des Negers Vendredi, der, wie auf roten Pakaten an 'en Anschlagsäulen zu lesen war, laut Telegramm be- timmt starten würde. Aber zunächst kamen die „Begrüßungsfahren", an denen Vendredi noch nicht beteiligt war. Diese Kämpfe waren sehr interessant, besonders als im Endlauf der MeisterfahrerSüddeutschlands, I. B e t t i n g e r, unter den übrigen Fliegern: Odendal-Köln, Moeser-Frank- urt und Neimer-Ludwigshafen mit großer Sicherheit als Sieger hervorging. Dann wurde in einer Pause ein schweres, suchendes Motorungetüm in die Bahn gebracht, welches sich ür das Schlußrennen vorbereiten sollte. Es gewährt einen eigentümlichen Anblick, ein solches Fahrzeug mit ohrenbetäubendem Lärm durch die blühende und sonnige Pfingstnatur rasen zu sehen. Viele fuhren, von Entsetzen gepackt, von ihren Sitzen auf, als dieses Stahlroß, wie ein Kriegsinstrument tobend, mit donnerndem Puffen vorbeisauste, wobei der kühne Reiter, der wie ein göttergleicher Held auf seiner Maschine saß, allen Höllenspektakel, Schrecken und Pein weit hinter sich ließ. Das war nur ein kurzes Zwischenstück, denn es begann ein fesselndes Vorgabefahren, wobei der Sieges- sahrer Bettingcr alle die andern Wettstreiter, 14 an der Zahl, bald überflügelte. Auch das Ausscheidungsfahren in neun Runden, bei welchem der Letzte jeder Runde ausscheiden mußte, war sehr unterhaltend, da Bettingcr mit seinen Konkurrenten spielte, sich bis nahe zum Ziel scheinbar zurückhielt, um dann schnell den Letzten zu überholen und schließlich wieder als Sieger hervorzugehen. Zum Schluß gab es das große Stundenrennen mit einspuriger Motorführung, woran der Neger teilnahm. Dieser kleine, schmächtige Kerl mit dem dicken Kopf, den talergroßen Augen und dem breiten Mund, saß wie ein Aeffchen auf seinem Rad, aus welchem er in
vei und töteten ihn dann durch einen Schuß in die rechte Schläfe. Sie schoßen auch auf seine Frau, die aus dem anderen Zimmer herbeieilte, trafen aber nicht. Frau Madden flüchtete nach einem anderen Zimmer, wo sie am nächsten Tage bewußtlos aufgefunden wurde. Die Mörder entkamen unter Mitnahme von Wertgegenständen.
Dem „Daily Chronicle" wird unterm 11. d. M. aus Tanger gemeldet: Gestern wurde hier der Vertreter Rai- sulis erschossen. Raisuli wird einen anderen Bevollmächtigten nach Mazagan schicken, um den Mörder de§ österreich-ungarischen Vizekonsuls sestzunehmen. — Heute morgen haben Angehörige des Stammes Beni-Mzoar in einem kleinen Ort nahe von Tanger einiges Vieh gestohlen. Es kam zu einem kleinen Gefecht, bei welchem aber, soweit bekannt, niemand getötet wurde.
Nach einer Meldung aus Fez vom 8. Juni sind 500 Soldaten von dort nach Tanger abgegangen; sie sollen den Teil der hiesigen Garnison ersetzen, den der Maghzen nach Udjah abzusenden beschlossen hat, um als Verstärkung der Truppen zum Kampfe gegen den Prätendenten zu dienen.
Das Reutersche Bureau meldet aus Fez: Der deutsche Gesandte Graf Tattenbach wurde ernt 7. Juni von dem Sultan in längerer Privataudienz empfangen.
Lause des morgigen Tages.
»* Personalien. S. K. H. der Großherzog haben /en Amtsrichter in Homberg Eugen Funk zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen mit Wirkung vom 1. Juli 1905, den Staatsanwalt am Landgericht der Provinz Starkenburg Dr. Karl Wolff zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Butzbach mit Wirkung vom 15. Juli 1905, den Amtsrichter in Ulrichstein Dr. Moritz Hansult zum Amtsrichter in Dieburg und den Gerichtsasscffor Ernst Hofmeyer aus Nidda zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Altenstadt ernannt. — Dem evangelischen Pfarrer Köhler zu Vielbrunn wurde der Charakter als Kirchenrat erteilt.
— Oberzahlmeister Karl Schramm, eine in weiten Kreisen bekannte und beliebte Persönlichkeit, ist am Sonntag plötzlich an einer Herzlähmung gestorben. Er hat 12 Jahre lang dem hiesigen Regiment angehört und war in Gießen heimisch geworden, sodaß sein Tod von Vielen betrauert wird. Oberzahlmeister Schramm war geboren am 26. September 1852 zu Kahla in Sachsen-Altenburg. Am 1. August 1870 trat er als dreijähriger Freiwilliger beim Ersatz-Bataillon des Jnf.-Regts. Nr. 94 ein, und 1876 erfolgte seine Beförderung zum Zahlmeister-Aspiranten. 1887 wurde Schramm zum Zahlmeister befördert unter gleichzeitiger Versetzung in das 2. Bataillon des Jnf.-Regts. Nr. 87. Am 1. April 1893 kam er in das hiesige Regiment, wo er am 2. Juni 1900 zum Oberzahlmeister ernannt wurde. Leutseliges Wesen und guter Humor waren gute Eigenschaften des Gestorbenen.
** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung Donnerstag den 15. Juni, nachmittags 4 Uhr: 1. Auslosung von Schuldverschreibungen des 1890er Anlehens. 2. Desgleichen des 1892er Anlehcns. 3. Mitteilungen. 4. Vermächtnis des verstorbenen Rentners E. Balser. 5. Markise am Krogmann'schen Hause, Bahnhofstraße 30. 6. Baugesuch des K. Nikolaus für die Steinstraße; hier: Dispens. 7. Desgleichen des E. H. Müller für die Ecke Stein- und Weserstraße; hier: Dispens. 8. Gesuch der Firma A. Kröll Söhne hier um Entfernung eines Pappelbaumes auf ihrem Lagerplatz hinter dem Biebertal-Bahnhof. 9. Gesuch der Eisenbahnbetriebsinspektion I hier um Erlaubnis zur Kreuzung des Wetzlarer Weges durch eine Fernsprechleitung. 10. Beschaffung von Sprenggeräten für den Stadtgärtner. 11. Reparatur des Ventilbrunnens im Hofe der Stadtmädchenschule. 12. Beschaffung von Lüftungsklappen für einzelne Räume der Stadtmädchenschule. 13. Anschaffung von Schulbänken für die Volksschulen. 14. Beschaffung einer Tragbahre für den Sanitätsverein. 15. Genehmigung von Rechnungen. 16. Genehmigung von Handabgaben. 17. Waldwirtschaftsplan für 1906. 18. Ausbau der Roonstraße
zwischen Moltkestraße und Großen Steinweg. 19. Vergebung von Umpflasterungsarbeiten. 20. Kaus mit H. Schaumberger. 21. Verputz des vorm. Attig'schen Hauses Seltersweg 9. 22. Gesuch des Friedrich Kopp hier um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Bismarckstraße 20. 23. Desgleichen
des Gottfried Abel hier für Wolsstraße Nr. 9. 24. Die
Ferien der Stadtverordneten-Versammlung.
*• Für die Pfingstfeiertage war wirklich, wie unsere Wetterstation und der Barometer verkündet hatten, prächtiges Wetter eingetreten: es wehte eine erfrischende Luft und war nicht drückend heiß. Selbstverständlich^ wurde die Eisenbahn nach allen Richtungen hin benutzt; besonders am SarnStag war der Verkehr außerordentlich stark. Man hatte dies vorausgesehen, und durch Einstellung von Vor- und Nachzügen konnte die Bahn alle Anforderungen glatt erledigen. Am heutigen „dritten" Feiertag findet im Philosophenwald Konzert unserer Regimentskapelle statt. Das herrliche Wetter ladet auch heute zu Spaziergängen ins Freie jedermann, der die Arbeit ruhen lassen darf, ein.
** Auf der Rad-Rennbahn an der Hardt fand am gestrigen Pfingstmontag nach langer Pause wieder einmal ein großes Rennen statt. Die Beteiligung der Zuschauer war nicht übermäßig groß, obwohl zur festgesetzten Stunde um 31/2 Uhr eine große Menge Gießener über die Lahnbrücke geströmt war. Die Neugierigen verteilten sich größtenteils auf die billigen Stehplätze, und die Tribüne war schlecht besetzt. Obwohl das Rennen einen sehr schönen Verlauf nahm und die Liste der teilnehmenden Fahrer viele bewährte Namen enthielt, hörte man doch allenthalben Aeußerungen, daß der Radsport und die Radrennen sich überlebt hätten. Neugierig harrte man auf das Erscheinen
einer Stunde 50,8 Km. zurücklegte. Seine Ausdauer siegte über die der drei anderen Mitfahrer. Die Motorführung ver- agte gegen Schluß, auch das bereits erwähnte spektakelnde Motorfahrzeug, dessen Führung Vendredi vertrauensvoll dicht hinterher folgte, mußte endlich die Bahn verlassen. Die Schwierigkeit für den Fahrer wuchs danach natürlich ganz außerordentlich, denn der zu überwindende Luftdruck war weit größer. Ein kleiner Unglückssall, den ein Motorfahrer beim Absteigen hatte, indem er seitlich aus der Bahn stürzte, blieb, abgesehen von völlig zerrissenen Hosen, ohne schlimme Folgen. Tas Rennen war erst gegen 7 Uhr beendet. Der Strom der Zuschauer ging wieder zurück nach Gießen, und das Interesse für das sportliche Ereignis, das gestern von keinerlei ähnlichen Veranstaltungen beeinträchtigt worden war, erlosch bei allen, die sich nach der festlichen Pfingstnatur, dem Dust der blühenden Akazien und dem Odem der schönsten Sommerzeit gesehnt hatten. . .
** RuhestörendeHunde. Uns gehen aus unserem Leserkreise Klagen zu über ruhestörende Hunde, die ganze Tage lang jämmerliches Geheul hören lassen und oft nachts die Schläfer stören. Die Einen beschweren sich über einen Hund in einem Hause an der Gr. Mühlgasse, die Anderen über einen solchen in einem Hinterhause der Moltkestraße. Hoffentlich genügen diese Zeilen, um dem Lärm ein Ende zu bereiten.
** Fahrrad-Diebstahl. Bei dem gestrigen Radrennen auf dem Rennplatz an der Hardt wurde einem zu
schauenden Landwirt ein Fahrrad entwendet.
** Butter- und Milchrevisionen. Am Samstag, dem 10. d. M., wurde wiederholt eine polizeiliche Revision in hiesigen G-eschäftsläden bezüglich der in Paketen zum Verkauf abgewogenen Butter vorgenommen. Bei 183 Paketen zu V2 Pfund ergab sich, daß 46 Stück ein Mindergewicht von 5 bis zu 12 Gramm aufwiesen. Verschiedene Verkäufer waren der Meinung, daß die Ware in abgewogenen Paketen schon etwas eintrocknen könne; demgegenüber aber kann und wird der Käufer, wenn er die Waren, und insbesondere Butter, nach Gewicht bezahlt, sein bezahltes Quantum auch verlangen. Es wäre wünschenswert, daß die Polizei in ihrer Tätigkeit von den Käufern durch Nachwiegen der Einkäufe unterstützt würde. — Am zweiten Feiertag wurde mit der Bahn hier angelommene Milch, die als „Vollmilch" verkauft werden sollte, einer polizeilichen Revision unterzogen und als sehr minderwertig befunden. 180 Liter mußten beschlagnahmt werden.
** Selbstrn 0 rd. Heute morgen um 41/4 Uhr fand eine Gendarmeriepatrouille am Rodberge die Leiche eines unbekannten jungen Mannes im Alter von etwa 19 bis 20 Jahren. In der Hand der Leiche fand sich ein Revolver; ein Schuß in die rechte Schläfe hatte den sofortigen Tod herbeigeführt. Es liegt Selbstmord vor. Papiere oder sonstige Merkmale, die auf die Person des Selbstmörders schließen ließen, fanden sich nicht bei der Leiche; die Wäsche ist I. S. gezeichnet. Diejenigen, welche Auskunft über die Person des Gestorbenen zu geben vermögen, werden gebeten, der Kriminalabteilung des Polizeiamts Nachricht zu geben.
** Epilepsie. Heute morgen gegen 7 Uhr verfiel ein hiesiges Dienstmädchen, welches von einer Feiertagsreise zurückkehrte, in der Bahnhofstraße in Krämpfe. Das Mädchen wurde durch einen hinzukommenden Schutzmann in ein Nachbarhaus gebracht, wo es sich bald wieder erholte.
)( Lich, 12. Juni. Das Pfingstfest brachte für unsere Einwohner zwei angenehme Abwechslungen. Gestern nachmittag veranstaltete der Musik verein von Bornheim, der über Münzenberg und Arnsburg einen Ausflug hierher unternommen hatte, mit der Genehmigung des Fürsten ein Jnstrumentalkonzert als Ständchen vor dem fürstlichen Schlosse. Heute morgen wurde unsere Stadt durch eine andere musikalische Festgabe überrascht. Der bekannte Gesangverein Cäcilia hatte einen Pfingstausflug unternommen und ließ als Weckruf einige herrliche Chöre in die noch stillen Straßen und Gassen erschallen. — An der Herrichtung des Denkmals für den Fürsten Ludwig wird eifrig gearbeitet, lieber dem Platze, den das Denkmal zieren soll, ist ein mächtiges Gerüst errichtet, und die Sockelquadern aus rotem Sandstein liegen zur Aufstellung bereit. Auch die in Bronze gegossene, überlebensgroße Figur ist bereits hier, sodaß die Aufstellung in wenigen Tagen vollendet sein wird. Ob die Enthüllung jedoch an dem anfänglich bestimmten Termin, dem 27. Juni, dem Geburtstage Sr. Durchlaucht des Fürsten Karl stattfinden wird, ist noch fraglich. Vielleicht wird mit Rücksicht auf die Heuernte, die viele Bewohner unserer Stadt und der Umgegend von der Beteiligung abhalten würde, der 2. Juli, ein Sonntag, als Enthüllungstag bestimmt.
W. Bad-Nauheim, 12. Juni. Fürst Ferdinand von Bulgarien, der gegenwärtig mehrere unserer Taunusbäder einer Besichtigung unterzieht, traf mit Begleitung heute
Aus Stadt und Land.
Gießen, 13. Juni 1905.
— Das Großherzogliche Paar besuchte, wie uns LuS Darmstadt drahtlich gemeldet wird, am 1. Feiertag vormittags den Festgottesdienst in der Hoskirche und fuhr am 2. Feiertag zum Besuch der Prinzessin Ludwig von Battenberg nach Schloß Heyligenberg, wo die Herrschaften auch übernachteten. Die Rückkehr nach Darmstadt wird, wie uns von dort gemeldet wird, heute abend stattfinden. Die Verlegung deS Hoflagers nach Schloß Wolfsgarten erfolgt im
vormittag auch in Bad-Nauheim ein. Er besuchte daS Kurhaus, machte einen Spaziergang durch den Park und die Anlagen zu den Badehäusern und dem Zanderinstitut von Wilhelm Gabriel. Hier verweilte er längere Zeit und zeigte großes Interesse für die Einrichtung des Instituts. Voraus- 'ichtlich folgt diesem Besuch ein längerer Kuraufenthalt hier.
Bad-Nauheim, 12. Juni. Folgende Unterhaltungen finden in dieser Woche statt: Mittwoch nach, mittags und abends aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Wagner-Konzert. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: „Der Bibliothekar." Donnerstag nachmittag und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle mit Einlagen des Nost'schen Soloquartetts aus Köln. Abends von 8—10 Uhr Tanz. Freitag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theater-Vorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: „Fledermaus". Samstag nachmittag aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Elite-Konzert von Martha Rennert, Hof- Pianistin und Kammervirtuosin, Lili Menar, Konzertsängerin aus Berlin, und Johannes Snoer, erster Harfenist am Theater- und Gewandhausorchester zu Leipzig unter Mitwirkung der Kurkapelle. Sonntag den 18. Juni: Konzert der Kapelle des 2. Rhein. Husaren-Regiments Nr. 9 aus Straßburg. Abends von 8 bis halb 10 Uhr: Symphonie- Konzert der Kurkapelle.
Frankfurt a. M., 11. Juni. Im Keller des Hauses Rhönstraße 95 begoß heute mittag $egen 4 Uhr die 57 Jahre alte Frau des Privatiers C. Reiner ihre Kleider mit Petroleum und setzte sie in Brand. Durch die starke Nauchentwickelung wurden Hausleute aufmerksam. Sie fanden die Frau lichterloh brennend vor. Als die Rettungswache der Münzgasse eintraf, war die Unglückliche tot. Wie gemeldet wird, hat Frau Reiner die Tat in geistiger Störung verübt. Sie war in der vorigen Woche aus einem Sanatorium in Hofheim im Taunus zurückgekehrt; zu Hause wurde sie bewacht; sie benutzte heute nachmittag einige Augenblicke, in denen sie unbeaufsichtigt war, um in den Keller zu flüchten und dort ihr schreckliches Vorhaben aus- zusühren.
Spott.
Berlin, 12. Juni. Am h-utm-n zweiten Zane bet Wrttnnuer Ruderregatta.welcher IN diesem Jahr« der Kaiser wegen des Ablebens deS Fürsten von Hoklenzallern mchl beiwohnte, siegte im K a i s er o irr e r der Mannh Ruderklub vor HellaS-Berlm, Wiking-Berm und BeUmer Ruderklub. Im akademischen Vierer lKaiserpreis, fteg c der a la d e m i s eh e R u d e r k l >. b - B e r l, n vor Arnuma-B-rlm und dem akademischen Ruder- und Ballsvielverem-Hannover. T^n Groben Preis von Berlin im Vierer gewann der Mannheimer Ruder.-ttluo or Hellas-Berlin und dem Soindlersfelder Ruderverem.
Dermiicbtei«
* Heiteres aus der Stadtverordnetenver» sammlung in Heiligenstadt (preuß. Reg.-Bez. Erfurt) wird den Le'ipz. N. N. berichtet. Dort ist es vorgekommen, daß in diesem Jahre während der Tauperiode ein Stadtverordneter int Straßenschmutz stecken geblieben und unter Verlust seiner Gummischuhe in seine Wohnung zurück geflüchtet war, sodaß der Stadtvater an der gerade anberaumten Stadtverordnetensitzung nicht teilnehmen konnte. Bei der jetzt herrschenden Hitze ist der Straßenschlamm verschwunden, jedoch der Straßenstaub ist zeitweise unerträglich. Aus Gründen der Hygiene hat der Magistrat beschlossen, einen Sprengwagen — einen! — anzuschaffen. Die hierauf bezügliche Vorlage wurde denn auch in der letzten Stadtverordnetensitzung von allen Seiten begrüßt und schließlich auch genehmigt. Nur ein Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums, der Tischlermeister Zehrt, sprach gegen die Vorlage. Herr Zehrt entwickelte seine Meinung über Hygiene wie folgt: „Heiligenstadt sei so gesund, daß fast niemand mehr stürbe. Vom Staub hole sich me- mand den Tod, und wenn wirklich mal einer stürbe, so solle man den Mitmenschen doch den Verdienst gönnen. Wenn das mit der Hygiene so fort gehe, wovon sollten denn da die jungen Aerzte leben. Man wolle hier auch noch einen Kehrwagen, auch einen Leichenwagen anschaffen, Straßen bauen re. Wo sollten denn alle die Gelder Herkommen? Man sollte den Bürgern doch die vielen Kosten ersparen." Trotz des Protestes dieses liebenswürdigen Menschenfreundes wurde aber schließlich doch der eine Sprengwagen genehmigt.
* Kleine Tageschronik. Eine Frau de BUr m Fedderwardergroden im Jeverschen wurde im Bett ermordet auigestrnden. Wie es heißt, soll der eigene Gatte ferne Frau getötet haben.
Kunst und Wissenschaft.
— Die „Nordö. Allg. 3tg." schreibt: Der Kaiser besucht- am Freitag nachmittag die M en zel-Ausstellung m oer Kgl. Nationalgalcrie zu Berlin und wurde vom Generaldirekto der Museen v. Schöne, dem Direktor der Galerie v. Tschudi mn. dem Geh. Rat Dr. Schmidt vonl Kultusministerium empfangen, ^e. Majestät brachte der Künst des Altmeisters das lebhafteste JMereye entgegen. Obgleich dem Monarchen das Lebenswerk Menzels m allen Aeußerungen vertraut ist, gab er doch gegenüber dreien Tausenden von Werken sein Erstaunen zum Ausdruck über: me einzigartige Leistungsfähigkeit dieses Großen im Reiche der nünn Der Gedanke wurde mehrmals besprochen, daß nur em s gründendes M enz el-MuseuM das rechte und würdige Denkmal des deutschen Meisters sei. Fast nach drei Stunden verlieh Se. Majestät in hoheni Grade befriedigt die von ihm em- gehendst besichtigte Ausstellung. — Die Erben Menzels stlftetm das letzte der großen Friedrichbilder, einen unvollendet ae bliebenen Entwurf „Friedrichs des (großen AnsMche aN die Generale vor der Schlacht bei Leuthen", das_ 1859 begonnen wurde und als Fragment bis zuletzt in des Künstlers ateli gehangen hat, der Kgl Nativnalgalerie. .
Wien, 12. Juni. Im Festsaale der Unive^itat. wurde heute in Anwesenheit von Vertretern der Staat- und Stadtbelwrden i_e internationale botanische Kongreß, vnf dem reiche fremde Regierungen amtlich vertreten sind, eröffnet. Kongreßmitglieder wurden durch den Präsidenten Hoftat Wiesner, den Ackerbau m mist er Gras Buguoi, den Bürgermeister ^r. g u. a. begrüßt. Der Hauptberatilnigs'gegenftand ist die iresorm der botanischen Nomenklatur. Heute Reinke-Kiel über „Hypothesen, Voraussetzungen und ^rooreme irt Budapest",' 12. Juni. In Lenaus Geburtsorte, der südungarischeii Gemeinde C s a t a d, wurde heute unt £
nähme zahlreicher literarischer Vereine !ms D e n t ™ <>
Dichters feierlich enthüllt. Reichstagsabg. ^anz Herz g h die Festansprache in ungarischer, Universitätsprchessor Gustav Heinrich eine solche in deuycher Sprache. Am Denkmal wurde^ prächtige Kränze niedergelegt, darunter lvlche von der mtg scheu Akademie der Wissenschaften, dem Verem bildender Künstl imd dem Wiener Iournalistenverein „Eoncoroia . _


