drücklich gewarnt.

** Geistesgegenwart. Ein durch seinen glücklichen Ausgang eigenartiger Unfall ereignete sich gestern früh um 8 Uhr Minuten am hiesigen Bahnhof. Ein Schaffner, der einen auf Gleis I in nördlicher Richtung abfahrenden Zug begleiten sollte, rutschte beim Herübergehen von einem Wagen in den anderen ab, und siel in demselben Augen­blick auf das Gleise, als sich der Zug in Bewegung setzte. Mit katzenartiger Geschwindigkeit vermochte sich der Mann in eine wagrechte Lage zu bringen, und so verharrte er unter atemloser Spannung einer hundenköpfigen Zufchauer- menge, die tief aufatmete, als die letzte Achse über dem verloren geglaubten Mann dahingerollt war. Der offenbar mit großer Geistesgegenwart und guten Nerven ausgestattete Schaffner sprang einen Moment später auf, besah ohne sichtliche Erregung seine geschürftes Knie und seine stark in Mitleidenschaft gezogenen Beinkleider und bestieg den in­zwischen durch Signale zum Stehen gebrachten Zug.

** StockholmerDamen-Quart'ett. Wir machen nochmals auf die morgen abend im Neuen Saalbau statt­findende musikalische Darbietung aufmerksam, die vor ca. 2 Wochen schon einmal, gleichfalls im Neuen Saalbau, den vollen Beifall aller Besucher gefunden hat.

** Forstwirtschaft in Hessen. Der Fiskus kauft gegenwärtig in den Gemarkungen Babenhausen, Harreshausen, Dudenhofen, Nieder-Roden, Seligenstadt, Zellhausen Gelände auf. Es handelt sich um mehr als 500 Morgen, die früher durchweg mit Nadelholz angepflanzt waren, später aber ab­geholzt und landwirtschaftlich bebaut wurden. Der Sand­boden machte aber die Bebauung unrentabel, dadurch erklärt sich auch der billige Ankaufspreis von durchschnittlich 60 Mk. pro Morgen. Das Gelände soll auf geforstet werden.

** Hessische Gewerbeschulen. Nach den Mit­teilungen der Zentralstelle für die Landesstatistik wurden in 11 Gewerbeschulen, der Landesbaugewerkschule Darmstadt, der Fachschule für Elfenbeinschnitzerei in Erbach, der Weberei­schule in Lauterbach, der Kunstgewerbeschule in Mainz und der Technischen Lehranstalten in Offenbach im Schuljahre 190304 2014 Schüler (gegen 1840 im Vorjahre) unterrichtet. Außerdem benutzten 150 Schülerinnen die Aliceschule des Vereins für Frauenbildung in Darmstadt. In Handwerker- Sonntags-Zeichenschulen wurden 7905 und in gewerblichen Fortbildungsschulen 2224 Schüler gezählt. In den drei Lehrer-Präparandenanstalten zu Lindenfels, Lich und Wöll­stein waren am Schluß des Schuljahres 190405 286 Schüler. Der Konfession nach waren 207 evangelisch, 77 katholisch, 2 israelitisch. Nach dem Berufe der Eltern sind die meisten Söhne von Landwirten und zwar 118, Söhne von Hand­werkern und Geschäftsleuten sind 111, dagegen war nur bei

dere die Einrichtung eiiui besonderen Sammel- und Regi­strierungsstelle für das Großherzogtum Hessen?" Die lctz^ hessische Polizeikonferenz vernein diese Frage, sprach sich aber dafür aus, daß angesichts r Bedeutung des Finger­abdruckverfahrens namentlich für die Kriminalforschuug bei jeder städtischen Polizeiverwaltung ein oder mehrere Be­amte das Fingerabdruckverfahren erlernen sollen, um eS in gegebenem Falle anwenden zu können. Ebenso plane« die hessischen Polizeiverwaltungen eine Dienstanweisung für die Schutzmannschaft und speziell die Beamten der Kriminalpolizei über die Bedeutung und Behandlung vo» Spuren bei der Aufklärung von Straftaten. Die Anregung zu dieser Dienstanweisung gaben die Resultate, welche der Gerichtschemiker Dr. Popp-Frankfurt bei Ermittelung von Verbrechen mittels Mikroskops hatte (Fälle Groß-Stafsorft- Fr an l für t, Rochermel-Darmstadt, Hudde-Gießen usw.). In der Ausführung der Dienstanweisung sollen die zur mifro-* stopischen Kriminaluntersuchung dienlichen Spuren gesichert

Die überseeische Auswanderung Deutscher

Uber deutsche und fremde Häsen belief sich im Fähre 1904 auf 27 984 Personen. Die Hauptmasse dieser Ausgewan­derten, nämlich 26 085 Personen, gingen nach den Verein. Staaten von Amerika. Die Zahl von 27 984 Ausgewanderten entspricht 0,47 pro Mille der Bevölkerung. Die deutsche 'Auswanderung hat in den letzten zehn Jahren ganz be­deutend ab genommen. Während in dem Jahrzehnt 1885/1894 die Zahl der deutschen Auswanderer zwischen 120 089, d. i. 2,41 pro Mille, und 40 964, d. i. 0,80 pro Mille, auf- und ab sch wankte, betrug in dem letzten Jahr­zehnt 1895/1904 die Höchstzabl 37 488, d. i. 0,72 pro Mille, im Fahre 1895, und die niedrigste 22 073, d. i. 0,39 pro Mille, im Jahre 1901. Das Jahr 1904 hält sich auf dem zehnjährigen Durchschnitt. Die erfreulichen Ziffern der ver­flossenen zehn Jahre lassen jedenfalls einen Rückschluß zu aus günstige wirtschaftliche und Erwerbsverhältnisse in Teutschland.

Von den 27 984 deutschen Auswanderern des Jahres 1904 entfielen auf Baden 818, aus Elsafi-Lothringen 580, aus Oldenburg 412, auf H es sen 326, auf Mecklenburg- Schwerin 259, auf Württemberg 1273, auf Sachsen 1425, auf Bayern 2949, auf Preußen 16 402 und der Nest auf die übrigen Staaten. Aus 100 000 Einwohner kamen somit

werden.

** Die Sonnenrose blüht jetzt in vielen Gärten, und ihre großen, hellgelben Blüten mit dem dunkelbraunen Same»! in der Mitte geben ihr ein rmrkungsvolles Aussehen. Wie die Strahlen einer Sonne gehen die Randblätter nach allen Seiten hin. Aber wohl weniger dieser Eigenschaft wegen hat mein der Pflanze ihren Namen verliehen, als vielmehr der Merkwürdigkeit halber, daß sie, gleichviel wo sie steht, ihrs Antlitz stets der Sonne zuwendet. Man bezeichnet diese Be­wegung als Heliotropismus. Vielfach hat man in allegorischer Weise die Sehnsucht der Blume nach dem Lichte verherrlicht. Die Sonnenrose wurde das Symbol treuer Anhänglichkeit und besonders das Zeichen lehnSpflichtiger Ritterschaft, alS welches sie in Wappen und Siegeln große Verwendung fand. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie in Europa bekannt. Sie erfreut sich von der Zeit an stets wachsender Belieb!heit. In manchen Gegenden werden ihre Knospen als Gemüse gekocht. Die Stengel benutzt man vielfach als Brenn­material. Die Blätter finden als Viehsutter Verwendung.! Aus den Blüten saugen die Bienen Honig. Vor allem aber sind die Samen zur Oelgewinnung nützlich. Nachdem sie enthülst sind, preßt man sie und erhält dann ein Oel, da« beim Backen gute Dienste leistet. Die Heimat der Sonnen-f rose ist Mexiko. In der bevorstehenden Gartenbau-Ausstellung' in Darmstadt wird die Sonnenblume als dekorative Pflanzej vielfach Verwendung finden.

(-). Heuchelheim, ll.Aug. Da§ elektrische Licht kommt in unserm Dorf immer mehr in Gebrauch. Die meisten Wirtschaften, Bürgermeisterei, Pfarrhaus und viele Privathäuser besitzen es schon. Die Leitung über das Ganze hat der Maschinenbesitzer Ph. Dreiling übernommen. Wie verlautet, soll sich das Unternehmen sehr lohnen. Der Saalbau, der für das Heuchelheimer Mühlch en ge» plant war, wird nicht ausgeführt werden. Die Orts­gruppe des Flottenvereins in Heuchelheim hat bis jetzt schon nahezu 30 Mitglieder, obgleich sie erst seit ewigen Wochen besteht. Als Präsident wurde Lehrer Wolfschmidt gewählt.

v. Bad-Nauheim, 12. Aug. Bis zum 10. Aug. 1905f sind 21 148 Kurgäste angekommen, wovon am genannten. Tage noch 5784 anwesend waren. 269 840 Bäder wurden, bis zum 10. Aug. abgegeben.

Offenbach, 11. Aug. Das Hauptinteresse der gestrigen Stadtverordnetenversammlung bildete die aber-, malige Behandlung der Oktroi-Frage. Die unheim­liche Steigerung der Fleischpreise in der letzten Zeit hakt? eine neuerliche Eingabe der Fleischerinnung zur Folge. In dem Anschreiben wird um (Ermäßigung der Schlachtgebühren, sonne der Verbrauchs st euep ersucht. Zu dieser Eingaoe stellten nun Mitglieder der fo* zialdemokratischen Fraktion den Antrag: Die Ermäßigung! der Schlachtgebühren abzulehnen, dagegen statt der Er­mäßigung die volle Aufhebung der gesamten Verbrauchs­steuer auf Fleisch zu beschließen, und damit gleichzeitig einen- Protest gegen die Sperre der Grenzen gegen die Vieheinfuhr! zu beschließen. Bei der Abstimmung, wurde der erste Teil! des Gesuches der Metzgerinnung betreffend Aufhebung der Schlachtgebühren einstimmig abgelehnt. Zum zweiten Teil des Antrags, Aufhebung des Oktrois auf Fleisch und Wurst­waren, sowie Schlachtvieh, erklärte Oberbürgermeister Brink, daß er gemäß seinem früher dargelegten Stand­punkte nicht dafür stimmen fönne. Der Antrag auf Auf­hebung des Oktrois wurde gegen 5 Stimmen angenommen. Der Antrag betr. Aufhebung der Grenzsperre wurde gegen- die Stimme des Stadtv. Porth angenommen. (O. Ztg.)

d. Mainz, 12. Aug. Beim Baden ertrunken ist gestern nachm. an der Kaiserbrücke auf der Ingelheimer Aue der 25jährige verheiratete Tüncher Johann G e r stung von Hechtsheim. Der Ertrunkene hinterläßt eine Witwe mit drei kleinen Kindern, die letzteren liegen zurzeit krank dar­nieder. Von der Kaiserbrücke sprang gestern nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr ein Mann hinab in den Rhein unb verschwand in den Wellen. Hut und Rock hatte der Selbst­mörder auf der Brücke abgelegt. Die eiektrischer Straßenbahnlinie Kostheim soll nach einer kürzlich veröffentlichten Notiz alsbald in Angriff und mit nächstem Jahre in Betrieb genommen werden. Bon zuverlässiger Seite wird uns hierzu mitgeteilt, daß der Bau dieser Strecke nicht in Angriff genommen wird, da die Gemeinde Kost­heim die unentgeltliche Stellung des Geländes abge lehnt hat. Der Areis wie auch die Stadt Mainz haben an der Strecke KastelKostheim keinerlei Interesse mehr. Die Stadt hat nunmehr weitere Verhandlungen abgebrochen. Dis ^ostheimer haben sich selbst zuzuschreiben, daß der Aus­bau dieser für sie wichtigen Straßenbahnlinie nicht erfolgt ober in wette Ferne gerückt ist.

Mainz, 10. Aug. Dem .Mainzer Journal* zufolge beabsichtigt eine Frankfurter Großunternehmersirma am Rhein bei Mainz ein großes Sommer-Eta blifsement mit Restauration zu errichten. Es soll in der Nähe der Kaiser­brücke auf der Ingelheimer Au seinen Platz finden. Geplant ist vor allem eine große Terrasse direkt nach dem Rhein, dre mindestens 500 Personen Platz bieten soll. Hier sollen regelt

die Marmeleitung sandte, speziell über die Leistungen der amerikanischen Schiffsartillerie im Kriege mit Spanien. Dem N achtgefecht bei Rügen lag der Vorgang aus der Seeschlacht bei TsuschiNio. zu Grunde, als die japanischen Torpedo­boote die russischen Linienschiffe zum Teil kampfunfähig machten. Dieses klägliche Versagen der russischen Eeewehr mußte bei Kaiser Wilhelm Erstaunen und den Wunsch Her­vorrufen, die deutschen Schiffe in einer ähnlichen Suualion sich betätigen zu lassen. Hatten doch nach offiziellen Berichten die russischen Marineartilleristen vor zwei Jahren gut ab- geschnitten, als sie bei der Zusammenkunft Kaiser Wilhelms und des Zaren vor Reval manövrierten. Die russischen Matrosen mögen wohl auf diese Vorführung besonders ge­drillt worden sein, und überdies handelte es sich- vor Reval nicht um ein Nachtgefecht. Jedenfalls hat die deutsche Schiffs- artiderie gezeigt, daß sie auf der Höhe steht, und das erfüllt mit Befriedigung im Hinblick auf die geradezu maßgebende Bedeutung der Artillerie im modernen Seewesen. Auf dem Lande wird diese Waffe demnächst in einer Festungs - triegSübung bei Thorn, die sich an die Situation vor Port Arthur anlehnen soll, ihre Leistungsfähigkeit nach­weisen.

Bei der Ausarbeitung des Reichshanshattsetatsentwurfs für 1906, wie sie gegenwärtig im Reichsschatzamt üorgenonunen wird, wird, soweit die Einnahmen in Betracht kommen, in erster Linie die Festsetzung der Erträge aus den Zöllen Neuerungen bedingen. Der neue Zolltarif mit den bisher abgeschlossenen Handelstarifver­trägen soll bekanntlich am 1. März 1906 in Kraft treten. Für den Etat aus 1905 hatten die verbündeten Regierungen aus dieser Tatsache Konsequenzen betreffs der Berechnung der Zolleinnahmen nicht ziehen zu sollen geglaubt. Dagegen hat der Reichstag im lausenden Etat in der Erwägung, daß infolge Aenderung^der verschiedensten Zollsätze vor dem 1. März 1906 auf eine Stei­gerung der Wareneinfuhr zu rechnen sein wird, die Zolleinnahme­ansätze beträchtlich erhöht. Ob die Wirklichkeit der Schätzung entsprechen wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls wird die Tat- sack-e, daß die Zolltarifreviswn auf die Zolleinnahmen des Jahres 1906 ihre Wirkung ausüben wird, das Reichsschatzamt veranlassen wird, die Einnahmeansätze zu erhöhen. Dabei wird natürlich der Umstand, daß tin großer Teil der zu erwartenden Mehreinnahmen für die Witwen- und Waisenversicherung der Arbeiter sestgelegt ist, ihre Berücksichtigung finden. Der Reichs- haushaltsetatsentwurs für 1906 wird eine Steigerung von Ein­nahmeansätzen sehr gut vertragen können, sckwn weil er, ganz abgesehen von Neuausgaben, auf den verschiedensten Gebieten eine Vermehrung alter Ausgabepositionen wird vorsehen müssen. Dazu gehört in erster Reihe wieder die Position, die den Reichs­zuschuß zur Invalidenversicherung enthält. Sie steigert sich von Jahr zu Jahr um etwa 3 bis 4 Millonen Mark und wird vor­aussichtlich auch von 1905 aus 1906 um einen ähnlichen Betrag erhöht werden müssen, sodaß man annehmen kann,^ der Reichs­zuschuß werde im Jahr 1906 die Summe von rund 53 Millionen Mark ausmachen. In fünfzehn Jahren ist die Position von einem verhältnismäßig geringfügigen Betrage auf diese Höhe geklettert. Welche Bedeutung der Reichszuschußsumme im Reichs­haushaltsetat zukommt, wiä> ans der Tatsache klar, daß sie nun­mehr etwa die Hälfte der fortlaufenden Ausgaben für die Ma­rineverwaltung ausmacht. Dabei ist vorläufig gar Nicht ab­zusehen, daß die Jahressteigerungen geringer werden könnten. Ebenso wie diese Position wird die für die Verzinsung der Reichs­schuld wieder mit einer Erhöhung in die Erscheinung treten. Früher konnten im Reiche, wenn auch nicht beträchtliche, so bcci) immerhin die Rcichsschuld mindernde Tilgungen vorgenommen Werder. Davon konnte nun aber schon wieder Jahre hindurch keine Rede sein. Die Etats der letzten Jahre waren vielmehr deran,. daß neben den gewöhnlichen Anleihen einige Male Zusckußanleihen erhoben werden mußten. Daß bei einer^solchen Finanzwirtschaft die Zinsenlast wächst, ift nur natürlich, schließ­lich sollen in iyr Reihe der hier in Betracht kommenden Posi­tionen noch die Pensionsbeträge erwähnt werden. Auch sie sind in letzter Zeit und auf ganz natürlichem Wege von Jahr zu Jahr gestiegen. Eine weitere Erhöhung dürste für 1906 in die Erscheinung treten. Schon die Summen, die aus den ausgesühr- ten Ausgabesteigerungen sich ergeben, find ganz beträchtluyer Natur. Es kann deshalb, wie gesagt, nur mit Freude begrüßt werden, wenn im Etatsentwurf für 1906 demgegenüber auch Einnahmeansatzsteigerungen, wie sie für die Zollposition voraus­zusehen sind, vorgeiiornrnen werden können.