Ausgabe 
11.8.1905 Zweites Blatt
 
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Nr» 187 Zweites Blatt. 155. Jahrgang

Freirag 11. Angnst 1905

Suchet»» Q-NH mti vnsnahm, bet Sonntag*.

Die »Siebener LaintttendlSIter" werden dem ,Vn,e,gei viermal wöchentlich betgclegL Der taiöwttT eddjetiU mxmailid) einmal.

Giehener Anzeiger

Rotattxmtotud and Verlag der veüht'lche»

UnwersitütSdruckerei. 8L Lange, Dietz«,

Redaktion, Expedition n. Druckerei: Schulstr.K,

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Senera!-Anze!ger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giehen.

Wirkung der englifch-f mouth abzuschwacher

grundbesitzer, die nach den Worten des Grafen Posadowskv ihre nationale Aufgabe in der Ostmark bisher nicht erfüllt haben, könnte das am Ende ein Anlaß sein, vom Verkauf ihrer Güter, der oft genug an Polen erfolgte, und von der Uebersiedlung in denschönen Westen" abzusehen. Der be­treffende bedeutsame Hinweis in der Rede des Kaisers ist zweifellos an die Adresse der ostelbischen Agrarier ge­richtet.

Nolilitche Tagesschau.

Zur Gnesener Kaiserrede.

Der Kaiser Hut in seiner Ostmarkenrede keinen Zweifel daran gelassen, daß ihm wohl bekannt ist, wieviel im Kamps gegen das Po len tum von der Mitwirk­ung der katholischen Geistlichkeit abhängt. In- der Tat macht nur ein kleiner Teil des Klerus in Posen seinen Einfluß zugunsten des Deutschtums geltend. Die Auf­fassung, zwischenkatholisch" unddeutsch" bestehe ein Gegensatz, wäre unmöglich in der polnischen Bevölkerung so'weit verbreitet, wenn die Geistlichen ohne Ausnahme aufklärend wirkten. Im übrigen wird man aus der vom Kaiser betonten Notwendigkeit des 'Aushaltens der Deut­schen in der Ostmark entnehmen dürfen, daß in der Stadt Posen nach Fertigstellung des dortigen Kaiserschlosfes eine regelmäßige Hofhaltung eingerichtet werden wird in dem Sinne, daß ein Mitglied der kaiser­lichen Familie den größeren Teil des JahreS hindurch dort Aufenthalt nehmen wird. Für die Groß-

Auf der 25. VerbandStaguvg des KysshLnser-Verbandes der Vereine deutscher Studenten

ist folgende Erklärung beschlossen worden:

1) Die 25. Verbandstagung des Kvffhäuser-Verbandes der der Vereine Deutscher Studenten begrüßt mit freudiger Genug­tuung den Zusammenschluß der deutschen Studentensclmst zum Wider stände gegen Angriffe auf die akademische Frei­heit und den erfolgreichen Ausgang dieses Kampfes. Der Kyff- Häuser-Derband ist aber der Ansicht, daß es noch einen weite­ren Ausbau der studentischen Freiheiten zu er­ringen gilt. Er fordert für die deutsche Studentenschaft volle Freiheit in der Behandlung studentischer und nationaler fragen auf akademischem Boden. Der akademischen Disziplin kann er, sofern es sich nicht um Verletzung der studentischen StandeSehre und Störungen der äußeren Ordnung handelt, nur das Recht zuerkennen, auf den Hochschulen, als nationalen und staatlichen Anstalten, gegen Bestrebungen einzuschreiten, die sich gegen die Grundlagen des nationalen Staate- richten. 2) Der KMbäuser-Berband der Vereine Deutscher Studenten hält im

nungen und Anschlägen erwarte. Die Zeichnungen wurden nun in Rußland angefertigt und dem Hofmarschallamt in Berlin übersandt, fanden aber nicht den Beifall des Kaisers. Dieser ließ vielmehr die Moskauer Entwürfe nach Metz an den dortigen Dombaumeister Baurat Tornow senden, der, wie es heißt, ehre besondere Gabe besitzt, auf die Intentionen des Monarchen ein- zugehcn. In diesem Falle soll es sich um den Gedanken handeln, durch die künstlerische Gestaltung des Deleuchtungsapparates in der Moskauer Pcter-Paulskirche den petrinischen und pau- linischenLehrbegriffderevangelischenKirche zum! Ausdruck zu bringen. Die Kirche selbst ist ein riesiger Kuppelbau, unb das Dauptstück der Beleuchtung bildet daher der in ge­triebenem Kupfer anzufertigende große Kronleuchter.

Das Wiener Modell-Theater. In der östteichi- fchen Hauptstadt wurde in den verflossenen Monaten der Dau des Modell-Theaters zum Studium derSicherheitsmaß- regeln in Theatern in Angriff genommen und so weit ge­fördert, daß in der nächster: Woche mit den ersten Versuchen be­gonnen werden kann. Die Konstruktion deS Gebäudes besteht ans- Eisen und Beton. Der Bau gliedert sich in cme 7,5 Mettts breite und 6 Meter tiefe Böhne unb einen 5,5 Meter breiten und 7 Meter tiefen Zuschauerraum. Das Bühnenhaus besteht auS einem Bühnenpodium, dem Rollenboden, einer rechts- nnd links­seitigen ArbeitSgalerie und einer Justierbrücke. Der Zuschauer­raum enthält eine einfache, mit Geländern versehene Galerie, deren seitlich Abgangstreppen ins Freie führen. Zum Abschlüsse des Bühnenhauses vom Zuschauerramrt soll ein 3,5 Meter breiter und 2,6 Meter hoher eiserner Roll- balkenvorhnng dienen. Unter dem Rollenboden wird in ganzer Dühnentiefe eine Berieselungsanlage angebracht. Für den Ab­zug der Rauchgase sind Essen mit verschiedenartigem Verschlüsse vorgesehen, während ein VentilationshäuSchen mit Klappe über dem Auditorium sieb befindet. Das Modelltheater wird mit allerlei Beleuchtungskörpern versehen sein, um deren Verhalten zu erproben. Im Bühnenraum fixierte Schmelzkörver dienen jur Feststellung der voraekommenen Wärmearud» Di-

Wesen der akademischen Freiheit begründet die voll«. Freches aller studentischen Gruppen, sich auf Grund ihrer besonderen Hefter* zmgung zummmrnzuschließen. Die in den Gruppen ausgeprägten Gegensätze sind in offenem Geisteskampf und durch na­tionale Erziehung auszutragen. Wir stehen mit der Mehr­zahl der deutschen Studentenschaft in der scharfen Opposition gegen die tief bedauerliche Bindung bestimmter akademischer Gruppen unter das ultramontane Gedankenshstcm. Gemäß un» serer Resolution auf der vorigen V-rbandstagung begrüßen wir es, daß auf den letzten Hochschultagen die Erkenntnis klarer durchg-'drungcn ist, daß in diesem notwendigen Kämpfe mit Repressivmitteln kein wirklicher Erfolg erzielt werden kann Einen Kämpf gegen konfessionelle Verbindungen schlecht­hin, sofern es sich dabei um eine Gruppierung einer ausge­prägten rel i g s e n Weltanschauung handelt, können wir vom!, Standpunkt der akademischen Freiheit nicht billigen und halten eine rein formelle Dekämpfungsmethode durch Ausschluß auS den Ausschüssen für eine unfreiwillige Stärkung des Gegners. Das Interesse an der Stoßkraft der Nation sollte ferner vor allem die Studentenschaft davor bewahren, die Scheidung zwischen den Gliedern eines Volkes auch von sich aus noch weiter zu ver- sckxirfen. Die einzelnen Vereine entschcDen, unter welcher Form unter den gegebenen örtlichen Bedingungen dies Ziel am besten' zu erreichen ist. 3) Die Verbandstagung macht cs dem Ver- bandS^rgan i;nb den einzelnen Vereinen zur PMcht, mehr als es bisher geschehen ist, c.rj die Gefährlichkeit des llltramontanismuS hinzuweisen. zzzzztj

der Tat in ihren 120 Nummern ein ebenso gründliches wie an* schauliches Bild von dem Schaffen des Meisters und weist alles auf, waS zum Verständnis seiner Künst erforderlich ist. Von den frühen, ihrer Zeit weit voraneilenden Gemälden der 1840 er Jahre führt sie an Hauptweicken der Fridericianischen Epoche, Wie demFlötenkonzert",Friedrich der Große auf Reisen", vorbei zu derAbreise König Wilhelms zur Armee 1870" und MenzelS bedeutendster Schöpfung, demEisenwalzwerk" und zeigt in nicht weniger eindrucksvoller Weise das unerreichte Können und die unerschöpfliche Gestaltungskraft des Meisters in einer großen Reihe sorgfältig ausgewahlter Aguarelle und Zeichnungen, während des Meisters Bedeutung als Illustrator durch bie auf­gelegten, von ihm illustrierten Werke veranschaulicht wird. MleS das wird in übersichtlicher, beguemes Schauen ermöglichender Weise dargeboten, so daß die Besichtigung immer vollen Genuß gewährt und nie anstrengend wirkt. Die Ausstellung wird bis zum 6. September täglich von 9V» bis 6 Uhr, Sonntags von lOVi bis 1 Uhr geöffnet fein. Einem länger geübten Brauch folgend, hat der VerwaltungSrat des Kunstvereins für die Schu­ler der höheren Lehranstalten bei gruppenweisem Be­such unter Führung eines Lehrers zu bestimmten Zeiten freies Entröe festgesetzt' bei der besonderen Bedeutung der Veranstalt­ung soll dieser Brauch bei der Menzel-Ausstellung auch auf die Schulen der bcnachbartenStädte ausgedehnt werden, deren Vorständen die Geschäftsstelle des Kunstvereins auf Wunsch rede nähere Auskunft erteilt. .

Hansi Niese, eine viel gerühmte Bühnenkünstlerin, hat für Oktober diese- JahreS em Engagement muh Frankfurt am Main «ngenommen. ,

Aus Straßburg t. E. wird berichtet: Der Vorstand der deutsch-evangelischen Gemeinde in Moskau hatte sich vor einiger Zeit mit der Mtte an den D e u t s ch e n K a i s e r gewendet, für die innere Ausschmückung der dort im Dau begriffenen evangeli­schen Peter-VaulSkirche etwas zu stiften. Der Kaiser ließ darau, erwidern daß er die Beleuchtung der Kirche durch eine Anzahl Kronleuchter übernehmen und die Einsendung von Zeich-

schreibt:

Die Ankündigung des'Zusammentreffens des Königs mit dem deutschen Kaiser sei wahrscheinlich vom Ber­liner Auswärtigen Amte verbreitet worden, um die französischen Feste in Ports- _ n. Tie sorgfältigste Nachfrage in den

offiziellen und diplomatischen Kreisen Londons habe keine Be­stätigung ergeben, im Gegenteil glaube man an,offizieller Stelle, jede Zusammenkunft des Königs mit dem Kaiser werde unter den gegenwärtigen Umständen ungelegen sein, da sie von der deutschen Negierung dazu benutzt werden würde, das englisch-französische Einvernehmen zu schwäch en. Es sei eine unglückliche Tatsache, daß gewisse englische Zeitungen in eine offenbare Falle geraten seien, und die vorgeschlagene Zu­sammenkunft bewillkommnet haben, ohne vorher festzustellen, ob sie wirklich vom Könige beabsichtigt sei oder welche Wirkung sie auf die französische Regierung und Nation cmsüben würde. Mit gutem Grund könne man sagen, daß die in Berlin von der deut­schen Regierung verbreiteten Gerüchte schon eine gewisse Ner­vosität in Frankreich verursacht haben, während es un­möglich sei, den Kaiser daran zu hindern, daß er dem König einen Besuch abstatte, wenn dieser deutsches Gebiet durchfahrt. Es sei gewiß, daß keine Zusammenkunft verabredet sei und wahrscheinlich, daß eine solche nicht gewünscht werde.

Die plötzliche Abreise des Prinzen Heinrich von Preußen aus München wird dort außerordenllich viel kommentiert; die widersprechendsten und abendteuerlichsten Angaben über die Gründe sind im Umlauf. DieMünch. Ztg." erzählt in der Sache folgendes: Bald nach seiner Ankunft in München erhielt Prinz Heinrich ein dringendes Telegramm, das seine sofortige Abreise veranlaßte, die dann um 10 Uhr 15 Min. mit dem Süd-Nordcxprcß erfolgte. In Hof verließ der Prinz den Zug und begab sich von dort zu seinem Hof­marschall Baron Seckendorfs auf Schloß Brand bei Markt- Rcdwitz. Pessimisten wollen wissen, es sei plötzlich die englische Krise" akut geworden, ruhigere Leute da- gegen behaupten, der Prinz sei vom Kaiser zurückberufen worden, um das englische Geschwader u 6c- grüßen. Andere «wieder er,zählten sich, daß die Reise ledig­lich der Vermittlung in der Angelegenheit de? Gro ß- fürsten Cyrill von Rußland dienen soll. Der Großfürst ist bekanntlich wegen der Intensivität, mit der er seine Heirat mit der früheren Groß Herzogin Melitta 6c- tricb, 6eim Zaren in Ungnade gefallen und befindet sich in einer hiesigen Heilanstalt. Er hat aber ankündigen lassen, er werde bei der .Herkomerkonkurrenz erscheinen. Bei den nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Prinzen Heinrich und ihm glaubt man an ein vermitteln­des Eingreifen des Prinzen, wofür allerdings die Tatsache nicht spricht, daß der Prinz in Schloß Brand Aufenthalt genommen hat. Es ist eher wahrscheinlich, daß Prinz Heinrich auf höheren Wunsch einem vielleicht unangenehmen Zu­sammentreffen ausweichen wollte.

König Eduard wird am Montag früh von London nach Vlissingen fahren, von dort mit einem Ertrazug nach Marienbad. Nun ist es interessant, was dieDaily Mail"

Kleines Jeuikketorr.

Die Zieglersche Nordpol-Expedition.

T r o m s ö 10. Aug. Einem Telegramm aus Honningstmag (Finnmarken) zufolge ist das EntsatzschiffTerra Nova heute mit den Teilnehmern der Ziegler-Expedition nach dem Nordpol in Honning-svaag angekommen. Das Expe­ditionsschiffAmerika" ist im Eise zertrümmert und gesunken. Die Teilnehmer an der Zieglerschen Itoro- polfahrt blieben jedoch alle wohlbehalten, nur ein Nor­weger namens Maehre ist gestorben. Wie weit .die Expe­dition nach Norden gekommen ist, weiß man nicht. Die Expedition machte im Jahre 1904 den Versuch, den Nordpol zu erreichen, doch war keine Rekordleistung geplant. Das wissen­schaftliche Ergebnis ist sehr befriedigend. DerLeitn der Expedition F i a l a erklärte, daß die von früheren Expedi­tionen niedergelegten Depots große Hilfe geleistet hätten.

Göteborg, 10. Aug. Direktor Ernst A n d r ä empfing Heute -von Mr. Champ, dem Leiter der mit derTerra Nova ab­gesandten Entsatz-Expedition ein von HonningSva^ in Norwegisch-Fimnarken abgeschicktes Telegramm folgenden Wort­lauts:Habe zur rechten Zeit 38 Mann gerettet. Ein Mann war gestorben. Der DampferAmerika" verunglückte im Früh- tointer 1903 mit großen Kohlen- und Proviantvorräten. Von dem Herzog der Abruzzen, Jackson und Harmworth wurde Hilfe ge­leistet Ihre Entsatzerpcchition rettete unsere Leute von groben Leiden Drei Versuche, den Nordpol zu erreichen, mißlangen sehr ungünstiger Verhältnisse halber. Die wissen- schastliche Arbeit wurde mit einem glücklichen Ergebnis, üoer- »^stimmend mit unserem Plan, ausgeführt."

Die Menzel-Ausstellung im Kunstverein zu Frankfurt (Junghofstr. 8) hat schon in der ersten Woche seit ihrer Eröffnung einen größeren Erfolg gehabt, wie alle ähnlichen Veranstaltungen der letzten Jahre. Die Ausstellung zeigt m

Kein Zu summen sch tuh des ^inKsUberalismus in Darmstadt.

Man schreibt uns aus Darmstadt:

Aus Anregung des Darmstadter Rational-sozialen Vereins hat kürzlich hier eine allgemeine Versammlung stattgekunden, welche die Absicht verfolgte, einen Zusammenschluß aller linksstehenden hiesigen Parteigruppierungen in die Wege zu leiten. Ter Vor­stand des Verein? mit den Herren Bünte und Henrich an der Spitze hatte in einem längeren Rundschreiben dargelegt, daß die Rational-sozialen ebenso wie die übrigen links­stehenden Parteien unter den gegenwärtigen Verhältnifseii zur Untätigkeit verurteilt seien und eine positive Teilnahme der­selben an den politischen Dingen des Landes nur dann erfolgreich duichzusühren sei, wenn sie sich so bald wie möglich zu einer feilen Vereinigung zuscnnmenschließen. Um dies zu ermöglichen, habe sich der hiesige freisinnige Verein bereit erklärt, seine Satzungen dahin abzuändern und alle spezielleren Parteibezeichnungen zu ver­meiden, das; auch bie Mitglieder des Rational-sozialen Vereins ohne weiteres und unbeschadet ihrer sonstigen Parteiangehörigkeit sich dem sreisinnigen Verein als Mitglieder anschließen könnten. Wenn da? geschehe, so würde man die Auslösung des jetzigen Rational-sozialen Vereins veranlassen; seine bisherigen Mitglieder könnten sich dann trotz ihrer Zugehörigkeit zu der neuen Ver­einigung zu einer südwe st deutschen national-sozialen Ortsgruppe zusammentun. Finde das Beispiel der Vereinigung in Darmstadt Anklang, so würden auch die übrigen liberalen Elemente und Vereine im Lande bald Nachfolgen und so eine a l ( gemeine liberale Vereinigung in Hessen zustande kommen.

In der Versammlung nun, zu welcher außer den Rational­sozialen auch Vertreter der demokratischen, deutschsreisinniqen und sonstiger Parteischattierungen erschienen waren, kam cs zu reckt lebhaften Debatten. Man fand zwar, daß eine Vereinigung in dem anqcbeuteten Sinne sehr vorteilhaft sein würde, konnte sich aber trotz aller Bemühungen n i cf) t auf eine bestimmte Program mbasis einigen. Während der Führer der hiesigen Freifinnigen entschieden auf Anschluß an den Freisinn Richte r'scher Observanz bestand, traten die na­tional-sozialen Redner mit ebensolcher Entschlossenheit für bi& Bart h'sche Richtung als Grundlage ein, wenn man nicht, wie sie ebenfalls vorschlugen, von einer näheren Bestimm­ung der spezielleren Parteigrundlage vorerst über­haupt Abstand nehmen wolle. Da die Freisinnigen aber auf einer sofortigen Entscheidung über die Grundlinie der neuen Ver­einigung beharrten und die Vertreter der anderen Richtung fest auf ihrem gegenteiligen Standpunkt blieben, so verlies die mit so großen Hoffnungen inszenierte Versammlung resultatlos.

Wir bedauern die Resultatlosigkeit dieses Verein rgungs- werkcs im Interesse des Gesamtliberalismus. Wenn diese Ausführungen zutreffend sind, dann tragen die Schuld an (dem Scheitern des überaus wünschenswerten Zusammen- ^schlusscs aller Linksliberalen Darmstadts die dortigen An­hänger Eugen Richters. Mit der ihrem Haupte eigenen Zähigkeit wollen sie von einem kleinen Nachgeben nichts wissen, wahrend besonnener und weltklüger die National­sozialen nicht so seh-r die Barthsche Richtung als viel mehr die Notwndisskeeit des vereinten Marschierens und Schlagens betont zu staben scheinen. Wir wollen aber hoffen, daß für diese Bemühungen noch nicht aller Tage Wend ist und daß spätere Unterhandlungen vielleicht ein besseren Erfolg haben werden. Schon daß der Versuch der Vereinig­ung überhaup't gemacht worden ist, erscheint uns bemerkens­wert. Ter Wille ist also doch wohl vorhanden, und wo ein Wille ist, da findet sich endlich doch auch ein Weg.

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Aug. Ter Kaiser hat sich zum Chef des in Posen stehenden Regiments Jäger zu Pferde ernannt unter Verleihung des kaiserlichen Namenszuges an, das Regiment.

Köln, 10. Aug. Der Deutsche Handwerks- untk Gewerbekammertag, zu dem außer einer Reihe Re< gierungsvertretern etwa 200 Vertreter von Handwerks- und« Gewcrbekammern aus allen Teilen Deutschlands anwesend' sind, wurde mit einem Hoch auf den Kaiser eröffnet. 9)2an: beschäftigte sich zuerst mit dem Befähigungsnachweis. Nächst sehr langer,, lebhafter Debatte, in der sich Geh. RegierungS- rat Dr. v .Seefeld-Berlin vom Reichsamt des Innern gegen den Befähigungsnachweis aussprach, wurde ein ^Antrag des Abg. Malkewitz-Stettin in namentlicher Abstimmung mit 46 gegen 25 Stimmen angenommen:Der Handwerks­und Gewerbekammertag lehnt den Befähigungs­nachweis für sämtliche Handwerkszweige als unter den heutigen Verhältnissen unerreichbar ab". Der Hand­werks- und Gewerbekammertag stimmte im Anschluß an, den Antrag Malkcwitz mit allen gegen eine Stimme folgen­dem Antrag der Gewerbckammer Hamburg und der Hand-i Werkskammer der Stadt Hamburg zu:

Dagegen spricht der 6. Handwerks- und Gewerbckamniertag. die bestimmte Hoffnung aus, daß die von der Regierung in Aussicht gestellte Gesetzesvorlage betreffend den Befähigungs­nachweis im Baugewerbe, also bei Gewerben, bei denen Gefahren für Leben und Gesundheit in Bettacht kommen, .mög­lichst bald einen ausreichenden)utz für diese Oiewerbe bringen, möge. Der 6. Deutsche Handwerks- und G-werbekammer- tag halt schließlich einen weiteren Ausbau der Gesetz­gebung nach der Richtung hin für dringend erforderlich, daß der Meistertitel mit größerenVorrechtenausgestattet wird." .

Fürth, 10. Aug. Der Magistrat beschloß wegen des fortdauernden Steigens der Fleischpreise beim Staatsmini­sterium um die Oeffnung der Grenzen für die Vieheinfuhr vvrsteMg zu werden.

Ausland.

London, 10. Aug. Achtzig Offiziere des in Ports­mouth liegenden französischen Geschwaders be­suchten heute London, dessen Straßen festlich geschmückt waren. In der Guildhall wurde den Offizieren ein Früh­stück gegeben. Im Arsenal von Portsmouth hatte der Bürgermeister der Stadt gegen tausend britische und fran­zösische Teckoffiziere zu einem Mahle geladen. Aus einen Trinkspruch des Bürgermeisters auf die französische Flotte erwiderte Mmiral Caillard, indem er seinen Dank für den Empfang aussprach und darauf hinwies, daß der Kanal Frankreich und England nicht trennen, sondern die beiden Länder verbinden müsse. Heute nachmittag wurden Eaillard, seine Offiziere und die Mitglieder der franz. Kolonie in der franz. Botschaft empfangen. Heute abend gab Lord Lansdowne ein Festmahl, zu welchem Cail-' lard, 24 französische Offiziere, der französische Gefandte rc.. geladen waren. In Portsmouth ging heute nachmittag eine