Ausgabe 
2.5.1905 Erstes Blatt
 
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frcllen '.UC-aBrcijcliiTtg die Behörden verweigerten. Der Kriegs- Minister stellte 300 Militärbäcker, um die Streikenden teilweise 3u ersetzen. Der Minister des Innern telegraphierte an die Gou­verneure uni» Alkalden der nächsten Ortschaften, alles verfügbare Brot nach Madrid zu schicken, um die unangenehme Lage zu bessern. Eine neuere Meldung sagt: Der Ausstand der Bäcker wird als beendet angesehen.

Die Maifeier

der Sozialdemokraten ist in der ganzen Welt, ausgenommen in Rußland, worüber wir an anderer Stelle die erschrecklichen Nachrichten veröffentlichen, ziemlich ruhig verlaufen.

In Berlin hat die Maifeier den üblichen Verlauf ge­nommen. Im allgemeinen waren die VormittagSvcrsamm- lungen gut besucht, aber der Hauptfesttrubel war wie sonst erst in den Abendstunden. Auch in Hamburg verlief der Tag unter großer Beteiligung der Arbeiterschaft ruhig. Am Demonstrationszng nahmen etwa 25 000 Personen teil. Der Arbeitgeberverband erklärte, feiernde Arbeiter für zehn Tage auszusperren. In Heidelberg hielten zur Vorfeier des 1. Mai die Sozialdemokraten in der Stadthalle eine von etwa 15'18 000 Personen besuchte Volksversammlung ab. Klara Zetkin sprach zwei Stunden lang über die Forderungen der Arbeiterschaft.

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Aus Stadt und Land.

Gießen, 2. Mai 1905.

** Taschenfahrplan Sommer 1905. Für die Bezieher des Gießener Anzeigers in Gießen ist der heutigen Ausgabe das beliebte kleine Taschenfahrplanchen beigefügt. Den auswärtigen Lesern wird das Büchlein tn einigen Tagen durch die Post oder durch unsere Zweigstellen zu­gestellt werden.

** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Schullehrer Falken st ein zu Klein-Winternheim aus Anlaß seines am 1. Mai stattgefundenen 50jährigcn Dienst­jubiläums die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen verliehen. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Dexheimer aus Heppen­heim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Laubenheim, dem Forstwart der Forstwartei Bayerseich, Förster Geisel zu Bayerseich wurde aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* Die Beerdigung von Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Eckhard sand gestern vormittag 11 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs aus unter großer Beteilig­ung statt. Am Sarg in der Kapelle sprach Pfarrer Euler. Als der Sarg von der Kapelle zum Grabe getragen wurde, hatten die Chargierten der Korporationen in Wichs und mit Fahnen im Mittelgang der Kapelle Ausstellung genommen. Vor dem Sarge schritt die Militärmusik. Dein Sarg schlossen sich die nächsten Leidtragenden, der Lehrkörper der Universität und die sämtlichen Korporationen an. Der Rektor, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Voss ins legte zuerst im Namen der Landesuniversität einen Kranz nieder mit folgenden Worten:

Trauernd steht der Lehrkörper der Landes-Universität mit Studierenden am der Gruft ihres ältesten Lehrers und Meisters, der seit 5V» Dezennien unentwegt unserer Hochschule angehört und ait der Ausbildung der angehenden Aerzte, die über alle Welt zerstreut sind, regen Anteil gehabt hat. Wir haben einen bedeutenden Mann tierforeit nicht in der Blüte der Jahre, sondern im höchsten Alter, in dem man sonst schon /ängst nach einem otium cum dignitate Sehnsucht empfindet. Bis in die letzte Zeit hat er in stiller Zurückgezogenheit, von vielen jüngeren Kollegen kaum gekannt, ernsten wissenschaftlichen Arbeiten mit rastlosem Eifer obgelegen. Nur kurze Zeit gönnte er sich zur Er­holung von der Arbeit; jetzt ist ihm Ruhe für immer beschieden. Er ist ohne langes Siechtum imb ohne schweren Todeskampf abberufen; möchte ihm die Erde leicht werden! Während seiner langjährigen Tätigkeit an der Gießener Hochschule hat er alle akademischen Aemter inne gehabt; er war wiederholt Dekan der medizinischen Fakultät, im Jahre 1873/74 Rektor der Landes- Universität. Anfangs vertrat er das Fach der Anatomie und Physiologie, seit dem Sommersemester 1891 nur noch bie Phy­siologie. Im Jahre 1893 hatte ich die Ehre dem Verstorbenen im Namen der medizinischen Fakvltät als deren Dekan die Glück­wünsche der Fakultät zum 70. Geburtstag auszusprechen, heute rufe ich ihm den Abschiedsgruß als derzeitiger Rektor der Landes-Universität zu, in deren Namen ich diesen Kranz an isinem Grabe niederlege.

Der Dekan der medizinischen Fakultät, Geh. Medizinal- rat Prof. Dr. Pfannenstiel legte namens der Fakultät mit folgender Anftwache einen Kranz nieder:

Die medizinische Fakultät verliert in dem Entschlafenen, den wir heute zur letzten Ruhe geleiten, ihren Senior, einen überaus liebenswürdigen Kollegen von vortrefflichem Charakter, einen her­vorragenden Gelehrten, einen von feiner Wissenschaft begeisterten Lehrer, einen bis in die letzten Tage seines Lebens unermüdlich und freudig schaffenden Arbeiter in dem Reiche der von ihm vertretenen Wissenschaft. Nur wenige unter uns sind ihm mensch­lich näher getreten, nicht weil er nicht freundschaftliches Empfin­den an den Tag zu legen vermocht hätte, nein nur weil ihn ein Menschenalter trennte von seinen jüngeren Kollegen. Ge­nügsam mit sich selbst, zufrieden in seiner Abgeschlossenheit, glück­lich in seiner von ihm selbst geschaffener Welt, lebte er unter uns und neben uns, wie ein Bild aus der Zeit unserer Väter. Seines Amtes waltete er mit großer Pflichttreue und mit fast pedan­tischer Gewissenhaftigkeit, in der Arbeit lebte er, durch die Arbeit erhielt er sich frisch und rüstig, und als er bereits todkrank war, ließ er sich kaum fähig zu gehen, täglich zu seiner Arbeits­stätte fahren, und viel hat nickst gefehlt, daß er an dieser Stätte den letzten Atemzug tat. Seine wissenschaftliche Laufbahn spielte sich fast ausschließlich an unserer Hochschule ab. Anfangs als Prosektor, später als Lehrer der Physiologie und weiterhin auch per Anatomie, eine geraume Zeit Vorsteher der beiden wissen­schaftlichen Institute, widmete er sich in den letzten 14 Jahren »ausschließlich der Physiologie. Und es ist erstaunlich, wie er hier, seinen Posten trotz seines hohen Alters als Lehrer und Forscher voll ausfüllle. Seine wissenschaftliche Bedeutung lag auf dem Gebiete der experimentellen Physiologie, welches er meisterhaft beherrschte und auf welchem er trotz der dürftigen und bescheidenen Forschungsränme uno trotz geringer Unterstützung viel und Großes leistete. Seine Schriften, groß an Zahl, haben zum Teil befruchtend gewirkt auf die allgemeine medizinische Wissenschaft, sie sind alte fesselnd geschrieben, vielfach mit feinem Humor gewürzt und zeugen ebenso von großem Fleiße wie von Klarheit und Wahrheit. Eckhard hat auch eine Anzahl hervor- rageicher Schüler herangebildet, welche z. T. als akademische Lehrer aus den verschiedensten Gebieten der theoretischen und praktischen Medizin berühmt geworden sind. Die ihn kannten tn bet Mute seiner Jahre, sprechen mit Begeisterung von diesem Manne, wir jüngeren, die wir ihn kennen lernten in seinem Atter, haben mit Achtung und Ehrfurcht zu ihm aufqeblickt. Uns allen, denen es vergönnt war, seine Zeitgenossen zu sein, wird Konrad Eckard unvergeßlla) bleiben.

Auch die Studentenschaft spendete einen Kranz. Unter een übrigen zahlreichen Leidtragenden befand sich auch der Bürgermeister von Homberg a. d. Efzc, welche Stadt be­

kanntlich den Verstorbenen zu ihrem Ehrenbürger ernannt hatte; er legte gleichfalls einen Kranz am Grabe nieder.

* Schillerfeier, Zur Ergänzung der in der gestrigen und vorgestrigen Nummer enthaltenen Anzeige und zu weiterer Ausilärung teilen wir folgende Einzelheiten mit. Die drama­tische Aufführung im Stadttheater steht unter der künst­lerischen Leitung de§ Herrn Direktors Steingoetter. Da§ derRütliszene" und demLager" vorangehende Fest­spiel hat das jetzige Mitglied des Hamburger Schauspiel­hauses Alexander Otto zum Verfasser. Es wurde zur Erinnerung an die erste Aufführung desWilhelm Tell" am 17. März 1804 in Weimar gedichtet und spielt in Schillers Wohnung am Abend dieser Aufführung. Personen: Schiller, Lotte und Heinrich Voß, Schillers Famulus. Die Rolle der Lotte hat Fräulein Irene Schädel aus Gießen freund­lichst übernommen. Die Marketenderin und die Aufwärterin imLager" werden von Frau Auguste Fischer und Fräulein Gertrude Seesemann vom hiesigen Stadt- Iheater gespielt. Das von der Kapelle unseres Regi­mentesKaiser Wilhelm" unter Leitung deS Herrn Musik­direktors Krauße ausgeführte musikalische Programm hat nachträglich eine Aenderung erfahren, die aus der Anzeige ersichtlich sein wird. Wir wollen nicht unterlaffcn, auch hier dankend zu vermerken, daß Seine Exzellenz der komman­dierende General von der Abhaltung des bereits befohlenen Zapfenstreiches bei Gelegenheit seines Aufenthaltes in Gießen vom 3. bis 5. Mai auf Bitte des Ausschusies für die Schillerfeier Abstand genommen hat. Die Zahl der Theater- Aufführungen steht zur Zeit insofern noch nicht ganz fest, als wahrscheinlich Dienstag, den 9. Mai, noch eine nur für Studierende bestimmte Aufführung zu den in der An­zeige bezeichneten Vorstellungen hinzukommen wird. In diesem Falle wird in der Montagsvorstellung auch Estrade und Gallerie für das Publikum offen stehen. Die für die Freitags-Aufführung vorgemerkten Plätze sind bis spätestens Donnerstag abend abzuholen. Vornotierungen für die Montagsvorstellung werden in der Musikalienhandlung Ehallier jederzeit angenommem Die Karten können aber nicht vor Freitag ausgegeben werden. Zum Programm des Festaktes in der Turnhalle ist zu bemerken, daß die musikalische Leitung in den Händen des Herrn Universitäts-Musikdirektors Trautmann ruht. Den Ehor bildet der akademische Gesangverein, der seine Mitwirkung dem Ausschuß mit dankenswerter Bereitwilligkeit zugesagt hat. Die Kapelle des RegimentsKaiser Wilhelm II" ist durch einige auswärtige Künstler verstärkt. Für das Solo­quartett in der neunten Symphonie sind gewonnen worden Fräulein Aenni Wiegand (Sopran), Fräulein Clara Fesca (Alt), Herr Anton Kohmann (Tenor), Herr Adolf Müller (Baß), sämtlich aus Frankfurt a. M. Der Raum ist äußerst beschränkt. Auf Grund polizeilicher An­ordnung durften nur 514 Sitzplätze im Hauptraum, 95 Sitz­plätze auf der Gallerie vorgesehen werden, keine Stehplätze. Das ist um so bedauerlicher, als auch der Festakt nicht als akademischer gedacht, sondern grundsätzlich für das gesamte Publikum bestimmt ist. Der Mangel eines großen Saales hat sich seit langem nicht in so empfindlicher Weise bemerkbar gemacht, wie bei dieser Gelegenheit. Um dieses Raummangels willen wird gebeten, Kinder zum Festakt nicht milzunehmen.

* * 5. Wissenschaftlicher Fortbildungs- kursus für Volks schul lehr er an der Landes- Universität. Morgen, Mittwoch, nachmittags 4 Uhr be­ginnt in der großen Aula des Univcrsitätsgebäudcs der 5. wissenschaftliche Fortbildungskursns für Volksschnllehrer. Wie früher schon gemeldet wurde, lesen; Prof. Dr. Groos überFriedrich Schiller als Philosoph", Prof. Dr. Hausen überPflanzengeographie (2. Teil)" und Pros. Dr. Sauer überDie antike Künst in ihren Beziehungen zur Neu­zeit". Diese zuletzt genannte Vorlesung wird durch Licht­bildervorführungen unterstützt werden. Es können, wie in den Vorjahren, euch Nichtlehrer an dem Kursus teil* nehmen. Nähere Auskunft erteilt gern auf gef. Anfrage der Gießener Lehrerverein; dieser nimmt auch morgen in der großen Aula der Universität noch Anmeldungen ent­gegen.

* Genickstarre. Der in der.Klinik liegende Arbeiter ist, wie uns mitgeteilt wird, nunmehr gestorben.

* * Ueb erfahren. Gestern nachmittag geriet' in den Neuen Bauen ein Radfahrer unter ein Fuhrwerk und erlitt eine Verletzung am Vein. Den Fuhrmann trifft keine Schuld, der Radfahrer selbst soll unvorsichtig gefahren und dadurch unter den Wagen geraten sein.

* * Terrorismus. Ein arbeitswilliger Schneidergeselle wurde gestern abend in der Goethe- straße von einem streikenden Schneider an ge­fallen und geschlagen. Selbstverständlich wurde ^An­zeige erhoben. Durch derartige Vorkommnisse werden die Streikenden die Sympathie des Publikums sich verscherzen.

* * Geflügelzucht. Auf der vom 21. bis inkl. 25. April in Nürnberg stattachabten 27. großen allgemeinen Vogel-, Geflügel- und Militärbrieflauben-Ausstcllung er-? hielt Friedrich Becker zu Gießen für ausgestellte Gold- Wyändottes einen 1. und einen 2. Preis.

' ** Eine große Menagerie steht zurzeit auf O§- waldgarten, wo sie einen großen Platz beansprucht, den Besuchern offen. Die Besitzerin, Mwe. I. Ehlbeck aus Hamburg, hat das große Zelt im Jvnern für die Besucher sehr bequem eingerichtet und es wahrend der Abendstunden die Menagerie ist bis 10 Uhr. abends geöffnet durch elektrisches Licht sehr gut beleuchtet. Auf der einen Seite des Zeltes sind die Käsige in einer lang eit Reihe aufgestellt. Eine überaus reichhaltige Sammlung! Der König der Tiere ist durch ca. 2 Dutzend schöner Exemplare vertreten; einen besonders schönen und interessanten Anblick bietet eine Löwin mit ihren vier Jüngen. Neben anderen Raubtieren, Tiger, Panther, prächtigen Eisbären, Hyänen usw. sind bemerkenswert ein humoristisch veranlagter Elefant, ein Nilpferd, ein Gnu, eine Giraffe, ein Tapir und eine große Anzahl anderer interessanter Tiere. Ein Besuch der Me­nagerie ist sehr zu empfehlen.

* * Donnerts im Mai, ist der April vorbei. Diese hübsche alte Regel hat sich am gestrigen 1. Tag des Wonnemonats wieder einmal bestätigt. Obwohl es tagsüber durchaus nicht heiß gewesen war, ging gestern abend gegen 7 Uhr unter einem ungewöhnlichen Platzregen ein richtiges Gewitter über unsere Stadt. Der Regen wird her Pflanzen­welt wohlgetan haben, und da das Wetter mild geblieben ist und unsere Gießener Propheten auf der Wetterwartei nichts Schlimmes Vorhersagen, werden wir hoffentlich recht bald zum Genüsse des schönsten Monats gelangen.

* Gießener Volksbad. Im April wurden 8477 Bäder verabreicht gegen 8163 im März 1905 und

90SC itn April 1904 oder im Durchschnitt pro Tag 283 Bäder gegen 263 im März 1905 und 301 im April 1904. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad 3710 Männer, darunter 1018 zu 10 Pfg.,

826 Frauen, ,, 125 10 ,

Wannenbäder 1. Klasse 252 Männer, 80 Frauen, 2. 782 , 448

Dampf- und Heißlustbäder, sowie Massage zusammen 163 Manner und 23 Frauen, Brausebäder 1956 Männer und 237 Frauen. Die Personenwage wurde von 220 Per­sonen benutzt, da§ Bad von 6 Personen besichtigt.

)( Klein-Linden, 1. Mai. In große Trauer wurde eine hiesige Arbeiterfamilie durch den raschen Tod! ihres Ernährers versetzt. Bergmann W. verschied an Lungen­entzündung. Er ist erst 35 Jahre alt und hinterlaßt eine Witwe mit fünf kleinen Kindern.

§ Lich, 1. Mai. Der Kriegervereinsbezirk Lich hielt gestern im Gasthauszum Löwen" in N ie d er- Bessingen seinen Frühjahrs-Bezirkstag ab unter dein Vorsitz des Forstwarts Gg. Blei. Den wichtigsten Teil der Tagesordnung bildete die Besprechung über die Anträge zum Delegiertentag des Hassia-Verbandes, der am 4. Juni m Laubach stattsindet. Bekanntlich hat das Präsidium der Hassia beschloßen, die seitherigen drei Bezirke Laubach, Hungen und Lich zu einem Bezirk unter dem NamenSolms" zu verschmelzen. Dieser Beschluß rief eine erregte Debatte her­vor und stieß auf allgemeinen Widerstand. Die Beibehaltung der seitherigen Einteilung wurde einstimmig gefordert. Weitere Schritte sollen an einflußreicher Stelle unternommen werden zur Erhaltung der drei Bezirke. Zu dem diesjährigen Bezirks- friegerfeft batte sich der Kricgerverein Ettingshausen gemeldet. Das Fest findet voraussichtlich am 16. Juli statt. Gleich­zeitig feiert der Kriegerverein sein 30jährige§ Bestehen, aus welchem Anlaß er vom Kaiser eine Fahnenschleife erhält. Der Bezirksverein beabsichtigt auch, an der im Sommer statt­findenden Einweihung des Denkmals für Fürst Ludwig teil­zunehmen.

t Bad-Nauheim, 1. Mai. Heute morgen 9 Uhr fand unter zahlreicher Beteiligung der Eltern und vom Freunden der Anstalt in der Turnhalle der hiesigen Stadt­schule die feierliche Eröffnung der höheren Bürgerschule statt. Die Anstatt "umfaßt eine völlig aus gebaute höhere M ädchenschule und eine in Entwickelung begriffene Reals chule mit Lack ein-Ab teilun g. In­folge des unerwartet großen Zudranges zur untersten Klasse mußte diese zuletzt genannte Mteilung in einem benachbarten Schulgebäude untergebracht werden.

Friedberg, 1. Mai. Gestern abend kam der vorüber­gehend sich hier aufhaltende Kaufmann Aalroggen aus Dortmund mit mehreren Studierenden der Gewerbe­akademie in Streit. Dabei zog der Kaufmann einen Revolver und schoß auf seine Gegner, wobei die Kugel einen an der Wange streifte und ihm das Ohr durchbohrte. Der Täter wurde verhaftet.

g. Büdingen, 1. Mai. Ein hiesiger Gutspächter hatte! vorigen Herbst eine große Menge Kartoffeln un­weit seines Hofes in eine fogen. Miete (ein zur Auf­bewahrung von Feldfrüchten hergestelltes Erdloch) aufbe­wahrt. Als er vor kurzem einen Teil der Kartoffeln holen! wollte, fanden sich nur noch einige Zentner vor. Der Gen­darmerie gelang es, die Diebe, 8 an der Zahl, aus--, findig zu machen. Diese hatte?: sich hier den ganzen Winter über ihren Bedarf an Kartoffeln auf diese billige Wette gedeckt. Bei einzelnen fand man noch Reste von 50 Pfd. bis 1 3tr. Gestern gelang es einem im hiesigen Hastlokal Inhaftierten NamenS Jll Hardt, aus de im Gesäng- nis in den nahen Wald zu entkommen. Er wurde jedoch bald darauf durch die Gendarmerie festgenommen.! Heute abend ging hier ein schweres Gewitter nieder.

sd. Darmstadt, 1. Mai. Prinzessin Friedrich Karl von Preußen ist heute nachmittag mit dreien Jhrep Söhne zum Besuch Ihres z. Zt. bei dem Regiment Nr. 81 auf dem Uebungsplatz befindlichen Gemahles eingetroffen und! um 5.28 Uhr wieder nach Frankfurt a. M. zurückgefahren. Ihre König!. Hoh. die Großherzogin haben heute vormittag 1/211 Uhr der Vorsteherin des Elisabethen--^ st ists einen Besuch abgestattet und wohnten um 11 Uhr im Hause der Frau Dr. Anna Merck einer Sitzung der Heidenreich v. Syboldschen Stiftung bei.

Sitzung des ProviriziaLausschufies.

Gießen, 29. April..

Zur Herstellung einer Straße längs des neuen veterinärmedi­zinischen Instituts in Gießen bedarf die Stadt Gießeni unter anderen zweier Grundstücke, von welchen das eine; den Eheleuten Johann Louis Spieß und das andere den Erben! Ferdinand Gail gehört. Die Stadt bot für das erste Gelände^ das direkt an die Sttaße stößt, 8.50 Mark pro Quadratnreter 7 verlangt wurden 16 Mark; für das letzte als Ackergelände 1.12 Mark pro Quadratmeter gegenüber einer Forderung von 9 Mark. Gütliche Einigung konnte nicht erzielt werden, und deshalb wurde das Enteignungsvcrfahren eingeleitet. Die Lokalkom-^ Mission, die eine Taxation des Geländes vornahm, schätzte den! Quadratmeter des Spießschen Geländes auf 12 Mark; denjenigen des Gaily'chen Grundstücks auf 5 Mark. Der Provinzial-Aus- schuß, dem heute die Angelegenheit zur Entscheidung vorlag, hielt nach längerer, eingehender Verhandlung eine Eirtfchädigung von 12 Mark für daS erstgenannte, und von 6 Mk. pro Quadrat-, meter des letzteren für anaemessear und erkannte demgemäß.

Die Gemein dej-ago zuGlanberg war am 15. Febrüar. dS. Js. in zwei Teilen zur Versteigerung gelangt. Hierbei war der erste Teil verpachtet worden, während das für den zweften Teil eingelegte Höchstgebot von 615 Mark mis dem Grunde nicht genehmigt wurde, weil der Gemeinderat einen höheren Pacht­preis fordern zu sollen glanbte. Wegen der Nichtgenehmigung seines Gebotes verfolgte der Höchstbietende, Rudolf Stern aus Frankfurt a. M., Beschwerde an den K^reisausschuß des Kreises Büdingen. Dieser gab ihr in seiner öffentlichen Sitzung vom 4. März d. I. statt. Gegen das Urteil des K'reisausschusses legte der Vertreter der Gemeinde Glauberg Rekurs an beit Provinzial-Ausschuß ein, welches in seiner heutigen Sitzung das Urteil des Kreisausschusses Büdingen aufhob.

Das Gesuch des Johann Michael D e s ch zu Bleichenbach um Erlaubnis zum Bettieb einer Gastwirtschaft wurde vertagt.

Neue'Le von Kenickstarre

sind allenthalben wieder vorgekommen:

Wörrstadt, l.Mai. In der nahe gelegenen Hassinger- schen Mühle erkrankte ein 12jährigcs Mädchen an Genickstarre.

Berlin, 1. Mai. Unter dem Verdacht der Genick starre wurde ein vier Monate alteZ Kind auZ der^ Dunckerstraße in daS Krankenhaus cingcliefert. Unter dem Verdacht der Erkrankuna an Genickstarre wurde ein Bäcker-