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10.7.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 159

Zweites Blatt.

155 Jahrgang

ettoebti NO mti Ausnahme beS Sonntag!.

Die .Gießener ZamtlienblStter" werden dem ,Änüetgei viermal wöchentlich detgelegt. Der ^hesstlch« CaaöeUT erscheint monatlich einmal.

Gießener Anzeiger

Montag 10. Juli 1905

Rotationsdruck and Verlag be vrOhllche» UnwerfttLlSdruckerei. St Laag«. Dietz«.

Redaktton, Expedition ».Druckerei Vchulftr.1, Tel. Str. 6L XeUgt^ttbi. 1 »n-eige» Dietz«

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Urei; Eichen

der und mit Die obli-

Nicht gest webel fern wundet

machten bemühen sich namentlich Rußland und Frankreich durch militärische Maßnahmen den Aufstand zu unter-

Politische Wochenschau.

Gießen, 10. Juli 1905.

drücken. , . ,

Schwedens Konflikt mit Norwegen bewegt sich in dem gleichen Gleise. Die schwedische Regierungsvorlage unterliegt der Kommissionsberatung. Das friedliche Ver­hältnis 'ist bisher nicht gestört worden und wird wohl auch nicht gestört werden. Der König hofft noch immer, einen Unterschied zwischen den verantwortlichen Politikern und der Mehrheit des norwegischen Volkes machen zu können. Insbesondere kränkt ihn der Vorwurf, daß er die Verfassung verletzt hätte, während umgekehrt Norwegen in der Kon­sulatsfrage den Bruch provozierte. Die Planmäßigkeit m diesem Vorgehen zeige, so äußerte er sich soeben gegenüber einem Journalisten, den Charakter einer Verschwörung. Die weitere Entwicklung und Liquidation habe er dem schwedi­schen Volke überlassen. Einen Prinzen seines Hauses uhme er nicht nach Norwegen senden, sowohl der Unbill wegen, die ihm zugesügt sei, wie auch wegen des Mißtrauens, dem die Dynastie dann in beiden Ländern leicht ausgesetzt wäre. In der königlichen Familie wären alle einig. Eine even­tuelle spätere Allianz liege zumeist im Interesse Norwegens.

Dre Meuterer anBorddesPotemkin" ist für Rußland auf die unrühmlichste Weise zu Ende ge­gangen. Der Panzer und das ihn begleitende Torpedoboot trafen in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder im rumänischen Hafen Konstanza ein. Die Behörden forderten die Bemannung auf, sich zu ergeben. Mittags um 1 Uhr 40 Min. haben sich die Mannschaften desPotemkin" und des Torpedobootes entschlossen, zu kapitulieren unter den ihnen gestellten Bedingungen. Sie übergaben die beiden Schisse den rumänischen Behörden, welche ste in Besitz nahmen und auf ihnen dierumänischeFlagge hißten. Die Mannschaften wurden an Land gesetzt und in kleinen Trupps nach verschiedenen Orten des Landes gebracht. Die Unmöglichkeit für die Führer der Sebastopol- Flotte, das meuternde Kriegsschiff zur Unterwerfung zu zwingen, weil sie der eigenen Mannschaft nicht mehr gewiß waren, die Vorgänge in Odessa, Kiew, Libau, Kronstadt, Kursk, Bialostock, Warschau und in den sonstigen EmpörungA- zentren vervollständigen das Bild des inneren Zerfalls des großen russischen Reiches.

Arbeit in den Betrieben wird zum Teil heute, zum Teil morgen (Dienstag) wieder ausgenommen. Ein Rundschreiben stellt den Arbeitgebern den Termin frei, an dem sie ihre Be­triebe wieder eröffnen wollen. Die Arbeiter meldeten sich bis auf einen kleinen Bruchteil zur Wiederaufnahme der

Arbeit. , . 1

Die agrarische Presse Preußens ist bemüht, die F l e i s ch- 1 not in das Reich der Fabel zu verweisen, und empfiehlt 1 den Metzgern, sie möchten im Interesse einer Verbilligung der Flcischpreise auf einen Teil ihres sonst üblichen Ge- ! winns verzichten. Die Metzgermeister ihrerseits haben sich mit einer Eingabe an den Reichskanzler gewandt, damit er den Schaden an der Stelle beseitige, wo er entstanden ist. Ob die Eingabe allerdings etwas helfen wird, ist eure andere Frage. In Kattowitz fand am Samstag eme Kon­ferenz wegen der Maßnahmen zur Verbilligung der Fleisch­preise, besonders wegen Zulassung des erhöhten Kontingents russischer Schweine statt. Di der Konferenz beteiligten sich Unterstaatssekretär von Conrcw und die obersten Verwaltungsbeamten Schlesiens sowie Bürgermeister und Grenzticrärzte des obcrschles. Jndustrie- bezirks, der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer und Mrtreter der oberschlesischen Industrie. Das Ergebnis der Konferenz ist noch nicht bekannt.

Die Unterredung Rouviers mit dem deutschen Botschafter am letzten Samstag hat endlich das lange erwartete Re,ultat des Einvernehmens in der Marokko frage er­geben. Sie dauerte nahezu zwei Stunden. Nach Schluß wurde sofort folgende offizielle Note ausgegeben: Düvier und Fürst Radolin haben sich end giltig über die Redak­tion derjenigen Mitteilungen verständigt, welche die beiden Regierungen austauschen werden. Diese Mitteilungen werden heute (Montag) im französischen Parlament bekannt gegeben. Sie sanktionieren eine Einmütigkeit der An­schauungen (accord de vues) über die marokkanischen Fragen, die zugleich die Interessen Frankreichs wahrt und dasselbe zur Annahme der Konferenz ge,ührt hat. Nach derLibre Parole" einigte man sich dahin, daß wah­rend der Konferenzverhandlungen von dem ftanzösisch-eng- lischen und französisch-spanischen Vertrage nicht die Rede sein werde. Dasselbe Blatt meldete, die Geschäftsordnung der Konferenz werde so gehalten sein, daß der einstimmig gefaßte Beschluß alle Beteiligten verpflichtet wahrend die mit Majorität angenommenen Beschlüsse nur als Richtschnur für die dieser Majorität angehörenden Staaten dienen wur­den. Die Konferenz soll unter arten Umständen in Tanger beginnen, und zwar bald.

Auffehen erregte in der vergangenen Woche die Mewung, daß der lauteste Redner in der französischen Deputierten­kammer, Jaurös, in Berlin erscheinen wollte, um!, gestützt auf die sozialdemokratische Propaganda, dem deut­schen Volke mitzuteilen, welchen Standpunkt es m der Marokkofrage einzunehmcn habe, einen sehr französischen Standpunkt natürlich, der von dem Bülows doch recht weit verschieden ist. Denn auch Jaurös ist ein Anhänger der ftcmz. Borzugspolitik in Marokko. Fürst Bülow ließ es darauf an­kommen, sich lieber den Vorwurf derWeltblamage" und Unklugheit" machen zu lassen, als daß er sich von der französischen Jntrigue das Marokkokonzept verderben ließ. Jedenfalls war die Bülowsche Maßnahme die Bekundung des festen Wirtens, sich durch kein irgendwie geartetes Mittel von dem deutschen Standpunkt in der Marokkofrage ab­drängen zu lassen. Erst mußte Rouvier dem deutschen Standpunkte in der Marokkofrage Rechnung tragen und dann hinterher, so kalkulierte Bülow, mag, wenn er nun noch Lust dazu hat, Jaurös seine versöhnliche Rede halten. In Berlin aber dürfte er seinen Sprach nicht mehr vom Stapel lassen, dagegen kommt jetzt aus Mannheim die Meldung, daß die Parteileitung der Mannheimer Sozialdemokraten an Jaurös die Einladung - zu richten beabsichtigt, in einer Volksversammlung im dor- , tigen Rosengarten den Vortrag zu halten, der durch die , Note Bülows vereitelt worden ist. Natürlich würde aus [ dieser Versammlung aus die deutsche Neichsregierung von . Herrn Jaurös und seinen undeutschen Freunden ut Deutsch- ' land weidlich geschimpft werden. In Mannheim hat man ja seit den Tagen des österr. sozialistischen Hetzapostels

1 Pernerstorffer Erfahrung darin. Da jedoch vn seiner 1 Sonntagsausgabe derVorwärts" die ungehaltene AEde von Jaurös allen seinen Freunden bereits aufgetischt hat, wird wohl auch ans dieser Versammlung kaum etwas werden. Nach dem Besuch des Fürsten Radolin bei Jaurös kann übrigens ein Pariser Blatt, derTcmps , nicht umhin, die Höflichkeit der deuffchen Regierung gegen­über Jaurös als nicht im rechten Verhältnis stehend zu be­zeichnen zu der in Betracht kommenden Persönlichkeit, die nach seiner Ansicht - bei uns zu ^nte stark überschätzt werde. Es sei ja rrchlrg, daß Jaurös durch sein geflügeltes Wort:Der Dreibund ist ein notwendiges C^-gengewicht gegen den französischen Chauvinismus", auf die zarte Rücksicht des deutschen Kanz­lers sich einen Anspruch erworben habe, aber ein Verkennen der tatsächlichen Verhältnisse liege darin, daß der deutsche Kanzler Herrn Jaurös wie eine anerkannte Macht zu be­handeln für gut befunden habe. __ n

Das Kabinett Fejervary findet m ter Verwaltung Un- garris dm lcbftaftest-u Dldcrstcmd der BrhSrbm ®er- gebens bemühen sich die Münster dem Lm>de mrt sirristeschm Spitzfindigkeiten zu beweisen, d-tz die Unterscheidung scheu einer parlamentarischen und einer unparlamenta- rifdjen Regierung nicht im Gesetz beendet sm Wenn -s auch für eine erfolgreiche Fechrung der Geschäfteerforderlich sei, daß die Regierung über eme Mehrhei im Wgeord- netenhaus verfüg«, so sei doch wahrend der UebergangSzelt ein- Ausnahme zulässig, >oenn aus der.^omentsmeörhett eine Regierung nicht gebildet werden Ite ®te 1 itng des Abgeordnetenhauses hebe nrchi dre GefetzlEeit der königlichen Ernennung des Mlnrsterrums auf Daher sei der Worwurf, das Kabmett Fejervary sei nicht »er.

von Kirche und Staat in der Deputiertenkammer mit 108 Stimmen Mehrheit Zur Annahme.

Auf Kreta hat der Aufstand in den letzten Tagen größere Dimensionen angenommen. Von den vier Schutz-

Zu dreitägigen Beratungen trat in der vergangenen Woche die Zweite hessische Kammer zusammen, um sich am Freitag bis zu der Zeit kurz vor den Neuwahlen zu vertagen. Eine Reihe wichtiger Gegenstände soll also noch der alte Landtag erledigen, lieber Erwarten schnell und glatt wurde zunächst der preußisch-hessische Lotterie v ertrag angenommen. Der reußische Landtag war dem hessischen mit gutem Beispiel vorangegangen. Die von Preußen jähr- sich garantierte Summe von 800 000 Mk. wurde allgemein als ausreichende Entschädigung betrachtet. Und auch der Betrag von 600 000 Mk., der als Entschädigung der Kollek­teure, die ihre Stellen aufgeben müssen, vorgesehen ist, wurde als genügend anerkannt/ Es ist aber doch nicht zu ver­kennen, daß verschiedene Jnteressentengruppen leer ausgegangen sind, und daß die Zweite Kammer über deren Wünsche und speziellen Eingaben ziemlich leichten Herzens zur Tagesordnung übergegangen ist. Ein Teil von ihnen kann allerdings noch einen gewißen Trost finden in dertunlichsten" Berücksich­tigung und Entschädigung, die ihm die preußische Regierung in Aussicht gestellt hat. Aber die von verschiedenen Seiten ausgesprochene Hoffnung, daß diese Berücksichtigung auch wirk­lich stattfinden möge, zeigt doch, daß man nach dieser Richtung hin nicht gerade optimistisch denkt. Ferner brachte eS die tropische Hitze der vergangenen Woche zu.Wege, daß unter sonst höchst erstaunlicher rednerischer Zurückhaltung ein Reform­werk von tief einschneidender Bedeutung binnen kürzester Frist zum Gesetz erhoben wurde. Der Gesetzentwurf, die Erhebung von Gemeindeabgaben betreffend, bekanntlich eine Wertzuwachs-, eine Billet- Tanzsteuer vorsieht, wurde angenommen, indeß der Abänderung, daß die Tanzsieuer wegfallen soll. Erhebung der betreffenden Steuern ist vorerst noch keine gatorische, sondern soll in das Belieben der Gemeinden ge- stellt sein. Bei der Wertzuwachssteuer soll eine Rückwirkung des Gesetzes bis zum 1. Oktober 1904 gestattet sein. Hoffent­lich machen recht viele Gemeinden von dem Rechte der Ein­führung dieser vernünftigsten unter allen Steuern Gebrauch, die die gesunden bodenreformerischen Bestrebungen zum ersten Male in Deutschland in die That umsetzt. Die Steuer darf von den Gemeinden im Höchstbetrage von 20 Prozent des WerzuwachseS erhoben werden. Ein Wertzuwachs unter 10 Prozent ist steuerfrei. Von der Billettteuer, die die heff. Theaterdirektionen mit sehr gemischten Gefühlen ausnehmen werden, sind befreit die Vorstellungen im Darmstädter Hos» theater und Vorstellungen, die auf öffentlichen Straßen und Plätzen, z. B. auf Märkten, Kirmessen und Volksfesten, ab­gehalten werden. Die Amtsblattdebatte haben wir bereits genügend beleuchtet, und es liegt um so weniger Anlaß für uns vor, noch einmal auf sie zurückzukommen, als sie für die weitere Oeffentlichkeit ohne Interesse ist. Angenommen wurde die Nebenbahn-Vorlage, die besonders von den Abgeordneten Molthan, Dr. Frenay und Dr. Buff wirkungsvoll vertreten wurde.

Damit ist der Staatsvertrag Hessens mit Bayern

über den Bau der Bahn Höchst L O.NeustadtAschaffen­burg genehmigt und der Bau der Bahn BensheimLinden- ftls ermöglicht. Der Regierung wurde ein Antrag tetr, die anderweitige Regelung deS Vergütungsmodus für die Eifen­bahnfahrten der Abgeordneten überwiesen. Sie sollen gegen eine vom Staat an die Eisenbahnverwaltung zu zahlende Vergütung entweder Freifahrtberechtigung in ganz Hessen oder nur von ihrem Wohnort nach Darmstadt er­halten. Der Fluge Einfall deS Abg. Leun, kurz vor den Neuwahlen zu Gunsten seiner Watzenborner und Steinberger Wähler die Errichtung einer Güterverladestelle an Station Schiffenberg zu beantragen, ein kleiner Tric, den dem rührigen und umsichtigen Volksvertreter wahrlich niemand verargen wird, wurde von dem Hause nach kurzen klaren Darlegungen des Finanzministers ad acta gelegt. Auch wenn Herr Leun die Gießener Handelskammer um Unter­stützung' seines Antrages ersucht hätte, wäre wohl em anderes Resultat nicht erzielt worden. Gewiß würde den dem Schlffen- berge benachbarten Ortschaften aus einer nahen GÜterverlade- stelle ein ihnen wohl zu gönnender Vorteil erwachsen, aber wir meinen, daß in manchem anderen oberhessischen Orte em dringenderes Bedürfnis danach vorliegt. Wir beabsichtigen demnächst an Hand einer Statistik die Orte namhaft zu machen, denen eine solche Institution mehr not täte.

Kurz vor Schluß des preuß. Landtages hatte Minister 0. Budde die Anfrage wegen der Personen-Tarif- reform zu erledigen. Durch seine Ausführungen wurden die Bedenken gegen die geplanteReform" nicht beseitigt. Leider sind die Parlamente auf die Gestaltung des ohne Einfluß und nur auf das Aussprechen von Wünschen angewiesen. Hoffentlich wird der Minister den Ursachen Anregungen zur Verbilligung des Reisens Gehör schenken, insbesondere das Freigepäck nicht beseitigen und den SchneU- zugszuschlag nicht in einer ungerechtfertigten Weise zur An- Wendung bringen. Deutlich zeigt sich in der Reform bie Tendenz, nur ja jede irgend mögliche Verbilligung sogleich an anderer Stelle durch eine Verteuerung wieder wett zu machen. Bisher hat noch jede Herabsetzung von Verkehrs­tarifen in größerem Stil sich durch eine intensivere Ausnutzung der Verkehrsgelegenheit gelohnt und Mehreinnahmen ver­ursacht. Bei einer weiteren Verbilligung der Eisenbahntanfe dürfte sich dieses gewohnte Schauspiel wiederholen

Die bäuerische Metallarberteraussperr- ung ist nun glücklich beigelegt und zwar durch Vermttttlung des bayerischen Ministeriums des Auswärtigen. Dre ^erre ist am. ätzten Sums tag wieder aufgehoben worden. Die

Aeutsch-Südwestafrika.

Die neueste amtliche Meldung lautet:

Hauptmann Rembe erreichte auf einem StreifiugelSngS des Epukiro und Grotlaagte am 23. Juni dre englische Grenze Das Sandfeld und die Gegend östlich der Lmre von Gams- und Vley-Otjimanangonbe sind von Hereros frei. Die Besetzung von Otjimbinde wurde nunmehr aufgegeben und von den dort befindlichen Truppen wurde die 11. Kompagnie des Regiments 1 nach Otjosondu und die 6. Batterie nach Okahcmdia verlegt Andreas floh nach dem Gefecht bei Atis am 9. Juni längs des Kam-Reviers. Als von zwei Seiten Abteilungen gegen ihn vordrangen, wandte er sich mit wenigen Begleitern m das Zarisgebirge, wohin ihn Hauptmann Baumgartel durch ete außerordentlich schwieriges Gelände verfolgte. Andreas soll durch die seit Ende März ununterbrochen fortgesuhrte Verfolgung alles Vieh und den größten Teil seiner Leute per- loten haben. Die Ersatzkompagnie la und die vierte Etappen- komvagnie haben Maltahöhe, Kleinpons, Notsas, Hootnkrans, Areb, Nuchas und Awabes besetzt und säubern die Gegend durch Streif­züge. Die Bande Morengas war nach dem Gefecht bei Narus am 17. Juni zuerst s ü d l i ch g e f l ü ch t e t. Dann wurde erkannt, daß ihre Spiiren auseinander führten, haupttachlich jedoch aus der Gegend von Narus nordwestlich. 5)auptmann Siebert mit 3y2 Kompagnien und vier Geschützen setzte m dieser Richtung fort und stellte fest, daß sich Morenga m der Gegend von Aob, 18 Kilometer nordöstlich von Nuradus am Osthang der großen Karasberge, befinde, wo er wieder über 200 Gewehre verfügen soll. Hauptmann Ritter mit enter Kompagnie und einem Geschü'- erreichte von Keetmanshoop - ans den Hottentotten entgegeirgebend am 28. Juni Aob und wird mit Hauptmann Siebert zusammenwirken. Cornelius, ter sich in der Gegend von Kvchas am unteren Fischfluß wieder fest- gesett hatte, sammelte dort über 200 Kriegsleute, sodaß mit deren Weibern und Kindern an 800 S e e l e n versammelt gewesen sein sollen. Die Schwierigkeiten des dorttgen Geländes sind außerordentlich "groß. Auf beiden Ufern des Fischflusses entlang ziehen Tagemärsche weit zerklüftete Felsengebirge, die.ein Er­reichen des Gegners nur an wenigen Stellen für einzelne Fußgänger erlauben. Die einzige Anmarschstraße von Kimibes auf Kochas bildet einSaumPfad, der Kilometer weit durch eine schmale Schlucht mit unersteigbaren Rändern führt. Hierhin hatte Cornelius einen Teil seiner Krieger vo^ geichvben und weiter rückwärts durch eine Stemschanze die nvch weiter südlich befindlichen Werften geschützt. Major Gräser versammelte an der Quelle des Auchab U/s Kompagnien (120 Gewehre) unter Hauptmann Pichler, bei Kanibes v/2 Kom­pagnien (100 Gewehre mit 2 Feld- und 2 Gebirgsgeschützen) unter Hauptmann Zwehl und entsandte Leutnant v. Hasel er mit 30 Mann und einem Gebirgsgeschütz durch Nachtmcirscte rn den Rücken tes Gegners nach Mais. In ter Nacht zum 27. Juni wurde der Angriff der Kolonnen zu Fuß, von Tragetieren gefolgt, ansgeführt. Cornelius wich bvr den von Westen uro Nordostm kommenven Abteilungen Pichler und Zwehl auf Kerdonis aus. Hier erreichte ihn die Abteilung Pichler und stürmte m einem schweren Gefecht die feindlicheStellung. Die unter Maior Gräser eintreffende Abteilung Zwehl nahm _tee Verfolgung auf, erhielt aber bald von den beiderseitigen Höhenräntern em lebhaftesFeuer. Der Zug der Gebirgsartillerie, der unter Leutnant Bender trotz ter Geländeschwierigkeiten zu folgen vermocht hatte, verttieb hier den Gegner, dessen Versuch, nach Süden zu entweichen, verhinderte die bei Mais und den be­herrschenden Höhen geschickt ausgestellte Wtellung Häseler C o r - nelius floh unter erheblichen Verlusten und unter Zurücklassung einigen Viehs nach Westen, bis m tee Dunkelheit hinein unmittelbar verfolgt. Es fielen 2 Offiziere und 3 Mann; ein Offizier u n d 11 Matin w u r den ver­wundet. Major Gräser setzt die Verfolgung fort. Bei ter Sendlingstrift am unteren Oranje, in ter Gegend von Wiffmets treibt eine kleine Räuberbande ihr Wesen; gegen sie ist eine kleine Abteilung von 60 Mann von Kubub aus im Vor­

marsch.

Ein weiteres Telegramm aus Windhuk meldet:

In den Gefechten bei Keidorns vom 26. bis 28. Jmtt smd gefallen: Hauptmann Ludwig Pichler, geb. zu Hausen, früher im kgi. württembergischen 3. Feldart.-Regt. Nr. 49; Assistenzarzt Dr. Karl Horn geb.zuGrün- berg, (ob Gr. in Oberhessen oder in Schlesien, wird leider tat D. Red.) früher Fußart.-Regt. Nr. 1; Vizefeld- rft Sonntag, Sergeant Andreas Huhnstock Ser* : Sergeant Albert Birkholz und 5 Mann. Im Der-