Ausgabe 
10.3.1905 Zweites Blatt
 
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ycwc nur den Mut gehabt, In das Wespennest zu greifen, und man sehe ja, wie die Wespen aufgeflogen seien.

Ministerialrat Dr. Eisenhuth bemerkt, er nehme nur noch einmal daS Wort, um zu protestieren gegen die Vor­würfe des Vorredners, als habe die Negierung Kenntnis von den Vorgängen gehabt, aber nichts getan, sonder eine Vogcl- straußpolitik getrieben. Tas sei unwahr. Als Abg. Noack von den Dingen in Eichen der Schulabteilung Mitteilung machte, war ihr auch schon daS anonyme Schriftstück direkt aus Gießen zugegangcn. Sie habe sofort in Gießen weiter nachgeforschi und sestgcstellt, daß man cs hier mit einer ganz gemeinen Fälschung zu tun hatte; der Name war gefälscht und der anonyme Urheber ein Gesinnungslump. Auf Grund einer solchen Infamie leite er keine Untersuchung ein, die überweise man dem Staatsanwalt (lebh. Bravo!)

Abg. Tr. Buss erhebt entschiedenen Protest dagegen, daß sich die Herren von der Gegenseite gewissermaßen als Wohlfahrtsausschuß etablierten und wendet sich dagegen, daß hier im Hause die persönlichen Verhältnisse der Beanrtcn öffentlich breit getreten werden.

Abg. Reinhart: Alles, was vom Abg. Dr. David hier über die Zustände in Gießen gesagt worden ist, hat sich aus Grund des umfassenden Zeugenmaterials als absolut un­haltbar herausgestellt. Und wenn ich an Stelle deS Ab- geordn. Dr. David stände, so würde ich den Mut haben, das Vorgcbrachte auch offen zurückzunchmcn (Zustimmung). Das erwarte ich von einem Manne! Es ist sehr zu bedauern, daß wir hier mit solchen Dingen unsere kostbare Zeit ver­geuden müssen! (Beifall)

Abg. Ulrich polemisiert in erregter Weise gegen den Vorredner. Auch er und seine Freunde würden als Männer genau so handeln, aber sie seien durch die Regierungs­darlegungen nicht überzeugt worden. Die Beamten seien langsam zu seiner Partei herübergekommen, nachdem sie ein» gesehen haben, wie da drüben (zu den Nattonalliberalen deutend) ihre Interessen gewahrt werden.

Staatsminister Rothe bemerkt, der Vorredner habe a. a. davon gesprochen, wie Beamte brutalisiert und von ihren Vorgesetzten schlecht behandelt würden, so daß sie sich an ihn wenden müßten. Herr Ulrich möge ihm nur solche Fälle angeben und die Namen nennen, dann werde er schon dafür Sorge tragen, daß sofort Abhilfe geschaffen werde.

Damit ist die Besprechung der Interpellation erledigt.

Es "folgt die Besprechung der Alifrage der Abgg. Dr.

Schmitt, Molthan u. Gen. inbetrcff deS

Kohlenlontors.

In der jetzt gedruckt vorliegenden Regierungs­erklärung heißt es zmn Schluß:

Als ein Mittel gegen eine die Volkswirtschaft schädigende Preisbildung kann cs angesehen werden, wenn ein Staat, der sich hierzu finanzkräftig j^enug fühlt, durch Erwerb von Kohlen- bergwerken oder durch Sicherung eines uraßgebenden Einflusses in der Verwaltung in die Preisbildung selbst einzugreifen sucht. Ob dagegen eine Syndikatsgesetzgebung des Reiches gerade auf dem Gebiete der Kohlenförderung- die als Ausfluß des Berg- redtfv landesrechtlichcr Regelung Vorbehalten ist, Aussicht auf Er­folg bietet, erscheint um)o zweifelhafter, als die bisherigen Er­örterungen in der Ocffentlichkeit brauchbare Vorschläge wegen des Inhalts eines einerseits wirksamen und audererseils die Gefahren und Schäden von ^usnahmemaßregeln auf dem Gebiete des Handels- und Gcwerbernltts vermeiderrden Gesetzes nicht gezeitigt haben. Jedenfalls glaubt die Großh. Regierung, nachdem erst am 28. Februar int Reichstag der Staatssekretär des Innern selbst die unheilvollen Folgen übermäßiger Trustoildungen, gleichzeitig aber die Schwierigkeiten emos gesetzgcberiscyen Eingreifens betont hat, zunächst die weiteren Maßnahmen und Entschließungen der Reichsregierung abwarten zu sollen."

Abg. Molt Han gibt in der nun folgenden Besprechung seiner Befriedigung darüber 9(u§i)rucf. Er glaube, die Zeit iverde nicht mehr fern sein, da man den Gedanken einer Ver­staatlichung der Kohlenproduktion nicht mehr zurückdrängcn oder vor deffen Durchführung zurückschrecken werde. Es sei zu erwägen, ob vielleicht die süddeutschen Regierungen es sich angelegen sein lassen sollten, auf den Ankauf von Zechen be­dacht zu sein und mit deren Erwerb vorzugehen. Redner spricht noch den Wunsch aus, die Staatsregicrung möge im Bundesrat dahin streben, eine reichsgesetzliche Regelung des Syndikatswesens in die Wege zu leiten.

Abg. Reinhardt schließt sich den verschiedenen vom Vorredner gebrachten Anregungen an. Ein Zusammenschluß des UntcruehmertapitalL könne so lange als gerechtfertigt gelten, als er die Rücksichten auf die Allgemeinheit und deren Wohl nicht außer Augen lasse; aber der jüngste große Berg- arbeitcrstreik habe dargetan, daß sich leider Kapistalisten- gruppen ihrer Pflichten gegen die Allgemeinheit nicht bewußt eien. Redner geht aus die Verhältnisse beim Bergarbeiter­streik näher ein.

Abg. Ulrich polemisiert in seiner bekannten Manier gegen den. Kapitalismus.

Das Haus genehmigt dann noch einige Vorstellungen und Gesuche um Gnadengehalt, resp. Gewährung einer monat­lichen Beihilfe.

Darauf schließt die Sitzung um halb 2 Uhr. Nächste Sitzung Freitag früh 9 Uhr.

Heute nachmittag fand eine Besichtigung des Museums

und des Hoftheater - Umbauc8 durch die Kammer^ Mitglieder statt.

und Verkehr. Volkswirtschaft.

Märkte.

Gießen, 9. März. Ter gültige OchsenmarkL hatkv eilten Vorrat von ca. 150 Stück Gangvieh. Schweres Fahrvieh fehlte, und einige Reflektanten konnten hierin ihren Bedarf nicht decken. Am Markt waren nur sehr sckxine Mittel- und leichte Tiere, für welche sich zahlreiche Käufer aus den benachbarten: preußischen Provinzen fanden, die ziemlich gute Preise zahlten. Gehandelt wurden pro Paar Gangochsen 1. Sorte 800880 Mk., 2. Sorte 700775 Ml, junge, 2chjährige Fahrstiere 600660 Mark. Auf dem S chw e i n e m a r k t standen ca. 600 Stück Tiere zum Verkauf. Ter Handel entwickelte sich zu Beginn des Marktes langsam, besonders wollte das Geschäft in Ferieln nicht ziehen, Dbl|cl;ion die geforderten Preise nicht sehr hoch waren. Tie Nachfrage nach Emiegschweinen war zur Mitte des Marktes sehr stark, sodaß jm allgemeinen die Verkäufer mit dem Absatz leidlich zufrieden waren. Bezahlt wurden für jüngere Ferkel 28 bis 30 Mr., kräftigere Tiere 4050 Mk., Springer 6070 Mk., Einlcgjchweiire 80120 Mk. pro Paar. Bis aus wenige Paare Ferkel wurde der Markt geräumt. Nächste Markttage: 21. und 22. März d. I., am zwecken Markttage auch Krämermarkt.

§ Gedern, 8. Marz. Gestern und heute ,anö unser Petri- markt statt. Infolge der ungünstigen Witterung war der gestrige Schweinemarkt sehr unbedeutend, die Preise sehr hoch, der Handel schleppend. Ferkel, 810 Wochen alt, lasteten pro Paar im Durch- schnitt 3540 Mk., sogenannte Einleger erster Qualität 80100 Mark. Fette Schweine wurden mit 47 Pf^. Lebendgewicht und 60 Psg. Schlachtgewicht per Pfund verkauft.

[1 Marburg, 9. Mürz. Auf dem heute hier stattgehabten Sckweinemarkt gingen bei lebhafter Nachfrage die Pretse sehr in die Höhe. Man bezahlte für 46 Wochen alte Ware 3-40 Mk., für 46 Monate alte Läufer 6070 Mk. und für Mastschweine je nach Größe und Qualität 80120 Mk. per Paar. Tie Zufuhr belief sich auf 780 Stück, die bis zum Schluß des Marktes auch größtenteils umgesetzt wurden.

Kpenbayn-Zeitung.

Neue Zugverbindungen. Minister v. Budde machte neulich im preußischen Abgeordnetenhause Mitteckungen über eine Anzahl neuer Züge, die der Sommerfahrplan bringen wird. Ein Schnellzugspaar soll verkehren von Berlin KasselGießen nach Frankfurt a. M. und Basel mit Einschluß in Gießen über Koblenz und Trier nach M e tz. Ein weiterer Schnellzug, der über BerlinEisenach nach Frankfurt fährt, geht nachmittags von Berlin ab und ist abends 11.35 in Frankfurt. Ein neues Schnellzugspaar ver­kehrt weiter von Köln überSiegen Wetzlar Gießen nach Frankfurt a. ,M. Endlich erwähnte der Minister das neue Schnellzugspaar Kassel Hannover Bremen- Geestemünde, weiter die Schnellzüge MagdeburgHamburg und Frankfurt Heidelberg.

Nicht Genutz-, sondern

braucht der menschliche Organismus, wenn er den großen Arbeitsanforderungen auf die Dauer erfolgreich widerstehen soll! Die geforderten Eigenschaften solcher Nahrungsmittel heißen immer wieder großer Nährwert und leichte Verdaulichkeit. 3n Knorrs f)aferpräparaten und Suppenmeblen besitzen wir vorzügliche Fabrikate, die nicht nur wohlschmeckend sind, sondern denen nährende und gesundheitsfördernde Bestandteile in reichem Maße innewohnen. Niemand darf deshalb unterlassen, Knorrs Haferpräparate weitgehendst zu verwenden; dieselben sind in allen einschlägigen Verkaufsstellen erhältlich.

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