Donnerstag 12 Oktober 1905
Erste- Blatt.
155. Jahrgang
ve-ugSprei»r monatlich7v Pst viertel- jährlich Mk. 3.20; durch
^-Sü*L«ut«u.
I
li
ist die
Teil: P. Wittko- für .Stadt und ßanb* und „Gerichtsjaaf: Ernst Heß', für den Anzeigenteil: HanS Beck.
diePost Dck.2.—viertel- jährl. ausfchl. Bestellg. imta^me von Anzeigen rr die Tages Nummer iS vormittags 10 Uhr. eüenpretS: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg.
^eS!aube’t
Voiitische Tagesschm.
Der Kaiser und die Sozialpolitik.
Die Meldung der .Zukunst", der Kaiser habe zum Reichskanzler geäußert: die Kompottschüssel sei jetzt voll, für die Arbeiter sei vorläufig genug geschehen, die natürlich Beunruhigung namentlich bei den vaterländischen Arbeiterorganisationen und den Sozialpolitikern erregte, veranlaßte den Herausgeber der „Sozialen Praxis", Prof. Dr. E. Francke, an den Reichskanzler sich zu wenden mit der Bitte um Aufklärung. Darauf ist aus Baden-Baden vom Reichskanzler folgende Antwort eingelaufen:
„Geehrter öerr Professor! Ihre Anfrage wegen der Aeuße- rung, die Se. M. der Kaiser zu mir über die „Kompottschüssel* der Arbeiter gemacht haben soll, beantworte ich dahin, daß Seine Majestät mir nichts derartiges gesagt har. Ich ermächtige Sie, hiervon öffentlich Gebrauch zu machen. Mit besten Empfehlungen Ihr ergebener Bülow."
Wir hoffen mit der „Soz. Pr.", daß dieses Dementi sowohl den Besorgnissen, als auch der Agitation, welche die Verbreitung jenes angeblichen Kaiserwortes hervorgerufen hatte, ein Ende bereitet.
Serbische Anleihe.
Angesichts der Forderungen, die von einem Staat wie Rußland wiederholt an den internationalen Geldmarkt ge-
,ub«e
nrfj Auch w.M Hause M ön geÄlt. ausgM.u.^ M Näh. Neuen Baue 3, f 06847_____
UM *0®
SäSb
,.S°lid^stttb^ llchenmädchev jgesucht. Lohn 2b Mark.
I__Motel Prim Carl
i64l Mouatöwädchk^dv u gesuchi. Äoeihkslr.^,pali «bis «rav. DirustmLdchti gutem Lohn in ll hauLha! __________Marktplatz L. ^cheu können Writzjeiü
Nähe« gründlich erlema Lellertveg U, 11,
Gietzener AMgek
*'■' General-Anzeiger v ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
iüüiiiS
nd.
wegen des Streiks der Lagerarbeiter und der Schraubendreher aus technischen Gründen ohnehin in kürzester Frist geschlossen werden müssen. Gerade in der Hoffnung auf diese Wirkung ihres Streiks haben sicherlich die Lagerarbeiter und die Schraubendreher die Arbeit eingestellt. Hiervon abgesehen, setzt sich die sozialdemokratische Presse über die Tatsache hinweg, daß nicht ausgesperrte Arbeiter der beteiligten Fabriken, nämlich die Arbeiter in den Glühlampenbetrieben, die Elektromonteure, Maschinisten und Heizer „Sympathiestreiks" begonnen haben und damit, soviel an ihnen lag, Folgen heraufbeschworen, die noch viel einschneidender werden konnten, als die mit der Aussperrung verbundenen. Tie sozialdemokratische Presse macht sich ferner einer verwerflichen Handlungsweise schuldig, indem sie die Arbeitswilligen als sittlich verkommene Elemente schildert. Trotz diesem partei- wlitischen Schüren des Klassenkampses überläßt der „Vorwärts" es zunächst den beteiligten Gewerkschaften, den Kampf „bis zum Aeußersten" zu führen: „Tas Weitere wird sich finden". — Leider scheinen zurzeit noch die Ge- werkschafteu in der Stimmung zu sein, der Aufreizung durch die Parteipresse Gehör zu schenken.
Am Mittwoch nachmittag trat die Vcrtrauenskommission des Verbandes Berliner Metallindustrieller mit den Vertretern der drei Firmen Siemens u. Halske, Siemens- Cchuckert und Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft zu einer Sitzung zusammen. Das Ergebnis war, daß Vertreter der Streikleitung um ihr Erscheinen telephonisch gebeten wurden. Als Vertreter erschienen der zweite Bevollmächtigte des deutschen Metallarbeiterverbandes, Zernicke, und die beiden Obmänner der Streikenden. Es wurde ihnen erklärt, daß die Direktion die bisher gemachten Zugeständnisse aufrecht erhalte. Die Streikenden könnten sich bis Freitag nachmittag 4 Uhr erklären, ob sie gewillt seren, unter diesen Umständen die Arbeit aufzunehmen. Auf weitere Zugeständnisse der Direktoren sei nicht zu rechnen. Im Falle der Annahme des Ultimatums würde die Aussperrung aufgehoben und die Betriebe sofort wieder geöffnet werden. Die Wiedereinstellung der Arbeiter würde in der Weise erfolgen, daß alle sich Meldenden ihre alten Arbeitsplätze einnehmen könnten.
Ueber die Kosten des Streiks beziehungsweise der Aussperrung wird mitgeteilt, daß die llnterstütznngssumme, an der sämtliche Organisationen der beteiligten Arbeite^ Anteil haben, pro Woche rund 450 000 Mk. beträgt.
Eine Reihe von Versammlungen hat in diesen Tagen stattgefunden, in denen die Arbeiter der Metallind u st r i e sich verpflichteten, auf Weisung des Zen- tralstreikkomitecs die Arbeit n i e d e r z u l e g e n. Auch am Mittwoch hat eine Anzahl von Arbeitern die Arbeit bei Siemens u. Halske und bm der Allgemeinen Elektrizitäts- gesellschaft wieder ausgenommen. Heute haben mehrere Streikkontrollen staltgefunden. Um die Streikkasse zu entlasten, sind eine Reihe von Ausständigen von Berlin a b g e r e i st.
Eine in Breslau ab gehaltene Mctallarbeiterver- sammlung nahm einstimmig eine Resolution an, in der es heißt:
„Die Versammlung spricht ihren Kollegen und Kolleginnen in den Berliner Elektrizitätsbetrieben ihrevollsteSymPathie aus und ersucht, in allen Kreisen für die um Unterstützung Kämpfenden eifrigst zu agitieren. Sie verurteilt das rücksichtslose Vorgehen des Verbandes der Metall-Industriellen und verspricht, für die Aufbringung der Mittel zur Durchführung des Kampfes mit allen Kräften einstehen zu wollen."
Rücktritt des preußische« HandelsministerS.
Man schreibt unS aus Berlin:
Der preußische Minister für Handel und Gewerbe, Möller, wird noch vor dem Beginn der Landtagsverhandlungen aus dem Amte scheiden. Der Grund hierfür liegt nicht darin, daß extrem-agrarische Vorstöße gegen den Minister von Erfolg waren, sondern in dem Umstande, daß Möller nach seiner eigenen Empfindung in der Hibernia- angelegenheit keine glückliche Hand gehabt hat.
Metzger und Bauer«.
Folgende interessante Auslastung des hest. Landtags- abg. Hirsche! verdient wiedergegeben zu werden:
„Wie uns von einigen Seiten mitgeteilt wird, fühlen stch einige M e tz g e r m e i st e r durch unsere scharfe Stellungnahme in der Fleischnotcrage beleidigt. Wer unsere Zeitung aufmerksam liest, der kann wohl deutlich sehen, daß wir in unserem Kampfe nicht die Metzgermeister in den kleineren Städten und in denLandgemeinden meinen, welche der Rot gehorchend, entsprechend den höheren Viehpreisen, höhere Fleischmeise nehmen, so lange die Teuerung anhält. Wir haben von jeher den Grundsatz vertreten, jede Arbeit ist ihres Lohnes wert und mißgönnen daher den Metzgermeistern keineswegs einen dem Einkaufspreis entsprechenden Verkaufspreis. In unserm Kampfe suchen mir einzig diejenigen Metzgermeister in d en G ro ß stä d te n zu treffen, die ganz ruhig einen Aufschlag auf ihre Produkte nehmen, aber den Landwirten in Versammlungen und in ihren Zeitungen die gröbsten Injurien sagen, sie als Ausbeuter des Volkes hinstellen und nach Oeffnung der Grenzen schreien, wenn auch den Landwirten durch Einschleppung der Seuchen die schwersten Schädigungen erwachsen würden. Arif solch groben Klotz gehört ein grober Keil und unser in erster Linie der Landwirtschaft dienendes Blatt muß und wird sich in seiner Haltung durch nichts beirren lassen. Ein reeller solider Metzger- meister, der zu dem Volke hält, unter dem er lebt und von dem er lebt, braucht sich dadurch nicht getroffen zu fühlen. Er hat keine Ursache, für die Großschlächtereien und Viehkommijsionäre Parte, zu nehmen.*
gesucht. mtut bei Ssssswjjl
Lum r*au
Bier Neustadt 6o
in in Klelv L jchM
Vaäet^,—.—
abh-vderl ftf in*e;rÄ(l M-re-il., JES'
ach -L Ajlte oWC, 28J rorden- ,jy|flrburfl^>^
Nr. «40
4e*l».te« u6u» arch-r Voantaq».
Dem Gießen« Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen rcmdwirt die Steheuer $amUi«b blätter viermal in der
Woche beigelegt.
Rotationsdruck tu Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch-u. Steindruckerei. R. Lange. Redaktion, topebltioa und Druckerei:
Schulstratze T.
Redaktion e« 118
Verlag u.Exped.S^^bl Adreffe für Depeschen:
Anzeiger «ießen.
Zie heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.
Zum Wechsel im hessischen Justizministerium.
Die Kunde von dem plötzlich vollzogenen Wechsel in der Leitung deS Justizministeriums hat wohl allgemein nicht wenig überrascht. Wenn auch schon seit Monaten verschiedene Nachrichten über den schwankenden Gesundheitszustand Dr. DittmarS bekannt geworden waren, so verlautete doch allgemein, daß nach dem verflostenen Sommerlrrlaub sich seine Gesundheit wieder soweit gekräftigt hätte, daß er zunächst nicht daran gedacht habe, von seinem Amte zurückzutreten. Als Jurist hervorragend veranlagt, hat er das, was er für recht ernannte, stets mit größter Energie vertreten; insbesondere hat er sich bei den Verhandlungen in der 2. Kammer als einer der festesten Manner der Regierung dargestellt, der auch gegenüber den häufigen Angriffen niemals einen Rückzug antrat, sondern seine Anschauung, wenn er sie für die richtige hielt, mit aller Energie verteidigte. Dabei hat er sich aber stets als ein liebenswürdiger, vornehmer Charakter gezeigt, der auch gesellschaftlich in den angenehmsten Formen auftritt. AlS Jurist besitzt er eine gründliche Erfahrung auf allen Gebieten der Rechtspflege; er hat auch an der Bearbeitung deS Deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches den lebhaftesten Anteil genommen und war in Berlin eines der geschätztesten Mitglieder der Kommission. In eingeweihten Kreisen will man wissen, daß neben seinem tatsächlich lief erschütterten Gesundheitszustand doch auch wohl der Umstand nicht ganz bei Einretchung seines EntlaffungSgesucheS außer Acht geblieben sei, daß er annahm, cs würde ihm infolge seiner festen Haltung in der Kammer bei einem event. Wechsel deS Staatsministerportefeuilles dieses »orauSsichtlich nicht übertragen werden.
Der neu ernannte Justizminister Carl Ewald ist ein Rachkomme des StadtpfarrerS Joh. Ludw. Ewald in Offenbach, der ein Jugendfreund Goethes war. Carl Ewald verbrachte seine Jugendjahre in Weimar, wo sein Vater den Posten eines Oekonomierates bekleidete. Den Feldzug gegen Frankreich machte er als 18jähriger Kriegsfreiwilliger mit. Dann studierte er in Leipzig, Göttingen und -Gießen uni> machte 1877 fein zweites juristisches Examen.
Seiner Ernennung zum hessischen Justizminister ging eine droa zweistündige Unterredung mit dem Großherzog am EamStag in Wolfsgarten voraus.
Der neue Justizminister hat sich in seiner langjährigen Tätigkeit in Heffen durch sein zielbewußteS Auftreten, verbunden mit einer außerordentlichen Zuvorkommenheit und Liebenswürdigkeit bereits die Hochachtung und Wertschätzung Weiter Kreise erworben; seinen früheren Kollegen ist er nur als ein überaus tüchtiger, fleißiger Arbeiter und vorzüglicher Jurist bekannt, der allerdings mehr in Strafsachen als in Zivilsachen beschäftigt war. In seiner umfassenden Tätigkeit als Beamter ist er auch mit den Verhältniffen der hessischen Beamtenschaft wohl vertraut und bei seiner allgemeinen Tüchtigkeit und hervorragenden Rednergabe darf angenommen werden, daß er auch in der Kammer ein vortrefflicher Vertreter seines Refforts sein wird. Die Wahl der Person des neuen Justizministers durch Se. Kgl. Hoheit den Großherzog darf somit nach jeder Richtung hin als glücklich bezeichnet werden; man darf daran die zuversichtliche Hoffnung knüpfen, daß sie Heffen zum Segen gereichen wird!
Der Berliner Lohnkampf.
Die sozialdemokratische Presse ist unablässig darauf bedacht, den Berliner Lohnkampf zur Verhetzung der czesamten Arbeiterscha ft zu benützen. Man operiert dabei zunächst mit der Behauptung, daß die Zugeständnisse der Fabrikleitungen ganz minimal gewesen seien. Rach der Erklärung der beteiligten Gesellschaften aber haben die Vertreter der Arbeiterorganisationen wohl die den Lagerarbeitern des Kabelwerkes Oberspree als auch die den Schraubendrehern des Wernerwerkes ge- nmchten Zugeständnisse den Arbeitern zur Annahme empfohlen. Die sozialdemokratische Presse klagt sodann amf das heftigste die „Brutalität" der Fabrikleitungen am, weil sie einen Teil der Betriebe geschlossen haben. Nach der Erklärung der Fabrikleitunsen aber hätten diese Betriebe
teilt werden, ist eS für kleinere Länder schwer, neue Kredite bewilligt zu erhalten. Diese Erfahrung dürfte jetzt Serbien machen mit seinem Anlecheprojekt, das der Finanzminister aus 60 Millionen Francs beziffert. Verhandlungen mit der internationalen Hochfinanz in dieser Sache haben schon vor geraumer Zeit stattgefunden, und die Beschränkung, die der serbische Minister in der Höhe deS Kreditbedarfs jetzt eintreten läßt, macht wahrscheinlich, daß ihm ein Anleihegeschäst in größerem Umfange von vornherein als aussichtslos bezeichnet worden ist. UeberdieS bewegen sich die Ueber- schliffe aus den staatlichen Monopoleinnahmen, die als Deckung für die neue Anleihe dienen sollen, neuerdings m absteigender Linie. Da andere Staatseinkünfte für die Verpfändung nicht in Frage zu kommen scheinen, würde die Anleihe der ausreichenden inneren Sicherh eit entbehren. Die deutsche Finanz weit wird daher an der Uebernahme der neuen serbischen Anleihe sich kaum lebhaft beteiligen.
Aom oberhesflschen Kausöau.
Mas das Schönste an unseren oberhessischen Kleine stüdten ist — der gemütvoll ausgestattete Kleinhausbau —- wird neuerdings leider zuweilen wieder durchbrochen von einförmigen Neubaufassaden ohne Charakter. Die alte, sorg- scnne Liebe, unser Haus zu schmücken, es in dem Maße zu verschönern, wie die Geschäfte glücken, wird umso weiter! zurückgedrängt, je mehr unser Hcms zu einem bloße« Mietshaus für andere wird. Welcher Bürger schämt sich, in einem unschönen Haufe zu wohnen? Wenn nur int Innern der bekannte „moderne Komfort" ist, der in Wahrheit meist ebenso kunstärmlich ausschaut, wie die nackts Zassade mit den schmucklosen Fensterlöchern.
Und doch könnte ohne Aufwendung wesentlicher Mehi> kosten dem geläuterten Kunstgeschmack imferer Zeit besser Rechnung getragen werden. Es ist gewiß nicht jedem gegeben, Neuschöpfer und Neuformer zu sein. Aber das kcmn man wohl von jedermann fordern, der einen Ort mit Bauwerken beglückt, daß er sich l o s m a ch t von jenen seichter? Vorlage werken, hie noch immer in manchen Baubureaus vorherrschen, und die skrupellos überall, angewendet werden, ohne genügende Rücksicht auf die in der oberhessischen Landschaft eingewurzelten Kunstformen, wie? wir sie in älteren Hausfasiaden und Dachaufbauten oft so schön überliefert bekommen haben. Wenn der Architekt sich an ein neues Bauproblem setzt — und sei es auch nur ein kleines Bürgerhäuschen — so soll er sich zunächst über das Was und Wie Rechenschaft geben. Er soll vor allem in den Fassadenentwurf seine künstlerische Ehre mit hineinflechten, denn die Fassade wird sozusagen ein Stück Gemeingut; sie kann das Straßenbild verhunzen oder erheben. Er soll dem Bau eine besondere Note geben; denn das gerade ist es, was neuen .Kleinstadtbauten oft fehlt: die Eigenart, die Persönlichkeit. Diese braucht sich nicht in raffinierten Stilformen zu äußern. Sie ist, imt nur ein einfaches Beispiel zu nehmen, schon vollauf getroffen, wenn dem Bau eine einfach abgeputzte, helle Fassade mit durchweg grünen Fensterläden an den gleichmäßig umrahmten Fenstern gegeben wird. Oder wenn dieselbe Fassade von einem mit besonderer Liebe aus gestalteten Dachaufbcm gekrönt wird, wie es die alten Baumeister so gern taten. Oder wenn die gleiche Fassade einen architektonischen Mittelpunkt in einem besonders reich durchgearbeiteten Haupt-, portal bekommt, der dem ganzen Haus ein bestimmtes Gepräge gibt. Oder, wenn der Baumeister diese Fassade in ihrer Wirkung auf ein oder mehrere Balkonausbauten konzentriert, die dann das aufwiegen, was sonst an der schlichten Front gespart ist. Mit kleinen Mitteln lassen sich so größere künstlerische Wirkungen erzielen, wie mit zehn Zentnern verschnörkeltem Gipsstuck aus der Massenfabrrk. Es genügt eben, wenn an einem Bauwerk ein Gedanke zum greifbaren Llusdrnck gebracht wird. Nicht mit deut Zollstock, mit Kopf und Herz soll unsere Zeit auch tmi kleinen Orte bauen!
Man schätze mir den Kunstwert iriefer neueren Häuser in unseren oberhessischen Kleinstädten und größeren Dörfern; ehrlich ab. Gewiß, vielfach kommt der alte ehrliche Fach" werkstil sehr schön wieder zu Ehren, und in an beten Orten weiß man mit Geschmack nach Darmstadter M u ft e r zu bauen. So macht z. D. die neue Billa am Eingänge des am Schiffenberg gelegenen Dorfes Hausen den aller günstigsten Eindruck. Aber bann wieder, namentlich in unseren Vororten, welche ärmliche Sparsamkeit; neben sinnloser Mischung aller möglichen „Stile" kahike Scheunen fronten! Sogch d> Schornsteine von fast verletzend roher Form, wo doch schon eine einfache Gliederung odep eine kleine Haube das Ganze beleben würde.
Es liegt weniger am Nichtkönnen, als an Gedankenlosigkeit, wenn Straßenbilder eintönig und geschmacklos werden. Dabei müßte sich doch jeder Hauswirt sagen: Je schöner mein Haus, desto leichter und einträglicher die Vermietung. Ein einladendes Gesicht bringt Gäste.
Ans A!aö! «ni> Lwd.
Gießen, 12. Oktober 1905.
**Der Hilfsverein für die Geisteskranken! im Großberzogtum Hessev hat in diesen Tagen seinen inhaltreicyen Berich, für das Jahr 1904 veröffentlicht. In diesem Zeitabschnitt hat erfteulicherweise eine Vermehrung der Geber für die Unterstützungskasse der beiden Landesirrenanstalten und der psychiatrischen Klmik der Universität Gießen zu verzeichnen. Besonders eingehend behandelt der Bericht die fortdauernde Verschiedenhert der Beiträge in Stadt und Land, sowie die Frage der BesLaff-
Zuvger Mau» TR ;l NebenbejchäsügMg hin; ressenschreiben oder bergt -chnMche Anerbitten u. 00851 >en ßteüener Slrytign erd, \6djtx, wttch. S A m eüvf Stelle aeb. f}at, jucht fettk erem Haust erfragen Lüwrnqafsi 18, der Kurz« u.M> MM waren-Brarr- lsb. paff. Stellung. SchL u. 06778 a.d.Gieß.Anz.kL 42 »Ä .HarisarbeitmitübernimnL -teile alsb. reinem kleinem barrsh. Näh. Bruch'lr-V si^üchtTüöchiuiüM^ otott. Näh^chuMsttU


