Nr. 136
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Dem G tehener Anzeiger werben tm Wechsel mit dem vesfische« Landwirt die 6teB<i<r Familien* Ulttet viermal In der Woche beigelegt.
MotattonSbrucf tL Bering der Brühl 'schen Univerl^Buch-n. Stein» brudmt. Ä. Sange, Redaktion. Brvebtttoe unb Druckerei:
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Vdresie für Devefchen: Änzeiger Gietzen.
FeNisprrchanjchlußNr.öl.
Erstes Blatt.
ISS. Jahrgang
Dienstag 13. Juni 1905
GietzenerAnzeiger
" General-Anzeiger w
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
ds»»-HP»*lSr monaili Ajft 91^ oierte- jübrUch Ml MO; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Mt.8.— viertel« jährt. auSfchl. Bestellg. Tnnobmt wn anjetKi 1t die tr
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Die heutige Yummer umfaßt 8 Seilen.
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Z>er Krieg.
Der FriedkvSruf NooseveltS an Rußland und Japan.
Der Präsident der Bereinigten Staaten hat (vgl. unsere Heutige „Politische Wochenschau") in aller Form die Aufgabe übernommen, die beiden in Ostasien kriegführenden Machte um Einleitung von Friedensverhandlungen zu bitten. Der bedeutungsvolle Schritt, der dem Präsidenten die Sympathie aller Friedensfreunde sichert, erfolgte durch eine Note, deren Text der folgende ist:
,Zch halte die Zeit für gekommen, daß ich mich im Interesse der gesamten Menschheit bemühen muß, wenn möglich diesen schrecklichen und beklagenswerten Kampf zu Ende zu bringen. Die Vereinigten Staaten sind sowohl mit Japan als auch mit Rußland durch Bande der Freundschaft und des gegenseitigen Wohlwollens verbunden und daher für beide interessiert. Der Fortschritt der Welt wird durch den Krieg zwischen zwei großen Völkern gehemmt. Ich bitte die russische wie die japanische Regierung dringend, nicht um ihrer selbst willen, sondern im Interesse der ganzen zivilisierten Welt, in direkte Friedensverhandlungen miteinander einzutreten. Ich schlage vor, daß diese Friedensverhandlungen direkt und ausschließlich zwischen den kriegführenden Ländern geführt werden, mit anderen Worten, daß russische und japanische Bevollmächtigte ohne irgend welche Vermittler zusammen treten, um zu sehen, ob es nicht möglich ist, daß die beiden Mächte sich über die FriedenZbedingungen einigen. Ich bitte die russische und japanische Regierung ernstlich, jetzt einer solchen Zusammenkunft zuzustimmen. Ich bin bereit, alles zu tun, was ich kann, falls die oeiden in Frane kommenden Mächte meine Dienste bei der Vereinbarung oer Präliminarien, was Ort und Zeit betrifft, für nützlich halten; aber auch, wenn diese Präliminarien zwischen den beiden Mächten direkt oder auf anderem Wege vereinbart werden, werde ich hocherfreut sein, denn mein einziger Zweck ist, diese Zusammenkunft zustande zu bringen, welche, wie die ganze zivilisierte Welt von Herzen wünscht, den Frieden herbeiführen möge."
Der ausfallend kräftige und bestimmte Stil in der Kundgebung des Präsidenten der Vereinigten Staaten wird darauf zurückzusühren sein, daß bisher z-artere Versuche unbeteiligter Kabinette, Rußland und Japan sür die Idee des Friedensschlusses zu gewinnen, von den Kriegführenden ziemlich eng begatelle behandelt worden sind.
Die Antwort Japans an Roosevelt lautet t
„Da die kaiserliche Regierung sowohl im Interesse der anzen Welt als auch Japans die Wiederherstellung des Friedens mit Rußland auf Grund von Bedingungen, die seine Dauer durchaus gewährleisten, wünscht, wird sie, dem Vorschläge des Präsidenten Roosevelt folgend, Bevollmächtigte ernennen, welche mit den russischen Bevollmächtigten an einem Ort und zu einer Zeit, die beiden Teilen genehm und gelegen sind, Zusammentreffen sollen, i n die Friede n s b e d i n gu ng e n direkt und ausschließlich zwischen den kriegführenden Mächten zu verhandeln und abzuschließen."
Die russische Antwortnote
auf den Vorschlag des Präsidenten Roosevelt wurde am 12. d. M. dem amerikanischen Botschafter zu Petersburg eingehändigt. Bekannt gegeben wurde sie indes noch nicht. Die ganze politische Tragweite und Wirkung der Aktion Roosevelts wird man also erst ermessen können, wenn auch die russische Antwort im wesentlichen bekannt wird. Die Antwortnote Rußlands wurde bereits nach Washington übermittelt. Man erfährt, daß mich Rußland sich einverstanden erklärt habe, Bevollmächtigte zu ernennen. Es ist noch nicht bekannt, wo die Begegnung der russischen und der japanischen Friedensdelegierten statt- sinden wird; der Ort isb durch Japan zu be stimmen. Als Vertreter Rußlands zur Entgegennahme der japanischen Friedensvorschläge wird wahrscheinlich der Vertreter Rußlands in demjenigen Staate, wo die Begegnung stattfinden wird, ernannt werden. Jedenfalls steht fest, daß die Antworten Rußlands und Japans die Vorschläge des Präsidenten Roosevelt annehmen; beide sprechen dem Präsidenten ihren Dank dafür aus, daß er seine guten Dienste angeboten hat Dem Vernehmen nach hat auch Frankreich von Anfang an die Bestrebungen Roosevelts unterstützt und durch seinen Einfluß auf seinen Verbündeten dah-m gewirkt, daß dieser Roosevelts Vorschlaa annehme.
Vorläufig ist, wie der „Standard" aus Washington erfährt, ein
sechswöchiger Waffenstillstand
zwischen Rußland und Japan vereinbart worden, welcher als schon stillschweigend in Kraft getreten betrachtet wird.
Soweit ist man indessen noch nicht. Nach einer amtlichen Meldung aus Tokio über die Vorgänge in der
Mandschurei vertrieben vielmehr die Japaner noch am Morgen des 9 d M. die Russen von den im Norden von Lrangschusch- wan und Nanchentzu gelegenen Höhenund.besetzten diese Stellungen. An demselben Tage besetzten die Japaner dre Umgegend der nördlich von Chang tu gelegenen Ortschaften Erhschihlipu, Soupangtai und Tunchiatzu.
Linewitsch telegraphierte unter dem 9. d. M.. Bei den Armeen sind keine Veränderungen vorgekommen. Un- sere Abteilungen aus der linken Flanke ruckten bis zur Linie Dagutsiaten—Schinnaozen Touangou Ju- lanzen und Wanhogou vor, wo sie ^uf den W i d er st and des Feindes stießen. Iw Feuergefecht mit den Ja- panern fiel Oberstleutnant Schultschitenro.
Japans Bedingungen
find noch immer nicht bekannt. Gin früheres.Mitglied der Londoner japanischen Gesandtschaft erklärte: Die japanische Regierung verlangt die Räumung der. Mandschurei, was ja der Zweck des Krieges war, weil Japan sich ohne diese Räumung richt gegen zukünftige russische Nanke gesichert fühlt. Was Korea anbetrisft, so werde dieses
jedenfalls der Protektion Japans unterstellt. Niemand denke wohl daran, Japan PortArthur streitig zu machen, weil es diese Festung zweimal erobert hat. Wladiwostok wird, falls der Krieg noch fortgesetzt wird, auch wobl in die Hände der Japaner fallen. Wahrscheinlich wird es bann geschleift werden.. Auch die Besitznahme Sachalins steht fest, da dieses früher Japan gehörte. Uebrigens wollen die Japaner den Reichtum dieser Insel besser als die Russen ausbeuten. Eine Kriegsentschädigung sei unvermeidlich. Jedenfalls werde Japan die Rückzahlung allerKriegskosten verlangen.
Aus verschiedenen bisherigen Aeußerungen dazu berufener Persönlichkeiten scheint bervorzugehen, daß Rußland die Abtretung von Port Arthur, Wladiwostok und Auslieferung der in neutralen Häfen eingebrachten Schiffe annehmen und auch in die Stellung der Mandschurei und Koreas unter japanisches Protektorat willigen werde. Vielleicht würde man sich auch mit Abtretung der Insel Sachalin ab sind en.
Die Stimmung in Japan ist infolge der Rooseveltscheu Aktion die allerbeste. Die Fondsbörse in Tokio zeigt bereits mit dem 9. d. M. lebhaft steigende Tendenz.
Ein russisches Schiff ans der Heimreise.
London, 12. Juni. Nach einer Lloyddepesche aus Singapore berichtet der dort eingetroffene englische Dampfer „Sea-Lion", er sei Samstag in der Malaccestraße einem nach Haufe fahrenden Kreuzer der russischen Freiwilligenflotte begegnet.
ein russischer Schlachtbericht.
General Linewitsch telegraphiert: Laut schriftlichen Berichten der Kommandeure des Kreuzers „Almas" und der Torpedoboote „Großnij" und „Vrawy", einem mündlichen Bericht des Flügeladjutanten Tschagin und Aussagen der Offiziere von „Osljabia" waren die hauptsächlichsten Momente der Schlacht in der Koreastraße folgende:
Am 14. Mai näherte sich das Geschwader morgens in zwei Kolonnen, die Panzerschiffe zur Linken, die Kreuzer zur rechten, zwischen ihnen die Transportschiffe, der östlichen Durchfahrt der Koreastraße. Um 7 Uhr morgens wurde aus der rechten Seite der Kreuzer ,^Fdzumi" gesichtet, in der elften Stunde auf der linken Seite die Kreuzer „Kasagi", „Niitaka", „Tschitose" und „Tschuschima". Zu dieser Zeit ging der „Wladimir Monomach" auf ein Signal auf die rechte Seite der Transportschiffe über und eröffnete das Feuer gegen den „Jdzumi", welcher das Feuer erwiderte und im Nebel verschwand. Um 11.20 Uhr eröffnete die zweite Panzerschiffsabteilung das Feuer gegen die japanischen Kreuzer, wobei bemerkt wurde, daß die „Niitaka" oder die „Tschuschima" getroffen wurde. Die Japaner erwiderten das Feuer, gingen nach links ab und verschwanden im Nebel. Um 11.40 Uhr stellte sich die zweite und dritte, Panzerschiffsabteilung, sowie die Kreuzerabteilung, welche eine Rekognoszierungs-Abteilung ausgesandt hatten, in Kolonne rechts von den Transportschiffen auf und änderten den Kurs nach Nordost. Die erste Panzerschiffabteilung ging auf acht Kabellängen nach rechts ab. Um 1.20 Uhr erschien eine japanische Aufklärungsabteilung, offenbar behufs Vereinigung mit den Hauptkräften. Darauf kamen vier japanische Kreuzer, die Kreuzer „Jakumo", „Nnischin", „Kasuga", „Jwate", „Jdzuma", „Stazuma" und andere, insgesamt 16 Schisse, in Sicht, welche dem 6ieschwader mit Volldampf entgegenkamen. Der Nebel hatte sich etwas verzogen. Das russische Geschwader eröffnete das Feuer, während es seinen Kurs beibehielt. Die Transportschiffe entfernten sich von dem Geschwader auf 15 Kabellängen nach rechts. Die Geschwindigkeit des SkschwaderS betrug 10 KUoten. Der Kampf begann auf ein» Entfernung von 60 bis 70 Kabellängen, welche sich Lis auf 20 verringerte. Der Feind machte in großer Entfernung vor dem russischen Geschwader eine Wendung und ging demselben entgegen.
Das Feuer der Japaner war sehr sicher. Der Gegner überschüttete die russischen Schiffe buch- ftäblich mitGeschossen und konzentrierte sein Feuer, vorzugsweise auf die an der Spitze befindlichen Admiralschiffe. Die japanischen Geschosse zerstörten alles auf Deck und verursachten Brände. Hierauf begann der Donner der schweren Geschütze. Zuerst wurden „Osljabja" und „Knjäs ©futooroto" beschädigt. Die ersten zwei Schüsse der Japaner verursachten bei der „Osljabja" em Leck, durch welches das Wasser so stark eindrang, daß sie sich auf die Seite legte und gegen 3 Uhr kenterte. Bald schied auch der „Knjäs Ssuworow" aus der Schlachtlinie aus, welcher offenbar nicht mehr steuerfähig war, aber abseits liegend doch nicht aufhörte, ein energisches Feuer zu unterhalten. Um diese Zeit ging der am Anfang, des Kampfes verwundete Admiral Roschdjeftwenski mit seinem Stabe auf das Torpedoboot „Buiny" über. Statt des , Knjäs Ssuworow" trat die „Borodino" an die Spitze, welche den Kampf energisch fortsetzte. Gegen 4 Uhr nachmittags verließ der , Ssissoi Weliki" die Schlachtlinie, setzte aber, obwohl er einen großen Brand zu löschen hatte, den Kampf fort und unterstützte die am Ende der Schlachtlinie liegenden Kreuzer, indem er die leichten japanischen Kreuzer beschoß, welche die russischen Transportschiffe und Kreuzer abzuschneiden bemüht waren. Nach Unterdrückung des Brandes nahm er seinen Platz m der Schlachtlinie wieder ein. Das Geschwader manövrierte zur Deckung des Knjäs Ssuworow". Um 5 Uhr wurde auf „Imperator Alexander III." ein heftiger Brand bemerkt, gleichzeitig neigte sich das Schiff auf die Seite. Es schied aus der Schlachtlinie aus, richtete sich aber bald nach der Löschung des Brandes wieder auf und nahm seinen früheren Platz wieder ein. In der achten Stunde gab der Panzer das Signal „in Not".
Gleich zu Beginn der Schlacht hatten sich von dem japa- nffchen Geschwader „Kasumi", „Tschitose", „Nittaka", „Tsu- schima" „Akatsuschima" und „Suma", sowie zwei Kreuzer vom Matsuschima"-Typ abgetrennt, mit der Absicht, die russischen Transportschiffe zu beschießen, unter welchen bei dem Versuch, dem Kreuzfeuer zu entgehen, Verwirrung entstand. Das Feuer der javanischen Kreuzer war auf die Transportschiffe und auf Sswjetlana", „Almas" und „Ural" gerichtet. Letzterer erhielt ein Leck unter der Wasserlinie, verließ die Schlachtordnung mrd setzte Ruderboote aus, als sich die „Sswjetlana" näherte, welche ebenfalls unter der Wasserlinie beschädigt wurde, aber den Kampf fortsetzte Dimitri Donskoi" und „Wladimir Monomach" kamen den Transportschiffen mehrmals zu Hilfe und zwangen feuernd die Japaner sich zu entfernen. Gegen 7 Uhr abends war die Lage folgende: Die russischen Panzer grngen mtt dem
japanischer: Geschwader parallel und feuerten vom rechten Bord, die „Borodino", auf welcher Flammen und Rauch sichtbar waren, an der Spitze. Links von den Panzern gingen, nicht ganz den gleichen Kurs einbaltend, „Oleg", .„Awrora", „Dimittt Donskm und „Wladimir Monomach"' links gingen bte Tro ns po rt schiffe ohne „Kamtschatka", „Ural", „Sswjetlana" und „Almas , links „Schemtchng", ,Zsumrud" und die Torpedoboote. Besondere Beschädigungen waren nicht bemerkbar, nur d:e „Sswjetlana ging mit dem Vorderteil tiefer. Links und hinten waren japanische Kreuzer zweiten und dritten RangeS sichtbar, auch oQ bis 60 Torpedoboote wurden am Horizont gesichtet. .
Um 7.10 Uhr kenterte die „Borodino" und sank m bjeiB nuten. Vor Sonnenuntergang signalisierte die „Nikolai Kurs nordost. Diesen Kurs hielt das Geschwader eine halbe Stunde ein, da wurden vorn neun japanische Torpedobootszerstörer erblickt Die Panzerschiffe lenkten um nach rechts, die Kreuzer gingen! nach links ab. Dem Beispiel des Vorderschiffes „Oleg^ folgend fuhren die russischen Panzerschiffe fort, die japanischen Panzerschiffe und Torpedobootszerstörer, welche sich auf. den Flanken befanden, zu beschießen. Sie bog plötzlich nach links ab, um Anschluß an die russischen Kreuzer zu suchen, von denen „Oleg" unter Admiral Enguist und „Awrora", sowie „SchenttschurL ihren Südkurs fortsetzten, während die übrigen Kreuzer sich abei> mals nordwärts wandten. Bei Eeinbruch der Dunkelheit lie^n! die Japaner die Scheinwerfer in Tätigkeit treten. Die Schlacht spielte sich zwischen fr-n Fnieln Iki und Tllffchima ab. .
—AußHnd in Simm und Drang.
Der Ministerrat hat die Beratung deS Bulyginschen Reform-Entwurfs fortgesetzt. Er lehnte die Wahlen auf ständischer Grundlage ab und sprach sich gegen das allgemeine Stimmrecht und für die Wahlen auf der Grundlage des LandschaftsgeseheS von 1864 auS. Als Wähler sind zugelaffen die Großgrundbesitzer, die Stadtbewohner und die Landbevölkerung. Letztere darf ihre Mandate den Großgrundbesitzern erteilen. Den Blättern zufolge soll die Beratung am 23. Juni abgeschloffen sein und die Volksvertretung im Herbst einberufen werden.
Der in Petersburg bestehende Verband von 15 Vereinen verschiedener GesellschastS- und Berufsklaffen, die sich zu- sammengefchloffen haben, um in dem Kampfe gegen das herrschende Regime mehr Kraft entfalten zu können, als es den einzelnen möglich wäre, hat seine Arbeiten beendet. Der: Verband, dem sich als sechszehnte Gruppe die Vereinigung von Bauern angeschlossen hat, faßte unter anderem einen Beschluß, in dem er im Hinblick darauf, daß zur Zeit keine Hoffnung sei, daß die Regierung aus die Stimme des Volkes höre, empfiehlt, daß jeder tun solle, was in seinen Kräften stehe und was er nach seiner politischen lieber» zeugung für notwendig erachte. Alle gesetzlichen Mittel, so spricht sich die Resolution deS Verbandes auS, müffen nunmehr versucht werden. Indem er sich an die verschiedenen Gesellschaftsklaffen wendet, schlägt der Verband sodann vor, den Versuch zu machen, diejenigen Personen, die sich die Staatsgewalt angemaßt haben, ohne Verzug zu entfernen, an ihrer Stelle eine konstituierende Versammlung einzuberufen, Maßregeln zum Schutz der 93er- bandSmitglieder zu treffen, allgemein zu empfehlen, vor den Gerichten jedes Zeugnis auf Fragen bezüglich deS Verbandes zu verweigern, und endlich für alle Berufe, die dem Verbände angehören, einen allgemeinen politischen Ausstand ins Werk zu setzen.
Die Regierung ernannte eine Kommission, welche Maß- nahmen zur Behebung der in mehreren Gouvernements auS- gebrochenen Hungersnot beraten soll.
Der Wirtschaftsrat deS Gouvernements Charkow erklärte in seiner letzten Sitzung, die Regierung sei vollständig bankerott, und es fehle ihr deshalb daS moralische Recht, die innere wie die äußere Politik Rußlands zu leiten. Der Wirtschaftsrat erachte es für notwendig, sofort eine Volksvertretung einzuberufen.
DaS Aktionskomitee der polnischen Sozialistenpartei veröffentlicht in seinem Organ eine Erklärung, in welcher bekannt gegeben wird, daß die in letzter Zeit vielfach AmtS- und Privatpersonen zugegangenen und angeblich von dem sozialistischen Aktionskomitee unterzeichneten Todesurteile von Betrügern herstammten, welche Geld erpressen wollten. DaS Komitee habe derartige Todesurteile weder verfaßt noch versandt.
In Podolien und im Gouvernement Twer sind wiederum Bauernunruhen auSgebrochen. Ebenso laffen die Meldungen aus Warschau und Kowno den AuSbruch neuer Unruhen befürchten.
Bei den letzten Unruhen in Minsk wurden 30 Personen verletzt. In Eriwan haben Armenier einen Mazedonier ermordet. Die Unruhen wurden mir durch die Drohung, daß die Truppen von den Waffen Gebrauch machen würden, beendet. Die gemeldeten Zusammenstöße zwischen Mohame- danern und Armeniern im Kaukasus verbreiten sich auch Über die ländlichen Distrikte und fordern sehr viele blutige Opfer. Ganze armenische Dörfer wurden von' den Mohamedanern niedergebrannt und die Einwohner hin geschlachtet.
Hleue makokkanische Mordtaten.
Aus Mazagan eingegangene briefliche Meldungen berichten über die Ermord ungdesö st erreichisch-ungarisch en VizekonsulS Madd en, der von Geburt ein Engländer war. Die Mörder drangen, vier an der Zahl, in das Schlafzimmer MaddenS, brachten ihm zahlreiche Dolchstich-


