Ausgabe 
9.2.1905 Zweites Blatt
 
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155* Jahrg^

Donnerstag, L-. Februar 1905

Nr. 34

Eichener Anzeige

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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen.

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KeKischer Landtag.

R. B. Darmstadt, 8. Febr.

'"'Am Ministertisch: Staatsminister Dr. Rothe, Finanz^- tnrnifter Dr. Gn a u th, Geh. Staatsrat Krug von Nidda, Geh. Rat Braun, Ministerialrat Dr. Eisen Hut.

Präsident Haas eröffnet die Sitzung um 9Vs Uhr. Tie zuerst auf die Tagesoronung ge,etzten Wahlen sür den zweiten und vierten Ausschluß werden auf später ver­schoben. Das 5>aus setzt daraus diL

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Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.

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136. Sitzung vom 8. Februar.

1 Uhr. Das Haus ih sehr schwach besetzt.

Am Bundesratstisch: em Kommissar

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der ersten Beratung des von dem Grafen Hompesch und Genossen (Bträ Gesetzentwurfs betreffend die Freiheit der Religions- übuna (Toleranzantrag.) T

Aba. Schrader sfreis. 93er.): Ter erste Teil des Antrages erhalt. wie der Äbg. Sattler ganz richtig nachwies, durch den zweiten Ten eine ganz andere Bedeutung, nämlich ein rein katholisches Gepräge. Da der zweite Teil so wie so aussichtslos ist, hätte das,,Zentrum wob besser getan, wenn es sich auf den ersten Teil beschrankt hatte. Tie Begründung, die der Abg. Dr. Bachem dem Anträge gab, ändert an der Sachlage nichts. Tie katholische Slircbe ist nur da, wo sre selbst nicht die Macht hat, bereit, den anderen Konfessionen entgegen zu kommen, aber dies ändert sich in demselben Augenblicke,, wo ste Die Macht erlangt. Die Tendenz des vorliegenden Antrags ist nun d'.e, der katholischen Kirche überall die Macht zu verschaffen Seit Jahr­zehnten geht das Bestreben des Katholizismus dahin, die Katholiken abzutrennen von der übrigen Bevölkerung, sie will iede Parität be­seitigen, und das Hoheitsrecht des Staates illusorisch machen. Di­tzum unruhigen Zentriim) wissen, das; dem so ist, und auch warum^ Sie wollen einfach die Macht, und dazu brauchen Sie ein Volk, da^ Ihnen ergeben ist. ?lber wir wollen nicht, daß eine Gemeinschaft sich über Staat und Staaisgesetz stellt. Ebenso entschieden, wie wir den zweiten Teil des Antrags ablehnen, treten wir für den ersten Teil ein; denn er enthalt fa nichts anderes, als die Statmerung der Freiheit religiöser Ueberzeugung für jeden einzelnen. Eine Beratung Dieses Teils in einer Kommission ist wohl überflüssig. , JteDncr bleibt in seinen Darlegungen im einzelnen unverständlich.

haben können, wenn die Regierung in den ^cr^al^u,n^? mit Preußen ein größeres Maß von Festigkeit beobachtet und bessere Bedingungen erreicht hätte. Hessen hatte Mrt dw Zudwiasbahn eine süddentjche Eisenbahn g em eruschast er- [trcben sollen. Wenn Abg. Reinhardt den Ausspruch desi SMlcacn Dr. David im Reichstage rügte, daß dre preußisch' hessijme Eiscnbal)ngemeinjchaft den ersten Einbruch deutichland darstelle, so habe er m gewissem Sume re^,. Denn der erste Einbruch war ergenürch der &rtorb oer, Main-Weser-Bahn. Wir sollten auch bezugltchunsererErs^ babnerträauisse erst einmal abtvarlcn, welche ^^tung »rc neuen .Handelsverträge aus die NnnahmenaMuben wur­den. Bezüglich der Lotterie empfehle er dem Staate zum Rückzug zu blasen; jedenfalls sE -r em Bmdes at dahm. wirken, daß die jetzigen nnerqnrerllchen ^uswnde »n -E riciucfen besei trat werden. Redner bespricht dann ot» Brer teren die Mißstande bei der Stempels^uer; ört: au* Siemveln jetzt mehr herausgewirtschaftet, als au» dep

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nnd die Minister weben mit. (Heiterkeit.) Der Reichskanzler brauchte neulich ein Bild von einem, der auf den Rathansturm klettern wollte am Blitzableiter. Ra, vielleicht wäre der Reichskanzler da oben ganz angebracht als Wetterfahne. (Stürmische Heiter feit links.) Auch die Bestimmungen über die Tissidentenkinder müssen geändert werden. Bisher war die Geschichte der Tsisi deuten von Giordano Bruno bis zur Ausräucherung aus der Schulaula (Heiterkeit) eine Leidensgeschichte Ter Dissident, der -inen Eid leisten muß, wird ja geradezu zum Meineid gezwungen ^enn er kann doch nicht bei einem Gott schwören, an den er nick: glaubt. Als ich mal einem Richter das sagte, erwiderte der mir1 Es ist ganz egal, was Sie glauben, wenn Sie falsch schwören, kommen Sie doch ins Zuchthaus! (Große Heiterkeit.) Ganz gm wäre es, wenn man die Eidesfrage auch in diesen Antrag hinein brächte. Der bekannte Falkscbe Erlaß soll den Tissidentenkinder,' zu gute kommen. Ich wurde aber trotzdem einige zwanzig Mal verurteilt, weil ich meine Kinder nickst in den Religionsunterricht schicken wollte. Tas Landgericht entschied nämlich: Der Falkschr Erlaß bezieht sich nur auf höhere Lehranstalten, nicht auf Volks schulen. Also, die Leute, die Geld haben, brauchen keine Religion Das Kammergerickst entschied freilich anders, trotzdem aber bekam ich wieder Strafmandate, und der Rektor sagte zu mir:Ihr Nmd muß alles lernen". So kam ich dann nochmals vor das Kammergericht. (Heiterkeit.) Es wehte dort jetzt ein anderer Wind, denn Bosse war inzwischen an die Reihe gekommen. (Hei-

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Abg. Hoffmann-Berlin (Soz.): liniere Stellung zum Toleranz­antrag ist bereits durch Genossen David dargelegt worden, stuf Ihrer Seite (zum Zentrum) kann es keine Toleranz geben: denn es handelt sich hier nicht um Neberzeugungen, sondern um Privat-, Standes- und Klassen-Interessen. Zu den einzelnen Bestimmungen des Antrages habe ich zu bemerken: Sie wollen den Austritt aus der Landeskirche noch versteuern, trotz der Fassung des § 6 Es ist eben ein kostspieliges Vergnügen, sich die Kirche vom Hälfe zu halten. Vor allem müßten sie doch dafür sorgen, daß die Abgaben an die Kirche nach dem Austritt aufhören. Sie können doch eigent­lich nicht von Heiden und Ketzern noch Geld nehmen, solches Sündengeld kann der Kirche doch nicht frommen. (Heiterkeit.) Oder wollen Sie (zum Zentrum) auch in die katholische Kirche die Mir- bach-Moral einführen? (Heiterkeit.) Wir wünschen,.daß die Kirche frei werden soll von jedem Zwang; wir. haben nichts gegen die Kirche, wenn die Leute sie wünschen und sie selber bezahlen.. Da­gegen haben wir sehr viel gegen die Kirche, wenn, sie sich in den Dienst der herrschenden Gewalten stellt. Sahen wir doch erst vor einigen Tagen, wozu die Religion gemißbraucht werden kann: in Petersburg, da haben die Kugeln des Zaren gepfiffen auf das Symbol des Ehristentums, das den Massen vorangetragen wurde, da konnte man sehen, zu welcher Schmach die Religion benutzt wurde!Religion ist Pcivatsache", dabei bleibt es für uns. Aber das heißt noch lange nicht, daß wir überhaupt nicht über die Religion sprechen Wir werden stets ein kräftiges Wort darüber sprechen, so oft die Religion zur Stärkung der Gewalthaber gemißbraucht wird. Und gerade dazu brauchen Sie (zum Zentrum) sie fort­gesetzt. Daher ist Ihnen auch die Schulbildung mit Ausnahme der Religion" ein Dorn im Auge! Reichensperger hat einmal ganz offen im Abaeordnetenhause gesagt: . Alles, was über Lesen, Schreiben und Religion hmausgeht, ist vom Nebel l (Hört, hört!) Warum rufen Sie (zum Zentrum) nicht:Sehr richtig!"? Das ist ganz Der Standpunkt des Herrn von Puftkamer, Der da sagte: Zum Kartoftelbuddeln lernen die Kinder immer noch viel zu viel!" (Unruhe rechts.) Vor allem Religion: Bibelsprüche, Gesangbuch- Verse! Natürlich, wo das im Gehirn ist, da kann nichts anderes mehr hinein. (Heiterkeit.) Da braucht man sich nicht zu wundem über die Resultate unserer Volksschulbildung.

Irr Stuttgart wurde festgestellt, daß in einer Klasse nur 6 die Hauptstadt des Deutschen Reiches, nur 11 den Erdteil, in dem sie wohnen, kannten, daß 17 den Namen Bismarck nicht kannten. In dieser Schule aber wurde 12 Stunden in der Woche Religions­unterricht erteilt. (Hört! Hört! b. d. Soz.) Außerdem herrscht ja überall das Bestreben, auch alle andern Fächer mit Religion zu durchsetzen: in Lesen, Schreiben, Geschichte, überall. Nur noch nicht im Rechnen, denn in der Nechenstunde hat man es noch nicht fertig gebracht, zu beweisen daß 3X1 = 1 ist. (Unruhe im Ztr.)

Man macht jetzt so viel Aufhebens von dem Toleranzantrag, eigentlich aber ist es für deutsck)e Zustände beschämend, daß ein Antrag auf Religions- und Glaubensfreiheit bei uns . noch dis­kutiert werden muß. Vor fast 200 Fahren war eS ein Hohen- zoller auf dem Thron, der Gewissensfreiheit verlangte. Er sagte: Ich wünsche mir nichts mehr als ein edles fühlendes freidenken­des Volk. Wenn auch die Freiheit gemißbraucht wird, so bin ich doch desto sicherer vor niederem Gewürm und Schmeichlern." (Hört! Hört! b. d. Soz.)Ueber meinen Untertanen soll Die Morgenröte der Weisheit aufgehen, herrschsüchtige Priester sollen die Freiheit nicht einschränken können, keine allgemeine Religion soll herrschen." Denken sie: ein Hohenzoller auf dem Thron für Tenkfreiheitl (Unruhe rechts.) Dis war Friedrich,der Große". Seitdem haben wir noch mehrereGroße" gehabt (Heiterkeit), aber so gmß habe ich noch keinen reden hören, obgleich sie manch­mal eine game Menge reden. (Heiterkeit b. d. Soz.) Heute weht Der Wind ganz anDers als zu Friedrich des Großen Zeiten,

Anlage der Grundbücher, die sich mit den dies mach gen Bewilligungen schon bald auf eine Million belaufen. Ter Weg, den das Finanzministerium zur Sanierung unserer Finanzen eingeschlagen habe, erscheine ihm als der einzig richtige, vernünftige und auch geschäftsmäßig Karste, nur mit her Einschränkung, daß der Dirni^r lewer nicht das von Redners Partei befürwortete System einer Steigerung in der Progression der großen Einkommen, beim Vermögen, hohen Erbschaften ic. akzeptiert. Es komme daraus an, wessen Schultern am stärksten sind, die größeren Lasten ui tragen. Entlastet werden inüßten vor allem die kleineren Einkommen Filter 1000 Mk., umsomehr, als durch den neuen Bolltari lviedcr eine größere Belastung der Minderbemit­telten geschaffen werde. Für eine Reouzierung der Ler- möaensneucrsatze liege absolut kein Grund vor. Die Freude darüber, daß die Erseubahnertrrägnisje um 1200 000 Mk. höher seien, teile er auch, es wäre aber noch viel mehr

Kultur. Ta bin ich ganz der gleichen Meinung wie der Vorredner, etei) spreche im übrigen Das sei von vornherein bemerkt nur für meine Person, nicht für meine Partei. In Süddeutschland herrscht tiefgehende Beunruhigung wegen Der verdächtigenTole­ranz" des Zentrums. Sie (zum Zentrum) verquicken Religion mit Politik. Man lese nur dasGebetbüchlein für die katholische Männerwelt" von Pfarrer Tr. Josef Anton Keller. Da heißt es: Ter Liberalismus ist Der Feind",Wen wählst Du? . lieber» Haupt ist dies ganze Andacktsbuch nichts, als ein Wahlkatechismus für Das Zentrum. (Hört! Hört!) UnterLiberalismus' wird Dort eine Weltanschauung verstanden, Die alle nicht klerikalen Parteien umfaßt. Auch Sie (zu Den Sozialdemokraten) fallen darunter, ob- gleich Sie gerade in Bavern ein liebevolles Techtelmechtel mit dem Zentrum haben (große Heiterkeit), auch Die Rechte

fällt Darunter. (Hört! Hört!) Dies Büchlein tft erschienen unter Approbation Der Geistlichkeit, Der Verleger hat eine hohe Auszeichnung von feiten des apostolischen Stuhles erhalten lHört. hört!) In diesem Büchlein steht auch u. a.:Selbst­verständlich gehört der katholische Mann Der Zentrumspartei an. sHört, hört! und große Heiterkeit.)Wählet nie und nimmer ftaubenslose Manner. (Sehr richtig! im Zentrum.)Wer Gott nicht fürchtet und nur liberale Zeitungen liest, der wird,em Ver­räter sein." (Sehr richtig! im Zentrum.) Gegen derartige Prak­tiken, unter religiösem Teckmantel Parteipolitik zu treiben, muß

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entschieden Front gemacht werden!

Den ersten Teil des Antrags will auch ich acceptieren, obgleich ich befürchte, daß wir damit eine Einfallspforte für spätere weiter­gehende Wünsche schaffen. Aber über den hochwichtigen zweiten Teil: Darunter mutz zunächst einmal eine Aussprache in aller Deffentlick'kelt staitfinden, nicht etwa in Der Stille einer Som* Mission Er ist von so eminenter kultureller Bedeutung, Daß manche der Herren gar nicht ahnen was alles dahinter steckt, terfeit.) So hat man in weiten Kreisen das Gefühl, daß durch Den letzten Paragraphen des Antrags unsere Schulen sämtlich Den Kon­gregationen ausge'iefert würden. Wenn eine Kommsisivnsberatung ftattfinber. und ein schriftlicher Bericht erstattet werden sollte, so müßte man als Appendix eine Reihe von Urkunden beifugen, Damit man wirklich weiß was das Zentrum unter Toleranz versteht. Hierzu gehören z. B eine Anzahl päpstlicher Bullen und Der Lyllabils, von Dem Fürst Hohenlohe sagte, daß Dessen Satze sich gegen die Grundsätze des öfstmtlichen Lebens richten.^ Wenn ete (nun Zentrum' wirklich Toleranz wollen, dann losen Sie Die Schule von Der Kirche, geben Sie Freiheit Der Winenschaft und vor allen Dingen verzichten Sie auf Den Geldbeutel des -Staates! Tann erst werden wir mit gleichen Waffen kämpfen., Aber Das wollen Sie nicht. Sie wollen nur eine freie Kirche in einem un­freien Staate. Wenn Schiller heute fein bekanntes Wort sagte:aus Religion gehöre ich keiner Religion an", wurDe er gewiß auf Grund des § 166 bestraft. Durch den zweiten Teil- des Antrages wird dieser Geist des Konfefsionalismus, an dem die Kultiiserzellenzen nicht unschuldig sind, nur verstärkt. Deshalb bitte ich Sie. lebnen Sie ihn ab (Beifall links. Zuruf aus dem Zentrum- Vergessen Sie nicht ^hr Gebetbuch. Redner holt unter stürmischer Heiterkeit des Hauses das auf der Tribüne liegen ge­bliebene Gebetbuch.)

Abg. Gköbcr (Zentr.): Der Vorredner hat nur in seine« Namen gesprochen, deshalb brauche ich ihn wohl nicht eingehend zu widerlegen. Seine Worte werden aber in Bayern beachtet werden, wenn auch in anderem Sinne, als er meint. Nun tft gesagt wor­den, unser Aniraa richte sich gegen den Protestantismus. Dies ist grundfalsch Als unser Antrag eingebracht wurde, wurde er nur non angesehenen nationalliberalen Blättern begrüßt, z. B. von derNationalzeitung", die u. a. im Dezember *900 schrieb: ..Wiederholt sind in Den letzten Fahren in Sachsen, Mecklenburg, Braunschweig usw Vorgänge passiert, die zeigen, daß in diesen Staaten noch immer gesetzliche Bestimmungen bestehen, die mit Der religiösen Freiheit unvereinbar seien. Wir würden daher tn einem Gesetz, das mit diesem Wust vergangener Zeiten aufräumt etnen Fortschritt nicht verkennen und ihm nicht widersprechen. Und dabei bekämpfen heute Die Nationalliberalen m so scharfer Weise unfern Antrag Ich betone nochmals, daß es sich habet nicht um einen konfessionellen Vorstoß handelt. Wir wollen nur, daß Zu­stände beseitigt werden, wie sie jetzt noch in Sachsen Usw. bestehen, daß ein Priester bestraft wird, der ohne besondere Erlaubnis katho­lischen Gottesdienst abhält. Unser Antrag richtet sich nicht gegen die Hoheit des Staates, sondern nur gegen die Bevormundung durch Die Bureaukratie. Auch will er nicht, daß den Religionsgemein­schaften Rechtsfähigkeit erteilt wird die können sie je^: IW W Umwegen dadurch erlangen, daß sie sich als Aktiengesellschaften eintragen lassen. (Heiterkeit.) InMecklenburgi hat die Remerung darüber zu bestimmen, ob ein Bedürfnis für den katholischen Gottes dienst vorhanden ist oder nicht. Die Herren, stellen abr gar lerne Untersuchungen an. sondern macken es ganz so, wiees^bnen patzt. Das sind die richtigen Bureaukraten, die statt des H ns ent Tintenfaß in ber Brust haben (Heiterkeit.) SB«= mit

unfenn Antrag so lange wiederkommen, bi» unsere gerediten «ö - iterbcu abn-st-llt sind. R-vner fMbert eimeS«b bu » Behandlung der Katholiken in Sach,-N und Braunschweig, wird dabei von -ntrüstet-n Pfui-Rufcn seiner Fr°NwnSg-n°ss-ui 6^ gleitet. (Präs Graf Ballesirem erbebt sich, droht den.

mit dem Finger und sagt: M-me Herren, das omtnoje Wort . . .!, was grosie Heiterkeit heroorrust).

Aba Dr Sattler (ul.): Es ist bereits nach 6 Uhr, wir können mit Dem" Gegenstand nicht fertig werden, ich beantrage deshalb . Vertagung. (Beifall.)

Der Antrag wird angenommen.

Nächst- Sitzung: Donnerstag 1 Uhr.

[ Erste Beratung der H a n d e l s o e r l r a g e.

1 Schluß 6!4 Uhr.

terfeit.)

Der Staatsaiiwaltsckaftsrat fügte nämlich:Es wäre meine ' Pflicht gewes-n, mich zu unterrichten, ob fick das Kammergerickst > bei feinem ersten Urteil nickst geirrt hätte." (Große Heiterkeil.) ^ch wurde also verurteilt. Was würde aber wohl paffwrt icm, wenn ich da die Rickter gefragt hätte:Entschuldigen Sie, hab-n Sie sich vielleicht nickt geirrt?" lSiürmische Heiterkeit) Ich wurde also verurteilt, trotzdem kein Buchstabe an Den Gesetzen gedruert war, nur weil die Minister gewechselt hatten, und ein anderer ->tnc von oben webte. Ich werde deshalb nock einen Mmisterwechsel abwarteu und Dann nock einmal fragen: Haben Sie sich oielleick't geirrt? (Heiterkeit.) Graf Poiadowskh sagte gestern, man sollte nickt «Weiseln an Der Unvarteilickkeit der R'ckrer. Aber wenn die Gesetze fo ausaelegt werden, heute so und morgen so, roo fefl[ man da nock glauben an Der Unvarteilickkeit Der Richter? lGroße Heiterkeit.) Selbst Der Hofvrediger a. T. Stöcker qat gefügt, es wäre unrecht, Kinder zu zwingen, etwas zu lern-n, was Die Eltern nicht glaubten. Auch unter Dem Minister Stadt ist es nickt besser geworden. Dreimal bat Die Kommission des Abgeordnetenhauses Petitionen der freireligiösen Gemeinde behandelt, an das Plenum sind sie nickst gekommen, das hohe Haus batte keine Zeit dazu, trotzdem es den ganzen Sommer Diätenvoll in den Ferien war. Zn Der freien Republik Hamburg sinD sogar freireligiöse Versamm­lungen unmöglich. Und Da wollen Sie von Glaubens- und Ge- wisiensfreiheit reden? In Berlin bat man Dr. Will? und Fräulem Ida Altmann verboten, Religionsunterricht zu erteilen, weil in ihrem Unterrichtfein positiver ®otte§glaube, vorhanden seil Als sie diesem Verbot nicht nackkamen, hat man sie ins Gefängnis ge­steckt auf administrativem Wege, ganz wie in Rußland. (Hört, hört!) Und Dann hat man Fräulein Altmann ihren Lehrbereck? kigungsschein überhaupt entzogen, wegensittlicher Bedenken". Diesesittlichen Bedenken" bestanden eben in jener Gefängnis­strafe 11 (Unerhört! Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.)

Also müssen wir recht vorsichtig fein bei den Toleranzgesckenken. mit denen wir beglückt werden sollen. Besondere Furcht vor Ihnen (zum Zentrum) haben wir aber nicht. Das überlassen wir den Nationalliberalen. Die Rede des Herrn Dr. Sattler war die ver­körperte Furcht vor Rom und Den Jesuiten. Aus ihm schrie Die Sehnsucht nach einem neuen Kulturkampf. Die Zeiten Des Kulturkampfes waren für Die nationalliberale Partei wirklich zu schön! Ach, wie ist sie feitDem zufammengesckmolzen. Na. suchen Sie (zu Den Nalionallibst Dock Die LeiDensckaften Des Kulturkampfes wieDer aufzupeitschen, wenn sie noch ein paar übrige Mandate übrig haben: Das Zentrum wirD sie Ihnen schon abnehmen. Auch wir sinD im übrigen gern Dazu bereit. Durch folcke Reden legen Sie dem sckon etwas wackelnden Zentrumsftirm nur einen eisernen Reifen um. (Sehr wahr!) Das Zentrum kann bei solchen Vorstößen nur gewinnen, daher freut es sich Darüber. (Abg. Dr. Heim, Zentr.: Sehr richtig!) Na ja, ich kenne ja Ihr (zum Zentrum) gutes Herz (Schallende Heiterkeit), ick weiß ja. was gern haben. Sie aber (zu den Natl.) verkürzen sich dadurch noch die paar Lebensjahre, die sie noch haben: Sie leben ja nur noch von Der Gnade anderer Parteien, nur mit Unterstützung der reaktionärsten Parteien schleppen Sie sich in den Reichstag.

Also nochmals: Wir stimmen für den ersten Teil be§ vorliegen­den Antrags. Aber glauben Sie nur nicht, daß Sie mit diesem Antrag im' Ernst etwas für die Glaubensfreiheit tun. Wollen Sie wirklich etwas tun, Dann sorgen Sie für einen guten Volksschul- unterricht, vor allem auch in Der Geschichte! wir haben ]a jetzt auck einen Geschichtsunterricht, aber was für einen! Da werden Die Ge- burts- und Sterbetage Der Fürsten gelesen und Die Schlackten, Die sie gi Wonnen,von Den verlorenen rcDct man nicht I (Große Heiterkeit.) Diese Zahlen werden die Kinder alle am Scknürcken lvissen. Aber fragt sie nicht nach Schiller und Goethe! Von Denen weiß man wenig in Der Volksschule. Kein Wunder, in einer Zeit, wo man SchillerDenkmäler entfernt, um Fürstendenkmaler hinzusetzen! (Sehr gut!) Es ist ja wahr: wo soll man sie Denn Hinsehen? Wemi Das so weiter geht mit Der Denkmalssetzerei, so wird man bald ein Preis- missckreiben erlassen müssen, nach fteien Platzen sur Furstendenk- mäler! (Heiterkeit.) Also: Tragen Sie nicht so dick auf mit Ihrer Toleranz". Wir wisien. was wir davon zu halten haben. Wir wollen Gewissensfteiheit für das ganze Volk. (Heiterkeit.)

Abg. Dr. Müller (Meiniiigen, frei?. Volksv.): Die Behandlung der DissiDenten ist in der Tat eine Schmach für unsere ganze deutsche

fort. Avg. Ulrich gibt zu, üag uw)etc Finanzlage im allgemeinen besser gemorden sei, allein wenn man genauer hinsehe, werde man doch zu arosiem Jubel keinen Anlah finden, sondern auch in Zukunft darauf bedacht sein müssen, möglichst vorsichtig und, sparsam zu wirtschaften. 3m

üiUÖbcn die' Posten für die I herauszuholeu gewesen, und wir hcitten eure doppelte Freude