Ausgabe 
12.8.1905 Erstes Blatt
 
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antb ich hoffe, daß dieses für die Landwirte zu Hause und draußen von Nutzen sein wird. Meine Regierung nahm herzlicherweise das Anerbieten Kanadas an, die administra­tive wtb finanzielle Verantwortung für die Verteidigungs­fähigkeit der beiden Häfen Halifax und E § qui m a u l t zu übernehmen. Die Uebertragung wird in allernächster Zeit stattfinden. Gemäß den im Anfang dieser Session aus­gesprochenen Erwartungen haben wir Transvaal Die Einführung einer Volksvertretung gewährt, die durch­geführt werden soll, sobald die notigen Maßnahmen zur Abhaltung der Wahlen beendet sind. Mit dem Emir von Afghanistan ist ein Vertrag abgeschlossen, der die freund­schaftlichen Beziehungen zwischen Indien und Afghanistan während der Lebenszeit des Emirs sichert." Die Rede schließt mit einem Rückblick auf die vom Parlament in der letzten Tagung geleisteten Arbeit.

Volitische Tagesschau.

Auswärtiges Amt und Presse.

Von Deutschen, die im Auslande leben, wie von Ve- fuchern des Auslandes ist schon häufig der Verwunderung darüber Ausdruck gegeben worden, daß die deutsche Re­gierung so geringen Wert darauf legt, ihre Anschauungen im Auslande durch die Presse vertreten zu lassen. Be­ziehungen zur Presse hat die Regierung allenfalls in Oester­reich-Ungarn. In Wien ist die Möglichkeit gegeben, durch Vermittlung offiziöser Organe die eine und andere Notiz in die Oeffentlichkeit zu bringen. Dagegen in den Zentren der Politik, London, Paris, Rom, Petersburg, Newpork fehlt es durchaus an solchen Verbindungen. Es liegt auf der Hand, so schreibt uns unser Berliner Mitarbeiter, von welchem Nutzen es ist, nicht nur im Bedarfsfälle sofort Richtigstellungen zu veranlassen, sondern auch für politische und wirtschaftliche Zwecke dieStimmung zu schaffen, die nun einmal erforderlich ist, und die durch gelegentliche parlamentarische Reden der leitenden Persönlichkeiten nicht geschaffen werden kann. Die englische Diplomatie hat überall ihre Hand im Zeitungswesen. Dadurch ist es der englischen Diplomatie ein Leichtes, einerseits für ihre Ziele Propa­ganda zu machen, andererseits gegen unbequeme Wett­bewerber die öffentliche Meinuna einzunehmcn. Eine in London ausgehcckte, beispielsweise auf Erweckung von Mißtrauen gegen Deutschland berechnete Neuigkeit ist innerhalb 24 Stunden über die ganze Erde verbreitet. Kaum minder eifrig ist die französische Regierung bemüht, nach allen möglichen Richtungen Anschluß in der Tagespresse zu gewinnen. Fürst Bülow liest die italienischen Zeit­ungen; ihm können die mitunter geradezu feindselige Haltung, die Bosheit des Tones bei Erörterung deutscher Angelegenheiten nicht entgangen sein. Unseres Erachtens wäre es nötig, nicht nur gehässige und den wirklichen Sachverhalt entstellende Aeußerungen der französischen und englischen Blätter, sondern ebenso nachdrücklich auch gleich­artige der Presse eines verbündeten Landesfestzunageln". Vielleicht ist das Letzte sogar noch mehr geboten. Denn was 'unsere Verbündeten von uns sagen, das findet natürlich als !anscheinend unbeeinflußt durch nationale Antipathien am Meisten Widerhall. Man siebt denn auch häufig, wie sich Englische und französische Zeitungen auf italienische Urteile '.berufen, mit dem Hinzufügen, daßselbst die italienische -Presse" nicht umhin könne, Die Schritte der deutschen Politik !zu mißbilligen. Der offiziöse Draht aber übermittelt nur (bann Auszüge aus der italienischen Presse, wenn diese fernmal, was ja vorkommen kann, eine für uns günstige Meinung ausdrückt. Die Zustimmung verzeichnet dann die Nordd. Dllg. Ztg." mitBefriedigung". Doch haben wir iscit Jahren keine Verwahrung in dem Organ unserer Re- jaierung gefunden gegen noch so törichte Unterstellungen, Die von italienischer Seite ausgingen. Unablässig arbeitet Frankreich daran, Italien vom Dreibund abzusprengen. Das ist offenkundige Tatsache. Wie immer man über die Staatskunst des vom Schauplatz abgetretenen Ministers .Delcassö denken mag: das hat er, der ehemalige Journalist, Überaus geschickt verstanden, durch die italienische Presse Sympathien für Frankreich hervorzurufen und Abneigung gegen Deutschland verbreiten zu lassen. Leider ist in Berlin verabsäumt worden, bei Zeiten den Gegenzug zu führen. So haben wir jetzt in Italien unleugbar die Stimmung weiter Volkskreise gegen uns. In unserem Auswärtigen Amt fehlt es offenbar an Personen, die der Vertretung deut­scher Interessen in der Presse des Auslandes ihre Aufmerk­samkeit widmen, Personen, die nicht etwa in der Wilhclm- Istraße am grünen Tisch ihre Bureauzeit erledigen, son­dern unterwegs sein sollten, bald hier, bald dort, um Fühlung Hu gewinnen. Anderswo weiß mau solche Tätigkeit .journalistisch befähigter, unterrichteter, sprachkundiger Ver­trauensmänner zu würdigen in Deutschland aber bleiben den Journalisten die Pforten der Negierungsämter ver­schlossen. Die paar Herren für Preßwesen und Auskunft- lerteilung an die Presse zählen nicht, kommen auch für der­artige Aufgaben schwerlich in Betracht. Es ist also eine Lücke im auswärtigen Dienst vorhanden, eine Lücke, die sich fühlbar machen muß ,weil ja jeder Tag neue Beweise erbringt, wie im Auslande Deutschlands Absichten falsch dargeftcllt werden. Man hat zu lange schon den Dingen ihren Lauf gelassen.

Marokko-Zwischenakt.

Mit dem Nahen des Herbstes rückt der Termin heran, für den die Entsendung einer deutschen Wirtschaftlichen Mission in Aussicht genommen ist. DaS vorbereitende Komitee, dem u. a. namhafte Großindustrielle angehören, dürfte seine Arbeiten binnen kurzem zum Abschluß bringen. DaS Unternehmen geht im übrigen von der Deutschen Mittcl- Meer-Gesellschaft auS, und eS ist möglich, daß eS auf die politische Fortentwicklung der Marokkofrage von Einfluß ist. Die Aussichten für Diese Fortentwicklung sind zurzeit gering, hört man doch Zweifel äußern, daß die nach Nöten groß und schwer im Prinzip angenommene Marokko-Kon­ferenz überhaupt zusammentreten wird. Nun, in diesem Falle würde nicht Deutschland, sondern der Sultan von Marokko derBlamierte" sein, denn er hot die Konferenz bei den Mächten in Vorschlag gebracht. Doch eS gäbe noch einen zweitenBlamierten", und zwar Frankreich. Sich unter dessen Vormundschaft zu stellen, wäre wohl daS Letzte, waS der Sultan im Falle der Vereitelung der Kon­ferenz tun würde. ES bliebe affo alle?, wie es ist, und Dabei würden die deutschen Interessen nicht schlecht fahren.

Deutsch-Afrika.

Berlin, 11. Ang. Der zur Mitwirkung bei der Unter­drückung dcS Aufstandes in Ostafrika beorderte Kreuzer Bussard" schiffte in Kilwa-Kiwindje ein Detache­ment unter Oberleutnant JastrzembSki auS, bestehend auS 20 Mann und einem Maschinengewehr, und in Mohoro ein Detachement unter Oberleutnant Paasche, bestehend auS 22 Mann und einem Maschinengewehr. Am 7. August

wurden 400 Aufständische zurückgeschlagen; auf deutscher Seite waren keine Verluste. Samanga und die Telegraphenleitung sind durch 1300 Aufständische bedroht. Dort wurde ausgeschifft ein Detachement unter Kapttan- leutnant Nobis, mit Oberlt. Wernecke, Stabsarzt Dr. Mohr und 31 Mann, außerdem ein Feldwebel und 40 schwarze Soldaten, ein Maschinengewehr. Major Johannes ist von Mitejah in Bewegung nach Tschumo gegen die Aufstän­dischen.Bussard" hat von Land Gewehre und Schwarze zur Auffüllung bekommen. Von Offizieren ist nur der Kommandant, Korvettenkapitän Back, und ein Oberleutnant an Bord geblieben.

Berlin, 11. Aug. DieNordd. Allg. Ztg." meldet: lieber die Unruhen an den Matumbibergen in Deutsch- ostafrika liegt folgendes Telegramm des Gouverneurs Grafen Götzen vor. Wie Major Johannes meldet, zer­streuen sich die Aufständigen. Nach seiner Annahme wird die Angelegenheit binnen kurzem beigelegt fein. Die Araber und sonstigen Eingeborenen sind gegen die auf­ständigen Bergbewohner, und auf unserer Seite. Verwundet wurde diesseits nur ein Askari. Wie es scheint, ist die Veranlasiung zu den Unruhen in Zauberei und reichlichem Biergenuß infolge guter Ernte zu suchen.

Neues aus Rußland.

Petersburg, 6. Aug. L. W. Chodski, der Ehefredak- teirr und Herausgeber der TageszeitungNascha Shisnj", seit 25 Jahren Professor der Nationalökonomie an der Universität Petersburg, ist vom Kultusministerium seiner P r o fe s s u r e n t- hoben worden, die sich, der Meinung des Ministeriums nach, nicht mit der Redaktion und Herausgabe einer Zeitung verträgt. Seines Gehilfen, der ebenfalls eme Professur an der Universität bekleidet, harrt das gleiche Schick­sal. Aus Moskau wird berichtet, daß auf Verfügung des Ministers des Innern eine Untersuchung in Angelegenheiten des Kongresses der Semstwvs imb der Städte eingeleitet werden wird, mit der ein Senator betraut werden soll. Früher bestand die Absicht, einem Gliede des Gerichtshofes unter unmittelbarer Leit­ung der Prokiiratur diesen Auftrag zu erteilen. Die Aufgabe der Untersuchung besteht in der juridischen Definition des Charakters der Tätigkeit des genannten Kongresses. Fürst Dolgorukow ist in Angelegenheiten des Kongresses nach Petersburg abgercist. Im Lager zu Kraßnoje Sselo bei Petersburg wurde bei einer in den Wohnräumen der Offiziers-Aspiranten vorgcnom- menen Haussuchung eine geheime Druckerei entdeckt. In Moskau wurde auf der Kalüschskaja-Straße in einem kürz­lich eröffneten Färberei-Magazin eine Nicderlageillegaler Literatur entdeckt, wobei auch Gerätschaften und Zubehör einer «geheimen Druckerei gefundm wurden.

Acr Krieg.

Tokio, 11. Aug. (Reuter.) 118 russische Offiziere und Mannschaften ergaben sich am 8. August in Niere (Sachalin).

Tokio, 11. Aug. Admiral Kataoka meldet: Am 10. August griffen die Japaner auf Sachalin gleichzeitig zu Wasser und zu Lande die russische Stellung 20 Meilen östlich von Korsakows! an. Nach zweistündiger Beschießung ergaben sich die Russen in Stärke von 123 Mann.

London, 11. Aug. Einem Telegramm aus Kobe zufolge sinh die berühmten S e e h u n d fi s ch e r e i e n das wirkliche Ziel der von Vizeadmiral Kataoka nach Kamschatka ent­sandten Flotte. Schätzungsweise sollen dort gegenwärtig 80 bis 100 000 Seehundsfelle aufgestapelt sein und die Japaner werden sich mit Leichtigkeit drei Viertel dieser Vorräte ancignen können.

Der- französische Flottcnbesuch in England.

London, 11. Aug. Der Lordmahor gab den fran- zösischen Untere,'fizieren und Mannschaften ein Frühstück in der Guildhall. Admiral Gaillard war vom König nach Windsor zur Frühstückstafel geladen.

London, 11. Aug. Die französischen Matrosen sind heute auf dem Viktoria-Bahnhof cingctroffen. Wie die Offiziere, so wurden auch die Matrosen in bereitstelrenden Wagen nach der 0>uildhall gebracht. Auf dem ganzen Wege wurden sie von dem Publikum lebhaft begrüßt.

London, 11. Aug. Verschiedene Blätter verzeichnen einen angeblichen Zwischenfall anläßlich 'der Flottenschau in Ports­mouth. Ein deutsches Torpedoboot sei plötzlich mitten unter den anderen Schiffen a u f g e t a u ch t, sei dann aber wieder verschwunden.

Deutsches Neich.

Wilhelm Shöhe, 11. Aua. Der Kaiser hörte gestern den Vortrag deS ChefS deS Zivilkabinetts. Gegen abend unternahmen die Majestäten eine Ausfahrt und heute früh einen Spazierritt.

Berlin, 11. Aug. Wie dieBerl. Korresp." mitteilt, hat der Eisenbahnmimster verfügt, daß der Vabnhofs- buchhandel als ein Teil des Eisenbahnbetriebes nicht unter die Bestimmung"': der Sonn^ags'-ube fällt, soweit er innerhalb der Bahnsteigsperre ausgeübt wird. Für den übrigen Bahnhofsbucpw.nv'l bleiben die gesetzlichen Be­stimmungen nach wie vor in Kraft.

Hannover, 9. Aug. Nach einer Meldung aus Osna­brück hat die Kranken-Unterstühungskasse der vereinig­ten Kriegervereine von Osnabrück, Schinkel, Haste und Priesberg wegen chronischen Geldmangels ihre Zahlungen vom 1. Juli bis 1. November einge­stellt. Die Mitglieder, die feit langen Jahren ihre Beiträge entrichtet haben und nun zufällig in dieser Zeit krank werden, kommen auf diese Weise um ihr Recht.

Köln, 11. Aug. Der deutsche Handwerks- und Gewerbe kam wert ag beschäftigte sich in seiner heutigen zweiten und letzten Sitzung mit der Vereinheitlichung der Jahresberichte der Handwerkskammer und gelangte zu einem Antrag in diesem Sinne. Den folgenden Gegenstand bildete der Ausbau der freiwilligen Alters- und Jnvaliditätsversicherung für selbst­ständige Handwerker. Es wurden hierzu folgende An­träge angenommen:

.Der Kammertag beschließt, bei der ReichSregierunq und dem Reichstage dafür einzutreten, daß den selbständigen Handwerkern in gröberem Um'ange wie bisher die Möglichkeit gegeben wird, sich der frciwistigen Invalidenversicherung zu bedienen."

,Dcr Kammertag beschließt:

a) bei der ReichSregierunq dahin zu wirkeir, daß die Weiter­versicherung für d,e Handwerker dadurch nutzbarer ge» stallet wird, daß höhere Lohnklassen, mindestens aber eine v-m 2000 bis 3000 Mk., elngesübrt werden;

b) eine Umfrage dnrch die Handwerks» und Gewerbe» kammern zu veranstalten, um iestzustesten, inwieweit ein Bedürfnis vorliegt, den selbständigen Haudu'erkern, welche von berDeitciwersichernng ausgeschlosten sind, die Selbst­versicherung leichter zilgänqig zu machen."

Landtags-Abg. Metzner (Neustadt, Oberschl.) fragte im Auftrage der Oppelner Handwerkskammer an, weshalb die Zentralstelle sich ss wenig mit der Frage der Konsum- vereine beschäftige. Es sei bekannt, wie sehr die Konsum» vereine gerade die Handwerker schädige. Es sei doch drmgend notwendig, daß endlich einmal Mttel und Wege gefunden

werden, den Uebelstand zum mindesten zu mildern. Dr.' Wienb eck: Die Zentralstelle verkenne nicht die Notwendig­keit, die Schädigungci. der Konsumvereine zu beseitigen, bezw. zu mildern, dazu sei es aber in erster Linie erforderlich, der Zentralstelle das notwendige Material zuzuführeu. Nachdem noch einige andere Redner auf die Schädigungen hingewiesen, Vie die Handwerker seitens der Konsumvereine erleide, nuirbe der Zentralstelle in Hannover Entlastung erteilt und alsdann der Kammertag mit den üblichen DankeSreden geschlossen.

Ausland.

London, 11. Aug. Zn hiesigen Horkreisen wird bestätigt, daß K önig Eduard anläßlich seiner Rückkehr aus Marienbad dem Präsidenten Loubet einen kurzen Besuch abstatten wird. sAlles, nur nicht der deutsche Kaiser!)

Amsterdam, 11. Aua. Wie dos BlattZentrum" mit- teilt, bat die Königin bei der Bildung des K a b i n e t ts vor allem die Bedingung gestellt, daß keine Persönlichkeit, bxe bei her einen oder anderen Partei Anstoß erregen könnte, in das Kabinett ein treten formte. Weiter verlangte sie, daß die von dem abtrtt-mden Kabinett hin vor seinem Scheidm eingebrachten sozialen Gesetzentwürfe zur Verhandlung gebr t würden. Alle Minister sind demselben Blatte zufolge bereü. irc Posten cm- zntreten. Nur fiir das Ministerium des Nciiß.r u_ und bte Justiz hat sich noch niemand bereit finden lasten. Der frühere katholisch«, aber ziemlich neutrale Justizminister Loefs hot entichiebcn ab» gelehnt, in das neue Kabinett einzutreteu, sell'st als bte verwlmenbe Richtung d's Ministeriums betont würbe. Wie Wetter verlautet, soll der holländische G-esanbte in Berlin Jkh. Den Tets bas von dem holländischen Gesanbten in Washington abgelehnte Porte­feuille bes Ministeriums des Aeußeren übernehmen..

Mabrib, 11. Aug. Während seiner Reise nach Deutschland, welche nunmehr im November Rattfinbennnrb, wirb König Alfons auch den .Höfen von Wien und Mün­chen einen Besu ch abftatten. Die Reise ward, -geordnet to erben, daß der König nicht durch Elsaß---. c i u g c fl zu fahren braucht. .

Ischl, 11 Aug. Wie hier verlautet, Wird König Eduard Mitte dieses Monats dem Kaiser von Marienbad aus m Ischl einen Besuch abstatten und sich einen Tag aufhalten. Der Gegenbesuch des Kaisers soll von den böhmischen Ma- növern aus in Marienbad erfolgen. . .

Budapest, 11. Aug. Tas Exekutivkomitee her Bereinigten Opposition befaßte sich heute mit her Frage des a 11 fl c m e ine n Wahlrechtes. Es wurde ein vorsichtig textierter Veichluß gefaßt, in welchem geleugnet wird, daß die Koalition in der Wahl­kampagne bas allgemeine Wahlrecht versprochen habe. Das all­gemeine Wahlrecht bilde unter gewissen Kautelen einen Teck bes Programmes der Nnabhängigkeitspartei und ber BauffNvartci, die gleichfalls zur Koalition gehörige Voffspantei und bic mit ihr verbündete Dissidentengruppe dagegen weifen diese Forderung zurück, baher könne bas allgemeine Wahlrecht nicht als Forber- ung her ganzen Koalition gelten unb in bereu Programm aus­genommen werben. Wenn bic Unabhängigkeitspartei bie absolute Minorität erhalte, werde Fe bas allgcmcme Wahlrecht ver-. wirklichen. ,

Petersburg, 11. Aug. Die Petersburger Telegraphen- Agentur meldet «a>uS Teheran: In Kerman sind U n - ruhen qusgebrochcu. Die Bevölkerung würbe burm bte Pre­digten bes Mullah Muhamed Rpga gegen die Nichttuiihamebaner erregt. Die Regierungsmaßnahmen zur Unterdrückiing der Un­ruhen sind von günstigem Erfolg. Der Mullah Wirb nach Meschheb verwiesen. _

Oysterbay, 11. Aug. Präsident R o o s e v e l t ist gestern nach Wilkesburre abgereist. Wo er anläßlich des 5. Kongresses der amerikanischen katholischen Mission der Msttneuzler eine Rebe halten wird. Auf dem Wege wurden dem Präsidenten von Tausenden lebhafte Ovationen darqebrocht. '

Ileilchnot.

Berlin, 11. August. Im LandwirtschaftSministerium fand heute die Konferenz der Vorsitzenden und General­sekretäre der Landwirtschastskammer wegen der Fleisch not statt. Minister Podbielski legte den Zweck der Kon- ferenz dar und gab statistische Unterlagen. Die Präsidenten der einzelnen Kammern erstatteten Bericht und kamen zu dem Ergebnis, eine Fleisch not existiere nicht. Es schloß sich ein Essen an, bei dem der Minister eine Rede über die Fleischnot und die Diehpreise hielt.

Leider wird über die Berichte der Kammerpräsidenten nichts ausführliches zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Und vielleicht war dasEssen", das sich an die Verhandlungen anschloß und bei welchem Podbielski eine Rede über bie Fleischnot hielt, so einwandfrei, daß man eine Fleischnot nicht ersehen konnte. Jedenfalls dürste die amtliche Be­richterstattung, wenn sie schon über derartige Konferenzen Notizen der' Oeffentlichkeit übergiebt, etwas Greifbareres loslaffcn als so nichtssagende Bekundungen.

In Karlsruhe macht sich z. B. die Fleischnot ent­schieden bemerkbar. Wir erhalten nämlich heute folgende Meldung:

Karlsruhe, 11. Aug. Eine vom Karlsruher Wirteverein einberufene allgemeine Wirteversammlung nahm eine Resolution an, in der erklärt wirb, die Reichsregierung sei eS, die durch die Au fr echt er Hal- tung der Grenzsperre gegen Einfuhr leben- big en Viehes die Fleischpreise zu einer Höhe habe ge­langen laffen, daß die Ernährung der Bevölkerung zu einer immer größeren Kalamität werde. Während die Aufrecht­erhaltung dieser Maßregel den Agrariern in eminenter Weise zu gute komme, erleide bas Gastwirtsgewerbe unbe­rechenbaren Schaben und biewerktätige Bevölkerung" werbe zur Unterernährung verurteilt. Des weiteren be­schloß bie Versammlung einstimmig im Hinblick auf bie exorbitant hohen Fleischpreise unb die nicht weniger hohen sonstigen Produktionskosten die Preise für den Mittags« und Ab end tisch entsprechend zu erhöben.

Aus tzlaSl and KauS.

Gießen, 12. August.

Promenadenkonzert findet morgen, Sonntag,- um IV/j Ubr in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Auf hoher Warte! Iubiläumsmarsch von Gageur. 2. Vorspiel zu Parsifal von Wagner. 3. Fantasie an5 Mignon von Thomas. 4. Ter Mollwitzcr Marsch von Fr. d. Gr.

Unsere Regimentsmusik konzerti-rt morgen Sonntag nachmittag von 5 Uhr ab im Philosophenwalde; c5 ist dies daS letzte Konzert vor dem AuSmarsch zu den Herbstübungen.

* * Diebstahl. Zu der gestrigen Notiz über Dieb­stahl auf der Elioffer'scheu Brandstätte bittet uns Herr Elsoffer mitzutcilen, daß er der Anklage fern stehe und im Gegenteil bei der Polizei bekundet habe, baß er auf bie unter den Branbtrümmern etwa liegenden Gegenstände keinen Wert lege.

Silberne Hochzeit feiern morgen, Sonntag, der Kellner Heinrich Reh irn Philosophenwald und seine Ehefrau.