Ausgabe 
10.11.1905 Zweites Blatt
 
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brannte Häuser gezahlt. In Rasdelniz wurden die Köpfe der Ermordeten als Trophäen ausgestellt.

Tie englischen Rothschilds haben 200 000 Mk. yfir die verfolgten russischen Juden gespendet. Tie Juden in Amerika haben bereits eine gleiche Summe telegraphisch nach Petersburg gesandt, ^n dem jüdischen Stadtviertel Warschau hnirbcn am 8. d. M. 7 verkleidete Po­lizeispitzel, die Exzesse Hervorrufen wollten, von der revolutionären Partei erkannt und auf offener Straße er­mordet. Drei Polizeibeamte, welche die Mörder ver­haften wollten, wurden durch Revolverschüsse schwer ver­wundet.

Ter Petersburger Korrespondent desStandard" tele­graphiert seinem Blatte, datz Maxim Gorki viele Drobbriese bekomme. Infolgedessen überwachen ihn seine Freunde Tag und Nacyt, um ihn vor Angriffen der Reaktionäre zu schützen.

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Ter Staatssekretär des deutschen Reichspostamts über­mittelte uns folgende Bekanntmachung:

Pakete jeder Art sowie Wertbriefe a) nach'Ruß­land mit Ausnahme des General-Gouvernements Warschau (Russisch-Polen) und mit Ausnahme von Finnland (über Ruß­land-, b) nach anderen Ländern im Durc^ang durch Rußland werden von den Postanstalten wieder zur Beförderung angenommen. Alle Paket- und Wertsendungen werden über Eydtkuhiren-Kibarty geleitet, Poüftachtstücke jedoch nur insoweit, als der Absender nicht die Leitung über Oesterreich (Pod- woloczyska) vorgeschrieben hat. Pakete nach Finnland auf dem direkten Seewege über Lübeck oder über Schweden sind nach wie vor zur Beförderung zugelassen.

Vizeadmiral Rebogatow ist in Petersburg einge- troffcn. Er hat einen Bericht von Admiral Roschdjestwenski bei sich. Nebogatow fühlt sich absolut unschuldig und hofft, daß das Gerichtsverfahren die wirklichen Schuldigen auf­decken wird. Von der Uebergabe eines Geschwaders könne keine Rede sein. Er habe nur vier erbärmliche Schiffe besessen, die teilweise zerschossen waren und von 17 japanischen Schiffen umringt wurden. Roschd­jestwenski, der die Verhältnisse besser kenne als das Tla» rincministerium, teile vollständig seine Ueberzeugung.

Deutsches

Berlin, 9. November. Der Kaiser hörte heute die Vorträge deZ Kriegsministers und des Chefs des Militär- Kabinets.

Bei dem Reichskanzler Fürsten Bülow fand heute Abend zu Ehren des spanischen Ministers des Aeußern P io G u l l o n ein Diner statt.

Der BundeSrat beschloß heute die sofortige Wiedereinbringung des Militär- Pen sions -Gesetzent­wurfs im Reichstage. Er nahm den Antrag betreffend den Entwurf des Gesetzes wegen der Kontrolle des Reichshaushaltes, des Landeshaushaltes für Elsaß- Lothringen und des Haushaltes der Schutzgebiete für das Rechnungsjahr 1905 an und stimmte dem Ausschußbe­richte betreffend gemeinschaftliche Einnahmen an Zöllen und Verbrauchssteuern sowie die in Anrechnung zu bringenden Verwaltungsausgaben für das Rechnungsjahr 1899 zu.

Kottowitz, 9. November. Auf Vorstellungen des hiesigen Magistrats hat der LandwirtschaftSminister die Ein­fuhr russischer Schweine über Oesterreich ge­nehmigt. Gegewärtig schweben mit der österreichischen Regierung Verhandlungen wegen der Durchfuhr.

Eisenach, 9. November. DaS Endresultat der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Eisenach-Dörmbach wurde heute nachmittag zusammengestellt: Es wurden ab­gegeben für Leber (Soz.) 6886, für Schack (Antis.) "4048, für Flex (natlib.) 2780, für Kühner (fr. Vpt.) 2698, für Müller-Fulda 1014 Stimmen. E§ findet Stichwahl zwischen Leber und Schack statt.

Leipzig, 9. November. Die Bertrauensmännerver- fammping des Verbandes der Aerzte Deutschlands nahm Stellung gegen die Karenzzeit bei den Krankcnkaffen, gegen die Mittelstandskrankenkaffen wegen des niedrigen Aerztehonorars, das sie zahlen, und gegen die Konkurrenz der Militärärzte in den Grenzstädten mit Garnisonen.

München, 9. Nov. (Kammer.) In der heutigen Sitzung wurde die Spezialdebatte über die W ahlg e se tz- anträge fortgesetzt und die Erledigung mehrerer Artikel vorgenommen, die sämtlich unter A b l ehn un g der libe­ralen Aenderungsanträge nach dem Anträge des Zentrums angenommen wurden. Die Beschlußfassung über Artikel 8, der Bestimmungen über die Bildung der Wahlbezirke enthält, wurde nach heftigen Angriffen auf Minister Feilitzsch durch die Abgg. Heim und Gerstenberger, beide Zentrum, auf morgen vertagt.

Oldenburg, 9. Nov. Wie dieNachri.^ melden, wird dem oldenburgischen Landtag eine Vorlage betreffs Abänderung des Landtagswahlrechts dnrch Ein­führung der allgemeinen, geheimen und direkten Landtagswahl zugeben.

Breslau, 9. Nov. Der Magistrat antwortete der Viehverwertungsstelle der preuß. Landwirtschaftskammern auf ihreVorschläge an die Gemeindebehörden zur Abstellung der Fleischten erung", die Zentralstelle möge ihrer­seits dem hiesigen Viehinarkt gutes, schlachtreifes Vieh bei billigen Preisen zuführen. Der Magistrat müsse eS aber ablehnen, den hiesigen Fleischern, die ohnehin unter dem seitens des Magistrats einwandfrei konstatierten Schlachtoiehmangel genug zu leiden hätten, noch Konkurrenz zu machen, da er nicht auf Kosten und Gefahr der ganzen Bürgerschaft die wirtschaftliche Grundlage untergraben wolle.

Ausland.

London, 9. Nov. Bei einem Bankett in bet Guildhall hielt der erste Lord der Admiralität Earl of Cawdon ein- Rede, in der er ausfühcte, die Verwaltung könne genenwärtig im wi^ufe von wenigen Stunden der Scblachtslotte sechs (^lacht- sckifse hinzusügen, und so die Starke der K'analflotte auf 15 Schlachtschiffe erleben.

Paris, 9. Nov. Die nächste Nummer derRevue Bleue" wird den ersten Teil einer eingehenden Studie des Publi- aiftvn Georges Villiers über den Reick>sl.in-ler Fürsten Bü­low veröffentlichen. Ter Artikel ermähnt die sympathischen Beziehungen, die Fürst Bülow als Botsclwstssekretär in Varis yi Gambetta, Fern, und anderen hervorragenden politischen Persönlichkeiten Frankreichs unterhielt, schildert an der Hand zahlreicher Zitate den Reichskanzler als parlamentarischen Redner und meint, d. Fürst Bülow durch seine lichtvolle Beredtsamkeit und seine methodische Klarheit an Freyeinet und Waldcck-stiousseau erinnere.

t Barcelona, 9. Nov. Die Studenten der hiesigen Uni­

versität beschlossen, den Vorlesungen fern zubkeiben. Sie machten einen Angriff auf die Handelsschule und warfen die Fenster ein, flohen aber bei dem Erscheinen der Polizei. Die Behörden trafen strenge Maßnahmen zur Unterdrückung der Ruhe­störungen.

Rom, 9. Nov. Der italienische Botschafter in London hat in Gemeinschaft mit dem russischen Botschafter den Auftrag er­halten, bei König Eduard dahin zu wirken, daß England die diplomatischenBeziehungen mit ©erbten wieder aufnimmt. Der_ König antwortete jedoch rn ablehnendem Sinne. Er erklärte, daß sein Begriff über die Königswürde ihm untersage, ein Verbrechen zu vergessen, welches die Menschheit entehrt.

Alis HlM und Land.

Gießen, 10. November 1905.

Besitzwechsel. Wasenmeister Krack kaufte die Hofraite des G. A. Christoph ers en an der Grünberger­straße zum Preise von Mk. 18 500. Das Haus Aster- weg 2 ging aus dem Besitz deSKonsumvereinSGießen und U m g e g e n d in den Besitz des Sattlermeisters E. Mal- komesiuS über.

* Ein Einschleichdieb treibt in den letzten Tagen hier sein Geschäft mit Erfolg. Gestern vormittag wurde einem Herrn in der Ludwig straße aus seinem Zimmer eine Herrenuhr und eine goldene Damenuhr nebst Kette gestohlen. Auch am Tage vorher wurde jedenfalls vom selben Dieb daS Zimmer eines Dienstmädchens nach Wertsachen durchsucht, aber nichts entwendet.

Verhaftet wurde heute ein junger Mensch wegen Zechbetruges, Hierbei stellte sich heraus, daß derselbe auch von der Kgl. Staatsanwaltschaft Saarbrücken wegen Unterschlagung steckbrieflich verfolgt wird.

* Der Artillerie-Verein Gießen feiert morgen in der Turnhalle sein lOjähriges Stiftungsfest. Bei dieser Feier wird eine von den Vereinsdamen gestiftete Fahnen schleife überreicht werden. Offiziere des hiesigen Regiments und zahlreiche Vereine haben zugesagt. Auch der Artillerie-Verein WormS wird an der Feier teilnehmen. Die Musik stellt daS 2. Großh. Feldartillerie-Regiment Nr. 61 in Darmstadt (Musikdirektor Weber). Ein reichhaltiges Pro­gramm, namentlich für den musikalischeu Teil, Posaunen- und Tylophon-SoliS, bieten den Festteilnehmern einen genußreichen Abend. Am Sonntag findet zu Ehren der Kameraden von Worms im Hotel Schütz Frühschoppen und nachmittags ein Ausflug nach Textors Terraffe statt.

* Zum Prozeß Kähler. Seltsamerweise meldet sich heute noch eine Stimme voller Unzufriedenheit über eine Be­merkung in unserem Bericht über den Prozeß Köhler. Lehrer Leid ich aus Langsdorf schreibt uns heute:

Sehr geehrter Herr Redakteur! Ihr Berichterstatter über die Gerichtsverhandlung .Abg. Köhler - Laugsdori" stempelt mich gleichsam zum Mitschuldigen. Dieser Darstellung gegen­über bemerke ich folgendes: Ich habe Köhler niemals zur Handlung ermuntert, sondern ihn ausgelacht, als er sich über die Mitteilung, die ich ihm ohne j e d e A b s l ch t machte (hier fehlt im Briest ein Wort. D. Red.); ausgelacht, um ihn zur Besonnenheit zu ermahnen/

Wir müßen dazu bemerken, daß auch diese Reklamation sich nicht sowohl gegen unseren Berichterstatter, als vielmehr gegen eine Aussage richtet, die nach dem Berichte Herr Köhler vor Gericht gemacht hat. Der Berichterstatter des Köhler- Prozeßes ist einer der bekanntesten und gewandtesten deutschen Gerichtsreferenten, der den allermeisten deutschen Prozessen von einiger Bedeutung beiwohnt und von Berlin nach Gießen gekommen war, nur um dem Köhler-Prozeß beizuwohnen. Einem solchen gewiegten Journalisten sind erhebliche Schwupper kaum zuzutrauen.

a. Krofdorf, 9. Nov. Die letzten Erd arbeit en für die lang ersehnte neue Straße Krofdorf Gießen werden in diesen Tagen zu Ende geführt. Während die größere auf hessischem Gebiete gelegene Strecke schon im Latife des Vorsommers fertig gestellt, auch schon die Baumpflanzung an beiden Seiten vorgenommen wurde, so wurden die letzten Arbeiten in der Gemärkung KrofdorfGleiberg jetzt erst vollendet. Es erfordert diese Strecke etwa 150 Obstbäume und für den ungefähr 1,80 Meter breiten und 790 Meter langen Fußsteig wird ein fester Unterbau von Schiefer ge­schaffen und darauf das Bankett mit Lahnsand oder Kohlen­schlacke geebrkkt.

X. Büdingen, 9. Nov. Durch unvorsichtiges Umgehen mit seinem Jagdgewehr wurde Hofbnchbinder- meister Weitzel heute mittag schwer verletzt. Er war mit der Reinigung seines unbegreiflicherweise noch geladenen Gewehres beschäftigt, als dieses sich plötzlich entlud und die Schrotladung ihm in die linke Hand und Brust ging.

(**) Darmstadt, 9. Nov. Der erst kurze Zeit hier tätige Chefredakteur derDarmst. Ztg.^, Dinkel a, verläßt Milte Dezember feinen Posten. An seine Stelle tritt Dr. Klaus Buschmann aus Heidelberg, Herausgeber der Südwestd. Korresp."

* Darmstadt, 10. Nov. (Gig. Drahtbericht.) Gestern vormittag fand im Kranich st einer Wildpark eine Hofjagd auf Sauen statt, der der Großherzog, Prinz Heinrich von Preußen, Prinz Franz Josef von Battenberg, der preußische Gesandte Fürst zu Hohenlohe und der russische Gesandte Fürst Koudascheff, im ganzen 18 Herren, beiwohnten. Das Frühstück fand im ForsthauS Einsiedel statt, wohin auch die Prinzessinnen Ludwig und Franz Josef von Battenberg im Automobil gekommen waren. Am Abend folgten der Großherzog und Prinz Heinrich einer Einladung deSErbach-Schönberg'schen Fürst enpaares zum Thee ins alte Palais. Prinzessin Ludwig von Battenberg wird am 24. d. M. mit ihren Kindern zum Besuch ihres Gemahls nach Gibraltar abreisen. Am kommenden SamStag werden der Groß­herzog und Prinz Heinrich von Preußen voraussichtlich einer Einladung des Offizierskorps des 1. Hess. Feldartillerie- Regiments Nr. 25 in deffen Kasino Folge leisten.

R- B. Darmstadt, 9. Nov. In der heutigen Sitz un'g der Stadtverordneten wurde die infolge der in der nächsten Umgebung häufig vorgekommenen Angriffe von Rowdys beantragte Vermehrung der städtischen Schutzmannschaft beschlossen. Das Interessante dabei war, daß der Oberbürgermeister dagegen mit aller Entschieden­heit Protest erhob, daß die Stadt nur dazu da sei, bie Polizei Mannschaften zu bezah len, während sie kein Recht dazu habe, auch ein Wort mitzusprechen. Die Stadt müße die Schutzleute als städtische Beamte betrachten,

ebenso wie die anderen von ihr bezahlten auch unb er rooCi bei dieser Gelegenheit ausdrücklich festlegen, daß die Stab' unter allen Umständen das Recht der Anstellung und Gehalts, cegelung für die Schutzleute für sich in Anspruch nehme.

Dieburg, 8. Nov. Im hiesigen Arbeitshause wellr Kreisarzt Medizinalrat Dr. Dannenberger einen in brr Anstalt untergebrachten Sträfling zwecks Abgabe eines ärztlichen AttesteS aus seinen Gesundheitszustand unter, suchen. Ter Sträfling wurde zu diesem Zwecke vorgeführ^ ergriff aber im Zimmer blitzschnell einen vor dem Ofea liegenden Schürhaken und versetzte dem schon bejahrtem Kreisärzte, ehe dies die Wärter verhindern konnten, mehrere sehr wuchtige Schläge auf den Kopf, so ba§ das Blut aus der Wunde spritzte. Während das Personcl den Wütenden rasch packte, wurde der schwer verletzte Ar;t mittels Droschke nach seiner Wohnung verbracht. (G.-A.)

Mainz, 9. Nov. In der heutigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung teilte der Vorsitzende mit, daß von dem Vorstande der Abteilung Mainz bc§ Weltbund zum Schutze der 2iercÄ eine von dem Vorstande des hiesigen Tierschutzvereins unterstützte Eingabe eingelanfen sei, nach welcher das Schächten der Schlachttiere ohne vorherige Betäubung der Tiere verboten werden möge. Die Eingabe wurde der Schlacht- und Viehhofdeputation unter, breitet. Auf Antrag deL Stadto. Liebmann beschloß die Versammlung einstimmig, zur Linderung der Fleisch, not eine Eingabe an die Staalsregierung zu richten mit dem Ersuchen, bei dem Bundesrat oahin 311 wirken, daß baB Einfuhrverbot von Büchsenfleisch aufgehoben werde. Ferner soll die Regienmg bei dem BundeSrat die Aufhebung des Zolles auf MaiS befürworten, um den Landwirten Gelegenheit zu geben, sich billigere Futter, mittel zu verschaffen. Ein Antrag der sozialpolitischen Depu­tation über die Ausnahmebestimmungen bezüglich deS Laden­schlusses wurde der Handelskammer überwiesen. Der Antrag bezweckt, daß von den 25 Tagen im Jahr, an denen der Ladenschluß erst um 10 Uhr abends erfolgen muß, 17 Tage gestrichen werden sollen. Der Eigentümer einet in der Nähe von Finthen gelegenen Mühle, der Oekonom Ad. Otto Krieger, wurde wegen Brandstiftung ver- haftet. (F. Ztg )

Kleine Tag eschronik. Der katholische Pfarrer Bit- g_er ans Nußloch (Baden)nnirix in Heidelberg wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen an Kindern unter 14 Jahren, verhaftet und nach bem Tatorte Stuttgart gebracht. Am 8. d. M. wurde vorn Seismographen auf dem Königsstubl (Baden) ein, sehr lebhaftes Fernbeben registriert. In Duis­burg flog in dem Kupferwerk von Heckmann das große Schwung- rad von der Maschine. Ein Teil des Rades durchschlug das Dach und fiel in ein Nebengebäude. 5 Arbeiter wurden schwer und 10 leichter verlebt. Das Mitglied des dänischen Lands things Jens Vestergaard wurde auf der Eisenbahnstation Aars (Jütland) von einem Zuge überfahren. Vestergaardwurden beide Beine zerschmettert: er swrb hm daraus.

Q>cn0tsiaai.

fc. Darmstadt, 9. Nov. Der Flaschenbierhändler Nikolaus K'vrbus und sein Hausbursche Dl ü ml er, die in der Nacln zum 21. August auf der Strafe von Griesheim n'.ch Darmstadt ohne Laterne gefahren und infolgedessen den Maurermeister Schmitt überfahren batten, so daß er <m b?r. 'Srtcfrimgen starb, wurden heute von der Sttafkannner zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt. -

Aviversttlils-Nachrichten.

Der Rektor der Wiener Universität, Profeffor Philippovick, überreichte einer Wiener Korrespondenz zufolge den Vertretern der deutschnationalen Vereine, welche an den Senat ein Memorandum gerichtet hatten, die ?(nt!tmrt des Senates. Bezüglich der Bitte, der tsckvchische Vrof.'ssor D mor­sch ak möge sein Lehramt nicht weiter aus'iiben, erkenne der Senat vollkommen an. daß diese Bitte von tvarmen Emvfindungei für den deutschen Charakter der Wiener Universität spreche, und soweit sich solche Empfindungen in loyaler Fcvn äußerten, bringe er ihnen volle Sympathie entgegen. In diesem Falle sei jedoch kein Grund zu einer Beunruhigung gegeben. Die in Frage stehende Professur sei gemäß dem Vorschläge der philo­sophischen Fakultät beseßt worden, die, wie der Senat überzeugt sei, nichts tue, tvas den deutschen Charakter der Universität ver­letzen könnte. Die Bitte, der Senat möge den Rektor auffordern, eine angeblich gemachte, die Studenten beleidigende Aeußerung zurückzunehmen, tvird dahin beantwortet, daß der Senat die Erklärung des Rektors, die fragliche Aeußerung nicht getan zu haben, zur "KennMiS nimmt und zugleich ausspricht, daß er die Ehrenbastigkeit der Sttidenten, die doS 'Gegenteil behaupten, nicht im geringsten anzweifle, aber einen Irrtum annehme. Der Rektor fügte persönlich hinzu, er beklage tief, daß ein Mißverständnis zwischen ihm und der Studentenschaf, bestehe. Die Absickst, die Studentenschaft zu beleidigen, habe ihm ferngelegen und w^de ihm stets femfiegen.

^)riflindf-Praliinirl"öun<i?n.

Eine Fricdensrede ValfonrS.

London, 9. Nov. Bei dem Lordmayors-Bankett hiefl Premierminister Balfour eine Rede, in der er sich der auswärtigen Politik zuwandte. Balfour führte aus:Ein Ungemach, das wir zu fürchten haben, ist ein Krieg. Es ist jetzt die glückliche Zeit zu einem poli­tischen Ueberblick, wo Friede geschlossen ist und unsere Ver­bündeten sich ans Werk machen, die große Aufgabe der Zivilisation auszufüllen, und tvo ihre Gegner, unsere Freunde in Rußland, das öffentliche Jntereffe in Anspruch nehmen durch eine große Bewegting in der Rich­tung aiif_ die Selbstverwaltung, wie wir glauben. Es gibt keinen Burger in Großbritannien, der ihnen nicht jeden Erfolg wünscht und aus vollstem Herzen den Wunsch hegt, daß die Bewegung in Zukunft nicht durch unnötiges Blut­vergießen erschwert wird. Tie britische Regierung hat viele Jahre hindurch ihr Bestes getan, um Kriegsgefahren ab­zuwehren und einen Krieg unmöglich zu machen, soweit er nicht absichtlich begonnen würde. Eine der HauptqueNen von Schwierigkeiten sind die Grenzftagen gewesen in den Ländern der Wilden in Aftika oder in Ländern, die un­vollkommen vermessen sind. Sie berühren unsere Bezieh­ungen zu Frankreich, Deutschland, Portugal und zu den Vereinigten Staaten. Zurzeit steht keine Grenz­er a g e aus. Diese Resultate bedeuten, daß für die Tauer Streitursachen beseitigt sind, die jeden Augenblick eine akute Form annehmen konnten. Don Korea bis Marokko erstreckt sich eine Reihe von Staaten über drei Weltteile hin, die Schwieriakeiten zwischen den zivili­ierten Ländent verursachen können. Tas Ziel der Tiplo- matie ist, zu verhindern, daß sie zu internationalen Kvn- likten führen. Wir machen Fortschritte in der Erkenntnis, ) durch Abkommen zwischen den zivilisierten Ländern der Friede auftecht zu erhalten ist, und daß ferner unsere Bestrebungen und diejenigen anderer Länder darauf ge­richtet sein müssen, mehr und mehr Schiedssprüche anzuwenden, um so schnell als möglich nije Grenzfragim.