Es ist da? nach meiner Auffassung ein groncr Segen für ganz Deutschland, für jeden Beruf und Stand. Daher: „Hoch die deutschen Korp?, namentlich unsere liebe Srarkenburgia."
Diesen mit großem Beifall begrüßten Worten folgte die Aufführung der von dem Redner für das Fest, besonders komponierten melodiösen und schwungvollen Festouvertüre durch die Kapelle, welche von dem Komponisten mit Energie selbst dirigiert und jubelnd ausgenommen rottrbe.
Namens der Ehrengäste sprach sodann Kreisrat v. H a h n herzliche DankeSworte, indem auch er ein Hoch auf die Starkenburgia und speziell deren in Heppenheim zur Festesfeier versammelten Mitglieder ausbrachte.
NamenS der Kartellkorps sprach der Vertreter deS ältesten KartcllkorpS Saxo-Bornssia zu Heidelberg, Ehrenmitglied dieses Korps, Oberamtsrichter Freiherr v. Laroche- Starkenfels von Heidelberg.
Er führte aus, was im Leben her einzelnen Menschen, die ! Familie, das seien tm KorpSleben die Kartellbeziehungen - so bestehe namentlich seit langen Jahren ein inniges, unauflösliches । Kartellverhältnis, oere perennius, zwischen seinem Koros und der Ctarfcnbiirgia zu Dießen, an deren Jubelfeier teilnehmen zu können, ihm zu hoher Ehre und großer Freude gereiehe. Sein Hoch galt dem einigen Fortbestehen der ehemaligen Kartellbeziehungen der Starkenburgia, insbesondere des innigen Karkellverliältnisses zwischen der Saxo-Bonlssia zu Heidelberg und der Starkenburgia zu ®iepen.
Nach diesen herzlichen Worten des Vertreters bei Kartellkorps gedachte noch A. H. DivisionZpfarrer Büttel- Schleswig atu 65 jährigen Stiftungstage, welchen, der I ©egenronrt froh und der Zukunft sicher, das Korps heute begehe, der verstorbenen Starkenburger. „Nicht nur der Lebende hat Recht, sondern auch die Toten. Sie haben
Recht, daß ihrer bei frohen Festen gedacht wird. Solche? zu tun, ist wehmutsvolle Pflicht.*
Dem stillen Glas, welches der Redner den verstorbenen Freunden weihte, folgte stimmungsvoll der Trauermarsch I aus Samson von Händel.
Doch bald erlangte die Gegenwart wieder ihr Recht, und es wurde der Festkommers in fröhlichster Stimmung bis zum frühen Morgen durchgeführt. Bis zum Landesvater waren eine Reihe von Damen im Nebensaal anwesend und freuten sich, wie ihre mit Band und Mütze geschmückten Väter, Gatten, Söhne und Brüder bei frohem Sang alte Erinnerungen tauschten.
Ans Stadt nnü Lw'd.
Gießen, 11. August 1905.
•* Kaisermanöver und Eisenbahn. Die Eisenbahnbeamten und Arbeiter derjenigen Strecken, welche nn§ Anlaß der diesjährigen Kaisermanöver stark bean- sprucht werden, erhalten, wie uns mitgetcilt wird, während der Tage vom 1. bis 23. September nur in den dringendsten Fällen Urlaub. Bis zum Beginn der großen Transporte sollen alle Umbauten und Reparaturen aus den Strecken, an Brücken u. s. w. beendet sein, so daß ein Langsamfahren der Züge nirgend? notwendig sein wird. In der Hauptsache werden die Strecken Frankfurt—Gieß en—Kassel, Frankfurt-Berlin, Frankfurt—Homburg, Frankfurt—Koblenz, Frank- furt—Mainz und Frankfurt—Limburg durch Truppentransporte
wird von Herrn Wcinhändler August Schwan zu Gieße,, Wunsch übersandt. . _ . _
** Der Kaninchenzuchtverein von Gießen undUmgegend hat in seiner letzten Generalversammlung beschlossen, am 9. und 10. September d. J§. eine Lokal- Au sstellung mit Verbandsfest des Mitteldeutschen Kaninchenzüchter-Verbandes in Gießen (Schönen Aussicht abzuhalten. Nur Mitglieder sind zum Ausstellen berechtig. Konzert, Tanz und Volksbelustigungen sind in Aussicht genommen. Das Programm wird durch Annoncen und
Jas 65jäKrige Stiftungsfest des Korps Starkenburgia zu Küßen. (Origmal-Bericw des Gießener Anzeigers.)
I.
m. Heppenheim a. d. B., 5. Aug.
Das KorpS Starkenburgia zu Gießen feierte gestern und vorgestern hier am Fuße der Ruine Starkenburg sein 65jähriges Stiftungsfest unter sehr reger Beteiligung seiner ehemaligen und jetzigen Mitglieder, einschließlich der Damen der Alten Herren.
Schon mit den Nachmittagszügen des 7. August waren von Nord und Süd, von Ost und West zahlreiche frühere und jetzige Mitglieder des Korps in dem trauten Heppenheim angekommen. Das GroS der Festteilnehmer aber fuhr nut dem um 7 Uhr 37 Min. von Darmstadt ankommenden Zug in den hiesigen Bahnhof ein, von den Klängen der trefflichen Kapelle des 1. Großh. Hess. Feldartillerie-Regiments (Großh. Artilleriekorps) Nr. 25 begrüßt. Vom Bahnhofe aus zogen ca. 120 Teilnehmer, Musik und fliegende Fahnen voraus, nach dem Gasthaus „Zum halben Mond*, wo das Fest mit einem einfachen Abendessen und einem Glase Wein begann. Während des Essens begrüßte der Alte Herr Forstmeister Ebel-Lorsch namens deS Festausschusses die Festgenossen, indem er zunächst des durch Krankheit leider an der Teilnahme verhinderten Vorsitzenden deSFestausschusses, des Ehrenmitgliedes des Korps, Sanitätsrats Dr. Scharfenberg-Michelstadt i. O., ge-! dachte, ihm recht baldige völlige Genesung wünschend. An seiner Stelle und in seinem Auftrage dankte der Redner für das liebenswürdige und zahlreiche Erscheinen und brachte, guter deutscher Sitte gemäß, das erste Hoch aus auf Seine Majestät den Kaiser, den er nicht nur als Schirmherr des Deiilschen Reiche? feierte, sondern auch als Förderer und Anhänger deS deutschen Korps-Studententums, sowie auf den Landesherrn, den Rektor MagnifizentissirnuS der alma mater Ludoviciana, Se. Kgl. Hoheit den Großherzog.
Dem Essen folgte ein feierlicher Rommers bei einem guten Glase Bier, welchen der 1. Chargierte des Korps, stud. iur. Beck II., Guestphalia-Bonn, mit einer Ansprache eröffnete, in welcher er zunächst die Ehrengäste, speziell den Großh'. Kreisrat v. Hahn, sowie den Großh. Bürgermeister Höhn von Heppenheim, und sodann die erschienenen Vertreter der Kartellkorps und die zahlreichen Alten Herren
den die Freiheilslieder treffend grüßen :
„Bist doch ein ehrlos erbärmlicher Wicht , an Festtagen wie dem heutigen so herrliche Stunden ver c n kommt daher, weil die Korps stets die Ideale wahren, „Juo-ndmut, Manneskrast, Ehrbarkeit*.
e. E m s, 11. Aug. Ein Automobilunfall ereignete sich gestern auf dem Konkordiaberg. Der Chauffeur sollte eine Passagiere erwarten, setzte inzwischen den Motor rn Betrieb, soll aber vergessen haben, zu bremsen und das Triebwerk des Wagens abzustellen, kurz, der Wagen setzte sich so rasch in Bewegung, daß der Chauffeur sich vergebens bemühte, auszuspringen. Der Wagen frityr aus eine Rampe zu, das eiserne Gelander mit in die Tiefe eines Kcller- S-tollenS nehmend, sodaß die Hinterräder an der Rampe hängen blieben. Rur durch ein lveiteres Geländer von der Unsallstelle getrennt, saß eine größere Anzahl Kurgäste, die ihren Nachmittagskaffee schlürften und die mit dem Schrecken davonkamen. Verletzt wurde niemand. Das Auto ist beschädigt. Natürlich fehlten auch die Amateurphoto- graphen nicht, um den seltsamen Fall, das schwebende Automobil, zu verewigen.
und Freunde deS Korps begrüßte. , ,
Die eigentliche Festrede hielt A. H. Schulrat Do sch- Offenbach, welcher u. a. ungefähr Folgendes ausführte:
ig hoch wunderbar, daß wir so fröhlich und selig zusammen' nkcn die fröhliche, goldene Jugend und das graue, verblichene Alter, ein Geist und eine Seele; die alte Schale mir ist fern Wir Alten sehen hier ahbröckelnde Steine einer eilten Burg, wir hören schöne Aeol^harsen der Erinnerung; wir jubeln, tanzen und KL;?®nur im Geiste; der Alte Henschreck wirft seine Veto dazwischen. Wie kommt es nun, daß wir alten und jungen Korpsstudenten im Gegensatz zu so manchem,
Den keine schöne Blume fre»h
Den keines schönen Vogels oang, Kein Freudenlied, kein Fe,erklang, Dem gar nichts mehr das Herz bewegt, Für das das Herz der Fugend schlagt,
Plakate noch bekannt gegeben.
** Zu den Vergiftungsfällen in König i. O. Die unö mitgeteilt wird, ist in König gestern, Donnerstag vormittag, die Leiche der Witwe Büttner in Gegenwart des Oberstaatsanwalts von Hestert aus Darmstadt unb* be» Amtsrichters Hirsch aus Höchst burch bcn Kreisarzt^Dr.. Walger-Erbach seziert worben. Anwesenb waren ferner- btc beiden Königer Aerzte Dr. Zimper und Dr. Bormut, sowie der Gerichtsarzt au5 Hirschhorn. Die Sektion ergab Tod an Herzschwäche, verursacht durch Magen- und Darm- entzündnng. Das Besinden der Erkrankten ist heute im allgemeinen befriedigend, bei einigen ist der Eintritt einer Bauchfellentzündung'nicht unmöglich. Am schlimmsten liegen noch der 19jährige Jakob Körner, der in Darmstadt in Stellung ist unb ein Herr namens August Cron aus Frankfurt a. M. barnieber.
** Für ben Erweiterungsbau der Epilepti» sch en-An stakt in Nieber-Ramstabt ging weiter ein unb wird mit Dank bescheinigt: bei Pfr. D. Schlosser: von Fabr. E. 3 Mk., O. C. W. 2 Mk., Th. L. 3 Mk., Geh. R. B. 10 Mk. Um weitere Gaben wird gebeten.
R. B. Darm stadt, 10. Aug. In der verflossenen Nacht und beute mittag gingen über Darmstadt und Um- gcbnnq teilweise sehr schwere Gewitter nieder. Am Mittag schlug ein starker Blitz in daS Gebäude der Mäd» ch en-Mittel sch ule in der Niktoriastraße, der zum Glück nicht zündete, aber doch viel Aufregung verursachte. Die Kinder der 7. Klasse schrien bei dem urplötzlichen grellen Aufleuchten laut auf und stürzten mitsamt dem Lehrer auf die breiten Steintreppen und in einer anderen Klasse schlug die Tafel hart an die Wand, während der große blaue Funke in die Rohrleitung schoß. In einem hiesigen Bureau siel ein Beamter beim Niedcrfahren des BlitzeS vom Stuhl und trug ein blaues Ange davon; ernsteres Unheil scheint durch die für die Landwirtschaft so heiß ersehnten Gewitter nicht entstanden zu sein! — Im Odenwald gingen stellenweise starke Regengüsse mit Hagel untermischt nieder. In den Orten Kailbach, Gaimühle und Eberbach fand ein schwerer Hagclschlag statt. Taubeneiergroße Hagelkörner bedeckten 10 Zentimeter hoch den Boden. Obst unb Felbfrüchte haben viel Schaden gelitten und in den Ortschaften wurden zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. Die Bäche traten ans ihren Ufern nnd überschwemmten die angrenzenden Felder. Bäume und Telegraphenstangen lagen vielfach umgerissen. lieber die Größe des Schadens ließ sich heute noch kein Ueberblick gewinnen. Jedenfalls ist er sehr bedeutend.
Ausstiche Neuigkeiten.
In Petersburg zirkulieren Gerüchte, daß Trepow zum Minister des Innern und Stadthauptmann Dedjalin zum Generalgouvcrneur ernannt werden soll.
In Warschau wurde der Ches der mechanischen Llvteilung der Weichseleisenbahn, Meier, überfallen und getötet. Der Täter ist entkommen. Ferner wurden 3 Polizisten und ein Kellner durch Rcvolverschüssc schwer verletzt; der unbekannte Töter ist entflohen. Nach Meldungen aus der Provmz Polen wurden zu gleicher Zeit bewaffnete Nebers alle au T vier Kreis-Staatskassen verübt. In Opatow wurden 20000 Rubel geraubt und zwei Kassenwächter ermordet und! sechs andere Personen schwer verletzt. In Lubartow wurde derj Kassierer verwundet. Hier gelang es, einen der Töter SU verhaften Eine Bombe wurde in das Kreisamtsgebaude geschleudert und etwa 100 Fensterscheiben zertrümmert. In Wlodawa wurde ein Kassenbeamter verwundet. In allen Kreisstädten herrscht Panik. In der Kreisstadt Biala ist eine große Feuersbrunst aus- gebrochen^o^dnh im Kaukasus überfielen Räuber eine Gesellschaft von Touristen. Sie töteten den Führer der Gesellschaft und verwundeten einen Studenten sowie eine ivrau. Die übrigen Touristen wurden in die Ber--e geschleppt und sollen erst nach Zahlung eines größeren Lösegeldes wieder freigelassen werden.
Das Urteil gegen den Mörder des Moskauer Generalgouverneurs Grasen Schuwalow wird noch nicht vollstreckt werden, da gegen Kulikowski noch 'ein Prozeß wegen eines politischen Vcr- breck>ens im Gange ist. Der zum Tode verurteilte wird erst in diesem Prozeß abgeurteilt und erst, nacktem er die zu erwartende Strafe verbüßt hat, hingerichtet werden.
Wegen massenhafter Ueberschreitung der rumönischen Grenze durch jüdische Flüchtlinge aus Rußland hat die Regierung zu Bukarest Befehl erlassen, daß die Grenze bis auf Weitere# für alle Flüchtigen aesverr,t bleiben müße.
sich ent ganzes Heer von Photographen auf ihn, die von dem Augenblick ab, da er in Ncwyork gelandet war, Jagd aus ihn machten unb nun eine besonders günstige Gelegenheit gefunden zu haben glaubten. Die „Kamerateusel" folgten dem rüsti- schen Delegierten mit der Bahn nach Oyster Bat), und ständig mußte das arme Opfer in unmittelbarer Nähe das Klappen der Apparate hören. Wahrend ihn her Wagen des Präsidenten in dessen Haus führte, bekla't? sich Witte nachträglich bei dem Detektiv, der neben bem Kutscher saß. und da ihm dieser wohl nicht genügend Abhilfe versprechen konnte, wandte cr^ndidirekl an Roosevelt und erklärte, seine Geduld wäre erschöpft' er wolle Ruhe vor den ,.Knipsern" haben. Der Präsident konnte indessen auch weiter nichts tun, als daß er die Photographen bitten | ließ, sie möchten doch endlich von ihrer Fehde gegen bcn unschuldigen Witte ablassen. Am meisten hatte es ihn gekränkt, wie er erklärte, daß ein Photograph sogar in seinen elektrischen Wagen geklettert war, roährcnb er sich zu dem Gottesdienst in der russischen Kirche begeben hatte. Ein wenig tröstete er sich, als em Junge, der hoch oben auf einem Baum saß, dem voruberTahren- den Witte zurief: „Drei Hochs für Witte", und eine große Menge dieser Aufforderung Folge leistete. Witte lachte, nahm den Hut ab und grüßte die Menge freundlich; aber bald mutzte er wieder bemerken, daß eine ganze Schar von Photographen m Miet- droschken ihm nachsel-.te. Er konnte sich augenscheinlich nicht entschließen, die Sache von ihrer spaßhaften Seite zu nehmen, W eS jüngst der Schah von Persien in Ostende getan hat, nachdem er sich auch genügend über die Zudringlichkeit der Berus-^- und Amateurphotographen geärgert hatte. Als er gerade rtneber öon einer ganzen Schar belagert wurde, nahm er emen günstigen Augenblick wahr, um seinerseits die Maulaffen, zu photogra- pbieren, und er hatte die Genugtuung, daß sie nicht gerade mit ihren geistreichsten Gesi^ttrn am s"in" Matte gekommen waren.
Aeriülslaal.
(n) Gießen, 10. Aug. Don der Strafkammer wurde heute ein Urteil deS Schöffengerichts Grünberg teilweise abgeändert Einige iunac Burschen von Grünberg belästigten an der dortigen Station einige im Wartesaal befindliche Frauen durch unanständige Redensarten. Der diensttuende Stattons» Assistent forderte sie auf, da sie keine Fahrkarten hatten, dm Wartesaal zu verlassen. Als sie sich weigerten, wurden sic nut Gewalt hinauSbesördert. Hierbei gab der Dienstkneck't Ludwig 5t. dem Beamten mit der Faust einen Stoß unter das Kinn, daß er die Brille verlor und ihm die Mütze vom Köpfe flog. Bor bem Stationsgebäude nahm er einen Backstein um nach dem Beamten zu werfen, wurde aber von einem dazwischen tretenden Weichensteller daran gehindert. Der Taglöhner Johannes W. rief nun K. zu, er möge ihm „auf-3 Äug' hauen". Weitere Ausschreitungen wurdm durch das Hinzutreten mehrerer Beamter vermieden. Auf Strafantrag der Ciseubahnbehörde wurde K. durch das Schöffengericht wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt, Beleidigung, Bedrohung und H a u Sf r ie de nSbru chs zu einer Gesamtstrafe von 2 Wochen unb 3 Tagen Gefängnis verurteilt. Wegen des groben Unfugs, der in dem Belästiaen bc5 Publikums erblickt wurde, erhielt er eine Woche Hast. W. wurde zu einer Woche Gefängnis und 20 Mark Geldstrafe, verurteilt, während der Metzger, Heinrich R., der sich nur an dem Belästigen der Frauen beteiligt hatte, mit einer Geldstrafe durchkam. ft1, und W. fochten daS Urteil an; nud) die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein. Indem das Berufungsgericht, entgegen der Annahme des Schöffengerichts, in dem Verhalten der Angeklagten eineii gemeiiischasttichen Hausfriedensbruch erblickte, erhöhte es die Strafe deS K. auf 4 Wochen Gefängnis. Die Haststrafe von einer Woche wegen des groben Unfugs, der bei den andern mit einer Geldstrafe geahndet wurde, schien dem Gericht zu hoch, weshalb sie auf 3 Tage herabgesetzt wurde. Die Berufung des W., der unentschuldigt auSblieb, wurde verworfen. — Der HauSbursche Franz B. von Bruchenbrücken hatte auf einer Eisenb^hnfahrt dem Gymnasiasten Weith von Nieder-Wöllstadt ohne Veranlassung einige Ohrfeigen ge» gt&tn. Auf Anzeige des Vaters verurteilte ihn daS Schöffen- grriefit zu 30 Mark Geldstrafe. Er focht daS Urteil an, aber daS Berufungsgericht bestätigte eS, indem eS hervorhob, daß das reisende Publikum, insbesondere jugendliche Personen, des Schutze- bedürfen. — Der Wirt Hermann H. und Fräulein D. hier hatten sich gegenseitig wegen Beleidigung verklagt. , Das Schöffengericht hielt beide für schuldig, ließ sie aber straffrei au?» gehen. Mf Berufung deS F-räulein W. erfolgte heute ihre Freisprechung, während daS Urteil im übrigen bestehen blieb. — Der Schreinermeister Friedrich Sch. von Groß-Felda hatte den Sattlermeister Louis B. wegen Beleidigung berflogt, weil er ihm nachgesagt hatte, daß er die goldene Medaille auf der ErsinderauSstellung durch Schwindel erhalten Hobe; diese sei ihm nicht verkannt worden, da er überhaupt nicht ausgestellt habe. Darüber erregt, ließ sich Sch. zu einer beleidigenden Aeußerung hinrcißen, die eine Gegenklage zur Folge hatte. Durch daS Schöffengericht wurde V. zu 60 Mark Geldstrafe, und Sck.
stark belastet.
** Huddes Begnadigungsgesuch abschläglich beschicden. Der Raubmörder Hudde, der am 12. November ; vorigen Jahres den Pfarrer Thöbes in Heldenbergen er- । morbetc, hatte durch seinen Verteidiger ein Gnadengesuch an den Großherzog richten lassen. Anstelle des beurlaubten ; Justizministers hielt, so wird uns aus Darmstadt be- - richtet, am Mittwoch Geheimrat Pückel dem Fürsten einen längeren Vortrag über die Angelegenheit. . Der Großherzog entschloß sich, dem Gnadengesuch keine Folge zu geben. Damit ist das Schicksal Huddes besiegelt.
** Eine Kollision zwischen einem Fahrrad und einem Sagen sand gestern nachmittag in der Rod- heimerstraße statt. Der Radfahrer stürzte zu Boden, trug I aber zum Glück nur einige leichte Verletzungen davon. Sein Rad wurde beschädigt. Für den Wagen und die Pferde hatte der Zusammenstoß weiter keine Folgen.
** U n 1 e r s ch l a g u n g. Wegen Unterschlagung von 400 Mark wurde gestern ein'junger'Mann von hier zur Anzeige gebracht. Er hatte das Geld für eine Firma, bei der er in Arbeit gestanden hatte, eingenommen, aber für sich behalten und für sich verwendet.
** Diebstahl. Aus einem Hause der Marburger» straße wurde vorgestern eine Uhr gestohlen. Der Täter wurde in der Person eines 12jährigen Burschen ermittelt, welcher mit Gcniüse im Hause hausiert hatte und bei dieser Gelegenheit die Uhr aus>cm Küchenschrank stahl. Die Uhr fand sich bei ihm vor. —Gegen einige Personen wurde Anzeige wegen Diebstahls erhoben, weil sie sich aus dem Schutt der Elsoffer'schen Brandstelle Porzellanteller aneigneten und nach ihren Wohnungen brachten.
** Herbst-Pfcrdcmarkt zu Gießen. Am 6. Sept, findet zu Gießen Pferdernarkt mit Prämiierung statt. Die letzten Märkte waren durchschnittlich mit etwa 300 Pferden befahren und
Händlern und Landwirten sehr gut besucht. ES wurden recht bedeutende Käufe abgeschlossen. Auch für diesen Herbst fW em guter Markt zu erwarten. Für die Prämiierung der Pferde Neben 1670 Mark zur Verfügung. Die Präniiierungskommnfion besieht aus den Herren Gutspächter Müller-Neuhof bei Gießen, Vorsitzender deS Lanoespferdezuchtvereins, Gutspächter Brne-Hof- Altenberg bei Wetzlar, Oekonomierat Hoffnawn-Hofgüll, schlacht' I Hofdirektor Dr. Liebe-Gießen, OberstleuMant Zalm-Gießen An Preisen sind die folgenden vorgesehen: 1. ?lbtcilung: Relt- pf»rbr: 30 unb 20 Mk. 2. Steilung: Dagenschläge (paarweise : 90, 60 und 40 Mk. 3. Weitung: ArbeitStckilage (Pnarweise): a) schwere: 80, 60 unb 40 Mk., fr leichte: 60, 40 unb 20 Mk. 4. Abteilung: ArbeitSschläge (einzeln) a) fettere: 30, 20, lo und 10 Mk., fr leichte: 30, 20, 15 und 10 Mk. 5. Abteilung: Arbeitsschläge: (diese Pferde müssen mindeftens 6 Monate im > Besitz von Landwirten sein, die Mitglied des hessuchen Landes- ' pferdezuchlvercins oder eine? landwirtschaftlichen DezirksveremS ? finb) a) einzelne Pferde: 30, 20 und 10 Mk.. fr Vaarweise: < 50, 80 unb 20 Mk. 6. ylbtciluna: Dreijährige Fohlen: a) Wa» gexfrfilnge: 40, 30, 20 unb 10 Mk., fr ArbettSschlage: 40, 30, 20 und 10 Mk 7. Stellung: Zwei,ährige Fohlen: a) Wagenschläge: 30, 20 , 20 und 10 Mk. fr ArbeitSschläge: 30, 20, tO "imb 10 Mk. 8. Abtellun«: Zuchtstuten mit F»hlen oder I nachweislich gedeckt. (Prämien für inländische Züchter, welche
Mitglied be» L«ndeSpserderuchtvereinS sind.) a) Wagenschlage: 1 po 50, 30, 20, 15 und 10 Mk., fr ArHeitSschläge: 60, 50, SO' 20 15 und 10 Mk. Zn den ?lbt:ilungen 1 biS 4 werden für im Privalbffitz befindliche Pferde, die niefrt um Gelbreife ronT;irricr-'U, Ehrenpreise gegeben. In ben Erbteilungen _, 3 unb 4 werden nur Pferde im Besitz von Händlern zugelaflen. Trr PrilmiiemngSplan, welcher die näheren Bedingungen enthält,


