Ausgabe 
14.6.1905 Erstes Blatt
 
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Augen haben, welcher laute:Das Königreich Norwegen ist ein kreieS, selbständiges, unteilbares, unabhängiges Reich.".....

Eine- der Hauptprinzipien der Verfassung ist, daß Norwegen eine konstitutionelle Monarchie sein soll. Hiermit lasse eS sich nicht vereinigen, daß der König zu einem willenlosen Werkzeug in der Hand des Staatsratcs herabsinke. Sollten indessen die Mitglieder des' Staatsrats durch die Weigerung gegen- ^uzeichnen, die Durchführung Les königlichen Beschlusses hindern können, so wäre der norwegische König von derTeilnabme an der Staatsgewalt abgeschnitten....., Wenn

daS norwegische Volk das Recht verlangte, den König zu zwingen, einen Beschluß zu fassen, der nach der Meinung,des Königs den Pflichten als Unionskönig widerstreite, kann dies nur dadurch durchgeführt werden, daß der König der Union, damit auch Schwedens in seinen Entscheidungen ganz und gar von dem Willen des norwegischen Volkes, dessen Storthing und dessen Staatsratcs, abhängig wird. Eine solche Stellung filr die Königsmacht muß ich als unvereinbar mit der durch die Reichsakte fe-gesetzten Vereinigung der Reiche bezeichnen. . . . . Das Gesetz, ans das ich den Eid abgelegt habe und die Rücksicht auf das Wohl der vereinigten Reiche bestimmte meinen Beschluß betreffend die Entscheidung in der, Konsulatsfrage, aber die Antwort hierauf war nicht nur eine Weigerung des norwegi­schen Staatsrates, sondern es waren zugleich die Abschiedsgesuche der Mitglieder desselben. Auf die Erklärung, es sei mir klar, daß jetzt keine andere Regierung gebildet werden könne, ich stimme den Mschiedsgesuchen der Staatsräte nicht zu, erklärte der Staats­rat drohend, daß der Norweger, welcher bei der Durchführung des Beschlusses mitwirken würde, in demselben Augenblick ohne Vaterland sein würde. Es wurde mir also folgende Situation vorgestellt: Entweder selbst die Reichsakte brechen zu müssen, auf welche ich den Eid abgelegt, oder mich dem auszusetzen, daß ich ohne Ratgeber dastehe. Nachdem die Staatsräte im Storthing ihre Aemter niedergelegt hatten, hieß auch das Storthing den Bruch der Verfassung gut und erklärte durch, eine revolu­tionäre Handlung, Laß der gesetzliche König Norwe­gens aufgehört habe zu regieren, sowie daß die Union zwischen den vereinigten Reichen aufgelöst, sei. Es steht jetzt Schweden und mir als König der Union zu, zu entscheiden, ob der Angriff Norwegens auf die bestehende ihnen führen soll. Die Gegenwart und die Nachwelt möge 'wischen mir und dem norwegischen Volke richten.

Die sozialdemokratische Parteileitung in Stock­holm teilte der norwegischen Arbeiterpartei telegraphisch mit, daß sie in einem Manifest an die schwedischen Arbeiter in voller Würdigung des Selbstbestimmungsrechts des nor= wegischen Volkes eine friedliche Verständigung mit Nor­wegen fordern werde.

Aus allen Gegenden Norwegens laufen Meldungen über die Feierlichkeiten bei der Verlesung der Bekanntmachung des Storthings in den Kirchen ein. An vielen Orten be­tonen die Prediger die freundlichen Gefühle Norwegens für seine bisherigen Unionsgenosscn und den betagetn König. Zahlreiche Prediger verrichteten besondere Gebete um einen glücklichen Lebensabend des Königs Oskar.

Ein politischer Mord.

In Athen, der Hauptstadt Griechenlands, ist am 13. Juni der Ministerpräsident Delyannis ermordet worden. Heber da§ fluchwürdige Verbrechen liegt folgende Meldung des W. T.-B. vor:

Athen, 13. Juni. Als Ministerpräsident Delyannis heute Segen 5 Uhr am Eingang Les Parlaments seinen Wagen verließ, versetzte ihm ein Mann mittleren Alters einen Messerstich in den Unterleib. Gegen 7 Uhr verstarb Delyannis. Der Mörder wurde verhaftet; er gibt an, Konstantin Gerakaris zu heißen.

Delyannis, geb. 1826 in Kalavryta im PeloponneS, trat nach Vollendung seiner juristischen Studien 1843 als Super- uumerarius im Ministerium des Innern in den Staatsdienst. 1859 wurde er Generalsekretär im Ministerium. 186*2 wurde er Mitglied der Kammer, später Gesandter in Paris und 1878 war er Vertreter Griechenlands auf dem Berliner Kongreß. Delyannis war von 1863 bis zu seinem Tode wiederholt Minister des Aeußeren, der Finanzen und des Kultus und Ministerpräsident. Im Frühjahr 1885 siegte die von ihm gegen Tritjapis geleitete Opposition, worauf er am 1. Mai das Ministerium bildete, das für Griecheulcmd eine ungünstige Entwicklung nahm. Delyannis ließ sich damals zu einer Mobilisierung der Armee hinreißen und da die Mächte ihn vergebens aufforderten, ab­zurüsten, wurden die griechischen Küsten durch ein Geschwader der Großmächte blockiert. Die Erregung der Nation wuchs und Delyannis reichte darauf schon am 9. Mai 1886 fein Demissions­gesuch ein. Die folgenden Wahlen ergaben aber fi'ir ihn eine große Mehrheit, und so trat er 1890 wieder ans Staatsruder. 1892 mußte auch das neue Kabinett aus dem Amte scheiden. Es folgten darauf Neuwahlen, die für Delyannis ein sehr un­günstiges Ergebnis hatten. 1895 wurde trotzdem Delyannis aber­mals Ministerpräsident. 1897 verwickelte er Griechenland, aller­dings mehr Lurch Einfluß der im Lande herrschenden Stimmung in einen Krieg mit der Türkei. Schon nach den ersten Nieder­lagen in diesem für Griechenland unglücklichen Kriege mußte Delyannis mit dem ganzen Ministerium zurücktreten. In der letzten Zeit war es hauptsächlich die Kretafrage, die dem ^rnifte^ Hum Delyannis Sorgen machte.

Deutsches Reich.

Berlin, 13. Juni. Der Kaiser hat an den Polizei­präsidenten v. Borries folgenden Erlaß gerichtet:

Wenn die mit der Vermählung Sr. Kaiser!, und Königl. Hoh. des Kronprinzen und mit dem Einzüge meiner erlauchten Schwiegertochter verbundenen festlichen Veranstaltungen ohne jeden Mißklang verlaufen sind, so ist dies nicht zum wenigsten das Ver­dienst der Getroffenen polizeilichen Maßnahmen und des umsichtigen und taktvollen Verhaltens der Schutzmannschait. Sie hat sich überall der schwierigen Aufgabe gewachsen gezeigt, den aufs höchste gesteigerten Verkehr in die richtigen Bahnen zu lenken und dem Publikum die Anteilnahme an der Feier nach Möglichkeit zu er­leichtern. Es gereicht mir zur Freude, der braven Berliner Schutz­mannschaft meine volle Anerkennung für die hervorragende Leistung aussprechen zu können. Ich beauftrage Sie, diesen Erlaß der Schuh- maunschall bekannt zu geben, gez. Wilhelm, I. R."

Der Ches der französischen Mission, die zur Hochzeit des Kronprinzen nach Berlin entsandt war, General de Laerois, hat die Photographie des Kaisers vom Monarchen zum Geschenk erhalten.

Heute fand in der katholischen Hedwigskirche eine Trauerfeier für den verstorbenen Fürsten von Hohen- zollern statt. Außer dem Fürsten Wilhelm von Hohen- zollern und den Mitgliedern des Fürstenhauses nahmen an der Feier teil: Der Kaiser und die Kaiserin, die hier und in Potsdam anwesenden Prinzen und Prinzessinnen, der Reichskanzler re.

Kattowih, 13. Juni. Der von der Vertrauensmänner- Versammlung des Wahlvereins der vereinigten Liberalen als Kandidat aufgestellte Pfarrer Naumann-Berlin hat es auf die an ihn ergangene Anfrage ab gelehnt, zu kan­didieren.

Jena, 13. Juni. Die Konferenz der anarchistischen Föderation Deutschlands hat trotz Verbots und eifrigster Nachstellungen durch Polizei und Gendarmen Psingsten in der hiesigen Gegend stattgefunden. Das offizielle Pro­tokoll soll dem Bezirksdirektor zugestellt und gegen das Verbot Beschwerde geführt werden.

Ausland.

Paris, 18. Juni. General Lacrois ist gestern von Loubet und vom Kabinettschef Rouvier empfangen worden. Er berichtete über das Ergebnis seiner Mission in Berlin. Der General teilte alle Einzelheiten über die Herzlichkeit des Empfanges seitens des Kaisers und der kaiserlichen Familie mit. Auch gab er seiner Meinung Ausdruck über die Gesinnung, welche an hoher und höchster Stelle in Berlin Frankreich gegenüber herrsche. Der Präsi­dent beglückwünschte ihn zu der guten Durchführung seiner Mission und drückte seine Befriedigung aus über die zahl­reichen Aufmerksamkeiten, deren Gegenstand der General und seine Begleitung in Berlin seitens des Kaisers geworden seien. Dem deutschen Militär-Attacho Oberst v. Hugo drückte der Präsident ebenfalls seine Befriedigung aus und dankte ihm für seine Bemühungen mit dem Bemerken, es sei ihm zu danken, daß den Mitgliedern der Mission ein solcher Empfang zuteil geworden sei und daß es den Mitgliedern der Mission in Berlin an nichts gefehlt habe. Oberst Hugo dankte seiner­seits dem Präsidenten.

Wien, 13. Juni. Erzherzog Josef von Oester­reich ist heute in seiner Villa in Fiume gestorben. Er mar 1833 geboren. 1864 schloß er eine Ehe mit der Prin­zessin Klothilde von Sachfen-Koburg und Gotha, der ein Sohn, Erzherzog Joseph August und vier Töchter entsprossen. Zu seinen Schwiegersöhnen gehören der Herzog Philipp von Orleans und der Fürst zu Tbitrn und Taxis. Sein Sohn vermählte sich mit der Prinzessin Auguste von Bayern. Der verstorbene Erzherzog mar nächst dem Kaiser Franz Josef das älteste Mitglied des österreichischen Kaiserhauses. Er be­kleidete die Würde eines Oberkommandanten der Landwehr der ungarischen Krone; gleichzeitig war er Ches des preußi­schen Ülanenregiments (2. Hann.) Nr. 14.

Budapest, 13. Juni. Unter dem Vorsitz des Barons Fei erv ary als Ministerpräsident wurde das neue un -

mit dem Schrecken davon und konnte den Weg nach Halise fortsetzen. Befragt, ob ihm etwas weh tue, antwortete er: ©in Kännche Branntwein macht's wieder gut."

Nod heiin a. d. Bieber, 13. Juni. Wie wir erfahren, sollen für die Folge im Kirchspiel Nodheim- Fellingshausen die Konfirmationen auf einen früheren Termin als Pfingsten, etwa den Sonntag vor oder nach Ostern verlegt werden. Dadurch wird der Jugend die Möglichkeit gewährt, rechtzeitig in einen erwählten Beruf einzutreten.

Mainz, 13. Juni. Der neue Bahnhof Wies­baden-Mainz ist am Sonntag eröffnet worden. Ein blutiges Familiendrama ereignete sich am Nachmittag des Pfingstsonntag in dem Hause Löhrstraße Nr. 4. Dort wohnt im vierten Stock der 34 Jahre alte Tüncher Philipp Koch mit seiner 31jährigen Frau. Der Mann kam betrunken nach Haus und fing mit seiner Frau Streit an. Als sie ihm dann das Essen brachte, das ihm nicht schmeckte, stieß er der Frau das Messer mit großer Gewalt in den Leib. Die lebensgefährlich Verletzte wurde durch die herbeigeholte Polizei sofort in das Nochusspital gebracht, der Mann kam in Haft. Für den 14jährigen Sohn war dieser Pfingstabschluß um so schwerer, als er gestern konsirmiert wurde.

Worms, 13. Juni. Wie nach einer Notiz derWorms. Ztg." verlautet, sind gegenwärtig Verhandlungen im Gange, die die Aufnahme des früheren Dompropstes Malzi in eine Irrenanstalt bezwecken. Bekanntlieh kommt dessen Revisionsprozeß anfangs Oktober vor dem Reichsgerichte in Leipzig zur Verhandlung.

Marburg, 13. Juni. Jetzt schon haben die Anti­semiten Dr. Karl Böhme aus Berlin als Kandidaten für die nächste ReiehstagZ wahl proklamiert, der bereits gegen ein Dutzend Versammlungen im Wahlkreise abgehalten hat. Dr. Böhme bekennt sich als Liebermannscher Antisemit.

vrießencr Landwirtschaftlicher Wetterdienst.

garische Ministerium

endlich gebildet.

Aus Stad! unÄ Kauö.

Gießen, 14. Juni 1905.

Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Amtsgerichtsdiener in Michelstadt Stroh zum Amts- gerichtsdiener in Dieburg, den Amtsgerichtsdiener in Offenbach F a u st zum Amtsgerichtsdiener in Michelstadt ernannt.

** Hoftrauer. S. K. H. der Großherzog hat wegen des Ablebens S. K. H. des Fürsten Leopold von Hohenzollern eine Hoftrauer vom 8. bis einschließlich den 15. Juni angeordnet.

* Gießener Konzertverein. Wir wollen auch an dieser Stelle darauf Hinweisen, daß das zweite Chorkonzert und hiermit das letzte Konzert des Konzertjahres 1904 05 am 21. ds. Mts., nachmittags 5 1J4 Uhr, in der Turnhalle des alten Turnvereins an der Nordanlage stattfindet. Am Tage vorher findet, so schreibt man uns, um dieselbe Zeit die Hauptprobe statt, deren Besuch ganz besonders auch allen denen empfohlen wird, die sich mit dem hier unseres Wissens noch nicht aufgesührten Werke näher vertraut machen wollen, als dies durchschnittlich bei bloß einmaligem Anhören möglich ist. Das Werk verdient die allerregste Anteilnahme. Aber auch der Konzertverein und alle an dieser schönen Aufgabe Mitwirkenden sollten der Unterstützung weiter Kreise sicher sein. Wenn der Konzertverein insbes. dem Charakter Gießens als Universitätsstadt Rechnung dadurch trägt, daß er auch im Sommersemester eine große Choraufführung veranstaltet, so verdient er damit Dank, der nicht besser zum Ausdruck gebracht werden kann, als durch zahlreichen Besuch der Haupt­probe und der Ausführung. Denn solche Aufführung erheischt nicht nur die größte Hingabe aller Mitwirkenden, sie legt dem Konzertverein auch pekuniäre Aufwendungen auf, die weit über das Maß anderer Konzerte hinausgehen; denn die Anforderungen, die dies Werk insbes. an das Orchester stellt, können nur durch außerordentliche Bemühungen bewältigt werden. Daß aber unser Orchester zur Bewältigung solcher Aufgaben befähigt ist, hat es im letzten Orchesterkonzert durch die Ausführung von R. Strauß'ßTod und Verklärung" bewiesen. Es gehört dazu allerdings eine nahezu verdoppelte Mühewaltung insbes. des Dirigenten, der durch Teilung bet Proben für die einzelnen Instrumentalgruppen die siegreiche Durchführung der Aufgabe ermöglicht. Ein außerordentlich zahlreicher Besuch möge den Beweis erbringen, daß solche Hingabe gewürdigt wird.

** Neber die Hess.-thüringische Staats­lotterie hatten dieFranks. N. Nachr." eine verdächtigende Notiz gebracht, worin angedeutet worden war, es seien einem Herrn aus Offenbach eine Reihe bestimmter Los-Nummern von dem Kollekteur nicht verkauft worden, die nachher (es handelt sich um 88 Nummern!) sämtlich mit Gewinnen ge­zogen worden seien! Diese Nachricht erscheint doch auf den ersten Blick als höchst unglaubhaft. Wir erhalten nun folgende D r a h t m e l d u n g:

sd. Darmstadt, 14. Juni. Aus Veranlassung der Lottcrie- direklion hat das F i n a n z nr i n i st e r i u in gegen d i e V e r - fass er und Verbreiter der in beitF. N. N." enthaltenen, die hefs.-thür. Staatslotterie betreffenden verleumderischen Mitteilungen, die geeignet sind, das ganze Lotteriewesen zu schädigen, die geeigneten Schritte getan.

** Das Projekt der Lahnkanalisierung. Im Anschluß an die Tagung der leitenden Wafferbaubeamten des Rheins wird am 21. Juni zur Vorbereitung der Lahnkanali­sation und Beratung mit der hessischen Negierung eine Be­reisung der schwierigsten Baustrecke von Weilburg bis Lim­burg durch Geh. Baurat Röder-Berlin, Vaurat Nasch-Wiesbaden, Bau rat Schmidt-Gießen und Baurat Lühming-Diez vorgenommen.

** Beschlagnahmte Milch. Auf Ersuchen der Dampfmolkerei Gießen Jac. Persyn tragen wir unserer Mitteilung in der gestrigen Nummer bezüglich der 180 Liter polizeilich beschlagnahmten Milch nach, daß die polizeiliche Untersuchung von der Dampfmolkerei Gießen als Empfängerin erbeten worden war.

* Der Alkoholmacht'? wieder gut". Ein bei einem hiesigen Landwirt beschäftigter Dienstknecht fuhr im angetrunkenen Zustande ein Faß Jauche auf das Feld. Er fuhr hierbei so ungeschickt, daß der Wagen umfiel und er unter das Faß zu liegen kam. Es gelang in der Nähe ar­beitenden Leuten, den Mann aus seiner schlimmen Lage zu befreien. Außer einigen kleinen Hautabschürfungen kam er

Vaeairssichtliche Witterung in Hoffen für Donnerstag, den 15. Juni 1905: Zeitweise wolkig, ein wenig kühler, be- sonders nacbts. u3BsuamxL*/^Mi^'vn>TTii>'jcu,*M}!&'n,WDV3>B£ira9nnvMMBnBnaRnMBflraBmo>BSDK3ESKV <MsilmN-DruiNml'lounjren.

Berlin, 14. Juni. Außer sehr wertvollen Ge­schenken ließ der Negus von Abessinien dem deut­schen Kaiser den höchsten Orden seines Landes, den Stern von Aethiopien in Gold mit Brillanten überreichen. Menelik hat dem Kaiser überdies noch vier Elefantenzähne von besonderer Größe gesandt, die aber in Berlin noch nicht eingetroffen sind.

Berlin, 14. Juni. DemVerl. Tagebl/ zufolge statteten der Kronprinz und die Kronprinzessin gestern der kaiserlichen Familie im Neuen Palais in Potsdam einen Besuch ab.

Essen a. d. Ruhr, 14. Juni. In Recklingshausen wurde der Musketier Biewald von mehreren Polen er­mordet. Die Täter sind verhaftet worden.

Paris, 14. Juni. Dem gut unterrichtetenEclair" wird ans Petersburg berichtet, daß gestern ein anßerordent« licher Mi ui st errat stattgefunden habe, der das im Monat März ausgearbeitete liberale Programm endgiltig an- genommen habe.

Lu ne ville, 14. Juni. Das katholische Gym­nasium St. Pierre wurde durch eine Feuersbrunst voll­ständig zerstört. Die Zöglinge mußten heimgeschickt werden. Der Schaden beträgt über 300 000 Fres.

Petersburg, 14. Juni. (Petersb. Tel.-Ag.) Das Mi­nisterium des Auswärtigen teilt mit: Der Präsident der Vereinigten Staaten hat den Botschafter der Republik an dem kaiserlichen Hofe beauftragt, um eine Vrivataudienz nach- zusuchcn, um direkt a?t den Kaiser das Zeugnis der unver­änderlichen Gefühle der Freundschaft der Ver­einigten Staaten für Rußland gelangen zu lassen und den persönlichen Wunsch Roosevelts zum Ausdruck zu bringen im Interesse der ganzen Welt so viel als möglich zur Einstellung der Feindseligkeiten in Ostasien beizutragen. Der Bot- schafter hatte den Befehl hinzuzufügen, daß der Präsident gleich­zeitig denselben Schritt bei der japanischen Regierung getan habe. Der Kaiser hat geruht, den Botschafter der. Vereinigten Staaten zu empfangen und mit Geneigtheit die Initiative des Präsiden­ten aufzunelvnen, die übrigens bei den Rußland befreundeten Mächten vollkommene Sympathie gefunden hatte. Präsident Roosevelt hat, nachdem et sich alsbald ül erzeugt hatte, daß Japan gleichfalls geneigt sei, seinen Vorschlag anzunehmen, durch, die Vertreter der Republik in Petersburg und in Tokio der kaiser­lichen Regierung wie der japanischen Regierung eine offizielle Erklärung über diesen Gegenstand zugehen lassen, die dann in Washington veröffentlicht worden ist. In der, Beantwortungi dieser Mitteilung hat der Minister des Auswärtigen auf aller­höchsten Befehl den amerikanischen Botschafter durch dine Note benachrichtigt, daß der Kaiser sehr empfänglich für die von dem Präsidenten zum Ausdruck gebrachten Gefühle, gern den neuen Beweis der traditionellen Freundschaft zwischen Rußland und den Bereinigten Staaten gesehen habe, sowie die Bekundung des Wertes, den Roosevelt in völligem Einklänge mit den An­sichten des Kaisers der allgemeinen Beruhigung beilegte, die so wesentlich für das Wohl und den Fortschritt der ganzen Mensch­heit ist. Was die eventuelle Zusammenkunft von russischen und spanischen Bevollmächtigten betrifft, die die Aufgabe hätten, zu Prüffen. bis zu welchem Punkte es den beiden Mächten möglich wäre, FriedenAbedingungen anszuarbeiten, so hätte die kaiserliche Regierung im Prinzipe nichts gegen einen derartigen Versuch ein­zuwenden, wenn Japan den Wunsch danach ausdrückte.

Petersburg, 14. Juni. Bei dem KabinettSrat am 11. Juni in Zarskoje Sselo waren für die Fort­setzung des Krieges Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch, Kriegsminister Sfacharow und General Gripenberg, gegen die Weiterführung des Feldzuges die Großfürsten Wladimir, Alexis und Alexander Michajlowitsch sowie der Marine­minister Avelan. Der Zar sprach seine Ansicht nicht a u s.__

Bekanntmachung.

Betr.: Besetzung einer Schutzmannstelle.

Am 1. August l. Js. ist bei der unterzeichneten Behörde eine Schutzmannstelle mit einem Anfangsgehalt von 1320 Mk., steigend jährlieh um 30 Mk. bis zum Höchstgehalt von 1800 Mk. zu besetzen. Geeignete Bewerber, die während ihrer aktiven Dienstzeit beim deutschen Neichsheer oder bet deutschen Marine mindestens 3 Jahre Unteroffizier ge« wesen sind, wollen sich unter Vorlage selbstgeschriebener Ge­suche, denen die Militärpapiere, sowie Führungszeugnisse bei­zuschließen sind, bis 5. Juli 1905 melden und sich vor- utittags zwischcm 10 und 12 Uhr vorstellen.

Gießen, den 9. Juni 1905.

Großh. Polizelamt Gießen.

Herberg.