Ausgabe 
11.8.1905 Erstes Blatt
 
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Freitag 11. August 1905

Erstes Blatt

Die Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten-

Worte des größten Tragikers des Altertums ein, die

Verse

des

Heute früh gegen 1/29 Uhr traf ihn der Schlag­

gangen.

155. Jahrgang

Nr. 187

«eene außer bann lag-.

Den, (Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem »elfischen Landwirt d'e Liefiener vainillen« fcÄttCT otermm m der Woche beigelegL fltotoMnflbrud u. Ver lag der Krühl 'schen Uamers.-Buch-u. Stein» bruderti. «- 8a"0<. IFebaftUm fcrrebtttoti

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Gestern abend, so wird uns mitgeteilt, war Geheimrat Duden noch wohl und munter zu einer Gesellschaft ausge-

GietzenerAmeiger

M General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

jüngerer Bruder Au,gust, der wie Wilhelm Universitäts­professor ist. Seit vielen Jahren wirkt dieser als ein be­kannter und geschätzter Nationalökonom an der Universität der schweizerischen Bundeshauptstadt Bern. Ihm aber schließen sich auch zahlreiche deutsche, die Wissenschaft pflegenden Vereine mit der Millionenzahl ihrer Mitglieder an. Denn W.^Onckeu galt in ganz Deutschland als einer der vortrefflichsten VortragZredner, und in den vielen, vielen Vereinen, die dem deutschen Vortragsverbande an- gehörten, besaß er, man kann wohl ohne Uebertreibung sagen: in allen deutschen Städten von einiger Bedeutung ferne besonderen Verehrer, die keinen seiner trefflichen Vor­träge in ihrer Stadt versäumten und, die sich noch nach dem Vortrage zu so gemütlicher als geistreicher Plauderei, in der er auch ein Meister war, versammelten.

So ist denn die Zahl der um ihn Trauernden, nimmt man noch die große Menge seiner akadem. Hörer während seiner laugen und überaus ersprießlichen Dozcntentätigkeit hinzu, Legion. Besonders unvergeßlich aber wird er allen denen bleiben, die Gelegenheit hatten, ihm als Mensch näher zu treten. Oncken war im Grunde seines Herzens ein Manu von großer Weichheit und Güte, von Edelmut und Hochsinn.

Vor der Zeit ist er aus diesem Leben abberufen worden. Mer er hat doch, nach schwerer Krankheit in seinen besten Mannes^ahren, die er jedoch vollkommen überwunden hatte, sodaß er bis zu den letzten Jahren einer der fleißigsten Gießener Schwimmer bleiben konnte, die rechte Lebens­freude besessen. Mit heißem Danke gegenüber dem Schöpfer für ein tatenreiches und verdienstvolles Leben hat er die Sonne über sich leuchten sehen, hat er die Früchte der Erde gekostet, und am §er§en seiner treuen Gattin ist er ent­schlafen. Wer hat meh : gehabt und muß nicht sagen: Das Mehr war vom Uebel!

Uns fallen angesichts des Verschiedenen die schönen

monathd) 75 viertel-

jährlich Mk. 8.20; burch Abhole. u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.viertel- fährl. ousschl. Beslellg. vmahme om Anzet'M \x die 1c nintaniet 'S Domittiql JcJit,

Zc 'erntet«:

auswärts rti ,3'j.

Ve»antreoitl h'ff den polit und (- u teil; P. Wittto; für .Stadt und Canb* und -DetichtSlaal*. August Goetz; mr den An- zeiaentetl HanS Beck

Wilhelm Anckcn i*.

Heute, am Morgen deS 11. August, ist Wilhelm Ducken, der weit über Deutschlands Grenzen hinatis bekannte und hochgeschätzte Historiker der hessischen Landesuniversität, ge­storben.

Mit seiner Witwe und seinen beiden Töchtern werden Hunderte und Aberhunderte, die in Stunden hingebender Be­geisterung für die allzeit atifwärts führenden Wandelgänge neuester deutscher Geschichte dem ungewöhnlich beredten Munde dieses trefflichen deutschen Geschichtsschreibers und warm­herzigen, von lodernder Liebe zum Vaterlande beseelten echten Patrioten andachtsvoll lauschten, den Tod Dnckens aufrichtig betrauern. Er verstand es wahrlich wie wenige das Feuer der Vaterlandsliebe in den Herzen feiner Hörer, jung und alt, zu schüren, begeisternde Liebe und innige Verehrung zu säen für die großen Helden deutscher Nation. Glänzend, elegant, blendend oft war seiner Rede Fluß, von mit­reißendem Enthusiasmus sein Temperament, glühend seine Verehrung Wilhelms I und Bismarcks. Und Schillers. Auch ihn, den größten deutschen Dramatiker, in besten 100. Todes­jahr nun ihn der Tod vor der Zeit erreichen mußte, hat er geliebt und verehrt mitder ganzen außerordentlichen Auf­nahmefähigkeit seines stets begeisterungsfrohen Herzens. Von ihm hatte er das ungemein plastisch Anschauliche, die große Lebendigkeit, das Feurige deS Vortrags, und schillerisch war auch sein stets aufs Hohe, aufs Erhabene, aufs Schöne und Edle gerichteter Sinn.

Vor jetzt genau 40 Jahren, im Jahre 1865, trat er zuerst mit einem größeren historischen Werke vor das gelehrte und gebildete deutsche Publikum. Es führte den TitelAthen und Hellas". Im Jahre darauf folgte ein zweiter Band. !Jm Jahre 1862, seinem Heidelberger HabilitationSjahre, hatte er eine Schrift über »JsokrateS und Athen" veröffentlicht. 187075 folgte die zweiteilige »Staatslehre beS Aristoteles", 187679 das gleichfalls zweibändige Werk »Oesterreich und Preußen im Befreiungskriege", 188182 das ebenfalls zwei­teilige »Zeitalter Friedrichs des Großen", ein Werk an­nähernd ebenbürtig dem gewaltigen LebenSwerke des großen friedericianischen Malers Adolf v. Menzel. Sein am weitesten verbreitetes Werk aber, daS in Tausenden deutscher Hände al§ ein wertvoller und teurer Hausschatz gehütet wird, ist daS 189092 erschienene zweiteilige »Zeitalter des Kaisers Wilhelm", ein Buch, in dem seine ganze kerndeutsche Seele, sein ganzer, tiefwurzelnder heiliger Glaube an den deutschen Kaiser Barba -blanca und seinen übergroßen Kanzler quillt und auS dem sie sich auf den empfindungsvollen Leser mit wohl­tuender Wärme ergießt. Die letzten drei Werke sind übrigens Bestandteile der von ihm unter Mitwirkung von 30 anderen hervorragenden Historikern herauSgegebenen vielbändigen »All­gemeinen Geschichte in Einzeldarstellungen", die von der Grote'schen Verlagsbuchhandlung in Berlin glänzend aus» gestattet worden ist und mit Recht großen Ruf besitzt. Nahezu ebenso beliebt und viel gelesen ist die schöne Monographie »Unser Heldenkaiser" (1897). 1901 erschien

endlich eine Schrift über die Wartburg.

Ducken war ein Sohn Alt-HeidelbergS. Die schönste deutsche Universitätsstadt mit ihren altertümlichen reizenden Straßen und Plätzen, den benachbarten grünen Bergen und tiefen Schluchten, und vor allem mit der herrlichsten und poesie­vollsten deutschen Ruine, sah ihn, den früh von heißem Streben Beseelten, aufwachsen, und der unvergleichlichen Poesie seiner Heimat verdankte Dncken vieles. Dort wurde er anno 1866 außerordentl. Professor. Seit dem großen Kriegsjahre aber, seit 1870, wirkte er ander Hess. Landes- Universität. Ihr ist er bis zu seinem Tode treu ge­blieben, von Gießen aus hat sich sein Ruhm über die Welt verbreitet. Hat doch noch jüngst der ehemalige amerikanische Botschafter in Berlin, Andrew D. White, in seinen Lebenserinnerungen W. Oncken seinen Landsleuten vorgeführt als einen der vorzüglichsten deutschen Universi­tätslehrer und einen Gelehrten, der es wie sehr verstanden hgt, den freien Vortrag wahrhaft künstlerisch zu gestalten.

Hier in Gießen ist er wahrhaft heimisch gewesen. Aus eigenem Grund und Boden hat er hier gesessen in einem stattlichen Hause, und in seinem prachtvollen großen Garten an der Wieseck konnte man noch in den letzten Tagen den vortrefflichen Gelehrten mit dem schönen Greisenkops lustwandeln oder dem Studium hingegeben sehen.

Nicht nur die Hess. Landesuniversität, sondern auch die Stadt Gießen erleidet mit dem Tode Onckens einen überaus schweren, unersetzlichen Verlust. In Gießens Vereinsleben spielte er in früheren Jabrcn eine führende Rolle, und Vorsitzender der vornehmsten Gießener Musikvereine ist er bis zu seinen letzten Tagen gewesen. Allzeit ist er ein sehr eifriger Verehrer der Musik gewesen, mtb den Konzerten des von ihm seit vielen Jahren geleiteten Akad. Gesangvereins hat er bis zuletzt mit Fleiß und Hingebung mitaesungen. _ ,

Auch als Politiker ist Oncken in den 70er Jahren yervorgetreten. Von 1873-76 vertrat er unsere Stadt. in der zweiten Hess. Kammer, von 187477 den 3. feff. SW* kreis im Reichstage. Er ist bis zu seinem Dahinscheiden ein eifriger und im innersten überzeugter Anhänger des Nationalliberalismus gewesen.

Zu den Leidtragenden gehört auch fein sechs Fahre

Gleise benutzten." DieTageszig." macht die ziemlich selbst­verständliche Bemerkung, es gehe denn doch nicht an, alle eingleisige Strecken in zweigleisige umzuwandeln. Nur dann werde eine solche Umwandlung geraten und geboten erscheinen, wenn der Verkehr allzu stark fei. Soweit die Tagesztg", die dem Leiter des Eisenbahnwesens ihr Ver­trauen ausspricht. Als ob es sich um Vertrauen oder Nicht­vertrauen handelte! Der Verkehrsminister in Berlin ist nicht absoluter Herr des preuß.-hess. Eisenbahnressorts: Der n-eußische Finanzminister greift nach den Ueberschüssen der Staatsbahnen, nicht weniger wie 473 Millionen im vorigen Jahr, und will der Vcrkehrsminister reformieren, bann geschieht es leicht, daß der Finanzminister sein Veto einlegt. Also die Öffentlichkeit stärkt die Position des Eisenbahn- ministers gegenüber dem Kollegen von der Finanz, wenn te mit aller Entschiedenheit darauf bringt, daß so furcht­bare Lehren wie die jetzt empfangene nicht ungenützt bleiben. Daß die in Betracht kommende Strecke zeitweilig bis aufs äußerste in Anspruch genommen ist, besagt eine Zuschrift an dieNationalztg." DieNationalztg." erinnert ihrer- eits daran, daß bereits im Jahre 1891 für den größeren Teil der Strecke BerlinGörlitz die Legung des zweiten Gleises in Aussicht genommen war.Und die Betriebs­sicherheit", fährt das Blatt fort,die unseres Erachtens bei den Kreditfordernngen der Babnverwalvina ebenso mit­bestimmend fein soll, wie die Leistungsfähigkeit, hat den Ausbau jedenfalls schon gefordert, als die Strecke von Preußen übernommen wurde." Bereits wird in der Presse eine Anzahl viel befahrener Strecken aufgeführt, die,eben­falls eingleisig sind. Durch alles dies uno die Diskussionen im Reichstag und im preuß. Landtag wird die Eisenbahn­verwaltung veranlaßt werden, den Satz von der Betriebs­sicherheit eingleisiger, verkehrsreicher Strecken einer Nach­prüfung zu unterziehen.

Zur Frage der Entschädigung der Verunglückten und Geschädigten bemerkt dieNordd. Allg. Ztg.", oaß die Eisenbahndirektion in der Lage ist, aus den ihr zur Ver­fügung stehenden Fonds Vorschüsse auf Entschädigungs- forGerungen zu leisten und den zu Schaden gekommenen Beamten oder ihren Hinterbliebenen Unterstützungen zu bewilligen.

TerSpremb. Dnz." meldet: Der der Schuld an dem Eisenbahnunglück bezichtigte Bahnassistent Stulljüß ist auf Anordnung des Untersuchungsrichters verhaftet worden.

Das Versehen, welches das Unglück verursachte, soll um so größer fein, als entgegen anderen Meldungen der Nach­zug 112 kein außerfahrplanmäßiger war. Der Zug 112 verkehrt seit dem 1. August wie alljährlich zur Ferienzeit täglich, und so mußte das Fehlen dieses Zuges auf dem Bahnhof Spremberg unbedingt auffallen. Es_ war also die Möglichkeit vorhanden, daß der Zug 112 infolge eines Unfalles liegen geblieben war oder eine besonders starke Verspätung erlitten hätte. Unter allen Umständen mußte nach d em Verbleib des Zuges geforscht werden, bevor der Sckmellzug 113 von Spremberg z"r Ablassung kam.

anfall, der ihm einen augenblicklichen, schmerzlosen Tob brachte. Seine Gattin weilte bei ihm. Geheimrat Oncken besitzt zwei Töchter; bie eine, bie bekannte Malerin, lebt hier, bie anbere, in Mainz verheiratet, beren Kinder zurzeit hier zum Besuche sinb, wirb bie traurige Nachricht in ber Schwei; entgegennehmen müffen.

*

Geheimer Hofrat Professor Dr. Christian Friedrich Georg Wilhelm Oncken wurde am 19. Juli 1838 zu Heidelberg ge­boren. Von Herbst 1856 bis Ostern 1862 studierte er klassische Philologie und Geschichte, Germanistik, Philosophie in Heidelberg, Göttingen und Berlin. Am 25. April 1860 promovierte er bei der philosophischen Fakultät in Heidelberg. Im April 1862 habi­litierte er sich für Philologie und Geschichte an der Universität Heidelberg. Er verheiratete sich am 7. Cftober 1865 mit Her­mine Henriette geb. Lewald, Tochter des verstorbenen Kirchen­rates und ordentlichen Professors Der Theologie (Kirchengeschichte^ Dr. Anton Lewald in Heidelberg. Am 12. Januar 1866 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor und am 8. Ja­nuar 1870 seine Derusimg als ordentlicher Professor für Ge­schichte an bie Hess. Landesuniversität. Am 23. Januar 1873 lehnte er einen Ruf nach Königsberg ab. Am 23. Juni 1873 wurde er einstimmig zum Abgeordneten ber Stadt Gießen für die 2. Kammer ber Stände gewählt. Am 10. Januar 1874 erfolgte seine Wahl in den Reichstag für den Wahlkreis Alsfeld-Lauterbach-Schotten mit 8143 Stimmen. Im Jahre 1877/78 war er Rektor ber Landesuniversität. Dom 2. bis /4. Juli 1886 vertrat er die Landesuniversität beim Jubiläum des Polytechnikums (techn. Hochschule) in Darmstadt, und vom 2. bis 8. August 1886 war er Ehrengast beim 500 lähmgen Jubi­läum ber Universität Heibelberg. Am 12. September ^889 wurde er zum Geheimen Hofmt ernannt; im Wintersemester 1890/91 hörte der bamalige E r b g r o ß h e r z o g , unser jetziger Landesherr, an der Spike ber Studierenden feine Vorlesung über daS Zeit­alter der Revolution, des Kaiserreichs und der BeftemngS- kriege. Am 25. November 1900 wurde ihm das Ebrenkreuz deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen und am 25. November 1904 das Kvmturkreu; 2 Klasse verliehen^__

Die Kisenbahnkatalirspfie Sei Spremberg.

An ber gestern von unS wiedergegebenen, durch die Nordd. Allg. Ztg." erfolgten Darlegung der Eisenbahn- Verwaltung zu dem Eisenbahnunglück wird von fast allen Seiten eine nicht günstige Kritik geübt Die Erklärung der Verwaltung über die Sicherheit der eingleisigen Strecken vorausgesetzt, daß die Vorschriften genaue Befolgung finden begegnet lebhaftem Wider­spruch Das Laienpublikum konnte vielleicht bet der Frage, ob ein ober zwei Gleise nur vom Standpunkt ber LeistungS- fähigkeit, nicht ber Betriebssicherheit, in Betracht kommen, als nicht sachverstänbig von der Erörterung ausgeschlossen werden. Nun aber melden sich Männer der Praxis, Tech­niker, zum Wort und sie geben der Laienmeinung Recht, daß zwei Meise auf Strecken mit starkem Verkehr aus Gründen ber Betriebssicherheit unbedingt den Vorzug ver- bienen.Keine offiziöse und Feine offizielle Dialektik so schreibt bieVoss. Ztg.",schafft bie Tatsache aus ber Welt daß ber Zusammenstoß der beiden Zuge auf ber Unfallstelle unmöglich gewesen wäre, wenn sie nicht auf einem unb ! demselben Gleis zu fahren brauchten, sondern verschiedene

Per Lrieg.

Vom Kriegsschauplätze.

Tokio, TO. Aug. Vizeadmiral Katacka meldet, daß er ein Geschwader nach Kamtschatka und ein anderes nach Ochotsk gesandt habe. Beide Ostschwader seien jetzt mit der Ausführung ber Operatimisziele beschäftigt.

Die Friedensdelegatiou.

Newcastle, 10. Aug. Baron Komura besuchte gestern nachmittag den Minister Witte, um ihm seine Vollmachten zu zeigen. An den Konferenzen nehmen nach gemeinsamer Verein- > barung teil: Witte und Rosen, Kvmura und Takahira, ferner Plankon, Nobokhoff, Korostovetz, Sato Ptchiai und Deitohi, also je fünf Russen und fünf Japaner.

Portsmouth (New-Hampshire), 10. Aug. (Reuter.) Im Verlaufe verschiedener Privatgespräche äußerte Witte, daß er der Zahlung einer Kriegsentschädigung energischen W\- derstand entgegensetze. Berichte aus japanischen Kreisen be­sagen aber, daß auch die mildesten Bedingungen eine Entschädigung für die ungefähre Kriegslasten Japans enthielten, welche auf 600 bis 800 M illionen Dollars geschätzt wer­den. Dies zeigt einen weiten, wenn nichtunüberdrück- baren Unterschied zwischen den Parteien. Es ist iebodji möglich, daß Rußland sich zu Kompensationen verstehen würde, zum Beispiel dafür, daß die Japaner auf den Besitz Sa­chalins verzichten würden, dessen Besitz ihnen die Herr­schaft Über die gesamte sibirische Küste sichern würde.

Paris, 10. Aug. Die gestrige ersteVersammlungder Friedens-Delegierten hat, wie derNewhork Harald" aus New- Castle meldet, den Eindruck hinterlassen, daß c5 möglich feitf wird, die Unterhandlungen mit Erfolg zu beenden. , Witte setzte die Japaner in Erstaunen durch seine Forderung, täglich zwei Sitzungen abzuhalten, deren erste bereits um 9 Uhr morgens be­ginnen soll. Es deutet dies auf den Wunsch hin, die Verhand­lungen schnell und zum glücklichen Ende zu führen. Soweit bis jetzt verlautet, hat Witte die Japaner ersucht, ihre Beding­ungen im allgemeinen gleich zusammenzufassen oder wenigstens ausreicheicke Angaben darüber zu machen, damit die russischen Delegierten in der Lage sind, festzustellen, ob diese Bedingungen als Grundlage für eine Verständigung geeignet sind. Die Japaner weigern sich, so weit zu gehen.

Petersburg, 10. Ang. Die russische Presse faßt ihre Kommentare über die Aussichten der FriedensverHandlungen dahin zusammen, daß es an einer genügenden Basis fehlt, um einen Friedensschluss zustande zu bringen.

Tokio, 10. Aug. Die japanische Presse ist sehr befriedigt über den Empfang der japanischen Friedens-Delegierten seitens der amerikanischen Bevölkerung und speziell durch Rwsevelt. Der Ton der Presse ist sehr optimistisch.

Witte

hat bei seiner Mission als Friedensunterhändler nicht nur die großen Schwierigkeiten zu Überwinden, die die Verhandlungen mit den Japanern bieten werden, er hat in dem Lande der Pankees auch mit den R c po r t e r n und den Photographen einen unaufhörlichen erbitterten K ampf zu führen. Namentlich als er sich mit Baron von Rosen nach Ovster Bay begab, stürzte

Sophokles:

<ffiem da? gewöhnliche Lebensmaß Nicht genügt, wer ein größeres wünscht, Der, ich weiß es, gesteht sich einst: »Ich war in Torheit besangen." Denn der verlängerte Lebenslaq Stellt gar Vieles näher dem Leid, Unb das Erfreuliche siehst Du nicht mehr, Wenn Dein Wunsch Dir zu reichlich erhört ist.*

P. W.