Ausgabe 
13.1.1905 Zweites Blatt
 
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Freitag 13. Jarmar 1905

Nr. 11

155. Jahrgang

Zweites VLati

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

und

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ich« UnwerfttütSdruckerei. R. Lange, Gieß«.

Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulstr.I.

Lei. Nr. 6L Telegr.-Adr. i An-etger <Stefeen.

Der ^Reichs-Anz." meldet die Versetzung des General­leutnants und Inspekteurs der Verkehrstruppen Werne- bürg in Berlin in den erblichen Adelsstand.

Auf Anordnung des General-Kommandos wird die Kommandantur Koblenz in kürzester Zeit eine amtliche Darstellung über die Entstehung des Hüssener-Bildes veröffentlichen. Fähnrich Hüssener liegt krank im Lazaret zu Ehrenbreitstein.

teilten Gelöbnisses zu ihrem Amte, während die in das Kollegium neu eingetretenen Herren einzeln folgenden Eid, den sie dem Oberbürgermeister nachsprechen mußten, ab­legten:Ich schwöre, daß ich das mir anvertraute Amt eines Stadtverordneten der Stadt Gießen treu und gewissenhaft verwalten und die mir obliegenden Amtsgeschäste den be­stehenden Gesetzen entsprechend mit Unparteilichkeit besorgen werde, so wahr mir Gott helfe!" In folgender Reihenfolge leisteten die neuen Mitglieder des Stadtverordnetenkollegiums, einzeln vor den Oberbürgermeister hintretend, diesen Eid: Dr. Ebel, Eichenauer, Gabriel, Med.-RatDr. Ha b ev»- körn, Helm und Prof. Dr. Wimmenauer.

Nach diesem feierlichen Akt wurde in die eigentliche Tagesordnung eingetreten. Oberbgm. Mecum teilte mit,

daß die neue Gehaltsordnung der

Erscheint tSgttch Ausnahme bei Sonntags.

DieGietzener $ami!ienblätter werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt Der ^heffifchr Landwirt" erscheint monatlich einmal

Keer uvo SLotte.

Hannover, 12. Ian. Generalleutnant Graf v. Moltke, Kommandeur der 20. Division in Hannover, ist heute an Linem iiuiM) erlittenen Schlaganfall gestorben.

Sitzung -er Stadtverordneten.

Giefzen, den 12. Januar 1905.

Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Curschmann und Georgi und sämtliche Stadtverordneten. Rur Beig. Heyligenstaedt, der im Reichstage weilt, und Stadtv. Dr. Gutfleisch, der durch seine Tätigkeit in der Zweiten Kammer nach Darmstadt mußte, haben ihre Abwesenhest ent­schuldigt.

Die Versanunluug hatte ein festliches Gepräge, denn es war die erste im neuen Jahre, und es galt, die neu gewählten Mitglieder des Kollegiumö in ihrAmt einzu führen.

Oberbgm. Meeum eröffnete die Sitzung mit einer Begrüßungsansprache. Er hieß die Anwesenden zu der ersten Sitzung in der neuen Wahlperiode herzlich willkommen und drückte seine Freude darüber aus, daß keiner der Herren, die seither zur Stadtvertretung gehört haben, ausgeschieden sei; auch den Dank der Stadtverwaltung sprach er ihnen aus. Se'ine Begrüßung galt dann aber auch den neu hinzugetretenen Mitgliedern der Stadtverordneten-Versanimlung, die er auch namens der älteren Kollegen imUtommen hieß, und die er daran erinnerte, daß ihnen mit ihrer Wahl das Vertrauen der Bürgerschaft und die höchste Ehre, die diese erteilen konnten, erwiesen worden sei. Eine große Verantwortung sei mit dein Amt eines Stadtverordneten verbunden. Er habe nicht die Interessen einzelner Gruppen und Stadtteile, sondern das Wohl der ganzen Bürgerschaft und der ganzen Stadt im Auge zu behalten. Wenn er diese Pflicht erfülle, werde der Dank dafür nid)t fehlen.

Oberbgm. Mecum verpflichtete dann die wieder- gewählten Stadtverordneten im Sinne des bereits früher er-

Aus Stadt und Land.

Gießen, 13. Januar 1905.

** Postpersonalnachrichteu der Oberpost- direktron Darmstadt. Etatsmäßig angestellt sind als Postsekretäre: die charakterisierten Postsekre­täre Habicht in Lauterbach, Heu ß lein in Mainz und Weiß in Gießen, als Postassistenten : Postassistent Mengeis in Gießen. Verliehen wurde der Cha­rakter als Postselkretär: dem O'ber-Postassistenten GoldmgnninDarmstadt und dem Postverwalter Gries­heimer in Homberg. Angenommen sind als Post- gehilse: Realschüler Wilhelm Koch in Gießen^ als', Zostgehilsin: Elise Knell in Darmstadt, als Telegraphen- ehilfin: Anna Roll in Bad-dLauheim.

** Das japanische Theater, welches bei uns am Montag den 16. Januar im Stadttheater ein Gastspiel gibt, bietet, wie man uns schreibt, die seltene Gelegenheit, gleichzeitig zum erstenmal O ri g in al- Ge is h as aus eigener Anschauung kennen zu 'lernen. Speziell die von der bei uns gastierenden Truppe mitgeführten Tänzerinnen ge­hören sowohl durch ihre persönliche Anmut, als auch durch ihre graziösen Tänze zu den hervorragendsten Vertreterinnen, ihrer Knnst und bilden so in ihren zarten Erscheinungen einen zwar scharfen, äber desto interessanteren Kontrast zu den stark realistischen Szenen der japanischen Schauspieler. Der ost genannte grausame japanische Selbscmord, das Hari- kiri, wirft ein charakteristisches Bild auf das begabte ja- panische Volk, welches trotz der glänzenden kulturellen Fort- chritte sich größtenteils als treuer Anhänger des Buddhis- mus bewährt und mit zäher Kraft an Jahrtausende alten Traditionen sestklammert.

** Obermeistertag in Darmstadt. Nachdem im Jahre 1903 im Reichstage der Antrag gestellt worden war, man möge eine Enquete über die Wirkung des Handwerkergesttzes von 1897 veransmuen, und hierauf von der Reiäfsregierung _bie Mit­teilung wurde, daß eine solche öerests beabsichtigt sei, sind nun­mehr die diesbezügl. Erhebungen im Gange. Es hatte sich das Bedürfnis herausg-stellt, durch umfassende statistische Erhebungen ein zuverlässiges Bild über die seitherigen Wirkungen des vor- genanmen Gesetzes zu erl-alten. Zu diesem Zwecke sind besondere Fragebogen je für die freien Innungen usw. ausgestellt worden, welche den Handwerkskammern zugegangen sind imd von diesen an die bett. Innungen weitergegeben wurden. Diese umfang­reichen Fragebogen zu beantworten, ist nun Sache der Innungen. Für viele der Innungen dürfte es schwierig sein, die große Zahl der Fragen (umfaßt doch der Fragebogen 20 Seiten) tn der genauen und wünschenswerten Weise zu behandeln, wie es bei der Wichtigkeit der Untersuchung über die Durchführung des Handwerkergesetzes erforderlich erscheint. Um diese Aufgabe den Innungen zu erleiä-tern und ihnen Gelegenheit zu geben, sich über alle in Betrackft kommenden Fragen zu informieren, l-at die Handwerkskammer zu Darmstadt für die Inn­ungen ihres Bezirks (Großherzogtum Hessen) einen Ober­meistertag auf den 20. laufenden Monats nach Darm- 'tadt einberufen. Tie Tagung, welä>e im Gartensaal des ftädt. Saalbaues slattfinden soll, wird nach den bisher eingegangenen Anmeldungen zahlreich beschickt werden, etwa 130150 Vertreter dürften aus den verschiedenen Tellen des Großherzogtums an der Tagung tellnchmen. Es ist in Aussicht genommen, daß ein Referat über den Fragebogen erstattet wird mll gleichzeitiger Er­läuterung der einzelnen Fragen', hieran wird sich eine Be>preck)- nng anschließen, welche etwa noch zu stellende F-ragen zur Er­ledigung bringen wird. Die Tagung wird aber nicht nur für die fraglichen Erhebungen von Bedeutung sein, sie dürfte gleich­zeitig für die Teilnehmer, lvelche sich bei dieser Gelegenheit keimen lernen und gegenseftig näher tteten, von Jntercsft sem. Nach Schluß der Versammlungen wird ein gemeinsamer Mrttagsttschi die Teilnehmer im Saalban vereinen. _ _____

-1-. Katzenfuct, 12. Jan. Gestern fiel der 13jahrige kleine Knabe des Mühlenbesitzers Marx in den Mühlengraben und ertrank.

Der nächste Punkt betraf die B e f e st i g u n g der Ha m Ul­tra ß e, wie Oberbgm. Mecum sagte, ein Schmerzenskind der Stadt. Das gelte namentlich für die Strecke von der Geil- sus'schen Unterführung bis zur Wieseckbrücke, deren Unter­haltung seithev jährlich 18002000 Mk. Koften verursacht habe. Das Tiefbauamt schlägt daher diesmal einen Versuch mit Kleinpflaster (unregelmäßige Steine mit ebnen Köpfen) vor, was allerdings 8000 Mk. erfordern wird. Die Strecke x\i 275 Meter groß. Die Baudeputation hat diesen Vorschlag befürwortet und die Versauuulung erteilt ihre Genehmigung.

Auch die Ausführung von Umpflasterungen in drei Straßen ist wieder notwendig geworden, nämlich in dec Westaulage vom Selterstor bis zur Bahnhofstraße (3000 Quadratmeter)', in der Schulstraße bis zum Kirchcn- platz (200 Quadratmeter) und in der Walltorstraße (800 Quadratmeter). Diese Umpflasterungen kosten zu­sammen 12 000 Mk. Stv. Kirch erklärt, er sei sonst stets für die gute Unterhaltung der Straßen eingetreten, er müffe sich aber hier gegen eine solche tcllweise Neupflasterung audsprecheu solange nicht wegen der Kanalisation an eine einheitliche Bcpflasterung aller Straßen der Stadt gedacht werden könne. In der Bahnhofstraße seien die vor kurzem für Pflasterungen bewilligten 1000 Mk. auch vergebens auß* gegeben worden, da durch die Kabellegung die Straße wieder aufgerissen wurde. Er denke and) au die elektrische Bahn, dw später wohl einmal hier emgesührt und GeleiSanlagen erfordern ivürdc. Hieraus erklärt Oberbgm. Mecum, m der Westanlage (für die die größte Fordermig für Pflasteiuug ei- hoben wird) werde sicher keine elektrische Bahnftrecke gebaut werden, tlnd man möge namentlich die Ausgaben pn «.lefe Strecke, die unuuigänglich nötig sei, genehmigen. Beigeordneter Georgi bemerkte, die Frage sei auch kürzltd) m der Eas- iind Wasserwerksdeputation zur Sprache gekommen, und man sei ond) dort der Meinung gewesen, Pflasterungen nur zu

Kirche und Schule.

Eine Erhöhung der Lehrergehälter hat der Rixdorser Magistrat beschlossen. Vom 1. April ab sollen die Mietentschädigung für Rektoren und Lehrer mit eigenem Hausstand um 50 Mk., die Alterszulagen um 25 Mk. erhöht werden. Gleichzeitig wurde den städtischen Lehrern jedoch bedeutet, daß sie in den nächsten fünf Jahren keine weitere Erhöhung der Dlenstbezüge zu erwarten hätten und der Rlagistrat dahingehende Petitionen von vornherein, ohne sie zu prüfen, zurückweisen werde.

Metz, 12. Jan. Der Bezirks Präsident von Lothringen Gra' Zeppetin-Asckchünsen hat die seitens des Pfarrers und vieler Ein­wohner von F am eck erhobene Beschwerde gegen feine Vorent­scheidung, durch welcl-e der Anttag auf Errichtung konfessio­neller Abteilungen auf dem dortigen Gemeinde­sriedhof abgelehnt worden war, zurück gewiesen. Geaen diese Entscheidung des Bezirksvräsidenten ist Rekurs an den kaiserlichen Rat gestattet. ~

Lehrerinnen vom Großh. Ministerium genehmigt worden sei. Ferner seien alsBeisitzer zur Wahl zuin hiesigen Kaufmannsgericht folgende Herren gewählt worden: E. Fischbach, Rob. Jmhäuser, C. Röhr und E. Horst, und von den Handlungsgehilfen; Rich. Hünig, Karl Schwarz, Heinr. Grosch uud Paul Eckhold.

Oberbgm. Mecum verwies auch auf die neuen hessi­schen Verwaltungsgesetz-Entwürfe (die wir bereits besprochen haben. D. Red.) insbesondere so weit sie die Stadtverwaltungen interessieren, und teilte schließlich mit, daß Direktor Bergen vom Gas- und Wasserwerk in einigen Tagen wieder dlenstsähig sei, was gewiß von allen An­wesenden mit Freude begrüßt werde. Was die vor einiger Zeit vom Stadtv. Dr. Schäfer vorgebrachte Anfrage be­züglich der abgestorbenen Bäume am alten Friedh ofi angehe, so sei sestgestellt, daß keine ansteckende Krankheit, sondern nur die Hitze die Veranlassung gewesen sei.

Der nächste Punkt betraf die Auslosung der aus den 15. Mai d. I. zur Rückzahlung kommenden Schuldver­schreibungen des 1896erAnlehen§. Ausgelost wurden 6 Stück ä 100 Mk.: Q 284, 21, 215, 90, 15, 147; ferner 7 Stück ä 200 Mk.: R 249, 107, 100, 121, 179, 291 und 282. 14 Stück ä, 500 Mk.: 8 82, 200, 398, 610, 21, 19, 484, 430, 142, 496, 517, 36, 271 und 630. 15 Stück ü 1000 Mk.: T 446, 241, 67, 68, 430, 17, 264, 475, 49, 648, 365, 457, 256, 414 und 350. 6 Stück ä 2000 Mk.: U 290, 124, 18, 204, 180 und 229.

Vom 1897er Anlehen wurden ausgelost: 4 Stück ä 100 Mk.: V 150, 81, 94 und 153. 3 Stück ä, 200 Mk.: W 122, 32 und 89. 8 Stück ä, 500 Mk.: X 72, 153, 285, 250, 172, 138, 22 und 171. 9 Stück ä 1000 Mk.: Y 16, 12, 347, 349, 114, 344, 355, 182 und 260. 3 Stück ä 2000 Mk.: Z 63, 10, 127.

Vom 1899 er Anlehen wurden ausgelost: 2 Stück ä 2000 Mk: Serie I Nr. 101 und 37. 3 Stück ü!000Mk.: Serie I Nr. 280, 171 und 276. 6 Stück ä 500 Mk.: 461, 388, 413, 474, 301 und 421. 8 Stück ä 200 Mk.: 568, 596, 674, 627, 618, 569, 564 und 699. 4 Stück ü 100 Mk.: 771, 746, 747 und 735.

Punkt 6, 7 und 8 der Tagesordnung wurden ausgesetzt.

Das Dispensgesuch des Karl Löttgen (von § 15 und 18 des Ortsbaustatuts) für die Seuling'sche Bau- materialiensabrik wurde befürwortet unter der Begingung, daß 5 Meter Abstand vom Weg nach der Margarethenhütte und 4,50 Meter Abstand von der städttschen Grenze ge­wahrt wird.

Das Dispensgesuch des Gg. Wallenfels wegen Erridztung eines kleinen Gebäudes wird befürwortet, mit der Bedingung, daß bei einer etwaigen Neubebauung des Grund­stückes diese 5,7 Quadratmeter für unbebaut gelten.

Das Dispensgesuch der Gebrüder Kahl wegen eines Kohlenschuppens in der Franksurterstraße wird befür­wortet.

Bekanntmachung.

Betr.: Schweinerotlauf.

Nachdem sestgestellt worden ist, daß unter den Schweinen ldes Ludw. Grieb in Holzheim der Rotlauf erloschen . ijst, werden die ungeordneten Sperrmaßregeln hierdurd) auf­gehoben.

Gießen, den 10. Januar 1905.

Großh. Kreisamt Gießen.

f_________________I. V.: Hechler. _______________

Bekanntmachung.

Unter dem Schweinebestand zu Holzheiin ist ein Fall von Rotlaufseuche festgestellt worden.

Gehöftsperre ist verhängt.

Gießen, den 10. Januar 1905.

Großherz-oglnues Kreisamt Gießen.

______________ I. V.: Hechler.__

Gießen, den 10. Januar 1905.

Betr.: Amtliche Handausgabe der Gesindeordnung mit Erläuterungen und einem Sachregister.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 28. Dezember v. Is. (Kreisblatt Nr. 185) noch nicht ent­sprochen haben, werden an deren Erledigung erinnert.

I. V.: Dr Wagner._____________

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Jün. Der Kaiser beabsichtigt dem Ver­nehmen nach, das im Kreise Osthavelland an der Pots­damer- und Spandauer Ehaussee gelegene Rittergut Groß-Glienicke käuflich zu erwerben. Die Besitzung loU für den Kronprinzen bestimmt sein.

DieBert Korr." teilt mit: Der Minister des Innern trib der Minister der öffentlichen Arbeiten erklärten srch damit einverstanden, daß die Polizeiverordnungen über den Verkehr mit Fahrrädern, soweit es erforderlich ist, dabrn ab geändert werden, daß für Fahrräder, mit Ausschluß der Motorräder, die Erteilung von Jahrriad karten auf un­beschränkte Zeit erfolgen darf.

DieNordd. Mlg. Ztg." schreibt: Ein großes Berlmer Blatt hat am 5. Januar einer Zuschrift eines nickst ge­nannten Berliner Rechtsaarwaltes Raum gegeben, tn welcher gegen zwei hinreichend deutlich bezeichnete Rechtsan­wälte des Reichsgerichts schwere Vorwürfe wegen ihres Verhaltens in einer Rechtssache erhoben wer­den. Die Mitteilung über ein angebliches, mit einer sach- und pflichtgemäßen Führung der Anwaltsgeschäste nicht ver­einbares Verhalten der Rechtsanwätte verschärfte die Zeit­ung no^ch. dadurch, daß sie bemerkte, es wiederholen sich ähnliche Vorgänge seit langer Zett unablässig. Gegenüber diesen das Ansehen und Pflichtgefühl der Anwaltschaft beim Retchsgerichte verletzenden Angaben sind wir in der Lage, festzilstellen, daß nack) den amtlidjen Ermittelungen das Ver­halten der bezeichneten Anwälte in jeder Beziehung sachgemäß war und daß in der erwähnten Zuschrift des Berliner Anwalts wesenttiche Tatsachen teils entstellt wieder- gegeben, teils verschwiegen sirrd. Wenn in zwei in Frage stehenden Prozeßsachen, welche die Zuschrift des Berliner Anwalts in verwirrender Weise als eine einzige Prozeß­sache behandett, unsachgemäß verfahren sein soltte, geschah oies jedenfalls nicht in Leipzig. Was zur fälschlichen Be­zichtigung der beiden Leipziger Anwälte AnlaH gab, wird, wie wir wissen, auf amtlichem Wege von den zuständigen Stellen näher untersucht werden. Wir bringen vorläufig diese Feststellung, um der öffentlichen Meinung die Möglich­keit zu geben, den Wert der gegen die Rechtsanwaltschaft des Reichsgerichts sich richtenden Verdächtigungen zu beur­teilen.

Magdeburg, 12. Jan. Bei der heuttgen Reichs­tag sersatzwahl in Ealbe-Aschersleben erhielt Placke (natl.) 11624, Rahardt (Mittelstandspartei) 7898, Albrecht (Soz.) 18450 und Fleischer (Zentrum) 366 Sttmmen. Einige kleine Orte fehlen. Stichwahl zwischen Placke und Albrecht.

Weimar, 12. Jan. Vor einigen Tagen erkrankte Groß Herzogin Karoline an der Influenza. Ihr, Zustand verschlimmerte sich seit gestern insofern, als sich eine bisher leicht verlaufende Lungen- und Rippenfellent­zündung hinzugesellte. Die Temperatur schwantt zwischen 38 und 40 Grad. Die heutige Nacht verlief etwas ruhiger, doch war die zweite Hälfte derselben durch> Husten mehr als ftüher gestört. Seit gestern abend mußte der Groß­herzog wegen Influenza-Erkrankung ebenfalls das Bett hüten.